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JuLöa, Montag, den 25. November 1901.
M 270.
28. Jahrgang.
37)
(Nachdruck verboten.)
Ich legte alles wieder in den ledernen Sack und schob den Sack in sein Versteck und den Stein genau über die Oeffnung.
Ich bediente mich wiederum meine« glühenden Messer«, um die aurgehobene Scheibe einzufügen, und «ls diese langwierige Arbeit endlich fertig »ar, stieg ich wieder vom Baume herunter.
6« war halb ein Uhr, also die Zeit, wo Johann Maria täglich meiner harrte.
Ich fand meinen kleinen Bretonen in großer Verlegenheit. Der Teich war zugefroren und der Knabe warf große Steine in denselben, um das Ei» einzubrechen, da« ihm seine tägliche Beute vorenthielt.
„Guten Tag, Herr Peter!" rief er mit seiner Hellen Stimme; „stad Sie nicht mehr krank?"
„Nein, Kind, ich danke Dir, es geht mir heute viel bester. Wie steht's, will da» Fischen heute nicht gehen?"
„Ach, es ist ein Elend", sagte er verdrießlich, indem er mit der Hand seine langen blonden Haare zurückstrich. „Dieser ErS ist viel härter als die Steine. Sehen Sie nur ... sie gleiten darüber hin, ohne das kleinste Loch zu machen ... und der alte Ruck ist so krank, und wenn ich ihm nicht» bringe, so kann es leicht sein, daß et stirbt, der brave Mann!"
Ist verstand diese indirekte Bitte und gab ihm <in Sltberstück für den alten Ruck und ein anderes
Deutsche« Deich.
Berlin, 23. November.
+ Der Kaiser imd der Zolltarif. Die Zurechtweisung der Verbreiter unfinniger Nachrichten über angebliche Aeußerungen des Kaiser- um neuen Zolltarif hat auf nur sehr kurze Zeit zewirkt. I« den letzten Tagen wurden auf- neue vollkommen unverbürgte Meldungen über angebliche Aeußerungen in Umlauf gesetzt. Aber auch fie find, wie in den,Berl. Neuest. Nacht.' halbamtlich festgestkllt wird, „ebenso er» und en, wie ihre amtlich al- -erlogen bezetch» neten Vorläufer".
ft Wie AalionaMverale« und die Oe- tretdezölle. Nach der Versicherung der nativ» nalliberalen ,Berliner Börsenzeitung' könnten es nur etwa drei oder vier Mitgliederder nativ» nalliberalen Reichstagsfraktion sein, die gegen zede Erhöhung der Getreidezölle stimme» würden. Es ist erstaunlich, daß es auch diese drei oder vier gibt; denn man hat mit Bestimmt» hrtt anzunehmen, daß kein einzige- Mitglied der» selben Fraktion die vorgeschlagenen Erhöhungen der Jndustriezölle bekämpfe« werde.
• Irr Z-vtralveröasd der deutsche« Indnstrietle«, wenigstens das Direktorium desselben, wird am 13. Dezember nochmals zu einer Berathung über die neuen Zollgesehe in Berlin zusammentreten. Man setzt mit Recht voraus, daß alsdann der Reichstag die erste Lesung dieser Gesetzentwürfe beendet haben wird.
* In der entscheidenden Verhandlung über den KiseuSa-np-rsv-nl-Atat 1902 ist es, wie zuverlässig gemeldet wird, dem Eisenbahn-Mini.- sterium gelungen, die zur Anstellung der 155 ältesten Bureau-Diätar-1. Klaffe erforderlichen neue« Etsenb a hn s ekre r är-St ell en bei dem Finanz» Ministerium durchzusrtzen. Dadurch werden am 1. April 1902 die Diätare I. Klaffe mit einem Dienstalter bis zum 1. April 1895 einschl. die erste etalsmäßiae Anstellung erhalten. Unter Ein» ziehung von 400 Betriebs,ekretär- Stellen kommt für diese etatmäßigen »uwäner die gleiche An» zahl do» Else»bahnsekr«tär - Stellen in Zugang.
Hebet die Einsetzung von Mindestzöllen für das Getreide wird gesagt:
„Eine Ausnahme ist bet den Zöllen für die wich» tiasten Getreidearten gemacht worden. Mit Rücksicht auf die weittragende Bedeutung, welche ihrer Be- Messung für das Wohl der Laudwttthfchaft und der Befammlheit inuewohnt, erschien es trotz der entgegen» stehenden gewichtigen Bedenken angezetgt, durch die Gesetzgebung eine Weisung über den bei Vertrags» Verhandlungen fkstzuhaltende« Mindestbettag zu gebe» und hiedurch einerseits dem Wunsche der Landwirth- schaft nach einer Sicherung; so weit alS thunlich, zu entsprechen, iowie anderseits späterem Meinungsstreite über daS zulässige Ausmaß der vertragsmäßigen Zoll- Herabsetzung möglichst vorzubengen."
Finanzpolitische Ziele, also Wünsche, die Zoll» etträge zu erhöhen, find nach der Versicherung der Begründung bei der Aufstellung deS Zoll« tarifentwurfes ohne Einfluß gewesen. Der Zeitpunkt für das Inkrafttreten des Gesetzes wird einer kaiserlichen Verordnung vorbehalten, da eS nicht sicher sei. daß die neuen Verträge schon anfangs 1904 in Kraft treten könnten.
nachdem ich i« seinem Arbeitszimmer Platz genommen, „Sie haben ohne Zweifel von den verwegenen Verbrechen gehört, sie, eS mögen vielleicht zehn Jahrs fein, von einer Baude in Paris verübt wurden, deren Anführer ein gewiffer „Roibe-Kugel" war."
„Gewiß, mein Herr," antwortete der junge Mann, der über mttse Frage etwas erstaunt zu sein schien. „Diese Verbrechen haben seiner Zett großes Aufsehen erregt und ich kannte vielleicht besser als irgend Jemand deren Einzelheiten, da mein Vater bei den Untersuchungen deS Vor- sitz führte."
Er nannte mir fernen Namen, und ich erinnerte mich, daß in jener Untersuchung, in welcher ich zum ersten Maie als Advokat auftrat, der dop sitzende Richter wirklich Herr Donneau hieß.
„Nun, mein Herr, wenn Sie diese Thatsache» kennen, so werden Sie gleichfalls wiffen, daß der Anführer, der diese Bande mit so wundervoller Gewandtheit leitete, allen Nachstellungen der Polizei zu entgehen wußte." ,
„In der That, man meinte sogar, er sei von seiner Bande getödtet worden."
Nun gut, mein Herr, ich komme, um Ihne« anzuzeigen, daß dieser Mensch lebt und biete mich an, denselben in Ihre Hände zu liefern."
Der Untersuchungsrichter sah mich erstaunt an.
Ich begann jetzt meine Erzählung, deren Inhalt Sie kennen, von dem Verhöre des Herr« Wohlfitz im Zimmer des Louis Guerin angefangen, bi« zur Untersuchung, die ich in dem geheime« Gemache de« Mörders angestellt hatte. Wahrend meines ganzen Berichtes sah mich der Richter an wie ein Kind, dem die Großmutter ein Märchen erzählt.
Der Spaziergang über die gesunden und reizenden bretonischen Feloer, sowie die muntere Geschwätzigkeit meine« kleinen Begleiters zerstreuten die letzten Spuren meines Unwohlseins, das mich den Tag vorher so sehr belästigt.
Der Vater Klaus machte nicht die geringste Schwierigkeit, mir sein Pferd auf zwei Tage zu überlaffen. Seine Mühle stand still, denn der Bach, der sie trieb, war gefroren, und so war der Müller nicht nnzufrieden, mit für zwei Tage sein Thier in Kost geben zu können.
Ich ließ mir genau die Straße zeigen und fragte nach dem besten Gasthause. Dank dem guten Schritte meines Pferde« kam ich vor drei Uhr im Gasthof zum französischen Thaler an.
Ich verlangte schnell ein Gabelfrühstück, denn ich war noch nüchtern; alsdann bat ich den Wirth, mir den Gerichtshof erster Instanz zu zeigen.
Der Wirth zeigte mir auf dem Marktplätze ein viereckige- Gebäude mit schwarzen Mauern.
„Das ist et," sagte er, „der Herr wird dort ein schönes Schwert sehen, das zum Kopfab- hauen diente, bevor noch die Guillotine erfunden war."
Ich dankte dem Wirthe und begab mich nach dem Gericht, wo lch den Untersuchungsrichter zu sprechen verlangte. ,
Herr Donnrau, Untersuchungsrichter am Gericht von Loknevine« ist ein junger Mann von etwa 30 Jahren. Sei« lebhaftes und klares Auge zeugt von Energie und Geist; seine Manieren find überaus edel und gebildet. Man sieht sofort, daß er seines Amtes mit ebensoviel Scharfsinn als Entschiedenheit waltet.
„Mein Herr," sagte ich ihm ohne Umschweife,
O Zum Wiederbeginn der Reichs- tagsberathungen.
An diesem Dienstag öffnen sich wieder die Pforten de- Reichstagshauses, diesmal zu einer Sitzungsperiode, der man allgemein mit ungewöhnlicher Spannung entgegenfieht. Die Zoll- Vorlagen, die diese Spannung verursachen, sind de« Mitglieder« des Reichstages bereits zu- gegangen. Ihren Inhalt kennt man bereits. Es war eine dankenSwerthe Maßnahme der Regierung, über die Veränderungen, die vom Bundesrath? an der ursprünglichen Vorlage vor- Senommen worden find, im .Reichsanzeiger' zu erichte«. Nur die Begründung, die die Regierung den Vorlagen beigibt, ist bisher noch unbekannt geblieben. Die erste Lesung der Zollgesetzentwürfe wird nicht lange auf sich warten lassen. Höchst wahrscheinlich wird sie in der erste« Dezemberwoche vor- genommen werden und nachher erst die erste Lesung des Etats folgen, wie es auch einzig richtig und ersprießlich ist. Im anderen Falle würde durch die doppelte Besprechung derselben Fragen sehr viel Zeit zwecklos verbraucht worden sein; die Zett des Reichstages ist aber doppelt kostbar; man weiß ja nur zu genau, wie schwer es hält, ein beschlußfähiges Haus beisammen zu halten. Sollten nun gar die Berathungen in ungebührlicher Weise sich in die Länge ziehen, dann würden sicherlich parlamentarische Schwierigkeiten so ernster Art entstehen, wie noch nie zuvor im deutschen Reichstage. Darum auch tritt die Pflicht, die Sitzungen des Reichstages regelmäßig zu besuchen, an die Mitglieder desselben in so ernster Weise heran, wie auch noch niemals vorher.
Der erste parlamentarische Abend beim Reichskanzler Grafen Bülow im Reichskanzler- Hause findet am Mittwoch, den 27. November statt. Daß auch diesem parlamentarischen Ge- sellschaftSabende eine besondere Bedeutung beiwohnt, versteht sich von selbst.
Zunächst ist die Seemannsordnung in zweiter Berathung zu erledigen, während des letzten TagungsabschnttteS ist dieselbe in der Kommission durchberathen worden, und zwar zum zweitenmal in sehr ausführlicher Weise, nachdem Oe bereits in der Tagung des Reichstage- von 1899 zu 1900 eine Kommission viele Wochen hindurch beschäftigt hatte.
DaS Gesetz, da- noch zur Zeit die Rechts- verhältniffe der Seeleute regelt, stammt aus dem Jahre 1872, und seitdem sind die Verhältnisse der deutschen Seeschifffahrt ganz andere geworden. Die deutsche Handelsflotte hat sich seitdem an Umfang beinahe verdoppelt, und außerdem sind die Segelschiffe größtentheilS durch Dampfschiffe, die kleinen durch größere Dampfer verdrängt worden. Der Rauminhalt der deutschen Handels- schiffe ist feit 1872 beinahe auf daS Doppelte des damaligen Umfanges gestiegen; die Zahl der Fahrzeuge aber ist jetzt um rund zweihundert geringer als damals. Auch in der Entwickelung der deutschen Seeschifffahrt sieht man den Zug der Zeit ausgeprägt: Uebergang vorn Kleinbetrieb zum Großbetrieb. Deswegen ist der Typus des ............ । r rn-TT 1» dm übki klms Mtifditiftiito.
Nach dem Französischen von Henri Cauvain.
Der allgemeine Thell ist bereits am letzten Samstag den Mitgliedern des Reichstage- zugesandt worden. Er gibt einen Rückblick über die Entwickelung der deutschen Zollpolitik sei dem Jahre 1879 und führt al-daim die Gründe an, die maßgebend für die Regierung waren bei der neuen Regelung der Waareneintheilung, der Ablehnung der Werthzölle und der VerMung nach dem Reingewichte. @8 folgen alsdann Bemerkungen zu de« beigelegten ziffermäßigen Nach- weisen über die Gestaltung der WaarenverkehrS mit dem Auslands und über die Gütererzeugung und Gewerbethätigkstt.
Bon besonderem Jntereffe für Jedermann ist das. waS die Begründung über die Erhöhung de- landwirthschaftlichen Zollschutzes zu sagen hat. Es seien daraus hier die nachfolgenden Sähe angeführt: „SDse Erkevntniß, daß die zu Ungunsten der Landwirthschast eingetretene Verschiebung der deutschen ErwerbsthStigkeit schließlich nicht nur auf wirthschaftlichem Gebiete unheilvolle Folgen für die Gefammtheit haben würde, muß zu der Ueberzeugung führen, daß die Durchführung wirksamer Gegenmaßregeln nicht unterlaßen werden darf. Der vorliegende Zolltarifentwurf erblickt demgemäß einer feiner wesentlichen Ziele darin, der Sage der einheimi- chen Landwirthschast günstiger zu gestalten . . . Der verstärkte Zollschutz soll d e Möglichkeit bieten, daß dem Ackerbau ein angemessener und zu Be- triebSverbefferungen ermunternder Gewinn übrig bleibt. . . Wenn auch auf die völlige Entbehrlichkeit der Getreidezufuhr aus dem Luslande nicht zu rechnen sein wird, so ist doch in hohem Grade erwünscht, daß der Haupttheil des Nahrungsmittel- Bedarfes dauernd aus der eigenen Erzeugung des Inlandes befriedigt werden kann. DaS deutsche Reich gehört zur Zeit noch zu den wichtigsten Erzeugungs-Länder« für Brodgetreide. Die vorgeschlagenen Erhöhungen der Getreidezölle sind so bemeffen, daß sie die Aufrechterhaltung dieser Stellung erhoffen kaffen. . . ." Soweit die Begründung. Die Grundsätze, welche darin ausgesprochen werden, sind vortrefflich. Aber in den Voraussetzungen, auf denen die Ausführung dieser Grundsätze aufgebaut ist, weicht die Begründung von der gefammten deutschenLandwirthschast ab; denn die Landwirthschast in ihrer Gesammtbeit ist einig in der Anschauung, daß die von der Regierung vorgefchlagenen Getreidezölle zur Erfüllung der von der Regierung selbst gekennzeichnetenZwecke nicht hinreiche« werden. Sehr richtig sagt dann weiter die Begründung:
„Bei der Mehrzahl der für landwirthschaftliche Erzeugnisse vorgeschlugenen Zollerhöhungen sind schwerwiegende Nachthelle für di» Verbraucher nicht zu befürchten . . . Denn eS fragt sich, ob die Brod- preise, die zugleich von dem Einflusie des Zwtschen- und Kleinhandels und von dem PretSaufschlage der Bäcker abhängig find, der Steigerung der Getreide- preise gleichmäßig folgen werden. Da der bisherig« Rückgang der Getreidepreise in den Brod- preisen jedenfalls nicht in seinem vollen Umfange zum Ausdrucke gekommen ist, erscheint die Annahme nicht unvertretbar, daß dir? ebenso wenig bei einer Steigerung der Getreidepreise der Fall sein wird .... Sollte fich deffen ungeachtet unter Umständen eine Belastung der verbrauchenden Bevölkerung ergeben, so mißte fie ertragen werden, um weit ernstere Gefährdungen der Staatswohlfahrt Hintavzuhallen . .'
[] Die Begründung der ZoÜgesetz- Enlwürse
ist, wie bereits berichtet, ein sehr umsav gleiches Machwerk. Sie zerfällt in zwei Hauptabschnitte: in einen allgemeine« und einen besonderen Thell.
für ihn selbst, lieber diese Freigebigkeit jubelte er laut und seine Augen glänzten vor Freude.
Ich übergab ihm einen Brief und empfahl ihm nochmal« große Verschwiegenheit. Dann fragte ich ihn:
„Weißt Du, wie weit e« von hier nach Lokue- vinen ist?"
Lokarvinen ist der Bezirksort. Der Kleine besann fich einige Augenblicke und sagte bann:
„Ich selbst bin noch nie dort gewesen, aber ich habe schon sagen gehört, es sei gut zwei und eine halbe, fast drei Stunden hin."
„Kennst Du in der Umgegend einen Fuhrmann, der mich hinfahren könnte?"
„Wie, Sie wolle« au« dem Schlöffe fort?"
„Ja, mein Herr ist für zwei Tage verreist und ich möchte die Stadt sehen."
„Wollten Sie gleich abreifen?"
„Ja.«
'/Ißaiten Sie . . . der Wagner hat wohl eine Kutsche und ein gutes Pferd. Er muß gewöhnlich den Herrn Äeiguen fahren, wenn dieser über Feld will . . . Aber der Wagner ist gerade gestern Mittag nach der Stadt gefahren und noch nicht wieder zurück ... Ah! der alte Vater Klau« hat ein Pferd für seine Mühle . . - aber er hat keinen Wagen."
„Thut nicht«, ich nehme da« Pferd allein."
„Ich will ihn geschwind fragen, wenn Sie wollen?" EL
„Nein, ich gehe mit Dir. Wohnt der Vater Klaus weit von hier?"
„Eine halbe Stunde ungefähr."
„Gut . . . warte auf mich in der Kastanienallee, nach zehn Minuten bin ich dort."
Matrose« von ehedem, der hoch oben im Takel- werk des Schiffes Segel flattern ließ ober einzog, an Geschicklichkeit im Klettern gleich de« gewandtesten Vierhänder«, stark in de« Hintergrund gedrängt worben. Die Leute, bie die riesigen Dampfmaschine« zu bebieeen haben unb bie Arbeiter, bie wieberum bissen zur Hand gehe« müssen, überwiegen an Zahl gegenüber ben eigentlichen, fachmännisch ausgebildete« Seeleute«.
Sehr auSsührliche und eingehende Vorbe- reitungen sind für ben Entwurf ber neuen See- mannSorbnung getroffen worben. Namentlich ist bie „Technische Kommission für Seeschifffahrt" zu erwähnen, die ihre Erhebungen im unmittelbare« Verkehr mit ben Matrose« unb mit bem Maschinenpersonal anstellte; unb so muß man den neuen Gesetzentwürfen ben Vorzug zuer- kenne«, baß sie durchweg den Schiffsbebienneten ei« höheres Maß an Rechten und an Sckutz angedsihen kaffen wollen, alS fie bisher genoffen haben. ES handelt fich ja nämlich nicht um bie eigentliche neue Seemannsordnung allein, sondern gleichzeitig um drei Nebengesetze: die Verpflichtung der Kauffahrteischiffe zur Mitnahme yeimzu- schaffender Seeleute — die Stellenvermittelung für Schiffsleute — die Abänderung seerechtlicher Vorschriften be8 Handelsgesetzbuches.
Von besonderer Wichtigkeit ist eine Regelung der Stellenvermittelung für Schiffsleute, in der bisher geradezu scheußliche Mißstände ihr Unwesen trieben — wett schlimmer noch und weit verhängnißvoller, als bei den Stellenoermittlern und Gefindeorrmiethern auf bem Lande. Des- wegen muß auch hier weit fester zugegriffen werden, al- bei der Regelung des Stellenoer- mittellmgswefeus auf bem Lande. In ber eigentlichen neuen SremannSordnung selbst stehen im Vordergründe die Regelung ber Arbeitszeit, die Sicherung des Lohnes vor Kürzung ober Beschlagnahme, die Fürsorge für erkrankte Seeleute und eine bestimmte Regelung des Verhält- niffes ber Mannschaften zu ihren Vorgesetzten.
Die streitigen Punkte dabei sind hauptsächlich bie Einsetzung ber Sees«Höffen- geriete unb bie Erweiterung ber Ko a- litionssreiheit ber Seeleute, lieber diese wird am meisten geredet werden müssen während ber bevorstehenden zweite« Lesung Der angeführten Gesetzentwürfe. Daß bie Sozialdemokraten gleich wieder mit einer Anzahl von AbänderungSaniräge« anrücken im Gegensätze zu den Vorschlägen ber Kommission, versteht sich von selbst; auch baS Andere, daß die allermeisten Anträge ber Sozialdemokraten unausführbar find unb in biefer Eigenschaft auch von ben Sozialdemokraten im Stille« anerkannt werben! DaS hindert bie Herren Ge- «offen aber nicht, bie parlamentarische Arbeit in zweckloser Weise auszuhalten und zu erschweren.