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W Fuldaer

mit Ilnlerhalluugs -Beilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"

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Ural «n» verlas der Sitoatf XdtetttrWteM petereaage Nr. 2 Cfcarmonie).

28. Jahrgauz

Iuköa, Freitag, den 22. November 1901.

M 268.

Birsg W

sX Ehre und Zweikamps.

Es soll einmal hier von Ehre und Zwei» tampf die Rede sein ohne Berücksichtigung des christlichen Standpunktes, von dem aus der Zwerkampf mit töStlichen Waffen als ein unbe­rechtigter, ein unsittlicher und sündiger Eingriff j« dos Leben einer andern Menschen und damit in das Bestimmungsrecht Gottes ja ohne weiteres und unbedingt zu verurthrilen ist. Der Zwei­kampf ist und bleibt unvernünftig und ver- dammmswerth, wenn man von diesem einzig richtigen und gleichzeitig vornehmsten christlichen Gesichtspunkte absteht.

Wenn zwei sich duelliren, ist der Eme„ der Beleidiger, der Andere der Beleidigte. Häufig ist eine Frau im Spiele. Der Eine ist der Gattin eines Andern zu nahe getreten, hat viel­leicht schon dadurch das Lrbensglück dieses Andern zerstört. Nun beschreiten Beide den blutigen Rain des Zweikampfes, und es kann ebenso gut der Belerdigte als Opfer auf dem Platze bleiben, wie der Beleidiger, der Ehren» räuber. Dieser hat sich schändlich vergangen gegen die heiligen Rechte des Andern. Dieser Andere fordert Jene» vor den Lauf der Pistole; aber nicht er erhält Recht durch den blutigen Kampf, sondern jener Andere, der sein häus­liches Glück zerstörte, sein Leben vergiftete. Der Andere aber geht erhobenen Hauptes vom Kampfplatz?. Ja den Augen derer, die unter dem Banne dieser unglückseligen und un­mittelbar unsittlichen Lehre vom Zweikampfe stehen, ist er kein Schurke, sondern ein Ehren» mann, obwohl er das Weib eines Andern ver­führte und diesen über den Haufen schoß. Er mird zu ein paar Jahren Festungshaft verur- theilt. Aber bevor die Strafzeit abgefeffen ist, wird er durch einen Begnadigungsbrtef der goldenen Freiheit wiedergegebev. Das Duell- recht, oder vielmehr das schreiende, entsetzliche Duellunrecht hat den Beleidiger, den Schuldige» mit Erfolg und Sieg und Leben gekrönt; der Beleidigte aber, der Unschuldige, wird der völligen Vernichtung preisqegeben, der Nieder­lage und dem Tode. Das ist Unvernunft, daS geht gegen die Gerechtigkeitsbrgriffe aller Menschen. Und die Möglichkeit so entsetzlichen Anrechtes wird geduldet, wird sogar befördert durch anerkannte Körperschaften, die man Ehreu- räthe nennt!

Angeblich soll es nun Beleidigungen geben, für die man durch unser herrschendes Recht über» Haupt keine Genugthuung erlangen kann — so sagen die Vertheidiger deS Zweikampfes und wähnen, damit ihren besten Trumpf auszuspielen. Zu diesen gehört auch die Kränkung der vorher geschilderten Art. Aber wenn nun einem Manne aus dem Volk« diese Kränkung zugesügt wird, und wenn dieser ein Mann von heißem Tempe­ramente ist, dann erfaßt er eine Holzaxt oder einen schweren Pfahl und schmettert den Ändern ....... ...... IWniüMMtllll—HIIIIBI

L« dm üdk« eim NkGesstisdlS.

Rach dem Französischen von Henri Cauvain.

26) --(Nachdruck verboten.)

Ich blieb einige Zfit vor dem Bette stehen, sie aufmerksam betrachtend. Ihr Athem wurde bald ruhiger, ihr Gesicht weniger blaß; sie war wieder in einen natürlichen Schlaf verfallen.

Ich ließ noch einige Minuten oorüberziehen, dann ergriff ich sie bei der Schulter und schüttelte sie heftig. Sie öffnete die Augen und richtete sich schnell enpor. Als sie meiner an­sichtig wurde, bemächtigte sich ihrer ein unbe­schreiblicher Schrecken. Ich glaubte, sie werde einen Schrei ausstoßen; rasch hielt ich meine Hand vor ihren Mund und sagte mit fester Stimme:

„Sprechen Sie nicht, rufen Sie nicht um Hilfe! ... es wäre unnütz. Ihr Leben ist in meiner Hand!"

„Wer sind Sie denn?" rief sie dumpf und heftete ihr wirres Auge starr auf mich.

„Ich bin Ihr Richter!"

Sie schrak zusammen.

„Ich kenne Ihre Vergangenheit," fuhr ich mit Strenge fort, „ich kenne Ihr Verbrechen. Ich weiß, daß Sie in der Nacht vom 25. Januar 1836 Ihren Herrn ermordet haben."

„Nein, nein, das war nicht ich," schrie sie... „er war es!"

„Ja, ich weiß, daß Du nicht allein in dem Zimmer des Herrn Brehat - Kerguen warst, ich leiß, daß Du einen Gehilfen hattest. Du mußt mir den Namen dieses Helfershelfers sagen . . ."

Konservativen viel Aussicht auf Erfolg. Der liberale Kandidat ist Dr. Barth, der leidenschast» liche Agitator beS „Handrlsvertraxs - Vereins" und eifrige Befürworter deS Bündnisses zwischen dem Liberalismus und der Sozialdemokratie; vermuthlich werden viele Leute, die sich zum ge­mäßigten Liberalismus bekennen, diesem Herrn jeder nicht ihre Stimme geben. Döbeln-Roß» wein war vor Lhr durch einen Sozialdemokraten vertreten; Dr. Lehr siegt« 1898 in der Stichwahl mit nur 500 Stimmen Mehrheit über den sozial­demokratischen Wahlbewerber. Die bürgerlichen Parteien werden alle Anstrengungen machen müssen, um den Wahlkreis zu behaupten.

4- Der Aost-tat sür 1902 enthält die Mittel zur Schaffung von 100 neuen Stellen sür Hilfsreferenten, ferner die Schaffung von 183 Post- und Telegraphen-Jnspektore» bei den Ver­kehrsämtern. Beide Beamten-Kategorieen sollen aus der Klaffe der Beamten, welche die höhere Verwaltungsprüfung bestanden haben, entnommen werden. Die veränderte Normirung der Assistenten» gehälter erfordert einen Mehraufwand von 1,853,800 Mark. Die Sätze werden sich von jetzt ab zwischen 1500 und 3000 Mk. bewegen.

X Krfolge -erIürforgr-Krziehrms. Jahr um Jahr ist in der neueren Zett die Zahl der alljährlich bestraften jugendlichen Menschen ge- wachsen — ein trauriges Zeichen dieser unserer Zeit! AuS Elsaß-Lothrrngen erfahren wir indeffen, daß dort seit mehreren Jahren 'die Zahl der bestraften Jugendlichen abgenommen hat. In Elsaß-Lothringen besteht bereits seit 11 Jahren eine Zwangserziehung minderjähriger Personen (in Preußen heißt es jetzt Fürsorge-Erziehung), und ohne Zweifel ist die Verminderung der be­strafte» Jugendlichen auf die wohlthätigen Ein­wirkungen dieser Zwangserziehung zurückzuführen. Vom September 1890 bis zum September 1901 sind in Elsaß-Lothrtngen im Ganzen 2248 Kinder derZwangserziehung überwiesen worden, so theilt ein amtliches Organ mit, und am 30. September d. I. war ein Bestand von 1495 Kindern in Zwangserziehung vorhanden, 955 Knaben und 540 Mädchen. Brei Viertheile dieser Kinder wurden in Zwangserziehung genommen, weil sie den un­günstigen Einflüssen ihrer Eltern entzogen werden mußten; das viert? Viertheil bestand aus Kindern unter 12 Jahren, die sich strafbarer Handlungen sch.4d-.g gemacht hatten, also auch ohne besonderes Gesetz in Zwangserziehung hätten genommen wer­den können. Wie ungemein nothwendig dieses Gesetz aber war, ersieht man eben daraus, daß drei Viertheile aller Kinder in Zwangserziehung ohne daS Gesetz den schädlichen Einstüffen aus­gesetzt geblieben wären, unter die ihre Geburt sie gebracht hatte — nicht weniger als etwa 1100 Kinder allein nach dem Bestände vom September d. I. und allein in Elsaß-Lothringen!

4- Nach einer Petersburger Meldung wird in den dortigen politischen Kreisen versichert, daß Deutschland und Rußland in Kurzem gemein- schaftlich die übrigen Mächte zu einer neuen Anarchisten-Konferenz einlaben wollten. In der Ewkularnole, über deren Fassung jetzt zwischen den beiderseitigen auswärtigen Aemtern Unter­handlungen schwebe«, wird den anderen Re­gierungen die Wahl des Ortes, wo die Konferenz

Ich öffnete. Eö war der alte Gartner YoaS, der einen Brief an Brehat Kerguen in der Hand hielt. Ich warf rasch einen Blick auf denselben und sah, daß der Brief von Rmnes komme.

Mein Herr öffnete denselben hastig. Ich ging in diesem Augrubficke hinter ihm vorbei. Am Schluffe d^S Briests sah ich eine breite Unterschrift und einen verwickelten Namenszug, welcher der mir irgend eines Notars zu sein schien.

Er las den Brief zweimal mit der größte» Aufmerksamkeit, stand dann langsam auf und schritt der Thür zu.

Als er mir begegnete, heftete er seinen Blick mit einer gewissen Unschlüssigkeit aus den meinigen. Ec schien mich anreden zu wollen, Überlegte aber dann wahrscheinlich und fand, daß es bester sei, zu schweigen, denn er kehrte mir schnell den Rücken und verschwand.

Diesen Augenblick benutzte ich, um mich zur Gartenmauer zu schleppen und Johann Maria den Brief zu geben, den ich Ihnen am Morgen geschrieben hatte.

Als ich von diesem Geschäfte zurückkam, das über eine halbe Stunde gedauert und mir vollends den Rest meiner Kräfte geraubt hatte, begegnete ich dem alten Gärtner, der traurig den Jakob betrachtete.

Ich trat an ihn heran. Er hörte mich nicht kommen.

„Armes Thier!" murmelte er, indem er den Bären an einem kleinen goldenen Ringe hielt, der in dessen Ohr stak, „Du wirst während dreier Tage recht unglücklich sein! D-r Herr hat ver- boten, Dir zu freffen zu geben, bis er zurück­kommt."

zu Bode». Die Strafe bleibt nicht aus. Die Strafe wird sogar schwer und entehrend für ihn fein können. Er muß die Strafe erleiden, weil er als der Rächer feiner eigenen Ehre aufge­treten ist, weil er sich selbst Recht verschafft hat. Aber in dieser Gewalt liegt noch etwas mehr Vernunft, als im Duelliren; denn hier erreicht der Beleidigte jedenfalls seinen Zweck, nämlich die Bestrafung des Schuldigen, die er nach feiner Ansicht auf dem Wege des bürgerlichen Rechtes nicht im hinreichenden Maße bewirken kann; wäh­rend er beim Duell schließlich auch noch selbst das Opfer werden kann.

Nun verfolgen wir den Gedanken weiter.

In beide» Fällen handelt es sich darum, daß Jemand sich selbst Recht zu verschaffen sucht durch die Ausübung eigener Gewalt. In dem einen Falle, wo der Zweikampf eintrat, gibt es kaum eine nennenswerthe Strafe dafür. Im Gk gentheil: durch die anerkannte Körper­schaft des Ehrenrathes wird unmittelbar auf da? Beschreiten dieses ungesetzlichen, dieses stcäs- lichen Weges hingewiesen, und die ganzen söge- irannten Ehrbegriffe der Kreise, in denen der Zweikampf heimisch ist, drängen dazu, daS Recht )» suchen durch die Ausübung eigener Gewalt. Wie, wenn dieser unheilvolle Grundsatz all­mählich verallgemeinert und sich nach und nach die Herrschaft erringen würde in alle» mögliche» menschlichen Verhält«iffen und Lagen? Dann würden wir langsam in den Zustand der Anarchie gerathen, in einen Krieg Aller gegen Alle, wo diejenigen sich auf gewaltsame Weise räche», die glauben, durch das bürgerliche Recht oder durch das Strafrecht nicht die erwünschte Sühne erlangen zu können für eine ihnen zu- gefügte Beleidigung. Wir sind, Gott sei Dank, sicher vor dieser Anarchie. Aber man muß sich nur die Folgerungen klar machen, die sich aus der Duldung des Duells ergeben. Und das allein ist die rechte Folgerung daraus.

Es kommt dazu, daß mancher ehrlose Wicht scheinbar die Rolle eines „Ehrenmannes" spielen kann, weil er bei jeder möglichen Gelegenheit mit Pistole und Duelldrohung bei der Hand ist — kurz und gut, daS ganze Duell ist ein Unsinn, beruht auf vollkommener Unvernunft, auch für denjenigen verständigen Menschen, der nicht auf dem Boden des Christenthums sicht. Daß da« Jnsterburger Duell unter allen diesen unver­nünftigen Fällen zu de» unvernünftigste» gehört, versteht sich von selbst.

Es gibt wirklich Kränkungen, für die unser Recht nicht die geeignete Sühne gewährt. In diesen Punkten bedarf unser Recht dringend der Verbesserung. Biese Mängel geben aber noch keinem Menschen die Berechtigung zum systema­tischen Todtschlag nach einem sogenannten Ehren» kodex. Und es ist eine unabweisbare Forderung der Z-it, daß das Duell im Heere bedingunzs» loS verboten werde. Dann würde es auch ver­schwinden auf Nimmerwiedersehen.

Deutsch«« Deich-

Berlin, 21. November.

h Der psrl«me»tarische ASerrd Seim Ileich» Kanzler alsbald nach der erneuten Er­

dern, daß das Licht im Zimmer vom Garten aus gesehen werde. Sie erinnern sich, von einem ähn­liche» Verstecke aus habe ich die Kunstgriffe des Doktor Wickson beobachtet.

ES war hohe Zeit! Kaum stand ich hinter dem Vorhangs, als der Schlüssel ging und die Thür sich leise öffnete.

Er näherte sich langsam dem Bette, und, die kleine Laterne emporhebenü, welche er bei sich trug, betrachtete er aufmerksam daS Gesicht der unglücklichen Frau.

Plötzlich leuchtete seine Stirne auf, er hielt sie ohne Zweifel für tobt und dieser Tod ersparte ihm ein Verbrechen.

Er ergriff ihre kalte Hand, hob dieselbe auf und ließ sie wieder zurückfallen; dann hielt er fein Ohr über diese marmorne Brust.

Bald aber richtete er sich wieder langsam empor, betrachtete noch einmal seine Helfershelferin mit bitterem Lachen und verließ dann leise das Zimmer.

Als er sich umkehrte, sah ich ganz deutlich eine lange Nadel, welche in seinem Rocke sttckte und bei dem Scheine der Laterne ausblitzte.

VI.

Am andern Morgen verlangte der schreckliche Schloßherr, ich solle ihm ein Frühstück bringen. Obwohl erschöpft von der nächtlichen Aufregung, gehorchte ich doch, um ja keinem Verdachte Raum zu geben.

Während des Essens betrachtete er mich häufig; sein durchbohrender Blick schien die geheimsten Falten meines Innern erforschen zu wollen.

Im Augenblicke, als er vom Tische ausstand, klopfte es an die Thür.

Sie fuhr mit der Hand über die mit kaltem Schweiß bedeckte Stirne.

„Seinen Namen?" murmelte sie mit bebender Stimme. . . „Warte. . . ich will mich besin­nen . . . Er heißt. . ."

Sie vollendete nicht. Ihre beiden Arme er­starrten, sie fiel auf das Kiffen zurück, den Kop nach hinten gebogen. Ich hielt fir für tobt; in der That, kein Alhemzug hob mehr ihre Brust, ihre Hände und ihr Hals waren starr, ich legte mein Ohr auf ihr Herz und vernahm noch ein leises Pochen. Die Unglückliche war somit in jene schreckliche Nervenkranlheit gefallen, welche man Katalepsie nennt.

Ich zog mich zurück und stand im Begriffe, das Zimmer zu verlassen. WaS hatte ich nach all' diesem noch nöthig, de» Namen des Mörders zu kennen? Hatte ich ihn nicht g-ahnt? Wußte ich nicht, daß nur ein Mensch in der Welt fähig war, ein solches G-webe von Verbrechen zu planen und eine solche Verwegenheit, verbunden mit so großer Gewandtheit, zu entfalten!

Ich wollte mich also zmückziehen und in mein Zimmer gehe», als ich plötzlich vom Gange her diese» ungleichen Schritt zu vernehmen glaubte, den ich so gut kannte und der nur den alten Matrosen oder alten Galeeren-Sträflingen eigen ist.

Er war es. Er kam, um sein Opfer hinzu- schlachten.

Eine Flucht war unmöglich! Ich sah um mich, ob ich nicht einen Ort fände, wo ich mich verbergen könnte.

Endlich versteckte ich mich hinter einem der großen Fenstervorhänge. Dieselben waren von sehr dickem Stoffe, wahrscheinlich um zu verhin-

öffnung der Reichstagssitzungen wird nicht, wie uerst berichtet, im Reichstagshause, sondern im Hause de« Reichskanzler« stattfinden.

* Der stumme M«»d--rs»ry. Die ,Frkst Ztg/ wirft die Frage auf, ob bei der Zelltarif­vorlage, insbesondere bei der ersten Berathung auch einmal ein Vertreter andererBundes- iaaten, wie Preußens, da« Wort nehmen wird. „Man hat früher oft geglaubt, daß die gewaltige Persönlichkeit Bismarcks e« verhindere, daß die Vertreter der größeren Bundesstaaten von dem verfassungsmäßigen Rechte, im Reichstage anfzu- : reten, so gut wie gar keinen Gebrauch machen. Das war ein Jrrthum. Sie sind auch unter Caprivi und Hohenlohe stumm geblieben.

X Ktzamverlai« ««d die Norddeutsche AKsemeiue. Herr Joe Chamberlain hat e« für nothwendig befunden, einen Rückzug anzutreten. Er hat sich von irgend Jemand einen Brief chreiben lassen über feine verleumderische Rede in Edinburg, und als Antwort darauf hat fein Sekretär dem betreffenden Manne schreiben müssen, daß die „künstliche Agitation in Deutschland so vollständig auf einem Mißverständnisse be­ruhe, daß er nicht daran denke, davon Notiz zu nehmen. Er wolle indessen feststellen, daß kein vernünftiger Deutscher sich durch feine Worte be­eidigt fühlen könne . . ." Gekleidet ist der Rück­zug Chamberlain'« in die Form einer neuen Un­verschämtheit ; aber es ist doch immerhin ein Rück- iug, wenn Jemand hinter angeblichen „Mißver- iändnissen" sich zu verstecken sucht Und nun findet auch endlich die oberosfiziöse Norddeutsche Allge­meine Zeitung' den Muth, etwa« über Chamber­lain'« Verleumdungen vorzubringen. Aber wa« sie sagt, hört sich jammervoll an. Man höre:

Dem in Volksversammlungen hie und da aus­gestellten Verlangen, im Interesse de« deutschen Heere« amtliche Schritte gegen außeramtliche Aeußerungen eine« fremden Ministers zu unter­nehmen, können wir uns nicht anschließen. Da« Ansehen, da« sich die deutsche Armee sowohl durch Mannszucht und Menschlichkeit wie durch Tapferkeit in der ganzen gesitteten Welt er­worben hat, steht viel zu fest, al« daß es durch falsche und unpassende Vergleiche berührt werden könnte.

Wenn die angekündigte amtliche Erklärung im Reichstage nicht etwa« deutlicher ausfällt, wird sie außerordentlich geringen Eindruck machen! Im Uebrigen ist kaum jemals etwa« weniger künstlich gewesen al» die immer mächtiger anschwellende Volksbewegung gegen die Unverschämtheiten des englischen Kolonialministers.

+ Drei N-ichstsgs - Wahlkreise find augenblicklich erledigt, alle drei durch das Ab-, leben ihrer bisherigen Vertreter im Reichstage: Döbeln-Roßwein in Sachsen, bisher ver­treten durch den nationalliberalen Dr. Lehr, Wittenberg-Schweinitz in der Provinz Sachsen, vordem vertreten durch den sreisinniarn Dr. v. Siemens, und Breslau-West, deffen Mandat im Reichstage der sozialdemokratische Dr. Schönlank inne hatte. Dieses Mandat wird aller Voraussicht nach der Sozialdemokratie ver­bleibe». In dem zweiten der vorgenannten Wahlkreise ist das voraussichtliche Ergebniß voll- kommen unsicher; aber augenscheinlich haben die