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Ikutöa, Dienstag, den 19. November 1901.
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***fi»*Jtrt«ate 3.-«»zelle» t« L-lda. mit Anlerhaüungs Meikage „Issustrirte Sonntags-Zeitung"
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G Chamberlain.
An die deutschen Krieger- und Veteranen-Vereine erging der Ruf, gegen die Verleumdungen deS deutschen HeereS durch den britischen Kolonial- Minister Chamberlain Widerspruch zu erheben. Bevor eine solche Bewegung in Fluß gekommei war, ist von den leitenden Stellen aus an dieselben Vereine die Bitte ergangen, solche Protest-Kundgebungen zu Unterlasten. Es soll „nicht Sache der einzelnen Soldaten und auch nicht diejenige von Bereinigungen ehemaliger Krieger sein, Angriffe gegen die deutsche Kriegsührung zurückzuweisen, falls dies für nothwendig gehalten werden sollte." Das soll vielmehr „einzig und allein der berufenen Vertretung der deutschen Wehrkraft übertragen werden, zumal aber dann, wenn es sich um den Minister einer fremden Regierung handelt. . ." Die Vorstände des deutschen Kriegerbundrs und des preußischen Landes-Kriegerverbandes haben nach ihrer Erklärung „die ernstesten Gründe zu der dringende« Bitte an die Verbände und Vereine, fich jeder Kundgebung in dieser Angelegen- heil zu enthalten".
Diese angeblichen „ernstesten Gründe" beruhen augenscheinlich auf Einflüffen, die „von oben her" ausgegsngen find. Auch in mehreren Zeitungs- Aeußerungen konnte man die verwunderliche Anf- faffnng entdecken, daß es am rathsamsten sei, zu Herr« Chamberlain'S Verleumdungen zu schweigen; es lohne nicht, sich damit zu beschäftigen, und was dergleichen Ausreden mehr waren. Jedenfalls können die Vorstände des deutschen Krieger- bundeS und des preußischen Landes - Kriegerver- bandes nicht darauf rechnen, daß man ihre „ernstesten Gründe" ohne weiteres als stichhaltig annehme, ohne sie zu kennen; und Thatsache ist, daß dieselben Vorstände sich nicht im Einklänge mit der Mehrzahl der Angehörigen der deutsche« Kriegervereine befinden. Sie müffen in ihrem Rund- schreiben sogar selbst zugrben, daß zahlreiche, von Verbänden und Vereinen ihnen zugegangene Zuschriften die Verwunderung der Verfasser dieser letzteren darüber aussprechen, daß die Vorstände zu denChamberlain'schenVerleumdungen schweigen 1
Im deutschen Volke hat man durchaus kein Verständniß für diese ängstliche Leisetreterei; und man braucht «icht zu glauben, daß in England gar kein Gefühl dafür vorhanden fei, wie schwer Minister Chamberlain dir Deutschen gekränkt hat. Nicht nur Zeitungen der liberalen englischen Opposition tadeln de« Kolonialmintster deswegen. So wird im Londoner »Morning - Leader' aus- drücklich daraus hingewiesen, daß die Protest- Versammlungen in Deutschland von gebildete» Kreisen auSgeben, also durchaus Beachtung verdienen, und Chamberlain's Ausfall als „völlig
Ito. dem keben eines Wenschnfrindes.
Rach dem Französtschen von Henri Cauvain.
23) - •--(Nachdruck verboten.)
Dieses Geräusch, wiewohl kaum hörbar, hatte etwa? Regelmäßiges, das mir auffiel, Brehat Kerguen geht nicht so, sein Schritt ist ungleich; ich habe Ihnen schon gesagt, daß er feiB lir-kes Bein etwas nachschleppt. Aber wen« eS nicht der Herr war, der zu dieser nächtlichen Stunde u»herging, wer war es denn?
Getrieben von einer brennenden Neugierde und ohne an die Gefahr zu denken, in welche weine Unklugheit mich, stürzen könnte, öffnete ich leise meine Ttür und trat in den Gang.
Rechts, wo jenes geheimnißvolle Zimmer war, in das ich vor wenigen Stunden vergebens kinzudringen versuchte, war alles finster und still. Ich schaute nach links; was sah ich? «m Ende des Ganges einen großen, dunkeln «chatte«. Derselbe schritt vorwärts, langsam, gerade und steif wie ein Gespenst.
Ich mußte um jeden Preis Aufklärung habe«. Seit dem Tage, an welchem ich in den Dienst des Herrn Brehat-Kerguen retteten bin, «öge ich immer zur Vorsicht zwei Pistole« bei wir. Ich spannte die Hähne, schritt geräusch- ws voran, dem Schatten nach, der sich entfernte.
Ich ging ziemlich schnell; bald war ich vur mehr einige Schritte von der Erscheinung ^tfernt. Ich richtete meine Schutte nach der wUgen und verdoppelte meine Vorsicht, damit ste meine Nähe nicht gewahr werde.
ungerechtfertigt und zwecklos" oerurtheilt. Und ganz deutlich und kräftig sagen die Oppofitions- blätter Herrn Chamberlain die Wahrheit. So halte« ihm .Daily News' vor: er habe es größten- theils auf seinem Gewtffen, durch seine Takt- lofigkeiten die englavdfeindliche Stimmung in Deutschland geschürt zu haben — eine Wahrheit, die nicht abgeleugnet werden kann.
Und was Engländer ihrem Kolontalminister sagen, sollen Deutsche nicht in Versammlungskundgebungen zum Ausdrucke bringe«? Ein absonderliches Verlangen! Gerade weil die „berufene Vertretung der deutschen Wehrkraft" zu den Verleumdung»« vollkommen schweigt, regt die Lust zu solche« Kundgebungen sich doppelt und dreifach.
Er entsteht nun die Frage, ob die deutsche Reichsregierung wirklich Herr« Camberlain vollkommen übersehen will, oder ob die Absicht besteht, im Reichstage bei paffender Gelegenheit die geeignete Antwort zu geben. Die Regierung kann versichert sein, daß man es im Volke nicht verstehen würde, wenn jegliche Antwort auf des britischen Ministers Verleumdungen deS deutschen Heeres ausbliebe. Auch der Einwand ist ganz und gar nicht stichhaltig, daß Herr Chamberlain in jener Versammlung in Edtuburg nicht als Minister sondern als Privatmann gesprochen habe. Solche feine Unterscheidungen machen wir in Deutschland nicht; und für unsere Be- urtheilung der Sache ist es vollkommen gleich- gütig, ob man sie in England macht oder «icht. Der Deutsche erwartet und hat zu erwarte«, daß seine Regierung derlei Dinge «ach deutschen Brauche beurtheile und behandele, nicht nach englischem; und nach der deutschen Auffassung darf ein Minister am allerwenigste« zu solchen Verleumdungen sich hinreißen lassen, ob er nun als Minister im Amte oder als ein Mann spricht, der in dem gegebene« Zeitpunkte Poli- tiker auf eigne Faust fein will. Was würde geschehen fei«, wenn ein deutscher Staats- felcetär oder Minister fich ebenso una-dührlich gegen England benommen hätte? I, England würde ein furchtbarer Lärm fich erho^n haben. Wen« aber i« England ein Mu - er. solche Frechheiten sich herauSnimmt, sollen d- Deutsche« hübsch artig sein und ruhig die Sl ckfchläge hinnehmen, die ihnen von Britannien versetzt werde» — so liegen da die sogenannten „ernstesten Gründe" zu solcher Ungerechtigkeit?
Im Reichstage wird eS nicht an paffenden Gelegenheiten dazu fehlen, vom BundeSrathk- tische aus Herrn Joe Chamberlain die Lektion zu ertheilen, die ihm gebührt. Bleibt diese auch bann aus, bann wird die deutsche Reichsregierung weder beim deutschen Volke, noch auch im Auslande a« Achtung und Ansehen gewinnen!
Drrrtfches Deich»
Berlin, 18. November.
K Kaiser hotte sich für den heutigen Montag zum Essen beim Reichskanzlerpaare angesagt. Eine größere Zahl von Gästen ist vom
Ich kann Ihnen die Aufregung nicht schildern, die ich bei diesem geisterhaften Abenteuer fühlte. Dieser Schatte«, dieses Gespenst, das durch die dunkeln Gä»ge dieses alten Schlosses irrte, die Höhle eines Mörders, hatte etwas Phantastisches und Urbernatürliches. Mar es vielleicht eines seiner Schlachtopfer, das erschien, furchtbar und unversöhnlich wie der Gewlffessbiß, um vor das Bett des Mörders hinzuireten, und f eis en Schlaf zu beunruhchen.
Der Schatten ging immer vorwärts in langsamem, gemessenem Schritt, wie der Pendel- gang einer Uhr. Er war am Ende des langen Ganges angekommen. Da gewahrte ich in Folge des Hellen Scheins der vor mir herging, die ersten Stufen einer kleine« steinernen Treppe, die sich in der dicken Mauer zu oer- Iteren schien.
Ich trat noch einige Schritte näher, um die Richtung sehen zu können, welche der Schatten nahm.
Da wollte ein unglücklicher Zufall, daß ich mit dem Fuß an ein Fensterglas stieß, das am Bode« lag.
„Ich bin verloren, dachte ich entsetzt.
In der That, ans mein Geräusch hin drehte sich der nächtliche Wandler plötzlich um; da« Licht, das er in der Hand hielt, beleuchtete mich vom Kopf bis zu Fuß.
Ich blieb stehen, griff mit beiden Händen nach meinen Pistolen, entschlossen, mein Leben theuer zu erkaufen, wenn, wie ich dachte, der Unbekannte ein Helfershelfer des Mörders sein sollte. Doch wie groß war mein Staunen ! Der Schatten blieb regungslos, still vsr mir, er schien meine Gegenwart nicht zu gewahren. Ich that noch
Reichskanzler geladen worden, vornehmlich Herren von der Universität. Kürzlich war Graf Bülow nebst Gattin und Schwiegermutter zur kaiserlichen Mittagstafel geladen — ein sicheres Zeichen dafür, daß alle bte Gerüchte über Mißstimmungen zwischen Kaiser und Kanzler vollkommen grundlos find.
X Jas Irrstervrrrger Duell vsr de« Kriegsgericht. Am heutigen Montag ist vor dem Kriegsgericht der zweiten Division über den Zweikampf zwischen dem Oberleutnant Hildebrandt und dem Leutnant Blaskowitz verhandelt worden. Hildebrandt ist zu zwei Jahren Festung, der Leutnant von Groddeck wegen Kartelltragens zu fünf Tagen Festung oerurtheilt worden. Der Antrag des Vertheidi- gers, ein Gnadengesuch an den Kaiser zu richten, wurde abgelehnt. Die Oeffentlichkeit wurde für die Verhandlung ausgeschlossen. Die Vertreter der Preffe durften im Verhandlungssaale bleiben unter der Verpflichtung, über die Art der vorgekommenen Thätlichkeiten und Beleidigungen zu schweigen. Die Artillerieleutnants, so hat die Verhandlung ergeben, haben erst früh 4 Uhr ihr Kasino verlaffen und beim Heimwege den Leutnant Blaskowitz gefunden, in einer THÜröffnung hockend und schnarchend. Man wußte nicht, daß Blaskowitz bereits in seine neue Wohnung gezogen sei, und man wollte chn deswegen nach seiner alten Junggesellenwohnung bringen, und zwar mit Gewalt, weil Blaskowitz sich natürlich dagegen wehrte. I« dem Hausflur kam eS nun zu Thätlichkeiten, wobei Leutnant Blaskowitz nach der Aussage einiger Offiziere nicht sinnlos betrunken, sondern sogar „ziemlich nüchtern" gewesen fein soll. Die Ärtillerieleutnants habe« dann sofort in Hildebrandts Wohnung ein Protokoll niedergefchrieben und an den Ehrenrath weitergegeben. Oberleutnant Hildebrandt hat den Blaskowitz nur „kampfunfähig" mache«, aber nicht tödten wollen. Augenscheinlich ist ein ernstlicher Versuch, die Sache friedlich beizulegen, gar nicht gemacht worden — so weit sich wenigstens aus der vorliegenden kurze?« telegraphischen Berichterstattung entnehmen läß'. Bor allen Dingen kann man nicht recht ein-chen, warum Blaskowitz in der Hausthür gehockt und geschnarcht habe« soll, wenn er ziemlich nüchtern war. Derlei that ein nüchterner Mensch doch nicht; und daß im Kasino der Artillerie-Offiziere bis 4 Uhr Morgens durchgekneipt wird, wirft auf die Inster- burger OsfizierSsitten auch kein gutes Licht. Ganz zu verurtheilen aber würde es fein, wenn wirklich gar kein Versuch gemacht worden sein sollte, die Sache gütlich beizulegen. Ehe man ein bestimmte- Urtheil darüber fällt, muß man aber die genaueren Berichte darüber abwarten.
+ Ki feuSahufshrprei se. In einer anscheinend osstziösen Darlegung wird gesagt, die Einführung der Rückfahrkarte mit einer Giltigkeit von 45 Tage« sei eine Etappe auf dem Wege zu einer «och weiteren Vereinfachung im Personenverkehr auf der Eisenbahn. Diese Vereinfachung würde dann darin bestehen, daß die Rückfahrkarte überhaupt abgeschafft und der Prers der einfachen Fahrkarte auf die Hälfte deS Preises der jetzigen Rückfahrkarte festgesetzt
einige Schritte vorwärts und näherte mich demselben.
Jetzt bemerkte ich, daß dieses geisterhafte Wesen eine Frau war, von schlankem Wuchs, mit harten verbitterten Zügen; lange graue Locken fielen auf ihre Schultern herab; ihren Leib hüllte ein großer grauer Shawl vollständig ein. Ihr Gesicht war blaß wie das eines Tobten, ihre Augen weit aufgerissen und starr auf das Plafond geheftet, hatten weder Leben noch Ausdruck; ihre zufammengepreßten Lippen umfpi.lte ein gräßliches Lachen.
Ich wich entsetzt zurück. Ich konnte nicht mehr zweifeln, — sie war es! Es war die Sterbende, welche vor drei Stunden mit Brehat- Kerguen jene geheimnißvolle Unterredung gehabt, die ich theilweife belauscht.
Es war die Gehilfin feiner Schandthaten, jene, die alle Geheimnisse befaß Ich trat en sie heran, entschlossen, durch meine Drohungen sie zu erschrecken und so willig oder mit Gewalt die Wahrheiten ihr zu entreißen, die sie in ihrem furchtbaren Busen verschloß. Ich glaubte, sie bleibe so unbeweglich und versteinert, weil der Schrecken ihre Kraft lähme, und daß er mir leicht sein werde, den ersten Schrecken, den ihr mein Anblick einflößte, zu benutzen, um ihr da« Geständniß ihrer Verbrechen und die ihrer Helfershelfers abzuzwingen.
Aber als ich mein Gesicht dem ihrigen näherte, als ich den starren Blick ihrer Augen sah, die Bläffe ihrer krampfhaft zufammengepreßten Lippen, die dicken Schweißtropfen, die auf ihren Schläfen standen, als ich diese entfleischte Brust sah, die kein Hauch mehr zu beleben schien, da erschien mir die Wahrheit in thr.m ganzen Lichte.
werde. Nur wirft die offiziöse Darlegung die Frage auf, ob der Zeitpunkt für eine solche Maßregel bereits gekommen sei unb sagt richtig: die Einsührung der fünfundvierzigtägigen Rückfahrkarte . . . bedeutet . . . einen so erhebliche« Fortschritt, daß ein alsbaldiges weiteres Fort« schreiten nicht dringlich erscheint, vielmehr der dafür geeignete Zeitpunkt ruhig abgewartet werden kann. Eine Zeit, in der die Einnahmen der Eisenbahn in Folge der Abnahme des Verkehrs kleiner werden, ist in der That für solche Maßregeln nicht geeignet. Ueberhaupt hat ja auch die Reform auf diesem Gebiete eine Grenze. In Ungarn hat man den anfänglichen Zonentarif nachträglich zweimal erhöhen müssen, weil die Eisenbahn bei der Personenbeförderung zu, setzte; und Aehnliches erlebt man jetzt augen- fcheinlich in Rußland. Um den Verkehr auf dem neuen Eisenbahnnetze in Asien zu heben, hat man dort auch einen neuen Zonentarif eingeführt ; aber schon jetzt, nach kurzer Zeit, muß man die leidige Erfahrung machen, daß der Fiskus zufetzen muß. Die Prrsonenfahrpreise in Nordamerika find anerkannt sehr billig. Aber im asiatischen Rußland wollte man es noch billiger mache«, unb jetzt muß man einsehen, daß es so nicht geht. Infolgedessen wird man sehr bald die zuerst beabsichtigten Zonentarifpreise nicht unerheblich erhöhen müsse«. Thatsäch- lich liegt ja auch eine Ungerechtigkeit darin, daß der Fiskus, also die Gesammtheit der Steuerzahler, zum Theil die Reisekosten derjenigen Leute tragen soll, die auf der Eisenbahn fahren.
+ Die Mohimngsfrage in de« Städten ist in sehr vortrefflicher Weise in der Versammlung der Stadtverordneten vom Posener Oberbürgermeister W i t ti« g behandelt worden. Dieser hat auf die Rothwendipkeit hingewiesen, die Bodenspekulation in den Städten zu fassen und möglichst einzuschränken, mindestens durch eine Grundwerthsteuer. „Soll der Besitzer — sagte Witting — der einen Kartoffelacker von 3000 Mark Werth besaß und nun plötzlich Bauland für 30 000 Mark besitzt, an die Gemeinde gar nichts leisten, der er diese« ungeheueren Vermögenszuwachs verdankt?" Herr Witting will die Baugenossenschaften gefördert sehen, «öthigen- falls durch städtischen Kredit; unb außerdem verlangt er eine Wohnungs-Inspektion. Bei allen einsichtigen Leuten herrscht darüber nur eine Meinung. Wann endlich werden die deutschen Bundesstaaten die höchst »othwendige Wohnungsreform in Angriff nehmen? Den Städten darf das auf keinen Fall Überlassen bleiben, wenn man nicht die ganze Angelegenheit vollkommen versumpfen lassen will.
+ Arveiterstatiki«. Vorn neuen Präsidenten des Kaiserlichen Statistischen Amtes, Dr. Wilhelmi, erwartet die.Soziale Praxis', daß er in dieser Reichsanstalt die Arbeiter- statistik mehh pflege« lasse, als eS bisher dort geschehen sei. Seine Berufung scheint in der That einen sozialpolitischen Fortschritt zu bedeuten. Geheimer Oberregierungs-Rath Dr. Wilhelmi war bisher in der gewerbe- und sozialpolitischen Abtheilung des ReichSamteS des Innern thätig, ist ein genauer
Die Unglückliche hatte einen Anfall von Somnambulismus.
Sie hielt mit beiden Händen eine kleine Laterne vor der Brust . . . Plötzlich senkte sie eine Hand und griff nach der meinigen, die ich auf einmal wie in einem Schraubstock gepreßt fühlte. Sie schaute mich jedoch nicht an, ihre Augen waren beständig nach Oben geheftet; wie hatte sie mich wahrgenommen? Gleichzeitig öffneten sich ihre Lippen und eia leiser Hauch drang hervor. Ich meinte, sie würde sprechen und näherte mein Ohr ihren Lippen. Doch sie schloß den Mund wieder, drehte fich plötzlich um und ohne meine Hand loszulassen, setzte sie ihren langsamen Gang wieder fort, den sie für einen Augenblick unterbrochen hatte.
Ich nahm allen meinen Muth zusammen und folgte ihr entschlossen, ohne zu versuchen, meinen Arm loszumachen, der mich sehr schmerzte.
Sie schritt der engen Treppe zu, deren erste Stufen ich einig eAugenblicke zuvor wahrgenommen. Wir stiegen dieselbe hinab; ich zählte fünfundzwanzig Stufen, bis wir auf ebenem Boden waren. Meine seltsame Führerin blieb stehen. Sie wandte fich von Neuem gegen mich und murmelte einige unverständliche und unzusammenhängende Laute. ES kam mir vor, als befänden wir uns im ersten Stocke des Schlosses. Vor uns lag ein langer Gang, dessen Ende sich in der Dunkelheit vrrlor.
Jetzt ließ die Somnambule meinen Arm los, hielt einen Finger vor die Lippen, als hätte sie mir Stillschweigen auf« le gen wollen und schritt bann voran. Ich folgte ihr auch jetzt . . . aber mein Herz hämmerte, als wollte es meine Brust zersprengen. Wohin wollte sie mich führen? Ich