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Srx< xnd Verla» der Jaltaer Actiendrucke« peteregaS« Nr. S (»armem«).
M 265.
Jutöa, Montag, dm 18. November 1901.
M. IahrgWiße
• Reichsfinauzreform.
”f Die Reichsfinanzen zu reformiren, ist ein Gedanke, der leider gar zu nahe liegt und sich mit Gewalt jetzt gar zu häufig aufdrängt. Deswegen muß jedermann zugeben, daß eine solche Reform nothwendig sei, oder sie unmittelbar fordern; und in diesem Sinne hat auch Abgeordneter Dr. Pichler vom Crntrum in der bayerischen Abgeordnetenkammer die Erklärung abaegeben, daß seine politische» Freunde im bayerischen Landtage und im Reichstage ganz gewiß eine solche Reform wünschen, aber — ja nun kommt das große Aber! So bald das Wie in Frage ckommt, gehen die Anfichten sofort auseinander. Ja der Anschauung find alle einig, daß bk Reform nothwendig sei, aber über die Art der Ausführung herrschen die verschiedenartigsten Anstchlen. Nach den Rezepten, die Minister von Miquel zurückzelaffen hat, Härte man sich unter einer Reichsfinauzreform eine Maßressel zu denken, durch die die Finanzgebarung des Reiches völlig loSgetrenut wird von derjenigen der einzelnen Bundesstaaten; und im Allgemeinen meinte man bisher das, wenn man von ReichS- sinavzreform sprach. Aber Dr. Pichler hat in der bayerischen Abgeordnetenkammer von neuem festgestellt, daß das Centrum gerade das Tegentheil für das Richtige hält: daS Cenlrum will eine solche Reform der Reichsfinanzen, die daS System der Matrikularbeiträge beibehält und damit die finarzielle Einwirkung der einzelnen Bundesstaaten auf da« Reich. DaS Reich soll durchaus nicht unabhängig werden von den Einzelstaaten mit der Gestaltung feiner Finanzen; und man kann dem sozialdemokratischen Abgeordneten von Volkmar nicht ganz unrecht gebe», der in derselben Sitzung der bayerischen Kammer die Ansicht aufstellte, die mißliche Finanzlage des Reiches sei durch den Mangel an Voraussicht bet den Verbündeten Regierungen entstanden. Denn diese hätten der schlechten Rrichsfinanzwirthschaft unthältg zugeschaut.
Aus einer ganz andern Tonart sprach am Tage danach der bayerischeFina-zministerFreiherr von Riedel. Nach bi ff en sehr lebhaft betonte» Ausführungen rechnet die bayerische Regierung bestimmt auf daS Zustandekommen einer Reichsfinanzreform, und zwar auf einer Grundlage, die daS finanzielle Verhältniß zwischen dem Reiche und den Einzelstaaten ganz anders gestaltet; denn die gegenwärtigen Verhältniffe feien auf He Dauer unhaltbar.
U h nun erschallt die dritte Tonart von Berlin her. Zu einer augenscheii-ltch offiziösen Darlegung der ,Berl. Polit. Nachrichten' wird kühlen ToneS erklärt, eine durchgreifende Reichssinanzreform sei für jetzt »icht ins Auge gefaßt. ES werde nur als eine Ehrenpflicht der Reichsverwaltung anerkannt, die minder finanzkräftigen Bundesstaaten, namentlich die thüri» gische» Klein, und Mittelstaaten, vor einer Er« Höhung der Matrikularbeiträge zu behüten, die ihnen gar zu schwer falle» würde. Der Berliner Osfiziosus ist also augenscheinlich gar nicht der Ansicht deS bayerisch»» Herrn Finanzminist«rS, daß auch das finanzielle Verhältniß zwischen dem 'Reiche und Bayern unhaltbar sei; er bekennt sich
auch nicht zu der grundsätzliche» Ablehnung der Ordnung der ReichSfiaanzen auf der Unterlage der Matrikularbeiträge. Bereits vor mehreren Wochen wurde in einer halbamtlichen Berliner Darlegung betont, daß die ReichSfinanzverwaltung vorläufig keine Reform vorschlagen, eS vielmehr den einzelnen Bundesstaaten überlassen werde, sich mit der gegebenen Finanzlage abzufinden.
Aus diesem Retchsfinanzirrgarten einen Ausweg zu stade«, wird mehr als schwer sein; zunächst wohl auch wirklich unmöglich. Und deswegen könnte man es einigermaßen verstehe», wenn die leitenden Berliner Stellen der Reichsfinanzverwaltung do läuft $ aus eine befriedigende Lösung der bösen Frage nicht hoffen, da ja der Reichstag vorerst mehr als überladen ist durch die noch wichtigere und noch brennendere Zollangelegenheit. Di-se muß den Vortritt haben vor der Frage der ReichSfiaauzreforrn, was natür. sich nicht ausschließk, daß auch diese Letztere be jeder geeignete» Gelegenheit aufs neue erwogen und besprochen werde Das ungeeignetste Hilfsmittel, um ouS der gegenwärttgen Verlegenheit herauszukommen, würde aber ganz gewiß die unveränderte Fortsetzung der alten Anleihen- wtrthfchaft sein; und dennoch stellt gerade dieses Hilfsmittel der Berliner Osfiziosus als empfehlenswerth hi«. Er schreibt:
„Läßt sich der Ausgabebedarf gegenüber dem „Etatsentwurf »icht erheblich einschränken und „nötdigt die Entwicklung der Einnahmen zu „vorsichtigster Veranschlagung, so könnte nur „noch die eine Möglichkeit in Betracht kommen, „den »othleidenden Bundesstaaten eine Er- „leichterung zu verschaffen, indem man von „der Ausschreibung von Matrikularum- „lagen für einen Theil der . . . einmaligen „Ausgaben ab seh en würde und deren Be- „streitung, so «eit erforderlich, aus Anleihen „ermöglichte. . .
Da« würde dann den Teufel durch Beelzebub au«tr«iben heißen! Im Reichstage ist schon mehrfach sehr nachdrücklicher Widerspruch erhoben worden gegen diese unaufhörliche Vermehrung der ReichSschulv. Dieser Widerspruch wird wohl auch im bevorstehenden Winter nicht aurbleiben und diesen Anleihe-Absichten einen Riegel vorschieben. So, wie bisher, kann e« doch mit der RsichS- puwperer unmöglich weiiergehen. Einen Trost, wen» er auch schwach ist, hat uns der bayerische Finanzminister gespendet: die neulichen Meldungen, daß da« Reichsdefizit bi« auf 140 Millionen Mark anschwellen werde, find unrichtig. Wie hoch er aurfallen werde, weiß man augenscheinlich noch nicht. Nach den neuesten Meldungen soll der Fehlbetrag in dem Etatsgesetze, dessen Entwurf dem BundeSrathe inzwischen zugegangen ist, „nur" etwa achtzig Millionen autmachen. Wenn diese Meldungen richtig find, dann bleibt hoffentlich die weitere Nachricht nicht au», daß e« gelungen sei, diesen Fehlbetrag durch Abstriche ganz bedeutend zu verringern. Da« muß jetzt da« erste Streben fein!
Deutsches Keich-
Berlin, 16. November.
_ * DomKapktxla« Schaeffer, che»eral- präses 6 er Katholische« Geseffe«oerei»e
Devtschlands ist am SamStag gegen 8 Uhr in Köln gestorben. — Sebastian Georg Schaeffer war, wie der Gesellenvater Kolping, ein Sohn der Rheinlande; in Koblenz erblickte er am 16. April 1828 das Licht der Welt. Nach eifrigem Studium und trefflicher Vorbereitung empfing er im August 1852 das Sakrament der Priesterweihe. Mit seltenem Berusseifer war er im Dienste Gottes thätig. Kein Weg war ihm zu weit, kein Dienst zu schwer, wenn es galt, seine hohen Berufspflichten zu erfüllen. Als im Jahre 1865 die frisch aus- blühende» Gesellenoereine ihres geistigen Vaters Kolping durch den Tod beraubt wurden, da fiel die Wahl auf Georg Schaeffer. Diese Wahl war wahrlich keine schlechte, Es ist hier nicht der Platz, heute des Einzelnen darzulegen, mit welcher Sorge er da« schwere Amt antrat, fürchtend, daß er ihm nicht gewachsen. Doch alsbald gelang es ihm in seinem rastlosen Eifer, sich in den neuen Wirkungskreis eirizuleben. Was er als Kolpings Nachfolger gewirkt und geschafft, davon wiffe» die Gesellenvereine Deutschlands mit Freuden zu berichte»; welcher Beliebtheit er sich bei feinen „Jungens" erfreute, davon gab vor allem Kunde die herrliche Feier deS goldenen Jubiläums des Kölner Gesellen- vereins. Sei» Arbeilen und Sorgen, seine Erfolge und sei» ersprießliche- Wirken wurden vom heiltaen Vater anerkannt, der Schaeffer zum Päpstlichen Gebe'm - Kämmerer ernannte. Am 11. Dezember 1887 erhielt er die Ernennung zum Domkapitular an dem hohen Dome zu Köln. N-ben der aufteibenden Thätigkeit als Generalpräses der katholischen Gesellenvereine Deutschlands fand der rastlose Mann roch Z;it und Gelegenheit, schriftstellerisch thätig zu sein. Lange Jahre hindurch war er Redakteur der Rheinischen Volksblätter. Große Verdienste erwarb er sich um die Herausgabe des Kolping - Kalenders. Biel gelesen wurde sein Lebensbild Kolping-. Heute »u» weilt er nicht mehr unter de» Lebenden. Seine liebe» feilen haben in ihm einen sorgenden General- Präses und Gesellenvater verloren; seine Br- kannten und Freunde werden den all-zeit Hilfs- bereiten Berathrr ost vermissen; Allen war er lieb und theuer. Gott wird ihm ein reicher Vergelter seiner Verdienste fein! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 21. Nov., Vormittags 9 Uhr statt. Die Leiche bleibt bis dahin im Saale des Gesellenhauses aufgebahrt, woselbst auch am Brgräbnißtaqe die feierlichen Ex-chuien mit nachfolgender Trauerrede abgehalte» werden. Die Ruhestätte deS Hinge- schiede»-» befindet sich auf dem Melatener Friedhöfe. Zum Begräbnisse «erden sich zahlreiche Gesellenoereine in Köln einftnben, um dem theuren Verstorbenen, bet ihnen wie ei» Vater war, baS letzte Geleite zu geben. Auch eine Deputation des Fuldaer Gesellen- ver eines, i» dessen Mitte der liebe Ver- storbene schon mehrmals weilte, wird mit Fahne zu den Trauerfeierlichkeiten nach Köln reifen.
4- Der „Fall Spatz«" wird verwuthlich demnächst von Neuem in den Vordergrund der öffentliche«Auseira^derfetzungen gedrängt werden: eS soll eine „Kundgebung in akademischen
Kd« eines NlrrschnfMrs.
Aach dem Franzöfischrn von Henri <k auv aln.
A) ------ (Nachdruck verboten.)
„Donnerwetter! wenn ich acht Tage warten könnte, würde ich Dich gewiß nicht morgen schon 4ehe» heiße». In acht Tagen müssen wir im Auslände fein. Man ist mir in Pari« schon auf der Spur . . . Ich Hobe dort einige Sttetche vollbracht und die find der Polizei in die Beine gefahren; bange bin ich gerade nicht, daß man mtch abfaßt. Ich raffe schnell meine Beute zusammen *nd verdufte Du kannst also nicht hier bleiben, verstehst Du? Unnöthig, Dir lange zu sagen, warum... Du kannst nicht. Du mußt Dich verbergen und da« schnell, sonst ... Du weißt, wa« geschieht, denn Deine Aktien stehen »icht besser, al« die meinigen."
„Du willst mir nur Furcht machen!... Wie soll die Polizei Dich hier finden? ... Du hast Mir ja selbst gesagt, sie habe einen Andern statt »einer sestgenommen "
„Wohl, aber der Jrrthum ist vielleicht nur von tarier Dauer. Ich fürchte, ein gar feiner Spür- Hund sei mir auf der Fährte, und «eine Gewöhn- beit ist, bei dem ersten Geräusch da« Weite zu luche». Jetzt'znm letzten Male: Morgen in der «a$t gehst Du; ich bringe Dich nach Reim«; wo Acht, so finde ich ein Mittel, Dich Io« zu werden, «-horche!"
„Ah, Elender! Du wagtest e«, mich zu tödten alledem, wa« ich für Dich gethan habe!"
„Für mich? Meinst Du, ich sei Dir dafür
besonder« dankbar? Ich meine, Du habest Deinen gehörigen Nutzen auch darau« gezogen . . . und ohne viel aus'« Spiel zu setzen. . ., während ich. . ."
Ein Schweigen trat ein; ich hörte Herrn Brehat-Kerguen unruhigen Schritte« im Zimmer auf- und abgehen.
Plötzlich blieb er stehen.
„Nun, hast Du Dich entschieden?"
„Höre, ich bin e« satt. Dir immer so zu gehorchen . . . lödte mich . . . o, ich Unglückliche! . . . wie ich leide! ... ich kann keinen Fuß bewegen, wie soll ich Dir folgen? Tödte mich, da« ist mir lieber! Du wirst doch noch einmal erwischt, und ich will lieber hier sterben, al« auf dem Schaffot."
„Man wird mich erwischen", antwortete jener ronifch . . . „o ich habe noch gute Zähne, um die Maschen de« Netze« zu durchnagen, mit dem man mich umspinnt! Ja, man wird mich vielleicht ergreifen, wenn Du hier bleibst, und Dich mit mir . . ., aber wenn Du mir gehorchst, werde ich Dich in acht Tagen . . ., soviel brauche ich, um )en größten Theil der Erbschaft zu sammeln ..., in Reim« abholen und wir segeln nach England . . . Der Teufel müßte eine feine Nase haben, wollte er un« dort aufspüren."
E« kam mir vor, al« gehe die Unterredung zu Ende; ich schlich vorfichtig in mein Zimmer zurück und legte mich zu Bette, nachdem ich mir den Kopf erst mit elnxm dicke» Tuche umwickelt hatte.
In der Tyat, fünf Minuten später hörte ich len schwerfälligen Schritt de« Herrn Brehat- Kerguen. Er öffnete leise meine Thür und ließ
da« Licht seiner Blendlaterne auf mein Geficht fallen.
Dann zog er sich geräuschlos zurück IV.
Ich wartete einige Minuten, bi« ich sicher fein konnte, daß er in fein Zimmer zurückgekehrt fei und nicht wieder herauskomme.
Dann stand ich auf, obwohl mein Fieber sich verdoppelte und meine Schmerzen entsetzlich waren.
Da« Dunkel dieser furchtbaren Geschichte begann allmählich sich aufzuhellen, und da ich mich ö nahe am Ziele angekommen sah, so bot ich Alle« auf, um nicht zu unterliegen.
Ich schritt durch den Gang, mich an der Mauer haltend und gebückt wie ein Greis.
Meine Glieder zitterten vor Kälte und mein Kopf glühte wie eine Feueresse
Ich kam endlich bis zu jener Thüre und klopfte zweimal.
Ich erhielt keine Antwort; ich hielt mein Ohr an das Schlüsselloch und meinte einen tiefen, pfeifenden Äthern zu vernehmen.
Ich klopfte abermals; ein schwerer Seufzer wurde laut . . . aber e« war alles.
M'hr und mehr fühlte ich meine Kräfte chwinden* und ich klammerte mich mit den Fingern an die Thürvorsprünge, um nicht umzufallen.
In der Hitze des Fieber« kam e« mir vor, al« hörte ich die Schritte des Mörder« durch die mnk-ln Gänge hallen, der mich überraschte, wie ich seinen Geheimnissen nachspüre.
Diese Geheimnisse waren hier, in diesem Zimmer, in da« ich nicht einbringen konnte; diese Schwelle einmal überschritten, würde ich seiner
Kreisen gegen die Besetzung von llaioersttätS- Stellen unter konfessionelle» StfichtSpankten" ver- anstatt? t werden. Diese Kundgebung soll die Form einer Zestimmungs-Adreffe an den Berliner Ge- schichtS-P ofrffor Mommsen erhalten, oer kürzlich in einem offenen Briefe gegen jenen Gesichtspunkt Widersprach erhob; an verschiedenen Hochschulen wird dre Unterzeichnung der Adresse vorbereitet. Ist es denn in den Augen der liberale» Professoren wirklich gar so schlimm, wenn ganz ausnahmsweise bei der Besetzung einer Professur auch einmal auf katholische Wünsche Rücksicht genommen wirb? Eine solche Beurcheilung bet Angelegenheit ist nichts menget als „liberal", sondern im höchsten Grabe unduldsam und engherzig, in diesem Falle um so mehr, als eS sich in Prof. Spahn um einen zwar jugendlichen, aber nichtsdestoweniger äußerst tüchtigen Gelehrte» handelt. Im Uebrigen wird sich, je mehr der „Fall Spahn" breitget- eten wird, desto weitet die richtige Erkenntniß im Volke verbreite«, daß die Besetzung der einen Straßburger Gesch chts> Professur mit einem katholischen Gelehrten die einzig richtige und gerechte Maßregel war. Außerdem be» steht ja in Straßburg noch eine andere solche Professur! Daß der offene Brief deS Professors Theodor Mommsen an EchroffheUen und Taktlosigkeiten übervoll ist, soll hier nur nebenher erwähnt werden. Herr Prof. Mommsen mag selbst sehen, wie er die von ihm begangenen Geschmacklosigkeiten mit dem vereinigen kann, bas et guten Geschmack nennt Auch bie konservative,Kreuz- ztg.' erhebt nachdrücklichen Widerspruch gegen die Mommsen'scheu Anschauungen Diese gipfeln ganz einfach barm, daß ein gutgläubiger Christ (Fanatiker nach Mommsen) überhaupt niemals eine Universitäts - Professur erhalte» sollte.
• Aög Dr. ». Irrge der erste Bizeprä- fident des Reichstages, muß sich auf ärztlichen Rath in der nächsten Zelt von allen Geschäften fernhalten und wirb oermuthlick Erholung in einem südliche» Klima suchen. Ob beifelbe fei» R ichStagsmandat aufgeben werde oder nicht, ist noch unbestimmt.
+ A«sterS«rger Zweikampf web Bei» Kade. Der Vater de« im Duell in Insterburg «etödteten Leutnant« BlaSkowitz, Pfarrer B. in Writerkehmen bet Gumbinnen, hat an mehrere Zeitungen ein Schreiben gerichtet, da« eine neue Darstellung der bekannten Streitsülle enthält. Diese Darstellung beruht auf Mtttheilungen, die der Sohn dem Vater gemacht hat gemäß den Erklärungen de« Ehrenratbe«. Danach begannen die Schimpfreden be« Trunkenen erst, al« die beiden Artillerie-Offiziere e« versuchten, ihn in seine alte Wohnung zu bringen, oder vielmehr ihn in bem Hausflur dort sestzuhalten — seine neue Wohnung lag etwa 500 Schritte davon. Der Oberleutnant Hildebrandt soll dabei gesagt haben: „Sie wissen ja nicht einmal, wo Sie wohnen; Sie sind ja besoffen wie ein Schwein" — worauf bann mit dem Zusätze „Da« ist für da« Schwein" ein Schlag in« Gesicht ei folgt fein soll. Der Betrunkene hat augenscheinlich die beiden Kameraden nicht erkannt — fo soll der getöbtete Offizier den Sachverhalt vom Ehrenrathe erfahren haben. Der Herr Pfarrer schließt seinen Brief mit de» Worten: „Wa« die beiden Herren veranlaßt hat.
Helfershelfe-in schon das Gsständniß abzwinge» und damit Aufschluß über Alle« erhalten.
Vielleicht, sagte ich zu mir, wenn ich mit einer letzten Ansirengung alle meine Kräfte zusammennähme, könnte ich diese Thür einbrücke», die sich wie ein unüberwindliche« Hinderniß mir in den Weg stellt. Doch da« Geräusch zöge den Mörder herbei und ich erläge in bem Augenblicke, wo ich am Ziele meine« Unternehmens stehe.
Ich fühlte, wie fich meine Sinne umbuntelte», wie meine Gedanken wirrer und wirrer würben. Ein kalter Schweiß rieselte mir von der Stirne.
O der schrecklichen Augenblicke. Wenn ich je diese vielen Qualen überlebe, so werde ich nie diese martervolle Stunde vergessen.
Ein Gedanke hat fich meiner bemächtigt: diese« Zimmer zu betreten. Aber wie!
Ich stemmte mich, den Kopf zwischen beide Hände haltend, gegen die Thür und versuchte, meine Gedanken zu sammeln; diese wenigen Augenblicke be« Nachdenken« gaben mir wieder einige Ruhe. Ich kehrte leise in mein Zimmer zurück, nahm ein Licht und ein Taschenmesser, da« mir beim Oeffnen der Thüre dienen konnte, unb ging dann über den Gang bi« zu der geheimniß- vollen Thür.
Ich gewahrte sofort, daß das Schloß doppelt herumgedreht war; öffnen war unmöglich. Nicht einmal die Schrauben, welche das Schloß an der eichenen Thür fest hielte«, konnte ich auSziehen, denn sie waren von irrten eingeschraubt.
Eine schmerzliche Entmuthigunq befiel mich. Mit einer Hand an der feuchten Wand de-