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"^su".r.-’X'mit Anterhattungs-Meikage „Illufirirte Sonntags-Ieitung"

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261 Jut-a, Samstag, den 16. November 1901. 28. Jahrgang.

Die »Fuldaer Zeitung' hat die Angabe jenes Reformationsfestartikels bestritten und bestreitet fir auch jetzt noch, daß „in der römisch.katholi- ichen Kirche die sittliche Persönlichkeit an den Machtspruch eine- göttliche Autorität für sich fordernden Menschen, de- Papste- und seiner Untergebenen, gebunden ist oder werden soll". Der Berfaffer der „Randgloffen" glaubt nun jene Behauptung schlagend beweisen zu können durch da-, waS „der Papst PiuS IX. selbst in der (?) Conatitutia Pastor aeteraua auf dem vati­kanischen KonzU in der PeteiSkirche zu Rom am 18 Juli 1870 vor 535 Bischöfen verlese» (!) Hst" — nämlich die Verkündigung de- llnfehl» barkeit-.DogmaS. Der verehrte Freund der Wahrheit wird un- dankbar dafür sein, wenn wir chn darauf Hinweisen, daß er von dem katho­lischen Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit eine durchaus irrthümltche Austastung Hai; eS wird ihm leicht fein, in diesem Punkie die Wahrheit an den Lag zu bringen, da die katholische Kirche chre Lehren in kein Seheimniß hüllt. Allerdings kann man ei» richtige- Verständniß für diese !«hren nicht au- den Tendenzschristen der (Segnet chöpfen. Der Berfaffer der „Randgloffen" hätte deshalb auch in seiner Siebe zur Wahrheit die Uebersetzung der von ihm citirten W-rte de- Papste- PiuS IX nicht au- gegnerischen Büchern entnehmen dürfen, denn die Erfahrung lehrt, daß solche Uebersrtzuugen gar ost recht ungenau

sind. So darf z. B. der bekannte Ausdruck „anathema eit“ nicht übersetzt werden: „so sei er verflucht", sondern „der sei im Banne", d. h. auSgeschloffen von der Kirche. Die katholische Kirche verflucht nicht die, welche ihre Sehre nicht annehmen wollen, sondern sie schließt sie einfach von der Kirche auS.

Die Behauptung der,Fuld. Ztg.', in Spanien sei die Thatkraft de- Volke- nicht deshalb ge­lähmt, weil eS erzkatholisch ist, sondern well die Machthaber der katholischen Sehre untreu ge­worden, glaubt der Berfaffer der Randglosse« durch de« Hi«weiS auf Oesterreich oder Italien oder die südamerikanische« Staaten widerlegen zu können. Wir finden gerade umgekehrt in dem Hinblick auf die genannten Sünder eine Be­stätigung unserer Behauptung. SS ist doch allgemein bekannt, daß in Oesterreich seit de« Zeile« Joseph- II. ein Seist die Regierung be­herrscht, der die katholische Kirche an der Ent­faltung ihrer Kräfte hindert. Und »un gar Italien! Und die südamerikanische» Staaten, wo eine freimaurerische Regierung die andere ab. löst! Wahrlich ungeeignetere Beispiele hätte« die „Randgloffen" kaum anführen könne« für die Behauptung, daß der Katholizi-mu- die That- kraft der Völker lähme und ihren Fortschritt hindere. Und waS gilt denn von der grschtcht- lichen Thatsache, daß die Thatkraft de- deut» sch en Volke- nach |bet Einführung der Refor­mation, d. h. nach dem Abfalle von der katho­lischen Kirche derart gelähmt und sei» Fortschritt derart gehindert wurde, daß e- so tief gesunken war und Jahrhunderte lang so traurig darnieder­lag, wie nie zuvor. Etwa- Studium der Se- chichte — nicht der bekannten Segenden — wird ür unfern Freund der Wahrheit da- beste Mittel sein, auch in diesem Punkte sei» Ziel zu erreichen und die Wahrheit „an den Tag zu bringen".

Offiziers so groß gewesen, daß er sie mit seinem Leben sühnen konnte? Ein gerechter Richter­spruch hat für Alle etwas BefteiendeS. War dieses Gerechtigkeit? . . .

Was der Geistliche in dieser überaus zurückhaltenden Form am Grabe des Getödteten sagte wird in er­heblich kräftigerer Tonart im Reichstage widerhallen. So darf weiterhin bei uns in Deutschland nicht gegen die göttlichen Gebote und menschlichen Gesetze ge- ftevelt werden!

Die Vorgänge an Bord des Kreuzers „Gazelle" haben in den letzten Tagen das Geschwaderkriegs­gericht in Kiel zum zweiten Mal beschäftigt. Dies­mal handelte es sich um die schlimmeren Dinge: Es wurden Strafen von drei bis zu sechs Monaten Gesängniß verhängt gegen den Obermatrosen Weiß, den Matrosen Gröger, den Obermatrosen Genz und den Wachtmeistermaat K unze. Dieser letztere wurde außerdem zur Degradation verurtheilt und wegen Fluchtverdachtes sofort verhaftet. Es handelte sich durchweg um Achtungsverletzung und Gehor- lamsverweigerung gegen Vorgesetzte. Was aber eigentlich vorgegangen ist, konnte man nicht erfahren. Die Verhandlungen wurden an Bord des Linien­schiffes Kaiser Wilhelm II. geführt und Vertreter der Preffe unter dem Vorwande des Raummangels ausgeschlossen.

Die Unverschämtheiten des britischen Kolonial­ministers Chamberlain haben eine ganze Reihe von Protestkundgebungen in Deutschland hervorgerufen: So an den Un verfitäten in Greifswald, in Berlin, in Leipzig, in Kassel und anderwärts. Auch die amtliche .Leipziger Zeitung' hat nachdrücklich der Auf- faffung widersprochen, als lohne es fich nicht, auf die Worte Chamberlains Gewicht zu legen. Sehr gut hat dem deutschen Volksempfinden der kürzlich abge­haltene christlich.soziale Parteitag in einer Entschließung Ausdruck gegeben, in der das tiefe Be­dauern darüber ausgesprochen wird, daß die Re­gierungspolitik des deutschen Reiches in der Sache der Buren im Widerspruche stehe mit dem sittlichen Empfinden fast des gesammten deutschen Volkes! Zu erwähnen ist ferner ein Protest, den die national- liberale Partei Thüringens in einer Ver­treter-Versammlung beschlossen hat.

Die Ehe des Großherzogs von Hessen mit seiner Gemahlin Viktoria , geborenen Prinzessin von Sachsen-Koburg-Gotha, wird vermutblich dem­nächst gelöst werden. Die Großherzogin »at ihren Gatten verlaffen und wohnt seit dem 15 Oktober in Gotha. Die von verschiedenen Seiten um-> nommenen Versöhnungsversuche find bisher ohne Erfolg ge­blieben.

Von Dr. Marti« Luther und dem ariantsche« Sothenbischofe MfilaS sage» die „Randgloffen", daß ihre Namen „nicht nur auf religiösem Se. biete für ihre Zeit vo» der größten Bedeutung waren, sondern auch in ihren gewaltigen Bibel- Übersetzungen, von denen die eine daS älteste Denkmal einer germanischen Sprache, die andere die Srundlage der hochdeutschen Sprachentwicke­lung ist, fich fester als in Erz und Stein ein Sedächtniß bei ihrem dankbaren deutschen Volke gestiftet haben". Die .Fuldaer Z-ttuug' hat die außerordentliche Bedeutung der lutherischen Bibelübersetzung für die Entwickelung der hoch- deutschen Sprache niemals in Abrede gestellt; wir wiffen daher nicht recht, weshalb die „Rand­gloffen" fie so pathetisch hervorheben. (Neben­bei bemerkt scheint u»S die gleichwerthige Neben- einanderstellung von UlfilaS und Luther etwa- unklug zu sein. Wer außer den Gelehrt« kennt denn heute den UlfilaS noch auch nur dem Name» nach?) Weiter heben dann die „Randgloffen" hervor, daß „der gefeierte katholische Gelehrte Döllinger ihn trotz aller Ultramontanen den ge­waltigste» Volk-man», de» populärsten Charak­ter, den Deutschland je beseffen" nennt. Nun gut, derselbe gefeierte Gelehrte Döllinger hat in feinem Werke über die Reformation (Bd. III, S. 139—173) sehr ausführlich und schlagend den Nachweis geliefert, daß Luther in seiner Bibelübersetzung und in de» beigefügten Glosse» durch willkürliche Einschaltungen in de« Text, durch Umdeutungen und auffallende Aenderunge», seine Hauptlehre von der Rechtfertigung allein durch de» Glauben eine mehr biblische Färbung zu geben versucht hat. Wen» der Verfasser der „Randglossen" auf da- Urtheil Döllinger- über die Reformation so große« Werth legt, empfehle« wir ihm da- Studium

Der englische Ministers)!äsident, Lord Salis­bury, hat in einer Rede bei dem alljährlichen Lord­majorsbankett im Londoner Rathhause den ganzen ftanzöfischen Flottengang nach Mytilene nur vorüber­gehend erwähnt und nur von leichten Wolken im Orient gesprochen, die fich iudeffen sehr schnell wieder verzogen hätten — eine Beurtheilung von oben herab, die gerade nicht schmeichelhaft für die Franzosen ist! Mit großem Interesse sah man dieser Rede Lord Salisbury's entgegen, weil man hoffte, einige zu­verlässige Aufschlüsse zu erhalten über die Stellung der britischen Regierung zur Burenfrage. Darum hat man fich getäuscht. Der Minister hat nur noch einmal betont, daß England keinen Frieden machen könne ohne vollkommene Unterwerfung der Buren, so sehr die Regierung auch wünsche, die Gebiete, in denen jetzt Kriegszustand herrscht, wieder in Frieden und Freiheit zu sehen. Außerdem hat Salisbury gesagt, er wiffe wohl noch mehr, könne davon aber jetzt nicht sprechen, und diese geheimnißvollen Andeutungen hat man bezogen auf angeblich von neuem eingeleitete Friedensunterhandlungen. Ein Londoner Blatt wollte sogar schon die vom Präsidenten Krüger angebotenen Friedensbedingungen kennen: Schleunigste Rückkehr aller Verbannten und Gefangenen, Entschädigung für die verwüsteten Farmen der Buren, Amnestie für die Kaprebellen, Unabhängigkeit der Buren. Dafür sollen den Engländern die Goldminen angeboten worden

sein. Zn erwähnen ist freilich auch, daß der Ber- waltnngsrath des Internationalen Schiedsgerichtshofes im Haag zum 20. November einberufen ist, um über den Bermittelungsantrag der Buren zu berathen. Trotz alledem und alledem muß man, durch die vorouf- gegangenen Ereignisse klug gemacht, alle die Gerüchte und Meldungen mit der größten Vorsicht aufnehmen. Wie ließ es fich auch mit einander vereinigen, daß Präsident Krüger die volle Unabhängigkeit der Buren fordert, Lord Salisbury aber diese gerade auf keinen Fall zugestehen will?

Die Abneigung der Engländer gegen den entsetz­lichen Krieg wächst. Erst vor einigen Tagen wieder hat ein liberaler Führer, Sir William Har­court, einen offenen Brief an die.Times' gerichtet, m dem er die Verbannung so vieler Buren und die Wegnahme ihres Eigenthnms für verfaffnngswidrig und verderblich und ungesetzlich erklärt. Das Alles macht aber aus die Herren Chamberlain und Genoffen ebenso wenig Eindruck, wie alle die voraufgegangenen Kundgebungen. Solche Leute können nur durch den Zwang unerbitilicher Thatsachen niedergedrückt werden; aber diese Thatsachen können und werden nicht aus- bleiben. Dann wird die Verachtung ihres Volkes fie

In P e k i n g ist ein Mann gestorben, dessen Name viele Jahre lang in aller Munde war: Li-Hung- T s ch a n g, der „chinesische Bismarck", der pfiffigste Diplomat, den das Reich der Mitte besaß. Li-Hung- Tschang hat das hohe Alter von 81 Jahren erreicht und einen Ungeheuern Reichthum hinterlassen. Diesen hat zum großen Theil ganz einfach die chinesische Re­gierung mit Beschlag belegt, und dafür hat sie den tobten Bizekönig noch zum Marquis erhoben — auch ein Ausgleich!

Ganz trauriges Aufsehen hat ein Zweikampf zwischenO ffizieren inJnsterburg gemacht. Der Leutnant BlaSkowitz hatte dem Brauche gemäß vor seiner Hochzeit den unverheiratheten Kameraden eine Bowle gegeben. In seiner freudigen Erregung war er den genossenen Getränken zum Opfer gefallen und auf dem Heimwege eingeschlafen, «ameraden, darunter der Oberleutnant Hilde- 6 "u d.wollten ihn aufheben, der Trunkene wehrte wlt den Armen ab und soll dabei den vorgenannten Oberleutnant getroffen haben. Der Vorfall kam jur Anzeige» und die Offiziere |— so behaupteten “je veröffentlichten Berichte, mußten sich schießen, obwohl Blaskowitz zu jeder Ehrenerklärung bereit Sfar».“”^0?4 ,bte Gegenseite der Versöhnung zuneigte. Blaskowitz starb an dem Tage, an dem seine Hoch- Je» stattfinden sollte — „auf dem Felde der Ehre"! P^rrer Gremmel sprach in feiner Grabrede die! treffende« Worte.

Dieses Grab ist eine Anklage gegen falsche Ehrbegriffe! . . . Ist die Schuld dieses!

22 Ein „Freund der Wahrheit" veröffentlicht i« bet .Schlüchterner Zeitung' unter bet Ueberschrist: „Randglossen zu einet römisch- katholischen Kritik unsere- Reformation-fest- artikel-" eine Erwiberung auf de« Artikel in Nr. 253 her .Fulbaet Zeitung'. Diese Ranb- glassen schließen mit den Worten: „Geschrieben auS Liebe zur Wahrheit und au- bem Verlangen, fie an ben Ta« zu bringen."

ES freut u s immer, wen» wir einem Manne

Das französische Abenteuer in ben türkischen Gewässern ist beendet. Der Sultan hat zu fast allen ftanzöfischen Forderungen ja gesagt, und daraufhin ist Admiral Caillard mit seinem Panzer- I geschwader wieder von Mytilene abgedampft. Wenn die Franzosen weiter nichts wollten, so hätten sie da» ohne Zweifel billiger haben können, auch ohne diese Flottenkundgebung. Der Sultan versicherte ja schon vorher unaufhörlich, daß er alle möglichen Forderungen der Franzosen gern bewilligen wolle. Und irgend­welche Bürgschaften dafür, daß der Sultan nun auch halten werde, was er versprach, hat Frankreich auch jetzt nicht erlangen können. Die Ausbeute de- gepanzerten Zuges ist also gleich Null. Vorher hieß eS, Frankreich und [ Rußland wollten gemeinsam vorgehen, um Reform in Armenfien durchzuführen. Aber auch daran ist kein wahres Wort gewesen, wie von Petersburg aus in amtlicher Form festgestellt wurde. Sehr viele ftanzöfische Zeitungen äußerten fich mit vollem Rechte recht kritisch über dieses Orientabenteuer der Fran- zosen vor der Insel Lesbos. Der Anstifter ist ohne Zweifel Herr Konstans gewesen, der franzöfische Bot­schafter in Konstantinopel. Er wird zwar noch ein­mal auf seinen Posten zurückkehren, vermuthlich aber nur auf kurze Zeit. Herr Konstans würde ohnehin einen sehr schweren Stand in der türkischen Haupt­stadt haben. — Halil Rifaat Pascha ist gestorben, der Großvezier des Sultans, und sein Nachfolger ist Abdurrahman Pascha geworden, der bisherige türkische Justizminister. Mit diesem steht fich Herr Konstans persönlich sehr schlecht, seit er ihm vor mehreren fremden Diplomaten bei der Gelegenheit einer politischen Auseinandersetzung den Kosenamen „Büffel" auf den Kopf warf.

des genannten Buche- recht dringlich als Mittel, bie Wahrheit an ben Tag zu bringen.

Die »Fuldaer Zeitung' hatte bie Frage auf­geworfen: „au- welcher Hand hat benn Luther bei seiner Uebersetzunz die heilige» Bücher em­pfangen?" Als Antwort auf diese Frage sage« die „Randglossen": „Dr. Martin Luther wäre Übel berathen gewesen, wenn er bei der römische« Kirche fich die Grundlagen für seine Bibelüber­setzung geholt hätte. Da- sollte schwer zu be­weisen sein, daß Luther und seine Mitarbeiter fich bei ihrer UebersetzungSarbett an die römische Bulgata gehalten hätten, nein, Luther hat au» dem griechischen und hebräische» Grundtext die Bibel übersetzt." Ja, aber au- welcher Hand hat den« Luther diese« griechischen und hebräische» Urtext erhalten und wer hat ihm die Gewißheit gegeben, daß riese Urtexte unverfälscht erhalten waren? Nur au» den Händen der römisch»katholi» chen Kirche hat Luther den Urtext erhalt« und nur dir peinlich« Sorgfalt, mit der die römisch-katholische Kirche zu jeder Zeit über )ie Reinheit und Unverfälschtheit der Bibel ge wacht hat, gab Luther die Sicherheit, daß «• echte Urtexte vor fich habe. Will der Berfaffer

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Wir Dürfen nicht vergessen, was die Grund läge unserer Kraft gewesen ist: Die Landwirthschaft ... Wir dürfen in Deutsch- lanb nicht den Weg gehen, den England ge= gangen ift; wir dürfen die Landwirthschaft nicht fallen lassen, wir müssen ihr die Möglich- ber Gklstenz schaffen . . . England war vor fünfzig Jahren in derselben Lage, wie heute wir. Nur ein Sechstel des Bedarfes an Brod- getretbe brauchte es einzuführen, fünf Sechstel baute es noch auf eigner Scholle. England ist seitdem zu dem entgegengesetzten Standpunkte gekommen . . . Dazu darf es bei uns nicht kommen. Das verbietet die Rücksicht auf unsere na?yon£^ .Verth eidigung, die Rücksicht auf die Wichtigkeit der landwirthschaftlichen Be­völkerung für die Ergänzung unseres Heeres, abgesehen von anderen Gesichtspunkten

So Herr Handelsminister Möller in Krefeld. Die Grundsätze, die er damit aussprach, sind richtig. Nun muffen wir abwarten, ob die Regierung auch die rechte Ausführung dieser richtigen Grundsätze der deutschen Volksvertretung Vorschlägen wird

Die Gesammtheit des BundesratheS hat übrigen« nur eine einzige Sitzung Dienstag Nach- mittags gebraucht, um die Zollvorlagen hu er-1 lebigen. Den Anträgen bet Ausschüssen ist bie unveränderte Zustimmung ertheilt worden.

- dem ftanzöfischen HandelS-

mimster Mill er and durch den deutschen Bot- schaster in Pari» seine Erkenntlichkeit aussprechen lassen für die kostbare Erinnerungsplaquette, die Millerand dem Kaiser durch den ftanzöfischen Bot­schafter in Berlin überreichen ließ. Der Kaiser hat sich wie bekannt, mit Kunstwerken aus denjköniglichen Sammlungen in Potsdam hervorragend al» Aus­steller an der Pariser Weltausstellung beteiligt: die goldene Pmquette soll der Dank Frankreichs dafür zum Ausdrucke bringen. Herr Millerand hat sich sehr über die kaiserliche Botschaft gefreut und och aufs lebhafteste bedankt — ein pikanter Aus­tausch von Liebenswürdigkeiten Zwischen dem deut­schen Kaffer und dem französischen Sozialdemo- naten!

begegne«, der tue Wahrheit liebt und ba8 Ver­langen hak, fie an ben Tag zu bringen, und des­halb find wir ouch im vorliegend« Falle gerne bereit, bem uns unbekannte» Berfaffer der „Randgloffen" i« seinem Streben, bie Wahrheit an den Tag zu bringen, nach Kräfte« zu unter- stützen. Bevor wir aber diese Thätigkeit be­ginnen, müffen wir, um einer Legendenbillmng vorzubeug«, betonen, daß die »Fuldaer Zeitung' dr« Reformationsfestartikel der »Schlüchterner Zeitung' als solche«, b. h. soweit er fich mit der Reformation unb ihrem Urheber befaßte, nicht kritifirt, vielmehr eine solche Kritik ausdrücklich abgelehnt hat; die .Fuldaer Zeitung' hat nur die an den Artikel angeschloffenen Angriffe auf die katholische Kirche und ihre Lehre« zurückgewiesen. Wir find eS also nicht gewesen, die den Streit angefange«, und wir beschränk« un- auch heute lediglich auf die Richtigstellung irriger Angabe« der „Randgloffen". Um aber alle irrige» An­gaben und schiefen Darstellungen der „Rand­glossen" zu berichtigen, müßten wir mehrere lange Artikel schreiben, denn unser Freund der Wahr­heit ist leider noch sehr weit vom Ziele seine- Streben- entfernt. Wir werde« un- daher, um nicht allzu weitschweifig zu werden, auf einige Hauptpu«kte beschränke«, wobei wir ausdrücklich Verwahrung gegen die Annahme einleg«, als wollten wir damit alle- weitere al- richtig an­erkenn«.

Wochen-Nunöfchau.

(Nachdruck verbot«.)

X Fulda, 16. November.

Nach der Vollendung der Berathung der neuen Zollgesetzentwürfe in ben Ausschüssen des Bunbesrathes und von der weitern Berathung der­selben in der Gesammtheit deS BundesratheS Hot fich Reichskanzler Graf Bülow Montag Vormit­tag nach Potsdam begeben, um dem Kaiser Vortrag über den Stand der Dinge zu halten. An demselben Tage Nachmittags trat das preubische Staats- minljfterium zu einer Sitzung zusammen, an der auch Reichsschatzseftetär Freiherr von Thielmann theilnahm, um sich zu berathen über die Abände­rungen, bie von den Bundesrathsausschüssen zum Zolltarifentwurfe vorgeschlagen werden, und über die Anträge, die für die Berathung in der Gesammt­heit des BundesratheS eingebracht worden sind. Heber diese Vorgänge ist in der oberoffiziösen ,Nord- beutschen Allgemeinen Zeitung' berichtet Word« — eine ungewöhnliche Form! Manche Blätter wollen daraus den Schluß ziehen, daß die von den BundeS- rathSausschüssen vorgeschlagenen Abänderungen recht einschneidender Natur seien. Der /Zolltarifentwurf selbst soll dem Reichstage am 26. November, also am Eröffnungstage zugehen; die noch ganz unbe­kannte Begründung erst einige Tage später. Bon dieser wird berichtet, daß fie äußerst umfangreich fei unb nicht weniger als sechshundert eng bedruckte Quärtseiten umfasse.

Eine sehr interessante Kundgebung zu ben neuen Zollgesetzen ist eine Rede deS preußischen Handel». Minister» Möller bei der Eröffnung des neuen Handelskammerhauses in Krefeld. Ein ge­wiss« Herr Seyffardt hatte bei dem veran stalteten Festmahle einen Trinkspruch auf ben Minister ausgebracht, der in recht einseitiger Weise d« Interessen der Industrie hervorhob und den Minister für diese Interessen in Anspruch nehmen wollte. In stark hervortretendem Gegensätze dazu- sagte Minister Möller in feiner Erwiderung «. A. Folgendes: