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mit Zlnterhaktungs-Anlage „Mnstrirte Sonntags-Zeitung" petersgaike Nr. 2 iDarmoniet.

M 261.

MuL^öQ, Mittwoch, den 13. November 1901.

98. JahrgKM

G „Keine Obstruktion".

Die Gegner einer gesunden deutschen Zoll­politik drohen nickt erst seit vier oder ftchs Wochen mit der „Obstruktion", um den neuen .Zolltarif mit ein wenig erhöhten Einfuhrzöllen nicht zum Gesetze werden zu kaffen. Diese liebenswürdige Ankündigung erfolgte bereits zu der Zeit, als der Reichstag noch versammelt war und ist seitdem häufig genug wiederholt worden, in Versammlungen ebenso wie in der Preffe. Die Antwort darauf ist nickt ausge­blieben: wenn die gegenwärtige Geschäftsord­nung des Reichstages als unzureichend befunden wird, eine vollkommen unparlamrntarische Ver­gewaltigung der Mehrheit durch eine bei weitem schwächere Minderheit zu verhindern, muß man daran denken, ste in geeigneter Weise za ver° beffern, so daß ste den parlamentarischen Grund­gedanken, auf dem unsere ganze Gesetzgebung Leruht, deffer als bisher zum Ausdrucks bringen und schützen kann.

Diese Antwort scheint im gegnerischen Lager sicht ohne Eindruck geblieben zu sein. Seit einiger Zeit wird in der freihändlerischen Preffe mit dem Gedanken Fangball gespielt, im voll­kommen geschäftSorrnungsmäßigen Wege eS dahin zu bringen, daß die Zollgefitze nicht bis zum 31. Dezember 1902 verabschiedet werden können. Der Gedanke war zuerst in einem Berliner Börsenblatte aufgetaucht. Jetzt hat fich die liberale und freihändlerische .Neue freie 'Presse' in Wien „von besonderer Seite" einen Brief aus München schicken laffen, der seinem Gedankengange nach Folgendes besagt: Die fort­schrittlichen Parteien und die Sozialdemokraten, im deutschen Reichstage find „fest entschlossen, nicht durch Obstruktion, sondern durch gründliche Berathung nicht nur des Zolltarif-, sondern auch des Budgets die Verabschiedung des Zolltarif- Gesetze- bis zum 31. Dezember 1902 zu ver­hindern". Das sei alsdann der letzte Tag für die Kündigung der Handelsverträge; und „wenn bis dahin der Zolltarif nicht erledigt ist. können die Handelsverträge nicht gekündigt werden; sie laufen dann stillschweigend bis zum Ende de- Jahres 1904".

Das ist nun ein förmlicher Rattenkönig von Llnrick tigfeiten und unmöglichen Drohungen.

Ersten-: glauben die Gegner einer gesunden deutschen Zollpotilik wirklich, daß sie die Freunde einer solchen von ihren Grundsätzen adbrmgen könnten durch die Möglichkeit, daß die bestehen, den Handelsverträge ein Jahr länger in Kraft bleiben könnten, al- in Aussicht genommen ist? In Wirklichkeit müßten sie fich selbst sagen, daß man lieber noch rin Jahr länger warten und al-dann Zolltarif und Handelsverträge in der Gestalt haben würde, wir fie fein sollen, als daß «an wegen eine- etrzigrn Jahre- die Handels- Politik eine- längen» Zeitabschnittes opfern würde zur Freude der Gegner eine- wirksamen und ««gemessenen Zollschutzes.

Im dm ftbrn tto Maftttftata.

Nach dem Französtschen von Henri Cauvain.

18) ------ (Nachdruck verboten.)

XVII.

Man speiste.

Die Zett war bereit- vorgerückt »nd eine be- deutende Anzahl der Tänzer und Tänzerinnen hatten fich bereits verabschiedet. Nur die Un- erschrockenen, die e- lieben, da- neue Morzen- rotd zu begrüßen, waren geblieben

Doktor Wickson hatte während des Effens durch seine lebhafte und glänzende Unterhaltung alle Herzen gewonnen.

Zuerst erzählte er eine Tigerjagd an den Ufern des Ganges, daun die außerordentlichen Abenteuer, die ihm auf einer Reise durch Au- stralien begegnet waren.

Dann unterhielt er feine Zuhörer aus'S An- genehmste mit Geschichten von Rothhäuten, und alle» folgte mit großer Aufmerksamkeit feiner Er­zählung, so daß jedes Prioatgespräch unterblieb.

Inmitten einer feierlichen Stille vernahm man nur die Stimme des Engländers.

Endlich nach vielen Uebergängen, deren Auf­zählung zu weit führen würde, kam er auf jene Geschickten und Geschichtchrn zu sprechen, welche da» Glück der Pariser ausmachen . . . über den Herrn so und so, Fräulein Dreigestirn . . . Fräu­lein L. I. und so fort. Dieser Mensch schien Alles zu wissen, und manchmal hatte es den An­schein. al« wüßte er noch mehr, als er sagte.

Er kam mir vor wie ein Graf Ueberall und Nirgendwo. Er hatte alle Länder gesehen, die

Zweitens: selbst angenommen, es gelänge der Opposition, die Verabschiedung der Zollgesetze bis zum Schluffe deS Jahres 1902 zu hinter- treiben, so würde damit noch lange nicht die er­hoffte Wirkung erzielt fein, die gegenwärtigen Handelsr ertrüge bis zum Ende des Jahres 1904 unverändert in Kraft zu erhalten. Die Leute, die sich mit solchen Plänen befaffen, gehen von der vollkommen unrichtigen Voraussetzung ans. daß die Handels oerträge nur immer von Kalender­jahr zu Kalenderjahr gekündigt werden könnten, so daß eine Kündigung während des ganzen Jahres 1903 nicht möglich fein würde, wenn fie nicht am ersten Januar desselben Jahres bewirkt worden wäre. Das ist durchaus irrig. Artikel 24 des deutsch - österreichischen Han- delsoertrases bestimmt ausdrücklich: die Han- delSvrrti äge bleiben nur in Geltung „bis zum Ablaufe eines Jahres von dem Tage ab, an welchem der eine oder der andere der vertrag- fckließenden Theile sie gekündigt haben wird." Die Kündigung kann also an jedem Tage des Jahres erfolgen; und dann läuft der Vertrag mit demselben beliebig gewählten Tage des fol­genden Jahres ab. Der ganze schöne Plan ist also auf unmöglicher Grundlage aufgebaut; nichts­destoweniger druck-n angesehene liberale und demo- kratiscye deutsche Zeitungen diese Münchener Weis­heit des genannten Wiener Blattes ab und ver- rathen dabei gleichzeitig eine überraschende Un- kennrniß derThatsachen, auf die eS hierbei ankommt.

Dritten-: Wenn auch Deutschland die Ver- träge nicht kündigt, wer sagt denn, daß auch die anderen Staaten n'cht kündigen werden? — und endlich

Viertens: Der Abgeordnete Eugen Richter bat in feiner ,Freis. Ztg.' bereits vor einigen Tagen dargethan, daß eine solche Verschleppung bis zum Ende deS Jahres 1902 ja gar nicht möglich fein würde. Die Redensart von der „festen Entschloffenheit" der sortschriitlichen Parteien und der Sozialdemokraten ist also Schwindel.

Dre Herren müssen schon zugkräftigere Mittel erfinden, um beit Freunden einer guten deutschen Handelspolitik Schach za vielen.

[] Eine Niederlage des französischen Ministeriums.

Ganz unerwartet hat da- Ministerium des Herrn Waldeck-Rousseau in der Pariser Abge­ordnetenkammer eine Niederlage erlitten und zwar im besonder» Herr Millerand, der sozialdemokratische Handel-Minister.

Es handelt sich um die Berathung einer Vorlage über die H andel-marine. Dazu brachte der Abgeordnete de Mahy einen An­trag ein: Es solle jede Prämie für Schiffe, die im Auslande gebaut wurden, aufgehoben werden. für ©duffe die im Auslände gebaut werden, soll keinerlei VeraÜtung oder Vergünsti­gung gewährt werden. Die Sache an sich hat für uns Deutsche wenig Jnlrreffe; sondern nut der Umstand, daß dieser Antrag de Mahn'- von Herrn Millerand bekämpft und von der Abgeordnetenkammer dennoch mit einer Mehr­heit von 256 gegen 235 Stimmen angenommen

berühmtesten Männer sämmtllcher fünf Erdlheile gesprochen, und schien selbst, was das Allermeik würdigste war, in mehreren Ländern gleichzeitig gewesen za sein.

Da er e» vor Allem liebte, von fich selbst zu sprechen und von seinen Thaten, ss versäumte er e» nicht, auch einige Worte über die berühmten Heilungen zu sagen, die er vollbrachte.

Die Aufmerksamkeit der Zuhörer verdoppelte fich.

„Ja, meine Herren und Damen," begann er mit erhöhlet Stimme, „ich bin überzeugt, wenn ich die Hand eine» Beliebigen au» Ihnen auch nur eine Minute in der meinigen hielte, so könnte ich ihm sagen, welche» seine Krankheit ist, und zugleich auch, welche» da» Heilmittel."

„Unglaublich! . . Wunderbar! . ." rief k» von allen Seiten.

Man schickte fich an, den Doktor zu bitten, einen Versuch zu machen, als Ottilia, welche die Accorde der Mufik der Stimme de» Doktor- und den Kotillon einer ärztlichen Diagnose vorzog, fich erhob, um in den Saal zu gehen, wohin Alle ihr folgten.

Während das Tanzen wieder von Neuem be­gann, bildete sich ein zahlreicher Äret^ um den indischen Doktor.

Jeder wollte seine Krankheit kennen lernen und ein wenig von jenen Pulvern hoben, die so wunderbare Wirkung hatten.

Der Engländer willfahrte mit größter Zuvor­kommenheit den an ibn gestellten Bitten.

„O, bester Herr," sagte in kläglichem Tone die alte Same mit den vielen Juwelen, wenn Sie das Nebel finden, an dem ich leide, so will ich Sie für den besten Arzt von der Welt erklären."

wurde. Nach dem parlamentarischen Brauche in Frankreich wurde die Berathung der Vorlage unterbrochen und die Sitzung aufgehoben.

Der Gegenstand ist schwerlich bedeutend genug, ein Ministerium zu stürzen, das über eine gute Mehrheit verfügt. In einem solchem Falle wird jeder Mann bemüht sein, die Wirkungen einer Regierungsniederlage dieser Art abzuschwächen und nicht die Folgen in die Erscheinung treten zu laffen, die in einem parla­mentarisch regierten Lande eigentlich an der Tagesordnung wären. Es fragt sich nur, ob Herr Waldeck Rousseau mit seinem KriegS- flottenzuge nach Mytilene nicht gerade das Gegenih-il von dem erreicht hat, was er ekentlid) erreichen wollte; ob er nicht etwa fein und seines Ministeriums An­sehen im französischen Lande untergraben, an­statt erhöht und gefestigt hat. Jedenfalls gibt es sehr viele Leute in Frankreich, die das Ende des Abenteuer» lächerlich finden und wünschen, diese« Abenteuer hätte nicht so schnell und so klanglos enden sollen, wie es geendet hat; und zwar nicht nur Nationalisten. So läßt sich beispielsweise ,Figaro' in folgender Weise darüber vernehmen:

„Sich damit begnügen, heißt sich billig begnügen und heißt, sich zugleich naiv und unklug zeigen. Naiv, weil alle Welt weiß, was man von den türkischen Versprechungen zu halten Hot, und unklug, weil man fich fast mit Sicher­heit der Nothwendigkeit aussetzt, die zu früh unterbrochene Kundgebung von Neuem beginnen z l müssen. Wenn man schon einmal eine solche Kundgebung veranstaltete, so mußte man sie so weit führen, bi« man sicher war, daß alle ein­gegangenen Verpflichtungen auch gehalten werden. Nicht Versprechungen sollte uns das Geschwader zurückbiingen, sondern greifbare Ergebnisse; die Unterschi ist de« Sultans ist nur eine Illusion.." Aehnlicher Preßstimmen ließe sich eine lange Reihe anführen. Daß die französische Regierung selbst da« Gefühl hat, daß fie fich vor Mytilene keinen Ruhm geholt habe, geht au« der bestimmt auf« tretenden Meldung hervor, Herr Constans, der Anstifter de» Abenteuer«, werde nur noch kurze Zeit Botschafter in Konstantinopel bleiben.

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Deutsches Deich.

Berlin 1'2. November.

h Die Kaiserin geht «icht «ach Aöazzia. Die Meldung über einen für da» kommende Früh­jahr beabsichtigten Aufenthalt der Kaiserin in Abazzia wird der ,Nordd. Allg. Ztg/ von zustän­diger Sette als unbegründet bezeichnet.

x Dom chrotzherzog oo« Kesse« und feine Gattin gegen eigenartige Gerüchte durch die Preffe. Die Großherzogin Viktoria von Hessen, gebotene Prinzessin von Sachsen -Koburg-Gotha, weilt angeblich schon seit dem 16. Oktober in Koburg, ohne daß an eine Abreise der Prinzessin gedacht werde. Der RegierungSoerweser von Koburg-Gotha, Erbprinz von Hohenlohe-Langen- bürg, soll nun kürzlich in einem Hotel in München eine Zusammenkunft mit dem Großherzog von Hessen gehabt haben und garz neuerdings plötz­lich nach Berlin gereist sein. Mit denselben Dingen wird eine Reise in Zusammenhang ge­

bracht, die kürzlich Prinz Heinrich von Preußen nach Darmstadt unternahm. Man spricht von einem Aussehen erregenden Vorgang in den Familienangelegenheiten des Großherzogs. Zur Erläuterung sei bemerk, daß die Prinzessin Heinrich eine Schwester des Großherzogs, die Erbprinzen sin von Hohenlohe-Langenburg eine Schwester der Großherzogin ist. Aus diesen nahen Verwandtschaftsverhältnissen erklärt sich die Einmischung der genannten Personen in diese Angelegenheit, bei der man es ja ohne Zweifel mit Ehezwistigkeiten zu thun hat. Wie der .Köln. Ztg/ aus Koburg mitgetbeilt wird, macht man in dortigen Hosk-eisen kein Hehl daraus, daß die Ehescheidung des Großherzogs und der Großherzogin von Hessen nahe bevorsteht. Als Gründe werden angegeben: Unüberwindliche Abneigung, indem die Interessen der beiden Ehe­gatten gänzlich auseinandergehen sollen, sowie der Mangel männlicher Nachkommenschaft.

+ Nationale Negnngcu. Die Litauer wollen seit einiger Zett nur noch nationale Kan­didaten in den Reichstag und in den preußischen Landtag wählen. Zum ersten Mal haben jetzt die Litauer auch für dre Landtagsersatzwahl im Wahl­kreise Tilsit nationale Kandidaten ausgestellt, nämlich den Gutsbesitzer Matschull-Mßtzken, der auch Mitglied des Reichstages ist, und den Land- wirth Saunus-Rokeiten.

X Die Aolktaeif-Dorlage» werden nach der Melvung eines industriellen Fachblattes am 26. November, also am Eröffnungstage, dem Reichstage zugehen. Aber mit der Begründung der Zollgesetzentwürfe wird cs nachher, derselben Meldung zufolge, noch einige Tage dauern. Diese Begründung soll einen außerordentlichen Umfang haben, nämlick nicht weniger al» sechs­hundert eng bedruckte Quartseiten umfassen. Am Montag hatte sich bekanntlich Reichskanzler Graf Bülow nach Potsdam zum Vortrage beim Kaiser begeben, bevor das preußische Staatsministerium bei gleichzeitiger Anwesenhett deS ReichSschatzsekretärS Freiherrn von Thiel- mann über die Aenderunqen berieth, die die Ausschüsse des BnndeSratheS zum Zolltarif- entwürfe vorgeschlagen haben. Diese Vorgänge beben einige Blätter so gedeutet, als handele eS sich fcahei um starke Meinungsverschiedenheiten innerhalb des BundesratheS. Im Geaensatze zu dieser Auffassung schreibt in ihrer Mittwochs- nummer in osfiztöser Tonart die,Nordd. Allgem. 3dtuxg': , ,,

„Eine hiesige (Berliner) Zeitung bezeichnet unsere gestrige Mittheilung über den Vortrag des Reichskanzlers bei Se. Maj. dem Kaiser, wie über die Sitzung des Staatsministeriums als „ungewöhnlich" und schickt dem Abdrucke der betreffenden Notiz Andeutungen über „leb­hafte und stellenweise pikante" Meinungsver­schiedenheiten voraus, die sich .... in den Ausschüffen de- BundeSrathes zwischen den Vertretern mancher Reichsämter und den vreuß. Ministerien ergeben hätten. Wir stellen fest, daß nicht daS Geringste vorgekommen ist, was diese Angaben rechtfertigen könnte."

X Durchsicht de» Körseugesetze»? Die .Nationalliberale Korrespondenz' behauptete vor einigen Tagen, e- sei sicher, daß dem ReichS-

„Die Beloynung ist zu schmeichelhaft," ant­wortete galant der Doktor, „um nicht den Versuch zu wagen, dieselbe zu verdienen."

Die hagere Same wurde roth im Gesichte und reichte verlegen ihre magere Hand dem Engländer.

Dieser schien einige Sekunden nachzudenken.

„Ja, Sie find in der That sehr leidend."

„Nicht wahr? mein Herr!"

, Ja," wiederholte der Doktor. „Sie müssen Überall eine Art allgemeinen Unwohlseins fühlen, ohne daß der Sitz der Krankheit sicher zu bezeichnen wäre."

„Ja, so ist e«, ganz so!'

„Herzklopfen!'

„Ach ja."

„Nun gut, ich will Sie gesund machen," sagte der Engländer mit großem Nachdruck-

Er fuhr mit der Hand in feine Rocktasche und zog ein kleine« Päckchen von weißem Papier hervor.

„Sie nehmen von diesem Pulver täglich zwei­mal," sagte er, „und nach acht Tagen wird Ihr Hebet beseitigt sein."

Ottilia näherte fich der Gruppe.

„£eba! Ihr Damen," rief Sie mit ihrer fröh­lichen Stimme und klatschte dabei in die Hände, „die Herren dort verlangen nack Ihnen; der Ball ist nickt da, um fich feine Zukunft enthüllen zu lassen."

Der Graf von Breant warf seiner Frau einen zärtlichen Blick zu, der ein Verweis hätte sein sollen, für die unartige Sprache, mit welcher fie die Wissenschaft des Doktors, seine« Gastes, ab­fertigte. Aber Ottilia stellte sich, als fehe fie ihn nicht und kehrte ihm so reizend den Rücken, daß

der glückliche Gemahl nicht umhin konnte, zu denken, er habe die liebenswürdigste grau der Wett.

„Entschuldigen Sie, Madame," sagte der Doktor mit erheuchelter Freundlichkeit näher tretend, „meine bescheidene Wissenschaft stört auf recht plumpe Art da« schöne Fest. Ich hoffe. Sie werden mir Verzeihung gewähren, damit ich nicht auf meine fernen Reisen da» peinliche Be­wußtsein rnitnehme. Ihnen mißfallen zu haben."

Er reichte ihr seine Hand.

„Sehen Sie doch." sagte Maximilian leise zu mir, „weich' eiuen herrlichen Diamantring Ma­dame Breant am Finger trägt und mit welchen Augen Doktor Wickson denselben ansieht ... Sie weigert fich, ihm die Hand zu geben . . Gut: DaS ist verständlich."

Ich konnte nicht umhin, über den Gedanken de» Philosophen zu lachen und ich glaubte, daß ihn in diesem Augenblicke seine Vorurtheile etwas verblendeten.

„Hören Sie, schon drei Uhr Morgens," sagte ich zu ihm; „wäre es nicht an der Zeit, daß wir ani Aufbrechen dächten?"

„Warten wir noch einige Minuten," ant» roortete er mir, ohne den indischen Doktor an­dern Ange zu kaffen. „Es wird wahrscheinlich eine Lösung zu all dem kommen, und ich möchte dabei sein."

Die Vorhersage Mcximilian Hellers zögerte nicht, fich zu verwirklichen.

Man hörte plötzlich einen durchdringenden Schrei. Alle wandten fich nach der Seite hin. von wo derselbe kam, und alsbald sah man die alte Dame mit den vielen Brillanten, die ihre