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FuldaerMZeitung

28. JahrgMg.

Iutöa, Dienstag, den 12. November 1901.

X. 260.

17)

(Nachdruck verböte».)

1» tem jledki Etats «ns-aMw

Nach dem Fnmzöfische» von Henri Eauvain.

Ern fröhliches Lache« erfolgte auf die Erzäh­lung meine- Freundes. Man beglückwünschte ihn von allen Seilen wegen des Muthes und der Geistesgegenwart, die er in diesem kritischen Augen» blicke an den Tag gelegt hatte.

Mttten unter diesen Lobeserhebungen ertönte plötzlich die spitze Stimme einer ältliche« Dame, die mit Brillanten wie besäet «ar und auf welche die Eqählung eine» außerordentlichen Eindruck zu machen schien.

^Das ist entsetzlich!" rief fie aus und hielt Ei» Riechfläschchen unter die lange Nase. „Man mordet in den Straßen von Paris? . . . Univer» sttätSstraße sagen Sie, mein Herr? Da »ohne ich ja gerade! — Met« Gott! Ich wage »icht mehr, aus dem Hause zu gehen."

Gr gelang, die ältliche Dame, die daran war, einen Nervenanfall zu bekommen, wieder zu beruhigen, die Dame» nahmen den Tanz wieder auf, der für einige Augenblicke unter» brachen worden war, und der Ball begann mit erneutrm Eifer.

Ich begab mich nach der Blumenhalle. Auf der Schwelle begegnete ich Maximflian Heller.

„Nun?" fragte ich ihn.

„Er betrügt entsetzlich!" flüsterte er mir leise ins Ohr.

Hierauf ging er rasch, Madame Breant für eine Tour zu engagiren, damit ihr seine Abwesenheit während ei»er vollen Stunde nicht auffalle.

'«»scheint täglich, «. Ausnahme der Soun- und Feier­tage. Merteljährl.

,r,ug»?rrio ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM.öv Pf.

müffe« Zölle den Ausgleich zwische« den verschredenen Ländern besorgen. Die Sozial» demokratte müffe darum dort für Schutzzölle ein» treten, wo solche vothwendig seien; fie dürfe nicht zum Sklave» bestimmter Lehrsätze werden, sondern sogar vorhandene Zollsätze erhöhen helfen, wo solches erforderlich und ersprießlich sei ufw. usw. Namentlich empfiehlt Herr Kat» peles Schutzzölle zu Gunste« der Baumwoll­spinnerei und der Weberei in Oesterreich, und er hat fich bei dem Parteitag gar nicht auS dem Texte bringe» lassen durch Zurufe und Einwände in dem Sinne, daß aus diese Weise die Sozial­demokratie dazu beitrage Millionäre zu züchten. Ohne Zaudern erwidert er darauf: „Ja, wenn Sie die Großindustrie wollen, dann stoße» fie fich nicht an die Züchtung der Millionäre. Schmeichelhaft ist dieser Ausdruck ohnehin nicht."

Alle» Mögliche hat man schon gehört von den Widersprüchen zwischen den Lehren und der auSgeübten Politik der Sozialdemokratie. Auch bei uns im Reiche und im deutschen Reichstage hat die Sozialdemokratie sich durch widerspruchs­volle Haltig bereit- den Spitznamen einer „Schutztruppr der Börse" erworben. Aber fie erhob doch wenigstens im Reichstage noch äußer­lichen Widerspruch dagegen. I tzt predigen öster­reichische Genossen schon frank und frei, man solle sich doch ja nicht an der Züchtung von Millionären stoßen; das verschlage ja weiter nichts — das ist eine neue Errungenschaft auf dem absonderlichen und so außerordentlich wieder» spruchsreichen EntwickelungSgange der Sozial­demokratie. ES sei ihr bestens Glück dazu ge­wünscht !

Nun aber seien die Lehrsätze des Herrn KarpeleS auch einmal auf andere Dinge an­gewandt: auch die Herren Genossen werden nicht leugnen können, daß die Bedingungen, unter denen die Landwirthschaft «bettet, in den verschiedenen Ländern sehr verschiedenartig find. Nach Herrn KarpelrS muß man also einen Aus­gleich zwische« diesen verschiedenartigen Daleins- bedingungen der Landwirthschaft durcb Schutz» zölle herbeiführen. DaS ist vollkommen klar, so klar, daß eS auch durch den pfiffigste- Genossen nicht widerlegt werden kann, und soll'« er dabei auch sämmtliche Lehrsätze der SozialDemokratie prerSgeben oder aus den Kopf stellen.

Ebenso kann nach Herrn KarpeleS nur bet» jenige der Landwirthschaft die nothwendigen Schutzzölle verweigern wollen, der ihren Unter­gang will. Die Sozialdemokraten sehnen ja nur freilich diesen Untergang herbei. Aber wer be­kennt sich sonstnochzu diesem Wunsche? Es wird fich wohl niemand weiter melden dazu!

[j Widersprüche über Widersprüche bei der Sozialdemokratte.

Kürzlich hat die Sozialdemokratte ihre oster» reichische Heerschau abgehalten. Aus den Mit» theilungen, die in dieser Versammlung gemacht wurden, ist zwar von Neuem die beka»nte Thatsache zu entnehmen, daß die „Genossen" in Oesterreich weder in ihrer Organisation so weit vorgeschritten find, wie die Sozialdemokratie im Deutschen Reiche oder in Frankreich, noch auch demee^prechend einen solchen Einfluß ausübe» könne». Aber immerhin hat die Sozialdemo­kratie bei den letzten Wahlen zum österreichischen Reichsrathe etwa 200000 Stimmen aufgebracht, und das entspricht ungefähr dem deutschen Ser» hältniffe der sozialdemokratische« Stimme« zu der Gesammtzahl der Wähler. Nur die Er­folge bleiben in Oesterreich hinter denjenigen der deutschen „Genossen" zurück, eben weil es an der Organisation fehlt; mit btefett vielen Stimme« hat die Sozialdemokratte nur zehn Sitze im österreichischen Abgeordnetenhause er­rungen.

Verschiedene sozialdemokratische Größe« waren auS Deutschland bei dem österreichischen Partei­tage anwesend, darunter August Bebel und der sozialdemokratische „Agrarier" Kautsky. Es gatt eine Durchficht deS österreichischen Par­teiprogramms vorzunehme»; eS war also hin­länglich Veranlassung zu heftigen Auseinander- sktzangen vorhanden. Aber die Tonart, die bet dem österreichischen Parteitage herrschte, war «icht halb so roh, wie diejenige i» Lübeck.

Im Großen und Ganzen bekannten fich auch die Redner bei diesem letzten österreichischen Parteitage als Freihändler; de«» der Frei­handel — oaS lehrte schon Marx — befördert die Revolution. Und der Landwirthschaft und dem Bauernstände find die österreichischen Sozialdemokraten ebenso gtam, wie die deutschen. Aber diese Verhandlungen haben zum tausendsten Mal bewiesen, daß die sozialdemokratischen Lehren und vorgeblichen Grundsätze nu» einmal nicht in der Wirklichkeit durchzuführen find, Dos zeigte fich bei der Besprechung der Handelspolitik. „Ein kolossales Interesse hat selbstver­ständlich die Sozialdemokratte daran, daß die Großindustrie fich entfalte. Es ist durchaus irrig, anzunehmen, daß die Sozialdemokratie groß werden könne ohne die Entwickelung der Industrie zur Großindustrie —", so lehrte Genosse Beer bei diesem letzten österreichischen Parteitage, und Genosse Harpe les, eine große Leuchte unter den Genosse«, schloß fich ihm an in dieser Ge- dankenentwickelunq. Also ohne Großindustrie leine Sozialdemokratie. Unter dem Einflüsse der Großindustrie kann erst Sozialdemokratie sich ent­wickeln, und darum — so folgert Genosse Har- peles ganz schlußrichttg weiter — muß die Sozialdemokratie in ihrer Politik die Entwickelung der Großindustrie nicht hemmen, sondern fördern. Wie will Herr Karpeles das machen? Man höre und staune: Die EntwickelungSbe- divgungen find in de« verschiedenen Länder« für die Großindustrie verschiede«, u«d darum

infttati: Di« einspaltige Betit» »eile oder deren RaumlSPfg.,Re­klamen die Petit«, zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

gen Vereinigung aufgestellt worden, also der wüthendste Freihändler, den die Herren finden konnten. Kandidat der Konservativen ist derLand« tags-Abgeordnete ».Leipziger, der schon früher einmal den Wahlkreis im Reichstage vertreten hat. Die Wahl soll bekanntttch am 20. Dezem- bet vorgenommen werden.

• Der würtlemvergische Katholikentag soll am Montag, 9. Dezember, in Ulm abge­halten werden. Bei großem Andrange wird schon am Vorabend, 8. Dezember, eine vor Allem für Arbeiter berechnete Versammlung abgehalten.

* * sgertitt, 11. Nov. Gestern besuchte daS Kaiserpaar den Gottesdienst in den CommunS. Später »ahm der Kaiser die Meldung der königlich bayerischen Generäle Reichlin von Meldegg und von Endreß entgegen, welche ebenso wie General v. Bruyn zur FrühstückStafel eingeladrn waren. — Heute Morgen von 9 Uhr ab hörte der Kaiser den Bortra, deS ThefS deS CivilkabinetS v. LucanuS. Zur FrühstückStafel «ar Reichskanzler Graf Bülow eingeladrn. — Für den dies­jährigen Besuch des Kaiser- in Oberschlesren ist nunmehr der Dezember in Aussicht genommen und zwar zunächst ei» Jagdaufenthalt beim Fürste» Henckel von Donnersmarck auf Neudeck am 6., 7. und 8. De­zember. — Der Reichskanzler Graf von Bülow hat sich heute Mittag nach Potsdam begeben, um dem Kaiser Bortrag zu halten. — Heute Nachmittag trat unter dem Vorsitz deS Reichskanzlers daS Staats» Ministerium zusammen, um sich über di« von de» BundesrathSauSschüffen vorgeschlagenen Aenderunge» zum Zolltarifentwurf und Über die in dieser Sache für daS Plenum deS Bundesraths gestellten An­träge schlüssig zu mache». An der Sitzung nahm auch der Schatzsekretär des Reichsschatzamtes Freiherr vo« Thielmann theil. — Kultusminister Dr. S tu d t hat sich in Begleitung deS Ministerialdirektors Dr. Althofs und deS Geh. ObrrregierungSratheS Dr. Schmidt zur Theil- nahme an der Feier deS 150jährigen Bestehens der Königl. Gesellschaft für Wissenschaften nach G S t thtgen begeben. — Der zur Zeit hier weilend« Gesandt« der südafrikanischen Republik, Dr. LeydS, ist nrcht in politischen Angelegenheiten nach Berlin gererst und be- abfichtigt auch demgemäß während seines auf mehrere Tage vorgesehenen Aufenthaltes, sich über politische An­gelegenheiten nicht zu äußern. In der Umgebung, des TranSvaal-Gesandte» ist man, wie der .Lokal-Anzeiger , berichtet, nach wie vor voller Zuversicht.

O Koölenz, 11. Nov. Die Gruppe Mittelrhein»Mosel-Hessen des Augu- stinus-Verein, zur Pflege der katholischen Presse gedenkt ihre diesjährige General-Ver- sammlung am Donnerstag den 21. ds. MtS. i« Koblenz im Ballotagesaal deS Katholische« Lese« Vereins abzuhatten. Das Referat übet die poli­tische Lage hat Herr Abgeordneter Oberlandes« gertchts Rath Well st ein in dankenswerther Weise übernommen. Auch Freunde des Vereins find bet Versammlung willkommen. Alles Nähere wirb dieser Tage ben Mitgliedern durch Eirkular mitgethetlt.

Theil deS Winters in einem südlichen Luftkurorte zubringen werde. Die Kaiserin wirb fich im An­fänge bes nächsten Jahres mit be» jüngeren Prin- len und bet Prinzessin Viktoria Luise nachAbbazia begebe«, wo bie Kaiserin schon einmal fich auf­gehalten hat.

* Ein Itiebeusvtuch"

ist eS schon, wen« eine katholische Zeitung ge- grfinbet wird. So sagt bie .Tägliche Rund­schau' zu bet Meldung, daß am 1. April 1902 in Leipzig eine katholische Zeitung gegründet werben solle, bem konfessionellen Ftle­ben werde bie Neugründung jedenfalls «i cht bienen. Es gibt in ganz Deutschland keine Stabt, wo in der Presse Aber bie katholische Kirche in so unerhörter Weise losgezogen wirb, wie in bet '„großen Seestadt Leipzig". Die Katholiken könne» fich nicht wehren, und bas ist konfessioneller Friebe. Nun wirb bie neuzugründenbe .Sächsische Volkszeitung' vielleicht jene Anwürfe wiberlege» und dadurch wird bet Friede „gestört". Da« ist kultur- kämpferische Logik. Wie kann auch katholische Frechheit so wett gehen, baß man sich baS Fell nicht gutwillig über bie Ohren ziehen lassen will!

-V Protest gegen Ayamverlain. In Leipzig hat am letzten Sonntag eine Protest­versammlung stattgefunden, an bet mehr als zwei­tausend Personen theilnahmen, um Widerspruch gegen die Verleumdungen des britischen Kolonial­ministers Chamberlain zu erheben. Den Vorsitz führte Oberreichsanwalt Olsh auf en. Zwei Tage vorher hatte die ministerielle Leipziger Zeitung' sehr nachdrücklichen Widerspruch erhoben gegen eine Berliner offiziöse Notiz, bie fich in mehreren Zeitungen gefunben hatte: man solle boch auf bie Beleiblgungen Chamberlains nicht so großes Ge­wicht legen. In ben amtlichen Dresdener Kreisen scheint man e« also ebenso sehr wie an ben leiten» ben amtlichen Stellen in Karlsruhe zu bedauern, baß Herrn Chamberlain nicht von Berlin her ber entsprechenbe Bescheid geworden ist.

* Die bensche Ausfuhr mrch Argen­tinten zeigt im taufende» Jahre eine starke Zu­nahme. Für die erste» neun Monate 1901 wurde eine Ein fuhr in 15 wichtigen Maaren- gruppe» von 429 234 Dz. gegen 337 222 Dz. in dem gleichen Zeitraum des vorigen JahreS notirt. Die Ausfuhr vo« E.sendraht hob sich von 139 867 auf 147584, bie vo« groben Eisenwaaren von 11453 auf 20668, von Cement von 90015 auf 161948, von Reis von 44000 auf 47000, Druck­papier von 23000 auf 25300, feine Eisenwaaren von 2918 auf 3370, baumwollene Strumpf- roaaten von 1521 aüf 1774 Dz. Hohlglas würbe in beiben Jahre» im Gewicht von 10800 Dz., emaittttte Eisenwaaren im Gewicht von 4200 Dz., Büchet, Kart-n, Mufikalie», Zeitschriften 400 Dz, seines Leber 300 Dz. ausgeführt. Einen Rück­gang in ber Ausfuhr zeigten baumwollene Ge­webe, wollene Waare«, Nähmaschinen. Jeboch bleibt nach ben oben angeführten Gesammtzahlen eine beträchtliche Zunahme bet GesammtauSfuhr- tnenge.

n Im Aleichstags-Waylkreife Witte«- Serg ist als Kandidat ber Liberalen ber Land- tagS-Abgeordnete Dr. Barth von ber freisinni»

Er war farblos, feine Stirn zusammenge- zogen, in feinen Augen leuchtete ein unheimliches Feuer. Ich erkannte in ihm wieder ben Fieber- kranken unb mürrischen Misanthropen, wie ich an jenem Tage gesehen, an welchem ich seine Bekanntschaft gemacht habe.

Der elegante Tänzer hatte bem Rächet deS Louis Sueriu Platz gemacht.

Der Engländer zuckte seine dichten, rothen Augenbrauen zusammen, und verbarg hinter einem Lächeln, daS er vergebens liebenswürdig zu machen suchte, seine Bestürzung unb seinen Aetger.

„Ich hoffe, mein Herr, Sie werben das Un­glück, das diese Herren bisher verfolgt hat, glänzend rächen."

Maximilian schwieg unb heftete aus feinen Gegner einen kalten, durchdringenden Blick, ben bieset mit einem Augenblinzeln, daS seine Ur­sache hinlänglich verrieth, beantwortete. Dann nahm der Philosoph die Karten in feine mageren Hände, mischte dieselben, untersuchte sie aufmerksam unb zählte ruhig eine nach ber anderen.

Eine dunkle WolSe zog über die Stirne deS Doktors Wickson hi», bie Zuschauer sahen ein- ander voll Staunen an.

„Es ist an Ihnen, mein Herr, bie Karten zu geben," sagte Maximilian in seinem gemessenen Tone, indem er seinem Segnet das Spiel über­reichte.

Ohne Zweifel, die Zeugen dieses seltsamen Schauspiels waren alle vollendete Spieler, chre Herzen waren längst härter unb kälter geworden, als da« Gold, um das sie spielten, unb abge­stumpft gegen bie so heftigen Aufregungen bes

-SSÄrN!r.'L27" mit Mnterhattungs-Beilage „Muflrirle Sonntags-Zeitung!'

Deutsche» Deich«

Berlin, 11. November.

h. Der Kaiser wird voraussichtlich zur Aus­übung ber Jagd im Laufe deS Monates Dezem­ber Oberschlesien besuchen. Zunächst ist ein Besuch bei bem Fürsten Henckel von Donners­marck auf Neudeck am 6, 7. und 8. Dezember in Aussicht genommen.

A Südlicher Aufenthalt der Aaiferi«. Dis Nachricht bestätigt fich, baß die Kaiserin einen

Ich betrat bie Halle. Um einen Spieltisch stauben drei ober vier Männer, unbeweglich, bie Augen statt auf ben grünen Tisch geheftet.

Ich gesellte mich ben Neugierige» bei. Nach etwa zehn Minuten streckte ber Engländer seine Hand nach ben Rollen Soldes aus, bie zu seinen Linke» aufgestappelt waren, und ließ dieselben mit einer unverwüstlichen Kaltblütigkeit in feine Tasche gleiten. Sein Gegner stand auf. Er war leichenblaß. Ich hörte, wie er bem Doktor Wickson ins Ohr sagte:

„Ich werde Ihnen ben Rest morgen Vor­mittag zuschicken."

Die Zuschauer sahen einander betroffen an. Einet von ihnen wandte fich zu mit unb sagte:

„DaS ist schon die fünfte Partie, die er verliert. Dieser Teufel von einem Doktor hat bisher noch gegen Jedermann gewonnen."

Unterdessen ließ Wickson seine grauen Auge«, die wie zwei Karfunkel leuchtete», über die ihn umgebende« Männer schweifen, unb mit einer Stimme, bie so recht seinen ttiumphirenden Stolz verrieth, fragte er:

„Nun, meine Herren, wer will Platz nehme»? Ich hoffe. Sie lassen mich nicht be» ganzen Abend allein gewinnen! Einet von Ihnen wirb mich zu einer Revanche fordern!"

Ein Augenblick des Schweigens und der Un­entschlossenheit folgte auf diese Frage.

„Ei," wiederholte der Doktor, „wer will Platz nehmen?"

„Ich!" rief eine dumpfe Stimme.

Alle machten Platz unb Maximilian Heller trat an ben Tisch.

A«»lavd.

x Saris, 11. Nov. Ter Budgetausschuß der französische» Abgeordnetenkammer hat schon mehrfach ben Beschluß gefaßt, ben französischen Botschafterposten beim Vatikan abzuschassen unb die Staatsausgaben für bie Kirche zu streichen. Auf ben Wunsch bet Regierung hat bie Kammer bisher noch immer diese Etatsposten wieder her­gestellt. Aber die Radikalen.unb Sozialdemokrate« in dem BudgetauSschuffe meine» es doch ernst­hafter unb gehen bedachter unb überlebter dabei zu Werke, als man bisher meistentheilS äuge« Spieles. Dennoch, ber Anblick bieset beiden Menschen, bie kalt und stumm miteinander rangen, ihre Blicke, bie sich kreuzten, wie zwei blitzende Dolche, einander belauernb unb be» obachtend mit bem Späherblick unb bem kalten Blute zweier Athleten, machte einen seltsame» Eindruck auf alle Umstehenden.

Der Kampf dauerte eine Viertelstunde, die uns wie ein Jahrhundert vorkam. Di« beide« Gegner schienen fich gewachsen zu fein. Jeder vo« ihne« hatte vier Punkte. Endlich rief Maximilian freudig, ohne den Engländer auS dem Auae zu lassen:

„Der König! Ich habe gewonnen!"

Doktor Wickson schnellte vo« feinem Stuhle empor. Die Umstehenden athmete« auf, als wäre ihnen ein Stein vom Herzen gehoben worden; jene, welche gewettet hatten, strichen ihr Geld ein unb beglückwünschten auf’S Lebhafteste Maximilian Heller.

Der Philosoph verneigte fich fteundlich; bann, an feinen Segnet sich roenbenb fragte et:

„Wollen Sie Revanche, mein Herr?"

„Nein, danke sehr," antwortete bet indische Atzt unb erhob sich; „ich hatte zum Voraus er» klärt, baß ich nur spielen werde, biS ich ver­liere. Ich kann mich also zutückziehen."

Im gleichen Augenblicke sahen wir ben Grasen von Breant fich nähern, bet sehr be­kümmert auss^h.

„Ah!" tief er unS zu, als er sah, daß wir uns vom Spieltische entfernten, „es freut mich, meine lieben Freunde, daß Sie diesen ver­wünschten Karten entsagen. Ich habe erfahren, daß Herr L . . . eine bedeutende Summe ver«