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mtt Anlerhaktungs Beilage „Illusirirte Sonntags-Zeitungs
M 259.
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Jutöa, Montag, den 11. November 1901.
28. Jahrgang.
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£ Ruhe im Orient.
WaS wollte nun eigentlich Frankreich mit seiner gepanzerten Exped itio» nach Mytileue? Der Sultan sagt Ja zu allen französisch«» For. derungeu. Die französische Regierung versichert in einem Rundschreiben an die Mächte, daß sie nur die Bewilligung ihrer berechtigten Ansprüche habe durchsetzen wolle». Das italienische Geschwader, das schon die Kiele 'gen Osten gerichtet hatte, kehrt beruhigt in den heimathlichen Kriegs- Hafen zurück, und Lord Salisbury, der englische Premierminister, erklärt in einer politische» Red« bei dem üblichen Lordmayor-Bankett im Londoner Rathhause: die leichte Wolke, die sich in den letzte» Wochen im Mittelmeer gezeigt habe, habe sich schnell verzogen, so daß jetzt nichts wirklich Ernstes vorliege, als der südafrikanische Krieg — der ja nun freilich mehr als ernst für England ist, aber nicht hierher gehört. Also auch Lord Salisbury hat den Konflikt zwischen Frankreich und der Türkei nicht als etwas wirklich Ernstes angesehen — ein interessanter, aber für Frankreich nicht gerade schmeichelhafter oder ehrenvoller Aufschluß! Man hat sich in Pari« augenscheinlich nicht wenig übereilt, angesteckt von dem sehr temperamentvollen Charakter de« Herrn Constan«, de« franjöfischen Botschafters in Konstantinopel. Daß Herr Constan« außerordentlich feurigen Gemüthe« ist, beweist eine kleine Geschichte, die in diesen Tagen von ihm erzählt wurde. Die fremden Diplomaten hatten eine gemeinsame Be- rathung mit mehreren türkischen Ministern und anderen Würdenträgern, wobei eine persönliche Auseinandersetzung zwischen Herrn Constan« und dem türkischen Justizminister sich entwickelte. Dieser Letztere konnte durchaus nicht zu der Anschauung de« Herrn Constan« sich bekehren und brachte die« natürlich auch zum Ausdrucke. Herr EonstauS gerieth darüber dermaßen in Harnisch, daß er sich nicht mehr beherrschen konnte und vor Aller Ohren plötzlich in wüthendem Tone dem Justizminister den Ehrentitel „Sie Büffel" entgegenschrie .... Frankreich hätte jetzt dasselbe mit weit weniger Lärm erzielen können! Daß Frankreich und Rußland, wie unlängst von der ,Köl». Ztg.' behauptet wurde, «in gemeinsames Vorgehen beabsichtige» sollten zur Einführung von Reformen in Armenien, etwa gar eine internationale Berathung darüber einzuberufe», wird jetzt von Petersburg aus, und zwar amtlich, durchaus in Abrede gestellt. WaS wollte nun also Frankreich mit feiner Flotte in Mytilene?
Wie ter Sotel-M ;i lieft regiert.
Eine Geschichte von Re im mich!.
Der Tobel-Veit von Satterbach hauste allein mit seinem Weiblein, der ehrenfesten Tobel-Lise, weit droben am Berge auf einem Kleiuhäusler- Gütchen. Der Veit hatte schon in de» erste» Wochen deS sonnigen EhelebenS die Hosen an sein zungenfertiges und herrschsüchtiges Weiblein abgegeben und dafür ein Paar nette Hauspau- tosseln erstände». — Da er so fest in diesen Pantoffeln drinnen steckte, war der arme Veit das ganze Jahr hindurch bitter viel zum Haushüten und Smbenhocken verurtheilt. Die getreue Frau Life hatte auch den löblichen Brauch, jeden Abend um 7 Uhr zu sperren, und hernach gelangte keine Raus mehr hinaus, noch weniger herein. Der Veit hatte schon längst keine Anfechtungen mehr zu abendlichen Spaziergängen und zu nächtlichen Sitzungen, nur gewisse Bilder auS seinen ledigen Tagen mit eichel- und laubförmige», mit schelli- ge» und hefigen Figuren umgeisterte» manchmal feinen Sinn, und die edle Kunst deS Karten- verfolgte ihn in seinen stillen Träumen.
Es war in der Frauenwoche im August, da unternahm die Life eine Wallfahrt »ach TrenS. Am Sonntag in der Frühe zog sie fort, am Mitt- woch Abend versprach sie wieder Heimzukommen. Sie trug dem Bett auf'« Sttengste auf, ja daS HauS keinen Augenblick allein zu lassen, denn eS thäten alleweil Räuber und Zigeunerbanden Hemmstreiche», und sie würde bei ihrer Heimkehr Alles «fragen, was ihr Mann gehalten und unterlassen habe. Der Bett versprach das Beste, «II aber die Life durch die HauSchür schrttt, zeichnete er hinter ihrem Rücke» eia großes Kreuz. Um 12 Uhr S« Mittag saß er schon beim „Fragg«le"-Wirth' sagte „Trumpf" und gewann einmal um daS andere mal. Der Mond zog schon ein breitel Maul, und die Thurmuhr schlug wird,mm 12, all der Bett zum TobelhäuSchen emporstieg. Am Montag begann dal Spiel erst um 7 Uhr Abends,
es dauerte aber auch um eia paar Stunden länger. Den DttnStag, all de» letzten Tag seiner Freiheit, beschloß der Veit ordentlich auszunutzen. Er machte schon um 4 Uhr Nachmtttags Feier- abend, verschloß sorgfälttg die HauSchür und ver- steckte den Schlüssel in der Holzlege »eben der Hauswand, dann stoffelte er langsam in'S Dorf hinunter zum „Fraggele"-Wirth.
ES hatte aber der Sroßknecht vom Nachbar- Hause, genannt der Spottmacher, den Veit bei feinem Weggange genau beobachtet. Er hatte genau die Stelle gesehen, wo der Vett de» HauS- schlüssel geborgen. Der Spottmacher war als Spaßvogel und Leutefexirer weithin bekannt. Er hatte nicht nur jederzeit den Kopf voll Witze und Schliche, sondern wußte auch die Stimmen von männlich, weiblich und sächlich auf daS Täuschendste nachzuahmen.
Der Tobel-Bett war noch keine 100 Schritte von seinem Hause entfernt, da hatte der Spott- macher schon einen bösen Streich gegen chn geplant. Er setzte den Mitterknecht, den Gigl-HanS, in's Verttaue». Die beiden kicherte» lange zu- fammen und berieche» auf'-Genaueste ihren Plan. AlS der Nachtrosenkranz vorüber zwar, schritten sie zur Ausführung. Der Spottmacher holte den Hausschlüssel vom TobelhauS auS dem Verstecke, sperrte auf und zog sich in die Schlafkammer der Tobelleute zurück, die Kammerthür verriegelte er von innen. Der Gigl-Hans aber rannte in'S Dorf hinunter zum „Fraggele"-Wirch, um dem Bett zu melden, daß feine Alte, die Life, heimgekommen sei.
Unterdessen pickte der Veit schon einige Stunden im Gefühle der höchsten Sicherheit auf der WirthSbank, pelzte seine „Trümpfe" auf den Tisch, schnalzte mit de» Finger« und lachte, daß e- von de» Wänden schmetterte. — Sein Widerpart im Spiele, der Lucken-HanSl, neckte
»Du, Veit, gelt, wen» die Katze aus dem Hause ist, dann haben die Mäuse Kirchtag?"
„Wie meinst daS?" fragte der Veit spitzig.
„O, ich mein uur, Deine Alte dürst' Dir heut' nicht kiebitzen," entgegnete der HanS.
Da schnellte der Veit in die Höhe.
„Meine Alte?" schrie er, „. . . da kennst mich schlecht; meine Alte hat g'rad so viel zu reden, wie dem Pfarrer fern Pudel — so viel bin ich schon Mann, daß die Bäume nicht in den Himmel sag' ich, daß mir die Alle nicht über daS Halsband hinaufwächst . . . Herr und Kaiser im Hause bin ich, und wenn ich sag': Hi! muß die Alte gehen, und wen« ich fag': Halt I muß sie stehen auf den ersten Schritt wie der Kuckuck in der Stockuhr, und wenn ich auf den Tisch hau', dann getraut sich in meinem Hause keine Fliege mehr zu husten, verstanden! — Weißt, daS Weiberregiment gibt- i» meinem HauS nicht — schaffen thu' ich, und wen« ich einmal schaff', daun hat's Fundament, und daS Weib darf mit der kleinen Zehe nicht mehr mucksen, sonst thät ich ihr den Stubenboden eintreten 1 . . . Drei geboten!"
»Vier!“
„Fünfe!" schrie der Beit.
Da öffnete sich die Stubenthür und herein kam der Gigl-HanS.
„Ah, das ist schön," rief der Veit, „jetzt krieg ich eine Gesellschaft auf den Heimweg . . Ader so schnell gehe« wir heute nicht."
Der HanS näherte sich dem Tische und sagte:
„Veit, Deine Alte iß heimgekommen, die Liese!"
Der Bett wurde kreidebleich, dann sagte er tonloS:
„Das ist nicht möglich, sie kommt erst morgen."
„Sie ist aber doch gekommen, schau nur hinauf, sie hat Licht in der Kammer."
Nun wurde der Beit mäuschenstill, er legte die Karten nur mehr leise und mechanisch auf de« Tisch, die anderen Spieler lachten auS vollen Hälsen.
Der Vett wurde immer stiller. Jetzt verlor er sogar mit „drei den Rechten" und einem Trumpf da« Spiel. Da« Spotten «nb Necken wollte kein Ende nehmen. Endlich erhob sich der Veit. Er sagte, e« wäre ihm plötzlich so übel, er müßte ein bißchen hinausgehen. Man wollte ihn nicht gehe« lasse«; er versprach, bald wieder zu kommen. Allein die Gesellschaft wartete Viertelstunde um Viertelstunde umsonst auf den Veit. Er kam nicht mehr. Er rannte spornstreichs den Berg hinauf, dem Tobelhäuschen zu. — Richtig erblickte er am Kammerfenster Licht. Sein Herz pochte gewaltig. Al» er die Höhe erstiegen hatte, näherte er sich leise der Hau«thür. Er brückte a«f die Thürklinke, die Thüre ging auf. Jetzt wurde ihm etwa« leichter. Er tastete die Treppe hinauf und wollte die Kammerthür öffnen; sie «ar verriegett.
„Ja, Liese, liebe Atte, ist'« wirklich wahr? Bist D« schon da? -- W» mich dm» freut!"
Literarische».
^otttisq - militärisch« Aart« von Afghani Kan, Gersten «nb Mörder-Indien zur Veranschaulichung de« Vordringen« der Russen und Engländer. Bearbeitet von Paul Lau «Han«. Mit Militär- statistischen Begleitworten, «otha, Justu« Perthe«. Preis 1 Mark.
Der Lod de« Emir von Afghanistan hat die Frage eines rnffisch-britischen Konfliktes in Mtttelafien wieder brennend gemacht. Ein afghanischer Bürgerkrieg, bisher noch die Begleiterscheinung eines jeden dortigen Thron« wechsel», kann den Stein in» Rollen bringen. Den Verfolg der sich andahnenden Ereignisse ermöglicht Prof. Paul Langhan»' neueste „KriegSkarte", die einen über« refchendr» Ueberblick über die russischen Truppenan- Häufungen im Kaukasus und in Turkestan gewährt. Ihnen scheinen die meist auS Eingeborenen bestehenden englischen Truppen an der indisch-afghanischen Grenze kaum gewachsen. Die Hauptkarte reicht vom Schwarzen Meer biS Kalkutta und zeigt die beiderseitigen Anmarsch- und Zufuhrltnien, die gesammte TruppendtSlokatton der Gegner (biS zum Bataillon herab), die Befestigungen, der russischen Konzesfione» in Persien und die neue eng. lisch« Handelsstraße von Quetta nach Kirman, die deutsche Bagdadbahn mit ihrem Endpunkte, dem in letzter Zeit so viel genannte« Kurtt, die Burrn-Sr- sangenenlager in Indien und aus Ceylon, die indischen Hungergebiete und viele? andere. Eine Eprzielkarte von Afghanistan und der englisch-rusfischen Grenzgebiete stellt in größerem Maßstabe den muthmaßltchen Schauplatz deS SntscherdungSkawpfeS zwischen den beiden Gegnern dar, eine andere Nebenkarte läßt da» allmähliche Wach»- thum der englischen und russische» Machtgebtrt« tu «firn erkenne», die sich tat Laufe der Jahre immer näher gerückt sind. Dir Brglritwortr grbe» eiste dankenkwerthr Urbrrficht über die russtschen und britischen Truppe» in Mtttelafien und über da» Heerwesen Afghanistans mte Persien». Alles in allem darf die neue Rotte al» Wl vorzügliche» Hilfsmittel zum Berständniß der politischen, wirthfchastltchr» und militärischen Vorgänge eines Gebiete» drzetchnet «erden, auf da» fich gegenwärtig da» Interesse der ganzen Welt richtet.
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heuchelte er. „Ich kann Dir'« gar nicht erzählen .... . Gelt, Du bisi wohl gesund, und es ist Dir nicht« zugestoßen? . . . Mir ist so viel zettlang gewesen um Dich; die Stunden hab' ich gezählt, bi« Du wieder kommst — gar nicht erwartet habe ich«'« . . ."
Er hörte drinnen ein zornige« Fauchen und Knurren.
„Geh' Liese, liebe Frau, mach' keinen Spaß, thu' auf", bat er, „ich bin ja nur beim Schmied drunten gewesen, eine Hacke ausbessern lassen."
Jetzt ging e« drinnen lo«. Im höchsten Flüstertöne schrie e«:
«Den Schmied kenn' ich! — Drei Nächte hast Du schon beim „Fraggele"-Wirth an den Weinfässern h rumreparirt, Du Sump, Du schlechter, Du ansoeklanbter, Du eingesalzter! . .
„Gch', Alte, sei g'scheidt! — Ein klein'« Sprelele hab' ich gemacht, ein leichtes, ein zahmes, ein ganz unschuldige«; — ich thu's gewiß nicht mehr, mein Lebtag nicht mehr."
„Die Litanei kenn' ich schon, die magst den Katzen vorpfeifen, Du Sump, Du ausgedörrter, Du eingetuntter. Du, Du . . . Die Augen möcht' ich mir ausweinen; — die Schellensau ist Dir lieber als Dein ehrlich angetraute« Weib, und vor der ganzen Gemeinde thust Du mich verschandeln."
»Ist gar nicht wahr, Liese! Lauter Tugenden und gute Werke hab' ich von Dir erzählt und die geistlichen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit obendrein . . . Geh', Liese, mach auf, sonst geh' ich fort und thu' mit etwa« an."
„Hahaha, daS ist gar nicht mehr uothwen- big! ... 34 mein’, Du hast Dir schon etwal angethan hinter dem Wirth seinen Weinfäffern."
Der Beit begann flehentlich zu bitten, aber alles nützte ihn nichts. Er tarn nicht in die Kammer. Endlich stieg er auf den Dachboden hinauf und legte fich auf ein paar alte Fetzen zur Ruhe. Erst spät nach Mitternacht konnte er einschlafen. In der Früh, al« er aufftanb, erlebte er die größte Ueberrafchnng. Die Kammer war offen, und die Life war mit Laub und Staub verschwunden. Nun wußte fich der Veit nicht mehr zu helfe«.
Er durchstöberte nochmals alle Winkel bei Hauses, bie Lise war sott — burchgegange«. In trostloser Stimmung verbrachte der arme Bett den Tag. Als es wiederum zu «achten begann, wurde ihm ganz seltsam zu Muthe. — Da sah er plötzlich bie Lise ben Brunnensteig heraufkommen. Der Seit stürzte zur Thür hin- auS, bem Weibe entgegen. Schon von wettern tief er:
»Well Du nur roieber kommst! . . . Ich hab' schon gemeint, Du willst mich verlassen ... wie eine arme Seele hab' ich gewartet den ganze» Tag; aber gelt, heul' bist nicht mehr zornig wie gestern? Ich will Dir alle- beichten: Am ersten Tage hat mich der Feller ins WttthshauS ge« zogen, es hat gedauert bi« zwölf Uhr, sie haben mich rein gezwungen. Vorgestern hat mich bet Wirth nicht ausgelassen; ich hab' nicht gemeint, baß eS fo spät wird ..... ich thu's gewiß nimmer! Die Karten, baS verfluchte TeufelSgebet- buch, fchau' ich mit keinem halben Auge mehr an ... . gesietn weißt ja ohnebie-, wie'- gewesen ist."
Die Frau machte ein Gesicht, so lange wie eine Allerheiligen - Litanei; fie wollte »och eine viel längere Beichte hören, und alS der Veit bie Gattung und Umstände bet letzten Nacht er* wähnte, ba ging bet Frau ein Licht auf, so groß unb greulich wie ein Schwanzstern. Nun raffelte aber auch eine schauerliche Armenseelen- prebigt Aber ben armen Veit hernieder, an welche et Zeit seine- Lebens mit Gruseln dachte. — Sechs Wochen kam bet Veit nicht mehr ins Dorf hinab, unterbeffen erzählte bet Spottmacher grauenhafte Mären übet bas fchatse Regiment, daS bet Veit daheim aulüde.
zahlung nicht beliebt, den» oft ist er gefährlich un6 immer äußerst anstrengend. Nach dreistündigem Dienst werden Erfrischungen an die Mannschaften herumgeschickt, roa» »ach weiteren zwei Stunden wiederholt wird, und wenn der Nebel länger alS sechs Stunden dauert, dann erfolgt, wenn möglich, Ablösung. Aber die Eisenbahnen stehe» nicht allein da mit Ausgaben für den ungebetenen Gast. Jeder Einwohner hat den Tag über künstliches Licht zu unterhalten, und alle Straßen müssen beleuchtet sein wie am Abend, und die GaS- und elektrischen Gesellschaften, refp. deren Aktionäre, reiben fich die Hände. Im Ganzen werden die Hefte» eine» Londoner NebelS von etwa achtstündiger Dauer auf etwa 750008ft. (!'/, Millionen Mark) oder darüber geschätzt.
* Daß ein Hahn kein Hahn und ein Hund kein Hund zu sein braucht, wohl aber, daß ein Hund ein Hahn und umgekehrt ein Hahn ein Hund sein kann, dieses naturwissenschaftliche Problem ist nach dem.Deutschen Jäger’ von den Jüngern deS preußischen Eisenbahnfiskus, die in Cölleda dienstbeflissen sind, in überraschend einfacher Weise gelöst worden. Sitzt da in einem Abtheil dritter Klasse ein Bäuerlein mit einem ausgewachsenen leibhaftigen Gockel unterm Arm. Vor Abfahrt des „Orientexpreßzuges" kommt auch der Mann vom geflügelten Rad, der Schaffner, um fich nach dem Befinden seiner Passagiere umzusehen und bemerkt mit Erstaunen und Entrüstung die Anfänge zu einer Menagerie, die sich in einem königlich preußischen Eisenbahnwagen-Abthell dritter Klasse vor seinen dienstlichen Blicken darthun. Ja, fragt er den Bauern endlich, was ist denn da»? — Das ist em Hahn! — Heraus damit! In den Wagen gehören keine Hähne. — Weshalb nicht? Andere Leute nehmen auch ihre Hunde mit. Thier ist Thier. Er beißt nicht. — Aber ein Hahn ist kein Hund. — Soll er auch nicht sein. — Thiere müssen bezahlen. — Dann geben Sie mir ein Billet für meinen Hahn. — Das geht nicht, d. h. (nachdenklich), wenn Sie ein Hundebillet nehmen .... Her damit, sagt der Bauer und erlegt 10 Pfennig für die öffentliche Urkunde, laut welcher sein Hahn vom preußischen Eisenbahnfiskus als Hund bettachtet wird. Trium- phirend nimmt der Bauer mit dem Hahn unterm Arm wieder Platz, zumal bte Mitreisenden nichts einzuwenden hatten und der Hundehahn sehr manierlich war. Dann ertönte das gebieterische „Abfahren!" des Mannes mit der rothen Mütze und der Gockel dampfte neuen Billetschicksalen entgegen.
* Das Rauchen auf de« Straße« ChristianiaS soll jedem, der noch nicht 15 Jahre alt ist, verboten werden. Ein dahingehender Beschluß wurde jüngst von der Borsteherschaft gefaßt und unterliegt nun der Zustimmung der Repräsentantenschaft, der Bürgervertretung, die in Gemeinschaft mit der Vorsteherschast die kommunalen Angelegenheiten erledigt. Geht der Beschluß auch bei dieser durch, dann kann sich die Polizei freuen, denn die rauchlustige Jugend wird natürlich alles aufbieten, um die Polizisten zu chikaniren. Den letzteren wird die Befugniß gegeben, den jugendlichen Rauchern, wenn sie auf offener Straße dem Laster fröhnen, Tabak und Pfeife wegzunehmen aber ob fich das wohl so ohne weiteres ausführen läßt?
Vermischte*.
* Wieuiet koket ein Londoner ««vertag? AuS London schreibt mau der «Franks. Ztg.': In diesem Jahre habe« fich gar zeitig die Tage eingestellt, von denen geschrieben steht, fie gefallen uns nicht, nämlich die Rebeltaae, die jeder fürchtet und haßt. Ganz besonderer Unbeliebtbett erfreuen fie fich noch bei den Eisendahngesellschafte«, den» für diese stellen fie ein ziemlich theures Vergnüge» dar. Wo immer Nebel einfällt, müsse» Knallsignale auf die Schienen gelegt werden. Da» stad, wie mau weiß, kleine runde Metalscheiben, mtt Schießpulver und Zündhütchen gefüllt, die mtt Bleiklammern an die Schienen befestigt werde«. Sobald der Zug vorübergeht, erfolgt der Knall, und da» wiederhott fich auf der ganze» Nebelstrecke. Für den Zugführer bedeutet e» „Achtung", und er muß mtt der größten Vorficht und Aufmerksamkeit fahre«. Für die Gifenbahngesell- schaste« aber bedeuten selbst «ur wenige Nebeltage eine Ausgabe vo» Hunderttzaufeude» von Mark, dann jede» Knallfianal kostet 10 Pfennig, und die Anzahl, die zum verbrauch kommt, geht ta» Fabelhafte. Da,« kommen die vxtralöhae für Ueberyit «nb Hiss», arbeitet. Der Neberdienst ist trotz bet bessere« ve-