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mit Zlnterhaltungs -Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"

M 258.

Jutöa, Samstag, den 9. November 1901.

28. Jahrgang.

G Nochmals dasDueÜ inJnsterburg.

Das Duell zwischen dem Oberleutnant Hildebrand und dem Leutnant BlaSkowitz in Insterburg scheint einer der allerärgsten Fälle der Duellunfitte seit langer Zeit zu sein, wenn die vorliegenden Berichte darüber richtig find.

Die Beleidigung deS Oberleutnant- Hilde­brand war bekanntlich von BlaSkowitz im unzu­rechnungsfähigen Zustande begangen worden. ES ist an sich ein Unsinn, daß überhaupt Je. mand, der seines UrtheilSvermögenS beraubt oder in seinem UrtheilSvermögen beschränkt ist, die Ehre eines Andere» verletzen könne. Hat Je­mand in einem solchen Zustande gegen einen Anderen sich tadelnSwerth betragen, so hat er sich bei diesem zu entschuldigen, und der Andere hat diese Entschuldigung unbedingt anzunehmen. Nach den vorliegenden Berichten hat sich Leut­nant BlaSkowitz zu jeder Ehrenerklärung bereit gezeigt, aber das Ehrengericht soll de»Zwei­kampf für unumgänglich erklärt haben!

Im April 1896 fand im Reichstag eine Verhandlung über daS Duellunwesen statt, her- vorgerufen durch eine fortgesetzte Vermehrung der Zahl der Duelle, namentlich im Heere. Die Redner aller Parteien ohne Unterschied verlangten wirksame Maßregel» gegen daS Unheil, so die Abgeordnete« Frhr. von Manteuffel, Schall, Dr.- Bacbem, Traf Bernstorff, von Bennigsen, Rickert, Richter, Bebel; und daS Ergedniß dieser Berathung war die einstimmige Annahme einer Entschließung, in der die Verbündeten Regierungen ersucht wurden, „mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dem mit dem Strafgesetze im Wider­spruche stehenden Duellunwesen mit Entschieden- heit entgegenzuwirken". ES erging dann zu Neujahr 1897 ein KabinetSbefehl des Kaisers gegen die Duellunsitte, der mit fol­gende« Worte« anhob:

„Ich will, daß Zweikämpfen meiner Offiziere „mehr als bisher vorgebeugt wird. Die An- „läffe find oft geringfügiger Natur, Privat- „streitigketten und Beleidigungen, bei denen „ein gütlicher Ausgleich ohne Schädigung der „StaudeSehre möglich ist. Der Offizier muß „eS als Unrecht anerkenne«, die Ehre eines „Andere« anzutasten. Hat er hiergegen in „Uebereilung oder Erregung gefehlt, „fo handelt er ritterlich, wen« er an „feinem Unrechte nicht festhält, sondern zu „gütlichem Ausgleiche die Hand „bietet. Nicht minder muß derjenige, dem „eine Kränkung oder Beleidigung widerfahren „ist, die zur Versöhnung gebotene Hand an- „riehmen, so weit StandeSehre und gute „Sitten eS zulasten."

Der Leutnant BlaSkowitz hat ritterlich ge­handelt, indem er zu gütlichem Ausgleiche die Hand bot. Aber daS Ehrengericht selbst hat im Gegensatz? dazu einen Zweikampf für «oth-

1» >t« üdk» (Ines Htißnfriato.

Nach dem Französischen von Henri Cauvain.

15) ------ (Nachdruck verboten.)

Eine weitere Entdeckung hat diese Meinung zur festesten Ueberjeugung gemacht. Hören Eie! Ms er sich dem Leichname näherte, hatte ich be­merkt, wie es seine erste Bewegung war, mit einem Zipfel des Tuches die Füße de« Tobten zu­zudecken. Diese Bewegung ist Ihnen natürlicher­weise entgangen, mir fi«l dieselbe aber auf, und ich entschloß mich sofort, dem Beweggründe der­selben nachzuforschen.

Am Nachmittag de« gleichen Tage« — etwa zwei Stunden nach unserer Trennung — kehrte ich zum Hause de« Breyat-Lenoir zurück. Ich gab dem Herru Prosper gegenüber vor. Sie hätten ein wichtiges Papier vergessen und mich beauftragt, dasselbe zu holen. Ich eilte in das Zimmer hinauf, in welchem der Tobte lag und hob da« Tuch weg, da« seine Füße noch immer bebedte. Sofort fiel mir da» befremdete Aussehen der beide« Füße auf. Dicht über dem Fuße war eine eigroße Erhöhung.

Nach einer kurzen Untersuchung gewahrte ich an der Ferse des rechten Fußes einen kleinen schwarzen Punkt, den ein bläulicher Ring umgab. Da ich keinen Augenblick zu verlieren hatte, nahm ich mein Federmesser aus der Tasche, machte einen kleinen Einschnitt an bitfet Stelle und ließ in b£R Deckel meiner Taschenuhr bie wenigen Tropfen einer braunen mit Blut ver­mengten Flüssigkeit fallen, die aus der kleinen Wunde heraSHfloffeu.

wendig erklärt! Erstens darf ein Ehrengericht einen solchen Zwang zum Duell überhaupt nicht auSübe«. Und wenn ihm daS überhaupt unter­sagt ist, dann muß cs ihm erst recht untersagt fein in Fällen, wo die verletzende Handlung bei aufgehobenen UrtheilSvermögen begangen wurde, wie hier i« Insterburg unmittelbar eine Auflehnung gegen den kaiserlichen Kabtnetsbefehl vom 1. Januar 1897. Er schrieb de« Zwei­kampf alS „unumgänglich" vor — unter der „milden" Bedingung eines „nur“ einmalige« Kugelwechsels! Dieser genügte dann, um den Leutnant BlaSkowitz zur Strecke zu bringen.

Der Ehrenrath in Insterburg hat aber nicht nur gegen einen ausdrücklichen und vollkommen klaren Befehl deS Kaisers fich vergangen; er kann für feine Handlungsweise auch keine Ent­schuldigung beibringen auS den Gepflogenheiten früherer Zelte». ES besteht eine ausdrückliche Verordnung über die Ehrengerichte der Offiziere im preußischen Heere vom 2. Mal 187*; und durch spätere Anordnungen wurden zu jener älteren Verordnung noch besondere Bestimmungen ergänzend hinzugefügt in der ausgesprochene» Abficht, die Herbeiführung eines gütliche» Aus­gleiches zu erleichtern. Danach hat der Ehren- rath einen Vorschlag zum Ausgleiche zu machen, ober aber bie Erklärung abzugeben, daß er sich außer Stande sehe, einen Ausgleich vorzuschlagen, daß vielmehr ein e hrenge richt - Ificbe 8 Verfahre n »vthwendig sei; ober endlich ist der Ehrenrath angewiesen, in den entsprechenden Fällen festzustellen, daß die Ehre der Betheiligte« nicht be­rührt, also weder Veranlaffung zu einem AuSgleichSvorschlage, noch auch zu einem ehrengerichtlichen Verfahren vorhanden sei.

Am 11. Dezember 1897 erklärte Kriegsmini­ster v. Goßler im Reichstage: „Die Verhält­nisse liegen . . . völlig klar: das Duell ist straf­bar. Religiöse Ansichten sprechen gegen dasselbe; und unser allerhöchster Kriegsherr hat seine» ernsten Willen dahin ausgesprochen, daß Zweikämpfen der Offiziere, so weit das irgend möglich sei, vorgebeugt werde." Tin Mensch non durch­aus christlichen Anschauungen betrachte! da-Duell unter allen Umständen al8 str ?bar und will es ganz und grundsätzlich verbot!'» wissen. Aber nehmen wir auch diese Aeußerung dis Kriegs­ministers als Grundlage für die Beurtheiiung deS Jnsterburger Falles an, so muß dieser auch von dieser Grundlage auS verurtheilt werden. Hier ist dem Duell nicht soweit wie irgend möglich vor- gebeugt, hier ist eS vielmehr von dem Ehrenrache in unglaublich übereilter und geradezu roher Weise befördert worden.

Roh deswegen, weil der Offizier, der seine in der Betrunkenheit begangene That bitter bereute und jegliche GenugthuungfÜr den von ihm git.änkteu Oberleutnant anbot, trotz seiner Reue und trotz seiner Bereitwilligkett zur Sühne dazu gezwungen wurde, dem von ihm beleidigten Kameraden auch noch mit der tövttichen Waffe in der Hand gegenüber zu treten und zu der vorausgegangenen Beleidi­gung noch den Duellmord hinzuzufügen. Diesmal war der Beleidiger das Opfer. Aber wird feinem Gegner, der ihn durch feinen Schuß darnieder- streckte, nicht fein ganzes Leben lang daS entfetz-

Nach Haufe zurückgekehrt, untersuchte ich sofort diese Flüssigkeit. Sie wiffen ja, ich habe die Chemie studirt; trotzdem war eS mir unmöglich, die einzelnen Bestandthette her- auSzufinde«. Ich gab indessen die Sache noch nicht auf.

Ich kaufte ein lebendiges Kaninchen, tauchte die Spitze einer Nadel in bie Flüssigkeit und versetzte ihm damit einen kleinen Stich in den Fuß. Nach zehn Sekunden schon war dasselbe verendet, gleich wie vom Blitze ge- troffen.

So hatte ich denn endlich das Werkzeug deS Verbrechens gefunden. Es war Kurar, jenes starke Gift, welches die Indier mit dcm Gifte der Schlangen vermischen und deffen Wirkungen von fabelhafter Schnelligkett find.

Der Mörder hat sich unter dem Bette oer« borgen und den Schlaf seines Opfers abge­wartet. Als er dasselbe im Schlafe glaubte, fuhr er mit feiner Hand, in welcher er die vergiftete Nabel hielt, unter die Decke und brachte der Ferse des Schlafenden diese kleine Wunde bei, bie tausendmal sicherer und furchbarer wirkt, als ein Dolchstich mitten durch's Herz.

Diese Thatsache ist nu» ausgemacht. Eine leichte Blutspur, die ich auf einem Betttuch entdeckte, an der Stelle, wo der Ermordete seine Füße haben mußte, verbürge» mir die- selbe noch Übeibie». Sie seh-.n demnach, bie Geschichte mit dem Arsenik paßt nicht hierher.

In meinen Augen ist nicht dieser unglück­liche Guerin der Verbrecher, sondern Herr Bre Hat-Kerguen; und mit den Beweisen, bie ich

liche Bewußtsein quälen, wegen einer Kleinigkeit einen Kameraden getöbtet, einen Vater unb eine Brant ihres Lebensglückes betäubt zu haben?

DaS Duell in Insterburg bebatf gründlicher und kräftiger Beleuchtung im Reichstage, die wohl auch schwerlich auSbleiben wirb.

Deutsche» Deich.

Berlin, 8. November.

* Da* Defizit im zreich*ßa»*-alt«etat, das die .Nattonalzettung' bekanntlich schon auf 140 Millionen Mark angegeben hatte, wird von Der .Münchener Allgemeinen Zeitung' jetzt auf --160 Millionen geschätzt.

+ Die Kerl wer Stadtverordueten- Mahkerr. Man glaube doch ja nicht, daß der neue Sieg der Sozialdemokraten über die Frei­sinnigen bei den Stadtwahlen in Berlin nur örtliche Bedeutung für diese Stadt selbst habe. Die Bedeutung dieses Vorganges reicht wetter: Man könnte von einer neuen Bankerotterklärung des Liberalismus sprechen! Es muß doch eine Erklärung dafür geben, daß das Bürgerthum in Berlin den städttschen Wahlen gar kein Interesse entgegenbringt, daß es diesen Wahlen zum größten Theile fern bleibt, alles gehen läßt, wie eS eben gehen will, ob nun ein Sitz «ach dem anderen in Der Stadtverordneten-Versammlung der Sozial­demokratie anheim fällt oder nicht. Und wenn man in diesem Sinne nach geeigneten Erklärungen sucht, bann kommt man nur auf eine einzige, die möglich und zugkräftig ist: Das liberale Stadtregiment in Berlin befriedigt daS Bürger­thum nicht; das Bürgerthum hat deswegen nach und «ach alles Jutereffe dafür verlöre«. Für die Bedürfniffe bet Arbeiterschaft aber und deS kleinen Mannes hat das liberale Berliner Stadt­regiment stets so vollkommenes Unvetständniß ober unmittelbare und auch ganz klar ausge­sprochene TheiliahmSlofigkeit bewiese», daß eS mit Wundern zugeven müßte, wenn in diesen Kreise« noch Freundschaft vorhanden wäre für den frei­sinnigen Rlüng/, der feit Jahrzehnten in Berlin obenauf ist u«r Die Aemter und theilweise nach der bösen Farn, auch die Gewinne vertheilt, die für einzelne Personen dabei zu haben find. Die Behandlung oder vielmehr Mißhandlung der Wohnungsfrage der kleinen Leute und Arbeiter — die Mißwirthschaft bei den Berliner Straßen­bahnen und vieles Andere mehr gehören in dieses Gebiet. Hat doch erst an diesem letzten Donnerstag eine erneute Verhandlung über die Fürsorge der Stadt Berlin für geeignete kleine Wohnungen in der Versammlung der Stadtverordneten bewiese«, daß der Berliner RathhauSfteistn« nicht das kleinste Verständniß hat ober haben will für bie WohnnngSnoth und ihre wirksame Bekämpfung. Die Stabtoerordneten haben de« Antrag ihres Ausschusses, Wohnhäuser wenigstens für die städtische« Beamten und Arbeiter zu errichten, trotz aller Befürwortungen dieses Antrages ab* gelehnt I Unter solchen Umständen muß der Arg­wohn entstehen, daß die Hausbesitzer, die die Mehrheit in der Stadtoerordneten-Versammlung ausmachen, nicht die geringste Lust habe« zum Kampfe gegen die WohnnngSnoth, weil diese ge­

rade eS ist, die ihre Einkünfte auS ihrem Besitze an Häuser» erhöht; und wo erst solches Miß­trauen die Wählermaffen ergreift, kann nur Theil- nahmelosigkeit oder unmittelbarer Abfall die Folge sein. Die Sozialdemokratie aber — das ist klar! — strebt nach der Herrschaft im Berliner Rathhause. Sie wird nach einer Reihe von Jahren dieses Ziel erreicht haben, wenn die Der- hättniffe so, wie jetzt, sich weiter entwickeln. Leider ist nichts davon zu merken, daß dieser Einblick in die Zukunft dem Berliner Bürgerthum schon klar geworden sei. DaS Berliner Beispiel lehrt aber so deutlich, wie kaum ein anderes, die Wahrheit deS geflügelten Wortes, daß der Li- beraliSmuS bie Vorfrucht der Sozialdemokratie fei.

ti Der Zolltarif im Auude-rattze. Daß das Plenum deS BundeSratheS in der nächsten Woche die Berathung des ZolltarifeS in Angriff nehmen werde, ist berichtet. Nach neueren Meldungen ist die eutfprechende Sitzung auf Dienstag, d. 12. November anberaumt.

h D-r Z«g «ach de« Hfi-u. Dem Zuge nach dem Westen folgt nun der Zug nach dem Offen. Aus den östlichen Provinzen waren in der Zeit des industriellen Aufschwunges tausende und abertausende von einzelnen Arbeitern unb ganzen Arbeiterfamilien nach den westdeutsche« J«dustriebezirken gewandert, um dort ein ver­meintlich glänzendes Loos zu finden. Jetzt ist der traurige Wechsel in der wirthschaftlichen Lage der Industrie eingetreten und keine Ausficht auf baldige Besserung vorhanden. Die Industrie stößt viele Arbeitskräfte ab, und den zugewanberte« Arbeitern aus dem Osten bleibt nichts Andere- übrig, als nach ihrer ursprünglichen Heimach zurückzukehre«. Die Bahnhöfe im westlichen Jndufiriebezirke machen jetzt häufig de« Eindruck eines AuSwandererbahnhofeS in einer Hafenstadt, fo stark ist bet Zug nach dem Osten. Die ge­brannten werden in Zukunft dos Feuer scheuen; ober die Anderen?

+ Bekämpfung de* Anarchismus. Die- jenigen Leute scheinen wiederum recht zu behalten, bie alibalb nach dem Mordanfalle gegen ben Prä­sidenten Mac Kinley vorhersagten, e« werbe nach einer kurzen Periobe bet Aufregung schnell genug w'eber Ruhe unb Lässigkeit folgen unb Niemanb mehr etwas sagen von internationalen Maßnahmen gegen ben Anarchismus. So ist e» gekommen. Man wußte zwar von btm Nachfolger Mac Kinley'» zu berichten, baß er befonbere Maßregel« zur Be­kämpfung be« Anarchismus wenigsten« in ben Ber­einigten Staaten selbst plane. Aber auch davon ist nicht mehr die Rebe. Unb wäre e* bie Ab­sicht Theobor Roosevelt s, in seiner Prästdenten- botschast an ben Kongreß ber Bereinigten ©taaten da» Thema zu berühren, so würde man vermuth- lich schon etwa» darüber vernommen haben. Man kann also getrost ben gegenwärtigen Zustand auf diesem Gebiete so kennzeichnen, baß man sagt: e» stnb internationale Vereinbarungen wirksamer Art gegen ben Anarchismus nicht zu erreichen. Dar ist seht zu bebauern. So wahr es ist, daß biefe Seuche auf bie Dauer nicht von außen her be­seitigt werden kann, sondern nur von innen heraus ,u heilen ist durch die bessere religiöse und sitt­liche Erziehung, so sollte man doch meinen, daß

in der Hand habe, könnte ich denselben morgen schon arrettre« lassen . . . Aber ich will «och wetter gehe«.

Und da denn die Triebfeder jedes Ver­brechens ein offenbarer Voctheil fein muß unb eure Richter nur davon ihr Schuldig ober Unschuldig abhängen lasse», fo will ich denselben beweise», daß es fich hier nicht bloß um die Entwendung einiger Goldstücke, sondern um die Unterdrückung eines Testamentes unb den Raub von drei Millionen handelt.

XIV.

Der Bericht Maximilian Hellers hatte In hohem Grade mein Staunen erregt. Ich bewun­derte diesen merkwürdigen Scharfsinn, diese durch­dringende unb scharfe Beobachtungsgabe, diese Leidenschaft nach Wahrheit, bie meinen seltsamen Freunb bewoz, fich an bie Ferse dies-s Mörders anzuklammern, um alle seine Bewegungen, alle seine Bttde zu belauern und ihn selbst bis in das geheime Reich bet Gebauten zu verfolgen.

Ich brückte ihm in lebhaftester Weise meine ganze Bewuuberung aus.

„Ach!" antwortete er mir mit einem halb- traurigen Lächeln, „warten Sie noch mit Ihrem Glückwunsch. Ich kenne den Mürber und kenne bas Werkzeug be» Mordes. Es bleiben mir noch drei dunkele Fragen übrig: Wie ist der Mörder in das Zimmer seines Opfers gelangt? Welche Beziehungen herrschen zwischen Herrn Brehat- Kerguen und Rothe-Kugel? Welches Interesse hat Doktor Wickson bei dem Verbrechen ? Die Zukunft, hoffe ich, wirb mir die Lösung ber beiden ersten Fragen bringen- Was die dritte betrifft, so will ich dieselbe sobald wie möglich lösen. Meine

Zeit ist gemessen, unb ich muß noth wendig Über dieftn Puntt Klarheit haben, bevor ich Pari» ver­lasse."

„Wie? Sle>wollen verreisen?"

„Natürlich, Eich begleUe meinen Herrn nach ber Bretagne."

„Unb wann verlassen Sie uns?"

„Ich weiß ben Tag noch nicht, glaube aber, Herr Brehat-Kerguen wirb alle Ursache habe«, eine möglichst schleunige Abreise zu wünschen . . Sie sehen also, ich habe keine Zeit zu oerlteren. Ich bin zu Ihnen gekommen, weil Sie mir helfen können, einen Theil bes Schleiers zu heben, ber mir bie Wahrheit noch verhüllt."

„Ich?" frug ich überrascht.

„Ja, ich stehe nicht an, Sie um einen Dienst zu ersuchen, unb biefe ganze Borrebe, bie Ihnen wahrscheinlich sehr lang vorkam, war nur bie Einleitung zu meiner Bitte."

„Sprechen Sie, mein lieber Freunb, unb ich werbe mich glücklich schätzen, Ihnen nützlich sein unb nach bem Maße meiner Kräfte mita-beiten zu können an bem Erfolge Ihres so muthoollen Unter­nehmens." t ■

„Sinb Sie nicht ein wenig verwandt mit ber Frau Gräfin von Breant?"

„Ja, sie ist meine Nichte, eine charmante Frau. Ich will hoffen," fügte ich lachend hinzu, „Sie haben bieselde nicht auch im Verdachte, an dem Verbrechen bctheittgi zu fein?"

„Nun, nun," sagte Maximilian lächelnd, „sie ist vielleicht doch ein wenig dabei im Spiele."

„Wahrhaftig? Sie erschrecken mich!"

„Sagen Sie mir, gibt sie diesen Abend nicht einen Batt?"