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mit Ztnterhaltungs -Beilage „Illustrirte Sonntags-Zeitung"

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JK 256.

JuLöa, Donnerstag, den 7. November 1901.

28. Jahrgang.

üM Centrum und Polen.

Manchmal ist eS ganz gut, daß es Leute «ibt, die Spektakel machen, auch oder nament­lich'auck in der Politik. Erstens plaudern ste aller Mögliche aus, was eigentlich gar nicht für die Oeffentlichkett berechnet war; und zweitens zeigen ste häufig ihren Freunde», wie man eS auf keinen Fall machen soll, wen» man nicht in arge Ungelegrnheiten kommen will. In diesem doppelten Ginne haben sich die übernationalen polnischen Läcmbrüder jetzt als nützlich erwiesen. Die Mehrheit der Polen hat «inen gelinde» Schrecken empfunden bei den Tollheiten dieser ihrer radikalen Freunde; sie hat gesehen, wohin ste selbst kommen würde, wenn sie sich von Jenen verhetzen lasten wollte, und diese Erkenntmß hat ihr zur besseren Ein­sicht verhalfen: Die oberschlesischen Polen wollen an dem Centrum fest- h alten.

Früher kannte man bei den preußischen Polen nur eine politische Partei. Daan unter, schied man zwischen der „Hofpartei" und der „Volttpartei" ; und neuerdings thaten sich als besondere Srrppe die Ueberpolen auf, die im politischen RadtkaliLmuS und im übertriebenen Nationalpolenthum nicht leickt ihres Gleichen linden. Deren Haupiblatt ist die ,Parca' in Posen. Ihr politischer Leiter wurde als Aus­länder ausgewiesen und kürzlich in BreSlau verhaftet, als er nach Oberschlesien reisen wollte, um dort in seiner Weise polnische Propaganda zu treiben und eine Organisation zu schaffen, deren Ziel eS sein sollte, bei den nächsten Wahlen die Oberschlesische« Centrumsabgeord­neten durch Nationalpolen zu ersetzen. Zur wirksamer« Betreibung dieser Zweckes hat die ,Parcr' unter dem Titel „Wahlweckcuf" eine eigne Flugschrift herauSgegeden, die nach ihrer AusdruckSwetse „die nationale Wiedergeburt DberschlesienS" verlangt und die angebliche ^iermanifirung Oberschlesiens durch die Geist­lichkeit bekämpft. Zum Schlüsse wird die Forderung aufgestellt, daß acht oberschlestsche Wahlkreise Nationalpolen und nicht Centrumk- leute in bett Reichstag entsenden müßten. Der „Wahlweckruf" wirft den Polen selbst „er- logen e* LoyalistnuS" vor gegenüber dem -Centre m; dieser Loyalismus aber ist in seinen Augen „ein Verrath an der nationalen Sache, der nichts Andere- verdient alS rücksichtslose Berurtheilung und Ausrottung."

SS war nicht zu leugnen, daß die Lärm- wacher vom Schlage der,Pcaca' auch de« Sinn des ruhigere« TheileS der preußische« Polen stark zu beeinflusse« begannen. Zeitungen, die früher ruhig und besonnen urthetlten, wurden unruhig und stimmten in den immer lauter her. vortretenden Rus: „LoS vom Crntrum" mitein. Manchmal sah e» aus, als sei der Abmarsch der oberschlestsche« Pole« vom Centrum in Ober- schlefien gar nicht mehr zu vermeide«. Noch-

Als di» lkbki cius Aeifchnfnidks.

Nach dem Franzöfifchen v»n Henri Cauvain.

W) ------ (Nachdruck verboten.)

Wir betraten da» Zimmer, in welchem die Untersuchung stattgefunden hatte. Der Fr-edenS- richter begann mit feierlicher Amtsmiene die Siegel zu erbrechen. Al» er den letzten Papterstreifen abgenommen hatte, konnte Herr Brehat-Kerguen «in Gefühl der Zufriedenheit nicht unterdrücken.

Der Beamte zog au» seiner Tasche den Schlüffel, den man ihm in Verwahrung gegeben und öffnete die Thüre.

„Trete er zuerst ein," sagte er zu mir, „und leuchte er ««»!"

Man hatte da» Zimmer ganz so gelaffen, wie « in der Rocht de« Verbrechen» war. Auch da» Bett befand sich noch in Unordnung, und die Bett­decken lagen am Boden.

Diese« Zimmer war da« äußerste de« Hause«; seine Fenster gingen nach dem Garten. Ich be­merkte, daß dieselben mit einem starken eiserne« Sitter versehen waren. Auch hier war die Ein- rrchtuug sehr einfach und dem so ungeheuren 23er» iüöge« de« Verstorbenen keineswegs entsprechend.

Einige Schritte vom Bette entfernt stand der berüchtigte Sekretär.

Ihm näherte« sich die vier Anwesenden zuerst.

„Man hat als» «och kein Testament gefunden?" frag der Friedensrichter.

„Sein," antwortete Herr Castille, der sehr «lfgeregt erschien und seinem Nachbarn und Onkel, Herrn Brehat-Kergue«, Blicke zuwarf, in denen itM rasende Math zu lesen «ar.

malS sei eS gesagt: was würde die Folge ge. wesen fein, wenn es fo geschehen wäre? Zu- nächst vrrmuthlich i» mehrere« Wahlkreisen, in denen bisher ein CentrumSmaun mit starker Mehrbett gewählt wurde, Stichwahlen zwischen dem Centrumsman« und dem Pole«. Dann aber schwerlich die Wahl des polnische« Wahl- bewerberS. Den« dann würden höchst wahrsrbein« lich die Deutschen sammt und sonder- den Cen- Kumsmann gegen den Polen unterstützt und ihm zum Siege verhalfen haben. Aber angenommen, die Polen würden zwei oder drei Centrums- fitze erobern; waS würde dann sein? Die kleine und einflußlose Polenpartei im Reichstage würde genau so einflußlos fehl, wie bisher. Bisher nahm sich das Centrum der Polen an, wo die auSgleichende Gerechtigkeit dies thunlich erscheinen ließ und erforderte. Wenn nun aber durch eine polnische Kriegserklärung gegen das Centrum in Oberschlesien das Tafeltuch zwischen Beide« ent* zweigeschnikten worden wäre, dann würden die Polen ihren einzigen Freund im Reichstage ver­loren haben. Sie würden den Ast, auf dem sie sitzen, selbst abgesägt und einen politischen Selbstmord an ihrer Partei begangen habe« — ganz abgesehen vo» der Schnödigkeit einer solchen Handlungsweise, dem C-ntrum seine außer­ordentlich uneigennützige F-eundschaft mit Fuß­tritten zu lohnen. Das Centrum braucht die Polen nicht. Denn würde eS auch in Ober* schlefien zwei ober drei Mandate an die Polen verlieren, so würde es -durch den kleinen Verlust nichts einbüßen an seiner Stellung im Reichs­tage. Die Polen aber brauchen ganz nothwendig daS Centrum, und schließlich scheinen nun diese einzig richtigen Erwägungen bei den Polen den Sieg davongetragen zu habe« über die Gelüste, unter der Führung der ,Pcoca' und Genossen den Kriegs pfad gegen das Centrum zu beschreiten.

Die polnischen Zeitungen in Oberschlesien haben eine gemeinsame Erklärung gegen die ,Praca' gebracht, wonach die Polen in Ober­schlesien am C ntrum festhalten wollen, voraus­gesetzt, daß daS Centrum in einigen Bezirken mit überwi ge»d polnischer Bevölkerung bei den nächsten Reichstagswahlen Kandidaten aufftellen will, die aus dieser polnischen Bevölkerung hervorgegangen sind. Darüber wird sich reden lassen, aber auch nur dann, wenn die ober- schlesischen Polen sich vollkommen verschließen gegen die Einflüsse, wie ste von der ,Praca', dem .Wielkopalanin' usw. ausgeübt werden. Bor allen Dinge« muß die ganze Frage als ei«e rein oberschlestsche Angelegenheit betrachtet und behandelt und vom Centrum nicht verlangt werden, daß es sich seine Maßnahmen von Pose« oder von Galizien her vorschreiben lasse.

Die Zukunft muß lehren, ob die Grundsätze, die jetzt in der gemeinsamen Erklärung der ober- schlesischen Polenblätter ausgestellt worden find, dauernd vo« den Polen geachtet und innegehal­ten werden.

Deutsches Deich«

Berlin, 6. November.

* Ein Potsdamer Berichterstatter verbreitet nachstehende Mittheilung, die wir wiedergeben,

Dieser schien gleichgil.ig zu sein.

„Nun denn," fuhr der Friedensrichter fort, „suchen wir noch einmal, vielleicht sind wir diesmal glücklicher!

War e« eine Täuschung? es kam mir vor, al« hätte ein fast unmetkliche« Lächeln die fleischigen Lippen de« Bretonen durchzuckt.

Die Papiere wurden aus'« Neue durchsucht, die Register geöffnet und sorgfältig durchblättert. Eine volle Stunde verstrich. Kein Wort, ha« den letzten Willen de« Herrn Brehat-Lenoir angedeutet hätte, wurde gefunden.

„Sie sehen, im in Herr," sagte der Richter zu Hrrrn Castille, „ich habe gethan, war in meinen Kräften lag. Er steht also unbestreitbar fest, daß Ihr Onkel kein Testament hiaterlaffen hat. Sie kennen keine anderen Papiere, nicht wahr, die der Verstorbene noch haben könnte, al« diese?"

„Nein, mein Herr," erwiderte der enttäuschte Erbe, auf dkffe« Stirne dicke Schweißtr»pfen traten . . . „Nein, mein Onkel — er hat e» mir tausendmal gesagt, bewahrte alle seine Papiere und sein Geld in diesem Schranke auf."

„O da« Geld, wa« da« angeht," erwiderte der Friedensrichter, „so wissen wir, welchen Weg e« genommen! Aber da« Sonderbare an der Sache ist, daß kein Testament sich vorfindet. Uebrigen« die Hälfte meiner Srbeit ist damit abgethan, ich will jetzt zur Aufnahme de« Inventar» schreiten."

Der Schreiber trat an einen Tisch heran, legte einen Stoß Papiere auf denselben und harrte mit der Feder hinter dem Ohre der Befehle seine« Herrn.

In diesem Augenblick sah ich ben Bl ck de« Herr« Brehat-Kerguen, den ich, ohne daß er e«

ohne eine Bürgschaft für ihre Richtigkeit zu über­nehmen : Das Kaiser!. Koflager, bas bisher immer mit Beginn des neuen Jahre» vom Neue« Palais «ach bem Schlosse in Berlin verlegt würbe, wirb in biefem Winter, wie wir aus guter Quelle erfahre«, überhaupt nicht nach Berlin ver­legt werben, sondern in dem Neuen Palais ver­bleibe«. Maßgebend für diesen Entschluß ist in erster Linie der Gesundheitszustand der K a i f er i n, der erfordert, daß fich die Kaiserin allem geräusch­vollen Treiben thunlichst fernhält. Der Aufent- halt im Neuen PalaiS ist i« diesem Jahre bei weitem angenehmer als früher, weil der niedrige Wafferstand des vergangenen Sommers daS lästige Eindringen von Grundwaffer in die Kellerräume des PalaiS verhindert hat, und in Folge dessen das Gebäude gründlich ausgetrocknet ist. Wegen der Haustrauer um die Kaiserin Friedrich werden auch die Hof-Festlichkeiten in B.rlin auf bas ge­ringste Maß eingeschränkt sein. Za biefen wird das Kaiserpaar nur vorübergehend in Berlin Aufenthalt nehme«. Anderseits wird auch als Grund deS Fernbleibens beS Hofes von Berlin bis Verstimmung bezeichnet, die in letzter Zeit bei dem Kaiser gegen Beschlüsse und Maßnahmen der städtischen Behörde« der Reichshauptstadt ein­getreten ist. Sollte der Winter besonders hart werden, ist es indessen immer noch möglich, daß plötzlich der Hof nach Berlin übersiedelt.

+ I-hlSrirag im A-ichs-tat. Bisher hatte man mit einer Summe von hundert Millionen Mark gerechnet, die zur Ausgleichung der Bilanz im Reichshaushalte für 1902 von den Einzelstaaten aufgebracht werben müßten. Die Schätzung ist augenscheinlich zu niedrig gewesen. Bei btr enbgilügen Aufstellung des Etatsentwurfes für de« BunbeSrath soll sich jetzt herauSgeftellt haben, daß der sogenannte Fehlbetrag die Höhe vo« 140 Millionen er­reichen werde. Um diesen Betrag würden also die Matri kularbeiträge der Einzelstaaten zu er- höhen sei« — eine erneute und äußerst eindring­liche Mahnung zur alleräußerste« Sparsamkeit in allen außerordentlichen Ausgaben!

x Das ,Armee-VerorbnungS. Blatt' veröffent­licht in der gestern abgegebenen Nummer folgen­den Armee N-sehkr

Nachdem nunmehr das Oftafiatische Expeditions­korps, soweit Ich eS nach Erfüllung der ihm gestellten Aufgaben in da» Vaterland zurückgerufen habe, den heimischen Boden wieder betreten bat, drängt eS Mich, ihm für seine Leistungen Meine vollste und wärmste An- erkennung auSzusprechen. Unter ungewohnten, schwierigen Berhältmssen hat es den Erwartungen zu entspreche» gewußt, mit denen ich es in den fernen Osten entsandt habe, und wenn eS ihm auch nicht beschieden gewesen ist, in große» Schlachten seine ttriegStüchtigkeit opfer­freudig zu erweisen, so hat eS doch überall, wo eS dem Feinde entgegentrat, in zahlreichen Kämpfen unter schwierigen Verhältnissen deS KlimaS wie deS Geländes Proben glänzender Tapferkeit, zäher Ausdauer und treuer Pflichterfüuung geliefert Dadurch hat eS dem alten, UnS Allen so theueren Ruhme der deutschen Waffen neue Ehren hinzugefügt. — Gleiche Anerkennung zolle Ich allen denen, welche bei der Borberettung und der Durchführung der Expedition thätig gewesen kind, deren Hingebung und Ueberwtndung so großer und so plötzlich auftretender Anforderungen ermöglicht hat. Mit gerechtem Stolze darf daS Vaterland auf diese Leistungen zurückblicke» und in ihnen die Bürgschaft dafür finden, daß trotz friedlicher Zeiten daS deutsche Heer und Boll seinen kriegerischen Werft und seine Opfer» Willigkeit nach dem Borbilde der Väter bewahrt hat bemerkte, keine Minute au« dem Auge verlor, unruhig nach der Seite de« Kamin« sich heften. Die« dauerte jedoch nur eine Sekunde, bann nahm er sofort wieder sein gleichgiltige» unb unfreund­liche« Aussehen an. Ich verfolgte seinen Blick."

Die Uhr de« Verstorbenen, von gediegenem Gold und mit Brillanten geschmückt, hing an einem Nagel neben bem Kamine.

„Nun ja," dachte ich bei mir selbst, da« ist ein sonderbarer L>ieb, der einen Mensche« tobtet, um dessen Geldschrank zu erbreche«, wo er nur wenige Goldstücke finden kann, n«d der eine Uhr liegen läßt, die ihre dreitausend Franken werth ist."

Man begann die Möbel aufzuzeichnen, be« Tisch, die Stühle re.

„Untersuchen wir diese Vorhänge," sagte bet Friedensrichter an da» Fenster tretend. „Diener! Leuchten Sie uns!" — „Aha, daS ist Seiden- bamast!"

Der kleine Schreiber hob feinen Kopf in die Höhe.

„Meinen Sie nicht eher," sagte er, „baß wir ba Wollendamast haben?" Mein Vater und fein Bruder handelte» darin; ich muß mich also et« wenig darauf verstehen."

Ei« Wortstreit entspann fich über diese ernste Frage zwischen bem Prinzipal und feinem Schreiber.

Ich untersuchte während dieser Zett auf­merksam die Fenster. Dieselben waren, roi» ich Ihnen bereits gesagt, fest vergittert und überdies mit einem Borlegschloffe zugeschlossen. Hier herein, dachte ich, ist bet Mörder nicht gekommen.

Ich betrachtete den Fußteppich »vd meinte,

und daß eS btr hohen, gemeinsamen Aufgabe fich be­wußt ist, für deutsch» und deutsches Recht an allen Orten mit Gut und Blut einzustehen.

Neues PalaiS, den 31. Oktober 1901.

Wilhelm.

h Friede ernt Märchenörunne«. Die Kimstbepittation beS Berliner Magistrates hat unter bem Vorfitze des Oberbürgermeisters Kirschner am heutigen Mittwoch eine Sitzung abgehalten. Es ist beschlossen worben, „ben Stabtbaurath Hoffmann zu beauftragen, unter Berücksichtigung gegebener (b. h. kaiserlicher) Anregungen, jeboch unter Beibehaltung de- Grundgedankens, bie Pläne zu bem Märchen­brunnen umzuarbeiten und die umgestalteten Entwürfe der Deputation vorzulegen." Stadt- bamath Hoffmann hat fich bekanntlich schon im Borans zur Umarbeitung bereit erklärt.

4- ZrrrrrZolltarif. Abg.Grus Hompesch, der Vorfitzende derCentrumS-Fraktio« beS Reichs­tages, ist in einer Versammlung zu Düren für ben Minbesttarif ber landwirthfchaftlichen Erzeug­nisse eingetreten. In Bitburg in ber Eifel hat eine Versammlung des Trierifchen Bauernvereins stattgesunben, in welcher ber CentrumS-Abgeorb- riete Wallenborn bie von der Regierung vor­geschlagenen Zollsätze für die landwirthschaftlichen Erzeugnisse als unzureichend bezeichnete. Der von der ,Freis. Zig.' gemachte Vorschlag, die erste Lesung der Zollvorlagen vor die erste Lesung deS Etats zu sitzen, findet Beifall in ber national- liberalen unb in ber konservativen Partei. Die Vorzüge eines solchen Verfahrens find klar und einleuchtend. Man kann nur wünschen, daß der nützlichen Anregung stattgegeben werde. Der an­dere, von ber .Freis. Zig/ gemachte Vorschlag, nur einen Theil der Zollvorlagen an eine Kom­mission zu verweisen, bie Hauptsachen betreiben aber ohne Kommissions Berachung im Plenum zu erledigen, findet diesen Beifall nicht, und daS mit Recht. I« ben Grundsätzen ist die Mehrhett deS Reichstages, die einer Erhöhung unserer Einfuhr- zölle freundlich gegenübersteht, ja ganz einig Aber wenn bie Plenar-Verhandlungen des ReichStageS nicht in ganz ungebührlicher Weis« in die Länge sich ziehen sollen, ist eS unbedingt nothwendig. daß die Fraktionen oder Gruppen des Reichstages erst für fich über die Höhe der einzelne« Zollsätze sich berathen unb einig werben. Nur eins von beide« ist möglich: entweder erste Lesung btr Zollvor­lagen vor der erste« Lesung des Etats, ober aber nur theilweise KommisfioNS-Berathung; nicht beides zugleich. Den Zollgegnern würde eS frei­lich daS größte Vergnügen sein, in den Reihe« der Zollfreünde Verwirrung und unliebsame Ver­wickelungen entstehen zu sehen.

• Die Einrichtung eines zweite« Waise«- hemse» für katholische Zöglinge hat durch Beschluß des diesjährigen Abgeordneten- tage» in Düffeldorf der deutsche Krieger - bunb genehmigt. D r Bau soll im Westen Preußen- event. m den Rheinlanden errichtet werden. Bevorzugt für die Errichtung werde« Gemeindebezirke, deren Größe und örtliche Ver­hältnisse es gestatten, bie Unterhaltung u. s. w. eines Waisenhausis an Ort unb Stelle auszu- sühren. Der Bundesvorstand hat nunmehr an die Verbände und Bezirksvorstände, welche daS WaiserhauS innerhalb ihres Verwaltungsbezirks schmutzig- Fußspuren zu entdecken; (ich weiß nicht, ob Sie sich noch erinnern, daß eS am 2. Januar sehr stark geregnet hat und daß seitdem eine Kälte herrscht, bie bie Steine bersten macht). Man hatte gesagt, es habe fich Einer hinter biefem Vorhänge während einiger Zeit verborge« gehalten.

Ich prägte diese Wahrnehmung meinem Ge­dächtnisse eilt.

Der Friedensrichter trug endlich den Sieg aus dem Streite davon, der kleine Schreiber räumte ein, daß mehr Seide in dem Vorhang sei, als Wolle.

„Nun, diesen Fußteppich/ fuhr der Beamte fort, „dürfen wir auch nicht vergessen Diener," sagte er zu mir, „stelle er bie Lampe auf den Boden."

Ich that, wie er verlangte... und «ach einigen Augenblicken sorgfältiger Prüfung sah ich matte Fußspuren vckn gelbem Sande auf bem Teppiche. Dieselben liefen von bem Fenster aus auf ba8 Bett zu.

„ES ist gut,“ sagte ber Richter, „eine sehr gewöhnliche Einrichtung . . . Unb für einen Millionär zumal ist baS überaus einfach!,. Unb biefes Bett? . . . Nußbaumholz! ... unb welch eine Form! Sehen Sie doch mein Herr," fügte er lachend hinzu, sich an Herrn Brehat-Kerguen wendend. „Ihr Bruder, der fo große Furcht vor Dieben hatte, schlief i« einem Bette, unter welchem eine ganze Bande von Räubern fich hätte verstecken können.“

Ich meinte, pr sehen, wie bei diese« Worten, die der Richter mtt großer Gleichgiltigkeit ge» sprachen hatte, die Augen deS Bretone« «schreckt zusammenzuckten.