-SSäSSS'ä?' mit Anterhaltungs-Beilage „Illuürirte Konntags-Zeiümg" •"•Ä.I.'rxJüS”**
Jutöcr, Samstag, den 2. November 1901.
J2 252.
28. Jahrgang.
Wochen-Nunöschau.
(Nachdruck »erbäte».)
X Fulda, 2. November.
„Somme« keine Handelsverträge zu Stande, so schlage ich alles kurz und klein" — da- sollte der Kaiser gesagt haben, »nd zwar bei seinem letzten Sesuche in Königsberg in Preußen. Die .KönigSb. Hartung'sche Zeitung' hat die Geschichte aufgebracht. Wahrscheinlich klang sie nicht. Und wenn sie wahr wäre, dann müßte man sagen, daß das sehr kräftige Wort nichts weniger als geeignet wäre, zur Beruhigung der aufgeregten Handel-vertragswogen bei- Stragen, vielmehr weit eher die Heftigkeit der wirth- aftlichen Kämpfe noch verschärfen würde. Da« genannte Königsberger Blatt gehört der fteifinnigen Partei an. Thatsache ist, daß bisher alle angeblichen kaiserlichen Aussprüche, die von fteifinnigen und demokratischen Blätter« in die Welt gesetzt wurden, nachträglich al» nie gethan fich erwiesen haben, wenigstens so »eit als es fich um die Handelspolitik und um die zukünftigen Handelsverträge handelt. Früher behauptete man, der Kaiser habe gesagt: Der Doppeltarif sei Unfinn. Nachher brachte Reichskanzler Graf Bülow im kaiserlichen Auftrage eine Zollvorlage mit dem Doppeltarif für Getreidezölle im BundeSrathe ein! Und jetzt erklärt der .ReichSanzeiger', all dieses Gerede kurzweg für erlogen.
Daß die Berliner Stadtverordneten mit dem Bescheide der Oberpräsidenten der Mark Brandenburg fich nicht einverstanden erklärt, sondern im Gegen- theil Widerspruch dagegen erhoben und den Beschluß gefaßt habe«, so lange mit der Ne«wahl einer zweiten Bürgermeister» zu warten, bis ein Bescheid de» Königs eingelangt sein würde, ist bekannt genug. Natürlich können «rm di« Stadtverordneten sehr lange warten, den« eine solche erneute Entscheidung der Krone selbst ist vollkommen aurgeschlosie». Da« sehen freilich auch die Freisinnigen jetzt ein. ^Der Minister — so schreibt das ,Freisinnige Verl. Tageblatt — wird die Beschwerde (gegen den ablehnenden Bescheid des Ober« prästdente») al» eine unberechtigte zurückweise«, den« nach der gesetzlichen Sachlage war der Ober- Präsident z« seiner bekannten Ättscheidung vollkommen befugt. . . Der Beschluß der Stadt- »erordneten-Bersammlung ist ein völliger Hieb in die Luft, ein Schlag in» Wasser . . . Mit der noch- »aligen Wahl Kauffmann'» war dem Prinzipe Genüge geschehen. Jetzt wird eine Rechthaberei daraus, bei der am Ende die bürgerliche Verwaltung Berlin« die Zeche bezahlen dürste." Diesen sehr vernünftigen Worte« ist nicht» Weitere» hinzuzusügen. Augenscheinlich entsprechen fie auch den Ansichten de» Oberbürgermeister». Aber wa» hilft da» Alles? Die Stadtverordnete« stecken i« der Sackgasse fest, und nun mögen ße sehen, wie fie wieder herauSkommen werden. DaS sozialdemokratische Centralorgan ist aber »och lange uicht zuftieden, sondern hetzt unverdroffe« weiter. »Befreiung vom Freisinn!" — so ruft e» in einem Artikel über die bevorstehende« Neuwahlen zur Berliner Etadtverordnetea-Bersammlung au». Nach der Anficht de» ,vorwärt»' unterscheidet fich der Freifinn do« de« Konservativen nur dadurch, daß diese Letzteren offen und ehrlich ihre reaktionären Abfichten au»- sprechen . . . ! I
Bischof Benzler von Metz ist am letzte« Samrtag i« seiner Residenz eingezogen. Zu seinem Empfange war die gesammte katholische Geistlichkeit der Stadt Metz am Bahnhofe anwesend. Besonder» begrüßt wurde der neue Oberhirt der Diözese Med durch den oberste« Bertreter de» Domkapitel», durch Bertteter de» Regieruug«prifidenten und des Bürgermeister«. Die Ko u s errat io» de» neuen Bischof« wurde i« der Kathedrale vo« Metz am letzte« Montag durch den Herrn Bischof Dr. Komm vo» Trier vollzogen, unter Asfisteuz de» Bischof« Fritzen von Sttaßb»rg und de« Weihbischof» Schrod vo» Trier. Da Feier der Konsekration wohnte« unta Andaev bei da Statthalta Fürst Hohenlohe, Staatssekretär von Köller, die gesammte Geistlichkeit, Untastaat»- sekretir Petri, Bezirk«präfident Graf Zeppelin und die Spitze, alla Behörden. Nach da Feier begab sich da Bischof in großer Prozession in da» bischöfliche Palai» zurück. De, Eid da Treue hatte da Bischof vorher im neuen Palai» bei Potsdam i» die Häude de« Kaisa» abgelegt. In seiner Ansprache sagte da Kaisa u. „Seit Begründung da deutschen Herrschaft in Elsaß-Lolhringen ist e« da» erste Mal, daß ein hoha Würdenträga der katholischen Kirche dieser Laude dem Kaisa persönlich da» Gelöbniß der Treue ablegt. Daß Sie, hochwürdiga Har, hierzu berufen find, gereicht mir zur besondae« Befriedigung, vud »it Genugthuung hat e« mich erfüllt, daß die wichtige Frage der Besetzung de« Metza Bischofsstuhle« nunmehr eine» so glücklichen Abschluß gefunden hat. . . Au» vollem Herze« heiße ich Sie, hochwürdiga Har, in Ihrem neuen Amte willkommen, in de» Ihnen Gotte» Segen in reichsten Maße beschiede« sei, möge."
, Ein römische« Blatt, die „Voce del!» Verita“ (Stimme da Wahrheit), ist in maßlo« hefttger Weise J«ge» die Berufung de« Professor Dr.
späh» «ach Straßburg al» Lehrer da Geschichte loggezogen, hat auch behauptet, da Hern Bischof voo Straßburg habe seine« Theologiestudenten d«» Besuch da Svahn'schen Vorlesungen verboten. Da« ist ,nn ganz einfach nicht wahr; und al» ebenso »«wahr habe» sich andere Angabe« desselben Blatte« «wirse«, tz» handelt sich dabei gar nicht «m eine»
Professor der Theologie. Die jungen Klerika find ja also ohnehin gar nicht in der Lage, alle Vorlesungen Spahn's zu hören, sondan nur solche, die sich nach ihren theologischen Studien oder während derselben auch auf die Staatsprüfung als Lehra vorbereiten; und die Zahl dieser ist nicht groß. Daß da» genannte Blatt irgendwie als Organ der päpstlichen Kurie anzusehen sei, ist nicht zutreffend. Diese Auffassung ist schon oft genug als falsch nachgewiesen worden. Alle Meldungen, die über diese Angelegenheit in den Zeitungen auftauchen, find jedenfalls mit da alleräußersten Vorficht aufzunehmen. Man muß fich nur Zweierlei merken: üba den Besuch der Vorlesungen der Theologiestudenten in Sttaßburg hat nur die bischöfliche Behörde dort zu entscheiden. Darüba, was für Vorlesungen die anderen katholischen Studenten in Straßburg hören oda nicht hören, wird auch die bischöfliche Behörde niemals das Recht in der Entscheidung in Anspruch nehmen.
Der Fürst von Reuß älterer Linie ist erkrankt. Es handelt sich um Zuckerkrankheit, und wahrscheinlich wird der Fürst den Winter im Süden zubringen. Der erbfolgebaechtigte Sohn des Fürsten ist unheilbar geisteskrank. Nunmehr ist die große Frage, wa zur Erbfolge ausersehen sei. Nach einem ftühaen Testamente des Fürsten war dem Erbprinzen von Reuß jüngerer Linie die Regentschaft zugedacht. Nach einer neuen Testamentsbestimmung soll die Linie Reuß-Köstritz die Regentschaft erhalten. Der Fürst allein hat darüber natürlich nicht zu bestimmen.
Der fteisinnige Abgeordnete von Siemens ist in der Nacht von 23. zum 24. Oktober ge- störben. Dr. Georg von Siemens war lange Jahre Direktor der Deutschen Bank und ein außerordentlich tüchtiga Bankmann. In neuester Zeit wurde er bekannt als Vorsitzender de» freihändlerischen Handelsvertragsvereins. Im Reichstage vertrat er den Wahlkreis Schweinitz-Wittenbag, eina der eigenthümlichsten Wahlkreise im Reiche, der fünf Mal konservativ und vier Mal liberal vertreten gewesen ist. Die Konservativen hoffen, jetzt wieder den Wahlkreis zu erobern. Montag Nachmittag find die sterbliche« Ueberreste de- Dr. Siemens in Gotha vabrannt worden. Noch ein avdaes Mitglied hat da Reichstag durch den Tod verloren, nämlich seinen einzigen Dänen, den Abgeordneten Johannsen, Batreta de« schleSwigschen Wahlkreises HaderSleben- Sondaburg.
Im österreichischen Ab,eo rdnetenhause sah e« Wieda einmal recht windig und unheimlich au«. Die verschiedenen radckalen Gruppen vestürmten da« Hau« mit maffenbaften Anträgen, für d e alle fie die ^Dringlichkeit beanspruchen; unr- außerdem wurden die vaathungen in unangenehm 'er Weise «ntabrochen und aufgehalten durch Zänkereien zwischen den „Alldeutschen" und den radikalen Tschechen. E» sah ganz so aus, al» werde wieder einmal da Etat nicht zu rechter Zeit durchberathe, sein, «nd de-wegen machte Ministerpräfidevt von Körber kurzen Prozeß. Er stellte das Abgeordnetenhaus vor da» Entweder — Oder: Die Anträge zurückstellen und Etat baathen — oder aba Rücktritt deS Ministaium». Da Kaisa würde aba Herrn von Körba nicht entlassen, sondan das Abgeordnetenhaus von neuem aufgelöst haben; und darauf wollten e» die verschiedenen Radaubrüder nicht ankommen lassen. Die Anttäge wurde« zurückstellt, und nun wird da ReichShauShalt baathen.
Auch da ungarische Reichstag ist wieder an der Arbeit. Kaiser Franz Joseph hat am 28. Oktober i« Budapest selbst die Tronrede zur Eröffnung^ de» Reichstage» valesen und darin namentlich auf die hohe Bedeutung der wirthschaft- lichen Fratzen hingewiesen. Sie sollten ihre Lösung finde« dUvMeine« gaechten und billigen gegenseitige« ««»gleich Exx Jntaessen da beiden Reichshälften. Daß da« leida imma leichta gesagt, al» gethan ist, weiß man ja hinlänglich, genau. Bon großem Interesse ist auch die angekündigte Einsührun, eina Unfallversicherung für Arbeiter. Zum Schluffe betont die ungarische Thronrede „da« innige Einvernehmen mit de« Babündeten — also Deutschland und Italien — «nd daS anhaltende, gut freundliche Berhältniß zu den gesammten Mächten".
Die ParlamentSbaathungen haben serna auch in Serbie« und Bulgarien begonnen. In Sabie« regt fich in scharfa Form der vielfache Widerspruch gegen da« Regiment deS jungen König« «lexanda und seina älter« Satttn Draga. Zn Bulgarien hat die Thronrede bei der Eröffnung ;ba Sobrauje angekündigt, daß die bulgarische Regiaung die gute« Beziehungen zu alle« Mächten pflegen wolle, vor allen Dingen aba „zu dem Befreier Bulgarien», dem russischen Reiche".
Ein Skandal sondergleichen ist die Aufhebung der amerikanischen Missionarin Stone durch eine Räubabande auf bulgarischen Gebiete, «ngeb- lich haben bulgarische Truppen dabei geholfen, «nd allem Anscheine nach soll da» geforderte Lösegeld dem berüchttgte« makedonischen Komitee zu Gute kommen. Die arme Miß fitzt gefangen in einem Keller i« Belitza; da amerikanische Konsul Dickin- son hofft, fie mit 60000 Dollars lo-zukaufe». Er fragt sich ««r, wa verantwortlich gemacht Waden soll dafür. Die Räuba find Unterthanen de» Sultan»; da Raub wurde aba auf bulgarischem Gebiete ««»geführt.
Am 16. Oktoba hat da Papst de» Kardinal Richard empfange«, de« Erzbischof von Pari«. Die Audienz währte zwei »olle Stunden und war »««schließlich den französischen Kongregationen gewidmet. Der Kardinalstaattsekretär Rampolla wohnte der Audienz bei. Die wieder einmal in Umlauf gesetzten Gerüchte, al« stände e« sehr schlimm um die Gesundheit de» Papste», find genau so falsch, wie
alle die voraufgegangenen. Von Interesse ist ferner die Ankündigung, daß da Papst einen diplo- matischenVertreter des heiligen Stuhles «ach der chinefischen Hauptstadt Peking entsenden Wade. Bisher hat Frankreich daS Vorrecht genoffen, die Intarsien des heiligen Stuhles «nd der Kirche in China zu vatreten. Die Ernennung eines besonder» apostolischen Nuntius würde die erste Antwort sein auf die Gewaltmaßregeln gegen die Kongregationen in Frankreich. _
Mit dem Ge.n eralstre ik der Bergarbeiter in Frankreich ist es nichts. Die sozial- demokrattschen Hetzer haben nicht die Gewalt über die Gemüther der Arbeiter, daen fie fich so gern rühmen.
Vom König Eduard von England geht das Gerücht, daß er am Kehlkopfkrebs erkrankt sei, demselben unheimlichen Leiden, dem Kaiser Friedrich zum Opfer fiel; die sböse Thatsache werde nur mit Gewalt vertuscht. ES bleibt abzuwarten, ob daS Gerücht fich bestätigen wird. Der Kolonialminister Chamberlain hat in Edinburg eine Rede gehalten, in der er fich noch selbst übertrifft: er hat die Frechheit beseffen, die Gemeinheiten, die da« englische Heer in Südafrika begeht, mit dem Auftreten der Deutschen im Kriege von 1870 und 1871 zu vergleichen. Keine Zurückweisung dieser ungeheuerlichen Verleumdung kann scharf ‘genug sein. Aber man scheint in Berlin auch darüber stillschweigend hinweggehen zu wollen, obwohl die Rede des britischen Ministers nicht ander» genannt Waden kann, alS eine unverschämte Verleumdung des deutschen Heere», des Kaisers Wilhelm des Ersten und aller deutschen Bundes fürsten damaliger Zeit.
Sonst gibt eS nichts Neues aus Südafrika!
Antialkoholkougreß.
cpc. Breslau, 29. Oktober.
IL
Der Verein gegen bei Mißbrauch geistiger Setränke hielt heute Abend seine erste Bersamm- lung in der kleinen Aula der Universität, die überau» gut besucht war. Am VorstandStsich erblickt« man u. a. den Grafe« Praschma und den Oderbüri er meister Bruckmann-HildeSheim.
Freiherr von Diergardt, der Vorsitzende deS schlesischen Provinzialverbandes, begrüßte den Kongreß u d verbreitete sich über die Nolh- wrndtskrit rin. rnerßtschen Agitation gegen den Alkoholmißbrau b. Wie er mittheilte, gibt eS in Schlesien manche Gegenden, wo die Eltern dem Kinde, wenn «S schreit, einen in «chnapS getauchte» Schwamm in den Mund stecke«, um e» zur Ruhe zu bringe». Sehr schars verur- theilte der Redner die Ausfuhr von Branntwein nach unseren Kolonteen. 1/b der Ausfuhr nach Togo u»d */? der nach Deutsch-Oftafrika ist Branntwein. Da» ist ein Bölkrverderb, Volks- gift. Wir sollen t8 nicht England nachmache», daS in Indien Opium baut, nm ei t« China etnzuführen. Zur DegenrrirungChina» hat dies viel briaelrage». Die Japaner sind viel mäßiger; der japanische Soldat hat sich bei dem China« kriege al» der mäßigste gezeigt, Japaner, die sich dem Opiumgebrauch hingebe«, werden nicht wieder i» Japan zugslassen. Die Spirlsucht und die Trunksucht st»d bet uns in Deutschland die schlimmsten Feinde, di« ärgste» Teufel de» 19. Jahrhunderts. M»»e das 20. Jahrhundert sie besiegen! Der schlesische Verein hofft dabei hauptsächlich auf die Unterstützung der »Im» «ater. Stu Aufruf zur MäßrMt an die Studenten der Universität ist unterschriebe» von 42 Lehrer» der U»tverfität. (Lebh. Beifall.) Haben wir die Jugend erst, dann Werden wir siege» und in hundert Jahre» si»d wir alkoholfrei — denn das ist »»ser Endziel. (Lebh. Beifall.)
Nach etner herzlichen Begrüßungsansprache de» Borfitzrnde» des GesammtoerdandeS Oberbürgermeister Struckmauu - Hildesheim erstattete bä Geschäftsführer des schlesischen Der- bande» Direktor Heyn eine» Bericht über die Ausbreitung des Verein» in Schlesien. Em hervorragendes verdienst an der Begründung des schlesischen Verbundes hat «eben dem Bor- fitzende« der katholische Klerus tu Oberschlefie», besonders aber der Fürstbischof von Breslau und Pfarrer Sapitza in Dichau.
Pfarrer Kapitza gab hierauf eine äußerst lebhafte Schilderung seines Vorgehens geoe« die Trunksucht in seiner Gemeinde.
Der Vorsitzende dankte ihm a!S eifrigste» und unermüdliche» Vorkämpfer b?r Sach« deS Verein» in Oberschlesien. Ein «twjign Man» wie er thue mehr wie 1090 Mitglieder des Verein», die alle Jahre ihre zwei Mark bezahlen.
Freiherr vo» Diergardt besprach dann die Nothwendigkeit von WftthSyauS- reformrn. 9tebnet befürwortet die Bildung vo» gemeinnützige» Gesellschaften zur Errichtung vo« ErholuugShäusern, in denen kein Alkohol auSge- schenkt wftd. De» Theilnehmern der Versammlung wird eine Zusammenstellung über- reicht, euS der zu ersehe« ist, wie äh«liche Ein- richtungen i» England begründet sind und wirke». Da« Sothenburger System verwirft
Redner, da es nur geeignet sei, den Bräunt' weinkonsum herabzudrücken, während fich nach ferner Einführung in Schwede» der Bierkonsum gehoben habe. Die bei uns zutreffende» Einrichtungen müßten auf eine Einschränkung auch des Wein- und BierkonsumS hinzuwirken geeignet sein. Redner begrüßt auch eine neu« Verfügung des Regierungspräsidenten von Oppeln, die eine Verringerung der WirthShauS- konzeffionen bezweckt und fordert insbesondere von der preußischen Eisenbahnverwaltung, daß die BahnhofSrestaurattoue» angehalten würden, stets warmen Thse, Chokolade, Kakao fertig zu halte», und daß in diese» Räume» daS Rauchen verboten werde. Redner verbreitet fich deS Weiteren über seine Schritte zur Bekämpfung deS Alkohol» unter feinen Arbeitern und empfi hlt den Arbeitgebern, für ihre Leute ErholungShäufer ohne Trinkzwang einzurichten. Die Versammlung nahm die Ausführung mit lebhafte» Beifall entgegen.
Hierauf schloß die Versammlung.
Die Hauptversammlung deS Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hielt feine Sitzung am Mittwoch Morgen in der Aula der Königl. Universität ab.
Anwesend waren gegen 200 Herren und Dame», darunter wieder Graf Praschma, eine größere Reihe katholischer Geistlicher auS der Stadt Breslau und aus der Provinz, u.A. Pfarrer Kapitza« Trchau und einige FranziSkaner-PatreS, und Vertreter von Behörde». Die zur verathung stehenden Themata hatten auch eine Reihe von Militärs veranlaßt, die Versammlung zu besuche».
Oberbürgermeister Strnckmavu - Hildesheim begrüßte die Erschienenen und theilte mit, daß vom Kultusministerium Geh. Reg.-Rath Pistor, vom Handelsministerium Geh. Reg.-Rath Post und vom Regierungs-Präsidenten der Geh. Reg.- Rath Freiherr v.Scherr-Thoß zurTheilnahme an den Berathungen entsandt seien. Die Stadt BreSlau ist durch den Oberbürgermeister Bender vertreten, die evangelischen kirchlichen Behörden repräsentirt ein General-Superintendent und der Breittauer Konfistorial-Präsident. In einer Dar- legung der Zwecke der Verein» betonte der Vorsitzende, daß der Verein eS al» unerreichbar an- fthe, augenblicklich'alle alkoholischen Getränke mit Stumpf und Stiel auSzurotte», Dieses Ziel sei vielleicht nicht einmal erstreßenSwerth, da man nicht sordern könne, jdaß all' die Wtrthe, die in die Weiuproduktio», Brauereien rc. gesteckt seien, durch ein Gesetz vernichtet würden. Der Verein erstrebe auf gesetzlichem Wege di« vesetttgung der schlimmsten Mißstände im Gebräuche geistiger Getränke und hoffe von der Reichsregierung, daß fie alsbald eine« Gesrtzentwnrf vorlegen werde. Weiterhin sprach Oberbürgermeister Sttuckman» die Erwartung auS, daß «» gelingen werde, bis zum internationalen Alkohol-Kongreffe im Jahr« 1903 in Br« men eine Zusammenfassung aller Vereine, die den Alkohol bekämpfen, zu erreichen.
Die Vertreter der Behörden bewillkommnete« de» Kongreß. Geh. Rath Pistor erklärte, auch der Kultusminister fördere die Bestrebungen, auf ge* fttzlichem Wege den Mißbrauch geistiger Getränke einzuschränken.
Die Versammlung beschloß hierauf die Annahme neuer Statuten. Der Verband, dem 58 Bezirksvereine zur Zeit angehören, will korporative Rechte erwaben. Al« feinen Zweck bezeichnen die Statuten: er soll „mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dem Mißbrauch geistiger Getränke int deutschen Reiche und seinen Kolonien steuern".
Da« Hauptthema der verathung war hierauf »Mäßigkeit und Wehrkraft". Pastor Dr. Martin« schilderte, wie die Wehrkraft der Völker mit der Ausdehnung de« Alkoholmtßbrauch« stet« gefüllten sei und wie durch die großen Kriege oft der Vranntwetngemiß wie eine Pest verbreitet sei. Die« gelte besonder« von dem 30jährigen Krieg, von dem schlestschen Krieg und den Napoleonischen Kriegrzüge». 6« lasse sich da» Vorkommen von Alkoholmißbrauch im Heere nicht bestreiten und noch viel weniger entschuldige». Seitdem e« Mäßigkeittbestrebungen gebe, erstreckten Re sich auch aus die militärische» Kreise. 68 sei durchaus zu fordern, daß die schon vor 60 Jahren gemachten Erfahrungen und Vorschläge bezüglich bec Bekämpfung de« Alkoholmißbrauch« in der Armee von Neuem berücksichtigt und zeitgemäß ergänz würde». Bi« 1845 gab e» in dem preußische» Heere Branntweinrationen. E« erschien dann eine Kabinettordre, wonach den Soldaten frei gestellt »ar, statt Branntwein den Geldwerth zu. nehme». Im Jahre 1862 erfolgte dann ein völlige« verbot de« Branntweiugebrauch«. Die Mäßigkeit«beweg»»g im Heere machte nun große Fortschritte und wnrde von oben herab stet« gefördert. Während damals der Kampf nur gegen den Branntwein ging, müßte man ihn jetzt auch gegen den Biergenv ß richten. (Lrby. Beifall.) • Es referirte hieraus Freiherr von Diergardt, Kapitäulentränt a. D. über da» Thema: „Wa» geschieht im deutschen Heere »nd in der dentschen