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KuidaerMZeitung

mit Ilnterhaltungs-Beilage „Illukrirte Sonntags-Zeitung" p«tm««t< 8*. 1 Ornnwek).

M 248.

28. JahrgMg.

we*H***w«5BBHBÄeHe*eeeeBeHe™KeaHaH™™eB Iutöa, Montag, dm 28. Oktober 1901.

Deutsche» Keich.

Berlin, den 26. Oktober.

* Der Abg. Justizrath Ar. Korsch ist für die vom 1. Oktober 1901 bis 30. September 1904 währende sechst SitzungSperio de wiederum zum Mitglieds deS Kolonialraths ernannt worden.

* Kitte Konferenz Skier die Zleichs- ftnanze« künden die ,Berl. Pol. Nachr.' an. Sie schreiben: Um über die Einstellung nur der unbedingt nothwendigen Ausgaben in den Etat und über die damit im Zusammenhänge stehende Frage, wie der Erhöhung der MatrLkularbeiträge für 1902 möglichst vorgeveugt werden könne, eine entscheidende Erörterung herbeizuführen, soll in den nächsten Tage» zwischen de» beteiligte» ReffortchefS und dem Staatssekretär deS Reichsschatzamtes eine Äonfereng stattfinden.

ft, Die Kerathung des Zolltarif • Ent­wurfes in de» zuständigen Ausschüssen des BuudeSrathes ist in der erste» Lesu»g beendet; die zweite Lesung soll am 31. Oktober beginne» und wird jedenfalls sehr rasch zu Ende geführt fein. Somit gewinnt neuerdings wieder a» Wahrscheinlichkeit die Annahme, daß die Be- rathungen der Zollqesetze im Bundesrathe bis jum Anfänge der Reichstagsverhandlungen durch, geführt werden könne. Posstrlich liest sich der Tadel mehrerer liberaler Blätter wegen der un» vermuthet raschen Arbeit der BundeSrathSauS« schüffe — gerade als ob die Regierung bei der Behandlung dieser Gesetzentwürfe unverantwort­lich leichtfertig vorginge. Und dabei gelangen diese Entwürfe fast ein xanzes Jahr später an de» Reichstag, als die Thronrede Im November des vorigen Jahres bet der Eröffnung der laufende» Tagung des Reichstages angekündigt hatte! Die Verbündeten Regierungen hatten wahrhaftig Zeit genug, sich vorher schon über die wesentlichen Puntte zu verständigen!

* Neue sozialpolitische Gesetzentwürfe. Im Reichsamte des Innern gehen, wie ein Berliner Blatt erfährt, die Gesetzentwürfe, be» treffend Aenderungen des Krankenverstche» rungsgesetzeS und betreffend die gewerb­liche Beschäftigung schulpflichtiger Kinder der Vollendung entgegen, jedoch wird eS von dem Verlauf der Zolltarifverhandlung abhängen, ob die beiden sozialpolitischen Gesetze dem Reichstage in der beginnende» Session schon vorgelegt werde».

* Der Staatssekretär des Reichspostamts macht bekannt: „Sie zum britischen Kolonialbesitz gehörigen Cook- oder Hervey-Inseln find in das Gebiet der britische» Kolonie Neusee­land einbezogen und damit dem Weltpofl- »erei« angeschloffen worden. Der Briefverkehr nach diesen Inseln regelt sich fortan nach de» Bestimmungen der Vereinsdienstes."

* Die Statistik weist über die Kevölüeruug»- zuuayme in den deutschen Bundesstaaten während der Jahre 1871—1900 höchst interessante Einzelheiten nach. Die Zunahme im gesummten deutschen Reiche belief sich auf 37.2 Prozent. In den einzelnen deutschen Bundesstaaten stehe» jedoch die drei Hansastädte Hamburg mit 126.7, Lübeck mit 85.5 und Bremen mit 83.6 Prozent in erster Linie. (Würde man nur die städtische Bevölkerung ins Auge foffen, so würde Berlin mit 128 Prozent Zunahme Hamburg noch über­flügeln.) Dann folgen Sachsen mit 64.3, Reuß j. L. mit 56.1, Anhalt mit 55.3, Reuß Ät. L. mit 51.4, Braunschweig mit 48.9, Preuße» mit 39.6, Sachsen-Altenburg mit 36.7, Sachsen-Meiningen mit 33.4, Sachsen-Koburg- Gotha mit 31.7, Großherzogthurn Hessen mit 31.4, Großherzogthurn Baden mit 27.7, Bayern mit 27, Sachsen-Weimar mit 26.5, Oldenburg mit 25.9, Lippe mit 25.3, Schwarzburg Rudol­stadt mit 22.7, Schwarzdurg-Sondershausen mit 20.1, Württemberg mit 19.1, Elsaß-Lothringen mit 10.8, Mecklenburg-Schwerin mit 9, Mecklen- burg-Strelitz mit 5.8 und Waldeck mit 3 Pro­zent. — Aus dieser Aufstellung ist ersichtlich, daß die Bundesstaaten mit überwiegender In­dustrie, wie z. B. Sachsen, den größten Be- völkerungSzuwachS haben, den geringsten die rein ackerbautreibenden Gebiete. Das geigt sich auch weiterhin in den einzelnen Provinzen des größten deutsche» BundeSstaateS Preußen, wo die Pro­vinzen Westfale» eine Bevölkerungszunahme von 79 6 und Rheinland von 60.9 Prozent erfuhren. Obwohl auf die Provinz Ostpreußen während der ganzen Zeitraumes von 1871 bis 1900 eine Zunochme von 9.4 Prozent kommt, nimmt die Bevölkerung in Ostpreußen langsam, aber fletig feit dem Jahre 1895 ab: sie ist also das

einzige deutsche Gebiet, welches in den letzten Jahren in der Bevölkerungszahl rückwärts schreitet. Die Volkszählung von 1895 ergab noch 2 007 000,^ die von 1900 rund 1999000 Seelen.

Erreicht.

Humoreske von P. Saget.

In der Kaifer-Konditorei in Berlin ging deren Besitzer, ein noch junger stattlicher Manu, ge­senkten Haupte« und grübelnd in seinem Kabinet langsam auf und nieder. Er hatte Sorgen, aber nicht nur die alltäglichen eine« strebsamen Ge- schäft«inhaber«, der gerne vorwärt« kommen möchte und sich manchen Schwierigkeiten und Hindernissen gegenüber sieht, sondern auch jene, die sich ganz von selbst einstellen, wenn ein nicht vermögender Mann von 25 bi« 30 Jahren ein hübsches, liebens­würdige« Mädchen zu heirathen beabsichtigt, das mit einer sehr ansehnlichen Mitgift ausgestattet ist, dessen Vater aber die Zukunft be« Lieblinges gesichert wissen will und daher seine Zustimmung zur ehelichen Verbindung der beiden Liebenden davon abhängig macht, daß der Schwiegersohn in epe genügendes Einkommen hat. Paul Fuchs besaß manche persönliche Vorzüge und tüchtige Fachkenntniffe, allein, was ihm mangelte, war Kundschaft und Frequenz seiner mit einem Casä verbundenen Konditorei. Mit Eifer und Energie hatte er sich daran begeben, seine Existenz zu be­gründen, und mit einem kleinen Kapital, da« ihm ein gutmütiger und unverheiratheter Onkel zur Verfügung stellte, da« Geschäft pachtweise über­nommen. Alle» wäre nun »ach Wunsch gegangen, wenn er nut die Räume seines Etabliffemente« mit Gästen hätte füllen können. Das aber wollte ihm trotz der Mühe, die er sich gab, um da« Publikum von der Annehmlichkeit des Aufent­haltes in seinem Cafö und der Güte und Preis­würdigkeit dessen, was feine Konditorei bot, zu überzeugen, nicht gelingen, und so zerbrach er sich denn vergeblich den Kopf darüber, wie er dem Vater seiner Maria die Rentabilität des Geschäftes nachweisen könne. Mit der Zeit würde die letztere ja ganz gewiß Thatsache werden, aber er mußte diese Zeit abwarten und zu dem Zwecke Geld zur Verfügung haben. Maria, die Vertrauende und Liebende, hegte nicht den mindesten Zweifel, daß sie mit ihrem Paul überaus glücklich werden würde, aber der Vater, dieser ängstlich rechnende Provinziale, der alles in Ziffern, in genauen Ziffern vor sich haben wollte! . . . Vorgestern hatte er seinen Besuch für Montag über acht Tage angekündigt und dabei durchblicken lassen, daß er Paul seinen Schwiegersohn nennen werde, wenn er sich von dem flotten Geschäftsgänge in der Kaiser-Konditorei überzeugt habe. Diese Mit­theilung brachte den jungen Mann fast zur Ver-' zweiflung. Das Caf« mit den unbesetzten Plüsch- feffeln und -Divan«, den teeren weißen Marmor- tischchen und der müßig gehenden Damenbedienung, welchen Eindruck mußte da« auf den mit Argn«- augen beobachtenden Vater Maria« machen?

„O, Mariechen! Glück und Hoffnung, lebet wohl!" seufzte Paul, dem sich kein Ausweg, keine Rettung au« der fatalen Lage zeigen wollte. Miß- muthig und niedergeschlagen verließ er das Kabinet und trat in die gastlichen Räume des Cafös. Gähnende, unheilverkündende Leere, nur ein einziger Herr faß in einer Nische und trank eine Taffe Chokolade.

Paul schritt auf ihn zu und begrüßte den ein­samen Gast, der seit einigen Wochen Tag um Tag zur bestimmten Stunde erschien, mit ausgesuchter Höflichkeit. Er sah in ihm einen wohlmeinenden Freund und Gönner, und Herr Krahn hatte in der Thal große Sympathie für den jungen Cafätier. Dies veranlaßte beide zu gegenseitigem Gedankenaustausch. Krahn war ziemlich genau über die Verhältnisse Pauls unterrichtet und es kann daher nicht auffallen, wenn derselbe im Laufe der Unterhaltung von den schweren Sorgen er­fuhr, die den armen Heirathskandidaten quälten.

„Ra", meinte Herr Krahn nach einigem Nach­denken, „kaffen Sie den Muth noch nicht finken; es ist heute Freitag und bis Ihr zukünftiger Schwiegervater zur Inspektion erscheint, haben wir noch immer volle zehn Tage Zeit. In einer solchen Frist kann man die Welt auf den Kopf stellen, wenn man weiß, wie das angefangen werden muß. Seien Sie versichert, ich werde mein Mög­lichstes thun, nm Ihren gefürchteten Besuch von der Rentabilität Ihres Geschäftes vollständig zu überzeugen."

„Tausend Dank im Vorau« für Ihre Güte! Meine Maria und ich werden es Ihnen nie ver­gessen."

„Ach, lassen Sie das, lieber Freund", wehrte Krahn ab, „es wird mir ein besondere« Ver­gnügen fein, Ihnen zu helfen." Damit verab­schiedete sich der Stammgast.

A» dem mit Spannung erwarteten, aber ebenso sehr gefürchteten Montage stellte sich

Vermischte».

* Gsie»d«-Ao»«r. Äu8 Brüssel schreibt «am der ,Kvln. Bolksztg.': Ti» den gtfammten Kontinent interesfirender Streit ist zwischen der Stadt Dover und' der belgischen Staatsbahnverwaltung auSgebroche», welcher höchst wahrscheinlich dazu führe« wird, daß die Bezeichnung „Ostende-Dover" au» den Fahrplanbücher» i Europa» verschwinde» wird. Die Postdampferlinie-: Ostende-Dooer gehört bekanntlich der belgischen Staats-- bahnverwaltung. Bo» dieser erhebt dir Stadt Doverc für jede« im Hafen der Stadt Dover auS- und ei«- steigenden Reisende», gleichviel welche Klaffe er führt, eine Hafengebühr von zwei Shilling. Nu« hat süngst die Stadt Dover beschloffen, diese Gebühr von zwei auf, drei Shilling zu erhöhe». Der belgisch» Staat, welcher seine Reisegebühr auS Rückficht auf di» holländische« und französischen Konkurrenzlinien nicht erhöhen darf» will in diese Erhöhung erklärlicherweise nicht einwilligen, und da die Stadt Dover für alle gute» Erfinde Belgien» taub ist, so hat sich die belgische StaatSbahnverwaltung auf die Suche nach einem anderen Hafen begeben, wo sie ihre Ostender Postdampfer können landen lasse». Da hat sich nun RamSgaie gefunden, und die städtische Verwaltung von RamSgatte scheint mit Vergnügen »ach dem ihr angebotenen Geschäfte zuzugreifrn. Tine Ab­ordnung der RamSgater Stadtverwaltung wird i» «rüffel im Eisenbahnministerium erwartet, um die Ver­einbarungen und Bedingungen zu treffen, welche für die Verlegung der Dampfrrlinie erforderlich sind. RamS- gate liegt Nahe bei Dover, wenig nördlich davon und besitzt dieselben Eisenbahnverbindungen mit London, rott Dover. Vielleicht besinnt sich letzteres noch vor Abschluß der Verhandlungen mit RamSgate eines Vernünftigere». Indessen ist eS dazu allerhöchste Zeit. Der belgische« Verwaltung wäre da» schon auS dem Grunde angenehm, weil die Fahrt »ach RamSgate immerhin ein roentg länger währt, alS diejenige nach Dover, und weil gerade die kürzere Seestrecke für so viele Reifende jetzt schon maßgebend in der Wahl zwischen den Linien Ostende und Calais zu Gunsten letzterer Stadt ist.

• Elektrische Aogenlampe« ohne Johlen. Die in Riga erscheinende .Jndustrieztg/ bringt eine- Mittheilung über die Konstruktion einer neuen elektrischen Bogenlampe, die bei gleicher Leistungsfähigkeit einen bedeutenden Fortschritt gegen. Über den jetzt allgemein verbreiteten Lampen bedeuten würde. Die wesentlichste Unvollkommenheit der heutige« Bogenlampe besteht in der schnellen Abnutzung der Kohlenstifte. Die vorgeschlagene neue Konstruktion der Bogenlampe will dir Kohlenftifte überhaupt beseitigen. Sie bestehl in einem Glasballon, au» dem die Luft ouS- gepumpt worden ist. Im Innern befinden fich statt der Kohlrnstifle, dir bei unseren Lampen bekanntlich durch einen verwickelten Regulator immer in dem richtigen Abstand erhalten werden müssen, zwei Arme auS Alu» mhtiunt, die die Form eint» „L“ haben und mit Platin­spitze» versehen find. Dir neue Lampe wirft keine« Schatten, wie et bei den bisherigen Bogenlampen so störend auftritt. Außerdem nutzt sie fich sehr langsam ab, so daß die Aluminiumarme höchstens einmal jährlich erneuert zu werde» brauche» Die beiden Platinspttzen sollen auch nicht senkrecht gestellt werden, wir die Kohlen» spitzen der jetzigen Bogenlampen, sondern wagerecht, und eS können dann auch leicht Blendspiegel angebracht werden, um die Lichtwirkung nach unten hin zu ver­stärken. Da auch eine so bedeutende Zeitschrift wie bet Pariser .ffilectricien' von dieser Nachricht K-nntniß nimmt, wird wohl etwa» daran fein, der Name de» Erfinder» aber, der schon die nöthigen Patente erlangt haben soll, wird nicht genannt.

* lieber den Gebrauch von Kirchen. Dteser Tage brachte die .Kölnische Volkszeitung' die Nach­richt von einer Verfügung des italienischen Ministe­riums, daß fortan die Kirchen Italiens nicht mehr für Abhaltung katholischer Kongresse benutzt werden dürften. Daß andere Länder anders können, ist von den weltlichen Konzerten, ja Turnfesten in schweize­rischen Kirchen bekannt. Interessant ist ferner em Vorgang, der sich in den letzten Tagen in der Schwerz abspielte. Ein Komitee wollte in Bern in der dortigen französrsch-refor mitten Kirche Böcklinsche Bilder unter Musikbegleitung vorführen, welchem An­sinnen sich die Kirchenverwaltung entschieden wider­setzte. Der Regierungsrath des Kantons Bern hat jedoch der dagegen erhobenen Beschwerde des Aus­stellungsausschusses Folge gegeben mit der Begründung, daß „die Malerei zu den Künsten gehöre, die zur Veredelung der Menschheit beitrage und daß somit kein Grund vorliege, einem so verdienstlichen, der Volksbildung dienenden Unternehmen das Kirchenge­bäude zu verweigern".

Maria'« Vater mit unheimlicher Pünktlichkeit ein und nahm in dem menschenleeren CafS in einer Ecke Platz, von welcher aus er alles Übersehe» konnte. Hochaufklopfenden Herzens und »oll innerer Besorgniß setzte Paul sich zu ihm und unterhielt sich mit ihm so gut, al« e« unter de» obwaltende» Umständen gehen wollte. Mit einem Male überkam es den Cafttier so eigenthümlich, daß er selbst nicht wußte, wa« er au« diesem merkwürdigen Gefühle machen sollte. War das fo etwa« wie Galgenhumor, wa« er empfand? Er begann dem Schwiegervater in spe gegenüber mit Zahlen zu renommiren, die diesen wiederholt au«» rufen ließen: „So, so, das ist ja ausgezeichnet! Zweitausend Mark Reingewinn im Monat, das läßt sich hören!" Und zur Bestätigung der von Paul aufgestellten Behauptung, daß die Kaiser- Konditorei von sehr distinguirtem Publikum frequentirt werde, erschienen die sonst so schmerz­lich vermißte» Gäste: Herren und Damen in so stattlicher Zahl, daß die Räume sich allmählich füllten und die Bedienung vollauf Beschäftigung hatte. Paul war paff, aber er ließ sich sein Er­staunen nicht anmerken, und der andere machte ein immer vergnügteres Gesicht und nickte be­friedigt mit dem Kopfe.

Wirklich, da« waren Gäste, wie man sie fich nur wünschen konnte. Die Damen — und deren kamen sehr viele — ganz besonders aber die Herren ließen sich durchweg feine« und theure« Backwerk zum Kaffee, zum Thee, zur Chokolade, zum Liqueur und zum Südweine, den sie je nach ihrer Neigung wählten, serviren, und Maria'« Vater berechnete im Stillen den Profit, der erzielt wurde. Zweitausend Mark Reingewinn im Monate dünkte ihm eher zu niedrig, al« zu hoch gegriffen und er fand, daß Paul Fuch« eine glänzende Parthie für feine Tochter sei. Schade, daß er nicht länger verweilen konnte; e» war zu amüsant, die Gesellschaft zu beobachten, aber er mußte auf­brechen, Geschäfte, die er zu erledigen hatte, for­derten da« gebieterisch von ihm. Bevor er jedoch ging, versäumte er nicht, Paul unter vier Augen al« willkommenen Schwiegersohn zu umarmen und mit thm den Hochzeitstag festzusetzen.

Der überglückliche Cafstier wußte nicht, wie ihm geschah, ihm kam alle« wie ein Traum vor, aber er nahm trotzdem die Erklärung seine« lieben Papas, so nannte er Maria'« Vater, mit der Würde eines siegesgewohnten Manne« hin und bemerkte nur lächelnd: „Sie sehen, Ueberzeugung macht wahr."

Am folgenden Tage gratulirte ihm Herr Krahn zu dem gemachten Erfolge und sprach zu­gleich seine Freude darüber au«, daß daS Lokal wieder recht hübsch gefüllt sei.

Paul dankte ihm tiefbewegt und mit Freuden« thränen in den Augen. „Sie find der Begründer meines Leben«glücke«," rief er dabei aus, „ich werde Ihnen dafür ewig dankbar fein. Aber nun verlangt es mich doch zu wissen, wie Sie das möglich gemacht haben, mir in dieser glänzenden Weise zu helfen."

Krahn lächelte geheimnißvoll: „Ja, lieber Freund, das ist so eine Sache! Indes will ich's Ihnen anvertrauen. Ich habe in der zehntägigen Frist, die wir bis zum Eintreffen ihres Herrn Schwiegerpapas hatte», über zweihundert Briefe geschrieben!"

„Ah, diese Mühe!"

„Und mich auf alle Heirathsgesuche, die ich in den Zeitungen und Zeitschriften fand, gemeldet, als reiche Waise, kinderlose Wittwe, distinguirte Dame, al« vermögender Beamter, al« Kaufmann, Wittwer mit und ohne Kinder, kur,: al« was Sie eben wollen, und alle Reflektanten und Heirathslustige zu einem Rendezvous in die Kaiser- Konditorei beschieden. Mit welchem Erfolge, da­von haben Sie fich überzeugt. Wenn Sie aber genau beobachteten, bann wird es Ihnen ausge­fallen fein, daß jede Dame und jeder Herr ein besonderes Erkennungszeichen: eine Blume, ein Bändchen, hellfarbene Glacehandschuhe, eine Zettung und dergleichen mehr trug, und daß die meisten enttäuscht und auch wohl ärgerlich nach längerem Warten davon gingen."

„In der That, ja, so war'«!"

„Nun, auf diese Weise ist es gelungen, Sie zum Ziele Ihrer Wünsche zu bringen. Der nicht mehr ungewöhnliche Weg erwie« fich al« vorzüg­lich. Sie dürfen übrigen« verstchert sein, daß Ihr Caf« in Zukunft stark frequentirt werden wird; denn die Heirathskandidaten und -Kandidatinnen, die einmal hier waren, kommen der Mehrheit nach wieder in der Hoffnung: „Was nicht ist, da« kann noch werden." Ich selbst versuche auch mein Glück in Ihrem Hause; da« ®ar$onleben ist nicht« Ideale«; ich habe keine Freude mehr daran, einsam durch'» Leben zu gehen. Auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege will ich mir da« Fehlende finden!"

Geflügelzucht.

Hühnerkrankheit. Bei dem Auftreten der Hühnerkrankhett ist roohl zu unters Leiden, ob man e» mit einem Katarrh oder mit Diphtheriti» zu thun hat. Dies« ist eine der gefährlichsten Krankheiten de» Hühne>- hofeS und wirkt so verheerend, daß eS kaum ein Mittel gibt, durch da» man fie, wenigsten» sobald fie über da» erste Stadium hinaus gelangt ist, heilen kann. Be» näherer Untersuchung steht man unter der Zunge und am Gaumen einen weißgelben Belag; daS find Pilze, ähnlich denjenigen, wie fie bei be« an Diphtheriti» er­krankten Menschen beobachtet werden. Da diese Seuche unter den Hühner« fo sehr verheerend wirken kann, ist e» am besten, diese Art von Patienten so schnell ro,e möglich zu lödten und zu vergraben, und eine gründ­liche Desinfektion von Hof, Stallung und Futtergeräthen vorzunehmen. Doch mag andererseits uervorgehoben werden, daß auch großartige Erfolge durch Anwendung von Kreolin erreicht find.

Reklamen- und Anzeiaentheil.

:AMTLICH GL11TZIND BEGUTACHTET: