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mit Alnterßaktungs -Meilage „Zssufirirte Sonnlags-Zeitung!'

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M 248.

Jutöa, Montag, den 28. Oktober 1901.

28. JahrgMg.

Drntsche- Keich.

Berlin, 36. Oktober.

h Staatssekretär von ^irpitz hat nach der neuesten Lesart den freisinnigen Abgeordneten Dr. Müller-Sagan „aufgezogen" mit seiner Aeußerung, daß jedes neue Panzerfahrzeug der Kriegsflotte dem Freihandel zu gute komme. Daß das betreffende Gespräch am 25. Oktober 1899 stattgefunden hat, und zwar bet einer Eisen- bahnfahrt zwischen Halle und Fulda, ist beiderseits zugegeben. (Herr Abg. Müller-Sagan war damals auf der Reis« nach Frankfurt und stieg hier in Fulda aus, um dem Abg. Müller- Fulda einen Besuch abzustatten. Die Red.) Nun würde sich höchstens noch Herr Abg. Dr. Müller- Sagan darüber zu äußern haben, wie er dazu kommt, eine unzweifelhaft ironische Aeußerung des Staatssekretärs in ernsthaft politischer Weise aus­zubeuten. „Herr Tirp'tz — so behauptet wenigsten« die ,Post' — hat in seiner Unterredung mit Herrn Dr. Müller nicht im entferntesten daran gedacht, mit den Freihandelsbestrebungen der Freisinnigen M fraterntfiren; sondern er hat lediglich ganz ironisch die Haltung der Freisinnigen ... als absurd kennzeichnen wollen . . ." Abg. Müller soll angeblich aus dem „Welthandel", den der Staatssekretär gemeint habe, den „Freihandel" gemacht haben. Klar wird die Sache auch bamii nicht. Entweder Herr von Ttrpitz sprach ernsthaft vom „Welthandel" — »der er foppte Herrn Dr. Müller mit dem Freihandel. Beide« gleichzeitig in einem »them zu thun, dürfte sogar ein Staats­sekretär nicht fertig bringen.

• AS« Ir. Atcki-rt ist von Neuem von einem leichten Schlaganfalle betroffen worden und befindet sich infolgedeffen nicht gut.

+ Kine weitere Itnanzkerathnn- soll in diesen Tage« in Berlin statlfirihev und zwar im ReichSschatzamte zwischen dem Letter desselben And den bethetltftten Borstehern der zuständigen StaatSämter. Diese Berathung sol auf den «rundton der Sparsamkeit im Reichshaushalte gestimmt sein, was »atürlicb außerordentlich zu loben ist. Eine halbamtliche Notiz sagt darüber:

Bei der Verschlechte run, der Reichseinnah. men und der ungünstigeren Gestaltung drt nächste« ReichShauShalteS ist möglichste An- paffung der Ausgaben nothwendiq . . »egen- wärtig, da die Zeit deS Abschlusses der Etats- Vorarbeiten für 1902 herankommt, gilt der Grundsatz, daß nur die unbedingt noth- wendigen Ausgaben in de» Etat eingestellt werden sollen. Um hierüber und über die damit im Zusammenhänge stehende Frage, wi­der Erhöhung der Matrikularbe iträge für 1902 möglich st vorgebeugt werde« könne, eine entscheidende Erörterung herbei- rzuführen, soll l« den nächsten Tagen zwischen den bethetligten RessortchefS und dem Staats- Sekretär des Reichsschatzamtes eine Konferenz ftattfinden.

Nu» sage noch Einer, daß diejenigen unrecht hätten, die die Verantwortlichkeit der Finanz-

leitet der Eiuzelstaate« für die Finanzgebahrung deS Reiches mit heranziehen wolle« und darin die beste Gewähr erblicke« für eine gesunde und sparsame Finanzwirthschaft deS Reiches! Die vorstehende halbamtliche Mittheilung und die ganze Entwickelung der Fiuanzdinge in Deutsch­land beweisen aufs deutlichste, daß gerade das die einzige richtige Anschauung ist!

X Die Sparsamkeit der Kisenvah« bildet seit einiger Zeit ein stehendes Thema in der Tagekpresse. Die Verwaltung der bayerischen Staatsbahnen hat An­weisungen zur Sparsamkeit erlassen, die so sehr ins Einzelne gehen, daß sie sogar dazu ermahne», dick gewordene Tinte durch Zugießen von Wasser zu verdünnen. DaS muß ihr nun unbenommen bleibe», obwohl dabei in der burraukratischen Sorgfalt augensryeinlich ei» wenig zu weit gegangen ift. Aber zu tadeln ist nichts daran. Tadelnswerth aber ist es, wenn, wie berichtet, von preußischen Eisenbahnbe­hörden alle möglichen und unmöglichen Veran­lassungen herausgesucht werden, um den Bahn- an gestellten und Bahn ar beiter« Zwangs- feiertage und damit Lohnkürzungen auf­zuerlegen. Eine offiziöse Darlegung in der ,Nordd. Allg. Ztg.' bringt zwar eine jüngst von neuem ergangene Verfügung des Eisenbahn- Ministers von Thielen zum Abdruck, in der angeordnet wird, daß Aushilfsbedienstete und ArbeUer nicht entlasse«, sondern anderweit be- schäfttgt werde« sollen, wenn fie in Folge deS Verkehrsrückganges im Rangirdienste oder in den Reparaturwerkstätten entbehrlich werden. Aber so lobenSwerth auch diese wiederholt ergangene Verfügung ist, so widerlegt fie doch nicht die verschiedenen Meldungen über die Einschcütung von ZwangSfeiertagen bei unpassenden Gelegen- heiten auS SparfamkeitSrückstchten. Die Ver­fügung erstreckt sich übrigens nicht auf solche Personen, die „von vornherein nur für eine be­stimmte Arbeit vorübergehend in Arbeit gestellt und hiervon sogleich bet der Arbeitsüberweisung verständigt worden find".

+ Man der Kafiedelnngs-Llommissio«. Dr. von Wittenburg, der Prästdent der AnfiedelungS-Kommission, hat wegen Krankheit einen Urlaub von mehreren Monaten erhalten und ist bereits nach dem Süden abgereist. Nach der Meldung eines Berliner Blattes wird er vermuthlich nicht mehr auf seinen Posten zurück- kehren. Den .Berliner Neuesten Nachrichten' zufolge „wird hier und da die Auffassung ver­treten, der Borfitzende der Anfiebelungs Kormniffion müsse der Oberpräfident der Provinz Pofe» fein*. Aber dieser ist mtt Geschäften schon jetzt sehr überladen, und eS sprechen auch noch andere Gründe dafür, daß dieser Vorfitz nicht mit dem deS Oberpräfidenten vereinigt werde, der besser vollkommen uvbetheiligt bei den Geschäften der Ansiedelungs-Kommission bleiben wird. Sehr richtig wird in dem genannten Berliner Blatte bemerkt, es werde rathsam erscheinen, mit dem Vorfitze der Anfiebelungs - Kommisfion einen Man« zu betrauen, die mit den lanbwirthschaft- lichen Verhättniffen deS OstenS durchaus ver­traut ist.

• Mi- „TraikyE Industrie in West- preeetzen" befindet sich in döfer Lage, di- äugen­

1» tat <rtn rinnt SlnschnfMts.

Nach dem Franzöfische» von Henri Tauvaiu.

'S) ------ (Nachdruck verboten.)

„Ja, die Akademie h,t mir Recht gegeben 4&er die öffentliche Meinung geb mir Unrecht und nah» Partei für die indische Heilmethode. Kurz, dieser Mensch ist wieder in Peri«; durch welchen Zufall? ich weiß es nicht. Ich glaubte ihn tobt wnb begraben. Nun ist er »über auf einmal der Held de« Tage«, und wie Sie sehen, selbst die Gerechtigkeit steht nicht an, sich seiner vor­geblichen Kunst zu bedienen. Wenn dieser Richter ein bessere« Gedächtniß hätte, so würde er mich nicht in die Nothwendigkett »ersetzen, mich mtt einem Menschen in eine Di«tusfion einzulaffen, den ich seiner Zeit so bitter bekämpfte. Sie be­greifen, baß e« mir unter diesen Umständen rein unmöglich wirb, an ber Untersuchung mich zu be­teiligen, unb ich bitte baher Sie, statt meiner <zu gehen. Ich weiß, Sie haben eingehenbe Stubieu über bte Gifte angestellt und Sie finb folglich in diesem Fache ebenso kompetent wie ich."

Ich verneigte mich bet diesen schmeichelhaften Worten.

„Da« ist als» im Seinen . . . Sie sind sv freundlich und stellen sich gegen zwei Uhr in 'der Cassettenstraße Nummer 102 ein, da« ist die Wohnung de« Verstorbenen. — Hier haben ©ie «inen Brief für den Untersuchungsrichter, in welchem ich mein Nichterschetnen entschuldige, Sie «erben ihm benfelben einhändigen."

Doktor B. . . , stand auf, unb indem er mir die Hand drückte, sagte er bewegt:

„So, mein Lieber, jetzt suche« Sie die Obrig- kett zu überzeugen, und lasse« Sie sich vor Allem nicht einschüchtern durch die Rückfichtslofigkeit Wickson'S. Bedenke« Sie, daß unsere AmtSehre auf dem Spiele steht; verthribige» Sie dieselbe gegen die Unkenntniß unb Quacksalberei diese- Engländers. Endlich versäum»» Sie nicht, mir das Ergebniß der Untersuchung sofort mitzn- cheilen."

Die Stimme deS Doktors zitterte ein wenig bei diesen Worten. In seinem schwarze», leb­haften Auge laS ich das rege Interesse, das meinen alten Professor bei diesem Kampfe beseelte, in welchen m»ch einzulaffen ich versprochen hatte. Wickson war der einzige Mensch auf der Welt, den der rechtschaffene Doktor B . . . haßte.

Ich versprach dem Doktor B . . ., mein Möglichstes auszubieten, um feiner Ansicht den Steg zu verschaffen unb die Prinzipien der wahren Wissenschaft zur Geltung zu bringen.

Eine Stunde später war ich bei Maximilian Heller.

Der Philosoph schien mir ruhiger zu sein, »IS gestern, da« Fieber hatte chn fast gänzlich ver­lassen.

„ES geht mir diesen Morgen besser," sagte er; „Ihre Gesellschaft verursachte mir gestern eine große Erleichterung. Ich habe Augenblicke, o selten dieselben auch sind, in welchen mir die Einsamkeit nicht gut thut. Außerdem quälte mich gestern eine peinliche Erinnerung... ein Jahrestag . . . Doch lassen wir das. Haben

scheinlich noch schlimmer ist, als man nach den bisherigen Nachrichten anzunehmen hatte. Der Oberpräsident von Westpreußen. Dr. v. Soßler, weilt gegenwärtig in Berlin, um Gelder aufzu- treiben zur „Sanierung" dieser industriellen An­lagen in Danzig. Die preußische Seehandlung soll angeblich 21/8 Millionen zu diesem Zwecke hergeben, die Stadt Danzig eine Million. Renner der Verhältnisse sind aber der Ansicht, daß die neuen Unternehmungen auch mit diesen Dummen nicht zu retten seien. Das kommt davon!

X Mer chetreide - Merkauf der kleinen Aaudwirthe. War ein rechter Liberaler ist, behauptet schon seit einer Reihe von Jahrzehnten, der kleine Lar dwirth, also der mittlere und kleine bäuerliche Betrieb, habe kein Interesse an der Gestaltung der Getreidep reise, weil er kein Ge­treide verkaufe. Zwar weiß Jeder, der nur ein­mal flüchtig in ländliche Verhältnisse einen Ein­blick gethan hat, daß diese Behauptung ganz her­vorragend thöricht »st; aber sie wird stets von Neuem aufgewärmt, und deswegen sind noch immer solche Ihatsächliche Feststellungen von Werth, die das Gegentheil beweisen. Zu diese» gehört eine Reihe von Angaben in den Nummern 4 und 5 der .Nachrichten vom Deutschen LandwirthschastS- rath' Über die Getteide - Verkäufe in lanbwitlh- schaftlichen Betrieben, die eine Bodenfläche von weniger als 10 Hektaren haben. Diese An­gaben entstammen dem amtlichen Material der Erhebungen in Preußen, Bayern, Württemberg, Baden und Hessen und find alS durchaus zuoer- ISsfig zu betrachte». Von den 75 Betrieben, um die es fichHier handelt, liegen nur je 2 inPreußeu und Bayern, 36 in Baden, 27 tn Hessen und 8 in Württemberg. I» allen diesen Betrieben wird Getreide verkauft, und zwar nicht wenig. Die Gesammtfläche der Betriebe umfaßt 417 Hektare; die verkauften Getreidemengen betrugen im Berichtsjahre 356 Doppelzentner Weizen, 210 Doppelzentner Spelz, 75 Doppelzentner Rogge«, 281 Doppelzentner Gerste und 185 Doppelzentner Hafer — zusammen 1108 Doppel- geitner mit dem Verkaufspreise von 18052 Mk Sinkt der mittlere Preis aller öetreibearten auf 13 Mark für den Doppelzentner, wie i« der Mitte der neunziger Jahre, so beträgt die Geld­einnahme für die untersuchten Betriebe anstatt der vorgenannten Summe nur 14 391 Mark also 3662 Mark weniger, woran- auch für den hartnäckigsten Zweifler die Wahrheit der That- fache hervorgehen wird, daß der kleine lanb« wirthschaftliche Betrieb sehr erheblich an der Gestaltung ber ©etteibepretfe intereffirt ist. Natürlich steht bieseS Interesse sehr eng im Zusammenhänge mit ber Art einer landwirthschastlichen Betriebe«. Je nach biefer Art ist es größer oder kleiner; aber vorhanden ist es immer, ganz unab­hängig von ber Größe ber bebauten Boden» fläche.

* Giukommeusteuer uub Merücheruug»- Prämie«. Zur Sicherung eine« gleichmäßigen Verfahrens bei der Einkommensteuerveranlagung weist ber Finanzminister bie Vorsitzenden ber EiukommeusteuerberufungSkommiffionen auf bie wichtigeren Grundsätze hin, welche nach ber Rechtsprechung deS königlichen Oberverwaltung-« Gerichtes mit Bezug auf bie Abzugsfähig-

leit ber von ben Versicherten zu entrichtenden Versicherungsprämien gelten. 1. Nach § 91 Nr. 7 des Einkommensteuergesetzes finb bis auf bie Höh- von 600 Mark Prämien abzugSfähi^ welche für bie Versicherung be86teuerpflis­tigen auf ben Todes- oder Lebensfall gezahtt werden. Der Abzug der Prämie findet nicht statt, wenn nicht der Steuerpflichtige selbst, sondern daS Leben seiner Ehefrau oder eines anderen Familienmitgliedes versichert ist. (Entsch. deS Oberoerwaltungsgerichtes vom 26. Juni 1899 — Bd. 8. S. 132) 2- Abzugsfähig sind nur Prämien für die Versicherung auf den Todes, oder de» Erlebensfall (sog. ab­gekürzte Lebensversicherung), nicht auch Prämie» für andere Kapitaloerficherungen jeder Art (Ent­scheidung desselben Gerichtes vom 17. Juni 1893 — Bd. 2. S. 73). Ob eine eigentliche Lebens­versicherung ober eine nur in bie Form einer solck-n gekleideten Kapitalansammlung vorliegt, ist im Einzelfalle unter Würdigung ber Bestimmungen bes Versicherungsvertrages zu prüfen. Eine über daS Wese« ber Versicherung hinausgehende, nach § 9 II Rr. 1 des Einkommensteuergesetzes nicht abzugsfähige Kapitalanfammlung wirb insbeson­dere dann anzunehme» fein, wenn nach ben maß­gebenden Bedingungen ber Steuerpflichtige unter gewissen Voraussetzungen, z. B. bei ben» Eintritt in ein bestimmtes Lebensjahr, Anspruch auf Rück­gewähr ber gezahlten Prämien hat. (Entsch. beS Oberoerwaltungsgerichtes vom 30. Januar 1899 — Bd. 8 S. 123.) 3. Prämienbetträge, welche ber Steuerpflichtige zur Versicherung einer für de« Fall seiner Invalidität (ArbritS- ober Dienstunsähigkeit) oder einer nach Bollendung eines bestimmten Lebensalters zahlbaren Rente entrichtet, gehören zu ben im § 9 Nr. 6 de« Einkommensteuergesetzes aufgeführten Beiträgen u«b finb al« solche abzug-fähig, mag ber Steuerpflichtige neben ber versicherten Rente auch eine» Anspruch auf Pension aus feinem Dienst­verhältnis haben ober nicht. Keinen Unterschieb macht eS babei, ob bie Versicherung bei einer öffentlichen ober privaten Versicherungsanstalt (Lkttengesellschast, Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit usw., genommen ist. (Entsch. deS Oberverwaltungsgerichtes vom 16. Januar 1893 — Bb. 1 S. 103.)

• Ein recht anschauliche- Bilb bes ErSnbmrgsfchwindel*, wie er gleichzeitig mit bem Aufschwung ber Industrie ht ben Neunziger Jahren zunehmend sich ausgebildet hat, und ber Gewissenlosigkeit, mit welcher einzelne solcher Gründer da- Publikum auSgeplünbert unb be­trogen haben, liefert ber in ber Hauptsache von unS bereits mitgetheilte Bericht, welchen der Konkursverwalter der verkrachten Kasseler TredertrocknungSgesellschaft ben Aktto­nären unb Gläubigem ber letzteren erstattet hat. ES ist ganz unglaublich, welche Berbunkelungen unb verbrecherischen Schiebungen bei diesem Unter­nehmen, bei bem auch die bankerotte Leipziger Bank stark beteiligt war, seit Jahren vorge­kommen finb, unb »och unglaublicher ist, wie biefe verbrecherischen Manipulationen durch un­treue Direktoren unb Geschäftsleiter Jahre lang fortgesetzt werden konnten, ohne baß irgenb Je­mand dahinter kam. Wozu wohl ein Auffichts- rach bei dieser Gesellschaft gedient haben mag?

Sie Näheres über diese dunkle Geschichte gehört? Meine Gedanken nmre» die ganze Nacht damit beschäfttgt. Dieser Mensch, da- ist sonnenklar, ist nicht ber Thäter.

Ich gab ihm das Abendblatt, das er mit großer Aufmerksamkeit überlaS; alsdann sagte er ruhig:

„Ich bin begierig, wie diese Geschichte enden wird."

„Wenn Sie wollm, so können Sie in da- HauS gelangen, in welchem da- Verbrechen statt- gefunben hat unb ber Untersuchung beiwohnen."

„Wirklich? rief ber Philosoph unb schaute mich mit weit geöffneten Augen an; wie ba-, ich bitte Sie?"

Ich erzählte ihm bie kurze Unterredung, bie ich soeben mit Doktor B . . . gehabt, unb bie Rolle, bie ich auf mich genommen.

„Gut! ich begleite Sie," sagte Maximilian Heller entschloffm; „ich will wissen, wie biefe Sache sich verhält. Seit zwei Jahren ist e- bas erste Mal, baß ich den Fuß auS meinem Zimmer setze. ES will mir vorkommen, al- be­ginne für mich ein neues Leben. Was würben Die dazu sage«, wenn ich diesen Mmschen vom Schaffot befreite ? Das wäre gelungen, nicht wahr? Ich würbe auf einmal ein Philanthrop! Doch nein, nicht bie Liebe zur Menschheit heißt mich so hanbeln, im Genenthell, um ber Gesellschaft einmal nur die Gebrechen ihrer Organisation zu zeigen, ba ohne mein Zuthun, wofern bie Sache »atürlich verliefe, ein Unschulbiger ben Tod er» Ute, veruriheilt durch menschlichen Richterspruch."

Ich konnte mich eines Lächeln nicht entwerten.

„Sind S»e also überzeugt, daß ©netto un­schuldig ist?"

„3a."

„Sie wollen sich dazu entschließen, seine Un­schuld an's Licht zu bringen?"

„Ja."

„Unb ben wahren Urheber des Verbrechens zu ermitteln?"

„Ja."

Er burchmaß mit langen Schritten baS Zimmer, einem Löwen gleich, ber vor Ungeduld brennt, seinen Käfig zu durchbreche».

„Ja," sagte er mit Begeisterung, „ich will wieder auftreten! Ja, heute null ich roieber diese Welt betreten, von der ich mich freiwillig zurück­gezogen. ES liegt ba ein ©eheimniß, da- ich durchdringen, ein Dunkel, bas ich untersuche» will. Ich habe bie schwierigsten sozialen Fragen gelöst, warum sollte ich nicht auch bie Lösung biefer finden könne» ? Ich will an jenem Tage, an »velchem bie Mensche» das Schaffot ei»richten werben, um biefe» Unglücklichen htozuschlachte», vor biefelben hiutrete«, an meiner Ferse ben wahren Schuldigen nach mir schleppend, ihn ben Henkern zum Fräße hinwerfen und den Unschul­digen ihren gransamen Händen entreißen. Aber glauben Sie nicht, daß mit darum an biefe» Menschen etwas liege. Wo- kann mir baran liegen, ob berfelbe getöbtet werde ober nicht?"

Maximilian war wie verklärt. Sei» Gesicht, hohl und bleich von langen Leiben, röthete ein übernatürliches Feuer; seine fieberschlaffe» ©lieber gewannen plötzlich ihre ganze Frische. Seine