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mit Zlnteröaktungs -Beilage „Iüuflrirte Sonntags-Zeitung" petereaage Hf. t fbareenu).
M 247.
Jutöa, Samstag, den 26. Oktober 190L
28. Jahrgang.
Wochen-Wunöschau.
(Nachdruck »erboten.)
X Fulda, 26. Oktober.
Nun glaubte man, die Berliner Stadtväter hätten sich .Witz gekauft" und seien nun zu- ftieden mit dem Beweise des Männerstolzes vor Königsthronen, den sie gegeben hatten, indem sie den Stadtrath Kaufmann wiederum zum Bürgermeister wählten, obwohl die Krone seine Bestätigung abgelehnt hatte. Aber der Ausschuß, den die Versammlung der Berliner Stadtverordneten zur erneuten Vorprüfung der Sache eingesetzt hatte, hat noch einmal das Roß der Opposition bestiegen. Nach seinem Beschlüsse soll der Magistrat sich nicht zuftieden geben, sondern erstens beim Ministerium des Innern über den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg sich beschweren, weil dieser es ablehnte, von der wiederholten Wahl nach oben hin amtlichen Bericht zu erstatten; zweitens soll die Stadtverordneten-Versammlung nichts mehr in der Sache thun, bis eine Entscheidung des Königs über die Bestätigung eingegangen sein wird. Die Herren in den oberen Regionen werden lächeln und alles beim alten lasten, wenn die Stadtverordneten nach dem Vorschläge ihres Ausschustes beschließen werden; die Stadt Berlin aber kann ganz leicht um ihren zweiten Bürgermeister kommen. Denn daß die Krone nicht ganz einfach den Vorschriften des Stadtverord- neten-Ausschustes sich fügen kann noch dazu gegen den ganz klaren Sinn der Stäbte-Ordnung, versteht sich von selbst. Die Regierung wird also der Krone den Fall nicht unterbreiten; und dann können die Berliner Stadtväter Jahr um Jahr warten, ohne den ersehnten Bescheid »ont König zu bekommen. Das war kein Meisterstück Oktavio! — Schließlich müssen die Stadtverordneten ja doch klein beigeben!
Hier sind es die Sozialdemokraten und Radikalen, die gern einen dauernden Konflikt zwischen der Stadt Berlin und der Krone Hervorrufen möchten. Auf dem Gebiete der größeren Politik streben die Freihändler Sehnliches an. Wenn es nach chren Wünschen ginge, müßte im bevorstehenden Winter wiederum die preußische Sanalvor- lage losgelasien werden, um die ohnehin schwierige Sachlage noch mehr zu erschweren und möglichst die gedeihliche verathnng der Zollvorlagen zu Hintertreiben; und so werden alle möglichen Dinge versucht, um diesem ersehnten Ziele näher zu rücken. Der Kaiser, so behaupten sie, wolle die erneute Einbringung der Kanalvorlage im nächsten Winter und rechne damit, daß sie angenommen werde. Aber Graf Bülow wolle nicht den Wunsch des Kaiser« erfüllen und dergleichen mehr. Thalsächlich ist von dem Alle« nicht eine Silbe wahr. Die Sanalvorlage wird begraben bleiben, bis ein neue« preußisches Abgeordnetenhaus gewählt sein und alsdann die Vorlage — *on neuem ablehnen wird.
Aber beinahe glaubten die Freihändler wirklich eine Freude zu erleben, nämlich durch den österreichischen Ministerpräsidenten. Der österreichische ReichSrath ist wieder eröffnet worden, und in der ersten Sitzung de« Abgeordnetenhauses hat Ministerpräsident vonKörber eine handelspolitische Rede gehalten, die in der ersten telegraphischen Berichterstattung in geradezu erstaunlicher Weise berstümmelt und entstellt wurde. Danach sah e« aus, als hätte Herr von Körber dem D«ltschen Reiche den handelspolitischen Fehdehandschuh hinge- worfen: Entweder Aenderung der deutschen Zoll- tarifentwurfe« »der Zollkrieg! Nach den verdrehten Telegrammen sollte Herr vou Körber gesagt haben, das friedliche Berhaltniß der Staaten finde schne Grenze in den haudelSpol'tischen Beziehungen; nachher kam ei aber heraus, daß er „Ergänzung" «sagt hatte, und damit hatte auch diese Jagd nach de« Freihändlerglück ein Sude. Herr von Körber hat gesprochen wie ein österreichischer Minister sprechen muß, um die Jntereffen seines Laude« zu wahren, und kein Wort darüber; und gerade die von den Freihändlern am allermeisten angefochtenen deutschen Landwirthschaftszölle hat er nur ganz flüchtig nebenbei erwähnt. Die Ssterreichischen Bedenken richten sich hauptsächlich gegen die geplanten Erhöhungen «er Einfuhrzölle für die tzrzeuguisie der Industrie.
Was die deutsche Landwirthschaft braucht und haben muß, um bestehen zu können, hat sn klarer Rede der CentrumSabgeordnete Herold tn einer Rede dargethan, die er in einer Bersamm- «Bg de» katholischen LolkSvereius zu Datteln in Westfalen hielt. Abgeordneter Herold hat von Reue« nachgewiesen, daß der Landwirth mit de« Gttreidebau nur bann einigermaßen auf feine Rcch- kommen kann, wenn der Doppelzentner Weizen 20 und der Doppelzentner Roggen 16 Mark bringt; und er hat ferner nachgewiesen, daß wir einen Zoll b»n mindestens 8 Mark für Weizen und von 6V2 Mk. fftr Roggen haben müßten, wenn wir zu diesen Preisen gelangen und annehmen wollten, daß der- Z»ll in seiner ganzen Höhe preissteigernd wirke. Aber das Letztere ist bekanntlich gar nicht der Fall. Aber aus Rücksicht avf die allgemeine Lage will Herold nicht fordern, daß die Zölle in dieser Höhe ftstgelegt würden, und er hat dabei den Beweis geliefert, daß die Landwirthschaft mit ihren Forderungen mchts weniger als unbescheiden ist. Aber auch für die übrigen landwirthschaftlichen Erzeugnisse verlangt Abgeordneter Herold festgelegte Mindestzölle und M«mt darin mit einem Vorschläge überein, den im
letzten Winter auch der preußische Handelsminister Möller gemacht hat, als er noch nationalliberaler Abgeordneter war.
Eine gewaltige Kundgebung ist der Bauerntag, der am 21. Oktober in Regensburg abge- ! falten wurde. Mehr als 5000 Bauern aus allen Theilen Bayerns haben einstimmig eine Entschließung angenommen, in der für die vier Hauptgetteidearten ein gleichmäßiger Mindestzoll von 6 Mark und ge- etzlich festgelegte Mindestzölle auch für die übrigen andwirthschaftlichen Erzeugnisse verlangt werden. Dabei wird ausdrücklich gesagt, daß eine höhere Zoll- orderung von 7 bis 8 Mark für einzelne Getreidearten begründet ist und von dieser Forderung nur abgesehen wird unter der Voraussetzung, daß für alle landwirthschaftlichen Erzeugnisse Mindestzölle festgelegt werden. Alle landwirthschaftlichen Organi- ätionen Bayerns waren vertreten, also: Bayerischer Landwirthschaftsrath, Christlicher Bauernverein, Bauernbund, Bund der Landwirthe, Mittelfränkische Bauernvereine, Milchwirthschaftliche Vereine im Allgäu und in Niederbayern u. A. m. ■
Die badischen Landtagswahlen haben erst am 19. Oktober ihren Abschluß gefunden mit der Wahl in Konstanz. Die Nationalliberalen erlebten bei den Abgeordnetenwahlen noch eine unangenehme Ueberraschuug. Denn ganz entgegen der zuerst gehegten Erwartung wurde in dem Wahlkreise Engen-Stockach der Centrumsmann anstatt deS Nationalliberalen gewählt. Der Wahlkreis ist ganz überwiegend katholisch, und die Nationalliberalen waren immer ganz besonders stolz darauf, daß sie diesen Wahlkreis besaßen. Damit ist nun das Centrum in der zweiten badischen Kammer 23 Mann stark; die Nationalliberalen besitzen darin 24 Mandate, die Freisinnigen 2, die Demokraten 5, die Sozialdemokraten 6, die Konservativen, Antisemiten und der Bund der Landwirthe je eines.
Msgr. Sambucetti, apostolischer Nuntius in München und Erzbischof von Korinth, ist von seinem Münchener Posten abberusen und zur Uebernahme eines wichttgen Postens im inneren Dienste der Kurie in Rom berufen worden. Die Abreise von München ift beschleunigt worden, zum großen Tbeil mit Rücksicht auf ärztlichen Rath, so daß der Nuntius nicht mehr die Rückkehr des Prinzregenten nach München abwarten konnte. Die Nuntien in München wechseln, wie man weiß, sehr häufig. Msgr. Sambucetti war nur zwanzig Monate in München, nicht länger sein Vorgänger Lorenzelli. Die Nuntiatur wird bis zur Ernennung eines weiteren Nachfolgers druch den aus- gezeichneten Ubitore Nico tra verwaltet. Msgr. Sambucetti ist für sein Wirken in München vom Prinzregenten durch das Großkreuz vom Orden der bayerischen Krone ausgezeichnet worden.
Eine außerordentlich umfangreiche Besprechung in der Preffe hat die Berufung deS Dr. Martin Spahn als ordentticher Professor der Geschichte an die Universität Straßburg hervorgerufen, vorher schon, bevor die Berufung amtlich betätigt war, und nachher nochmal« infolge einer kaiserlichen Kundgebung an den Statthalter von Elsaß-Lothringen. Der Kaiser telegraphirte an diesen:
„Er wird gewiß eine vortreffliche Lehrkraft für die Universität werden. Freue «ich, einen der lange gehegten Wünsche meiner Elsaß-Lothringer habe erfüllen zu können und ihnen sowohl, als meinen katholischen Untertanen überhaupt, bewiesen zu haben, daß anerkannte wissenschaftliche Tüchtigkeit auf der Basis von Vaterlandsliebe und Treue zum Reiche immer zu Nutz und Frommen des Vaterlandes von mir verwendet wird."
Die philosophische Fakultät der Sttaßburger Universität hatte eine Vorstellung erhoben gegen die Berufung Spahn'«, weil dieser Katholik ist. Es ist sehr erfreulich, daß diese Vorstellung keine Berücksichtigung gefunden hat. Höchst wahrscheinlich werden auch die Zöglinge M Straßburger Priesterseminars die Vorlesungen Spahn'S besuchen.
Weihbischof Zorn von B ul b a ch ist vom Papste empfangen worden. Seine Konsekration als Weih- bischos von Straßburg soll am 1. November statt- finden.
Höchst bemerkenswerth ist die Versammlung der Duellgegner, die unter dem Vorsitze des hochverdienten Fürsten Karl zu Löwenstein am 19. Ott. in Leipzig stattgefunden hat. Alle Stände und Berufe und beide christliche Bekeuntniffe waren vertreten. E« ist ein AktivuS-Komitte eingesetzt worden, da« die Gründung eine« Bundes gegen die Unsitte de« Zweckampfes in die Wege letten soll. Der Bund wird Mttglieder aufnehmen ohne Rücksicht auf den Stund, Bekenntniß oder politische Partei.
In Frankreich hat die außerordentliche Tagung der Abgeordnetenkammer am letzten Dienstag begonnen. Gleich in dieser ersten Sitzung wurde die Bergarbeiter-Frage herangezogen durch einen Antrag des Abg. Basly, für die Bergwerksarbeiter einen gesetzlichen Mindestlohn einzuführen, den Arbeitstag auf acht Stunden zu beschränken und jedem Bergarbeiter nach 2Sjähriger Arbeit ein tägliches Ruhegehalt von 2 Franken zu zahlen. Mintster-Präfident Wal- deck-Rouflea« «acht den Redner auf das Übertriebene dieser Ansprüche auftuerksam, versprach indeffen, alles Mögliche für die Bergwerksarbeiter zu thun. Nach dem Vorschläge des Ministerpräsidenten wurde die ne Berathung des Antrages BaSly abgelehnt.
egierung hat einen Entwurf über den Achtstundentag der Bergwerksarbeiter bereit« fertig, zögert aber mit Vorlage desselben, damit eS nicht s» aussehe, al« handle sie au« Furcht vor der Drohung mit dem Generalstreik. Allem Anscheine toirb au« diesem nichts werden. Man muß der Pariser Regierung die Anerkennung zollen, daß sie mit aller nöthigen Energie ihre Vorbereitungen dagegen traf,
namentlich auch die Bewaffnung der Arbeiter verhinderte.
In Spanien wird eS wieder einmal eine Ministerkrise geben. Mehrere Minister wollen durchaus nicht einsehen, daß äußerste Sparsamkeit in Spanien nothwendig ist; und deswegen find sie in Zwiespalt geraden mit dem Finanzminister.
Der Burenkrieg artet immer mehr in wüste Rohheiten aus, unaufhörlich von den Engländern verübt, um ihre unermüdlichen Gegner in Schrecken zu etzen. Die Wirkung ober ist die entgegengesetzte: Die ganze Kapkolonie steht in Hellem Aufruhr wider England, dessen Lage von einer Woche zur anderen chwieriger wirb. Gar schrecklich sieht es in den Maffenlagern aus, in denen Tausende von Buren- rauen und Burenkindern eingesperrt gehalten werden: Massenhaft sterben die Aermsten dahin, zum Theil dahingerafft von ekelhaften Mundkrankyeiten, die durch Fleisch von milzbrandkranken Thieren hervorgerufen werden — eine ewige Schmach für Britannien, das ich „das stolze" nennt! •
Der Umtausch.
Von'.Arthur Brückmann.
------(Nachdruck verboten.)
„Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten ?" — mit diesem stillen Seufzer mag wohl mancher Käufer seine Kunden begrüßen, wenn ste ihm nach einiger Zeit den nach oft stundenlangen schwierigen Verhanolungen verkauften Gegenstand wiederbringen. Er gibt Käufer, inrbesondere dem weiblichen Geschlecht angehörige, denen — vulgär gesprochen — nicht wohl ist, wenn ste die zu erwerbende Sache nicht mindesten« einmal „umgetauscht" haben. Kurzum — die Tauschlust ist auf Seiten de« kaufenden Publikum« oft ebenso groß wie die Kauflust und immer größer al« — auf Setten de« Verkäufer«. Darau» ergeben sich naturgemäß Dlfferenzen, die häufig genug noch verschärft werden durch Unklarheiten, die über die begriffliche Natur und da« juristische Wesen de« Umtausche« obwalten. Sie zu zerstören, find die folgenden Zeilen geschrieben.
Zunächst fei gesagt, daß die Gesetze den Umtausch al« solchen überhaupt nicht kennen. Rach § 462 B.G.-B. kann der Käufer zwar „Rück gängtgmachung de« Kaufe« (Wandelung) »der Herabsetzung de« Kaufpreise« (Minderung) verlangen", — aber nur wegen eine« von dem Verkäufer zu vertretenden Mangel« der Sache. Da« Wesen de« Umtausche« aber ist e«, daß die gekaufte Sache an sich vollkommen die vertragsmäßig zugesicherten Eigenschaften hat und dennoch den Neigungen und Wünschen de« Erwerber« nachträglich nicht mehr entspricht, daß also im Gegensatz zu jenem objettiven, in der Sache liegenden Mangel nur eine relative, subjettive Untauglichkeit de« Gegenstände« besteht. Darau« ergibt sich, daß der Umtausch sich keine«weg« von selbst versteht und daß, wenn er vorbehalten werden soll, eine ausdrückliche Abrede zu treffen ist, der sog. „Umtauschvorbehalt".
Hierbei ist nun vor allem zu bemerken, daß dieser Umtauschvorbehalt den zu Stande gekommenen Kauf keinesfalls etwa zu eine« „Kauf auf Probe" ober auf „Besicht" macht, sodaß die Billigung de« gekauften Gegenstände« im Belieben de« Käufers steht (§ 495 B.G.-B.) Vielmehr ist auf jeden Fall auch der Läufer bereite gebunden, und erst die neue Vereinbarung über Preis und Waake hebt die alte auf, wie erst kürzlich zutreffend ein Oberlandesgericht entschieden hat.
Bester aber ist ei, in den Umtausch-Vorbehalt bereit« vorher die näheren Vereinbarungen über die Modalitäten des Umtausches aufzunehmen, insbesondere: Innerhalb welcher Zeit? Segen welche Waare? Mit welchem Preise ist die Tausch- waare anzunehmen? — Man kann z. B. einem großen Waareuhause nicht zumutheu, daß eS für 10 H Stecknadeln auf 5 Pfund Schweizerkäse in Anrechnung bringen soll. In einem solchen Falle will de sich vielleicht die Beschränkung auf bestimmte Waarengruppea von selbst verstehen. Aber die Sache kann zweifelhaft in hundert anderen Fällen werden, z. B. wenn verschiedene Maaren - Arten rayonmäßig vereinigt find. Deshalb ist deutliche Abrede erforderlich.
Unredlichkeit beim Umtauschen fällt unter den Betrugs-Paragraphen 263 des Str.-G.-B. Auch hier thut man gut, immer etwas zu viel als zu wenig bei der Vollziehung des Umtausches zu verlautbaren. Daß ein Jnbenutzungnehmen der Sache nicht mehr vou dem gewöhnlichen Umtausch - Vorbehalt gedeckt wird, muß einleuchten. Denn der redlich« Verkäufer darf eine solche Sache nicht mehr als neu verkaufen. Thut er es trotzdem, betrügt er, verschweigt der Käufer die Thatsache, betrügt dieser das Publikum oder den Verkäufer. Deutlich liegt das zu Tage bei Kleidungsstücken, Haarnadeln, Handschuhen, Käm- men rc.; zweifelhaft wird die Sache bet, Schmuck- gegenständen, Büchern, die nur gelesen und in
keiner Weise abgenutzt sind, u. a. m. Deshal tst in allen Fällen auch hier Sprechfaulheit uich^ am Platze. Der äoluo srsutualia lauert im Hinter" zrunde.
Sind die Sachen also benutzt, so ist in der Regel der Verkäufer nicht einmal zur Anrechnung der Waare verpflichtet. Natürlich aber !ann der Vorbehalt auch in dieser Weise ausgedehnt werden.
Römische Briese.
XXXIII.
üü Rom, 23. Oktober 1901.
Für die persönliche Sicherheit der königlichen Familie in Capodimonte sind die umsaffendste« Vorbereitungen und polizeilichen Maßregeln getroffen worden. Außer der bereits vestehenden Kaserne für die berittene Kürassierleibgarde des Königs wurden innerhalb des Parkes noch zwei weitere sür die Sicherheitswache erbaut, sowie innerhalb und außerhalb der weiten UmfaffungS- mauer eine Anzahl Schilderhäuser angebradjt, in welchen Tag und Nacht Wachen aufgestellt sind. Außerdem wird der Park sowie daS an denselben grenzende Gehölz fortwährend von berittenen und Fuß-Patrouillen durchsucht und an den strategischen Punkten derselben wurden eine Art Feldwachen ausgestellt. Es scheint mithin alles aufgeboten worben zu sein, um die Sicherheit des Königs während seines neapolitanischen Aufenthalts zu gewährleisten.
Unter den auswärtigen Kirchenfürsten, welche dieser Tage in Rom wellten, befinden sich auch die Bischöfe von Osnabrück und Münster; auch ist der zum Weihbifchof von Straßburg ernannte Dr. Franz Zorn von Bulach, bisher Nunllaturrath in Madrid hier eingetroffen.
In letzter Zeit «ar viel von angeblichen Kardinals kau didatenzulesen,derenCret«W im nächsten Konsistorium stattfinden solle. Mer in Rom ist bis jetzt noch nicht da« Geringste darüber bekannt und im nächsten Konsistorium, dessen Zeitpunkt noch ganz ungewiß ist, wird wahrscheinlich kein einziger neuer Kardinal ernannt, sondern nur eine Anzahl Bischöfe präko» mfirt werden. Damit fällt auch dann selbstverständlich das zuerst vom ,Gra»er BolkSblatt' »er* breitete Gerücht, daß der Fürsterzbischof von Salzburg Dr. Katschthaler bereits die „Verständigung" vou seiner im nächsten Konsistorium stattfindeuden Kardinal» creirnvg in sich selbst zusammen.
Dievenediktiuer in SoleSmeS,wÄche daS ungastliche Frankreich tn Folge der MS- uahmegesetze gegen di« Kongregationen verlese« haben, Übergaben ihre berühmte Druckerei dem hiesigen katholischen Berlagshause „Desele, Lese- bore u. Co.", werden ader auch von der Wer» bannung auS nicht aufhören, im Sinne deS letzten an fte von Leo XIII, gerichteten Belobigung- und ErmunterungSbreoeS weiterzuarbeiten. welche Nachricht gewiß in allen Mufikkreifen mit beson- derer Freude begrüßt »erbte wird.
Der gelehrte P. Brandt, eine der größten Autoritäten aus dem Gebiete d«S KirchtnreMS, veröffentticht in der neuesten Nummer der Minßta Sattelten' einen Artikel über da» bereits erwähnte Eirkular frei italienischen Justizmtntsters betreffend die Benutzung der Kirchen und führt in der logffchen Weise »nd schärfsten Klarheit den Nachweis, daß der Minister in absoluten Widerspruch mit den in Italien geltenden krnstttutio- nellen Freihetten und den Entscheidungen der höchsten italienischen Gericht« gerachrn iß.
In Neapel soll di« Pest nunmehr voll- ständig beendet sein und den Neapolitaner» bleibt somit nichts »etter übrig, als ben Schah«» wieder gut zu machen, welcher ihrer Stadt dmch die Pestgefahr und ben völligen Ausfall des Handels- und Fremdenverkehr erwachse» ist. Der König und die Königin find mit bestem Beispiel vorangegangeu und haben im Schlosse von Eapo» dimonte für einige Zell Absteige - Quartierae- nommen. DaS wtro auch auf die Freuchen wirken und es ist zu hossen, daß der Fremdenstrom sich nunmehr wieder in vollem Maße mich dem schönen Golfe hin ergießen wird. TrotzHm find die neapolitanischen Hotelwtrthe und all die sonstigen bei der Fremdenmdustrte Juteresfirten wieder aus ben alten, abgenutzten „Tric" Verfallen und haben da« Gerücht von einer erneuten Thätigkeit bei Vesuv'« und von einem bevor- stchendeu Ausbruch derselben in die Well gefegt und leider ist diese Nachricht auch in einen TWl unserer heimathlichen Preffe übergegangen. In Wirklichkeit ist der Vesuo ebenso ruhig wie zu- vor und eS handelt fich ausschließlich um pa- periodisch austretende Manöver deS Fremdenanlockens !