Fuldaer
Druck xnb Verlar bei Allda«, Xditnhm««,* peterrgaS« klr. 2 (%ans»nie).
«-scheint täglich, ». Ausnahme der Sonn-und Feiertage. Bierteljährl.
-ejngeprei« »hneBringerlohn «nd Bestellgeld in Fulda und auS- wärtriM.büPf.
mit Zlnteröattungs -Mkage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"
rf| ,ufer»t.! Mi
MT'it'ttrt'»»
W . A W I 1 Illi zeil-SSPfg.; bei j&JfW Äßv/ Jpgv ^SyL/KL, JBL Wiederholungen
w äs"ä
Jutöa, Mittwoch, den 23. Oktober 1901.
JK 244.
28. Jahrgang.
Zweites Wlcrtt
Eine Lebensfrage.
Betrachtungen eines jungen Ehemannes zur Dtrnstbotenfrage.
Bon Kurt Kersten.
Wie oft hatte ich nicht über diejenigen Frauen gespottet und gelacht, die in ihren Unterhaltungen niemals über die Behandlung der leidigen Dienst, botenfrage hinauskommen. Jetzt bin ich etwa ein Jahr verheirathet, und als ich jüngst einen schriftstellernden Kollegen traf und dieser auch fragte: „Nun, wie gehts mit Ihrem Dienstmädchen?" — unsere Frauen hatten sich vor einiger Zeit ihr Leid gegenseitig geklagt — da waren wir alsbald im tiefsten Dienstbotengespräch. Die ältesten Hausfrauen hätten nicht tiefer in dem verzwickten Thema darinstecken können.
Ja, ich bin erst ein Jahr verheirathet, aber ich habe doch schon einen ungeheuren Schatz von Erfahrungen auf diesem Gebiete. Bevor ich meine kleine Frau in chr neues Heim führte, miethete ich für unseren neuen, einfach bürger. lichen Hausstand ein Mädchen. Natürlich insor- mirte ich mich erst bei erfahrenen Damen meiner Bekanntschaft über den mir damals noch neuen Gegenstand.
„Nehmen Sie nur ein altes, erfahrenes Mädchen, das selbständig kochen kann," sagte mir Frau A.
„O, Sie unterschätzen wohl die Fähigkeit meiner Braut!" erwiderte ich, „die hat mir bei meinem neulichen Besuch eine selbstverfertigte Torte vorgesetzt, daß mir bei dem Gedanken daran noch das Wasser im Munde zusammenläuft!"
„Nun, ich glaube. Sie werden Ihre junge Frau nicht gerade den ganzen Tag in die Küche stecken wollen," sagte Frau A. schon ein wenig spitz und gereizt.
„Da haben Sie allerdings Recht, gnädige Frau!"
„Also nur eine alte, erfahrene Dienstperson, die auch perfekt kochen kann!"
„Nehmen Sie für Ihre junge Wirthschaft nur kein zu altes und selbständiges Mädchen," sagte Frau B., der ich die wichtige Frage vorlegte. „Sie glauben gar nicht, wie wenig sich heutzutage die Dienstboten bieten und sagen taffen. Wenn Sie Ihrem jungen Frauchen ein altes Mädchen miethen, haben Sie vom ersten Tage an Aerger. Die erfahrenen Mädchen wollen Alles besser wissen, und da Ihre Fräulein Braut, wie ich höre, selbst sehr wirthschastlich erzogen ist, und sie die Oberleitung nicht so leicht aus der Hand geben —"
„Zumal — warf ich ein — wir auch keines« wegs in den Verhältnissen uns befinden, um in den Tag hinein zu leben, und, wenn auch nicht jeden Groschen, so doch jedes Markstück vor dem Äusgeben ein paar Mal umdrehen müssen!"
Also keine alte, erfahrene!--
„Nehmen Sie sich nur eine Böhmin! Die Böhminnen verstehen die Küche perfekt. Die sind auch an Arbeit gewöhnt, find bescheiden und höflich und machen nicht viel Ansprüche," rieth mir Frau C. „Nur keine hiesige Dienst- person, die Verwandte im Orte wohnen hat; da werden Sie entweder den Besuch in der Küche nicht los, oder aber sie läuft, sowie Sie selbst nur den Rücken drehen, zu Eltern und Geschwistern."
Also nur eine Fremde!
„Nehmen Sie nur ja ein Mädchen," meinte Frau D., „das in der Stadt bekannt ist, womöglich ein Kind unserer Stadt, dessen Angehörige Sie kennen, damit Sie wissen, was Sie ins Haus bekommen. Bedenken Sie auch, daß Ihre liebe Frau hier ganz fremd fein wird und dann an dem Mädchen auch keine Unterstützung haben würde, wenn eS ebenfalls nicht in der Stadt Bescheid weiß!"
Also nur ein Mädchen von hier!
„Nehmen sie sich nur ja kein Mädchen vom Lande!" so orakelte Frau E. „Die Bauernmädel sind alle täppisch, sind nicht gewöhnt mit anständigen Dingen umzugehen und zerbrechen Ihnen die ganze Wirthschaft!"
„Nehmen Sie nur eine vom Lande," so weissagte demgegenüber Frau F. „Auf dem Lande lernt man arbeiten. Die Sladtmädchen wollen alle nichts thun und sich nur putzen."
„Miethen Sie nur ein Mädchen, das schon in einem anständigen Hause gedient hat, dar gewohnt ist, sich anständig zu bewegen. Ich hatte vor Kurzem ein Mädchen engagirt, das die glänzendsten Zeugnisse aufwies, sechs Jahre bei einem Tischlermeister und drei Jahre bei einem Schuhmachermeister gedient hatte, und dann nicht einmal im Stande war, den Tisch ordentlich zu decken!"
Diesen Worten der Frau G. stellte Frau H. die solgende Erfahrung gegenüber: „Miethen Sie nur kein Mädchen, das in vornehmen Häusern und reichen Familien gedient hat. Ich hatte einmal eine Köchin, die vordem bei einem Kommer- zienrath gewesen war. Diese Person war über- Haupt nicht zu befriedigen. Die Butter und die Eier verschwanden unter ihren Händen, und am liebsten hätte sie es gesehen, daß ich mich noch hinstellte, um sie zu bedienen."
Nachdem ich so reiflich und reichlich Erfahrungen gesammelt, ich könnte hier die Reche der sich widersprechenden Meinungen noch vergrößern, — annoncirte ich und ließ verschiedene dienstbare Geister vor mir Revue passireu. Ich sand dann auch ein Mädchen, das mir besonders gut gefiel. Lina, so nannte sich die keineswegs hübsche Maid, war nicht zu alt, erklärte mir, vollständig selbständig kochen zu können, aber trotzdem gern gewillt zu sein, von der Frau noch Lehren an- zunehmen. Sie war nach dem Wunsche der Frau E. eine Böhmin und trotzdem, wie es Frau D. verlangte, schon so lange in unserer Stadt, um nicht mehr fremd zu sein. Sie machte auch nicht den Eindruck eines täppischen Mädels vom Lande und verficherte trotzdem, daß ste ans Arbeiten gewöhnt und in ihrer letzten Stellung von 5 Uhr Morgens bis 12 Uhr Nachts thätig gewesen sei. Sie hatte bei einem einfachen kleinen Beamten bisher gedient, also nicht in einem vornehmen Hause, und als ich Lina fragte, ob ste trotzdem den Tisch ordentlich decken könne, da prahlte ste ganz stolz, sie könne sogar die Servietten in vierundzwanztg verschiedenen Formen falten, eine Kunst, die ich ebenso sehr bewunderte, wie ich den Zweck derselben leider nicht zu erkennen vermochte.
Ich sah somit also, daß Lina thatsächlich, was ich niemals für möglich gehalten hätte, jämmtlichen Anforderungen genügte, welche die Damen A. bis H. trotz ihrer so aufeinander» gehenden Meinungen an ein brauchbares Dienstmädchen stellten, und miethete Lina.
Ich brauche wohl nicht hier erst des Weiteren auszuführe«, warum Lina, das Mädchen meiner Wahl, nicht auch dasjenige Mädchen war, das auch meine Frau als das Ideal eines Dienstmädchens erträumte. Ich hatte beim Miethen den Schwerpunkt auf alle die Eigenschaften gelegt, welche ich von den Damen A. bis H. als vorzügliche Eigenschaften eines Dienstmädchens gelobt gefunden halte, aber ich hatte übersehen, daß Lina trotz dieser guten Eigenschaften eigentlich sehr schlechte Dienstzeugnisse besaß. Sie erwies sich als naschhaft, lügnerisch und faul, und wir waren froh, sie nach vierwöchentlichem Leiden, bad sie meiner Frau von Morgens dir Abends zufügte, auf gute An und Weise loszuwerden.
Ihre Nachfolgerin war Anna mit den glänzendsten Zeugnissen. Sie war sechs Jahre lang bei einer alleinstehenden Dame gewesen, die vor Kurzem ihren Hausstand aufgegeben hatte. Anna mit den glänzenden Zeugnissen war so langsam, daß wir nie zur rechten Zeit unser Essen bekamen. Sie hatte sich tn den sechs Jahren ihrer Thäligkeit bei der alleinstehenden Dame, die kränklich und taub war, so von jedem Verkehr mit anderen Menschen entwöhnt, daß man von Anna mit den glänzenden Zeugnissen niemals auf eine Frage eine Antwort erhielt, und daß sie meist griesgrämig mit verbittertem Gesicht herumging, so daß meine fröhliche Frau im Verkehr mit solch einem Dienstboten beinahe melancholisch geworden wäre.
Nach zweimonatlicher Thätigkeit in unserem Hause räumte sie ihren Platz einer Nachfolgerin, Augusta der Dummen. „Ich nehme mir jetzt eine Junge und lerne ste mir an,", hatte meine Frau gesagt, als Augusta gemietet wurde.
Doch mit dem Anlernen hatte das feine Schwierigkeiten. Als ste am ersten Tage den Tisch decken sollte, predigte ihr meine Frau in der Küche vor: „Decken Sie das weiße Tischtuch auf und nehmen Sie diese T-ller. Auf der Seite nach dem Salon und nach dieser Thür, dort, wo dik Stühle stehen, kommt je ein Gedeck." AIS meine Frau zwei Minuten später ins Zimmer trat, hatte Auguste die Dumme die Teller säuberlich bei Seite gesetzt und auf dem Platze, also wörtlich genommen: „dort, wo die Stühle stehen", auf dem Teppich standen die Teller. Sie „habe gedacht," antwortete ste auf die Vorstellungen hierüber. WaS sie eigentlich gedacht, verschwieg sie dabei. Wie sich Auguste die Dumme das Speisen in einem bürgerlichen Hause in Deutschland vorgestellt haben mochte, blieb uns schleierhaft. Meine Frau hatte eine Flasche Selterwasser zur Hälfte geleert und trug der dummen Auguste auf: „Thun Sie, da gerade kein EiS im Eisschrank ist, diese Flasche mit Selterwasser in eine große Schüssel mit Wasser. Lassen Sie das Wasser aber gut ablaufen, damit eS kühl bleibt." AIS meine Frau nach einer
Für di« Monate November und Dezember kostet die reichhaltige und tüglich erscheinende,Fuldaer Zeitung' nur
iWark.
Bestellungen werden von allen Postan- ftalten, Landbriestrügern und von unserer Expedition (Harmonie) fortwährend entgegengenommen.
Weile den Rest deS Wassers trinken wollte, ergab sich, daß Auguste die Flasche in die Wasfer- schüssel geleert hatte. So gab es täglich und stündlich Mißverständnisse. Auguste erklärte zwar immer, daß ste „gedacht habe," aber merkwürdigerweise dachte sie stets daS Falsche, und erst jetzt konnte ich so ganz jenen Aerger unseres französischen Lehrers aus meiner Tertianerzeit, eines schwarzäugigen Franzosen begreifen, der immer, wenn wir Jungen eine Dummheit mit der Üblichen Entschuldigung: „Ich dachte, Herr Doktor!" erklärten, uns das Wort ärgerlich mit dem Ausruf abschnitt: „Natürlich, Sie dachten; denn Sie gehören ja auch zum Volke der Denker und Dichter!"
Auguste machte bald einer Selma Platz, die allerlei angenehme Eigenschaften hatte, und die uns eines wahrhaft schönen Tages die Freude bereitete, mit ihrem Liebhaber fortzulaufen. Mein kleines tüchtiges Frauchen hals sich eine Zeit lang ohne Mädchen hinweg unter Beihilfe einer jener grauen, die man „Aufwartung" zu nennen pflegt. Und dann erhielten wir unser jetziges Mädchen, die Hedwig, die nun zwar keineswegs eine Perle ist, kaum die einfachsten Gerichte kochen konnte, als sie zu uns kam, obwohl sie sich als eine „Perfekte" ausgegeben hatte, aber vor Allem fleißig und rotCig ist und sich danach richtet, wie wir es in unferem Haushalte zu haben wünschen.
Ich zog nun ans meinen bisherigen Dienstbotenerfahrungen die folgenden Schlüffe:
Jede Hausfrau und jede Wirthschaft bedarf eines anderen Dienstmädchens. Die beste Anna bei Tischlermeisters ist unbrauchbar bei Geheim- rathS. Die Langsame, die vortrefflich sein mag bei einer behäbigen Drenstherrin, wird zu einer Last bei einer temperamentvollen Frau. Und wie bei Ehen diejenige die größte Mesalliance sein soll zwischen zwei ungleich erzogenen Personen, so ist dasjenige Dienstmädchen das ungeeignetste, daS aus einem Hause kommt, wo völlig andere Sitten herrschen. Das Mädchen aus der Wirthschaft, wo in Saus und Braus gelebt wurde, paßt schlecht für das einfache Bürgerhaus.
Ferner aber hat jede Hausfrau erst dann ein gutes Dienstmädchen, wenn sie erst ein paar Male tüchtig hereingefallen und so mürbe und geduldig gemacht ist, daß ste ruhig die Zeit abwartet, bts sich das Mädchen in die neuen Gewohnheiten und Einrichtungen der HauSftau und Wirthschaft eingelebt hat. Auch bet dem intelligentesten Mädchen dauert das eine Weile. Was bei der einen Hausfrau zu den selbstverständlichsten Dingen gehört, gilt nicht auch bei einer anderen.
Also: „Wenn Du ein Mädchen miethest, erkundige Dich nicht nur nach den Fähigkeiten desselben und ihrem Charakter, sondern habe auch Bedacht auf die Wirthschaft, aus der daS Mädchen zu Dir kommt, und vor Allem: habe mit dem ersten Mädchen schon die Geduld, die Du beim sechsten Mädchen notgedrungen auSäbft. Karge auch nicht, wenn Dir ein gutes Mädchen vom gütigen Geschick beschteden warb, mit einem reichlicheren Lohne und schönen Geschenken, denn was Dir das fleißige und geschickte Mädchen einbringt gegenüber dem faulen und Ungeschick» ten, ist unbezahlbar. Und wenn Du ein gutes Mädchen hast, drücke ein Auge zu, wenns sein muß, auch einmal alle beide Aeuglein, denn Friede im Hause und Ruhe mit den Dienstboten ist die Grundlage jeden Lebensglückes. Die Gesundheit der Hausfrau, der Wohlstand des Hauses, die gedeihliche Entwickelung des Kindes hängen von der guten Beschaffenheit der Dienstboten ab!"
Urrmifchte«.
* Experimente mit gefrorener Lust hat der Profesior Metz von der Tulane-Univerfität beschrieben. Es gelang ihm, einen kleinen Block fester Luft herzu- stellen, der ganz die Härte eines Eisblocks zu besitzen schien; er maß etwa einen Zoll im Durchmesser und hielt sich während der Vorführung der Experimente, ohne sich merklich zu verkleinern. Professor Metz legte ihn auf einen Amboß und schlug mit einem schweren Hammer darauf. Das Stück ging keineswegs entzwei, vielmehr prallte der Hammer zurück. Er nahm eine etwa 18 Zoll lange Glasröhre von einem Zoll Durchmesser und füllte sie zu zwei Drittel mit flüssiger Lust; dann wurde die Röhre zugekorft und durch den Kork ein kleines gebogenes Glasrohr eingeführt, das mit einer Luftpumpe in Verbindung stand. Durch Auspumpung der Luft gerieth die Flüssigkeit in der Röhre in eine außerordentlich lebhafte Verdunstung, und diese wiederum bewirkte ein reißendes Fallen der Temperatur; die in dem Glasrohr hervorgerufene Kälte war so stark, daß die Lust in der äußeren Umgebung der Röhre sich zu verflüssigen begann und von dem unteren Ende herabtropfte. Sie wurde in einem besonderen Gesäß aufgefangen, und man konnte sich davon überzeugen, daß es in der That nichts anderes war als flüssige Lust. Unterdessen hatte sich die Lust
im Innern der Glasröhre vollständig verfestigt, sie war zu Eis geworden, aber nicht zu Wassereis, sondern zu „LufteiS" von einer Temperatur, die erheblich unter — 200 Grad liegt. Um die gefrorene Luft heraus zunehmen, mußte man die Röhre zerbrechen. Das kleine Stückchen fester Luft verflüchtigte sich durch die Einwirkung der umgebenden Wärme rasch und verdunstete, so daß nichts mehr davon zu sehen blieb.
* Ein neues Mittel gegen die Seekrankheit empfiehlt Herr Eugen Wolff. Er schreibt: „Unfehlbar ist das Mittel nur dann, wenn der Patient nicht gleichzeitig ein anderes oder mehrere andere Mittel versucht, Speisen zu sich nimmt oder Getränke, raucht, oder sonstwie gegen meine Vorschrift verstößt.....
Wer sich nicht seefest zu fühlen glaubt, lege sich möglichst flach auf den Rücken aufs Bett oder das Kajütesofa. Beengende Kleider, fest zugeschnallte Westen und Hosen, bei Damen vor allen Dingen das Korset, müssen beseitigt werden. Eine Schüssel kochend heißes Wasser und zwei Handtücher genügen, um die Seekrankheit zu bekämpfen. Das Wasser muß mindestens 80 Centigrad haben, das Handtuch wird in Stirnbreite zusammengefaltet, ins heiße Wasser getaucht, ausgerungen, so heiß wie nur ertragbar fest um die Stirne gewunden, mit einem Stück Holz, Schuhlöffel, Handschuhknöpser, Zahnbürste oder was zur Hand ist, so fest wie möglich um den Kopf geknebelt. Dieser im ersten Augenblick kaum zu ertragende heiße Umschlag wird nach kurzer Zeit durch einen zweiten ebenso heißen ersetzt. Die Prozedur wird fortgesetzt, bis der Patient ein Gefühl des Behagens empfindet. Der Umschlag wird nicht ausgesetzt, auch muß er stets möglichst heiß um den Kopf gelegt werden. Trinken, essen oder rauchen während der Dauer der Umschläge hebt den Nutzen der Behandlung auf. Das Gefühl des Wohlbehagens, das sich durch Gähnen und das Bedürfniß, den Körper zu strecken, äußert, bedeutet den Anfang vollständiger Ueberwindung der Seekrankheit. Dieses Wohlbehagen tritt bei Vielen nach einer halben Stunde, bei den Messien innerhalb einer Stunde, vorausgesetzt, daß obige Vorschrift streng beobachtet wird, ein. Das Benutzen von Wohlgerüchen, das Parfümiren des Körpers oder der Kabine ist zu vermeiden. Das Stadium der überstandenen Seekrankheit äußert sich in Durst, der keineswegs gestillt werden darf; der Patient bleibt ruhig liegen, bis er Hunger verspürt. Sobald letzterer sich sehr stark einstellt, trinkt man heißen, ungezuckerten, dünnen, hellblonden Thee in leichtem Aufguß, ohne Milchzusatz und ißt hinterher trockenes, geröstetes Brod (Toast) ohne Butter, Marmelade ober dergleichen. Zwei Stunden später kann man ungestraft die Schiffsmahlzeiten einnchmen. Die ganze Kur dauert nicht länger, als ich Zeit brauche, sie niederzuschreiben; sie ist gründ- lich und wer sie von Anfang an befolgt, bleibt für den Rest der Reise und wenn die See noch so hoch bewegt wird, von Seekrankheit verschont. Obiges Verfahren habe ich bei Hunderten von Menschen in langjähriger Reiseersahrung angewandt; es hat noch Allen geholfen, verdient deshalb in weitesten Kreisen bekannt zu werden."
ztterarisches.
Charitas. Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland. Unter Mitwirkung von Fachmännern herausgegeben vom Vorstand des Charitasverbandes für das kath. Deutschland. Verantwortlicher Redakteur: Geistlicher Rath Dr. Lorenz Werthmann zu Freiburg i. Br. Erscheint, 24 Seiten stark, monatlich zum Jahrespreise von 3 Mark (ausschließlich Zustellungs- gebührj.
Inhalt des zehnten Heftes: Zwei CharitaS-An- sprachen. (Von Ehrenstiftsherrn Pfarrer Metzmacher in Aachen.) — Wohlthätigkeitsanstalten und Wohlfahrtseinrichtungen in der Stadt Aachen. (Von Beigeordneten Dr. Talbot in Aachen. Schluß.) — Die Innere Mission der Protestanten in Deutschland. (Von Kaplan Bendler in Paderborn. Fortsetzung.) — Die Ausbildung ländlicher Krankenbesucherinnen. (Bon Landesrach Brandts in Düsseldorf.) — Bedeutung und Nutzen des praktischen haüswirthschaft- lichen Unterrichtes für schulpflichtige Kinder. (Von Hauptlehrerin Emma Breuer in Neuß.) — Beschlüsse des Osnabrücker Kacholikentages über Charitas. — Kleinere Mittheilungen: Rechenschaftsbericht des Charitasverbandes. — Die Rösler'sche Schrift über die Frauencharitas als Verbandsgabe. — Elisabeth, die Krankenbesucherin des Charitasverbandes. — Fragekasten, Opferkasten.