Einzelbild herunterladen
 

f ■Wehrt täglich, M- Ausnahme der •wrn» und Feier- Arge. BierteljShrl.

»e,u,»prei, «hueBrin-eriahn «öd Bestellgeld in gelbe und auS- vär»1M.S0Pf.

»ich ent Rabatt

p-IZ-U«" tu M»-. ** mit Mnlerhattungs Beilage „Muflrirte Sonntags-Zeitung" •" Frt«wl* He. 1 omM

M 240.

WM—B——MCWIlW^ffillll— IMRUII um VilWBMMBWMMBWMWMB

Juköa, Freitag, den 18. Ottober 1901.

28. JahrgMg.

Unter den Klauen des britischen Löwen.

„Der Krieg in Transvaal ist ein Unter­nehmen, das dem gesunden Sinne ebenso wider- streitet, wie der Ansicht aller urtheilsfähigen Menschen. Jnteresstrte Minister (Herr Chamber­lain! D. Red.) haben dem Volke die Uebrr- zrugung beigebracht, daß es sich um einen militärische» Spaziergang handele. Sie haben wissentlich Tausende in den Tod getrieben, indem sie Siege jür bestimmte Fristen befahlen .... Und alles Dieses für eine Clique von Börsenspekulanten!

Wer hat das gesagt? Vielleicht Präsident Krüger oder eine englandfeindliche Zeitung? O bewahre! Der Ausspruch stammt von Lord Kitchener her, jetzt britischer Oberbefehlshaber in Südafrika gegen die Buren. Er hat ihn gethan, als der scheußliche Krieg etwa ein Viertel­jahr im Gange war. Und derselbe Mann nahm nachher de« Auftrag an, denselben Krieg zu leiten, den er vorher so treffend gegeißelt hatte! Noch mehr: derselbe Man» läßt jetzt Scheußlich­keiten und Grausamkeiten nasführen, wie sie auch in demselben Kriege vor ihm unerhört waren. Wider alles Recht haben die Briten den Feld­zug begonnen — „für eine Börsenclique", wie Herr Kitchener sagt. Wider alles Recht haben die Briten die beiden Burenfreistaaten zu eng­lischen Kolonieen gestempelt, wider alles Recht und ohne kriegsmäßige Herren dieser Gebiet« ge­worden zu sein. Und aus allem diese« Un­rechte leite» sie jetzt de» Vorwand dazu her, wackere Burenfübrer, die in ihr« Hände fallen, als angebliche „Rebellen" zum Tode zu verur- theilen und auf öffentlicher Straße erschießen zu laffen. Würden diese Burenführer anders handeln, als sie es thun, müßten sie in den Augen der Engländer selbst Schurke» sein, die ihr Vaterland, ihr Volk in schnöder Weise im Stiche laffen und verrathen. Aber die Wuth hat bei ihnen den Sinn für daS verdrängt, was recht und was Gerechtigkeit ist; und war die kriegsgemäß geführte Wnffe nicht vermag, das sollen jetzt Grausamkeit und GchreckenSwillkür zu Ende führen. Die Kulturmächte der Welt aber schweigen dazu, und als elende und lächerliche Poffe stehen im Gegensätze dazu die Ab­machungen da, die die sogenannte Internationale Friedensvrrsammlung in der mederländischeu Residenzstadt beschloffen hat — werthlose Ma­kulatur in den Archive» der Diplomatie!

Die ganze Scheußlichkeit der brUischen Kriegs­führung kann, man erst richtig ermeflen au» der Betrachtung verschiedener Einzelheiten dieses Kriege«. Durch Raub und Mord ist er von Anfang an ge­kennzeichnet gewesen; die zwecklose Verwüstung von Hunderten von Burenbesitzungen kennzeichnet diesen ganzen Feldzug. Der Oranje-Staat und Transvaal bilden ein einzige« großes Feld de« Elendes, der Verödung, der geschwärzten Trümmer­haufen, wo vorher die fleißigen Hände der Buren dem widerwilligen Boden Stätten blühender Land- wirthschaft abgerungen hatten. Zu Zehntausenden und Aberzehntausenden find die Frauen und die Kinder au« diesen einst blühenden Orten des Fleißes und des Frieden« herausgetrieben und

W ArmcllhMSMMsftll.

Roman von O. Elfter.

30 ------ (Nachdruck verboten.)

Die herzoglichen Equipagen nahten. In dem ersten vierspännigen, offenen Wagen befand sich der Herzog mit Seiner Exzellenz dem Hoftheater- Jntendanten Freiherrn von Hannecke», in dem zweiten Wagen mehrere Adjutanten, unter ihnen der zum Major avavctrte Han« Heinrich von Hannecken, der Sohn de« Generals. Das Volk war einigermaßen enttäuscht, daß Seine Hoheit nur im einfachen, dunklen Gesellschaftsanzuge er­schien und nicht in der großen Uniform seiner grünen Husarew Regiment«. Aber es gab ja auch ohnehin genug zu sehen. Der Spitzenreiter in seiner bunten Livree, die herrlichen Rappen vor der herzoglichen Equipage, die blitzenden Uni­formen der Adjutanten, das blasse Antlitz de« Fürsten, da« ein freundliches Lächeln umspielte — das alles hat man in Benneckenstein noch niemals gesehen und der Jubel des Volkes wollte kein Ende nehmen.

Endlich waren die Förmlichkeiten des Em­pfanges überstanden und da« Konzert begann, das dem Programm gemäß vortrefflich verlief. Die Benneckensteiner Stadtkapelle spielte in der That die Ouvertüre zu der Oper „Dichter und Bauer" und später da« Finale aus Wagners „Lohengrin" ganz annehmbar, wenn auch die ersten Geigen etwas kratzten und der neue Paukenschläger einmal einen halben Ton zu früh einsetzte, welcher Fehler ihm einen wüthenden Blick de« Kapellmeisters ein-

wie das Vieh in Pferche getrieben worden, in denen nun der Tod eine Ernte hält, die reich­licher ausfällt, als wenn Beulenpest und Cholera eine Stadt in Indien befallen. Ein Schrei der Entrüstung geht durch alle Kulturvölker. John Bull aber reibt sich kalt lächelnd die Hände dabei und wüthet weiter — „für ei»e Börsenclique"!

Und noch immer ist die Rohheit der britischen Söldnerscharen im Wachsen: Bei Graspan, in der Nähe von Reitz, griffen Buren einen englischen Proviantzug an, bei dem sich mehrere Burenfrauen mit ihren Kindern befanden, um in einen jener Burenpferche geschleppt zu werden. Als die Buren näher heranrückten, wurden die Frauen und Kinder gezwungen, aus den Wagen hervorzukommen und sich vor die englischen Soldaten zu stellen. Dann schossen diese unter den Armen der Unglücklichen hindurch auf die Buren. Durch das Feuern der Letzteren fielen acht Frauen und zwei Kinder, bis die Buren die Schandthat gewahr wurden. Dann stürzten sie sich wie die „wilden Thiere, brüllend vor Wuth", auf die Engländer und schlugen diese mit den Kolben tobt.

Das ist ein einzelnes Bild aus dem entsetz­lichen Kriege in Südafrika — eines der Wenigen, die wir in Europa zu sehen bekommen. Denn natürlich wachen di« Engländer, die Herren des Telegraphen und der Post sind, mit großer Sorg­falt darüber, daß möglichst wenig mißliebige Be­richte nach Europa gelangen. Der Geist unserer Zeit aber verhüllt, entsetzt über die unerhörten Verbrechen, trauernd sein Antlitz.....Wann

endlich wird dem wüsten Morden und Brennen Einhalt gethan werden?

@ Spanien.

Schlimme Ereignisse lenken seit einiger Zeit die allgemeine Aufmerksamkeit stets von neuem auf Spanien. Dieses Land ist von so harte» Schickialsschläzen heimMuchl worden, wie kaum ein anderes in der Nenz-ft. Der verlorene Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika bedeutete nicht nur Kriegsunglück. Mit dem Verluste vo» Cuba, Puerto Ric ■ und den Philippinen hat Spakien auch W nichtigsten AuSfuhrgebirte für seine junge Judusi^ verloren, und daraus find nun Wirthschaft? -len ent­standen, unter denen das geplagte Sani schwer und nachhaltig leidet. Ein Ministerium wird!» rascher Reihenfolge vom anderen abgelöst. Kon­servativ, hochkonservativ und liberal nennen sich abwechselnd die verschiedenen Kabinete; aber wie sie sich auch nenne» mögen. Eines bleibt bestehen: die Unzufriedenheit im Lande und als Folge da­von alle Augenblicke aufrührerische Be­wegungen. Das war so unter dem Ministerium S i l v e l a. Das blieb so unter dem nachfolgenden Kabinet des Herrn Azcarraga. Und dos ist nicht anders geworden unter dem Rrgimente des greisen Liberalenführers Sag ast a.

Man kann es nicht bestreite», daß die Spanier nach dem unglückliche» Kriege mit den Amerikanern einen ernsthafte» Anlauf genommen haben, um ihre Lage zu verbeffern; und daß sie das auch ganz richtig «»gefangen haben. Fleißige Arbeit sollte de» editierten Schaden aus­gleichen. Die Schätz« des BodrnS sollte» wieder

brachte und dem Bürgermeister den Angstschweiß auf die Stirne trieb. —

Aber Seine Hoheit der Herzog schienen den Fehler nicht zu bemerken; ruhig, fast bewegungs­los saß er in dem Sessel, die Stirn auf die Hand gestützt, die Beine übereinander geschlagen. Sein Antlitz war von auffallender Blässe, in seinem dunklen Auge ruhte eine düstere Schwermuth und seine Lippen waren fest und ernst geschloffen. So lauschte er regungslos der Musik und ging über die Fehler der ersten Geigen und de« Pauken­schlägers milde hinweg. D«»halb durfte auch Seine Exzellenz der Hoftheater-Jntendant und General z. D. Freiherr von Hannecken diesen Fehler nicht bemerken und die Adjutanten und Kammerherren, welche den Herzog begleiteten, mußten ihr spöttisches Lächeln unterdrücken.

Der Männergesangverein und der Damenchor machte» ja auch die Fehler der ersten Geigen und de« Paukenschläger« wieder gut. Namentlich der erste Tenor, ein Bäckermeister von bemerkens- werthrm Körperumfang, schmetterte dar hohe C mit einer Bravour hervor, daß Seine Hoheit in leichtem Schreck zusammenfuhren, und die Solistin de« Damenchor«, die Tochter de« Bürgermeisters, sang mit solch' schmetternder Stimme: „Ach, wenn du wärst mein eigen", daß der Herzog sich lächelnd gegen den auf dem Gipfel des Glückes schweben­den Bürgermeister verbeugte.

Und dann die Glanznummer des Konzerts, die Liedervorträge Fräulein Else Hanneckens!

Else hatte einige einfache volksthümliche Lieder gewählt, da sie wußte, daß der Herzog diese früher gern von ihr gehört hatte. Die Bravour-Arie und den „Erlkönig" überließ sie neidlos der

besser ausgenützt, die gewerbliche Thättgkeit sollte belebt werden. Aber da ist die jüngste Zeit ge­kommen mit ihrer im allgemeinen rückläufigen Konjunktur und hat auch den Spaniern eine« Strich durch die Rechnung gemacht. Auch in Spanien mußten wohl oder Übel Einschränkungen der Arbett und Herabsetzung der Arbeitslöhne vorgenommen werde»; u»d dadurch ist da-leicht aufbrausende spanische Blut von neuem in böse Wallungen versetzt worden. Die Rezepte des liberalen Kabinets Sagasta habe» sich dagegen als ebenso wenig wirksame Heilmittel bewährt, wie vorher M* Maßnahmen der konservativen Regierungen. Ma» muß sogar sagen, daß ge­rate diese Art der Bewegungen in der aller- jüngsten Zeit nicht sanfter und milder, sondern schroffer und bösartiger geworden ist.

Der Schauplatz der neuesten Unruhen ist die Stadt Sevilla, deren Bevölkerung unter den vielen unruhigen Völkerschaften der Pyrenäen- Halbinsel mit die unruhigste ist. Die Unruhen gehe» unter der Flagge enes Arbeiteraus­standes in großem Umfange. Mit einem Schlage ist Vie Bewegung zu einer vollkommenen Revolution ausgeartet: die Stadt mußte unter de» Belagerungszustand gestellt werden. Fabriken, Schulen, Kirchen, Klöster, öffentliche Gebäude wurden von der aufgeregten Menge bestürmt. Das Karmelitrnkloster wurde voll- kommen verwüstet. Das Erlöserkloster wurde nur im allerletzten Augenblicke burdb das Ein­greifen der bewaffneten Macht vor demselben traurigen Schicksal bewahrt. Die Straßenbahn­wagen wurden durch Steinwürfe am Verkehr gehindert und aufs ärgste gefährdet; und ei» sozialistischer Arbeiterkongreß, der in Sevilla tagrl, beschloß einen allgemeinen Ausstand für ganz Spanien.

Ans dem allgemeinen Ausstande wird ja freilich nichts werden. Die Verhältniffe sind einem solchen Unternehmen gerade jetzt gar nicht günstig. Es fragt sich nur, ob nicht die aufs neue angefackn« Bewegung noch in anderen Städten ebenso schlimme Erscheinungen Hervor­rufe» werde, wie in Sevilla. Denn den Veran­staltern diese» sogenannten Arbeiterausstände kommt e« siche lich gar nicht auf die wirthschaft- lichr Lage der »■ beiter an, sondern nur darauf, Unruhe und En pöcung zu erzeugen, ganz gleich- giltig, ob die Rettung, die am Ruder ist, kon­servativ oder liberal sich nennt — und mit der Regierung die stets gleichgefärbte Parlaments­mehrheit. Denn die Wahlen in Spanien ergeben immer eine gute Regierungsmehrheit; so sicher arbeitet dort der komödienhafte Wahlapparat. Da» weiß jeder Spanier natürlich ganz genau. Deswegen bleibt die Mehrheit des Volkes der Wahlurne fern. Deswegen ist aber auch das spanische Parlament keine eigentliche VolkSver- ttetung. Die Wahlbewegungen bleiben mehr oder weniger der Ausdruck der ehrgeizigen Be­strebungen entweder der Konservativen oder der Demokraten; die große Volksmaffe steht theil- nahmSlos zu, wie diese beiden Gruppen ab­wechselnd einander von den Ministersrffeln herunterdrängen und die wieder einmal erlangte Herrschaft für ihre jeweiligen eigensüchtigen Zwecke ausbeut?».

Tochter de« Bürgermeister« und dem jungen ge= sangSkundigen Gymnasiallehrer. Die kleinen, ein­fachen Lieder wußte sie aber mit solcher Innigkeit vorzutragen, daß eine aihemlose Stille in dem bi« zum letzten Platz gefüllte» Saale eintrat und alle mit tiefer Rührung und Entzücken der glocken­reinen, zum Herzen dringenden Stimme und dem meisterhaften Vortrag der Künstlerin lauschten.

Ja, das war Must!! Dir Tochter des Him­mels, die dem kranke« Herzen Trost und Er­hebung zu bringen vermag, die u«S hinwrghebl über die Qual und die Roth des Lebens, die uns die Welt vergessen läßt mit all ihrer Sorge, ihrem Leid, ihrem Kummer, ihrem Hasten und Streben!

Wie einfach, wie groß, wie erhaben stand Else da! Ein schlichtes, weißseidenes Gewand umschloß knapp ihre schlanke, edle Gestalt; nur ein kleiner Strauß frischer, weißer Rosen zierte ihren Gürtel und ihr goldig leuchtendes, leicht­gewelltes Haar, welches in schlichter Frisur das Haupt und das blaffe Antlitz umgab. Wenn sich Else durch ihr stilles Wirken in den letzten Jahren nicht schon das Herz des Volkes ge­wonnen hätte, heute würde sie es im Sturme erobert haben.

Nur mit flüchtigem Blick streifte Else den Herzog, als fie sich beim Auftreten tief verneigte. Aber dieser eine Blick genügte, um sie erkennen zu laffen, daß der Fürst ein anderer geworden war. Em sinnender Ernst, eine trübe Schwer­muth thronte auf seiner bleichen Sttrn, lohte in seinem dunklen Auge. Die Lebenslust, der „göttliche Leichtsinn", der früher auf seinen lächelnden Lippen schwebte, in seinen flammenden

Am 17. Mai des nächsten Jahres soll der jugendliche König Alfons mündig werden — nach spanischem Brauche mit dem Alter vo» sechszehn - Jahren. Ein gefährlicher Boden ist es, aus dem sein Thron aufgerichtet werden soll; wollen doch viele und auch viele angesehene Spanier bis heute noch nicht feine Dynastie als herrschaftsberechtigt anerkenne». Sollte also die Bewegung von Sevilla gleich den vorauf­gegangenen mit Waffengewalt niedergeschlagen werden, so wird damit an der allgemeinen Lage in Spanien nicht das Mindeste geändert oder gar gebeffert sein. Das atme Land wird einen langen und schweren Prozeß der Wiedergeburt von innen heraus durchmachen müssen, mit noch vielen ähnlich traurigen Erscheinungen, wie jetzt in Sevilla und vorher in Madrid und Barcelona, bis es wieder zu geordneten und gefesteten Zu­ständen und damit zu innerer Ruhe gelangen wird.

Deutsches Keich.

Berlin, 17. Oktober.

• Die Kaisermanöver des Jahres 1902 werden nach der Mittheilung eines schlesischen Blattes das dritte, fünfte und sechste Armee­korps in Bewegung setzen. Nach demselben Blatte sollen die Manöver in der Mark Branden­burg, die Kaiserparade des dritten Armeekorps bei Frankfurt an der Oder stattfinden.

jt Botschafter Hraf Katzfetdt. Allem Anscheine nach ist der deutsche Botschafter in London, Graf Hatzfeldt, durch seinen fortdauernd ungünstigen Gesundheitszustand genöthizt, aus der amtlichen' Thättgkeit auszuscheiden. Das Reich wird in dem Grafen von Hatzfeldt einen seiner tüchtigsten Diplomaten verlieren. Wer Nachfolger auf dem Londoner Posten werden soll, ist noch unbekannt. Botschafter Gras Hatz­feldt ist ein Sohn der bekannten und vielgenannten Gräfin gleichen Namens, die die sonderbare Rolle spielte als Freundin Ferdinand Laffalle's und als Förderin sozialdemokratischer Anschau­ungen.

+ Keichslagspräüdenl Graf Kalke- streu» ist bei der jüngst abgehaltenen General­versammlung des „Evangelischen Bundes" in Breslau von dem sächsischen Superintendenten Meyer der Gegenstand eines knabenhaften Angriffs gewesen. Nur ein Protestant, sagte Herr Meyer, dürfe Präsident des Deutsche» Reichstages fein. Katholische Blätter widmen Herrn Meyer lange Abwehr­artikel — zu viel Ehre für Herrn Meyer! „Wohl fast sämmtliche ev ange- lische Reichstagsmitglieder — so schreibt die .Deutsche Tageszeitung' — find mit dem katholischen Reichstagspräsidenten durchaus einverstanden und freuen sich seiner Geschäftsführung."

* Herr Abgeordneter Aerold, derVer« tretet unseres Wahlkreises (Fulda—Gersfeld- Schlüchtern) im Reichstage, bat am Sonntag in einer Versammlung des Volksoereins für das katholische Deutschland zu Datteln i. W einen Vortrag über die Zolltariffrage gehalten.

Augen sprühte, w«r verschwunden. Ei» ernster, Mer. sinnender Man», so saß er regungslos da — die Augen in träumerischer Wehmuth auf die schlanke Gestalt der Sängerin gerichtet.

AIS Else geendet und sich aufs Neue tief verneigte, fiel ihr Blick wieder auf den Fürsten; Else fühlte ihr Herz schmerzlich zusammenzucken. Der Herzog saß da, de» Arm auf die Lehne des Sessels gestützt, die Stirn in die Hand ge­legt, sodaß diese die Augen beschattete. Gr rührte sich nicht, aber es schien Else, als sei sein Antlitz noch blasser geworden.

Im Saal schien man zu erwarten, daß der Herzog, wie »ach jedem Vortrage seinen Beifall durch leichtes Klatschen der Hände kundgeben würde. Aber der Fürst blieb bewegungslos und stumm sitzen, die schmale, weiße Hand über die Augen gelegt. DaS Publikum ward ungeduldig, einzelne kecke junge Herren am äußersten Ende des SaaleS klatschten, der Bürgermeister warf wüthende Blicke »ach den Verwegenen, die sich über die Hof-Etikette hinwegzusetzen wagten und lauter und lauter klatschten. Hier und da fielen andere in den Beifall ein und plötzlich brauste er auf und jubelte empor, wie ein wogendes, wallendes Meer, daS die fesselnden Deiche durch­brochen. Else mußte nothgedrungen noch einmal auf dem Podium erscheinen und sich tief verneigen.

Da fuhr der Herzog aus seiner sinnenden Stellung empor und winkte dem Bürgermeister, der sich zaghaft näherte, alle Hoffnung auf das Ritterkreuz 2. Klaffe aufgebend. Aber der Fürst streckte ihm mit herzlichem Gruß die Hand ent« aegen, während ein freundliches Lächeln um seinen Mund schwebte.