Christenthum zu entsagen. Also nicht einmal nur für seine eigene Person sollte nach der allgemeinen Anschauung der „Genossen" Herr Jaui«s alle Religion abschwören, entgegen dem angeblichen Grundsätze, daß Religion „Privatsache" bei der Sozialdemokratie sein soll; er sollte auch, gleichzeitig unter geistiger Vergewaltigung seiner Gattin und seiner Tochter, diese Beiden zum Abfalle vom Christenthum zwingen !
Das ist eines der besten Beispiele dafür, wie vollkommen haltlos jene heuchlerische Behauptung ist. Wie es wirklich damit bei den Herren „Genoffen" aussteht, kann man entnehmen aus den Erzählungen eines früher sozialdemokratischen Arbeiters, dem noch zu rechter Zeit die Augen aufgegangen sind über die Jrrpfade, auf denen er wandelte. Im .Voigtländischen Anzeiger' hat dieser Arbeiter seine Erlebnisse und Erfahrungen kund gethan; und man liest darin über das Kapitel Religion wie schon kurz mitgetheilt unter Anderem folgendes:
Der Glaube an ein höheres Wesen wird (in der Sozialdemokratie) systematisch zu vernichten gesucht. Es wird das ja nicht gelingen. Aber viele werden dadurch in schwere innere Kämpfe gestürzt, besonders diejenigen, welche ein tieferes Denkvermögen besitzen als die, welche über die Religion lächeln, weil sie das von anderen gesehen oder davon gehört haben ... Im sozialdemokratischen Programm steht: Religion ist Privatsache. Ja, wenn sie nur Privatsache wäre! Es heißt, sich dem geheimen Spott aussetzen, wenn man eine andere Ansicht vertreten will. Es gab auch für mich eine Zelt, wo ich Atheist zu sein glaubte und auch danach gehandelt habe . . . Mit dem Geiste des Unglaubens ist auch der Geist der Unzufriedenheit gleichen Schritt gegangen ... Ich verließ mehr als eine Stellung, um . . . mich nicht „ausbeuten" zu laffen. Die Unzufriedenheit griff immer mehr Platz, bis mir endlich die Augen aufzugehen anfingen. In der sozialdemokratischen Partei finden nicht alle Platz; wer sich nicht oordrängt, erst recht nicht. Man muk> rben ein dickhäutiger Streber vom Scheitel bis ur Sohle sein; wer das nicht ist, hat nur die -"-kenntniß gewonnen, daß er viel verloren Hai. Er hat den Glauben an das Gute und die Z ufriedenheit mit sich selbst verloren ..."
So ist es. Die Sozialdemokratie muß erst zerstören, bevor fie ernten kann. Und so maß sie auch den Gottesglauben aus den Menschen auszutreiben suchen, die sie für sich gewinnen will. Sie kann gar nicht anders handeln, wenn fie es wirklich auch wollte. Und deswegen ist jener angebliche Grundsatz, die Religion als Privatsache behandeln zu wollen, nicht nur Heuchelei, sondern auch vom sozialdemok» «tischen Standpunkte aus ein Widerspruch in sich selbst und damit ein Unsinn!
Dentsches Krich.
Berlin, 14. Oktober.
X Dom Berliner MarcheuSrrmrre«.
Nunmehr ist auch der amtliche Schriftenwechsrl
über den „Märchenbrunnen" im Berliner Friedrichshain veröffentlicht worden. In dieser Angelegenheit hat der Polizei-Präsiüent am 24. September ein Schreiben an den Magistrat von Berlin gerichtet. Es geht aus dem Wortlaute desselben auf's Neue hervor, daß die Bedenken des Kaisers nur künstlerischer, nicht grundsätzlicher Natur sind. Allerdings ist in dem Schreiben auch gesagt, daß der Kaiser wünsche, es möge ein Bildhauer mit den Entwürfen betraut werden, der sich auf dem Gebiete gemüthvoller Darstellungen bereits bewährt habe. Aber nach dem Empfange des Oberbürgermeisters Kirschner und des Siadtbaurathes Hoffmann in SchloßHubertusfiock ist doch anzunehmen, daß der Kaiser auch nicht darauf bestehe, andere Künstler zu der Ausarbeitung heranzuziehen. Jetzt hat die Kunst.Deputation des Berliner Magistrates die Akten wieder an sich genommen, um darüber zu berathen, ob es möglich sei, den Wünschen des Kaisers Rechnung zu tragen. Im Uebrigen steht der Berliner Magistrat auf dem Rrchtsstandpunkte, daß zur Aufstellung von Denkmälern in Berlin eine polizeiliche Genehmigung (oder also Genehmigung der Krone) nur dann nachzusuchen sei, wenn eine dem öffentlichen Verkehr gewidmete Fläche dafür in Anspruch genommen werde. Der Magistrat ist der Ansicht, daß diese Vorschrift nur für das früher fiskalische Straßengebiet Geltung habe, nicht aber für Flächen, die von jeher im Besitze der Stadt waren. Hierin liegt der grundsätzliche Unterschied der Ansichten: das Berliner Polizei-Präsidium nimmt den Standpunkt ein, daß in den Residenzstädten Berlin und Potsdam überhaupt kein Denkmal oder dergleichen — ohne die Genehmigung der Krone ausgestellt werde» dürfe. Unter dem Einflüsse des jüngsten Scenenwechsels wird wohl aber der Märchenbrunnen bald eine friedliche Erledigung finden.
st Keine Iteichsanleihe i« Amerika. Seit einigen Ta,;en ist an der Börse in Rew-Aork das Gerücht im Umlauf gewesen, daß das deutsche Reich oder Preaßen abermals in den Vereinigten Staaten von Amerika eine Anleihe unterbringen wolle- Natürlich ist dieses Gerücht auch in deutschen Zeitungen wiedfs gegeben worden. Im Gegensätze dazu schreibt die offiziöse Morddeutsche Allgemeine Zeitung': „Wir find in der Lage, zuverlässig mit» zutheilen, daß diese Gerüchte unbegründet find."
X Do« Zolltarif. Bis in die neueste Zeit Hinern ist immer und immer wieder von den Gegnern eines angemeffenen Zollschutzes für die Erzeugnisse der heimischen Arbeit die Be- hauptung versucht worden, als wäre eS möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich, daß im Bundrsrathe die preußischen Stimmen gegen den neuen Tarifentwurf mit seinen erhöhten Zollsätzen abgegeben werden könnten. Sogar das Organ des Centraloerbandes der deutschen Industriellen, bte .Deutsche Jndustriezeitung', hatte noch ganz kürzlich den absonderlichen Einfall, die preußischen Stimmen würden sich im Bundes- rathe gegen die aesetzlick festgeleatenMindestzölle für landwirthschaftliche Erzeugnisse erklären. Das wünscht man freüich leider beim Centralver- band«. Aber in diesem Falle sollte wirklich auch der Wunsch nicht der Vater des thörichten Ge-
dankens werden. Sehr richtig wird dem genannten Organe des Centraloerbandes von einem Jndustrieblatte an der Saar, nämlich dem .Neuen Saarbrücker Gewerbeblatt' der Text gelesen :
Daß der Gedanke (der .Deutschen Jndustriezeitung') sehr geistvoll sei, wird man nicht behaupten können. ES gehört wirklich nicht allzu viel Scharfsinn dazu, um zu der Erkenntniß zu gelangen, daß der Tarifentwurf die Zustimmung der preußischen Bundesrathsoertreter gefunden haben müsse. Eine Frage von so enormer wirthschaftlicher Tragweite ... ist noch niemals im Gegensätze zur preußischen Regierung entschieden worden . . .
Manche Leute sind dann in der Sagenbtldung noch weiter gegangen: angeblich sollte der Kaiser ein Gegner des Tarifentwurfes, der Kanzler also gar nicht in der Lage sein, die Autorität des Kaisers für seine Politik anzurufen. Nur Uh« kenntniß kann als Entschuldigung dienen für so ungeheuerliche Behauptungen. „Im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers" ist der Zolltarif dem Bundesrathe als neue Gesetzesvorlage dem Bundesrathe unterbreitet worden. Von einem Widerstreite der Meinungen zwischen dem Kaiser und dem Kanzler kann also auf keinen Fall bei den Gesetzen und ihrer bisherigen Gestaltung die Rede fein.
st Der öayerische Davernlag in Regensburg, von dem in der,Fulv. Ztg/ bereits berichtet wurde, soll am 22. Oktober stattfinden. Es handelt sich, wie bekannt, um eine Veranstaltung, an der alle landwirthschaftlichm Organisationen des Königreiches Bayern thetlnehmen werden zu Gunsten geeigneter landwirthschaftlicher Zollsätze.
ArrsLaWK.
st Drag, 14. Oft. Zum ersten Ma! haben in Böhmen die Wahlen zum Landtage nach dem neuen Wahlgesetze stattgefunden. Viele hatten angenommen, der Reiz der Neuheit werde bewirken, daß die Wähler in sehr reichlicher Zahl an der Wahl sich betheiligen würden; diese Hoffnung hat sich indeffen nicht erfüllt. Die alte Flaue, vor allen Dingen bei den Deutschen, hat auch gegenüber der neuen Ordnung der Wahlen Stand gehalten; was als ein deutliches Zeichen dafür anzusehen ist, daß die Unlust an den poli- tüchen Dingen nach wie vor sehr groß ist. Was soll beispielsweise ein deutscher Katholik thun, dem nur eine Auswahl übrig bleibt, nämlich diejenige zwischen einem sogenannten Alldeutschen, dessen größte Freude es ist, alles das herunterzureißen, was dem Katholiken heilig ist, und einem Junztscheche«, der in seinem nationalen Fanatismus alles das als feindlich betrachtet, was der Deutsche liebt und hoch hält? Die Wahlbetheiligung ist thatsächlich auf deutscher Seite womöglich noch schwächer als früher gewesen! Noch find nicht alle Wahlen zum Landtage erledigt. Besonders in den Landgemeinden müffe» von den im ganzen 79 Wahlen nicht weniger als 22 wiederholt werden, weil der erste Wahlgang noch keine Entscheidung brachte. Man sieht aber schor, jetzt klar, daß in den Landgemeinden die „Alldeutschen" die arideren deutschen Parteien fast vollkommen verdrängt haben. ES wurden 11 Alldeutsche, da-
iilbncv
ermng
ZrirlM.b0Pf.
M 237
Iutöa, Dienstag, den 15. Oktober 1901
28. Jahrgang,
leint täglich, ««nähme der v imd Feier- MM.Si«teljährl.
• „Religion ist Privatsache".
Neulich wurde in der sozialdemokratischen Preffe die Behauptung aufgestellt, daß es in der Schweiz protestantische Geistliche geb«, die überzeugte Sozialdemokraten seien und als solche öffentlich heroortreten. Ein Beweis für die Wahrheit dieser Behauptung ist nicht erbracht worden. Man darf darum annehmen, daß es mit dieser Wahrheit hapere, auch deswegen, weil sonst sicherlich auch schon anderwärts vor diesen evangelischen Geistlichen die Rede gewesen sein würde. Von den protestantischen Theologen, die bei uns in Deutschland die sozialdemokratischen Pfade einzuschlagen versuchten, wiffen wir, daß sie entweder auch den letzten Rest von ChristuS- glauben verloren, oder aber niemals »arm wurden in der Sozialdemokratie. Erst bei dem jüngsten Parteitage der Sozialdemokratie in Lübeck äußerte sich ein Redner sehr abfällig und mißtrauisch gegen die vereinzelten protestantlschen Prediger, die Anschluß bei der Sozialdemokratie suchten. Christenthum und Sozialdemokratie paffen nun einmal nicht zu einander. Sie vertragen sich so wenig zusammen wie Feuer und Wasser. Deswegen ist eS eine Heuchelei der Sozialdemokratie, behaupten zu wollen, daß sie an ibrem Programmpunkte festhalte, die Religion als Privatsache zu betrachten und Jedermann darin thun und laffen zu wollen, was ihm gut dünke. Das ist nun freilich schon sehr häufig nachgewiesen worden. Weil aber die Sozialdemokratie trotzdem in ihrer heuchlerischen Behauptung festhält, muß auch der Nachweis stets von neuem geführt werden, daß die Behauptung falsch ist.
fU Jnfnatc 3. pa»z«ller in jhilba. mit Anlerhattungs -Beilage „Illufirirte Sonntags-Zeitung!'
Zu den Häuptern der französischen Sozialdemokratie gehört der Abgeordnete JauröS. Er ist ein politischer Freund des Handels- mintsters Millerand und gehört als solcher dem sogenannten ministeriellen Flügel der französischen Sozialdemokratie an. Herr Jamös hat eine Frau, die dem Christenthum treu geblieben ist. Sie besucht regelmäßig den Gottesdienst und erfüllt auch sonst pünktlich die Pflichten einer Christin. Der Ehe ist eine Tochter entsprossen, und diese Tochter besuchte auf den Wunsch der Mutter ein von katholischen Ordensschwestern geleitetes Institut. I« diesem Jahre hat sie als Schülerin dieser Anstalt zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen, und diese Thatsache wurde ruchbar bei den „Genossen". Ein wüste Hetze wurde in den sozialdemokratischen Blättern deswegen gegen Herrn Jaurss entfesselt — man muß sich das genau vergegenwärtigen! Herr Jam öS selbst, für seine Person, ist durch und durch Sozialdemokrat und als solcher dem Christenthum entfremdet. Also um einen „Gt'nossen" handelte es sich gar nicht bei dieser Hetze. Nach der sozialdemokratischen Lehre ferner soll doch die Frau in der Ehe durchaus frei, d. h. den Einflüffen des Ehemannes gar nicht unterworfen sein. Nichts destoweniger fiel man mit beispielloser Heftigkeit über besagten Herrn Jaurös her, weil dieser nicht eiwa selbst zum Christenthum „abgefallen" war, sondern weil er nicht tyrannisch gegen Frau und Tochter vorging und auch diese nöthigte, dem
Aie LnurichMptiMsfii!.
Roman von O. Elster.
------ (Nachdruck verboten.)
(Stfe fitzte sich auf eine Bank, welche unter großen, brettblatterigen Palmen sich befand und nutzte drc Stirn auf die Hand und träumte vor sich hm.
Die Liebe, die wahre, treue, innige Liebe hatte Ne einstmals empfunden, hatte sie e.nstmals ge- glaubt in dem Herzen eine« Mannes gefunden zu ^ben. Drese Liebe bewahrte sie noch immer al» höchstes Hei lgthum in dem Herzen, wenn sie auch langst eingesehen hatte, daß diese ihre Liebe um erreichbar war mit dem Leben, mit der Wirklichkeit. Die Worte des Rektors hatten die Erinnerung in ihr wachgerufen, deren Macht ihr die ?Äen 2*1 bie Augen trieb. Doch dann lächelte ne über sich selbst und warf mit energischer Be- das Haupt empor.
Da begegneten ihre Blicke den Augen Pauls «er a" be8 kleinen Wintergartens stehend fie beobachtete. Rasch «hob sie sich. 9 ' Amt'näber^tret^d Else," sagte der junge gS "~enn Ihre Einsamkeit
& ‘ 28 H ®te mlt einige Worte gestatten ? °
Sie blickte ihn mit trübem Säckeln nr« stockte und leicht erröthete.
«Treten Sie nur näher. Paul.« entaeonete s« J |S«
wollen und es thut mit leid, daß ick ^h",n Schmerz bereiten muß."g J9nen
«Else?!"
„Sie sind mir gefolgt, um mir zu sagen, daß Sie mich lieben —"
„Ja, Else, ich liebe Sie! Ich habe Sie ja schon damals geliebt mit allen Fasern meines jugendlichen Herzens, als ich zur Universität ging; ich habe Sie geliebt, als ich Sie in der Residenz wiedersah und Sir trotzig verließ, da ich meinte, Sie seien mir auf immer verloren, da ich glaubte, unsere Wege trennten sich für immer. Unsere Wege haben uns wieder zusammengeführt, Else — ich liebe Sie noch, ich liebe Sie stärker, inniger, als je, und frage Sie in dieser letzten Nacht des alte» Jahres, in dieser Nacht, da ei» neues Jahr hoffnungsfreudig emporsteigt, ob Sie mir Liede, Vertrauen schenken können — ob Sie — mein — Weib werden wollen?"
Er hatte ihre Hand ergriffen und versuchte ihr in das Auge zu sehe». Sie ließ ihm die Hand, aber den Blick hielt sie auf die Erde gesenkt und schwieg eine Weile.
»Else," drängte er und preßte ihre Hand an sein Herz.
Da hob fie das Auge voll und groß empor und ein wehmüthiges Lächeln schwebte um ihre
x «. ***MKSi
„Werden Ste mein Freund bleiben, wen» ich Ihre Frage mit „Nein" beantworten muß?" fragte fie leise.
„Else, Sie lieben mich nicht?"
„Ich hebe Sie wie meinen Bruder, wie meinen besten Freund. Kann uns diese Liebe nicht für das ganze Leben verbinden?"
Er ließ ihre Hand fallen und bedeckte mit der eigenen Rechte die Augen.
Sie trat näher an ihn heran und legte ihre Hand auf seinen Arm.
„Ich habe Sie lieb gehabt, Paul," fuhr sie leise uns innig fort, „damals, als ich ein Kind war; ich war stolz auf Ihre Freundschaft und es schmerzte mich, als Sie vor Jahren mich trotzig verließen. Ich bewahre dieser Liebe eine treue Erinnerung, aber, Paul, Sie kennen meine» Lebensweg. Sie dürfen nicht jene Liebe von mir fordern, welche Mann und Weid für alle Ewigkeit verbindet — diese Liebe vermag ich nicht mehr zu verschenken."
„Else," entgegnete der junge Arzt fast erschreckt, „find Sie noch immer nicht von dem unseligen Wahn gehellt, der Ihrem Lebe» so verhängnißooll geworden ist? Der Sie in der Blüthezeit des Lebens zu einem stillen, einsamen Weibe gemacht hat? Der so viel Schmerzen, so viel Enttäuschungen auf Sie gehäuft? Der Sie unglücklich gemacht hat?"
„Hören Sie auf, Paul," unterbrach Else ihn lächelnd. „Wohl mag meine Liebe ein Wahn gewesen sein, aber dieser Wahn hat das, was Sie alles aufführten, in Wirklichkeit nicht verschuldet. Mich hat jener Wahn, wie Sie es nennen, nicht unglücklich gemacht, mich hat er beglückt, mich hat er gebessert, mich hat er geläutert."
„Aber Sie werden diese Liebe vergeffen — Sie werden fie vergeffen müssen! Sie dürfen nicht einsam, still durch das Leben gehen — Sie vor allen andere» nicht, denn Sie verdienen, daß der volle Sonnenschein des Glückes Sie umwogt."
^„Der volle Sonnenschein.des Glückes? —
Ach, ich bin zufrieden, daß mich ein einziger Strahl dieses Glückes getroffen hat! Er hat mich durchleuchtet, durchwärmt, geläutert für alle Zeiten. Ich vermag mir kein anderes Glück mehr zu denken."
„Sie find stolz, Else!"
Sie richtete sich empor, sodaß er zu ihr aufsehen mußte.
„Ja, das ist das rechte Wort," entgegnete sie tief aufathmend. „Ich bin stolz auf meine Liebe, stolz auf die Liebe des Mannes, der so weit, so unerreichbar über mir steht. Ich würde Ihnen keine liebende Gattin sein können, Paul, wie Sie es wünschen, wie Sie es verdienen. Glauben Sie mir, wer erlebte, was ich erlebte, wer gefühlt, was ich gefühlt, der paßt nicht mehr in das enge Leben — der muß entweder auf der Höhe des Lebens stehen, ober einsam und allein durch das Leben gehen, will er sich selbst nicht untreu werden, will er diejenigen, die ihn liebe», nicht betrüge... Laffen Sie unS Freunde bleiben, Paul, wie bisher. Ihnen blüht ein anderes, ein schöneres Glück, wie an meiner Seite, über deren Leben die Erinnerung ihre Schatten wirft, deren Herz in dem einzige» heißen Sonnenstrahl des Glückes, das es getroffen, verglühte, und erlosch. — Sehen Sie dorthin," setzte ste mit eigenem Lächeln hinzu, „dort kommt Ihr Glück!"
In der Thür stand die in duftigem Weiß gekleidete Gestalt Klaras, die schelmisch lächelnd herübersah.
Paul athmete auf. Wohl schmerzten die Worte Elses noch, aber es war ihm bei dem Anblick der jugendfrischen Gestalt Klaras, als