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mit Nnterhalüings -Anlage „Issustrirte Sonntags-Zeitung"

M 233.

Jutöa, Donnerstag, den 10. Oktober 1901.

28. Jahrgang.

< Der Bauschwindel und seine Bekämpfung.

Der Schwindel, der in größeren Städten mit Neubauten getrieben wird, gehört seit einer langen Reihe von Jahren zu den mancherlei Miß­ständen, die wohl Jedermann ganz genau kennt, die man aber trotzdem noch immer nicht systema­tisch bekämpft hat.

Wie es meist gemacht wird, muß man zunächst wissen.

Ein Mann besitzt eine Baustelle in der Stadt und will sie bebauen. Das besorgt er indefien nicht selbst. Er schiebt vielmehr einen Stroh­mann, einen Bauunternehmer vor, dem er zur Ausführung des Manövers sein Grundstück »er­lauft. Zahlungsfähig braucht dieser zweite Mann nicht zu sein. Man will ihn Ihn Gegentheil gar nicht zahlungsfähig haben. Es soll eben nur ein Strohmann sein, ein Mittel, um andere Leute zu täuschen und „hinein zu legen". Der Bauunter­nehmer „kauft" also das Grundstück, und zwar zu einem Preise, der weit über den wahren Werth desselben hinaurgeht. Der Kaufpreis wird hypo­thekarisch eingetragen. Daneben wird ein Vertrag über die Zahlung der Baugelder abgeschloffen, wodurch der Baugeldgeber sich verpflichtet, mit dem Fortschreiten des Baues in bestimmten Ab­sätzen bestimmte Summen zu zahlen. Schon vor dem Beginne des Baues werden auch diese Bau­gelder hypothekarisch eingetragen.

Etwas von den Baugeldern müffen natürlich die Bauhandwerker und Lieferanten bekommen; sonst lassen sie sich auf nichts ein. Aber nachher sucht man bei solchen schwindelhaften Bauunter­nehmungen sie um das Uebrige zu betrügen. Es nützt ihnen gar nicht«, die Sache bi« zur Zwangs­versteigerung zu treiben. Der Herr „Unter­nehmer" besitzt gar nichts. Das Grundstück ist aber vollaus oder vielleicht über seinen Werth mit Hypotheken schon im voraus belastet; und das Ende vom Liede ist, daß der Bauhandwerker oder Lieferant nicht nur um fein redlich erworbene»

Geld kommt, sondern auch noch eine Menge Kosten für das zwecklose Verfahren zu bezahlen hat.

ES kann aber auch vorkommen, daß die Bau- Handwerker Verluste erleide« an einem soliden Unternehme«, weil der Unternehmer zwar ein reeller Mann ist, aber nicht über genügende Mittel verfügt. Die Handwerker mußten ihm Kredit gewähren, um nur überhaupt den Bau zu Stande zu bringen. Dann aber gelang es dem Unternehmer nicht, den Bau bald genug zu ver­kaufen oder die Wohnungen darin zu vermiethen; und wenn eS dann zum Klappen kommt, fallen wiederum die Bauhandwerker mit ihren Forde­rungen aus, weil das Grundstück schon im voraus mit Hypotheken überladen wurde.

Der Reichstag hat am 22. Januar 1896 fast einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die Verbündeten Regierungen ersucht wurden, einen „Gesetzentwurf oorzulegen, durch welchen die Bauhandwerker und Bauarbeiter für ihre auS Arbeiten und Lieferungen an Neu- und Um­bauten erwachsenden Forderungen gesichert wer- den". Kurz darauf gelangte im preußischen Ab- geordnetenhause eine ähnliche Entschließung zur Annahme, und im Dezember des Jahres darauf wurden von der Regierung Entwürfe für ein entsprechendes Reichsgesetz veröffentlicht. Gehr

Bit LrmuhMSMMll.

Roman von O. Elster.

23 ------ (Nachdruck verboten.)

13.

„Die ArmenhauSprinzeffin ist wieder da!" Dies- überraschende Kunde lief mit Windeseile durch die Stadt, wurde von der Familie Pann- kuchea von Haus zu Haus getragen und vom Waldarbeiter Brendickr an allen Wirthshaus- tifdben und in allen Schnapskneipen erzählt. Man wunderte sich, man schüttelte die Köpfe, man spottete und lachte, man tuschelte und flüsterte, man erzählte sich die seltsamsten Ge. schichten von der alten wunderlichen Herzogin, von dem jungen Herzoge und Elfe Hannecken und freute sich unbändig, daß mau in dem öden Einerlei der kleinen Stadt einmal wieder einen interessanten Gesprächsstoff erhalten hatte, der allen Kaffeeschwestern und Bierhausbesuchern über die langweiliae« Stunden des Winters hinweghalf. Der Dichter und Romanschrift­steller hätte von diesen guten Leuten lernen können. Welche Phantasie ward entwickelt! Welch kühne Kombinationen ausgestellt! Welch geistreiche Prophezeihungen für die Zukunft!

Die einen sahen in der Rückkehr Elses ein Unglück sür die Stadt, die anderen ein Glück. Die einen behaupteten, Else sei am Hofe und namentlich bei dem Herzoge in Ungnade gefallen: die anderen wollten wissen, daß der Herzog sich nur sür einige Zeit von Else getrennt habe

richtig war damals in der Begründung gesagt: Als feststehend kann angesehen werden, daß in Berlin und in anderen größeren sowie in einigen mittleren Städten sich ein förmliches System der Ausbeutung der Bauhandwerker und Bauarbeiter herausgeblldet hat. Der Grundgedanke jenes Gesetzentwurfes war die Gewährung einer bevor­zugten Hypothek für die betreffenden Forderungen der Handwerker und Arbeiter, soweit diese Forde­rungen auS Verträgen heroorgehen, die zwischen jenen und dem Etgenthümer der Baustelle ab­geschloffen wurden.

Jener Entwurf von 1897 hat sehr viele An­fechtungen erfahren und ist wieder begraben worden. Namentlich die Handelskammern äußerten aller­hand Bedenken dagegen. Jetzt sind nun, wie bereits berichtet, zwei neue Entwürfe ausgear­beitet und der öffentlichen Kritik unterstellt worden. Der eine derselbe« beruht auf dem Trundfatze, daß eS sich um einen ausnahms- roeifen Schutz für eine bestimmte Gruppe handele, die durch ganz besondere Verhältnisse in ihrer Existenz bedroht werde« — nämlich um einen Schutz für die Bauhandwerker, von denen allein in diesem einen Entwürfe die Rede ist. Der andere Entwurf schließt auch die Lieferanten in die Gruppe ein, der man einen besonderen Schutz angedeihen laffen müsse; und damit hat man die alten Widersprüche nicht zur Lösung gebracht, die eben daraus entstanden, daß die Einen nur die Bauhandwerker unö Bauarbeiter, die An­deren gleichzeitig auch die Lieferanten geschützt sehen wollten und noch wolle«. Beide Entwürfe enthalte« im Vergleiche zu dem früheren Gesetz­entwürfe ganz entschiedene Verbefferungen. Da aber dieser Hauptwiderspruch «ach wie vor un­gelöst geblieben ist, muß man sich wohl leider darauf gefaßt machen, daß wiederum geraume Zett vergehen werde, bis die weftere Ent­wickelung der Angelegenheit wiederum um einen neuen Schritt vorwärts gebracht werde« wird. Die Sicherung soll nach den neuen Vorschläge« durch Eintragung einer Hypothek erfolgen und durch Hinterlegung von Geld und Werthpr piere«, wenn die Belastungen, die der Bei.Hypothek vorausgehen, den Werth der Bau belle voll­kommen auSgleiche« oder gar übersteig«. Durch landesherrliche Verordnung soll bestimmt werden können, daß sür einzelne Gemeu. en eine Sicherung der Bauforderungen nach den Bestim­mungen des gedachten Gesetzes stattfinde.

Zunächst habe« nun die Jntereffenkreise das Wort, die an der Sache unmittelbar beteiligt sind.

Deutsches Deich.

Berlin, 9. Oktober.

X Der Kaiser «*b die Stadt Merlin. Was aus der Unterredung des Kaisers mit dem Oberbürgermeister Kirschner und dem Stadt­baurath Hofsmann in Schloß HubertuSstock bekannt wird, ist durchaus danach argethan, alle die Behauptungen zu widerlegen, als empfinde der Monarch ein gewisses grausames Vergnügen daran, die Stadt Berlin zu ärgern. Von der Hauptsache, der Durchquerung der Prachtstraße Unter den Linden mit einer großen und ver­kehrsreichen Straßenbahnlinie, ist voraussichtlich in Hubertusstock am meisten die Rede gewefen.

und was dergleichen Meinungen und Ansichten mehr waren. Tagelang war die schmale Gaffe, welche am Armenhause entlang führte, von Spaziergängern belebter, als die Hauptstraße da unten in der Stadt.

Alle beobachteten mit neugierigen Blicken daS still und einsam daliegende Armenhaus, blieben wohl gar unter irgend einem Vorwande eine Zrit lang stehen, unterhielten sich mit Herrn Brendicke und der Familie Pannkuchen in leut­seligster Weise, wenn sich diese Leute auch früher nicht von der Seite an angesehen hatten, schenkten ihnen ein oder zwei Nickel und lauschte« mit gutmüthig erscheinendem Lächeln auf die wunder- baren Erzählungen des Herrn Pannkuchen und deS Herrn Brendicke. Es war ein lustiges Leben für diese beiden würdigen Männer. Noch niemals hatten fie einen solchen Reichthum an Nickelmünzen beseffen; sie wußten wivkiich mit dem Reichthum nichts andere? anzusanaen, als ihn in dem nahen Gasthaus in Flüssigkeiten aller Art umzusetzen. Der Wirth machte das beste Geschäft und konnte Else in der That dankbar fein. —

Else selbst kümmerte sich nicht weiter um die Leute in der Stadt, um Herrn Pannkuchen und Herrn Brendicke. Einige Tage blieb fie still für sich in ihrem kleinen Zimmer und der sauberen Wohnung ihres Vaters. HanS Heinrich und Frau Dorette qtätten sie nicht mitFragen. Sir warteten geduldig die Zeit ab, wo Else ihnen ihre Vergangenheit und ZukunstSp'äne er­öffnen würde. Daß Eise sich mit einem Plane

Der Kaiser hat dabei, wie es scheint, seinen Plan sehr erfolgreich begründet, die Straßen­bahn unterirdisch durchzuführen. Der Menschen­verkehr auf der genannten Prachtstraße ist mit« unter an sich lebensgefährlich. Nun denke man sich, daß alle zwei Minuten ein Straßenbahn- zug durch diese dicht gedrängten Menschen- masftWMdurchfahren soll! Man versteht es bann TOutommen, daß der Kaiser Bedenken trägt, die Genehmigung zu der Durchquerung der Straße Unter den Linden in ihrem Niveau zu ertheilen. Es find wirklich schon schwierigere Probleme gelöst worden; so wird auch dieses unterirdische Projekt seine gute Lösung finden. In der Presse war der verkehrte Gedanke auf­getaucht, der Kaiser wünsche wohl die Aus­schmückung des Friedrichshaines nicht, weil in ihm auch der bekannte Friedhof der März­gefallenen von 1848 sich befindet. Der Verlauf des Empfanges in Hubertusstcck hat auch diesem verkehrten Gerede ein Ende gemacht: Der Kaiser hat dem Berliner Stadtbaurath Hoff­mann vielmehr gesagt, daß ihm der Gedanke ausgezeichnet gefallen habe, den Friedrichshain mit einem Märchenbrunnen aurzuschmücken. Nur die anfänglich geplante Art der Aus­führung hat ihm nicht gefallen. Wiederholt wird betont, daß der Kaiser die Berliner Herren mit größter Liebenswürdigkeit empfangen habe. Dies geht schon daraus hervor, daß er eine Zeit nach der Mittagstafel ausdrücklich noch einmal zu dem Zwecke erschien, um die Herren in der selben liebenswürdigen Weise zu verabschieden, mit der er fie empfangen hatte.

+ AntidneNvewegnsz. Die für Sams- tag, den 19. d. M. ausgeschriebene Besprechung in Leipzig wird im Hotel Fürstenhof, Vor­mittags 10 Uhr, beginnen. Zweck dieser Be­sprechung ist, in vorzüglichster Weise Mittel und Wege zu finden, um durch ersolgreichen gesetz- licken Schutz der Ehre den Anlaß zu Duellen zu beseitigen. Seit der letzten Veröffentlichung von Namen der Unterzeichner der bekannten „Er­klärung" gegen Duelle (ogl. Nr. 225 der,Fuld. Ztg/), haben sich derselben weiter angeschloffen 13 Adelige, 3, Juristen, 20 Aerzte und 87 Professoren, Ey nnosiallehrer und Oberlehrer auS allen Gauen Deutschlands.

+ Zmeächtt Keine Anleihen! Ein Ber- liner Organ, das häufig vom preußischen Finanz­ministerium zu halbamtlichen Kundgebungen be­nutzt wird, gibt die Versicherung ab, daß in nächster Zeit weder Reichsanleihe« noch preußische Anleihen zu erwarten seien. Es laufen bei der Finanzverwaltung des Reiches noch Kredite von wenig mehr als hundert Millionen Mark, so daß „kein dringendes Bedürfniß besteht, schon in nächster Zeit auf jeden Fall eine Anleihe zu be­geben". Das klingt freilich recht gekünstelt, als ob der Osfiziosus nicht recht gemußt hätte, ob er ja ober nein sagen solle. Zuversichtlicher lautet aber der Schlußsatz: „Die ReichSfinanzverwal- tung ist durchaus in der Lage, den Zeitpunkt für die Flüssigmachung der lausenden Kredite de« Verhältnisses des Geldmarktes und de« heimischen Erwerbslebens anzupaffe«. Zu der Befürchtung, daß das Reich und Preußen in nah-r Zeit den Geldmarkt in bedenklicher Weise in Anspruch nehmen könnten, liegt nicht der mindeste Anlaß vor "

trug, merkte man ihr wohl an. Sie schrieb häufig Briese, empfing auch einige mit großen amtlichen Siegeln versehene Schreiben und nach einigen Tagen rüstete sie sich zum erneuten Aus­fluge in die Welt.

„Willst Du wieder fortgehen, Elfe?" fragte der alte Hans Heinrich traurig. „TS steht öaS ganz in Deinem Belieben, aber ich bleibe hier, ich gewöhne mich nicht mehr au einen fremden Ort. Alte Bäume soll man nicht mehr ver­pflanzen."

Else lächelte. „Du sollst auch hier bleiben, Vater. Aber ich will Dir eine bessere und würdigere Heimath bereiten, als dieses ärmliche Haus."

„Mir genügt es."

„Es soll aber auch zugleich meine Heimath. meine Stätte des Friedens werden. Ich will in die Wflt hinaus, Vater, ich will sür Dich und für mich kämpfen und streben, um unS ein freies, würdiges Leben zu schaffen. Ich habe meine Lehrzeit gut angewandt, ich habe die Welt kennen gelernt, ich kenne jetzt den Weg, der mich zum Ziele führt."

„Weiß der Mensch daS Ziel seine? Lebens?"

„Ich weiß eS, Vater!"

„Gut, dann zieh hinaus — ich vertraue Dir."

„Aber ich kann nicht allein in die Welt gehen — unsere gu'.e Dorette muß mich be­gleiten."

Frau Dorette erschrak gewaltig, a!S sie hörte, sie solle mit nach Berlin, nach Hamburg, viel-

+ Die Ausrüstung bet Iekdarlilkerie spielt eine hervorragende Rolle bei einer inter­essante« Haussuchung inEssen. Die Haussuchung wurde bet Herr« Düwell vorgenommen, dem Letter des sozialdemokratischen Blattes.Weckruf, daS im November v. I. zwei Artikel über die Neuausrüstung der Feldartillerie mit Krupp'schen Rohrrücklauf-Geschützen von ganz eigenartiger Ein­richtung gebracht hatte. Es handelt sich um die Ermittelung des Verfassers dieser Artikel. Die Haussuchung ist erfolglos geblieben; dem Redakteur Düwell ist mit Zwangshaft gedroht worden, wenn er den Verfasser nicht nennen wollte. Gleichzeitig ist eine Untersuchung gegen einen Beamten der Krupp'schen Fabrik wegen Verrathes von Fabrik« geheimniffen eingeleitet worden. Man begreift nicht recht, warum so lange Zett nichts geschehe« und nun erst, 11 Monate nach der Veröffentlichung jener Artikel, die Untersuchung eingeleitet worden ist.

x Hverkehrer rrrrd Aichter. Nach der Meldung eines freisinnigen ofipreußische« Blattes sollte der konservative Abg. von Staudy in einem Rechenschastsberichte für seine Wähler gesagt haben, daß ihm die völlige Gleichstellung ber preußischen Oberlehrer mit den Richtern im Ge­halte gesichert erscheine. Die ,Berl. Pol. Nachr/ winken in einer augenscheinlich amtlich beein­flußten Mittheilung ab. Danach trifft die Mel­dung in dieser Form nicht zu. Die allgemeine Gehallsaufbefferung der Beamten und der Lehrer an de« höheren Lehranstalten habe vielmehr ihren Abschluß erreicht; Ausgleichungen vorhandener Verschiedenhetten könnten daher nur in de« Rahmen jener Gesammimaßregel oorgenomme« werden. Die Oberlehrer seien insofern ungünstig daran, als von ihnen das Höchstgehalt erst nach 24 Jahren, von anderen vergleichbaren Beamten­klassen schon nach 21 Jahren erreicht werde. Innerhalb des preußischen Staatsministeriums seien Verhandlungen eingeleitet, um die Aus­gleichung dieser Unbilligkeit gegenüber den Ober­lehrern zu bewirken.

h WoHnnng» InfpeStorak. Nach einer vorliegenden Zeitungsmeldung wird i« dem nächsten preußischen Etat die Forderung für ein WohnungS- Inspektorat enthalten fein, und zwar zunächst für den Regierungsbezirk Düsseldorf. Später sollen gleiche Einrichtungen in den Regierungsbezirken Oppeln, ArnSberg und in anderen stark bevölkerten Industrie- Centre« getroffen werden.

* In den denifche« ZKÜuzkätte« sind im Monate September für 11,801,700 Mk. Doppel­kronen und zwar fämmtlich auf Privatrechnung, für 1,544,760 Mk. silberne Fünfmarkstücke, für 858,946 Mk. Einmarkstücke, für 84,975.50 Mk. Zehnpfennigstücke und für 57,676 Mk. Fünf- Pfennigstücke geprägt worden.

* Meanffichtig««- de» Ieicheuunter- richt« Der Kultusminister Studt hat kürzlich durch die Provinzial-Schulkollegien den Direk­toren der höheren Lehranstalten und der Schullehrerseminare bekannt ge« gegeben, daß er den Prosefforen Frank und Mohn in Berlin dir Befugnisse zur Revision des Zeichenunterrichts auch füc die öffentlichen höheren Mädchenschulen und Lehrerinnenseminare übertragen, ferner de« Maler Aanz in Berlin beauftragt habe, im laufenden Schuljahre in einer Anzahl

leicht nach England und Amerika Über das weite Meer. Aber was that sie nicht alles für ihr Herzenskind, für ihre Else! Ihr resolutes Wesen half ihr auch über die Schrecken der weiten Reise hinweg.

Den alten Kriegs- und Lebensinvaliden hatte fie u.ter ihren Schutz genommen und gegen Pannkuchen, Brendicke und die ganze Stadt Der« theidigt, jetzt wollte fie auch das Kind ihres Jugendfreundes auf seinen Wettfahrten beschützen und beschirmen und wehe dem, der ihrem Sold­kinde zu nahe treten würde! Ihre einzige Sorge war der alte Hans Heinrich. Doch dieser lachte Über die Besorgniß Frau Dorettens.

„Ziehe nur mit in die Wett, Dorette, habe meiner Lebtage schon oftmals unter anderen und schwierigeren Verhältnissen meine eigene Haus« hätterin fein müssen; aber komm mir nur nicht als vornehme Dame wieder."

Frau Dorette verwies ihm feine thörichte« Scherze. Dann aber begab fie sich an daS Ein« packen der Koffer und Kisten, bereit Else eine ziemliche Anzahl au« der Residenz mttgebracht hatte. Solche prächtige Kleider, solche seine Wäsche hatte Frau Dorette ihr Lebtag noch nicht ges-hen, obgleich fie doch in den feinsten Häusern der Stadt, bei Bürgermeisters und bei Amts­richters gewaschen hatte.

Einen Tag vor der Abreise machte Else bei dem Rektor Ahrens einen Besuch. Der Rektor und seine Frau empfingen Else in leichter Ver« legenheit, fie wußten nicht, wa? fie von dem Mädchen hatten sollten. AIS sie aber die stolze