FuUmerMZeitung
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28. Jahrgang.
Iut-a, Mittwoch, dm 9. Ottober 1901.
M 232.
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G In Mittelasien.
Der Tod deS Emirs Abdur Rahman von Afghanistan lenkt im Zusammenhänge mit den Vorgängen bei El Rueit von neuem die Auf« merksamkeit der gebildeten Welt nach Mittel- afien hin. Denn es könnte sehr leicht in Folge dieser Ereignisse die alte Nebenbuhlerschaft zwischen Rußland und England von neuem dort ausflammen zu offenen Streitfragen.
Emir Abdur Rahman hat es mit großer Klugheit und Vorsicht verstanden, den Ruffen ein Freund zu sein, ohne die Engländer gar zu sehr zu ärgern. Ob das seinem ältesten Sohne Habib Ullah Chan ebenso gelingen werde, ist sehr die Frage. Abdur Rahman ist ftüher gestorben, als zu erwarten war; denn er hat ein Alter von nur 56 Jahren erreicht. Deswegen hat sich bisher niemand um seinen Nachfolger und um deffen Neigungen, Anlagen und Fähig« leiten gekümmert; man kennt ihn ganz und gar nicht. Daß sowohl Rußland als auch England sich alle mögliche Mühe geben werde», drn neuen Herrscher von Afghanistan zu sich herüberzu« ziehen, versteht sich von selbst. Namentlich England glaubt ein besonderes Anrecht darauf zu Haden; denn den soeben verstorbenen Emir betrachteten sie vollkommen als ihr Geschöpf. Sie waren es, die ihm zur Herrschaft verhalfen, und längere Zeit hielt Abdur Rahman treue Freundschaft mit den Briten. Aber der Einfluß des Zareur-icheS erstarkte immer mehr in Mittelasien; und als nun Abdur Rahman fest im Sattel saß, richtete er sich so ein, daß auch die Russen ganz gute Freunde mit ihm wurden. Noch kurz vor seinem Tode hat der kluge Emir in der Form einer Lebensbeschreibung so etwas wie ein politisches Testament sür seinen Sohn und Nachfolger hinterlaffen, in dem als A und als O stets die eindringliche Lehre wiederkehrt, weder von den Ruffen, noch von drn Engländern sich bethören und mS Garn locken zu laffen.
Der arabische Hafen von Sl Rueit oder El Rorodt liegt in der nordwestliche« Ecke des persischen Meerbusens. Zwischen dem Scheck Mubarek von Rueit und dem Emir Abdul Aziz von Neschd waren vor einigen Monaten Streitigkeiten aus- gebrochen, in deren Verlauf Mubarek eine schwere Niederlage erlitt. Da glaubte man in Ronstan- tinopel die erwünschte Gelegenheit zu haben, die angebliche Oberhoheit über Rueit gellend zu machen; und der Sultan stellte den vchdk unter den Gouver« neur von Bassora. Dieser kam mit Truppen und wollte Rueit in Besitz nehmen, aber da kamen die Engländer und hinderten ihn daran, sein Vorhaben auszuführen. Großbritannien wollte Rueit schon vor 80 Jahren einmal einheimsen, waS ihm freilich nicht gelang; man sagte sich dabei, daß das Vorhaben eben unausführbar sei. Aber daS ging den Briten über den Spaß, daß nun der Sultan etwas nehmen sollte, was zu nehmen ihnen bisher nicht gelungen war, obwohl das zu ihren lebhaften Wünschen gehörte. Man weiß ja, daß daS englische Kriegsschiff Perseus dem Gouverneur von Baffora die Einfahrt in den Hafen von Rueit verwehrte.
Es sieht nicht so aus, als sollte damit das Drama von Kueit ausgespielt sein. Der Sultan hat das naturgemäße Bestreben, seine in Europa
W LriukchauspriuMn.
Roman von O. Elster. ------ (Nachdruck verboten.)
schwindende Macht durch Erweiterung derselben in Asien auszugleichen; und wenn er auf Rueit los- geht, ohne daß andere europäische Mächte sich einmischen, so dürfte es den Engländern schwerlich gelingen, ihre Absichten auf den Hafen am Persischen Meerbusen zu verwirklichen, oder auch nur zu verhindern, daß die Türkei Besitz davon er- grdfe. England leidet infolge des südafrikanischen Kriege» nicht nur bittere Noth an Truppen, sondern ausnahmsweise auch Noth an Geld; woher sollte es also die nothwendigen Hilfsmittel zu einem ernstlichen Widerstande nehmen? Deutschland kümmert sich jedenfalls gar nicht um die Sache; die entgegengesetzten Behauptungen englischer Blätter waren selbstverständlich von Anfang bis zu Ende Unwahrheit und Verleumdung. Man weiß ja, daß den englischen Blättern nichts in der Welt mehr Freude macht, al» uns Deutsche ein wenig zu verleumden. Aber die Frage ist nur, was Rußland zu dem Allem sagt. Daß das Zarenreich so sehnsüchtig wie England danach strebt, am Persischen Meerbusen sich festzusetzen, weiß man ja: und deswegen würde man e» in Petersburg sehr übel empfinden, wenn die Engländer Herren von Rueit werden sollten.
Da» ist die Lage der Dinge. Wie diese sich nun weiter entwickeln wird, ist vollkommen unklar. E» handelt sich nicht nur um die Eifersüchteleien der Mächte; in Rueit selbst ist dem Schetk Mubarek ein Nebenbuhler in Abdul Ani entstanden, der jenen verdrängen und Scheik werden möchte. Und so kann man nicht« Andere» thun, al» sich auf» Beobachten zu verlegen; denn all« Prophezeiungen und Vorhersagen sind vollkommen ausgeschlossen.
Fra« Dorette hatte daS Abendeffen wieder abgetragen, Hans Hdnrich saß wieder in seiner Eck- am warmen Ofen und rauchte seine Pfeife, im Ofen knisterte das Feuer, in fdnem Bauer steckre der Stieglitz den Kopf unter die Flügel und hockte regungslos auf der obersten Stange seines Käfigs; draußen sauste der Wind stärker, roars heftige Schneeschauer an die Fenster und thürmre rings um da» Armenhaus hohe Schnee- roälle empor, als wollte er das arme, elende, wackelige Haus durch Schanze und Wall gegen fich selbst schützen und schirmen, oder auch alt wollte er daS alte Gerümpel unter der Schnre- maffe begrabe«. Frau Dorette setzte fich mit einem Strickstrumpf still an den Tisch, über dem die einfache, Keine Hängelampe schwebte, um- geben von den Dampfwolkrn aus der Pfeife HauS HdnrichS — als die Thür des Armen- tzauseS hastig geöffnet wurde, die zersprungene Thürglocke einen schrillen Mißton von fich gab und gleich darauf die Hausthür von der Gewalt des Windes mit einem lauten Krach wieder zugeschlage» wurde Frau Dorette fuhr empor und Hans Heinrich brummte einen leisen Fluch in den grauen Bart.
„Da kommt gewiß der Biendicke aus der Schänke wieder dein:," meinte Frau Dorette seufzend. „Der Mensch wird ja fast nicht mehr nüchtern. Er ist ein Lddwesen, mit solchen
zum Bürgermeister von Berlin dem Minister des Innern zu unterbreften, damit dieser die Entscheidung deS Kaisers darüber einhole. Daß eine nachträgliche Bestätigung Kauffmann'S auSge- schloffen war, verstand fich unter den obwaltenden Umständen von selbst; eS braucht darüber nicht ein einziges weiteres Wort verloren zu werden. Jetzt ist nur noch darauf hinzuweisen, daß der Oberprästdent der Provinz Brandenburg mit seinem ablehnenden vtscheide an den Berliner Magistrat vollkommen auf dem Bode« des Gesetzes steht. Zur Begründung dieses Bescheides hat er selbst auf § 33 der preußischen Städte- Ordnung verwiesen. Dieser berechtigt Kipp und klar den Oberpräsidenten der fraglichen Provinz dazu, »ach eigenem Ermeffen die offene Stelle „einstweilen auf Kosten der Stadt kommiffarisch verwalten zu taffen“, wenn „bi* Stadtverordneten die Wahl verweigern oder r ach der ersten Wahl nicht Bestätigten wieder erwählen sollten.“ Nach den Bestimmungen desselben Paragraphen dauert die kommiffarische Verwaltung so lange, bis die Wahl der Stadtverordneten-Bersamm- lung ... die Bestätigung deS Königs bezw. des Oberprästdenten gefunden hat. Von dieser ganzen Berechtigung macht aber in diesem Falle der Oberprästdent keinen Gebrauch. Er ersucht vielmehr in seinem Schreiben an den Magistrat diesen Letzter«, ihm mitzutheile», ob die kommissarische Verwaltung durch die „Geschäftslage geboten erscheint“ und er „sieht gegebenenfalls Vorschlägen wegen eines mit dem Rommifforium zu beauftragenden städtischen Beamten entgegen“. Der Oberprästdent könnte irgend einen Regierungsrath dem Berliner Magistrate als kommiffarischen Verwalter der Bürgermeister- stelle auf die Nase setzen. Er macht indessen von dieser seiner gesetzlichen Befugniß keinen Gebrauch, sondern überläßt es dem Magistrate, ihm geeignete städtische Beamten als Kommissare vorzusä lagen. Die scharfen und bis dahin unerhölk-n Herausforderungen durch die Berliner Etadw-rordneten beantwortet also die Regierung durch dne maßvolle und entgegenkommende Halr«ng und leitet dadurch zum guten Beispiele für Ne Berliner Stadtvertretung den versöhnlichen Ausgleich dieses unerquicklichen Streitfalles ein. Ma« kann der Regierung die volle Anerkennung für diese vortreffliche Behandlung der Angelegenheit nicht versagen. Der Berliner Magistrat hat dem Oberprästdenten bereits geantwortet, daß die Geschäftslage eine kommiffarische Verwaltung deS Bürgermeister- postens nicht erheische und hat gleichzeitig die Berliner Stadtverordneten ersucht, zu der Frage von neuem Stellung zu nehmen. Nun hat die Mehrheit derselben Gelegenhdt, zu zeigen, daß sie sich in dieser Sache nicht von den Herren Singer und Genoffen inS Bockshorn jagen laffen will.
* (Sine Aevelsche Hffentzerzigüett. Aus den Verhandlungen deS sozialdemokratischen Parteitages in Lübeck verdient ein AuSspmch des Abgeordneten Bebel in seinem Referat über den Zolltarif vor dem Schicksal deS Vergeffen- werdens bewahrt zu werden. Nach dem parteiamtlichen Bericht des .Vorwärts' sagte Bebel: „Wir haben alle Kräfte einzusetzen, um Aufregung und Aufhetzung in die seit drei Jahren gewohnt gewesen war, im strahlenden Glanz der Kerzen, der elektrischen Flammen dahinzuschreiten über schwellende Teppiche, spiegelglatten Parquet, marmorne Treppenstufen, deren Fuß jetzt durchnäßt war von dem Schnee und dem Schmutz der Straße, beten Fuß jetzt an die zerbröckelnden' Steine der Treppe de» Armenhauses stieß. Es war Else, welche hdmkehrte aus dem Märchenlande von Glück und Glanz, welche erwacht war au« dem Traum, welche heimkehrte au« der großen, weiten Welt de« Ruhmes, des Glanze«, des Reichthums, heimkehrte in da« Hauber Armuth und des Elends.
Hans Heinrich war aufgesprungen und starrte mit offenem Munde und stieren Augen dir Erscheinung seiner Tochter an. Dann zuckte es plötzlich gar seltsam über sein verwittertes Gesicht und ein gurgelndes Lachen quoll ihm über die Lippen.
„Sei willkommen, Else, im Armenhause, in Deiner Heimath," sprach er langsam und mit grausamem Spott. „Ich habe es mir ja gedacht, daß es so kommen würde, als Du vor fast vier Jahren in die Welt hinauszogest. Ich habe es mir gedacht und ich habe Dir deshalb den Platz im Armenhause frei gehalten, wenn Du müde und matt, mit zerbrochenen Flügeln zurückkehren würdest. Tritt ein Else, Du bist in Deiner Heimath.'
Mit einem wahren Aufschrei flog Else auf den Vater zu und stürzte zu seinen Füßen nieder, seine hartgearbeiteten Hände ergreifend und mit Thränen benetzend.
„Vater", flüsterte sie schluchzend, „Du weifet nicht, was ich erlebt habe!"
Deutsches Deich.
Berlin, 8. Oktober.
4- Arirrz Fschrm und sein Gefolge sollten sich nach bet Behauptung einiger Blätter in Deutschlanb auf Kosten des Reiches aufqehalten haben. Angeblich sollte noch ein besondrer Vertreter deS Berliner Auswärtigen Amt"* die Chinesen bei ihrer Abreise bis nach Kufste'n begleitet haben, um »ur ja alles sür sie zu bezahl-n. Nach einer halbamtlichen Mittheilung ist r-efe Behauptung durchaus unbegründet. Der bei außerordentlichen Gesandtschaften stets beobachteten Gepflogenheit gemäß haben Prinz Tschun und sein Gefolge lediglich freie Fahrt auf den deut- scheu Eisenbahnen gehabt. Die gleiche Vergünstigung hat unter anderen auch die letzte marokkanische Gesandtschaft genoffen. Daß Prinz Tschun in Danzig, wo er nach der Entsühnung als Gast deS Kaisers den Manövern beiwohnte, auf Kosten des königlichen HofhalteS lebte, ist in d.-r Thai selbstverständlich, wie die halbamtliche Notiz sich ausdrückt. Im übrigen hat nach derselben Mit- thdlung Prinz Tschun die Kosten seines Aufenthaltes in Berlin ebenso wie auf seiner Rundreise durch Nord- und Westdeutschland selbst bestritte«.
X Sur Aerki«er ZLSrgermeiSer-Irage. Durch den Draht ist am Montag die Thatsache berichtet worden, daß der Oberprästdent der Provinz Brandenburg eS abgelehnt hat, die Akten über die Wiederwahl des Stadtrathes Rauffmann Leuten unter einem Dache wohnen zu müssen. Jetzt wird der Lärm drüben wieder anzehen.“
Aber e» blieb alles still im Hause, drüben in der Wohnung des alten Brendicke und nebenan in der Küche der Korbflechter farnilie. Auf dem durcklen Hausflur aber schlürfte und huschte es entlang, wie der leichte, scheue Tritt eines Rehs. Und dann hörte man es an der Wand entlang greifen und an die Thür leise pochen und dem alten Hinterwäldler wurde es schier unheimlich zu Muthe und er blickte Frau Dorette fragenb an und diese horchte aufmerksam nach der Thür und nickte mit dem grauen Haupte.
„ES wird unsere Katze sein“, sagte sie lächelnd, „die Einlaß begehrt. Wer sollte sonst so leicht und sanft daherschleichen?“
Sie erhob sich und öffnete die Thür. Aber mU einem Ausruf des Schreckens fuhr sie zurück, denn an dem Thürpfosten lehnte eine hohe, in einen dunklen Mantel gehüllte Gestalt und unter dem emporgehobenen schwarzen Schleier sahen zwei leuchtende Augen au« todtblassem Gesicht die alte Waschfrau bittend, hilfeflehend an.
„Um Gotte« Willen — Els« — Fräulein Else!“
Ja, es war Else, die gefeierte, bewunderte Eise, die berühmte Künstlerin, die Freundin der Fürstin, der Liebling des Hofes, der Schützling des Fürsten: es war Else, die schöne, zarte, blond- lockige Else, die zitternd vor Frost und Kälte, bedeckt von den Schneeflocken des Winters, zerzaust von dem Sturme der Winternacht, die dort an der Thür lehnte, auf der duuklen, windigen, engen D eie des Armenhauses; es war Else, deren Fuß
i« 3x1t«. * mit Zlnterhattungs-Mlage „Illustrirte Somttags-Zeiümgi' --»west“
Masse der Arbeiter zu tragen.“ DaS ist ein so werthvolles Gistandniß aus berufenem Mund», baß es schabe wäre, wenn es in de» spaltenlangen Berichten über daS persönliche Gezänk, bas bi« Lübecker Tage fast völlig ausfüllte, unbeachtet bliebe.
ft Zur Arauutroet« steuer-Irage hat bi« »Münchener Allgemeine Zeitung' in biesen Tagen eine Mittheilung gebracht: danach wollen bi« Verbünbeten Regierungen vorläufig in der Frage bet Neuregelung berBranntweinsteuer nichts thun, sonbern abwarten, ob der Reichstag eS für richtig halte, die ihm zugegangene Vorlage zu wiederholter Prüfung an eine Kommission zu verweisen. Die Mittheilung des genannten Münchener BlatteS klingt nicht unwahrscheinlich. Im Gegensätze dazu äußert Eugen Richter's .greifinnige Zeitung' die Ansicht, es stehe dem Reichstage gar nicht mehr frei, die Vorlage nochmals an dne Kommission zu überweisen. Vor den parlamentarischen Kenntnissen des alten Abgeordneten Richter kann man ja alle Achtung haben; aber in diesem Falle dürfte fich doch auch einmal der alle Parlamentskämpe irren. So gut wie es dem Reichstage freisteht, jede Vorlage zur erneuten Berathung an ein« Kommisfion zurückzuweisen, muß er doch diese Freiheit auch für die Branntweinsteuer haben. Warum sollte denn bei dieser eine Ausnahme gemacht werden? Der Vorschlag ist außerdem auch ganz gut, wohl der beste, der unter den obwaltenden Umständen gemacht werden kann.
* Die GetreidefchroSnze, von der vor einigen Tagen die ,Deutsche Tageszeitung' be- richtete, glaubten die Börfenorgane mtt einigen billigen Witzen abthun zu können. Da« Ganze sei ein Hirngespinnst des Bündlerorgan«: weder seien außerordentliche Mengen Getreid« hierher gebracht, noch ein ungewöhnlicher plötzlicher Druck auf die Preise geübt worden. Zum Beweise dafür stellte ein Blatt die Preise von zwei Tagen neben einander, die beide kaum von einander abwichen. Jetzt aber müssen diese Blätter kleinlaut zugestehen, daß wohl außergewöhnlich große Mengen Getrdde hier aufgespeichert seien, so zwar, daß weiter ankommende« nicht mehr untergebracht werden könne, weil keine Räume mehr zur Verfügung ständen. Da» sei aber nicht, wie da» Bundesorgan behauptet habe, die Folge einer Baisse (Preisdruck-), sondern einer Hausse- (Preis- steigerungs-) Spekulation. Als ob da» in der Sache selbst ein Unterschied sei! Zu gleicher Zeit wird ein Fallen der Getreidepreise berichtet, da» für diejenigen, die wohlgefüllte Scheunen haben und nun verkaufen möchten, vielleicht müffen, höchst beängstigend sein muß. Auch diesmal wieder soll der Lohn hinter der Arbeit weit zurückbleiben. Dabei aber hört man, und da» ist sehr bezeichnend, von einem Herunter- gehen der Brodpreise nichts; der ganze Gewinn wandert, wie gewöhnlich, in die Taschen der Spekulanten, der Händler. Das gleiche Bild, nur umgekehrt, würde sich nach Erhöhung der Geireidezölle zeigen. Neben dem Theile, den da» Ausland zu tragen hätte, würden die Zwischenhändler ihren Theil zu tragen haben, der nicht unmittelbar in den Brodpreisen zum Ausdruck zu kommen brauchte und oft genug auch nicht fich
„Ich weiß es, Du brauchst es mir nicht zu erzählen", entgegnete der Alte. „Man hat mir von Deinem Leben, Deinem Ruhme, Deiner Kunst erzählt, Else; man wußte nicht genug Rühmende» zu erzählen, aber ich sehe es Dir an, daß Du unglücklich bist und deshalb zurückkehrst in da» Armenhaus, in Dein« Heimath. Die Glücklichen kehren nicht heim, sie fliegen weiter umher in der Welt und dünken sich etwas Großes und sind nichts weiter als der Spielball des Zufalls. Und nun stehe auf, setze Dich zu uns und sage uv», wie das alles gekommen ist."
Else weinte auf die Hände ihres Vaters nteber und vermochte sich nicht von den Knieen zu erheben. Da faßte Frau Dorette Ptnkepank die Unglückliche sanft in die Arme, hob sie empor und führte sie langsam zu dem alten Lehnstuhl am Fenster.
„Was auch passirt sein mag, Else ist unser Kind“, sagte Frau Dorette, „hier bei un» ist ihre Heimath, hier bei un» kann sie fich ausruhen von allem Ungemach, das ihr da draußen begegnet sein mag. Setze Dich, meine Tochter, Du bist kalt und naß — Deine Finger sind halb erfroren und Deine Wangen sind blauroth. Setze Dich, meine Tochter; ich koche Dir eine Tasse heißen Thee — das wird Dich erwärmen. Wie kalt Deine Füße find! In den dünnen Stiefelchen durch den Schnee zu gehen?! Du lieber Gott — konntest Du uns nicht benachrichtigen? Wir hätten Dich abgeholt — in einer Kutsche hätten wrr Dich geholt. Wenn fie auch nicht so fein tfi, wie die Stadtkutschen, unsere alte brave Postchatse, aber man sitzt doch weich und warm brüt, und