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mit Ilnterhattungs -Beilage „Illuffrirte Sonntags-Zeitung!' —

ja 23i.

Jutta, Dienstag, den 8. Oktober 1901.

28. Jahrgang.

G Die beiden Grundanschauungen.

In dem Streite um unsere neue Zollgesetz­gebung wird häufig die Ansicht laut, als handele es sich lediglich um agrarische Forderungen auf der einen und um deren Bekämpfung im Inter- effe der nicht agrarischen Bevölkerung aus der andern Seite. In diesem Sinne konnte man ganz neuerdings in der liberalen und demokratischen Prefie Ausführungen lesen, die vergnügliche Be­irachtungen über die angebliche „Jsolirung der Agrarier" anstellten. Die Veranlassung dazu hatten die Entschließungen mehrerer industrieller Körper­schaften gegen die gesetzliche Festlegung der land- wirthschastlichen Mindestzölle gegeben.

Was es mit der sogen. „Jsolirung der Agra­rier" auf sich hat, zeigte inzwischen die Interpel­lation, die das Centrum über die Getreidezölle in der bayerischen Abgeordnetenkammer eingebracht hat, haben verschiedene Kundgebungen von Centrums- Rednern bei anderen Gelegenheiten bewiesen. Es sei nur an die Ausführungen der Crntrums. Ab­geordneten Dr.' am Zehnhoff in ?er neuesten Wähler - Versammlung erinnert. Dr. am Zrhn- boff wird von keinem Menscher, als „Agrarier" in Anspruch genommen werden können; aber was der Landwirthschaft noth thut, hat er trotzdem klar erkannt. Vermuthlich werden die Freihan- delsblätter nächstens auch aus dem Verlaufe der Berathungen des Central-Ausschusses der natto- nalliberalen Partei dieselbe Eckenntniß schöpfen können, daß es mit dieser geträumten „Jsolirung der Agrarier" noch weite Wege hat.

Dann aber ist es auch aus anderen Gründen geradezu thöricht, den Streit um den Zolltarif nach dem Feldgeschrei organisiren zu wollen: Hie Agrarthum —- hie Freihandel! Ein Blick auf den Zolltarifentwurf der Regierung läßt doch sofort erkennen, daß für sehr viele Zweige der Industrie weit stärkere Zollerhöhungen vorgeschlagen werden, als für die Landwirthschaft, ganz abgesehen davon, daß das nun schon sattsam in den Zeitungen aus­geführt und breit getreten ist. Die mäßigen und thatsächlich für die Bedürfnisse der Landwirthschaft nicht ausreichenden landwirthschaftlichen Zollvor­schläge der Regierung nehmen sich au« wie ein armer Waisenknabe gegen «inen wohlgenährten Protzen im Vergleiche zu den vorgeschlagenen Er­höhungen für die Jndustriezölle, die 300, 400, 500, 1000 und mehr vom Hundert betragen. Gerade deswegen ist ja auch die Haltung einiger industriellen Körperschaften zu der Gestaltung der landwirthschaftlichen Zölle so außerordentlich eng­herzig und kurzsichtig, um nicht zu sagen einfältig. Denn damit helfen die Vertreter der Industrie selbst ihren eingefleischten Gegnern, denjenigen Leuten nämlich, die zwar aus verschiedenen Gründen und unter verschiedenen Schlagworten, aber doch in äußerer Gemeinschaft den Kriegspfad des Freihandel« begehen. Jetzt suchen diese Leute glauben zu machen, sie zögen nur gegen „Junker" und „ostelbische Großgrundbesitzer" zu Felde, damit nicht da« ganze deutsche Volk in deren un­ersättlichem Magen versinke: aber ihre wahre

Dir AMkchMSpnMsfiil.

Roman von O. Elster.

21 ------ (Nachdruck verboten.)

12.

Dem alten Hans Heinrich Hannecken im Armenhaus« von Benneckenstein, dem Kämpfer von Brandy-Station, dem Sergeanten der leich­ten Missouri-Artillerie und Kriegs- und Lebens- inoaliden war es in den letzten zwei Jahren gut ergingen. Freilich aus seinem Schlupfwinkel, dem Acmenhause von Benneckenstein war er nicht herauszubringen, trotzdem er für seine Verhält- nifie ein „gutsituirter Mann" genannt werden konnte. Er bezog eine kleine Pension von der nordamerikanischen Regierung; der General von Hannecken, sein Vetter von dem Urgroßvater her, hatte ihm eine Summe Geldes zur Ver* fügung gestellt, mit dem er sich ein kleines bäuerliches Anwesen hätte kaufen können, und der Herzog ließ ihm jährlich aus seiner Privat- schatulle ein kleines Ruhegehalt auszahlen, sodaß der alte Invalide sorglos dahinleben konnte.

Man versuchte auch öfter, ihn zum Ankauf eines kleinen Bauernhofes zu bewegen. Aber HanS Heinrich zog sich mürrisch und verdrieß­lich in seine Höhle int Armenhause zurück und wies das Ansinnen, das Hau?, in dem er eine Zuflucht in höchster Roth gefunden, zu verlaffen, energisch ab. Als aber der Herr Bürgermeister ihm eröffnet«, daß er als wohlsituirter Mann nicht mehr die Wohlthat der freien Wohnung im Armenhause genießen könne, zahlte er an die

Meinung steht auf einem ganz andern Blatte. Wenn mit der Landwirthschaft aufgeräumt sein würde, dann würde nach ihrer Meinung und nach ihren Wünschen auch die Industrie an die Reihe kommen, geopfert zu werden. All« Heimschränken sollen fallen. Deutschlands Landwirthschaft, Deutschlands Mittelstand, Deutschlands gewerbe- fleißiges Bürgerthum sollen geopfert werden dem Moloch der internationalen Spekulation; an die Stelle einer gesunden Wirthschaftspolitik soll in ungebundener Schrankenlosigkeit treten der wüste Tanz um das goldene Kalb. Danach fragt Keiner dabei, ob Deutschland zu Grunde gehen könnte, oder nicht, darauf kommt eS denen auch weniger an, die diesen Kurs steuern, und die Sozialdemokratie weiß sehr gut, was sie thut, indem sie als „Schutztruppe der Börse" int Ge­folge dieser Schaar marschirt, die sich die Frei­händler nennen. Der Freihandel gehört ja auch nach der Ansicht von äHaij zu den Vorbedin­gungen der Revolution; wie sollten die Sozial­demokraten da nicht mitthun, wo ihnen der Ruin aller besiehenden wirthschaftlichen Verhältnisse winkt und in deffen Gefolge Unzufriedenheit und Verzweiflung von Tausenden und Abertausenden! Auf solchen Feldern des Unglücks wächst gerade ihre Ernte!

Darüber muß man sich klar sein: bei der Gestaltung unserer Zollpolitik handelt es sich nicht nur um eine lange Reihe einzelner, aufein­ander folgender Zollsätze Dis Ganze hat glrich- zeitig eine einheitliche und viel höhere B.'dkulung: eS handelt sich um einen Kampf gegen die ar- stürmenden Gewalten der Zerflö ung, gegen das ichleichmde Gis! der modernen Zersetzung und Vernichtung alleS deffen, was uns heilig ist. Vom Industriestaat« reden diejenigen, die mit diesem Angriffe daherstürmen. Sie meinen aber die Unterroühlung alles deffen, was uns hoch und heilig ist. Sie wollen zerstören, um für sich zu ernten. Sie wollen verwüsten, um sich selbst zu bereichern. Und wenn man sich die anstürmen, den Haufen genauer ansieht auf ihre sittlichen, auf ihre religiösen Anschauungen hin, da in ent­deckt man gleichzeitig, daß die Scharen t e jrnigen, die sich heute unter der Fahne des F »ihandels vereinen, gleichzeitig die Feinde des Christen- churns find.

Wer kann da noch zweifelhaft sein, auf welche Seite in diesem Kampfe er sich zu stellen habe? Deutsches Volk, wahre deine heiligsten Güter!

Deutsches Deich«

Berlin, 7. Oktober.

+ Bekämpfung des Anarchismus. Was die Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Anarchismus thun werden, und ob sie überhaupt etwas thun werden, ist zur Zeit eine lebhaft be­sprochene Frage. Nach einer Mittheilung, die der .Kceuz-Ztg.' aus London zugeht, hat die An­nahme bisher noch keine Bestätigung gefunden, daß die Vereinigten Staaten an Maßnahmen zur internationalen Bekämpfung des Anarchismus sich betheiligen würden. Nur dazu soll sich die ameri­kanisch« Regierung bereit erklärt haben, die Zu- laffung von Einwanderern von der Bedingung abhängig zu machen, daß st« mit Zeugnissen ihrer

Stadtkaffe Miethe für die von ihm bewohnten Räume, pachtete zu dem kleinen, früher so ver­wilderten ©arten des Armenhauses noch ein Stück Land hinzu und richtete eine Rosenschule ein, die bald weit und breit bekannt und berühmt wurde. Niemand zog so prächtige Rosen wie der alte Hinterwäldler. DaS blühte, glühte und duftete um daS Armenhaus, daß man ganz und gar das elende Aeußere und das verwahrloste Innere des Häuschens vergaß und selbst die schmutzige Familie des Korbflechters Pannkuchen und die wüsten Reden des stets halbbetrunkenen Waldarbeiters Brendicke mit in den Kauf nahm.

Diese beiden alteingeseffenen Armenhaus­familien, die den „amerikanischen Vagabunden" von jeher als unberechtigten Eindringling in ihre Gerechtsame betrachtet hatten, würden dem alten Sergeanten von der leichten Artillerie das Leben herzlich sauer gemacht haben, wenn nicht die brave Waschfrau Dorette Pinkepank gewesen wäre. Hans Heinrich war durch den Kampf des Lebens so arg zerzaust, daß er nicht mehr die Kraft besaß, gegen die Zänkereien, den Spott und die Brutalitäten der Alteingesessene« „aus­zumucken", wie sich Frau Pinkepank ausdrückte.

„Er läßt Holz auf sich hacken, Herr Rektor", klagte sie diesem einstmals ihr Leid, „und die beiden jämmerliche« Kerle hätten ihn wohl gar noch zum Trinken verführt, wenn ich ihnen nicht den Daumen aufs Auge gedrückt hätte. Vor mir haben sie aber einen heillosen Respekt ge- kriegt — mehr als vor Ihnen, Herr Rektor, mit Verlaub zu sagen, oder vor dem Polizeidiener Ritterbusch."

HrimathSbehörde versehen seien, wonach ihnen be­stätigt werde, daß sie der anarchistischen Partei nicht angehören. Die Vereinigten Staaten wür­den, wenn die Meldung richtig ist, also wieder einmal lediglich nach ihrem eigenen Interesse handeln, nicht nach demjenigen der anderen Staaten. In dem Interesse dieser Letzteren liegt eS, daß das Gesindel nicht von Amerika aus die Welt überschwemmt; das amerikanische Jntereffe allein verlangt Schutz gegen die Zuwanderung des anarchistischen Gesindels von außerhalb nach den Vereinigten Staaten.

h Die deutsche Laudwirthsschaft«- gefelkfchaft hält in diesen Tagen ihre Herbst- Versammlung ab. Der Hauptgegenstand der Beraihurgen ist die Ausstellung in Mannheim vom 5. biS 10. Juni. Die Gesellschaft steht, wie bekannt, unter dem Präsidium des Groß­herzogs von Baden.

* Von den türkische« Offizieren, welche in der Armee dienen, sind 5 Oberleutnants vom 1. Oktober ab auf 6 Monate zum Generalstabe einer Division kommandirt, sie sollen daran an­schließend zum Großen Generalstab kommen; zwei türkische Oberleutnants sind zur Militär- Turnanstalt kommandirt; drei haben den Lehr­kursus bei der Feldartillerie-Schießschule durch­zumachen, einer wird an dem Lehrkursus der ver­einigten Artillerie- und Ingenieurschule theil- nehmen. Ja der Armee gibt es nur eine Stimme des Lobes über die Haltung und den Lerneifer der türkischen Osfiriere.

' Sechs rnmänifche Staatsangehörige sind ate Fahnenjunker in der Armee angestellt und zwa: vier bei den Linien-Jnfanterie-Regi- meiitern, einer bei den 10. Dragonern und einer bei dem 10. Feldartillerie-Regiment. Vier rumä­nische Offizirre find aus der Armee geschieden.

* Zur Höerkehrerfrage hat der Abge­ordnete von Staudy in einem seinen Wählern erstatteten R:chmschaftSbericht der .Königsb. Hnn Zig.' zu Folge mitgetheilt, daß ihm die völlige Gleichstellung der Oberlehrer mit ben Richtern im Ge- halt gesichert erscheine. Der neue Finanz- Minister, Herr von Rheinbaben, mit dcm er enge Fühlung d br, sei dmchanS dafür.

* Zur D «-«Atw-inpenee glaubt die ,Münchener Allgemeine Zeitung' mittheilen zu können, daß die Verbündeten Regierungen vor­läufig in der Frage der Branntweinsteuer-Neu­regelung nicht« thun, sondern abwarten würden, ob der Reichstag es für richtig halte, die ihm zugegangene Vorlage zu nochmaliger Prü­fung an eine Kommission zu verweisen.

* Der Eintritt der Mai«-ZleLarSah« in Die preußisch-hessische Eisenbahngemein­schaft wird, vorbehaltlich der Zustimmung der Landtage, am 1. April nächsten Jahres erfolgen. Die Main-Neckarbahn wird der Eisenbahndirektion Mainz unterstellt. In Darmstadt wird eine neue Betriebrinspektion gebildet; Heidelberg wird Gemeinschaftsbahnhof mit Baden. Das Personal wird unter günstigen Bedingungen über­nommen ; etatsmäßige Anstellung erfolgt mit fünf­jähriger Wartezeit, bezw. Dienstzeit bei der Main- Neckarbahn.

+ Die Niederlage der Sozialdemo­kratie bei den badische« Landtagswahlen muß

Dabei streckte die wackere Frau ihre sehnigen mageren Waschfrauenarme drohend empor und in ihren graugrünen Augen blitzte es drohend auf. Der Rektor lächelte. Er konnte den Vater Elses getrost dem Schutz Doretten Pinkepanks anvertrauen; so lange die brave Waschfrau ihre Arme und ihre Zunge rühren konnte, war HanS Heinrich Hannecken geborgen.

Ein wahrer Segen, daß der alte Hans Heinrich seine Jugendliebe wiedergefunden hatte! Im Anfang, als er noch nichts besaß, theilte sie mit ihm ihr geringes Einkommen und arbeitete doppelt so viel wie früher und stärkte feinen Stil und seine Seele. Später hielt sie ihm das ©einige zusammen, sorgte dafür, daß er „ordent- lich im Zeuge war", daß er jeden Sonntag sein reines Hemd vorfand und auch arzog, räumte seine Stube auf, schmückte sogar fein ärmliches Heim mit einfachen weißen Gardinen und sein Bett mit sauberen, blau- und rothkarrirten lieber- zügen, bekränzte das Bild Elses mit frischen Blumen, putzte die kleinen Fensterscheiben blitz­blank, sorgte für kräftiges Effen und Trinken — karz „bemutterte" Hans Heinrich nach jeder Richtung hin, so daß er nach und nach auf- athmete und in seine Seele «ine Ruhe, ein Frie­den einzog, den er in der weiten Welt, in den tobenden Schlachten des amerikanischen Krieges, in den endlosen Prairien und ewig düsteren Wäldern des fernen Westens vergeblich gesucht hatte.

Emen wunderbaren Gegensatz bildete das Armenhaus in sich selbst. Die eine Seite, welche von dem Korbflechter Pannkuchen und dem Wald-

von ihren Blättern ohne weiteres zugegeben werden. Das Karlsruher Sozialdemokraten» Organ meint, es nütze gar nichts, die Rieder« läge nur auf die Jubiläums-Stimmung zurück­führen zu wollen — nämlich auf das Regie« rungsjubiläum des Großherzogs. Von Grund müsse Manches anders werden in der Sozial­demokratie, bei der Vieles im Argen liege . . . Sehr richtig! Aber je mehr die Sozialdemo­kratie an sich bessern will nach ihrer An­sicht, desto tiefer wird sie in den Sumpf gerathen. Das ist der Trost für alle diejenigen, die ihr nicht angehören!

X Dl- N-Krrrle« - Statistik bildet seit langer Zeit ein stehendes Thema in den öffent­lichen Auseinandersetzungen. Auch im Reichs­tag ist schon mehrfach die Rede davon gewesen und mehrfach wird augenscheinlich die Erwartung gehegt, daß der preußische KriegSminister im be­vorstehenden Winter di« gewünschten genauen Aufschlüffe darüber geben werde, wie viele Rekruten aus ländlichen Verhältniffen her« stammen, wie viele aus Städten und Industrie- bezirken. Die Mitth-ilungen aber, die der Kriegsminister darüber im letzten Winter macht«, waren so vollkommen unzureiiiend, entbehrten noch so sehr gerade der Hauptsache, auf die cs dabei ankommt, daß man leid r wähl noch längere Zeit sich rohb g duldeu müssen, bis mau die rwlhwentzigk; au->eichenden Aufschlüsse er­hält. Es kvmmr ii rämlich nicht auf den letzten Wohnort der Rekruten au. Denn am allermeisten in unseren heutigen Verhält­niffen gibt gerade der letzte Wohnort deS Rekruten sehr häufig keine Anhaltspunkte über seine Herkunft, weil, wie bekannt, fort­während ein ungemein starker Zuzug junger Leute vom Lande nach den Städten und Jndustriebezirken stattfindet. Sehr viele Militär- tauglichen jungen Leute, die in Städten und In­dustriegebieten auSgehoben werden, sind darum durchaus nicht als Stadt- und Jndustrierekrute« anzusehen; aber gerade deswegen wird die ge­wünschte Statistik ziemlich schwierig. Alle die­jenigen Personen, die mit dem AuShebungS- geschäft schon einmal zu thun gehabt haben, kommen durchaus in dec Meinung überein, daß die ländliche Bevölkerung die Hanptmaffe der Rtkcuten stelle; und gerade diese Personen müffen doch am allerbesten Bescheid wissen über die einschlägigen Verhältnisse. Manche Blätter haben danach ihre Ansichten darüber auch schon verbessert, und einen eigenartigen Schluß zieht beispielsweise daraus das sozialdemokratische .Hamburger Echo'. Es meint, die Ergebnisse der Rekrutenstatistik würden ungünstig für die industriellen Arbeiter auSfallen, und dadurch würde alsdann die Regierung „etwas zugäng­licher gemacht werden für die modernen For­derungen der Arbeiterschutzgesetzgebung." Die Schlußfolgerung läßt sich hören!

ii Ma» de» Aochschntzz-K ht Amerika bewirkt hat. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit ihren außerordentlich hohen Schutzzöllen gegen die Sätze des neuen deutschen Tanfentwurfes verschwinden durch ihre Gering­fügigkeit, sind das allerbeste und allerdeuttichste Beispiel dafür, wie die heimischen Wirthschafts« Verhältnisse unter der Einwirkung starker Einfuhr­

arbeiter Brendicke bewohnt wurde, verwahrlost, unsauber, mit Papier verklebten Fensterscheiben, voll Zank und Unfrieden — die andere Seite von dem „amerikanischen Vagabunden" und Do­rette Pinkepank bewohnt, sauber wie ein Schmuck­kästchen. Hinter den weißen Gardinen und den blitzenden Fensterscheiben standen blühende Blu­men; an den Wänden dieser Seite zog sich der wohlgepflegte Blumengarten Hans Heinrichs; die Rosen und Nelken dufteten, die jungen Obst­bäume bedeckten sich im Mai mit einem zarten Blüthenfior; an dem weißgestrichenen Zaun rank­ten sich Kürbisse und Gurken entlang, und die Gemüsebeete lieferten so reichlichen Ertrag, daß Dorette Pinkepank mit ihm manchen Haushalt in dem Städtchen versorgen konnte.

Frau Dorette hatte infolgedeffen auch ihr Geschäft als Waschfrau aufgegeben. Sie widmete sich ganz dem Haushalt und dem Garten Hans Heinrichs, der hundertfältigen Segen von der stillen unermüdlichen Thätigkeit der braven Frau nach Außen und Janen davontrug.

Jetzt freilich sah es auch in dem sonst so schmucken Garten öde und wüst aus. Der Winter hatte sekNen Einzug gehalten. Hoher Schnee bedeckte Wald und Feld und aus den Schluchten und Thälern der Berge brauste der eiskalte Wind über die im tiefen Schlaf ruhenden Felder. Die Rosen, die Weinreben lagenwohl­verpackt im Stroh am Boden, di« Spargelbeete bedeckten eine wärmende Dunzschicht, die kleinen Primeln und Stiefmütterchen duckten sich er­schauernd unter der warmen, reichen Schneedecke, und die Obstbäume streckten traurig und trübe