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nSÄS" mit Anlerhallungs Anlage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" •" Peter»,«»« N». 8 ffearnuatt).
^ 230.
---nOMWIl.» ........................ U WW-w'WM, Jutöa, Montag, dm 7. Oktober 1901.
28. Jahrgang.
• Deutscher Zolltarif und Ausland.
Nach den Behauptungen freihändlerischer Blätter in Budapest, Wien und Berlin sollte Herr von Szell, der ungarische Ministerpräsident, „Einspruch", erhoben haben gegen den deutschen Zolltarifentwurf. Natürlich war das eine völlig unhaltbare Behauptung, die man nicht einen Tag lang aufrecht erhalten konnte. Dann sollten es wenigstens „ernste Vorstellungen" sei», die in Berlin erhoben worden wären, abgemildert durch einen großen Brief des gemeinsamen österreichischen und ungarischen Minister Grafen von Golnchowski; aber auch das ließ sich nicht fortgesetzt behaupten. Alsdann sprach man von freundschaftlichen Unterredungen zwischen den deutschen und ungarische« Staatsmännern; aber die Wahrheit ist und bleibt, daß gar keine Verhandlungen, noch auch freundschaftliche Unterredungen stattgefunden haben. In einer halbamtlichen Berliner Zeitungsmit- theilung der Münchener Zeitung" wird wiederholt „auf Grund zuverlässiger Informationen" erklärt, daß eine diplomatische Vorst-lluug von Oesterreich-Ungarn aus wegen des deutschen Zolltarifentwurfes in Berlin weder vertraulich, noch amtlich stattgefunden hat.
Der ganze Feldzug war also umsonst unternommen. Er ist ins Waffer gefallen, wie alle seine Vorgänger. Nichts destoweniger ist es werthvoll, die Frage von der Haltung des Auslandes, und namentlich unseres Verbündeten zu den neuen deutschen Zollplänen nochmals genauer zu beleuchten.
Daß wir Deutschen dem Freundesstaate Oesterreich-Ungarn gern in jeder Beziehung so weit wie möglich entgegenkommen, versteht sich von selbst. Aber unsere Landwirthschaft können wir dem Bündniffe doch auf keinen Fall zum Opfer bringen.^ Daß das eine Unmöglichkeit, ein Unding ist, müssen ohne weiteres alle Politiker in Oesterreich und Ungar« einschen. Und dazu kommt weiter, daß unter den herrschenden Verhältnissen Oesterreich-Ungarn sür sich allein nicht von uns begünstigt werden kann. Die Vergünstigungen, die wir ihm einräumen würden, würden wir auch allen anderen Staaten einräumen müssen, mit denen wir Handelsverträge abschließen. Außerdem aber kann eine Erhöhung unserer Tetreidezölle dem befreundeten Lande gar keinen erheblichen Schaden bringen; diese That- sache ist von den Vertretungen der österreichischen Landwtrthe bereits mehr als einmal anerkannt worden. Wenn jemand in Oesterreich berechtigtes Interesse haben darf an den deutschen Grtreide- zöllen, dann können es nur die österreichischen Landwirthe sein. Was der Getreidehandel hüben und drüben dazu zu sagen hat, läßt uns vollkommen kalt.
Uns ist des Bündniß mit Oesterreich-Ungarn von hohem Werthe. Für den Deutschen gibt es auf dem Gebiete der auswärtigen Politik nichts anderes von gleich hoher Bedeutung. Wir Deutschen dürfen annehmen, daß dieses Bündniß jenseits der schwarz-gelben Grenzpfähle ebenso so hoch eingeschätzt werde, wie von unS auf dieser Seite. Vielleicht hat dieses Bündniß auch einige ganz besondere Punkte, die es für Oesterreich- Ungarn noch werthvoller als für Deutschland
Sie LmtchaWkinM.
Roman von O. Elster.
20 ------ (Nachdruck verboten.)
Und wenn auch die Herzogin sie verurthe'lte? Hatte sie nicht ernste, mahnende Worte voch vor kurzer Zeit zu ihr gesprochen? War es nicht ihr Rath, tat Beschluß, daß sie den Hof verlassen sollte? Fürchtete sie nicht, daß ihr Sohn seiner Liede wegen seine Pst-chlen vergäße? Ja, so war es! Deshalb sandte die Herzogin nicht zu ihr! Deshalb kam der Herzog nicht.
Sie sah die strenge harte Frau, die Oberhofmeisterin, wieder vor sich stehen. Sie hörte, wie jene mit spöttischen Worten ihr befehlen würde, das Schloß zu verlassen, wie sie ihr anzeigte, daß man ihrer Dienste nicht mehr bedürfe —.
Der Gedanke machte sie fast wahnsinnig vor Scham und Trotz. DaS durfte nicht geschehen! Sie wollte sich nicht fortweisen lassen, wir eine Dienerin, die man über einem Unrecht ertappt hat. Sie hatte den zärtlichen Worten des Fürsten gelauscht, sie wußte sich geliebt vom Ersten und Höchsten im Lande; sie durfte sich nicht erniedrigen lassen, sie mußte frei und stolz das Schloß verlassen, frei und stolz in dem Bewußtsein, nichts Unrechtes begangen zu haben, frei und stolz in dem Gedanken, des Glückes theilhaftig geworden zu sein; frei und stolz in dem Gedanken, ihm gleich zu sein, sein Glück, das Glück seines Volkes, seines Landes in ihrem Herzen, in ihrer Liebe zu tragen.
Sie warf den Mantel über, setzte den Hut
machen, wenn das möglich ist. Unseren Freunden im Bundeslande muß also außerordentlich viel daran liegen, daß Deutschland in jeder Beziehung stark und mächtig dastehe. Seine Macht nach außrn hin ruht indessen zu einem großen Theile auf seiner wirthschaftlichen Gesundheit und Stärke im Innern; und diese innere Stärke kann nur erhalten werden durch die Gesundheit undKraft der deutschen Landwirthschaft. Das ist nicht die angefochtene Ansicht Einzelner, nicht etwa nur die Anschauung Einzelner, die man als Agrarier bezeichnet. Das ist ein Grundsatz, dessen Richtigkeit von der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes anerkannt und ebenso hochgehalten wird. Deswegen muß unser Bundesland selbst den Wunsch hegen, daß die deutsche Landwirthschaft gesund und stark erhalten werde zu allen Zeiten. Ein Deutschland, das in seinem Marke kränkeln würde, würde für den Bundesgenossen an der Donau lange nicht so viel werth sein, wie ein int Innern kerngesundes Deutschland, dessen Macht nach außen hin hervorwächst aus seiner inneren Kraft, dessen Macht infolgedessen unvergänglich und unverwüstlich ist. Also liegt es im eigene« Interesse Oesterreich-Ungarns, die deutsche Landwirthschaft in ihrer ganzen Urkraft erhalten zu sehen. Auf dieser inneren deutschen Stärke beruht Deutschlands politische Macht, und diese Letztere kommt auch dem Bundeslande an der Donau zu Gute. Oesterreich-Ungarn muß also im eigenen Interesse auch daraus bedacht sei«, die deutscheLandwirthschaft gesund und stark zu erhalte».
Die Staatsmä»ner an der Donau aber werden schwerlich so unklug sein, durch vorzeitige und unberechtigte Eingriffe die deutschen Vorbereitungen auf den Abschluß neuer Handelsoerträge zu störe», an denen ihnen so viel gelegen ist.
Und die deutschen Staatsmänner? Einige Zeitungen werden nicht müde darin, den Abschluß neuer Handelsverträge als das weitaus Wichtigste auf dem ganzen Gebiete unserer WirthschaftSpolittk hinzustellen. Gewiß ist dieser Abschluß wichtig, aber er ist nicht d •-< A und das O aller Wirthschaftspolitik. D-e erste Forderung ist das Gedeihen und Emporblühen der deutschen WirthschaftS- verhältnisse; und danach erst muffen die neuen Verträge zugeschnitten werden — nicht umgekehrt. Die deutschen Staatsmänner werde» also schwerlich das Interesse Deutschlands richtig dadurch wahren, daß ste stets von neuem dem Auslande versichern, die deutsche» WirthschaftS- fragen würden jenem Gesichtspunkte der neuen Vertragsabschlüsse nachgeordnet werden, da diese Abschlüsse das Wichtigste von Allem seien. Dadurch würde VaS Ausland nur zu immer neuen Forderungen gereizt und eS würde dadurch di- deutsche Stellung bei den Verhandlungen über neue Verträge nicht gestärkt, sondern nur geschwächt werden.
Deutsches Keich-
Berlin, 5. Oktober.
* An, Kosten von Kaiser «nd Aeich hat, wie jetzt gemeldet wird, Prinz Tschun mit auf, indem sie de« Schleier dicht um da§ Gesicht zog und eilte durch die langen Korridore und breiten Treppen des Schlosses dem Ausgangs zu.
Es war bereits Abend geworden und das Schloß durch zahlreiche Gasflammen erleuchtet. Auch der Schloßbof erstrahlt« jetzt im Hellen Lichte im Winde flatternder Gaslaternen, nur in den vielen Ecken und Winkeln des alten Baues lagerte sich das tiefe Dunkel der nahenden Herbstnacht, die mit undurchdringlicher Finsterniß auch über dem stumm daliegende» Schloßpark ruhte.
Um niemand zu begegnen, wählte Else de» AuSgang durch den Park und gelangte auf einem wenig benutzten Wege in die Stadt. Die Hoftheater-Jatendantur, in der der General von Hannecken wohnte, war bald erreicht; der General war soeben vom Schlosse heimgekehrt und empfing Else mit erstauntem Gesicht.
„Woher kommen Sie so spät, Else?" fragte er. „Wollen Sie den Abend bei uns zubringen? Es ist heute keine Vorstellung, da bleibe ich zu Hause und wir können gemüthlich plaudern. Ihr Leben wird sich wohl bald anders gestalten," setzte er mit einem lauernden, lächelnden Seitenblick auf Else hinzu.
„Ja, lieber Onkel," entgegnete Else tief auf- athmend, „mein Leben muß und wird sich ganz anders gestalten. Ich komme zu Ihnen als Flüchtling — ich bitte Sie, mich wieder in Ihr Haus aufzunehmen."
Das junge Mädchen sank erschöpft auf einen Sessel, die Hand vor die schmerzende« Augen
seinem großen Gefolge während seines Aufenthalts in Deutschland gelebt. Während des Manövers und der letzten Zeit ihres Aufenthalts waren die Chinesen Gäste des Kaiser«, und auch die Kosten der Reise von Berlin bi» Kufstein wurden von einem mitfahrenden Beamten des Oberhofmarschallamts des Kaisers bestritten. Die übrigen Kosten des Aufenthalts des Prinzen Tschun in Deutschland und zwar von der Fahrt Basel- Berlin an, bestreitet, dem,Fr. Kour." zufolge, das Auswärtige Amt, sodaß also die Chinesen während etwa drei Wochen vollständig kostenlos in Deutschland lebten und dabei noch Ausflüge zu Krupp in Essen, nach Saarbrücken, Staßfurt, Bremen, Hamburg und Danzig machten.
h Maschirreuvau rmd Lavdrvirttzfchaft. Der Verein deutscher Maschinen-An- stalten hat in Düsseldors eine außerordentliche Hauptversammlung abgehalten und zu dem Zolltarif eine Entschließung angenommen, in der gegen die gesetzliche Festlegung der landwirth- fchaftlichen MindestzRle Widerspruch erhoben wir.d. Dies geschieht nach dem voraufgegangenen Muster des industriellen Centralverbandes mit der „Begründung", daß die Gewährung dieser gesetzlichen Festlegung „eine einseitige und ungerechtfertigte Sonderstellung eines einzelnen Produktionszweiges" bedeuten würde, die „das.Zustandekommen von Handelsverträgen erschweren oder unmöglich machen könnte". Diese Entschließung kann kaum noch irgendwelchen Eindruck machen; es sind ja immer so ziemlich dieselben Leute, die sich in otesem Sinne äußern. Daß aber gerade der Maschinenbau das Bedürfniß fühlt, gegen die Interessen der Landwirthschaft Kundgebungen zu veranstalten, ist ebenso unklug wie verwunderlich. Die Landwirthschaft ist die beste Abnehmerin des Maschinenbaues. Denkt dieser nicht an die Möglichkeit einer Wiederoergeltung, oder vielmehr an die Möglichkeit nachdrücklicher Abwehr durch die Landwirthschaft?
h, Der A. rlmer Iraner» - Kongretz wird durchaus »ichr von dem Wohlwollen der Behörden begünstigt. 3 Reichstage konnte, wie berichtet wird, dieser „Kongreß des Verbandes fortschrittlicher Frauen- Liereine" nicht mehr tagen. Aber seine Berathungea sind auch am Freitage unterbrochen worden, nachdem der Kongreß in das Jndustriegebäud- an derBeuthstraße übergefiedelt war, und zwar wiederum durch das Polizei-Präsidium, diesmal durch den Hinweis auf einen bei der Anmeldung begangenen Formfehler. Oeffent- liche,Versammlungen müssen 24 Stunde« vor ihrem Beginne angemeldet werden; diese Vorschrift konnte aber bei der Kürze der Zeit nicht eingehalten werden, und deswegen griff das Polizei-Präsidium do« Neuem hindernd ein. Somit konnten die Berathungen erst wieder am Samstag fortgesetzt werden. Das Berliner Polizei-Präsidium befindet sich natürlich im Rechte. Aber ob es taktisch richtig ist, von diesem Rechte den strengen Gebrauch zu machen, steht auf einem andern Blatte: Für die Anschauungen dieser fortschrittlichen Vereine hat ein Centrumsma«n außerordentlich wenig Sinn. Aber diese Polizri-Maßregelung ist sicherlich ebenso wenig nach seinem Geschmacke.
4- Der Ladenschluß um ueu« Ahr be- steht nunmehr ein Jahr und Hat stch im ganzen Reiche in vortrefflicher Weise eingeführt, noch
legend. Sie sah nicht das starre Erstaunen, welches sich über das vorhin so behaglich lächelnde Antlitz des Generals ausbreitete, ebensowenig wie das heimliche Aufflackern in seinen Augen und das spöttische Lächeln, welches seine Lippen umzuckte.
„Als Flüchtling kommen Sie zu mir, Else? Ja, wie soll ich Sie denn verstehen? Hat man Sie Ihres Dienstes bei Hofe schon jetzt entlassen? Ich sollte doch meinen, daß der Herzog den Schützling seiner Mutter höher schätzte als eine gewöhnliche Dienerin, die man entläßt, wenn man ihrer Dienste nicht mehr bedarf?"
„Lasten wir den Herzog, Oak-l — er weiß nicht, daß ich das Schloß verlassen — er wird es morgen erfahren — ich selbst werde es ihm anzeigen und dann — dann"
„Run — und dann?"
„Dann wird es sich zeigen, ob der Herzog mich liebt — ob er seine Werte, di« er zu mir gesprochen, wahr machen wird!"
„Else! Was sprechen Sie?" rief der General in gut gespieltem Erstaunen. „Sie sprechen von einer Liebe des Herzogs zu Ihnen?! — Ja, wissen Sie denn nicht, daß ein Herzog niemals ein Mädchen ohne Stand und. Namen im Ernste lieben kann? Kind, Kind, besinnen Sie sich. Erzählen Sie mir aufrichtig, was vorgefallen ist, denn daß etwas vorgefallen, sehe ich Ihnen an."
„Ich habe Ihnen nichts zu erzählen, Onkel, al« was ich Ihnen schon sagte: der Herzog hat mir seine Liebe erklärt — ich liebe den Herzog — was daraus werden soll, ich weiß es nicht, nur der Herzog weiß es und feinem Willen füge ich
viel leichter und bester, als ehedem die neuen Bestimmungen über die Sonntagsruhe. Auch in den großen Städten sind Klagen über bett früher« Ladenschluß nicht laut geworden, und doch hatte man sich vorher angestellt, als bedeute derselbe beinahe etwas wie eine Gefährdung des ganzen Ladengeschäftes. Eine einzige Ausnahme gibt es: in Berlin sind einige Läden geschloffen worden, die hauptsächlich von dem Nachtgeschäfte in Zigarren und in frischen Blumen lebten. Ist das nun, vom Gesichtspunkte der Allgemeinheit betrachtet, ein Schaden oder ein Nutzen? Die Antwort kann nicht schwer fallen: von einem Schaden im allgemeinen Jntereffe kann keine Rede sein, wenn es fortan dem Nachtbummler in der großen Friedrichstraße nicht mehr möglich war, um Mitternacht herum Zigarren und frische Blumen zu kaufen. Diese Käufer sind meistens junge, zum Theil recht junge Leute gewesen, denen eS nur heilsam sein kann, wenn ihnen der Nachtaufenthalt weniger angenehm und weniger spaßhaft gestaltet wurde; und noch weniger ist es zu bedauern, wenn infolge der neuen Ordnung Kellnerinnen und andere weibliche Nachtwesen weniger Blumen als bisher von leichtsinnige« jungen Leuten geschenkt bekommen. Der allgemeine Ladenschluß um neun Uhr Abends hat niemandem geschadet, vielen aber genützt; und im allgemeinen Jntereffe kann man nur den einen Wunsch hegen, daß dem Ladenschluß um neun Uhr recht bald der Schluß um acht Uhrfolgen möge!
X Die vadische« Lanbtag»wahlett. Am letzten Freitag haben im Großherzogthum Baden di« Wahlmännerwahlen stattgefunden. Allem Anscheine nach wird durch deren Ausfall an der Zusammensetzung der Kammer nichts Wesentliches geändert werden. Das Centrum wird in der alten Stärke vertrete« sein; vermuthlich wird dasselbe bei den Nationalliberalen der Fall sein. Die "Sozialdemokraten verlieren zwei Mandate in Karlsruhe und gewinnen nur eines dafür, nämlich Pforzheim-Land; das ganze Ergebniß für sie ist also der Verlust eines Mandates, lieber die Wahlen in Karlsruhe ist während der letzten Wochen mancher Jrrthum in der Preffe verbreitet worden. Mehrere Blätter haben stch in der fortgesetzten Behauptung gefallen, das Centrum unterstütze dort die Sozialdemokratie gegen die vereinigten OrdnungSparteien. Das ist aber einfach nicht wahr. Die Nationalliberalen und die Freisinnigen standen auf der eine« gegen die Sozialdemokraten und Demokraten auf der andern Seite, und diese Letzteren habe« eine kräftige Niederlage erlitte«. Es wurde» 240 Ordnungswahlmänner gegen 180 Sozialdemokraten gewählt, während das Centrum seinen Par teimitgliedern Wahlenthaltung empfohlen hatte. Vor vier Jahren verfügten in Karlsruhe dir Sozialdemokraten über 223 gegen 195 national- liberale Wahlmänner; ste sind also ganz erheblich zurückgrgangen. Die leidenschaftlichen Angriffs gegen das Centrum sind von diesem überall glänzend abgeschlagen worden.
V Merlin, 5. Oktober. Die Dispositionen des Kaisers habe» eine Aenderung erfahren. Der Monarch hat gestern noch nicht Rominten verlassen, sondern sein dortiger Aufenthalt wird sich vermuthlich bis zum Sonntag ausdehnen. In Hubrrtusstock wird der Kaiser nunmehr am Montag erwartet. — Prinz Adalbert von Preußen trifft am 20. d. M. an Bord des Schulschiffes „Charlotte" zum Besuch des Sultans in
mich. Aber bi« er über mich, über mein Leben und meine Zukunft entschi-den hat, bitte ich um Aufnahme in Ihrem Hause, bitte ich um Ihren Schutz. Im Schlosse vermag ich nicht zu bleiben, man würde mir vielleicht verächtliche Beweggründe unterschieben und ich verdiene diese Verachtung nicht!"
Der General war ernst geworden. Im Stillen überlegte er, was er thun sollte. Er wußte, daß man schon in der Gesellschaft von einem Ver- hältniß sprach, in dem der Herzog zu Else stand. Sollte das Mädchen vom Hofe entfernt werden und er nahm es ßtzt in seinem Hau« auf, so stellte er sich gewissermaßen in Gegensatz zu dem Hofe. Andererseits konnte es der Herzog sehr übel vermerken, wenn man Else die Thüre verschloß. Der General war zu sehr Hofmann, als daß er die Unbequemlichkeit seiner Stellung nicht unangenehm empfunden haben sollte.
Er ging einige Male sinnend im Zimmer auf und ab. Dann nahm er an der Seite Else« Platz, ergriff ihre Hand und sprach in väterlichem Tone: „Mein liebes Kind, das ist eine sehr unangenehme Geschichte. Ich bin wirklich in Verlegenheit, wie ich Ihnen alles erklären soll — Sie haben sich in eine sehr gefährliche Situation begeben
„Ich sehe schon, Onkel", unterbrach Else seine Rede, „Sie wollen mir die Bitte um Aufnahme in Ihr Haus abschlagen."
„Lassen Sie uns ruhig und vernünftig weiter sprechen, Else, entgegnete der General. „Sie wisse«, daß ich es von Anfang unserer Bekanntschaft an gut mit Ihnen gemeint habe.