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mit Nnteröattunffs-Beilage „Illuftrirte Sonntags-Zeitung!' -TÄMr"1
jg 226. Julda, Dienstag, den 2. Oktober 1901. 28, Jahrgang.
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„Meinst Du? Ich bin aber der Sache einmal alt und jetzt wird geschieden! Dein Mann ist un- lerbesserlich, und da muß endlich einmal gründlich Ordnung gemacht werden. In drei Wochen seid Ihr geschiedene Leute und damit Punktum! Ihr paßt ja so nicht zusammen!" so zürnte der Herr
Alterszulagrn eine jährliche Summe von nur 17400 Mk. erforderlich. Mit weiteren 22000 Mk. ließe sich nach unserer Ansicht eine Gehalts« erhöhung sowie die spätere Penflonirung voll« ständig decken, so daß also mit einem jährlichen Kostenaufwande von 30« dir 40000 Mk. die Privatschullehrer den öffentlichen gleichgestellt wären.
Wir meinen, der längst bewährte Opferstnn deS katholischen Volkes wird auch dieses Opfer bringen, wobei zu bemerken ist, daß die Last der festen Besoldungen (im Gegensatz zu den einmaligen Unterstützungen) auf den Schultern der
Diöcesankomitres ruht. Sobald die einzelnen Diöcesen dem Beispiel der Paderborner folgend, den Bonifatiusverein in jeder Gemeinde organi« sirt haben, sind die Mittel sicher flüffig. Darum noch einmal, katholisches Volk: eine Hauptpflicht ist auch hier die Unterstützung des BonifatiuS- vereinS! K. V.
Wie Herr Frhr. v. Wendt, Präsident des Bonifatinsvereins, auf der Osnabrücker Katholiken- ; Versammlung hervorhob, hat der Bonifatiusverein augenblicklich die Lehrer an 87 katholischen , Privatschulen zu besolden und sind noch sehr - viele weitere Schulen nothwendig. Der Redner sprach dabei den höchst zeitgemäßen Gedanken aus, daß die Lehrer an den katholischen Privatschulen der Diaspora jenen an öffentlichen Schulen gleichgestellt werden müßten. Es ist das in der That mehr und mehr eine unabweisbare Nothwendigkett geworden. In früheren Jahren konnte sich der Bonifatiusverein auf derartige, seine Kräfte weit,, übersteigende Verpflichtungen nicht einlaffen; heutzutage muß er es, wenn nicht das Schulwesen in der Diaspora rückständig sein soll. Das Lehrer- besoldungSgesetz vom 3. März 1897 kommt ihm dabei zu Hilfe, indem es unter Zahlung eines bestimmten jährlichen Beitrages auch Lehrer, die an nicht öffentlichen Schulen unterrichten, in die Alterszulagekaffen aufnimmt.
In den letzten Decenien ist bekanntlich eine ganze Anzahl katholischer Privatschulen zu öffentlichen erhoben und dadurch mit einem Schlage auf ein höherer Niveau versetzt worden. Der Lehrer an einer öffentlichen Schule hat Anspruch auf die entsprechenden Alterszulagen und spätere Pensionirung, was beides für den Privatschullehrer fortfällt. Jnfolgedeffen werden tüchtige Lehrer sich, zum größten Nachtheile der Schulen selbst, nicht lange an Privatschulen halten lasten, umsomehr als die Stellung an einer Privatschule auch sonst noch mit vielfachen Unbequemlichkeiten verbunden ist. Da die Zahl der sie besuchenden Kinder ost eine geringe ist, haben die nicht festen Katholiken kein besonderes Vertrauen zu ihnen, sondern führen ihre Kinder lieber den mit Dritteln und Lehrkräften reich ausgestatteten städtischen (protestantischen) Volksschulen zu; und selbst bei den Kindern, welche sie besuchen, ist die Aufrechterhaltung von Disziplin und regelmäßigem Schulbesuch usw. oft eine sehr schwierige Sache, indem die mitunter sehr unvernünftigen Eltern bei der geringsten Bestrafung ihrer Kinder mit der Drohung kommen: „Ich nehme mein Kind aus der katholischen Schule" — eine Drohung, die sie nur zu ost wahr machen. Schreiber dieses hat das und ähnliches wiederholt durchgemacht. Daß unter derartigen Verhältnisten oft Arbeitslust und Schaffensfreudigkeit sehr bedenklich ins Schwanken kommen ckönnen, ist leicht erklärlich. Es liegt uns fern, die katholischen Lehrer der Diaspora irgendwie herabsetzen zu wollen: nein, gerade ihre wenig günstige Lage hat uns die Feder in die Hand gedrückt. Dieselben müffen unbedingt den Lehrern der öffentlichen Schule«, sowohl was Gehalt und Atterszulageu wie die Pensionirung angeht, gleich, gestellt werden; dann bleiben auch tüchtige Kräfte den Kindern der Privatfchule erhalten.
Aber woher die Mittel nehmen? Indem wir die Prnstonsbeiträge sowie die stellenweise noth- wendige Erhöhung des Grundgehaltes außer acht laffen, richten wir unser Augenmerk lediglich auf die Alterszulagen. Das oben erwähnte Gesetz bemerkt im § 11: „sofern diejenigen Lehrer und Lehrerinnen, die vor ihrem Eintritt in den öffentlichen Volksschuldienst an Privatschulrn, in denen nach dem Lehrplane einer öffentlichen Volksschule v errichtet wird, voll beschäftigt waren, erlangen -sie bis zum Höchstmaß von zehn Jahren eine Anrechnung dieser Dienstzeit oder eines TheileS derselben soweit, als ein Beitrag von 270 Mk. für Lehrer und 120 Mk. für Lehrerinnen für diese Zeit an die Alterszulagekaffe nachgezahlt wird." Nehmen wir an, von den obengenannten, augenblicklich durch den Bonifatiusverein unter, stützten 87 Prioatschulen sei die eine Hälfte mit Lehrern, die. andere mit Lehrerinnen besetzt, und rechnen wir für jede Lehrkraft einen Durchschnitts« fatz von 200 Mk., so wäre sür Aufbringung der
<iit HlmOMt des katljol. Deiiisch- >M bleibt bie llntttflütoeg des Mfatiwmto.
Dir Eifersüchtige.
Humoreske von Julius B.
Es gibt auf dieser Erde gewiß kein unglück- licheres Wesen als eine eifersüchtige Frau. So ein Unglückswesen war auch Frau Adele Dubar. Sie war eifersüchtig, krankhaft eifersüchtig und dies ohne jeden Grund: denn ihr Gatte, Professor Georg Dubar, war in jeder Hinsicht ein vortresfiicher Ehemann; und Frau Dubar selbst war nicht nur eine junge, sondern eine auffallend hübsche Frau. Ueberdies lebte Proseffor Dubar nur für seine Familie und hatte für nichts anderes Sinn, als sür seine Frau, für seinen 1 haben Fritz und für seine Bücher. Trotzdem war aber Frau Adele auf ihren „Puck" — so nannte sie schwerzweise ihren Mann — erschreck- ich eifersüchtig.
Diese Eifersucht war auch der Grund, warum Adele fast Monat für Monat ihre Köchin und ihr Kindermädchen wechselte. Alle waren hr zu schön. Endlich hatte Adele ein Ideal von Häßlichkeit als Köchin aufgenommen. Als der Herr Proseffor zum ersten Male diese neue Köchin sah, konnte er nicht umhin, die Bemer- ung zu machen, daß ein „Aschantiweiberl" im Vergleiche zu dieser Köchin eine Venns sei. Auch das junge saubere Kindermädchen fiel Frau Dubars Eifersucht zum Opfer und mußte einer alten, ehrwürdigen Kindssrau Platz machen.
Trotz dieses günstigen Umstandes war aber Adele von ihrer Eifersucht nicht geheilt. Jeden nur möglichen oder unmöglichen Anlaß benützte le, um ihrem Manne theils offen, theils ver- teckt, Vorwürfe über seine Untreue zu machen. Heute war es ein Mädchen gegenüber, morgen wieder eine Dame im Theater oder auf der Straße, die der Herr Proseffor angeblich ganz besonders angesehen oder gar gegrüßt haben sollte. Solch' ein Vorkommniß, das aber meisten« theils nur in der Einbildung Adelens lebte, war genügend, um Adele in die schlechteste Stimmung zu versetzen.
Anfangs machte dies dem Herrn Proseffor Spaß, später ärgerte es ihn, und jetzt, jetzt hält er feine Frau für krank und läßt deren Eifer« fernen wie eine unvermeidliche Sache ruhig über
Der Herr Regierungsrath nimmt den Brief und liest laut: „Liebster! Komme Sonntag be« timmt um drei Uhr zum Gänsemädchen. Ich labe Dir sehr Wichtiges zu sagen. Es grüßt nd küßt Dich viel tausend Mal Dein Dich ewig lebendes Käthchen."
„Diesen Bries sand ich zufälliger Weise auf „Pucks" Schreibtisch. Was sagst Du dazu, i)apa? Ist das nicht infam? O, wie ich ihn lasse, diesen Heuchler!" sprach Adele.
„Hm, hm! Endlich haben wir einen Beweis! Jetzi können wir getrost die Scheidungsklage einreichen," meinte der Herr Regierungsrath.
„Ja!" entgegnete fest Adele. „Wir scheiden uns!"
„So?" fragt etwas verdutzt der Vater, dann aber fährt er fort: „Nun ja, es ist so am besten, mein Kind! Wir klagen auf Scheidung."
Frau Adele, die noch immer auf und abwandelt, sagt: „Ja Papa —", da hält 'sie plötz- rch inne und meint verlegen: „Papa, Puck kann unschuldig sein."
„Unschuldig? Unschuldig? Ein Mann, der seiner Frau zum soundsovielten Male die Treue gebrochen >at, unschuldig? Nein, er ist ein Ehebrecher! Der Brief sagt es deutlich! Der Beweis ist end- lch da, und jetzt wird geschieden!" so bornierte ar schrecklich der Herr Regierungsrath.
„Papa!" erwiderte darauf seine Tochter, „schau, Papa, „Puck" kann sich ja noch beffern. Muß denn gleich geschieden fein?"
„So, Du vertheidigst ihn noch? Was? Ihn? Der Dir zum fünfundzwanzigsten Male die Treue brach?" frug recht böse der Vater.
Nau sängt Adele zu schluchzen an und unter Thränen spricht sie: „Aber ich will mich nicht cheiden laffen! Ich habe ja meinen „Puck" lieb. Schau, Papa, bei den Männern darf man nicht Alles so genau nehmen. Ja, Papa, und dann — >ann hätte Fritz keinen Vater mehr, wenn ich mich cheiden laffe — und dann — dann--Schau,
Vapa, man darf ja nicht gleich Alles so schwarz
Du nu diesem Briefe?"
Der Pioseffor nimmt den Brief, liest ihn, schaut den Schwiegervater, dann Adele an und dricht schließlich in ein helllautes Gelächter aus. Und mui erzählt Herr Dubar: „Heute Morgen, als ich in mein Zimmer ging, um mit meine Pfeife zu holen, sah ich, wie sich die Köchin an meinem Schreibtische zu schaffen machte und, als sie mich bemerkte, rasch Etwas unter die Schreib- rnappe schob. Ich fixirte die Köchin, sie erröthete und ging hinaus. Ich schaute unter die Mappe und fand diesen Brief da vor, er war noch feucht von der Tinte. Ich ließ natürlich den Brief liegen und dachte mir, die verliebte Gretel wird sich ihn schon wieder holen."
„Was, die Käthi hat den Brief geschrieben? Sie ist das ewig liebende Käthchen? Sie hat einen Schatz? Ach, das ist unerhört! Sie muß sofort aus dem Haufe!" rief Frau Adele in größter Erregung.
Den Bemühungen des Vaters und des Gatten gelang es jedoch, der erzürnten Frau die Ueber- zeugung beizubringen, daß es auf der ganzen Erde kaum eine Köchin gebe, und wäre sie noch so häßlich, die nicht ihren Verehrer hätte.
Selbstverständlich hat Adele an diesem Abend ihren Mann noch um Verzeihung ob ihres Verdachtes und schwur ihm hoch und theuer, nicht mehr eifersüchtig sein zu wollen. Bis heute hielt sich Adele tapfer und kämpfte wirklich jede eifersüchtige Regung mannhaft nieder.
Was nun die Käthi anbelangt, so hat sie vor Kurzem ihre Hochzeit gefeiert. Ihr Gatte ist en braver, biederer Schuhmachergeselle, der sich letzt selbständig machen wird. Sie wäre ganz glücklich, meinte Käthi zu ihrer früheren Dienstherrin,kwenn nur ihr Mann nicht gar so schrecklich eifersüchtig wäre. Frau Adele sagte ihr hierauf: „Ich kann es wirklich nicht begreifen, wie man eifersüchtig sein tarnt!"
Papa. —
„O, wir paffen gut zusammen!" entgegnete lebhaft Adele.
„Was Du nicht sagst?" höhnte der Vater.
„Jetzt aber komm! Wir wollen einmal dem leben Herrn Schwiegersohn unsere Meinung ge-
jörig sagen."
Der Herr Proseffor war eben zu Hause. Er >atte den kleinen Fritzi auf dem Schvoße und achte vergnügt den Eintretenden entgegen.
Man setzte sich, und der Herr Regierungsrath chob seinem Sohne den verrätherischen, rosa- ärbenen Brief mit den Worten zu: „Was f „n
sich ergehen.
Wenn Frau Dubar ihre Eifersuchtstage hatte, so eilte sie gewöhnlich zu ihrem Vater, dem k. k. Regierungsrath Emil Gols, und klagte ihm, in Thränen aufgelöst, ihr Leid. Der Herr Regierungsrath, der, nebenbei gesagt, Wittwer war, hörte seine Tochter geduldig an, doch verlangte er zum Schluffe ihrer Lamentation jedes Mal Beweise sür „Pucks" angebliche Untreue.
„Ohne Beweise," so meinte der Vater, „ist nichts zu machen. Bringe mir Beweise, schriftliche Beweise, und ich will Dir zeigen, daß ich Mann genug bin, um Deinem Gatten den Kopf zurecht zu setzen! Bringe Beweise, dann werde ich die Scheidung einleiten können!"
Nach solchen Scenen gingen jedesmal Vater und Tochter Arm in Arm nach des Profeffors Behausung. Hier nahm der Herr Regierungs« rath eine gar strenge Miene an und forderte seinen Schwiegersohn im kategorischen Tone auf, sich unverzüglich anzukleiden und mit ihm zu gehen, da er mit ihm ein sehr ernstes Wort zu reden habe. „Puck" kleidete sich eiligst an und ging bann mit feinem Schwiegervater direkt in den Franziskanerkeller.
Herr Regierungsrath Gols kannte seinen Schwiegersohn durch und durch und wußte deshalb, daß es „Puck" nicht im Entferntesten in den Sinn komme, seiner Frau untreu zu werden.
In dieser Art haben bisher alle Eifersuchts« plane der Frau Dubar ihren Abschluß gefunden. Als aber heute Adele ohne anzuklopfen mit zorv. funkelnden Augen in das Zimmer des Papa ftotmte und ganz verzweifelt nach Art der Sand- rock die Worte: „Schändlich! —Niederträchtig — Ich bin betrogen! — O, ich Unglückliche!" usw. deklamirte, da wurde es dem Herrn Papa doch recht ängstlich zu Muthe.
„Papa, „Puck" ist mir wieder untreu ge« worden!" rief Adele ihrem Vater zu.
„Was Du nicht sagst!" entgegnete der Vater. „Heute ist es, wenn ich nicht irre, das fünfund- zwanzigste Mal. Hast Du wieder keine Beweise ?"
„O, diesmal habe ich es Schwarz auf Weiß!" antwortete Adele und übergab dem Vater einen stark zerknitterten, rosafarbenen Brief.
*) Aus der .Amberger Volkszeitung'.
Hlesmischtes.
* Ai« australischer Millionär. Aus Sydney, 29. Aug. 1901, schreibt man der.Kölnischen BolkSzt,/: Bei dem Bravde des Waarenhauses A. Hordern u. Sons sind fünf Menschenleben zu Grunde gegangen. Der Verlust der Versicherungen beläuft sich auf 8 Millionen Mark und die berden deutschen Gesellschaften find mit bedeutenderen Beträgen betheiligt als Anfangs angegeben, nämlich die Aachen-Münchener mit 70600 und die Magdeburger mit 220 000 Mark. Während des Brandes machte der Besitzer bereits Pläne für die Zu- kunft und in der nächsten Ausgabe der Tagesblätter standen schon große Anzeigen, daß daS Geschäft vorläufig im Ausstellungsgebäude fortgesetzt würde, und am folgenden Tage zog das erstaunte Sydney nach Horderns. Aber etwa 1200 Angestellten von einem Tage zum andern Beschäftigung zu geben, nachdem die Flammen Millionen verschlungen, konnte auch der Besitzer nicht; doch ist keiner von seinen Leuten brodlos geworden und auch zu kurz ist Niemand gekommen, denn bis jetzt ist allen der volle Lohn bezahlt worden. Einer der Verunglückten hinterläßt eine Frau mit fünf unmündigen Kindern; fie erhält fünf Jahre lang wöchentlich 40 Mark und die Firma Hordern übernimmt die Erziehung der Kinder, für die eine Stellung im Geschäft offen sein wird, wenn sie in dasselbe einlreten wollen.
' Schlagfertig. Haufirer: „Ich habe biet ein sehr werthvolles Buch, in dem Sie für alles Rathschläge finden." — Hausfrau: „Sol Steht au» darin, wie man einen ausdringlichen Haufirer los wird?" — Haufirer: „Gewiß. Indem Sie ihm ein Exemplar abtaufen."
* Im Irrenhaus. Direktor: „Dieser Patient ist bis auf einen Punkt ganz vernünftig.' — Besucher: „Und was ist das für ein Punkt?' - Direktor: „Er glaubt, er wäre nicht verrückt!' , „ , „
• Der Hknckliche. „Du weißt doch, daß stch Herr Meyer und Herr Schulze gleichzeitig um Fräulein Feuer- zange beworben haben?' — „Wer ist denn nur der Glückliche?' — „Der Meyer, — denn der Schulze hat fie geheirathet!'
Landrvirthschastliches.
Ein Wort zur Verhütung der Aus- Winterung. In fast allen Theilen unseres deutschen Vaterlandes hört man klagen, daß in diesem Jahre die Winterhalmfrüchte ausgewinlert find und rm Fruhiahr umgepflügt werden mußten. ES ertönt deshalb aus vieler Munde die sehr berechtigte Frage, ob es denn kein Mittel zum Schutze der Saaten gegen Auswinterung gibt. Gar viel ist gesagt und geschrieben worbe', ohne das Richtige, das doch eigentlich so nahe liegt, zu treffen. Denn will man die jungen Pflanzen widerstandsfähig gegen Frost machen, so ist die erste Bedingung, sür eine genügende Kräftigung der Pflanzen zu sorgen. Daß diese durch eine reichliche und richtige Düngung zu erreichen ist, wird wohl jeder Landwirth elbft wissen. Eine einseitige Düngung mit Phosphor- äure und Stickstoff genügt nicht, sondern es ist m allen Fällen neben diesen beiden Pflanzknnährstsffen eine reichliche Gabe von Kali nicht zu vergessen, denn das Kali nimmt unter den wichtigsten, d.h. ganz unentbehrlichen Pflanzennährstoffen die erste Stelle em. Es gibt keine Pflanze, welche sich ohne dieses gedeihlich entwickeln kann und enthält ja auch d»e Asche einer jeden Pflanze das Kali in verhätmßmaßlg großen Mengen. Für einen preußischen Morgen gibt man auf leichtem Boden etwa 3 Gentner Kainit, auf schwererem Boden 1 Centn er 40 prozentiges Kalidüngesalz. Auf einer größeren Reise hatte der Schreiber dieser Zeilen Gelegenheit, sich häufiger von der Richtigkeit deS oben Gesagten zu überzeugen; es fiel besonders auf, daß gerade auf den Feldern, denen das Kali in genügender Menge gegeben, von einer Auswinterung nichts zu bemerken war.
Literarische».
Das Leben des heiligen Willehad, ersten Bischofs von Bremen. Von Dr. A. Tappehorn. Mit kirchlicher Genehmigung. Preis 75 Pfennig. A Lanmcmn'sche Buchhandlung, Dülmen i. W.
Es ist freudig zu begrüßen, wenn dem Leserkreise das Leben eines alten, weniger bekannten Hettrgen geboten wird, der zudem als Apostel um Deutschland ein hohes Verdienst sich erworben hat. Dem hochw. Herr Verfasserist es gelungen, das nicht reich zu Gebote stehende literarische Material — eine vom heiligen Ansgar verfaßte kurze Lebensbeschreibung — so zu verwerthen, daß eine hübsches Büchlein entstand. Er bietet uns ein einfaches, aus Quellen sich stützendes, rein geschichtlicher Lebensbild, das nicht in kurzer Zett gezeichnet wurde, sondern Jahrzehnte lang schon druck- fertig dalag und gut durchgearbeitet ist. Möge daS sehr empfehlenswerthe Büchlein die Verehrung des heiligen Willehad in weite Kreise tragen.
Leben des heiligen Johannes Berchmans aus der Gesellschaft Jesu, besondern Pattons der Jugend. Von P. F. Höver, 8. J., besorgt von P. Fr. Miller, 8. J. Preis gebunden 3 Mark. A. Laumann'sche Buchhandlung, Mimen t. W.
Die gute Aufnahme, welche dieses Hettigerneben in seiner ersten Auflage gefunden, verdient auch die zweite in hohem Maße. Es ist ein mustergtlüges Lebensbild eines Heiligen für die studirende Jugend! Wahre und hohe Begeisterung für den jugendlichen Helden, schlichte und doch so warme und sorgsältige Darstellung des Heiligen, wie er gelebt, und die schöne Ausstattung des Buches werden demselben viele Freunde machen. Ein unvergleichlicher Zauber liegt über den schönen Jahren der Kindheit und der Jugem» deS Heiligen (1. Abschnitt), erhöhtes, ernstes Tugendstreben sehen wir bei dem „jungen Ordensmanne (2. Abschnitt), dessen hohe Heiligkeit in fernem kurzen Leben seine „letzten Tage" (3. Abschnitt) und ferne „Verherrlichung" (4. Abschnitt) uns darthun. Möge das Buch viele Jünglinge zu einem reichen, strebsamen und Gott wohlgefälligen Leben führen.