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mit MnterKattunffs -Beilage „IlluKrirte Sonntags-Zeitung"

Druck und Verlar der Suldaer Actiendruckeret peterrgasse Nr. 2 (Darwontel.

M 225.

W Die beiden Seelen in der Brust der Sozialdemokratie

sind mit ihrem inneren Zwiespalte durch die Verhandlungen des sozialdemokratischen Partei­tages in Lübeck wieder so recht deutlich hervor­getreten. Scharf und entschieden klang die Ent­schließung, die Herr Bebel beantragt hatte gegen die Budgetbewilligungen durch die sozialdemokratischen Volksvertreter. Aber während der Verhandlungen wurde er selbst un­sicher, zog seinen ersten Antrag zurück und brachte einen neuen ein, der von seinem Stand­punkte aus nicht anders als ein schwächlicher Rückzug genannt werden kann. In der ersten Form fordert die Entschließung ganz entschieden, niemals ein Budget zu bewilligen; die zweite, nachher auch angenommene Form, gestattet die Bewilligung „ausnahmsweise aus zwingenden, in besonderen Berhältnisien liegenden Gründen". Wann und wo solche Gründe vorliegen, darüber gibt die Entschließung durchaus keine Auskunft; das können also die Herren Genossen eimichten, wie sie wollen. Der Genosse Wurm ereiferte sich dabei über den sozialdemokratischen fran­zösischen Handelsminister Millerand, dem jetzt ein russischer Orden an die Brust geflogen sei und gegen einen deutschen Genossen, der am 19. März keine Gedächtnißrede auf die Revo­lution von 1848 halten wollte, um nicht die Stimme» der noch nicht zielbewußten Arbeiter zu verlieren; er ermahnte die Partei zum offenen Kampfs und warnte sie davor, „sich in ein Lammfell einzuhüllen . . . ." Und schließlich wurde unter großer Fröhlichkeit der Versamm­lung sogar Herrn Ginger vorgehalten, daß die Berliner Sozialdemokratie doch auch das Ber­liner Stadtbudget bewilligen und Herr Ginger in höchsteigener Person sogar Ja gesagt habe zu der Forderung für den letzten festlichen Empfang des Kaisers von Oesterreich in Berlin!

Herr Singer hatte diesmal überhaupt mehrfach Pech. In einer der ersten Sitzungen schwang er die Glocke zu feierlichem Schweigen, um, wie er sich ausdrückte, „von einem groß­artigen Erfolge der sächsischen Parteigenoffen Mittheilung machen zu können". Herr Ginger blldete sich ein, die „Genoffen" hätten in Sachsen bei den Landtagswahlen zwei Wahlkreise erobert, und dabei handelt es sich nur um die Wahl einiger sozialdemokratischer Wahlmänner in der dritten Wählerabtheilung. Auf den Jubel und das Händeklatschen folgte, als alles aufgeklärt war, schallendes Gelächter.

Mit einem Verlegenheitsauswege behalf sich der Parteitag auch bei der Abwandlung der Hamburger Akkordmaurerfrage. Die Entschließung, die darüber gefaßt wurde, „ver- urthetlt" in ihrem ersten Theile „rückhaltlos den Streikbruch". Im übrigen lehnt es aber der Parteitag ab, sich näher um die Sache zu küm­mern; er „überläßt es den örtlichen Organisatio­nen, zu entscheiden, mit welchen Mitteln sie den

Die LrmkvhMsxrnsessiil.

Roman von O. Elster.

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Hoch aufathmend, mit glänzenden Augen und zuckenden Lippen stand der junge Offizier vor Else, der armen verachteten Tochter des Armen­hausbewohners, des elenden halb verkommenen Invaliden aus dem amerikanischen Kriege. Er legte ihr seinen Namen, seine Zukunft, sein ganzes Leben, zu Füßen und ein -Gefühl des Stolzes ließ Elses Herz höher schlage». Sie wußte, daß der Rittmeister es ernst meinte. Sie kannte ihn zu gut, als daß sie an Heuchelet seinerseits denken konnte; sie wußte aber auch, welcher Umstand seiner Sinnesänderung hervor­gebracht hatte, sie kannte seinen Ehrgeiz und durchschaute ihn, daß er hoffte, sich durch eine Verbindung mit ihr der Gunst des Herzogs und der Herzogin noch mehr, als es jetzt schon der Fall, zu sichern.

Ein feines Lächeln huschte über ihr Antlitz, als sie erwiderte: „Dem Günstling der Fürstin, dem Mädchen, auf das die Sonne der fürst­lichen Gnade fällt, glauben Sie Ihre Hand bieten zu dürfen, die sie der armen Künstlerin vorenthalten mußten. Ist es nun die Gunst der edlen Fürstin oder ist es meine Person, welcher Ihre Liebe gilt?"

„Wollen Sie mich verspotten, Else?" „Ich will nur die Wahrheit wiffen." „Ran denn, meine Liebe gilt nur Ihnen!" „Ach, dann warte« wir, bis die Sonne der

Iutöcr, Dienstag, den 1. Oktober 1901.

28. Jahrgang.

Zentralverband der Maurer gegen die Hamburger Akkordmaurrr unterstützen können, und nament­lich, inwieweit sie ein Zusammengehen mit ihnen in ihren Parteiorganisationen für möglich halten." Der Obergenoffe Auer bemerkte dabei: wenn man nach fünf Jahren die Verhandlungen über diesen Punkt lesen werde, werde man auf den Gedanken kommen, die Redner seien „alle im Delirium gewesen . . .*!

Das waren Zugeständnisse der „Zielbewußten" an die Leute im Lammfell. Aber wichtiger und bedeutungsvoller ist die Unterwerfung Eduard Bernstein's unter die sehr starke Mehrheit, mit der der Parteitag unter Führung Bebel's gegen ihn Stellung nahm. Man sagt, sie hätten sich doch „gemausert"; denn sonst hätte Bernstein „fliegen" müffen. Aber Bernstein hat sich doch eben unterworfen; warum sollte er afto „fliegen" ? Außerdem kann das, was noch nicht ist, im Laufe der Zeit zur Thatsache werden und Bernstein kann doch noch aus der Partei ausgeschloffen worden oder selbst mit seinem Gefolge aus ihr aus treten. Tie Folge davon würde die sein, daß die „Lammfelle" ihre eigenen Wege trotten, die „Zielbewußten" aber schärfer auftreten wür­den, als vorher. Es würde, wie in Frankreich, die Partei der „Revolutionären" sich absondern und alsdann in maßloser Hehere» alles über­bieten, was bisher da war. Man kann wohl davon spreche», daß die Sozialdemokratie der» Keim zur Spaltung, zum innern Zerwürfnisse in sich trage. Aber die Anschauung von einer „Mauserung" der Sozialsemokrotie in Bausch und Bogen hat durch die Lübecker Tage kerne neue Stütze erhalten.

Derrifchss Krich»

Berlin, 30. September.

X Zum ,,Ialk Spay«" läßt sich die .Bonner Zeitung', das Leibblatt der Bonner Professoren aus Berlin Folgendes schreiben: „Aus den Erörterungen zu diesem „Fall" geht klar hervor, daß wir es in ihm allerdings mit einer sehr unangebrachten Nachgibigkeit gegen das Centrum und mit einer großen Rücksichts­losigkeit gegen die philosophische Fakultät der Universität Straßburg zu thun haben. Ist aber, wenn man die Persönlichkeit deS Herrn Spahn betrachtet, die Freude der Ultramontanen be­gründet? Wir glauben, nein. Spahn gehört zu jenen vielen Katholiken, die innerlich antiultramontan sind, deren wissen­schaftliches Gewissen sich gegen die Un. Wahrheit des ultramontanen Systems auf lehnt. In Berliner Kreisen ist es ganz bekannt, daß, als Spahn Privatdozent in Berlin war, er sich wiederholt zustimmend zu dem anti­ultramontanen Vorgehen des Grafen von Hoensbroech ausgesprochen und sogar, als Graf von Hoensbroech Mitherausgeber der »Täglichen Rundschau' war, ihm seine Mit­arbeit angeboren hat. Spahns innere Ge­sinnung ist also durchaus nicht sattelfest im ultra­montanen Sinne. Freilich scheint Spahn zu jenen antiultramontanen Katholiken zu gehören, — es gibt deren leider so viele —, die nicht den rechten Muth haben, ihrerantiultramon-

sürstlichen Gnade mir nicht mehr scheint, bis ich wieder eine arme Künstlerin, eine „Dame vom Theater" bin."

„Wie soll ich Sie verstehen, Else?"

„Daß ich an Ihre Liebe nur glauben kann, falls Sie mir Ihre Worte von vorhin wieder­holen, wenn ich wieder das bin, was ich war, ehe mich die hochherzige Fürstin zu sich nahm — die Armenhaus-Prinzeffin — die arme Künstlerin."

„Else — Sie weisen mich zurück?!"

„Ich sagte nur, waS ich denke. Nehme« Sie es für eine Abweisung, dann um so beffer für uns beide, dann brauchen wir nicht wieder auf diese Unterredung zurückzukommen."

„Sie spielen mit mir, Else! Ich warne Sie — Sie wandeln einen gefährlichen Weg — hüten Sie sich, daß nicht ein Schritt Sie in den Abgrund stürzt."

„Herr Rittmeister —!"

„Hüten Sie sich, Else! Ich lese in Ihrem Herzen — ich habe Ihr Geheimniß errathen — Sie lieben mich nicht, weil Sie einen andern lieben — aber dieser andere ist für Sie un­erreichbar!"

Eine heiße Gluth überflammte das Antlitz Elses. Sie sah ihr Geheimniß errathen — sie sah sich dem Spott, dem Hohn der Welt aus­gesetzt, wen» der Rittmeister seine Entdeckung weiterplauderte; sie erinnerte sich plötzlich des geheimen Geflüsters um sie her, der spöttisch lächelnde» Blicke, sie wußte, daß sie verloren war, wenn ihr Geheimniß der Welt bekannt wurde.

Mit einem Male durchschaute sie den Plan des Rittmeisters, der sie umlauert hatte, um ihr

Kundgebungen werde eine Revision in wesent­lichen Punkten nicht zu umgehen sein. Obwohl nun damit sehr wenig gesagt ist, da man ja gar nicht weiS, welche Art von Aenderungen der Reichskanzler im Sinne hatte, kann man wohl annehmen, daß über die Aeußerung richtig be­richtet sei; denn Aenderungen des Entwurfes sind bekanntlich höchst nothwendig. Es kommt kommt hierbei auf etwas Anderes an. Wen» die leitenden Stellen im Reiche der gekenn­zeichneten Anschauung huldigen, dann hat ma» zu erwarten, daß schon der Bundesrath er­hebliche Aenderungen an dem Entwürfe vor­nehmen werde; und daun würde dieser in ganz anderer Form an den Reichstag gelang1«, als die ist, die wir jetzt kennen. Dann würde man jetzt also noch gar kein abschließendes Urtheil darüber faffen können. Außerdem aber würde daraus hervorgchen, daß die ergangenen Kund­gebungen über und gegen einzelne Bestimmungen des Entwurfes nichts weniger als unbemerkt vorübergehen, woraus die entsprechenden Schluß­folgerungen sich von selbst ergebe«. Der Bundesrath beginnt mit seinen Sitzungen am 8. Oktober. Wenn er einschneidende Aenderungen an dem Tarifentwurfe vornehmen will, bann wird man sich gefaßt darauf machen müffen, daß der Entwurf dem Reichstage bei deffen Zu­sammentritt noch nicht zugegangen sein wird. Heute schreibt nun die oberoffiziöse.Norddeutsche Allgem. Ztg.': Nach einer in mehreren Blättern aufgetauchten Meldung soll sich Graf von Bülow kürzlich zu einem hohen Beamten in dem Sinne geäußert habe», daß er die Initiative zu einer Revision des Zolltarif-Entwurfes er­greifen werde. Demgemäß werde sich der Bundesrath schon in seiner ersten Sitzung mit de» neuen Vorschlägen zu beschäftigen haben. Gegenüber verschiedenen Kommentaren zu dieser Meldung ist es nicht überflüssig, zu bemerken, daß der „hohe Beamte" mit sammt dem Re­visions-Entwurf in das Reich der Phan­tasie gehört.

+ Zollkrieg mit Hekerreich - Zlrrgarx ist das neueste Schreckgespenst, mit dem sreihänd- lerische Blätter alle diejenigen zu ängstigen suchen, welche der Einführung geeigneter Schutzzölle ge­neigt ünd. Ein Budapester Blatt, der .Budapests Hnlap', will angeblich von einem deurschen Politiker erfahren haben, der ungarische Mini­sterpräsident v. Szell habe der deutschen Regie- rung auf dem diplomatische» Wege ganz unzwei­deutig erklärt, er könne keinen Handelsvertrag ab- schließen, wenn Deutschland an dem Zolltarif- Entwürfe festhalle; ja noch mehr: Herr v. Szell soll angeblich der deutschen Regierung vorgerech- net habe», daß dieser Tarif-Entwurf den Drei­bund und damit den europäischen Frieden be­drohe . . . . Es ist erstaunlich, daß Blätter, die ernst genommen sein wollen, diesen Unsinn weiter­geben. Man weiß allerdings nicht mehr, ob daS ,Berl. Tagebl.' noch zu diesen Zeitungen gerech­net sein will; dieses hat nämlich die Ente deS ungarischen Blattes eingefangen, um sie von Neuem in Deutschland aufsteigen zu laffen. An der ganze« Nachricht ist natürlich kein wahres Wort. Nichtsdestoweniger wird auch sie ihren Rund­gang durch die freihändlerische Presse an­treten.

verkaufen. Sie fühlte sich stark genug, der Welt, der höfischen Gesellschaft die Siirne zu bieien, sie wollte sich nicht selbst aufgeben, sie wollte ihr Herz, ihre Liebe, ihr höchstes Heiligthum nicht selbst verratben.

„Ich weiß nicht," sprach sie mit bebender Stimme, «was Sie alles gesprochen haben; nur dar Eine hörte ich aus Ihren Worten heraus, daß Sie mich für schwach und am Ende gar für ehrlos halten."

„Elfe!"

^Jch gab Ihnen und der Welt keine Set« anlaffung zu einer solchen Meinung," fuhr sie stolz, mit immer fester werdender Stimme fort, „und ich werde Ihnen und der Welt niemals Beranlaffung geben. Meine Ehre weiß ich selbst zu schützen, ich brauche Niemand dazu, am wenigsten einen Mann, der dadurch, daß er vorgibt, meine Ehre zu schützen, seinen Ehrgeiz befriedige« will —" , , . .

„Sie sind wahnsinnig, Mädchen!" rief der Rittmeister aufbrausend.

„Wir haben uns wohl nichts mehr zu sagen, Herr Rittmeister — mein Weg führt mich hier zum Schloß zurück.

Sie neigte mit königlichem Stolz leicht ihr Haupt und trat in einen Nebenweg, rasch davon­schreitend. * .

Der Rittmeister schien ihr nacheilen zu wolle«. Aber er hielt sich zurück, erhob nur leicht die Hand und murmelte, während ein Lächeln seine Lippe« umznckte: „Warte nur. Du Armenhaus- Prinzeffi«, ich werde Dich schon noch zahm machen!" (F. f.)

tanen Gesinnung offenen Ausdruck zu geben. Wie Schell u. A. fürchtet er die ultramontane Verfolgung. Nach keiner Richtung hin wird also Straßburg etwas an ihm gewinnen." — Der Artikel richtet sich ja schon von selbst. Jndeß wäre es angebracht, daß von autoritativer Seite all diese boshaften Verdächtigungen etwas tiefer gehängt würden. Sicherlich wird auch die rechte Antwort nicht lange auf sich warten lassen.

• Um der von ihm eingeleiteten Bewegung gege« das Dnelk weiteren Fortgang zu geben, erläßt der Fürst zu Löwenstein eine öffent­liche Einladung zu einer Besprechung in Leipzig am 19. Oktober. Die Einladung ist von zahl­reichen Gesinnungsgenoffen des Fürsten, u. A. von Herrn Oberbürgermeister Dr. Antoni- Fulda, sowie von mehrere» bekannten Mitglie­dern der Centrums-Partei unterzeichnet. (Den Wortlaut der Einladung finden unser Leser im Anzergentheile dieses Blattes. D. Red.)

X Merzlereien in der Marine? Nach Berichten einiger Blätter sollten grob» Aus­schreitungen der Mannschaften an Bord des kleinen Kreuzers „Gazelle" vorgekommen fern. Halbamtlich wird dazu in der ,Nordv. Allgem. Zeitung' geschrieben: „Diese Gerüchte müffen zum mindesten als übertrieben bezeichnet werden. Es handelt sich voraussichtlich um Jnsubordi- nationsvergchen einzelner Mannschaften, die sich zur Zeit in kriegsgerichtlicher Untersuchung be­finden. Die Thatsache, daß genaue Angaben über den Vorfall bei den Centralbehörden nicht vorliegen, läßt es zweifellos erscheinen, daß von Ausschreitungen in größerem Umfange nicht die Rede fein kann. Das Geschwaderkommando würde in letzterem Falle nicht verfehlt Haden, nähere Mittheilungen zu machen." Nach einem Berichte der freisinnigen ,Vosfischen Zeitung' aus Kiel handelt es sich um „den unschuldigen Neber- muth von Reservisten, die nach Schluß der Ma­növer oft unmittelbar vor der Entlassung zum Unglück der Betreffenden durchbricht." Von amtlicher Seite wurde die Versicherung abge­geben, daß aus keinem Schiffe ein Fall von Meuterei vorgekommen sei. Aus dem amtlichen Bericht über die fraglichen Vorkommnisse ist zu entnehmen, daß eines Morgens wirklich einige unbedeutende Geschütztheile verschwunden gewesen waren. Die sofort eingeleitete strenge Unter­suchung läßt jedoch erkennen, daß „die Vergehen gegen kaiserliches Eigenthum wahrscheinlich im Uebermuth oder aus Nachlässigkeit begangen sind." Von einer Meuteret an Bord des Kreuzers „Gazelle" oder sonstwo kann keine Rede sein. Es sind niemals, wiei«einzelnen Zeitungen behauptet wurde, fünfzehn Mann in Untersuchungshaft gewesen. Die Reservisten der „Gazelle" sind zum bestimmungsmäßigen Termin ebenso entlassen worden wie die Reservisten aller anderen Schiffe.

+ Aeudernug des Aslttarif K»trv«rfes? Nach einem umlaufenden Gerüchte hat Reichs­kanzler Graf Bülow bei feiner letzten An­wesenheit in Berlin bte Aeußrrung gethan, der Zolltarif-Entwurf könne augenscheinlich nicht so bleiben, wie er sei. Nach der Ausnahme, die der Tarifentwurf bisher gefunden habe, und unter Berücksichtigung der noch zu erwartenden Geheimniß zu entdecken und der sie jetzt durch seine Mitwisser? schast zwingen wollte, seiner Werbung Gehör zu schenken.

Sie bebte zurück vor dem triumphirenden Aufleuchten seiner Augen, vor dem sieghaften Lächeln seiner Lippen, vor der kalten Grau­samkeit seiner Worte. Ein Nebel senkte sich vor ihre Augen, sie wankte und wäre zu Boden gestürzt, wenn der Rittmeister sie nicht aufgefangen hätte.

„Else," flüsterte er, „verzeihen Sie mir, wenn ich Sie verletzt habe, wenn ich unzart an einem Geheimnis Ihres Herzens rührte, das Sie selbst vielleicht »och nicht errathen habe». Ich glaube an Sie — ich weiß, daß Sie Ihre Ehre, Ihren Stolz über alles hochhalten — aber Sie find unerfahren in dieser Welt. Sie find un­vorsichtig, Sie stehen der Welt schutzlos gegen­über, lassen Sie mich Ihr Schutz sein und kein Wort des Tadels, deS Zweifels und des Spottes wird Sie treffe». Ich weiß, daß der Herzog sie liebt, ich weiß aber auch, daß der Herzog viel zu hochherzig denkt, als daß er Ihrem Glück entgegentreten wollte. Und wenn Sie den Herzog geliebt haben — i« meiner Liebe werden Sie de» thörtchte» Traum Ihres junge» unerfahrenen Herzens vergesse». Else, darf ich mit der Herzogin sprechen, Ihrer mütter­lichen Beschützerin?"

Da entriß sie sich seinen Armen und stieß ihn zurück. Der Trotz ihrer Kindheit überkam sie wieder. Sie wollte sich nicht zwingen laffen, sie wollte selbst um den Preis einer ehrenvollen gesicherten Zukunft ihr Herz, ihre Liebe nicht