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mit Zlnterhaltungs-Beilage „Iüüflrirte Sonntags-Zeitung"

L»«S und verlaz de» Fuldaer Actiendrueke« peteresaüe Ur. 2 fBannonie).

Jullöa, Montag, den 30. September MOL

JH 224.

2.8. JahrgMg-

VkstkllWkll mif das 4. (Quartal der ,Fuldaer Zeitung^ werden fort­während von allen Postanstalteu, Land­briefträgern «nd von nuferer Expedition <Harmonie) entgegengenommen.

Dentfches Keich.

Berlin, 28. September.

* Apologetik. Man hat es als einen Mangel empfunden, daß im katholischen Religions­unterricht zu wenig oder fast gar keine Rücksicht genommen werde auf die Ausrüstung der Jugend mit Waffen gegen Glaubensanfechtungen im fpäteren Leben. Viel eifriger seien hierin die Gegner. Das ist allerdings sehr natürlich, da der Kampf gegen Rom das L-benselernenr des Protestantismus ist. Die diesjährige Haupiver- fammlurg des Vereins von evangelischen Religionslehrern an den höheren Lehr­anstalten der Provinz Hessen-Ras sau und dss Fürstcnthums Waldeck, die zu Hersfeld am 14. Mai d. I. tagte, nahm den Vortrag eines Theilnehmers „beifällig" auf, in dessen Leitsätzen es (nach einem Berichte in der Zeitschrift für GyMnastalwesen, Juliheft S. 440 ff.) u. a. heißt:

Die Steigerung konfessioneller Gegensätze unserer Zeit (Erstarken deS Ultramontanismus auf der einen und Erwachen protestantischen Bewußtseins auf der anderen Seite) verpflichtet den evangelischen Religions­lehrer höherer Lehranstalten mehr denn je, das Ziel seines Unterrichtes in die Heranbildung zielbe­wußter protestantischer Charaktere zu ver­legen. Die Verfolgung dieses Zieles hat sich in gleicher Weise fern von gehässtger Polemik wie frei von evan­gelischer Mattherzigkeit zu halten . . . Zum anderen ist bei aller Anerkennung und gerechten Würdigung der auch dem Katholizismus eigenen Vorzüge nicht zu ver­schweigen, welcher tiefgreifende Unterschied zwischen dem Glaubensleben überzeugungstreuer katholischer Christen im einzelnen und den Endzielen einer auf Herstellung mittelalterlicher Hierarchie gerichteten römischen Kirche besteht (Katholizismus — Ultramontanismus. Zuletzt aber ist fort und fort darauf hinzuweisen, daß die sitt­lichen Grundwahrheiten, welche in Christi Lehre uns gegeben, in Luthers Reformation unS neu gewonnen find, aller wahrhaft veredelnden Weltanschauung und Kultur zu Grunde liegen und allein die lebenspendenden und erhaltenden Kräfte im Geschicke der Völker bilden, wie es der Rückgang romanisch-katholischer und der Aufschwung germanisch-protestantischer Staaten beweist.

Die ,Köln. Bolksztg/ bemerkt dazu: Wenn dergleichen Ideen dem jugendlichen Geiste von klein auf eingeimpst werden, so braucht man sich nicht über die Verschrobenheit so mancher An­schauungen, die in der liberalen Preffe und sonst­wo auftauchen, zu verwundern. Auch die „ro- manisch-katholtsche" Inferiorität sieht man hier wieder paradiren. In den Zeiten Ludwigs XIV. scheinen dann wohl die „lebenspendenden Kräfte" der Reformation nicht lebendig gewesen zu sein. Was bei solchen Grundanschauungen von Aner­kennung der der katholischen Kirche eigenthüm- lichen Vorzüge übrig bleiben wird, mag man sich ausmalen. Wir glauben zwar, daß schon bis jetzt die Behandlung katholischer Dinge von „evangelischer Mattherzigkeit" weit entfernt ge- wesen ist, aber der Ruf nach Verschärfung

Vie ArmchMspriPthi».

Roman von O. Elster.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

Die Gräfin warf das Haupt mit dem wohlfrifirten, schneeweißen Haupthaar in den Nacken.

„Exzellenz wollen doch nicht sagen, daß ^0^jlrioJiefeie8 Interesse für dieses Mädchen empfindet?"

Exzellenz kicherten in sich hinein, klemmten das Monocle in da« rechte Auge und blickte die Ober- Hofmeisterin mit spöttischem Lächeln an.

„Aber, gnädigste Frau Gräfin, davon habe ich kein Wörtchen gesagt I Steht unser Armeuhau«- Prinzeßchen nicht unter dem Schutz der Frau Herzogin? Wie sollte ich mich «rkütznen, von einem anderen Schutz zu sprechen?"

Wieder kicherte dl« lustige, alte Exzellenz gar spöttisch »nd boshaft.

Die Gräfin wurde purpurroth vor Zorn über sich selbst, daß sie ihre Gedanken so unvorsichtig verrathe» »nd wandte sich ab, ohne die pfiffig« Exzellenz einer Entgegunng z« würdigen.

Else selbst vernahm von dem Flüstern de» Spottes, des Neides, der Boshett und auch des Mitleid« ring« um sie nicht«. Wohl begegnete sie hin und wieder einem kalt forschenden, beobachten- den Blick, eine« leichten, malitiösen Lächeln, einer kühlen Zurückhaltung in Miene und Haltung, aber ihr Glück, ihre innere Befriedigung waren zu groß, al« daß sie auf diese Aeußerungen einer ge­

ist ein Zeichen der Zeit und ein Mahnruf für unS zur kräftigen Abwehr.

* Etwas Erfreuliches in unserer dem Genuß und dem Wohlleben so sehr verfallenen Zeit hört man mitunter doch noch. Dazu gehört entschieden daS, wenn auch langsame, so doch stetige Fortschreiten der HssäßigkeitsSewegnn-, und zwar auch in solchen Kreisen, in denen man nicht gerade zuerst es vermuihen sollte. Daß die Mäßigkeitsbewegung, die Enthaltung von Alkohol, unter der Arbeiterschaft immer mehr Ausdehnung gewinnt, ist schon früher gemeldet worden. Hier in Berlin z. B. gibt es bereits mehrere Arbeiter-Mäßiskeilsoereinigungen. Das Gleiche wird jetzt auch aus kaufmännischen Kreisen berichtet. Nachdem kürzlich in Ham­burg ein „Deutscher Verein abstinenter (enthalt­samer) Kaufleute" gegründet worden ist, sind jetzt ähnliche auch in Bremen und Leipzig ent­standen, denen in Kürze roch weitere folgen sollen. Der Verein, der außerdem eine ganze Reihe einzelner Mitglieder in allen Theilen des Reiches besitzt, gibt auch eine eigene Zeitschrift, .Kaufmännische Äbstinenzblätter^, heraus. Dieser Verein, dem man weiteste Verbreitung wünschen muß, kann nach zwei Seiten hin außerordentlich segensreich wirken: einmal durch die Erhaltung der körperlichen und moralischen Gesundheit seiner Mitglieder (in Folge der Erhaltung von geistigen Getränken), und dann durch Minderung von Vergehen: Unterschlagungen, Diebstählen usw., zu denen junge, in Kneipen viel verkehrende Kaufleute leicht neigen.

+ Die Aerössserurrg de» AKIiengefeHes ist ein Thema, daS nicht mehr aus den täglichen Auseinandersetzungen in der Presse verschwindet. Die Bankkatastrophen und ähnlichen Ereigniffe der letzten Zeit waren zu bösartig, als daß unsere öffentliche Meinung so bald darüber hinweggluten könnte. Von vielen Seiten ist bekanntlich als ein Hauptmangel bezeichnet worden die Häufung von vielen AufstchtSrathSstellen auf eine einzelne Person. Fünfzehn und mehr solcher Stellen werden stellenweise in einer Person ver­einigt. Auch ist es eine häufige Erscheinung, daß der Direktor der einen Gesellschaft Auf­sichtsrath bei einer anderen oder bei mehreren anderen ist und dergleichen mehr. Das Aktien- gesetz enthält keine Bestimmung darüber, also auch keine Einschränkung; es ist also gegen­wärtig keine Handhabe geboten, um diesem Un­fug zu steuern. Daß bei einer derartigen Häufung der Stellen eine sorgfältige Behand­lung der einzelnen Amtspflichten nicht mehr möglich ist, liegt auf der Hand. Aber für Fahrlälsigkeiten gibt es keine Strafe. Das Gesetz macht den Aufsichtsrath nur dann ersatz- pflichtig, wenn er es an der Sorgfalt des ordentlichen Geschäftsmannes fehlen läßt, und macht ihn strafrechtlich verantwortlich nur für den Fall wissentlicher Benachtheiligung der Gesellschaft und wissentlich falscher Dar­stellung der Geschäftslage. Wissentlich falsche Angaben, also bewußte Betrügereien, kommen ja nun zum Glück sehr selten vor. Deswegen macht die nationalliberale ,Braunschw. Landes- Jätung' den beachtenswerthen Vorschlag, auch eine gesetzliche Strafbarkeit der Fahrlässig­keit eines AussichtSrathes in daS Aktiengesetz

Heimen Gegnerschaft geachtet oder Werth gelegt hätte.

Mit inniger Verehrung und kindlichem Ver­trauen schmiegte sie sich an die rührende Gestalt der fürstlichen Dulderin an, welche ihr wiederum mit mütterlicher Liebe und Zärtlichkeit entgegen- kam. Kein Tag verging, daß Else nicht stunden­lang der kranken Fürstin vorlesen, vorspielen oder vorsingen mußte. Ost auch spät in der Nacht, wenn Fürstlichkeiten aller Art den Hof und die Gesellschaft in den lichlersüllten Sälen de« Schlöffe« ober in den Salons de« Adels der Stadt versammelt hielt, weilte Else bei der Fürstin und verscheuchte die Traurigkeit non der Stirn, aus der Seele ihrer Herrin durch ihre Lieder.

Die Herzogin sandte dann selbst die den Dienst thuendrn Hofdamen fort; nur eine alte Kammer­frau wachte im Vorzimmer, während Else bei der kranken Fürstin weilte.

„Wird es Ihnen auch nicht zu einsam, zu still bei mir einsame», kranken, alten Frau, mein liebe« Kind?" fragte dann wohl die Herzogin, zärtlich die blonden Locken Else« streichelnd. „Sie find jung, schön und reich begabt; Ihr Herz sehnt sich gewiß hinaus in den Glanz de« Lebens und ich halle «ein kleine«, arme« Smgvögelchen fest in der dumpfen Krankenstube." |

Acte Efe vor der Fürstin nieder »nd küßte die schwachen, hageren, blaffen Hände, «nd Berte bH Danke«, der Liebe, de« Vertrauen« quollen über ihre Lippen.

Nein, er wurde ihr nicht zu einsam in dem großen, wetten Schlosse, den hallenden Korridoren, beit glänzende» Säle», dem lauschigen Thurm­

einzuschalten und eine unbedingte Ersatz- pflicht desselben einzuführen. Es würde nichts weniger als ein unbilliges Verlangen sein, daß der AussichtSrath für die Richtigkeit und Genauig­keit der Bilanz und der Abrechnung von Ge­winn und Verlust genau ebenso haftbar gemacht werde, wie der Vorstand einer Aktiengesellschaft. Eine Ergänzung des Aküengesetzrs in diesem Sinne würde ohne Zweifel eine wirkliche Ver­besserung desselben bedeuten. Dieselbe Bezeich­nung verdient der von anderer Seite ergangene Vorschlag, pfiichtmätzig neben dem Vorstande einer Aktiengesellschaft einen vom Staate zu be­stimmenden vereidigten Rechnung sführer einzusetzen, für dessen Besoldung die Gesell­schaften eine besondere Abgabe an den Staat entrichten müßten. Oft fehlt es unter den gegenwärtigen Umständen an geeigneten Kräften für Aufsichtsräthe, namentlich bei Unternehmungen in kleineren Städten. — Ein gewöhnlich gut unterrichtetes Berliner Blatt weiß nun zu melden, daß an maßgebender S'elle einstweilen an eine Aenderung des Gesetzes über die Aktien­gesellschaften nicht gedacht wird. ES bleibt also vorläufig beim Alten!

* Zu dem Gesetze betr. das Artz Serrecht an Werken der Literatur unoTonkunst, welches der Reichstag im Mai verabschiedet hat, fehlten bisher noch die AuSführungs-Be- stimmungen. Der Reichskanzler hat dieselben jetzt erlassen. Die Sache kann insofern auch über die Fachkreise hinaus Interesse erregen, als es auch außer den Erben Richard Wagners immer noch Leute gegeben haben soll, die eine Ver­längerung der Schutzfrist von 30 auf 50 Jahre zu Gunsten einzelner Wagner'schen Schöpfungen für erreichbar hielten. Diese Hoffnungen, denen durch wiederholte Gesuche der „Frau Cosivna" noch neue Nahrung zugesügt war, können jetzt ai8 endgiltig abgelhan erachtet werden, denn nun tritt das Gesetz voll und ganz in Kraft und die Fa­milie Wagner muß sich mit dem Gedanken ver­traut machen, daß eine Ausnahmestellung gegen­über dem Gesetze auch ihr nicht eingeräumt wer- den kann, selbst auf die Gefahr hin, daß nach 10 oder 12 Jahren der Nimbus, der bis dahin das „Wallhall" Bayreuth umgab, schwinden wird, und die Millionen, welche der Familie Wagner zuflossen, einen andern Weg nehmen werden.

-f- Ein netter NttchdrsLer-Tartf ist auf weitere 5 Jahre von dem Tarif-Ausschüsse der deutschen Buchdrucker vereinbart worden, der während der cb gelaufenen Woche in Berlin ge­tagt hat. Den Vorsitz führten der Buchdruckerei- Besitzer Georg Büxenstein - Berlin und der Gehilfenvertreter L. H. Giesecke-Berlin. Die Berathungen sind am Samstag Nachmittag zu einem glücklichen Ende geführt worden, wovon der Ausschuß den Reichskanzler Grafen Bülow und den Staatssekretär des Innern. Grafen Posa- dowsky. durch Telegramme in Keuntniß setzte. Der neue Tarif setzt wiederum Lohnhöhe, Arbeits­zeit, ArbeitS - Nachweis ec. fest und gilt für das ganze Deutsche Reich.

V Nerki», 29. September. Der Kaiser be­absichtigt, von Rominten auS noch einmal im Laufe dieser Woche in Danzig und Langfuhr einzutreffen. Es find dort bereits Anordnungen getroffen, daß die während der Kaisertage aufgestellten Beleuchtungs­körper noch stehen bleiben. Man hält eS sogar für

zimmer, da« man ihr als Wohnzimmer einge- rävmt, und den verschneiten, vielverschlungenen Wegen des großen Parkes, der sich in den Hoch­wald verlor, welcher sich hinter dem Schlosse emporthürmte.

Es würbe ihr nicht einsam in der glänzenden Gesellschaft des Hofes, inmitten der reichen und vornehmen Damen, die mit kühlem Stolz auf den armen niedrigen Eindringling herabsahen, inmitten brr ordengeschmückten, glänzenben Herrenwelt, die sie mit süßlicher, halb spöttischer Galanterie um­schmeichelte, inmitten der glanzvollen Hoffeste, in­mitten der einsamen, stillen Stunden »nd Tage am Krankenbett der hohen Gönnerin.

Außer der Herzogin besaß Else keine Freundin; außer bem alten General von Hannecken keinen Freund. Aber auch mit diesen Freunde» konnte sie nicht darüber sprechen, «ar ihr Herz so stür­misch bewegte, wa« den Inhalt ihres ganzen Leben« au«macht«.

Sie empfand aber auch nicht bat Bedürfttiß der Aussprache. Sie bebt« vor der Berührung ihre« Geheimnisse« zurück, das sie selbst sich, ihrem Herzen nicht z» offenbaren wagte. Der Herzog hatte auf da« junge unerfahren« Herz einen allzu- tiefen Eindruck gemacht.

Sie wußte anfang« selbst nicht, daß e« di« Liebe, die erste, anfflammend«, heiße Lieb« de« z»m Lebe» erwachten Weibes «ar, was sie auf den Gipfel de» Glücke« erhob, wa« sie oft in de» Abgrund banger Zweifel stürzte.

Sie bnrfte sich ja dieser Lieb« nicht hingeben; di«s« Liebe war Wahnsinn, war Sünde! Aber sie besaß die Kraft nrcht, diese Liebe an» ihrem

nicht ganz ausgeschlossen, daß der Kaiser am Tage von General von Lentze's 50jährigem Milttärdienstjubiläum (also am 1. Oktober) in Danziz eintrifft. — Die Kaiserin leidet an einer leichten Erkältung. Da sie früher als eigentlich festgesetzt war, aus Rominten zurückgekehrt ist, halten sich Gerüchte einer erhebliche» Erkrankung in Potsdam verbreitet, die sich aber glück­licherweise nicht bestätigt haben. — Aus Breslau wird gemeldet: Als Admiral v. Send en - Bibran, der Chef des Marine-Kabinets, im Jagdrevier seines Bruders bei Schloß Reisicht im Kreise Haynau aus einem neuen Jagdgewehr den ersten Schuß abgab, zer­sprang das Gewehr und Admiral von Senden-Bibran wurde an der linken Hand schwer verletzt. (Es scheint hier ein Jrrthum in Betreff der Person vorzuliegen, denn der .Reichsanzeiger' meldet, der Vizeadmiral v. Senden-Bibran fei gestern Vormittag vom Kaiser in Rominten zum Vortrage empfangen worden. D. Red.)

* Köln, 28. Sept. Der Generalpräses der kathol. Gesellenvereine, Herr Domkapitular Msgr. Seb. Schäffer, hat einen Schlaganfall erlitten. Der Zustand des hochverdienten Nach­folgers des seligen Vater Kolping wird als be­denklich bezeichnet, umsomebr als Domkavitular Schäffer (geb. 16. April 1828) bereits das 73. Lebensjahr überschritten hat. In den Kreisen der Gesellenvereine sind bereits umfassende Vorbe­reitungen getroffen, das goldene Priesterjubiläum des Herrn Generalpräses, welches in den August des nächsten Jahres fällt, würdig zu begehen. Hoffen wir, daß der Herr über Leben und Tod das theure Leben des ehrwürdigen Greises zur Freude seiner zahlreichen Mitarbeiter und Söhne noch recht lange erhält.

* Massa«, 28. Sept. Der Hauptoerein Wies­baden des Evangelischen Bundes hielt hier am 24. und 25. d. M. seine General-Versammlung ab. Die Hauptversammlung in der Kirche am Mittwoch Morgen war von 45 Personen besucht, Männer, Frauen und Kinder zusammengezählt. Die Hauptversammlung wurde, wie der ,Naff. Bote' meldet, von Pfarrer Lieber-Wiesbaden mit einer Darlegung der bekannten Zwecke und Ziele des Vereins, sowie seines Standes in Nassau eingeleitet. Er beschäftigte sich dabei auch mit dem letzten Katholikentage und befürchtete, das Bestreben des Ultramontanismus gehe dahin, ganz Deutschland katholisch zu machen und unter den unfehlbaren Papst und seine Janitscharen (die Jffuiteg) zu bringen. Für eine» Protestanten sei der Gedanke unerträglich, daß Centrum und Papst in Deutschland immer mehr Macht gewinnen und von Rom auS ligouristifche Moral in's deutsche Volk getragen würde. Pfarrer Merz-Erbach sprach über die Nothwendigkeit des Evangelischen Bundes. Er erzählte, der Bund fei im Jahre 1886 von mehreren evangelischen Männern in's Leben gerufen worden, als der Kulturkamps beendet war und vorauszusehen gewesen sei, daß die katho­lische Kirche von der Defensive zur Offensive über­gehen würde; die Landeskirchen feien aber zu schwerfällig gewesen, um den Vertheidigungskampf aufzunehmen. Für die größte Feindin des Evan­gelischen Bundes hielt der Redner die katholische Presse. Auch die Regierung sei dem Bunde nicht hold, weil er die Cnckel der crntrumsfreund- lichen Regierung störe. An diesen Vortrag schloß sich eiee Besprechung der Mittel zur Belebung deS Bundes in Nassau. Allgemein wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Polemik mehr in den Hintergrund gedrängt werde. Die angekündigten Vorträge über „Los von Rom" und „Toleranz-

Herzen zu reißen, so oft sie es auch versuchte. Wenn er, dessen männliche Schönheit, dessen be­zaubernde Güte, dessen edle Gesinnung ihr Herz bezwungen, wieder vor ihr stand, wenn sein dunkle« Auge flammend in stummer Bitte, sehnend in stillem Kummer auf ihr ruhte, dann fühlte sie) baß keine Macht der Wett ihr diese „wahnsinnige" Liebe au« dem Herzen reißen konnte!

Dann fühlte sie, daß sie ihm gehörte, für alle Zeit! Dann fühlte sie, daß auch er, der so weit, weit über ihr stand, sie liebte! Sie las in seinem Auge, ft« vernahm es in den Worten seiner leicht vibrirende» Stimme, sie empfand e« an dem warmen, wenn auch flüchtigen Druck seiner Hand — sie fühlte e« und jauchzte in der Tiefe be« Herze»« beseligt auf, um in ben einsamen Stunden der Nacht rouber Ttzränen der bange» Sorge, der Verzweiflung zu weinen.

Else kämpfte einen schweren Kampf.

Niemand durfte ahnen, was in ihrem Herzen vorging. Niemand konnte sie sich anvertrauen, wollt« R« nicht da« einzige Glück verliere«, in seiner Nähe weilen zu dürfe». Sie bangte vor der Entdeckung ihre« Geh«im»iffe« und schrak zu­sammen, wenn di« klare», grauen Augen des Ritt­meister« von Haunecken forschend, leicht spöttisch und doch mit einer gewissen Theilnahme auf ihr ruhten.

Der Rittmeister suchte sich Else in der letzten Zeit mehr und mehr zu nähern. Hatte er sie früher im Haus« seiner Etter» mtt spöttischer, neckischer Galanterie behandelt, so zeigte er jetzt eine gewisse ehrerbietige Haltung, welche Else an­fangs belustigte, nach und nach aber mtt geheimer