FuldaerMZertung
jErscheint täglich, 'm. Ausnahme der Monn- und Feiertage. Bierteljährl.
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mit Nnteryallungs -Beilage „Illustrirte Sonntags-Zeitung"
28. Jahrgms.
INtöa, Freitag, den 27. September 1901.
HL 222.
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WelliMU auf Las 4. Gaartal der ,F«ldaer Zeitung^ werde« fortwähr«- vo« allen PostanstMe«, Land- Briefträger« ««d vo« ««ferer Expedition <Havmo«ie) eotgegengenomme«.
Gesellschaft rnitbeschrimkterHastuiU»
Won Rechtsanwalt «nd Notar Alphons Monson.
------ (Nachdruck verdaten) I.
Ja unserer schnell lebenden Zeit, in Melker Dampf, Elektrizität, Telephon, Telegraphk mit und ohne Draht kaum noch ausreichen,^um alle Geschäfte prompt zu erledigen, scheint «uchz di« Sprache etwas nervös geworden zu >fdiL Die vielen langathmigen technischen Ausdrücke der Wissenschaft und der Gesetze sind gar nicht mehr zu genießen; der Grundsatz: „Des Lebens Wür^e ist die Kürze" beherrscht nun einmal'Ne praktische Welt, und somit ist die Abkürzung nicht nur beim Schreiben, sondern leider auch beim sprechen $ur Regel geworden. Man sagt und schreibt «sicht mehr „Aktiengesellschaft", sondern „A.-G.", statt: „Bürgerliche» Gesetzbuch" heißt « „B.
die „Civil-Prozeß-Ordnung" wird Mr ^C.>P--O.",s und so fort zahlreich wie Sand am Meer. Im Juristendeutsch hat sich die Krone e «worbe«. da» „m. b. H", das zu verschiedentlick/en Scherzauf- lösungen Anlaß gegeben hat, ohne daß die wahre Bedeutung im großen Publikum v erstanden «wird.
Da» „m. b. H." stammt aus einer Weakticn gegen die von Schicktze-Delitzsch g egründsten Genossenschaften. Schultze-Delitzsch h alte dem wenig kapitalkräftigen Mittelstände aufg« halfen durch Beschaffung billigen Kredits und ; Zusammenfassung der Einzelkräfte zu Betriebs-, Laj [er« und Konsum- Vereinen. Die« konnte damals nur dadurch geschehen, daß zahlreiche Persone « der nämlichen Interessengemeinschaft mit klein« i Einlagen sich zu einer großen Genossenschaft vei.banden und -sich für solidarisch erklärten. Di, r Solid ar tt-ü-t, d. h. die unbeschränkte Has tung des einen Genossen für den anderer i schuf Vertrauen zu dieser Genossenschaft, der hi- »durch Kapitalien, Kredit und billigere Ginkaufrprei se gesichert wurden. Damit konnte die Genossensc haft wieder -ihren eigenen Genossen, deren wirths chaftliche Kraft ähr genau bekannt war, angemessen,en Anthell an ljenen Vortheilen gewähren.. Z« Tau'senden belaufen'sich die auf diesem Grunde errichteten Wivchschaft»- und Erwerbsgenoffenfthasten. Der Grundsatz „Einer für Alle.und A.flle für Einen" wurde der Beginn einer neuen Wirthschafträra. Indessen auch diese Hai »sich bereit» überlebt. Aal'ang der achtziger ^fahre, nach jahrzehntelangem Blühen diese« GenMenschastswesen«, verkrachten einige Genossenschaft pn theils durch Unredlichleit ihrer Lester, theils Lurch Ungunst der Wirth- schastrverhältntffe, und die Genossen mußten nun auch die Kehrfette der Medaille kennen lernen,: nämlich wirklich zit h-aften, Alle für Einen und Einer für Alle. So gingen zahlreiches kleine ExistenzenLrbei zu Grunde. Wenn auch diese üblen Folgen nur in geringem Umfange auf traten'
und überall sich lokale Gründe für den Zusammenbruch Nachweisen ließen, so bemächtigten sich doch die yolitischen Parteien dieser Erscheinung, erklärten sie aus dem angeblich schierhaften Grund- Prinzip der Solidarhaft, sodaß nach veeschiedent- kichen gesetzgeberischen Versuchen es 'im Jahre 1889- zu einem Gesetz kam, in welchem Wei Sorte« von. Genossenschaften zügellosen wurden, nämlich solche mit unbeschränkter Haftung, wie sie bisher bestanden, «nd solche mit beschränkter Haftung. Jeder Genossenschaft, welche das eine oder im» andere Prirtzip erwählte, wurde die Verpflichtung auf erlegt, dies in der Firma zum Ausdruck zu bringen, also entweder: „eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Hüftung" oder „mit beschränkter Haftung", cckgekärzt: wt. Gen. m. A H." resp. „m b. H.". Bei der erstm Sorte (m. u. H.) haft«: die Mitglieder, für die BerbinMchkeit Der Genossenschaft dieser gegenüber, sowie auch unmittelbar den Gläubiger n mit ihrem ganzen Vermögen. Al» Abart dieser älteren Ferm wurde gleichzeitig die Genossenschaft mit unbeschränkter Nachschußpflicht eingeführt, d. h. die Mitglieder haften nicht mehr den -Gläubigern dtrM, sondern indirekt, indem sie je nach BÄiarf zu Machschüfsen an dir'Genossenschaft Verpflichtet find.
Bei der Genossenschaft m.b.H. hasten die Genossen wie bei der m. u. H. sowohl der Genossenschaft, ätt auch-umiittelbar deren Gläubiger«, jedoch nur astf etne^im voraus durch da» Statut bestimmte Summe, welche mindesten» die Einlage te» Mitglieds erreichen muß. Hiermit war da» nette Wirthsthaftt-Eoangelium gefunden. Ma« verpflichtet sich durch de« Beitritt zur Ge- nöfsenfchaft m. b. H. lediglich für einen bestimmten Betrag, bett man wohl erschwingen kann, und ist damit aller wetteren Sorge ledig geworden. Ob Die-Gkäubtzer schlrchlich befriedigt werden, ob sie darüber zu Grunde gehen, ist ihre Sache. Mögen 'sk sich versehen. Laß sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind: da« ist der durchgehende röche Faßen.
Im Publikum herrscht vielfach die Meinung vor, die beschränkte ^Haftung bei diesen Genossen, fchaften fei mit derjenigen Summe beg^ nzt, welche der Genosse durch seine Einlage bei it« eingezahlt oder bei etwaigen Rückständen nn vzuzahlen hat. Das ist ein Jrrthum. Die p'rsönltche Haftung der einzelnen Genossen tritt eifi ein, wenn das Einlagekapital (inkl. Dividenden und etwaiger Verluste Geschäftrantheil genannt) nicht mehr zur Deckung deriPassiva ausreicht, und ist dann allerdings auf die statutenmäßig vorher fest bestimmte Summe beschränkt. Wer einer solchen Genossenschaft bestritt, riskirt somit mindestens das DLPpe lt-e feinen Einlage.
Hr«tsches Keich«
Berlin, 26. September.
* Nachdem zum 1. Juli 1900 die zgörsen- sterrer erhöht worden war, ist im Etat für 1901 deren Einnahme mit 53,8 Millionen Mark eingestellt worden. Man chatte damit gerechnet, daß der Mehrertrag in Folge der Steuersatz - Aende- rung bei der Börsensteuer sich auf etwa 221/« Millionen gegenüber dem Durchschnitt der letzten Jahre
der Geltung bet alten Sätze belaufen würde, und man ist so auf den Satz von 53,8 Millionen Mark gekommen, da 1898 der Ertrag 32,1 Millionen Mark und 1899 32,8 Millionen Mark war. That- sächlich sind in den ersten 5 Monaten des Etats- jahreS 1901 auS der Börsensteuer 11,9 Millionen Mark vereinnahmt. Halten die gleichen Verhält« «isfe, bis Ende des Etatkjahres an, so würde demgemäß auf eine JahreS«Einnahme auS der Börsensteuer von noch nüht 29 Millionen Mark zu rechnen sein. Die Einnahme würde also nicht War bedeutend hinter dem Ertrage des Jahres 1900 (55 4 Millionen), sie würde mit nicht weniger als nahezu 24 Millionen Mark hinter dem Etats- anschlage zurückbleiben. Die hauptsächlichste Ur» fache zu dieser vorauSsichllich ungünstigen Gestaltung der Börsensteuer«Einnahme liegt in dem Rückgänge der Abgabe für Werthpapiere. Die Abgabe für Kaufgeschäfte hat ja auch Minder- ertrüge aufzuweisen, aber nicht ganz so start wie die erstere Abgabe.
* Zur Frage der Doppelbesteuerung veröffentlicht der,Reichsanzeiger' einen vor einiger Zeit ergangenen Erlaß des Finanzministers. Danach hat aus Anlaß einer Beschwerde der Bundesrath beschlossen, daß da» Einkommen, welche« persönlich haftende Gesellschafter einer Kommanditgesellschaft auf Aktien als solche beziehen, als Einkommen au« dem Betrieb eines Gewerbes im Sinne des •§ 3 des Gesetzes wegen Beseitigung der Doppelbesteuerung vom 13. Mai 1870 anzusehen und demgemäß nur in demjenigen Bundesstaate, in welchem das Gewerbe betrieben wird, zu den direkten Staattsteuern heranzuziehen sei. Im Anschluß hieran wird auf Grund des Gesetzes über die Vermeidung von Doppelbesteuerungen vom 18. April 1900 bestimmt, daß da» Einkommen, welche» die persönlich haftenden Gesellschafter der in Preußen domizilirten Kommandtt- gesellschasten auf Aktien als solche beziehen, dem Einkommen au« preußischen Gewerbe- ober Handel«- anlagen im Smne be« § 2b be« Einkommensteuergesetz s vom 24. Juni 1891 gleich zu achten ist.
* Bei der Neuorganisation der Ield- artikkerie, wodurch die Brigaden unmittelbar unter die Divisionen gestellt und deshalb verdoppelt wurden, war zunächst nur beim preußischen und wü ttembergischen Heere ein Ab- schluß erreicht worden, wogegen dieser bei dem bayrrifthen und sächsischen Heere sich erst durch die Neuaufstellung am 1. Oktober ds. IS. voll- ziehen wird. Beim sächsischen Heere gelange« die beiden Feldartlllerie-Regirnenter Nr. 64 und 78 zur Aufstellung, so daß ihre Zahl auf 8 steigt und jede Division mit einer Brigade zu zwei Regimentern versehen ist. Dasselbe ist beim bayerischen Heere der Fall, wo die drei fehlenden Brtgadestäbe gleichfalls aufgestellt werde«, deren eS in Bayern alsdann sechs gibt, gleich der An- zahl der Divisionen. Durch diese Neuaufstellungen wird die Zahl der deutschen Felb- artilleric-Regimenter auf 94 gebracht, bei denen die im HeereSgesetz vorgesehenen 574 Feld- batterien vorhanden sind. Die Besetzung der neuen Regimenter mit Offizieren ist bereits erfolgt.
+ Die Gmnbzüge der gesetzlichen Regelung der gemerökiche«AinderarSett außerhalb der Fabriken sind be
kanntlich kürzlich auf Grund besonderer 1898 eingeleiteter Erhebungen seitens des Reichs- am« des Innern festgestellt worden. Aus diesen Erhebungen, deren Ergebnisse im vergangenen Jahre bereits mitgetheiit wurden, und die auf die -verderbenbringende Ausnutzung der Kinderarbeit Helle Schlaglichter werfen, theilt der Bericht der württembergischen Gewerbe-Inspektions- affistentin noch mit, daß Kinder vom 6. und 7. Lebensjahr an bis in die Nacht hinein arbeiteten über eine Häkelei rc, womöglich mit bunter Wolle, gebeugt, oder vor einem Stuhlrücken sitzend, den sie zu flechten haben, oder aber mit Stecken und Durchlochen von Taillenstäben beschäftigt, auf alle Fälle ober mit mangelhafter Beleuchtung. Und welchen Verdienst haben die Kinder? Bei dem Äittelum« häkeln und -Durchlochen verdienen 2 Kinder in 5/< Stunden 8 Pfennig, wovon noch für Ankauf von Oesen 3 Pfennig abgehen, und wenn die Oesen nicht ganz in der Mitte der Stäbchen eingeschlagen sind, wird die Waare zurückgeschlagen und muß noch einmal gemacht werden. Solche Zahlen sprechen allein schon für sich. „Wohl ist nicht zu bestreiten," führt die Beamtin weiter aus, „daß viele Eltern durch den unzureichenden Verdienst des FamllienvaterS gezwungen sind, ihre Kinder mitverdienen zu lassen. Aber eS darf auch nicht verkannt werden, daß das billige Arbeiten der Kinder den Verdienst der Erwachsenen drückt und mehr oder weniger eine Steigerung desselben hindert. Sine gesetzliche Regelung der Betheiligung der Kinder an der Hausarbeit, wie sie vorgesehen ist, ist deshalb sehr zu begrüßen." Die bereits genannten Erhebungen zur gesetzlichen Regelung der Kinderarbeit außerhalb der Fabriken finden in der Nummer 50 der »Sozialen Praxis' von berufener Seite eine eingehende Besprechung. Wenn an denselben quch noch manche Ausstellungen zu machen seien, so seien sie doch gegenüber dem b«herigen Rechttzustande a« ein großer prinzipieller Fortschritt zu begrüßen. „Der prinzipielle Fortschritt", so heißt eS am Schluß, „der darin liegt, daß endlich einmal mit der Scheu, in die Rechte der Familie im Interesse der Heranwachsenden Generatton einzugreifen, gebrochen werden soll, kann kaum Überschätzt werden. Möge es der Regierung gelinge«, die Volksvertretung auch für einen Gesetzesentwurf zu gewinnen, der wettgehende Schutzbestimmungen enthält. Die Aeußerungen fast sämmtlichec Parteien in den letztjährigen Parlamentsfitzungen lassen es erhoffen." Obigem Wunsche können auch wir uns nur voll anschließen.
• Dresden, 25. Sept. Wie da» .Chemnitzer Blatt' aus angeblich zuverlässiger Quelle erfahren haben soll, wird Prinz Friedrich August von Sachsen demnächst auS der mllilärischen Laufbahn auSscheiden und sich sodann in verschiedene« Zweigen der Staatsverwaltung betätigen. Prinz Friedrich August ist der zukünftige Erbe deS sächsischen Königsthrones. Ja der Armee bekleidet er den Rang eine» Generalleutnants und Divisionskommandeurs. König Albert ist 73 Jahre alt. ES wäre daher verständlich, wenn der jetzt 36- jährige Prinz in die RegierungSgeschäfte näher
Die lmtm)8ä0|)iiwlM
Romar »ondD< Elster.
12 ------- Machdruck verbot«!.)
7.
Nach einigen Tagen nyerb Else zu der Her- Mgin-Wittme Lchohlen.
Ihre Hichett wünschten einige Lieder von El e zu hören, da aber die tzhohe Frau leidend war und ihr Zimmer nicht verlassen konnte, vermochte sie außerhÄd des Schlosses Mustkarssfüh- rungen oder Thester-BoHellungen nicht betzuwohnen. Schon feit Jahren fesselte eine Krankheit bk Herzogin an das Zimmer, ja, wochen- und monatelang an den Krenkenstuhl. Nur mit Hilfe zweier sie unterstützender Damen vermochte sie einige Schritte zu gehen; wollte sie in dem großen Park, der sich an da? Schloß anschloß, frische Luft Schöpsen, mußte sie sich durch einen Rollstuhl oder in einem niedrigen, durch einen Ponny gezogenes Wagen in den schattigen Alleen oder auf den ssttnigen Plätzen bei Parkes uiq» herfahren lassen.
Die hohe Fra« trug ihr Leiben mit gottergebener Geduld. Sie lehnte sich nicht auf gegen bas grausame Schicksal, welches chr auf der Höhe beS Leben» bie furchtbare Krankheit gesandt, und sie, bie Fürstin, bie Herzogin, ärmer als bie gesunde, blühende Bettlerin auf der Straße gemacht hatte. Ihr«, Trost, ihre Hoffnung fand bk Dulderin tu her Religion, ihre LebttGftesd« im unermüdlichem DuteRhun «ch
-in der Kunst, der Musik, der sie selbst in ihrer Krankheit eine begeisterte Förderin blieb.
In ihren Gemächern versammelte sie oft - auserlesene Künstler und Künstlerinnen; sie scheute keine Kosten, um wenigstens einigemale im Winter berühmte Klavierspieler, Sänger, Sängerinnen und Geigenvirtuosen bei sich zu sehen. Und die Künstler kamen stets gern wieder, nicht sowohl wegen des hohen Honorar», als ja« der Herzogin selbst willen, deren geduldig ertragene Leiden jeden rührten, der jeder wiLig -und freudig ihre Einsamkeit aus Stunden zu erheitern, ihre Leiden vergessen zu machen suchte.
Die Generalin von Hannecksn begleitete Else zur Herzogin. Als Skse durch daS dunkle, mittel- atterttche Thor des Schlosses fuhr und sich von den alterthtttnlichen Fassaden des in einem großen Viereck errichteten Schlosses umfangen sah, war es ihr, als beträte sie ein gewaltiges Gefängniß.
Im Sommer' Mochte der Anblick des Schlosses wohl freundlicher sein, jetzt aber, mitten im Winter, streckten die hundertjährigen Linden an bet Freitreppe des Oauptportals ihre kahlen Aeste gleich hageren Armen zum molkenverhangenen Himmel empör', gleich wirren Haarsträhnen hingen die Ranken des wilde« Weins, melcher den einen Flügckl des Schlosses fast Ä überwuchert hatte, von den grauen herab, und das dunkle, fast schwarze Grün des Epheu» vermochte dar Aussehen der grauen Thürme und Rauer« auch.nicht freund- ftcher zn gestalten. Der Gprtvg-WWen aus der
Mitte des Schlosses war durch Bretter eingedeckt. Wunderlich «ahm fich in der winterlich öden Umgebung die große griechische Sandsteingruppe inmitten be» Springbrunnen» aus. Auf den steinernen Körpern ber Figuren ruhte bet Schnee unb eine biete Eisschicht lagerte sich um bie Füße ber Gestalten aus dem sonnigen Hellas.
Die Oberhofmeisterin Gräfin Bittenfeld empfing bie Generalin und Else.
„Sie werden in Ihrer Hohett eine edle, hochherzige Frau kennen lernen, liebes Kind," sprach die Gräfin ermunternd zu Else. „Sie werden Ihre Hohett erfreuen, wenn Sie ohne Furcht und Scheu vor Ihre Hohett treten."
Else verbarg ein leichtes Lächeln; sie fühlte keine Scheu und Furcht mehr, seitdem sie die Augen des Fürsten in Begeisterung aus sich ruhen gefühlt, seit sie fein Lob vernommen hatte.
Sie befand sich in einer geistig gehobenen Stimmung; sie war entschlossen, das Höchste zu erreichen und sie traute sich die Kraft zu dem Kampfe, zu dem Siege zu. Auch bie mahnenden Worte der Generalin, deren klugen Augen die Gefahr nicht verborgen blieb, welche Else bedrohte, vermochten ihren Muth, ihr Selbstvertrauen, ihren festen Entschluß nicht wankend zu machen. Stolz erhobenen Hauptes trat sie an der Sette der Oberhofmeisterin in das Gemach der Herzogin.
Eine grünliche Dämmerung umfing sie. Die hohen Fenstern de» nach dem Pack hinauSgehen- ben Gemache» waren durch Palmen und breit« blättrige Pflanzen halb »erhüllt, so daß duS Tageslicht njr gedämpft ii baf Zimmer faSer konnte.
Im ersten Augenblicke unterschied Else keine Einzelheit. Sie verbeugte sich tief vor einer in einem Sessel ruhenden, schwarzgekleideten Frauengestalt und vernahm wie aus weiter Ferne die Worte ber Gräfin Bittenfeld:
„Ich habe bie Ehre, Eure Hoheit, Fräulein Else Hannecken vorzustellen, über beten musikalische Begabung ich Eurer Hoheit berichten durste."
Eine weiche, mildernste Stimme von wunderbarem Wohlklang entgegnete: „Ich freue mich- Sie kenne« zu lernen, mein Kind. Treten Sie näher I"
Eine schmale, blaffe Kcankenhand streckte fich Else entgegen, die sie ergriff und fich tief verbeugend küßte.
Erst jetzt hatten sich ihre Augen an die grünliche Dämmerung gewöhnt unb sie sah in das gütige, blasse Antlitz der Fürstin, zugleich aber auch in das dunkle Auge des Herzogs, der neben dem Sessel feiner Mutter -stand und Else ermuthigend zulächelte.
„Mein Sohn hat mich auf Ihren Gesang neugierig gemacht, mein Kind," fuhr die Herzogin freundlich fort. „Sie sind noch sehr jung — achtzehn Jahre, wie man mir sagte — in diesem Alter eine fertige Künstlerin zu sei«, ist sehr selten. Nur dem Genie gelingt es, fich so frühzeitig zur Höhe der Kunst emporzuschwinge«. Ihre Jugend ist traurig gewesen, Hai man mir erzählt, aber das Leben ist lang, und besser, trübe Erfahrungen in ber Jugend, al8 ein freudloses Alter. — Darf ich Sie bitte«, mein Kind, mir einige Lieder zu fingen?"