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JuLSa, Donnerstag, den 26. September 1901.
28. Jahrgang.
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Sie schritt rasch davon.
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wahrte. Sie
Sie hatte auch während ihres Aufenthaltes
Plänen in nächster Nähe des Brandenburger Thores durchschnitten werden, gerade an einer Stelle, wo sie die Bezeichnung einer Prachtstraße am allermeisten verdient. Das schöne Straßenbild würde ohne allen Zweifel durch die Anlage einer elektrischen Straßenbahn mit ihren Masten u»»d Drahtsellen arg beeinträchtig: werden, und es ist deswegen zu begreifen, da j der Kaiser davon nichts hören will. Kaiser Wilhelm I, gestattete bekanntlich die Durchquerung der Straße „Unter den Linden- überhaupt nicht, während dieselbe jetzt längst bittt i eine Reihe von Straßenbahnlinien zur Thatsache geworden ist.
An der Stadt Berlin und ihrer Vertretung muß es sein, zu der Ausgleichung der unerquicklichen Gegensätze zwischen der Krone und ihr zuerst beizutragen und denjenigen Leuten, die eine Freude an einem solchen Konflikte haben und deswegen ausdrücklich auf die Verschärfung und Erhaltung desselben hinarbeiten, diese Freude nicht zu machen, ob sie nun bei den Sozialdemokraten oder anderswo zu suchen find.
deren Geburt. Ihm gegenüber war sie nicht die Armenhaus-Prinzesfin, sondern die Fürstin im Reich der Töne; well er so hoch, so weit über ihr stand, daß ihre irdischen Gedanken nicht an ihn heranreichten, schwand auch ihm gegenüber alles Irdische, alle- Gemeine, alle- Wirk-
in dem Hause des Generals bereits ihre Beobachtungen angestellt und sehr wohl die Maike erkannt, welche die Gesellschaft vorzunehmen liebte. Bor dem kleinen Landmädchen brauchte man sich ja nicht zu geniren, man plauderte offen heraus, was man meinte, ohne auf Else
Deutsches Keich.
Berlin, 24. September.
fo Knudesrath xtnb Zolltarif. Der Bundesrath wird, wie früher bereits berichtet wurde, mi den Berathungen des ZolltarifeS im Anfänge des nächsten Monates beginnen, und zwar am 8. Oktober, wie jetzt genauer gemeldet wird. Die erneute Vernehmung von Sachverständigen, die im preußischen Handelsministerium begonnen hat, kann also auf den vorliegenden Gesetzentwurf keinen Einfluß mehr ausüben. Diese Vorlage war eben von Anfang an ein vollkommen abgeschloffener Grsetzent- wurf.
>- Faudlag-waHle« im Königreiche Sachse«. Diesen Donnerstag und Freitag finden in Königreiche Sachsen Wahlmännerwahlen statt, denn es handelt fich um die Er- Neuerung eines Drittels der zweiten Kammer, wie die sächsische Verfaffung sie vorschreibt. Diese zwelle Kammer besteht im ganzen auS 82 Abgeordneten, und von diesen waren ehedem 15 Angehörige der sozialdemokratischen Partei. DaS sehr stark industrielle Königreich Sachsen erfreut fich ja, wie bekannt, einer sehr reichlichen Menge sozialdemokratisch gesinnter Staatsangehörigen, so daß nicht weniger als die Hälfte seiner 23 Reichstagsmandate im Besitze der Sozialdemo« kcatie ist. Da kamen nun die sozialdemokratischen MUglieder der sächsischen Kammer auf den Gedanken, eine Aenderu ng des Wahlrechtes zum Landtage zu beantragen. Sie waren mit den 15 Landtagsmandaten nicht zufrieden, sondern wollten deren mehr haben; aber zu spät sahen sie ein, daß sie einen schweren taktischen Fehler mit ihrem allzu kühnen Borstoße gemacht hatten. Die Mehrheit der Kammer war der entgegengesetzten Anschauung, benützte die willkommene sozialdemokratische Anregung, änderte aber das Wahlrecht in einem gerade entgegen« gesetzten Sinne um. DaS direkte und allgemeine Wahlrecht zum Landtage wurde abgeschafft, und es wurde dafür ein Wahlsystem eingeführt, daS dem preußischen sehr ähnlich ist: ein System
Taffe Kaffee oder The« reichen mußte. Die plötzliche Umwandlung der Gesinnung dieser Damen und Herren, welche sie srührr nur mit spöttisch erstaunten Blicken begrüßt hatten, entging ihrem Scharfblick ebenso wenig, wie d« Beweggrund dieser Umwandlung selbst, und ein Gefühl der Menschenverachtung schlich fich zum erstenmal erkältend in ihr Herz.
Sie fühlte ihren Werth, sie wußte, daß ihr Können weit über demjenigen der meisten dieser Damen und Herren stand, fie war stolz auf dieses Können, sie war stolz auf das Lob aus dem Munde des Höchsten unter ihnen, fie fühlte fich durch die Huldigung des Fürsten hoch empor- gehoben über alle, welche jetzt schmeichelnd sie umringten und deren Lobeserhebungen ihr nicht so viel galten, wie ein einziger Blick aus de« dunklen Augen der Fürsten.
Ihm dünkte fie fich gleich, trotz ihrer nie-
I _ ,,z-«trattsik1e«- Gewerkschaften Deutschland» haben am letzten Dienstag in Berlin ihren fünften VertrauenSmännertag abgebalten. Die Verhandlungen an sich haben kein allgemeines Jttereffe. Dagegen machte ein wtereffantes Geständniß der anwesende Ver- treter Klamn eck«Berlin. Dieser theilte mit, daß die Bäcker ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten, weil der Raff tret der Organisation die gesammten Gelder unterschlagen hat. Man hatte davon noch nichts gehört. Vermuthlich werden bei den Sozialdemokraten neben den vielen Veruntreuungen, von denen man etwas hört, sehr viele andere vertuscht, von denen man nichts hört.
"Die Zfr-ff- al- Derlreteri« öff-«t- licher Katereffe«. Die Thatsache, daß Handels- redakteure von Dresdener Blättern von der Dresdener Kreditanstalt Schweige« und Be« stechungSgelder angenommen haben, ist nicht mehr in Abrede zu stellen. Die Blätter haben die Redakteure entlaffen und damit, soweit es in ihrer Macht stand, eine Sühne geschaffen. Wegen dieses BorgangeS ist nun mehrfach gegen die Presse der allgemein gehaltene Borwurf erhoben worden, daß fie, obgleich fie von den schlechten Verhältnissen einzelner Finanzanstalten Kenntniß gehabt haben dürste, doch ihre warnende Stimme nicht erhoben habe. Soweit das auf Bestechung beruht, ist darüber natürlich kein Wort zu verlieren; es wird aber auch von sächsischen Blättern mit vollstem Recht darauf hingewiesen, daß der Presse die Rolle eine- Warners und AufdeckerS von Mißständen durch die engherzige und kurzsichtige Rechtsprechung der deutschen Gerichte erschwert und verleidet wird. Diese Rechtsprechung, die mit dem öffentlichen Gewissen oft kaum noch eine Verbindung hat, heftet fich auS rein formalen Bedenken an die kleinsten Rieinigleite«. Wenn von einet Behauptung 99 Hundertstel bewiesen werden, ein I Hundertstel aber fraglich bleibt, so wird manches Gericht nicht zögern, wegen dieses einen Hundertstel eine Verurtheiluug auszusprechen, obwohl für jeden Unbefangenen gar kein Zweifel darüber bestehen kann, daß der Beweis der aufgestellten Behauptungen in allem Wesentlichen gelungen ist, und obwohl es sich meist um ziemlich verwickelte Angelegen h rite« handelt, bei deren Beurthrilung selbst bei giößter Gewissenhaftigkeit Jrrthümer nicht ganz zu vermeiden sind. Die Abneigung der Gerichte, die Wahrnehmung berechtigter Interessen bei der Presse anzuerkennen, gehört ebenfalls in dies Gebiet; kurz, die Gerichte erschweren es der anständigen Presse in jeder Weise, Mißstände an daS Tageslicht zu bringen. Man muß schon nachgerade das Temperament eines Märtyrers haben, wen« man fich angesichts der in solchen Fällen immer drohenden Gerichtsprozedur dazu entscheidet, die Uebelstände aufzudecken und damit be« Sprung ins Dunkele zu wagen. Man hat jedeSmal Aussichten, selbst bei Vertretung bet besten Sache, vom Richtet vernttheilt zu werben, und eine solche Aussicht wirkt nicht aufmunterab. Selbstverständlich verlangen wir nicht, daß
üit ArmcuhmMluMll.
Konten von O. Elster.
------ (Nachdruck verboten.)
Die Gesellschaft hatte sich bis zu diesem Abend wenig um Else gekümmert; man war mit einer gewissen spöttischen Erwartung zu der musikalischen Soiree der Baronin gekommen und ... ________...... ....... „^„v
machte 'sich im Geheimen lustig über den guten zu achten, welche meist still und in sich gekehrt General, der plötzlich nicht genug von dem durch in einem Winkel saß oder den Damen, welche >n entdeckten musikalischen Wunderkinde er- zum Besuch bei der Generalin wellten, eine zählen konnte. Mit einem Schlage änderte sich--
die Stimmung. Seine Hohell der Herzog hatte seinen Beifall zu deutlich kundgegeben, als daß man nicht in diesen hätte einstimmen müsse«. Man bestürmte den General mit Fragen, man umringte die „geniale Rünstlerin", man drückte ihr die Hände, einz-lne alte Damen küßten sie auf die „kunstgeweihle Stirn« und einige ältere Herren erlaubten sich in gönnerhafter Weise die Hand der „jungen talentvollen Sängerin« an die Lippen zu führen.'
Elfe ward in einer Weise gefeiert, welche ihrem Charakter hätte gefährlich werden können. Aber die schmeichlerischen Worte glitten machtlos an ihrem Herzen ab. Sie brauchte nur einen Blick in das leicht spöttisch lächelnde Gesicht des Rittmeisters zu werfen, der öfter, wenn ihre AugcN sich begegneten, mit dem Finger an die Stirn tippte, um die Ueberschwänglichkeit der Schmeicheleien zu charakteristren — und Else glaubte wieder das häßliche Wort „Armen- haus-Plinzesfin« zu hören, dessen harter Rlang fte vor Hochmuth und vor thörichtem Stolz be«
Ihr« Hoheit, meiner Mutter einen glänzenden Bericht erstatten können.«
Die Oberhofmeisterin verneigte sich tief. .Ich werde nicht verfehlen, Hoheit!"
„Gestatten Sie, baß ich Ihnen meine Bewunderung zu Füßen lege, Armenhaus-Prinzes- in,“ flüsterte Rittmeister von Hannecken Eise unbemerkt zu.
Erschreckt sah sie zu ihm empor.
„Armenhaus-Prinzessin l« —
Wie ein häßlicher Ton aus längst ver- chwunbener Zeit klang bas spöttische Wort ihr ns Ohr unb zerriß mit einem Mal ben goldig chimmernben Schleier, bet ihr Leben, ihre Ver- zangenheit unb Zukunft zu umweben schien. „Armenhaus-Prinzessin!" Dieses eine Wort chleuderte sie in bie Tiefen des Lebens zurück, denen sie bereits entronnen zu fein glaubte. „Armenhaus-Prinzessin!" Dieses eine Wort zer- litte mit einem Mal ben goldenen Traum von »lück nnb Glanz unb zeigte ihr bie Welt unb
Leben wiebetum in bem Lichte bet Wirklichkeit.
Sie athmete tief auf.
„3d) banle Ihnen, Herr Rittmeister," ent* egnete fte mit trflbem fiädjeln, „daß Sie in teser Stunde, in der chörichte Hoffnungen mir ben klaren Blick zu trüben drohten, wich der Wirklichkeit zurückgegeben haben Ich «erbe eneS Wortes stets gedenken — seien Sie un- ieforgt.«
Er ergriff ihre Hand und drückte sie an die Lippen. Ihre Blicke begegneten sich, eine Weile «uhten sie ineinander, als wollten fie jedes in bet Seele des anderen lesen — bann trat ber HeHog zu Herrn und Frau von Hannecken zurück.
„Ich beglückwünsche Sie, Exzellenz," sagte ber Fürst, „baß Sie biefe Perle gefunden haben. Sie wird unserem Hostheaier neuen Glanz unb neuen Ruhm verleihen. Ihr Schützling soll fich hoch ber Bühne widmen — ich hoffe, fie sehr bald auf meiner Bühne begrüßen zu dürfen.«
„Else ist noch sehr jung, Hoheit —«
„Aber bereits eine vollendete Rünstlerin. Wie ist es, Herr Rapellmeister, finden Sie nicht auch, daß das Fräulein bereits fertig für bie Bühne ist?"
Der Kapellmeister trat mit tiefer Verbeugung näher. „Ich habe mit bem gnädigen Fräulein bereits bie Partie der Leonore in Fidelio ein* siudirt unb ich hoffe, Euer Hoheit werden bie junge Künstlerin bereits in einigen Wochen auf der Bühne sehen können."
„Das freut mich. — Sehen Sie, Exzellenz, ich hatte recht. Fräulein Elfe muß hinaus in das Leben, in bie Kunst — wir werden die Wett mit einem neuen Stern überraschen. — Exzellenz«, wandte er sich lachend an die Ober, hofmeifierin Gräfin Bittenseid, „Sir werde«
ö Die Krone und die Residenzstadt.
In diesen Tagen ging die Nachricht durch die Preffe, der Kaiser habe es enbailtig abgelehnt, Herrn Kirschner, den Oberbürgermeister von Berlin zu einem Vortrage über die Durchquerung der Prachtstraße „Unter den Linden" mit einer Straßenbahn zu empfangen. Die Meldung entstammte freisinnigen Blättern, 'nicht etwa solchen, bie ber Berliner Stadtverwaltung ober dem Stadtoberhaupte feindlich gegenüber« stehm; es ist also anzunehmen, daß sie bie Sachlage richtig gekennzeichnet haben.
Es ist nicht weiter wunderlich, daß in einigen Zeitungen an diesen Einzelfall Be« tradjtungen angeknüpft werden über das Ver- hältniß zwischen der Krone und der Stadt Berlin überhaupt. Und ebenso erklärlich ist es, baß habet wiederum bet „Fall Rauffmann« herangezogen wirb. Man kann nicht wissen unb nicht einmal ahnen, ob die Wiederwahl des unbestätigt gebliebenen Stadtrathes Rauffmann zum zweiten Bürgermrist?r von Berlin auch ungünstig auf bie Entscheidung des Kaisers in der Straßenbahnfrage eingewsikt'habe; aber auffallend würde es nicht sein, wenn es sich so 'verhielte. Nochmals sei es gesagt: Es mag ein Fehlet gewesen sein, bet baburdj gemacht wurde, daß Rauffmann bie Bestätigung nicht erhielt. Aber bie Berliner Stadtverordneten haben nachträglich selbst der Rtone bie Möglichkeit abgeschnitten, hinterher Herrn Rauffmann boch noch zu bestätigen. Die Möglichkeit wat vorhanben. Rauff mann war zuerst mit einer sehr geringen Mehrheit gewählt worden, so daß man bie Verweigerung ber Bestätigung vielleicht batauf zurücksühcen konnte. Bei ber zweiten Wahl ist die Mehrheit sehr stark gewesen; unb daraufhin hätte nun vielleicht eine Bestätigung erfolgen können, wenn nicht von den Sozialdemokraten in brr Stadtoerorbneten-Versammlung unb in ihrer Preffe ber ganze Fall geflissentlich zu einem Konflitt zwischen ber Krone unb ber Stadt aufgeba ascht worden wäre, in bem diese Letztere „ihre Kraft unb ihre Selbständigkeit" beweisen sollte, bie „in ber Arbeit unb in ber Bildung ihrer Bürger liege . . . ., insonderheit btS Proletariates usw.« Die Freisinnigen lassen daS sozialdemokratische Centralorgan gelassen in dieser Weise toben, ohne eine Silbe deS Widerspruches zu erheben; fie erwecken dadurch den Anschein, daß fte derselben Ansicht seien, unb das muß Jedermann zugeben, baß vor solchen offenbaren Herauiforberungen bie Krone unmöglich sitz bemüthigen kann. Aus einen solchen Gedanken würden bie Berliner Freisinnigen früher auch nicht verfallen sein, alS sie noch nicht in ber Berliner Gtadtverorbneten-Bersammlung so eng mit Herrn Singer und Genossen verschwistert waren — weil es eben ganz einfach nicht geht.
Unmöglich würbe es also burchaus nicht ^ein, daß bie ablehnende Haltung in ber Straßenbahnfrage in einem gewissen Zusammenhänge mit bem „Falle Rauffmann" steht. Aber auch ohne biefen Fall Rauffmann kann man sich bie Ablehnung der Berliner Straßenbahnwünsche einigermaßen erklären. Die Straße „Unter den Linden" soll nämlich nach den vorliegenden
' mit Wahlmännerwahlen und erst darauf folgen« ' den Abgeordnetenwahleu, wobei die Wahlmänner nach der direkten StaatSsteuerleistung des Einzel- neu in drei verschiedene Riaffen eingekeilt sind. Das neue Wahlgesetz trat im März 1896 in Rraft, und sein erster Erfolg war der, daß bei den nächsten Neuwahlen zum Landtage im Herbst deS Jahres darauf von ben 15 sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten sieben ihr Mandat verloren und zwei Jahre danach von den übrigen acht wiederum vier von der Bildfläche verschwanden. Möglicherweise werden ihnen jetzt die letzten vier folgen, sodaß dann kein einziger Sozialdemokrat mehr der zweiten sächsischen Rammer angehören würde. Im Ganzen sind bei diesen Wahlen 31 Mandate zu erneuern. Davon sind 15 mit Konservativen, 9 mit Nationalliberalen, 3 mit Fortschrittlern unb 4 mit Sozialbemokraten bisher besetzt gewesen, wobei zu erwähnen ist, baß biefe Fortschrittler Leute sind, die man wegen ihrer sehr gemäßigten Anschauungen kaum zu den Freisinnigen rechnen darf. Die Sozialdemokratie rechnet nicht daraus, irgend welche Wahlerfolge zu erzielen. Sie hat zwar 22 Kandidaten aufgestellt; ihre Presse bezeichnete fie ober von Anfang an als „Protestkandidaturen". Die Sozialdemokraten wollen nur zeigen, daß sie auch noch da sind.
+ Die „Aoch«mer". Die 34 evangelischen I Arbeitervereine, bie aus dem rheinisch-westfälischen Gesammtverbande auSgeschieden waren, haben ihren neuen Verband gegründet in einer Zusammenkunft, die am letzten Sonntag in Bochum stattgefunden hat. Leider haben die Kundgebungen, die dabei zu verzeichnen sind, von neuem gezeigt, daß weder die evangelischen Arbeitervereine Naumann'scher Richtung noch auch die Bochumer durchdrungen sind von dem, worauf eS ber Hauptsache nach ankommt: Wahrung ber Interessen ber Arbeiter, Ausbildung unb Schulung betreiben, Abwehr gegen bie an* stürmmbe Sozialdemokratie. Der Abg.Fra nken, ben der neue Verbanb ber Bochumer zum Vorsitzenden erkoren hat, hat eS vielmehr für noth- wendig befunden, die Bochumer Versammlung zu benützen zu einer flammenden Rede gegen den „UttramontaniSmuS" und gegen die „Römische Macht". Herr Franken ist ein freier Mann, unb er kann deswegen denken und reden, was ihm beliebt» Aber Herr Franke« ist kein kluger Man«, Wenn er eigensinnig daran festhält, „Ar- beiteroereine« dazu benützen zu wollen, um feinen kulturkämpferischen Anschauungen Ausdruck zu geben, und zu wähnen, daß er damit den Ausgaben der Arbeitervereine gerecht werde. Bleibt )ie Tonart bei den Bochumern so, wie sie an- jefangen hat, bann wirb auch biefer neue Ver« lanb kein allzu langes Leben haben. Die Ar« »eiter werben vielmehr halb genug merken, baß I le von ber Kulturpaukerei nicht satt werben, unb werben Herrn Franken ben Rücken kehren, was ihnen alSbann nicht zu * verdenken sein würbe. Das Bedauerliche dabei ist nur, baß olche Arbeiter nachher gemeinhin ber Sozial- lemotratie anheimfallen, unb daß an diesem Wandel der Dinge biejenigen mitschuldig, wenn nicht hauptschuldig find, bie ihre Aufgaben alS Arbeiterführer so gründlich mißverstanden laben.
Hut!" unb mischte fich wieder unter bie Gr* ellschast. ,