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Jli 219. Jutöa, Dienstag, den 24. September 1901. 28. Jahrgang.

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SestellWeu für das 4. Naartal auf die ,Fuldaer Zeitung^ werden fort­während von alle« Postanstalten, Land- driefträgeru «ud von unserer Expedition <Harmonie) entgegengenommen.

• Zar Nikolaus in Frankreich.

Ohne Zweifel ist daS Bündniß zwischen 'Rußland und Frankreich nicht aus Beweggründen hervorgegangen, die man deutschfreundlich nennen kann. Das Bündniß hatte im Anfänge vielmehr die Bedeutung eines politischen Gegensatzes zu Deutschland und zu dem Dreibunde, wie ja da­mals das Verhältniß zwischen Rußland und Oesterreich sogar ein recht wenig freundliches rroar. Aber die Zeiten haben sich ein wenig ge­ändert, und mit ihnen der Zweibund. Und wenn darum heute der Beherrscher aller Rrußen mit den französischen Regierungsmännern freundliche Worte und Händedrücke austauscht und von der „innigen Vereinigung der beiden Mächte" spricht, so macht das auf uns Deutsche nicht im geringsten einen beunruhigenden Eindruck.

Wenn man sich die politische Entwickelung während der letzten Jahre genauer ansteht, merkt Man,-daß der russisch-französische Zweibund d-m Deutschen Reiche nicht den geringsten Schaden zugefügt hat. Man könnte im Gegentheil die Behauptung aufstellen, daß er uns auf Umwegen genützt hat, nämlich dadurch, daß er Frankreich nach und nach um einen Theil seiner srühern Machtstellung und seiner früheren politischen Freundschaften brachte. Der Zweibund hat sicher­lich ganz bestimmte Zukunftspläne über die Ge­staltung der Dinge im Gebiete des Mittelmeeres stehen; und dadurch wird Italien geradezu ge- nöthigt, sich an eine Staatengruppe anzulehnen, die ihm durch seine Macht eine gewiffe Bürgschaft bietet gegen die Zerstörung der eigenen Mittelmeer- pläne durch die Gewalten deS Zweibundes. Des- wegen braucht man für absehbare Zeiten niemals die Befürchtung zu hegen, Italien könnte vom Drei­bunde abfallen und durch Anschluß an den Zwei- bund einen neuen Dreibund im Gegensätze zu dem vorhandenen bilden; seine eigenen Interessen hin- .dern es daran. Ferner trägt der Zweibund viel zur Vereinzelung Englands bei. An einen Zu- 'sammenschluß Englands mit Frankreich ist nicht Zu denken, so lange der Bund der ftanzöfischen Republik mit dem Zarenreiche besteht. Denn die englischen und ruisifchen Interessen sind nie und nimmer in ein Gespann zu bringen. Somit ge- hört zu den mittelbaren Wirkungen des französisch­russischen Bündnisses eine wohlthätige Besänfti­gung der britischen Machtvergrößerungs-Gelüste. Allzu viel hat es nicht zu bedeuten; aber erwähnt ^verdient eS zu werden, daß das ehedem freund­schaftliche Verhältniß zwischen Paris und Kon- stanttnopel während der neuesten Zeit in das Segen- theil umgeschlagen ist: die Franzosen sind drauf und dran, eine Panzer-Division gegen Konstantt- nopel loszulassen, um mit Gewalt das zu erzwin­gen, was ihnen der Großherr gutwillig zu geben sich weigert. Das alles Hai Frankreich durch seinen Bund mit Rußland eingebüßt, währendgleichzeitig -MSSSSSSMSSWWSWSVWWSSSSSSWWWVSSWWSS

Vst Amechaas-mB«.

Roman von O. Elster.

9 ------ (Nachdruck verboten.)

„Nehmen Sie allen Muth zusammen, Else," lachte der Rittmeister und Adjutant Hans Hein­rich, als er einige Wochen nach der Rückkehr des Herzogs in den Salon seiner Mutter trat und Else am Flügel fand. „Heute Abend will Seine Hoheit sich von der Wahrheit der Schilderungen überzeugen, welche alle Welt von Ihnen und Ihrem musikalischen Genre macht!"

Erschreckt sprang Else auf.

„Wie soll ich Sie verstehen, Herr Nitt- Meister?"

„Nun, nun," besänftigte dieser das erschreckte Mädchen, indem er ihre Hand ergriff und ihr lächelnd in die Augen blickte, „Hoheit will heute Abend die musikalische Soiree Mamas mit seinem Besuche beehren, um Sie, Wunderkind, singen zu hören, das ist alles. Sie brauchen sich nicht zu fürchten. Ich weiß wie Sie singen, und kann Ihnen versichern, daß der Herzog ent­zückt sein wird."

„Sie haben mit Hoheit von mir gesprochen? C, das war nicht recht! Ich bin noch sehr weit zurück."

„Sie sind eine Meisterin im Gesang, Else," entgegnete Hans Heinrich, „und ein Engel an Schönheit —" setzte er leise hinzu, sich ein wenig -zu ihr ntederbeugend.

Eine tiefe Gluth flammte in ElseS Wangen

das Zarenreich eine Anleihe nach der andern in Frankreich unterbringt — wahrhaftig, die Fran­zosen entwickeln als Zweibündler eine große, eine fast bewundernswerthe Geduld.

Und wie sehr mußten sie sich selbst ändern, wie viele ihrer früheren Anstchten und An­schauungen mußten fie aufgeben, um Freunde Rußlands zu werden l Denn in früheren Zetten wollten die Franzosen nichts wissen von einer Verbrüderung mit dem zarischen Rußland; man trug im Gegentheil geflissentlich wehmüthige Sympathie für das von Rußland unterdrückte Polenvolk zur Schau, ja noch mehr: Frankreich führte unter Napoleon III. den Krimkrieg gegen Rußland! Noch im Jahre 1867, als Paris seine erste Weltausstellung veranstaltete, konnte es vorkommen, daß Zar Alexander II. als Be­sucher dieser Ausstellung durch den Ruf des demokratischen Abgeordneten Floquet beleidigt wurde: „Es lebe Polen, mein Herr!" Jetzt macht sich sogar der sozialdemokratische Bürger­meister von Reims eine Ehre daraus, die fest­lichen Veranstaltungen zu Ehren des Zaaren- paare s zu leiten, denn es geschieht zum Besten Frankreichs . . . eine scharfe Kennzeichnung der Thatsache, daß nicht innere Stimmungen und Neigungen die Staatengruppirungen tzerbeiführen, sondern der Druck der Nothwendigkeit von außen her, der Trieb der politischen Interessen.

Die Interessen deS Zarenreiches weisen es auf den Bund mit Frankreich hin; und so schüttelt der absolute Herrscher Nikolaus mit dem äußern Anscheine der größten Herzlichkeit die Hand des radikaldemokratischen französischen Kriegsmtnisters Andre, als ob es keinen herz- liebern Bruder für ihn auf der Welt geben könnte. So schwärmen die französischen Re­publikaner für den absoluten Herrscher aller Reußen, als ob er die Verkörperung aller ihrer politischen Ideal« wäre; und alle Welt erkennt an, daß dem Zweibunde Aussichten auf ein langes Leben winken, trotz der außerordentlich großen Verschiedenheit der beiden Bündler! Frankreichs Opfermuth für den Zweibund ist ohne Grenzen. Aber zu beneiden ist eS schwerlich darum. Man kennt nicht alle die politischen Heimlichkeiten des französisch-russischen Bünd­nisses. Aber eS heißt nicht nur nach dem äußern Anscheine urtheilen, wenn man sagt, daß Frankreich darin der gebende, Rußland der nehmende Theil ist. Und deswegen haben wir Deutschen nicht die allergeringste Veranlassung, die Franzosen um ihr Ruffenbündniß zu beneiden.

Derrtfches Keich.

Berlin, 33. September.

x Zar ZliKoka«* reist, wie berichtet wird, von Kiel über Stettin und Alexandrowa nach Spala. DaS Zarenpaar ist bekanntlich Sonn­tag Abend von Kiel abgereist, ohne daß gesagt worden wäre, wohin. Stimmt die Meldung, so ist damit noch kein Beweis geliefert dafür, daß in Spala eine neue Kaiserzusammenkunft bevorstehe. x

* „Eine ansfichtsvolr« Ateichstags-HSaht steht uns bevor", schreibt der.Vorwärts' mit Be­zug auf die durch den Tod des freisinnigen Ab­geordneten Wintermeyerim Wahlkreise Wies- empor, Hastig entzog fie ihm die Hand • und «oaiidte sich ab. Aber Hans Heinrich ließ sich nicht so leicht verblüffen.

„Zürnen Sie mir, E^e," er leiden­schaftlich, „daß ich von Ihrer Schönheit, Ihrer Anmuth ergriffen, hingerissen bin? Dann müssen Sie aller Welt zürnen —"

„Sie dürfen solche Worte nicht sprechen — Sie wissen, daß ich Sie nicht hören darf!"

Esse hatte sich ihm wieder zugewandt und blickte den Rittmeister mit zornig flammenden Augen an. Mit dem ersten Tage, da Hans Heinrich heimgekehrt war, .verfolgte er Else mit seinen Galanterien. Die frische Schönheit des Mädchens, ihre anmuthige Natürlichkeit setzten sein Herz in Flammen; der Stolz, den sie ihm entgegendrachte, reizte ihn, den Widerstand Elses zu brechen, ihre Liebe zu gewinnen. Auf der glänzenden Oberfläche des Lebens tändelnd, hatte er den Ernst einer großen Leidenscyaft nicht kennen gelernt; er hatte leichte Siege erfochten, er glaubte auch hier leicht siegen zu können. An das Ende, an die Gefahr dachte er nicht. Wie er den Ernst des Lebcns, der Liebe und Leiden­schaft nicht kannte, so glaubte er auch bei anderen nicht an denselben.

Erstaunt blickte er jetzt deshalb in das zür- nende Auge Elsens. Ein spöttisches Lächeln zuckte um seine Lippen.

„Wer will es mir verwehren, so zu sprechen, Schön-Else?" fragte er belustigt.

„Ich werde es thun!"

„Sie? Da wäre ich neugierig!"

baden-Rheingau nothwendig werdende Ersatz­wahl. Bei der Hauptwahl im Jahre 1898 er­hielten: Wintermeyer 7740, der Sozialdemokrat 8050, Centrum 5368 und ein Freikonservativer 3131 Stimmen. Bei der SÜchwahl wurde dann Wintermeyer mit 15,025 gegen 10,500 sozialisti­sche Stimmen gewählt. Wenn jetzt der.Vor­wärts' Die Aussichten der Sozialdemokratie für günstig hält, denkt er sich die Sache vielleicht so: Zwischen zwei Gegner einer Getreidezoll­erhöhung gestellt, werde das Centrum, von dem die Entscheidung abhängt, der Wahl sich ent­halten, in welchem Falle allerdings der Sozial­demokrat leicht siegen könnte. Es wäre gar nicht uninteressant, wenn das Centrum die beiden Kämpfer gegen den „Brodwucher" ganz sich selbst überließe, damtt einer den andern abthue. In mancher Hinsicht ist zwischen dem Richter'schen Freisinn und der Sozialdemokratie doch höchstens noch der Unterschied, daß diese offen sagt, was der Freisinn noch verschämt zu verhüllen sucht.

* De«tschka»ds Werluste im chinesische« Ieldznge. Nachdem nunmehr die 18. amtliche Verlustliste erschienen ist und kaum noch irgend welche Aenderungen, wenigstens waS die Haupt­sache, die Zahl der Gefallenen und Verwundeten, betrifft, etntreten können, wird es möglich, ein einigermaßen abschließendes Bild von unseren Verlusten in China zu erhalten. Von unseren Marinemannschaften sind gefallen oder ihren Wunden erlegen 49 Mann, nämlich 3 vom ersten und 21 vom dritten Seebataillon, 4 von der „Hertha", 8 von der „Hansa", 4 von der „Kaiserin Augusta", 2 von der „Irene" und 7 vom „JltiS". Verwundet wurden 138 Mann, nämlich 3 vom ersten, 3 oom zweiten und 47 vom dritten Seebataillon, 1 von der Marinefeldbatterie, je 23 von der „Hertha" und „Hansa", 15 von der „Kaiserin Augusta", 1 von der „Irene" und je 11 von „Gefion" und „Iltis". Verunglückt sind 21 Man», nämlich 1 vom Stab, 4 vom ersten, 2 vom zweiten und 4 vom dritten Seebataillon, je 1 von der Marinefeldbatterie und der Matrosen- Artillerie, 1 von der „Hertha", 2 von der „Hansa", je 1 von „Gefion", „Wörth" und „Iltis" und 2 von der „Schwalbe". An Krankheiten sind gestorben 89Mann, 3 von den Stäben, 22 vom ersten, 30 vom zweiten, 9 vom dritten Seebataillo», 11 von der Feldbatterie, der Matrosen-Artillerie, den Pionieren und der Telegraphen-Abthellung, je 1 von der „Hertha", „Weißenburg", „Wörth", oom „Seeadler", „Jaguar" und „8 91", 3 von der „Hansa", 8 von der „Irene" und 5 von der „Gefion". Demnach stellt sich der Ge- sammtabgang für unsere Marine auf 2 9 7 Mann. Vom Expeditionskorps sind ge­fallen oder ihren Wunden erlegen 16 Mann, und zwar vom 1. Ostafiatifchen Infanterie-Re­giment 4, vom 2. 5, vom 3. 4, vom 4. 1 und von den Pionieren und der Munitionskolonne je 1. Verwundet find >32 Mann, beim 1. Infanterie-Regiment 26, beim 2. 12, beim 3. 37, beim 4. 12, beim 6. 4, beim Reiterregiment 9, beim Feldartillerie-Regiment 8, beim Feld- haubitzen-Bataillon 6, bei den Pionieren 16, bei der Feld-Telegraphen-Abtheilung 1 und ebenso bei den Munitionskolonnen 1. Verunglückt sind 49 Mann, und.zwar 2 beim Oberkom-

„Zch verbiete Ihnen eine Sprache, die auf ein Gefühl in Ihrem Herzen Mreßen läßt, welches nicht darin wohnt, welches nicht darin wobnen darf."

'„Und wenn ich Ihnen versichere, daß diesßs Gefühl «ohnt!"^

„Herr Rittmeister!" „Schön-Else?"

„Wissen Sie, wie man mich in meiner Hei- math nannte? — die „Armenhaus-Prinzessin"! Hätten Sie den Muth, einer „Armenhaus-Prin- zesfin" Ihre Hand zu reichen?"

»Ah — so ist es gemeint! Sehe einer die kleine Ehrgeizige an!"

„Wenn Ihre Worte von Liebe einen anderen Sinn haben, Herr Rittmeister," versetzte Else stolz, „dann beleidigen Sie mich und ich muß den Schutz Ihrer Mama in Anspruch nehmen."

„Alle Wetter, sind Sie ein stolzes Mädchen! — Na, kaffen Sie uns wieder Frieden schließen, es war jedenfalls nicht bös gemeint. Aber einen guten Rath will ich Ihnen geben, Else: Legen Sie die Worte, welche man zu Ihnen spricht, nicht zu sehr auf die Goldwaage, namentlich nicht bei Hoheit. Sie würden sich sie Gunst des hohen Herrn verscherzen und — wer weiß — vielleicht Ihre Zukunft auf das Spiel setzen."

Er wandte sich rasch um, ohne eine Ant­wort abzuwarten, und eilte seiner Mutter ent­gegen, welche in diesem Augenblick den Salon betrat.

mando, 7 beim ersten, 2 beim zweiten, 6 beim dritten, 1 beim vierten, 4 beim fünften und 4 beim sechsten Infanterieregiment, 9 beim Reiter­regiment, 1 beim Feldartillerieregiment, 7 beim Feldhaubihenbataillon, 2 bei den Pionieren, je 1 bei den Telegraphendetachement, der Sanitäts­kompagnie, den Trains und den Etappen forma- tionen und 3 bei den Munitionskolonnen. An Krankheit sind gestorben 182 Mann, und zwar 1 beim Oberkommando, 3 bei den Stäben, 23 beim erste», 16 beim zweiten, 33 beim dritten, 7 beim vierten, 9 beim fünften und 21 beim sechsten Infanterieregiment, 2 bei der Jägerkompagnie, 4 beim Reiterregiment, 16 beim Feldartillerieregiment, 6 beim Feldhaubitze»- bataillo», 12 bei den Pionieren. 5 beim Eisen­bahnbataillon, je 1 bei dem Telegraphendetache­ment und der Sanitätskompagnie, 14 bei den Munitionskolonnen, 7 bei den Trains und bei den Etappenformationen. Der Gesammtoerlust des Expeditionskorps stellt sich dem­nach auf 379 Mann, und der Verlust für Marine und Expeditionskorps zu­sammen also auf 6 76 Mann. Von diesen Verlusten entfallen auf die im Kampfe gefallenen nur 10 pCt., auf die Verunglückten, denen in obiger Statistik auch die Vermißten hinzugezählt sind, nicht ganz soviel, etwa 93/< pCt., in die übrigen 80 pCt. theilen sich die an Krankheiten Gestorbenen und die Verwundeten zu gleichen Theilen. Die Zahl der an Krankheiten Gestor­benen übersteigt demnach die Zahl der Gefallenen um das Vierfache.

X Dertorene Lohnüämpfe. Während der letzten Monate hat man von Streikbe­wegungen nicht viel gehört, und das hat seine sehr zugkräftigen Gründe: in Zeiten industrieller Flaue streikt es sich nicht gut. Desto mehr war die Rede von dem großen Stahlarbeiter- Aus stände in den Vereinigten Staate» von Amerika und von dem deutschen Generalstreik der Flaschenmacher. Beide sind ohne den von den Arbeitern gewünschten Erfolg gebkMen. In Amerika wurde ganz nach amerikanischer Ge­wohnheit die Reklametrommel auch für diesen Ausstand gerührt: in ganz überschwänglicher Weise wurden Vorhersagen an denselben geknüpft darüber, was er alles leiste» und bewerkstelligen sollte, und es sollte der umfangreichste aller bis­her vorgekommenen Lohnkämpfe sei». Man er­hielt den Eindruck davon, als sollte den Arbeitern erst künstlich Muth gemacht werde» zur Ausführung dieses Ausstandes, zu dem rechte Neigung bei ihnen nicht vorhanden war. Thatsächlich hat eS schon umfangreichere Lohnkämpfe gegeben, so namentlich bei den englischen Kohlenbergleuten; und gerade diese find mit weit mehr Klugheit und Vorficht geführt worden, als der Streik der amerikanischen Stahlmänner. Die amerikanischen Arbeiter sehen es jetzt ein, daß sie ein Opfer der Großsprechereien des Arbeiterführers Shaffer ge­worden find, eines ManneS von deutscher Ab­stammung, der eigentlich Schäfer heißt. Der Streik ist verloren. Der Ring der Unternehmer hat sich mächtiger erwiesen, als Mister Shaffer mit den Arbeitern; leider muß man sagen, daß der Stahlring ebenso hitzig und un­verständig drauf lorgegangen ist, wie jener Ar­beiterführer. Sein Benehmen war so, als sei es absichtlich darauf angelegt, die Leidenschaft bei den

„Ich bringe Dir eine freudige Nachricht Mama," sagte er, ihr ehrerbietig die Hand küssend, „Hoheit will heute Abend Deine Soiree besuchen, um Deinen Schützling pial singe» zu hören,"

„Ick ts schon von der Gräfin Bitten- feld, Der Oör.hpfmeisterin derHerzogin-Wittwe," entgegnete Frau von Hadstecken mit einem ge- miffen Stolz, „Ich denke, wir werden Hoheit eine ^ugenebrne Ueberraschung bereiten —"

„Das glaube ich auch," lachte Hans.

Die Baronin wandte sich an Else. „Gehen Sie auf Ihr Zimmer, Else; Sie müssen Ihre Toilette für heute Abend etwas ändern, ich sende Ihnen mein Kammermädchen, um Ihnen zu helfen. Muth, Muth, mein Kind," fuhr sie lächelnd fort, als sie das erschreckte Gesicht Elfer erblickte. „Der heutige Abend entscheidet über Ihre Zukunft."

Sie streichelte zärtlich die glühenden Wangen Elses und entließ sie mit einem flüchtigen Kuß auf die Stirn. Höflich öffnete Hans dem jungen Mädchen die Thür, ihr einige leise Worte der Ermunterung zuflüsternd. Dann kehrte er zur Baronin zurück.

„Was beabsichtigt Ihr eigentlich mit diesem wilden Reis unseres Stammes, Mama?" fragte er lachend.

„Wir werden Else zu einer tüchtigen Künst­lerin heranbilden lassen. Noch ein Jahr soll fie hier bleiben, dann mag sie sich auf der Bühne versuchen und ich bin sicher, daß fie ihren Weg machen wird."