i Lisch eint täglich, . st. Ausnahme der 'Sonn-und Feier- = tage. Bierteljährl.
Dejugsprei, ohne Bringerlohn «md Bestellgeld in Fulda und auswärts 1M.50 Pf.
Inserat»: ]
einspaltige Vettt« j »eile oder beten 1 Raum1SPfg.,Re» klamen die Petit« geile 25 Pfg.; bet Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
mit Anterhattungs -Anlage „Issussrirte Sonntags-Zeitung" peteregagt «». 2 ffcarmonk).
M 218. Jut'öcr, Montag, den 23. September 1901. 2.8. Jahrgang.
s
sich Seine Hoheit seiner Lieblingsbeschäftigung mit künstlerischen Angelegenheiten ohne Störung hingeben. Sein kleiner Hofrheater genoß einen wohlverdienten Ruf, seine Musik-Akademie wurde von wahrhaft künstlerischen Kräften geleitet und die klassischen Schauspiel- und Opernvorstellungen des herzoglichen Hoftheaters dienten manchem größeren Theater zum Muster.
Den Mittelpunkt des musikalischen Lebens der kleinen Residenz bildete das Haus des Freiherrn von Hanneck-n. Der lebenslustige, alte General selbst war freilich kein allzugroßer Kenner der Musik, seine Liebhaberei war mehr Ballet und leichte Tanzmusik gewesen, so lange er in Berlin gelebt; aber seine Gattin Amalie, eine geborene Komtefle Hallenstein, selbst eine bochbegabte Dilettantin int Klavterspiel, wußte auch in ihrem Gatten, die Begeisterung für die edlere Kunst zu necken'und hatte auch bewirkt, daß der Freiherr >en Jntendanturposten in der kleinen Residenz, iisrer Heimath, erhielt.
Eng befreundet mit der Herzogin Wittwe, der Mutter des regierenden Fürsten, nahm Frau von Hannecken eine Vertrauensstellung bei Hofe ein; aus ihre Fürsprache hin wurde ihr Sohn Hans Heinrich, der als Gardeleutnant bei den Dragonern in Berlin stand, zum persönlichen Adjutanten seiner Hoheit des Herzogs ernannt, mit der wohlbegründeten Aussicht, in de« Fürsten Hofdienst bis zu den höchsten Aemtern emporzusteigen.
Die arme Else glaubte sich in ein Märchen aus Tausend und eine Nacht versetzt, al» sie in da» Hau» de» Freiherrn elntrat.
Handlungen, und seitdem war nicht mehr die Rede davon gewesen.
Weniger erfreulich ist eine Einigung, die in Folge des maßlosen Wüstens der Alldeutsche» im Tschechenlager abgeschlosien worden ist: die feindlichen Brüder der Jungtschechen und der Alttschechen find übereingekommen, bei den bevorstehenden Neuwahlen zum Landtage ebenfalls geschloffen vorzugehen. Sie werden gemeinsam im ganzen Lande Böhmen ihre Wahlbewerber aufstellen und überall gleichmäßig einander unterstützen, natürlich zu dem ausgesprochenen Zwecke, auf diese Weise besser ihre gemeinsamen nationalen Interessen vertreten zu können. Schwerlich würde dieses zweite Kompromiß zu Stande gekommen sein, wenn die Alldeutschen nicht so übermäßig in ihrer Agitation wären, und wenn aus dem neuen Tschechenbunde dem Deutschthum in Böhmen weitere N eder- lagen erwachsen, so tragen die Wolf, die Schönerer, die Jro und Genoffen einen guten Theil der Schuld daran.
„Ich bringe Dir ein Wunderkind au» dem Gebirge mit, liebste Amalie", stellte der Freiherr lachend Eise seiner Gattin vor. „Ich schrieb Dir schon von meiner Entdeckung und Du wirst erstaunt sein, welche musikalische Begabung in dem kleinen Mädchen wohnt. Es wird sicherlich einst der Stern Deutschlands werden!"
Mit gönnerhaftem Lächeln betrachtete Frau von Hannecken da« verschämt dastehende Kind. Dann mußte Else spielen und singen.
Ihre Befangenheit wich, al» sie vor dem prächtigen Flügel saß. Rektor Ahrens war ein trefflicher Musiklehrer, er bevorzugte die ernste Musik eine« Bach, eines Händel, und gerade diese Meister waren die Lieblinge der Baronin.
Da» ernste, gediegene Spiel Elses, ihre glockenhelle, weiche Sopranstimme, ihr warmer Vortrag entzückte die Baronin; gerührt schloß sie Else in die Arme und sprach:
„Du bist ein gottbegnadetes Kind. Ich danke Dir, Hans Heinrich, daß Du Else zu mir ge- bracht hast. Ich werde sie unter meinen Schutz nehmen und ich denke eine wahrhafte Künstlerin aus ihr zu machen."
Der General und Hoftheater-Jntendant war froh, daß sein Schützling Gnade vor seiner gestrengen Gattin gefunden hatte. Er war sonst nicht gewohnt, selbständig zu handeln; diese» Mal folgte er indeflen seinem guten Herzen, da» tiefe» Mitleid mit der „Armenhaus-Prinzessin" empfand, die er, ohne seine Gattin zu fragen, in sein Hau« eingeführt hatte.
Jetzt erzählte er ihr nochmal», wie und wo er
den alten Vetter und seine Tochter gefunden. Frau von Hannecken schwieg eine Weile, nachdem ihr Gatte geendet; dann sprach sie mit ernstem Wohlwollen:
„Du hast recht gehandelt, Hans Heinrich, Else mitzubringen. Ihren Vater wollen wir seinen gewohnten Vsrhältniffen nicht entreißen, er würde sich hier doch unglücklich fühlen, aber wir werden dafür sorgen, daß er ein ruhiges, gesicherte» Alter verleben kann."
So kam Else in das glänzende Haus de» Freiherrn, in dem eine neue Welt, ein neue» Leben sich ihr eröffnete. Ihre Träume von Glück und Glanz schienen in Erfüllung gehen zu sollen. Sie ward fast wie das eigene Kind des Hauses gehalten. Ein Jahr lang besuchte sie eine vorzügliche Pension und erhielt zugleich von den hervorragendsten Künstlern und Professoren der herzoglichen , Musik-Akademie Unterricht; alle waren erstaunt, entzückt von ihrem musikalischen Talent, alle piophezeiten ihr eine große Zukunft und Else selbst glaubte an ihre Zukunft, wollte den Gipfel so rasch wie möglich erreichen und warf sich deshalb mit regem Eifer auf ihr Studium.
Wie weit hinter ihr lag jetzt da» frühere Leben! Wie. weit hinter ihr die „Armenhaus- Prinzessin!" In Nebeldust schien die frühere Welt versunken; über ihr strahlte jetzt die goldene Sonne, lachte der wolkenlose, blaue Himmel. Zuweilen noch ward sie an die jetzt so ferne, ferne Zeit erinnert, wenn eine wortkarge, kurze Mittheilung ihre» Vater» anlangte, daß e» ihm gut gehr, daß er nicht» nöthig habe, daß Else sich nur
O Politischer Seenenwechsel in Böhmen.
Die „alldeutschen" Uebermenschen in Böhmen haben durch ihre' verkehrten Agitationen ihren verschiedenen Gegnern einen großen Gefallen gethan: man schließt sich zu festen Gruppen zusammen im Gegensätze zu jemn wilden Reiterangriffen, und zwar zu solchen Gruppen, die ohne diesen Druck von der Gegenseite her wahrscheinlich niemals gebildet worden wären.
Zunächst hat der gesammte böhmische Großgrundbesitz eine feste Vereinbarung getroffen. Dieser zerfiel bisher in zwei von einander gesonderte Parteien, in den feudalen und den verfassungstreuen Krundbefitz, die einander bet den Wahlen zum böhmischen Landtage und auch zum österreichischen Abgeordnetenhause zu bekämpfen pflegten. Auf das Betreiben der Regierung hin ist nun eine Vereinbarung abgeschlossen worden über die Vertheilung der ffebenzig Großgrundbesitz-Mandate im böhmischen Landtage, und zwar dergestalt, daß die sechszehn Mandate des Wahlkörpers der Besitzer der Fideikommissen den Feudalen zufalle», ebenso 33 Mandate desjenigen Großgrundbesitzes, der nicht in Fideikommissen besteht. 21 Mandate dieses letztgenannten Wahlkörpers sollen den Verfassungstreuen anheimfallen. Die getroffene Vereinbarung geht aber noch weiter. Es fol nämlich in der nächsten Tagung des böhmischen Landtages von dem gesummten Großgrundbesitze «in Antrag eingebracht werden, dir Vertretung beider Parteien des Großgrundbesitzes gesetzlich festzulegen; und es sollen danach in Zukunft den VerfaffungStreuen 25 von den im Ganzen 70 Großgrundbksitzmandaten zufallen.
Das sind sehr wichtige Vereinbarungen. Wahrscheinlich nämlich werden die anderen Parteien nicht damit einverstanden sein, daß diese einzelne Regelung vorgenommen werde. Und wenn es so kommen sollte, do"» könnte der verabredete Antrag der Großgrundbesitzer leicht dazu führen, daß ein allgemeiner Ausgleich im böhmischen Landtage vorgenommen werde. Daß die Regierung ein solches Beginnen ebenso unterstützen würde, wie sie die Vereinbarung innerhalb des Großgrundbesitzes nicht nur eifrigst gefördert, sondern auch von Anfang an in die Wege geleitei: hat, ist sicher. Denn der Regierung muß natur- gemäß außerordentlich viel an solche» Ausgleichen liegen, die sehr viel zur Beruhigung des aufgeregten politischen Ozeans beitragen können; und jeder Freund einer ruhigem Entwickelung der böhmischen und damit auch der österreichischen Zeit- und Streitfragen muß dieselbe AuSschauung hegen. Man erinnert sich dabei auch der Worte, die Kaiser Franz Joseph während seiner jüngsten Anwesenheit in Prag gesprochen hat: „Ich bin überzeugt, daß bei dem großen Friedens werke, welches in Böhmen nothwendig erscheint, der Adel seiner Aufgabe immer gerecht werden wird." Daß da» ganze K.mpromiß ein Entgegenkommen des Feudaladels bedeutet, muß dabei auch erwähnt werden. Die VerfaffungStreuen forderten im Jahre 1890, wo auch schon Kompromißver- Handlungen eingeleitet waren, 21 Mandate für sich; damals aber scheiterten schließlich die Ver-
5.
Die herzogliche Residenz, in welcher Freiherr Hans Heinrich von Hannecken das Amt eine« Hof- theater-Jnttndanten bekleidete, zählte kaum fünfzigtausend Einwohner. Seine Hoheit, der Herzog, ein lebenslustiger Herr von einigen dreißig Jahren, schwärmte mehr für Theater, Musik und Malerei, als für Militär und Politik. Thatsächlich hatte er ja auch mit Militär und Politik wenig zu thun, seitdem das deutsche Reich den kleineren deutschen Fürsten die Sorge um diese beiden Zweige de« Sraatsleben« abgenommen hatte. Hoheit begnügten sich damit, den preußischen Anträgen im Bundes- rathe betzustimmen, das Bataillon des preußischen Infanterie-Regiments, in dem die herzogliche Truppe aufgegangen war, bei Gelegenheit des Kaiserlichen Geburtstages und seines eigenen Wiegenfestes bei der Parade zu begrüßen, die Offiziere zu den Hof-Festlichkeiten einzuladen, die Mannschaften dann und wann zu bewtrthen, einige Kreuze seines Hausordens zu vertheilen und im übrigen seinem Minister, einen preußischen Geheimrath, schalten und walten zu lassen.
Da» Ländchen stand sich gut dabei und Seine Hoheit der Herzog auch. Er empfand alle einem regierenden Herzog gebührenden Annehmlichkeiten, ohne von den Lasten eine» solchen viel in Anspruch genommen zu werden. Dagegen konnten
Bk AmechaurprinMn.
Roman von O. Elster.
------ (Nachdruck verboten.)
Deutsches Keich»
Berlin, 21. September.
• Der Kaiser soll nach den Versicherungen englischer Blätter die Absicht haben, im kommenden Monat November wiederum einen Besuch in England zu machen. Jedenfalls fei es gewiß, daß König Eduard den Kaiser eingeladen habe. Nach einer Mittheilung amtlicher Berliner Quelle ist „an Berliner unterrichteten Stellen von solchen Reifeplänen nichts bekannt."
+ Mo» der preußische« Ka«alvork«ge behauptet der nattonalliderale .Hannoo. Kurier', es sei noch „kein Beschluß darüber gefaßt", ob diese Vorlage im preußischen Landtage im näch- ste» Winter wiederum eingebracht werden solle oder nicht. Das mag vielleicht richtig sein. Deswegen braucht man aber nicht zu der Annahme sich verleiten lassen, die Vorlage werde schon im nächsten Winter wieder erscheinen. Das ist vielmehr trotz aller gegenteiligen Versicherungen der Kanalschwärmer durchaus unwahrscheinlich. Vielleicht hält man es auch gar nicht mehr für nothwendig, noch einen besonderen Beschluß darüber herbeizuführen, sondern nimmt die Rückstellung für spätere Zeiten als vollkommen selbstverständlich an.
• Der neue Ariegstzafeu in Danzig taucht wieder einmal aus der Versenkung aus. Daß manche Leute ihn wünschen, ist gern zu glauben, namentlich solche Leute, die an solchen Bauten vieles Deld verdienen. Aber daß die maßgebenden R^gierungskreise wirklich jetzt mii einem solchen Plane sich beschäftigen sollten, ist nicht zu glauben. Der Marine - Etat muß ftd doch an die Grenzen des Flottengesetzes halten
• Se«ior des Ikeichslage» ist nunmehr nach dem Ausscheiden des Nestors der Centrums- Fraktion, deS Herrn Dr. Lingens-Aachen, ein Mitglied der freisinnigen Volkspartei, Herr Dr. Langer Hans, der auch bereits älter als 81 Jahre ist. Außerdem gehören dem Reichstage noch 17 Mitglieder an, die das 70. Lebensjahr überschritten haben; vom Centrum sind das der Alters-Reihenfolge nach die Herren Abgeordneten Rintelen, Graf v. Hompesch, Szmula, Freiherr v. Strombeck, Lender und Graf
der Bevölkerung zum Börsenspiel muß aber im allgemeinen Vslksintereffe nach wie vor ganz entschiedener Widerspruch erhoben werden.
+ Industrie und Landwirthschafl. DaS Organ des Centraloerbandes der Industriellen, die .Deutsche Jadustriezeitung', schreibt in ihrer neuesten Nummer:
„Die Beseitigung der Mindestzölle für Getreide aus dem Tarifgesetze ist eine nationalwirthschastliche Roth Wendigkeit, die schon aus der Thatsache folgt, daß das Ganze wichtiger ist, als einer seiner Theile. Die deutsche Industrie wird keinen Schritt unterlassen, um fte zu erreichen, und Bundesrath und Reichstag werden es sich drei Mal überlegen, ehe sie einer dem Ge- sammtwohle so gefährlichen Bestimmung ihre Billigung geben."
Das ist eine sehr übermütige und sehr herausfordernde Sprache. Ist man denn feiner Sache wirklich schon so gewiß? Schwerlich. Aber unter solchen Umständen ist wohl anzunehmen, daß die Generaloersammlung des Centralverbandes am bevorstehenden ersten Oktober in Berlin der feinbfeiigen Stellung seines Direktoriums gegen die Mindestzölle für Getreide beitreten werde. Nichtsdestoweniger würde ja auch damit noch lange nicht gesagt sein, daß das die Ansicht der gefammten „Deutschen Industrie" sei. Man kann der .Deutschen Jn- dustriezeitung' nicht beffer entgegnen, als mit den nachfolgenden Worten der Kölnischen Volkszeitung' :
„Unter allen Umständen haben die Landwirthe ein berechtigtes Interesse daran, daß die Regierung dem an niedrigen Getreidezöllen in- teressirten Auslande gegenüber eine möglichst starke Position hat und die Ablehnung von Ermäßigungen unter den Mindesttarif herunter mit dem Hinweise auf das Gesetz begründen kann. Durch die Erfahrung gewitzigt, hegen die Landwirthe die Besorgniß, es könnten wieder ohne Roth Verträge auf ihre Kosten abgeschlossen werden. Warum will man ihnen nun die gewünschte Garantie nicht gewähren, auf die sie einerseits so viel Gewicht legen und die andererseits Handelsverträge, auf welche die Industriellen so viel Gewicht legen, nicht hindern wird? . . . Eine solche Behandlung einer Frage, die den Landwirthen am Herzen liegt, ist kaum ein Beweis dafür, daß man die Solidarität von Industrie und Landwirth- fchaft, von der gerade die Industriellen mit Vorliebe reden, auch durch die That zu pflegen und zu wahren gewillt ist."
Die .Deutsche Jndustriezeitung' stellt sich so an, als fei der Handelsminister Möller ihr Ge- sinnungsgenoffe. In der That ist kaum anzunehmen, daß sie eine so hochfahrende Sprache führen würde, wen» sie nicht auf sehr einflußreiche Gesinnungsgenossen innerhalb der Regierung rechnete. Aber desto mehr gilt es, den Widerstand dagegen zu stählen. Die angekündigten gutachtlichen Vernehmungen von Sachverständigen im Berliner Handelsministerium beginnen an diesem 23 S» ptember, werden sich vermuthlich aber bis in den Monat Oktober er« strecken.
* Em neues IlugSesit des Dokksver- ein» für das katholiscde Deutschland ist soeben
o. Galen. Das jüngste Mitglied des Reichstages ist der elsässische Abgeordnete Herr Hauß, der im 31. Lebensjahre steht.
h. Zum chumvmuer Mordprozesse bringt ein Berliner Blatt die Meldung, daß entgegen den anfänglichen Nachrichten die Militärbehörde allerdings mit, den Unteroffizieren kapituliren wolle, die als Zeugen in dem Prozesse thätig waren. Mit dem Vizewachtmeister Schneider soll weiter kapitulirt, der Unteroffizier Downing soll in ein anderes Regiment versetzt werden; Wachtmeister Buckpesch soll bei feinem Ausscheiden am 1. Oktober eine Invaliden- Pension erhalten. Daraus kann man von neuem entnehmen, doß die für die genannten Leute eingeleitete öffentlich? Geldsammlung durchaus unangebracht und vollkommen überflüssig war.
X Mil der ASandernvg des Aörfe«- gefetzes wird es allem Anscheine rach doch nicht so glatt hergehrn, wie einige Zfilungen glauben machen wollten. Vor allen Bingen ist festzustellen, daß bei den jüngsten B sprechungen im preußischen Abgeordnererchau e unter dem Vorsitze des Handklsministers Möller sehr träftiger Widerspruch erhoben worden ist gegen das ungerechtfertigte und ungesunde Verlangen der Börsenmänner, das Verbot deS Terminhandels für Getreide, Mühlenfabrikate und Industrie- popiere wieder aufzuheben; und ebenso begegnete die andere Forderung lebhaftem Widerspruche, daß die Eintragung ins Handelsregister ohne weiteres vor der Erhebung des Differenzeinwandes schützen solle. Das sind schon zwei sehr wichtige Punkte; und wenn man sich die bereits berichtete Zusammensetzung der eingesetzten Kommission genauer ansieht, die Vorschläge zur Aenderung der Bestimmungen des Börsengesetzes ausarbeiten soll, so darf man sich der Hoffnung hingeben, daß die Börsenbäume noch nicht in den Himme wachsen werden. Auch ist tn diesen Tagen in der Presse aus anscheinend amtlicher Quelle eine Notiz erschienen, wonach die maßgebenden RsgierungSkreife der Ansicht huldigen, daß daS Börsengesetz noch gar zu kurze Zei in Kraft sei, als daß man ein abschließendes Urtheil fällen könnte über die Wirkungen seiner wichtigsten Bestimmungen; die Vorschläge beit BörsenauSschuffes gingen zu weit, so daß au eine Mehrheit im Reickstage für diese Vorschläge nicht zu rechnen fei. Während der Verhandlungen ist eine gute Anregung ergangen, nämlich die Gebühren für die Ausnahme.in das Börsenregister möglichst niedrig zu gestalten. Die Eintragungen in das Börsenregister sind sehr wenig zahlreich, sowohl in den hauptsäh- 1 ichen Handelsplätzen, als auch namentlich in der Provinz. An mehreren großen Plätzen fehlt eS bis zum heutigen Tag« an solchen Eintragungen vollkommen, so beispielsweise in München, Hannover, Nürnberg, Elberfeld-Barmen. Deswegen würde ein gesetzliches Eingreifen vorläufig aber gewiß nicht nothwendig fein. Im übrigen ist über den Gegenstand gesagt worden, was zu sagen war. Jetzt muß man das Weitere abwarten. Die eingesetzte Kommission soll noch im Laufe dieser Woche ihre Arbeiten beginnen; und bann wird man wohl bald er» fahren, wohin bet neueste Börsenkurs gesteuert werden soll. Gegen eine weitere Heranholung