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Jfä 216.
Jutöa, Freitag, den 20. September 1901.
28. Jahrgang.
£ Das neue Weingesetz und die deutschen Weinzölle.
Das neue Gesetz überden Verkehrmit Wein wird mit dem bevorstehenden ersten Oktober in Kraft treten. Die Anschauungen, auf deren eS aufgebaut ist, bedeuten eine grundsätzliche Lenderung im Vergleiche zu den Ansichten, die den AuS« schlag gegeben hatten sür den Erlaß des ent- sprechenden Gesetzes vom 20. April 1892. Damals war der richtige Grundsatz noch nicht zum Durchbruche gekommen, daß derjenige, der Wein kaust, Anspruch auf gesetzlichen Schutz gegen Fälschungen des Weines hat. Man meinte, daß der Verkäufer feiner Pflicht genüge, wenn der von ihm verkaufte Wei» nur der Gesundheit nicht schädlich sei; im übrigen möge der Käufer selbst sehen und schmecken, was er kaufe.
Diese Anschauung, ein Ueberrest des glücklich überwundenen Manchesterthums, hat sich aber nicht lange behaupten können. Noch nicht fünf Jahre nach dem Erlaffe des Gesetzes von 1892, nämlich am 10. November 1896, beantragte der inzwischen verstorbene konservative Abgeordnete von Ploch ein neues Weingesetz, das allen Kunfierzeugnisien Fehde ansagte und ihnen nicht mehr gestatten wollte, als Wein neben wirklichem Wein zu gelten. Man wundert sich heute darüber,daß wiederum so lange Zeit unbenutzt verstreichen konnte. Es bedurfte vielmehr noch einer ganzen Reihe von Stuimangriffrn gegen die gewohnte Weinpantscherei, bis die Verbündeten Regierungen mit dem Entwürfe eines neuen und befferen Wringesetzes in der parlamentarischen Arena erschienen. In de« Jahren 1898 und 1899 mußte die Frage stets von neuem im Reichstage aufgeworfen und besprochen werden; und auch andere parlamentarische und wirthschastlicheKörperschaften ti hoben ihreStimme» mit der Forderung einer zeitgemäßen Reform. Die- thaten unter Anderen der deutsche Land- wirthschastsralh und der deutsche Handelstag im Beginne deS Jahres 1900, nachdem auch das preußische Abgeordnetenhaus kurz vorher für die gerechten Ansprüche der Weinverbraucher eingetreten war; und so legte der Bundesrath im Februar dieses Jahre« seine Novelle zum Wetugesetze vor. Eine vorhrr im Jahre 1896 erlaffene neue Anweisung zur chemischen Untersuchung des WeineS hatte durchaus nicht den gewünschten Erfolg gehabt.
Die Vorlage der Regierung hat die be- stehenden Wünsche nicht vollauf befriedigt. Aber eS ging mit dem neuen Weingesetz;, wie eS mit gesetzgeberische« Stoffen sehr häufig geht: die Regierung erklärte in der zuständigen Kommission deS Reichstages, daß sie über eine bestimmt« Grenzlinie nicht hinausgehen würde in ihren Zugeständnissen an die Anschauungen derjenigen, die auf vollkommene Reinhaltung der Weine dringe»; und so wurde daS übliche „Kompromiß- geschlossen, auS dem alsdann dar neue Gesetz hervorging. ES bedeutet eine ganz erhebliche Besserung im Vergleiche zu früher. Die Herstellung von Kunstwein ist verboten. Weine, die einen Zusatz von technisch reinem Zucker erhalten haben, auch in wässeriger Lösung, dürfe» nicht mehr als „Natnrwetn«" verkauft werden. Eine sorgsame Uebenvackung der Kellereien ist
Bit Ar«tlchim«-riHtsp>t.
Roman von O. Elster.
6 ------ (Nachdruck verboten.)
Die Jahre vergingen. Aus dem Untertertianer Paul Ahrens wurde ein zwanzig, jähriger Jüngling und StudiosuS der Medizin; auS Klein Else, der «Armenhaus-Prinzessin", eine blühende Mädchenknospe, deren Schönheit und Anmulh aller Auge» auf sich lenkten. Der Unterricht, die Erziehung der wackeren Rektor- und der Frau Rektorin hatte« die wild« Blume auS dem amerikanischen fernen Westen zu einer herrlich erblühten Rose umgewandelt und der Name „Armenhaus-Prinzessin" paßte «ehr denn je sür die stolze, anmuthige Erscheinung des siebzehnjährigen MädchenS.
. Els« wohnte noch bei ihre« Vater in dem Armenhause, aber fast den ganzen Tag über hielt sie sich im RektorShause auf, wo sie der Frau Rektorin im HauShalt half, mit dem Herrn Rektor sang und mufizirte oder sich in dem Garten beschäftigte. Vergebens suchte der Rektor den alten Hannecke» zu bestimme», Else gänzlich seiner Erziehung zu überlassen; der Alte, der mit den Jahre» immer einstlbtger, mürrischer und eigensinniger ward, wollte sich »on Else nicht trenne». „Nach meinem Tode mag sie in die Welt hinauSgehrn, so lange bleibt sie bei mit," das war das Einzige, waS auS dem Alte« herauszubringen war.
I« SlfrS Seele nistete sich ein ZwiespaU der Smvsi>chtz»gen ein, der chrem Wesen etwas
Deutsches Deich.
Berlin, 19. September.
* $itt Oeg-nßesnch Kaiser Wilhelms •dm Kare«? Dir.Kattowitzer Ztg/ meldet: „Wie uns eu6 Spalla bei Skterniewice mit« getheilt wird, werden dort umfangreiche Vorbereitungen für einen Besuch des deutschen Kaisers getroffen. Man gibt sich in Spalla der bestimmten Hoffnung hin, daß der deutsche Kaiser schon in wenigen Wochen dort zu einem Jagdbesuche beim Zaren eintreffen werde." — Von anderer Seite wird gemeldet, daß der Zar sich von Frankreich auS zunächst zu längerem Aufenthalte nach Darmstadt und dann zur Jagd Hastiges, Unruhiges und Trübes verlieh. Sie war weit hinausgewachsen über daS „Armenhaus", über den alten Sergeanten von der leichten Missouri-Artillerie und der braven Waschfrau Dorette Pinkepank und doch wurde sie durch die Verhältnisse in der ärmlichen Umgebung festgehalten. Doch mußte sie mit der Familie deS Korbflechters Pfannkuchen und deS Waldarbeiters vrendicke unter einem Dache hause«.
Sie fühlte sich einsam, verlassen, unverstan- den; das sehnsüchtige Gefühl nach der große» Welt, nach dem großen Leben wuchs in ihr von Tag zu Tag und steigerte sich zu fast kö per- lichem Schmerz. Gan, verlassen und unglücklich fühlte sie sich, alS Paul AhrenS die Universität bezog.
Als er Abschied vom Elternhaus« nahm, um zu Fuß nach der nächsten Eisenbahnstation zu «ander», begleitete sie ihn bis zu dem Walde, durch den der Weg nach der Eisenbahnstation führte.
Am Rande des WalveS, unter einer breit- ästigen Buche blieben sie stehen, Hand in Hand Auge in Auge.
Die schlanke Gestalt des dunkellockigen Jüngling« erbeb.e leicht, in seinen braunen Augen leuchtete eS heimlich auf. Fest umschlsffen seine Hände die Hand ElseS und leise sprach er:
In einem halben Jahre kehre ich wieder, Else, wirst Du meiner in der Zeit unserer Trennung gedenken? Wirst Du mich jeder Zeit freudig empfange» ? Wirst Du mir treu bleiben, wie Du eS mir geschworen hast?"
angeordnet und die Bestimmungen deS neuen Gesetzes solle» auch für die Schaumweine gelte». Diese Letzteren müssen auf jeder Flasche eine deutliche Bezeichnung ihrer Herkunft tragen; und wenn Schaumwein nicht au« Beerenwein, sondern auS Fruchtwein hergestellt ist, so muß er eine Bezeichnung tragen, die das ebenfalls erkennen läßt. Von großer Bedeutung ist ferner die Erhöhung der Strafe« für Zuwiderhandlunge« gegen die Bestimmungen des neuen Gesetzes; und so darf man wohl hoffen, daß dieses Letztere einen wohllhätigen Einfluß auf die Herstellung der Weine und auf auf den Handelsverkehr mit Wein auiüben wird.
Wein ist nicht nur ein Luxusgetränk, er ist in v« len deutschen Gegenden «in VolkSgetränk; und schon deswegen muß mit aller Strenge oarauf gehalten »erden, daß der Käufer genau daS erhält, waS et verlangt. Volksgetränke aber sind und werden immer nur einheimische Erzeugnisse sein. Deswegen ist eS im volksthümltchen Ginne ziemlich bedeutungslos, ob die vom Auslande her eingesührten Weine, namentlich Schaumweine, höher als bisher mit Einfuhrzöllen belegt werden oder nicht. Die Händler (oder, wenn man will, die Freihandels-Partei) stellen sich mitunter an, alS wären die demschen Zölle für ausländische Weine unverhältnißmäßig hoch. Das ist aber ganz und gar nicht wahr. Wese Zölle vertragen bei uns in Deutschland sogar eine ganz wesentliche Erhöhung. Das geht aus dem Vergleiche der deutschen Weinzölle mit den entsprechenden Zöllen anderer Länder hervor. Rußlo nd beispielsweise erhebt bei weitem höhere Zölle, die fast viermal so hoch alS die deutschen Zölle sind. Die Weinzölle der Vereinigten Staaten von Nordamerika betragen beinahe da« Doppelte, deS Königreiches Schweden mehr als d:s Doppelte. Holland nimmt um die Hälfte mehr Zoll, und England, das angeblich ganz fteihändlerische England, um ein Zehntel mehr. Wo bleibe» da die Freihändler mit ihren Behauptungen? Sie befinden sich damit vollkommen im Unrecht, was noch deutlicher daraus hervorgeht, daß wir im deutschen Reiche besonders ermäßigte Ausnahmezölle für V " schnitt-- weine und für Weine haben, die zur Bereitung vonGognac verbraucht werden, wenn ft- iu3 bett Ländern stammen, mit denen unS Handel» Verträge verbinden, also aus Italien, Oesterreich-Ungarn, Rumänien und Rußland.
Der deutsche Winzer braucht diesen mäßige« Zollschutz nothwrndtg, und der deutsche Weintrinker spürt ihn kaum.
nach Spalla begeben werde. Dort oder in dem benachbarten SÜerniewice «erde dann wahrscheinlich eine Begegnung mit dem Kaiser von von Oesterreich stattfinden. InSpalla würden bereits umfangreiche Vorbereitungen zu diesem Zwecke getroffen. — Ob diese Meldungen sich bestätigen, bleibt abzuwarten.
X Akevika« des Aörsengesetze«. Der preußische HandelSminister hat, wie berichtet, eine Anzahl Herren eingeladen zu einer erneuten Besprechung über die Revision des BörsengefetzeS, im ganzen, neben einer Anzahl von Beamten auS Reichsämtern und preußischen Ministerien, neunzehn Herren, davon allein elf Vertreter der Börsenfinanz und des HandelsstandeS und sechs Mitglieder deS Reichstages, je zwei vom Centrum (Dr. Spahn und Müller-Fulda), von den Konservativen und von den Freikonfiroativen. In den Zeitungen erscheint nun eine Notiz, wonach „allseits an- genommen werde, daß über die wesentlichsten Punkte der zur Erörterung gestellten Streitfragen ein Mnverständniß sich erzielen lassen wtrde, so daß dem Reichstage bereits im Herbste eine entsprechende Vorlage zugehen dürfte". Vorläufig ist indessen nicht recht zu begreifen, wie dies angebliche Einverständniß zu stände kommen soll. Die Herren von der Spekulation wollen den Terminhandel wieder allgemein gestattet haben und nach ihrem Willen sollen die Verpflichtungen aus solchen Terminspekulationen wieder rechtsverbindlich gemacht werden; daS gerade will die Mehrheit des Reichstages aber nicht, gerade diesen Uebelstand sollte die letzte Abänderung des Börsengesetzes beseitigen. Deswegen fand auch das Gutachten des BörsenauS- schusseS, zu dem dieser im letzten Sommer gelangt war, allgemeine Verurtheilung in den Zeitungen des CentrumS und der konservativen Parteien, und deswegen nahm man auch an, daß die erneuten Brrathuugen im Handelsministerium zu Beschlüssen nicht führen würden. Nun sollte eS anders kommen? Zunächst kaum glaublich, auch wen«, wie man hört, der Herr HandelSminister auf die Seite deS Gut- Ähtens des Bö'.ftnauSschuffes getreten sein sollte! Wer des verderblich« Terminspiel wieder ««gemein einführen will, bedroht die Sesammtheit deS Volke-; und außerdem würde jetzt der Zeitpunkt höchst unglückl.ch gewählt fein für Gesetzesvorlagen dieser Art. Der Reichstag hat int nächsten Winter vollauf mit de« Zollvorlagen zu thun und sollte auf keine« Fall noch mit solchen unglückseligen Sachen belastet werden!
X Kaiserliche Statistische Amt. Wiederholt «ar in letzter Zeit die Rede von der im Laufe des letzten Jahrzehnt- erfolgten Ausdehnung des RrichSamt« de- Innern und der ihm unterstellten Aemter, insbesondere de- ReichSversicherung-amteS, des Gesundheitsamts und de- Patentamts. Auch das Kaiserliche Statistische Amt, da- bei diesen Erörterungen unerwähnt blieb, erfuhr eine wesentliche Erweiterung. Während er in de» ersten Jahren seiner Gründung (1872) nur mit elf Beamten arbeitete und sein AuSgabe-Etat noch nicht 100,000 Mark erreichte, bez'ffrrt dieser sich jetzt auf über 1 Ml- lion Mark und das Personal besteht auS mehr alS 300 Mann. DaS Arbeitsgebiet des Sta-
Else blickte sinnenden AugrS in die weite, in Frühlings sonnenschein glänzende Landschaft hinaus. In ihrem Herzen quoll heißer und wilder die Sehnsucht nach der westen, schönen Welt empor und tief aufathmend sagte sie:
„Du bist meine Hoffnung, Paul — Du sollst mich hinau-iühren in die Welt — ich bleibe Dir treu."
Ein Lächeln huschte Über daS Gesicht des Jünglings.
„Wenn Dein Traum, Deine Sehnsucht nur in Erfüllung geht, Else," entgegnete er. „Ich bin kein Prinz, kein KönigSsohn des Märchens — daS Loos meines Lebens ist Arbeit, fleißige Arbest —"
„Ich will mit Dir arbeite», Paul!" rief Else. „Und unsere Arbeit soll unser Glück bauen."
„DaS ist ein schönes Wort, Elke. Auf diese« Wort will ich vertrauen. — Uid nun lebe wohl."
Noch ein inniger Händedruck, ein langer zärtlicher Blick, dann nß er sich los und eilte davon, in den nächsten Minuten im Walde verschwindend.
Else warf sich unter der brestästigen Buche in das VraS, legte die Hände unter daS Haupt und starrte empor zu den vorübereilenben weiße» Wolken am bluaen FrühlingShimmel.
Segler der Lüste!
Wer mit euch wanderte,
Wer mit euch schiffte!--
AuS dem Walde erklang daS Pfeffe» der Drosseln und daS Zwitschern der Nester bauenden
tistische» Amts hat sich eben im Laufe der ver' gangenen Jahrzehnte ganz erheblich erweitert und ist weiterhin noch in Ausdehnung begriffen. Viele von den wichtigeren Zweigen der Statistik, wie Bevölkerung--, Landwirthschafts-, Gewerbe-, Handels-, Verkehrt-, Konsum-, Steuer-, Kriminal- und Wahlstatistik, sind bereits in den Rahmen der Reichsstatistik einbezogen, an ihrer Vervollkommnung wird sortgesetzt gearbeitet. Andere Zweige, deren Bearbeitung zunächst Sache der Bundesstaaten ist, werden von der Reichl centrale wenigstens i» so weit gepflegt, als e8 nothwendig ist, um vergleichbare Date» aus der Statistik der Bundesstaaten zu gewinnen; so wird in dieser Beziehung eben eine Statistik über die Firanzen, die Schulen und die Sparkassen der Bundesstaaten in die Wege geleitet. Ansätze zu der vielfach gewünschten Arbeiter-Statistik finden sich in den Arbeiten, die das Kaiser!. Statistische Amt für die Kommission für Arbeiter-Statistik bisher lieferte. Einen werthvollen Beirath besitzt das Reichsamt in der seit dem Jahre 1880 bestehenden Kommission zur Ermittelung der HandelSwerthe; die Kommission, welcher zur Zeit 91 hervorragende Sachverständige deS Handels, der Industrie und der Land- wirthschast als sogen. Schätzer angehören, hat zur Aufgabe, die in der Statistik zunächst nur dem Gewichte nach angegebene Maaren - Einfuhr und Maaren - Ausfuhr nach ihrem Merthe alljährlich abzuschätze». Daß die Arbeiten des Kaiserlichen Statistischen Amtes, soweit sie veröffentlicht werde», in den Kreisen der Politik und Wissenschaft große Beachtung finden, ist zur Genüge bekannt. Im Ganzen hat das Kaiser!. Statistische Amt bisher rund 200 Bände Über Ergebnisse seiner Arbeiten veröffentlicht, dazu kommen noch Mittheilungen in den VierteljahrS-Hesten zur Statistik des deutschen Reiches, in den monatlichen Nachweisen Über den auswärtigen Handel und im statistische» Jahrbuche.
+ Kandrvirthschast und Industrie. Ein Theil der deutsche« Industrie hat noch nicht daS richtige Einsehen sür die nothwendige« Bedürfnisse der Landwirthschaft, trotz aller gegentheil- gen Versicherungen und trotz der Bereitwilligkeit, mit 6er khrdern alle lsndwirthschaftlichen Vertreter im Reichstage der Industrie höher« Schutzzölle bewilligt haben, auch solche, die der Landwirthschaft selbst so viele ihrer Bedürfnisse vertheurrte». In Oesterreich ist da-Verhält- «iß zwischen Landwirthschaft und Industrie besser. Demnächst werde« in Wien Vertreter der Landwirthschaft und der Industrie zusammenkommen, um sich Über die Haltung zu verständigen, die sie zu der künftigen Handelspolitik der Monarchie einnehmen wollen; und sie kommen mit der Absicht und mit dem ausgesprochenen Willen zusammen, gegenseitig einander nach Kräften zu unterstützen, um gemeinsam der heimischen Arbeit zu ihrem Rechte zu verhelfen. Der Industrielle Klub in Wien ist vorangegangen mit der Betonung der Gemeinsamkeit der Interessen, und man ist in den Kreisen der österreichischen Industrie nicht wenig erstaunt über die eigenthümliche Haltung des Centralverbandes der Industrielle« in Deutschland zu denselben Fragen. Die Einsicht der Nothwendig- leit, i« der Behandlung der Zollfragen gemein-
Vöglein. Sie waren zmückgekehrt aus ferne» Lande»! Sie hatten die weite, wette schöne Welt gesehen — die blaue Ferne, die geheimniß- voll« Welt, die sich ihr der Einsamen, der Armen, für immer verbarg.
„Arbeit, fleißige arbeit" — dieses Wort Paul- klang in ihr noch immer im Ohr und Hrrzen nach. O, sie kannte de« LebenSpla» ryreS Freundes! Nach Beendigung seiner Studien wollte er sich hier in seinem Heimaths- städtchen alS Arzt niederlaffe», feinen Eltern, seiner Mutter zu Liebe, die sich va« dem kleinen Friedhöfe nicht trennen mochte, auf dem ihre Eltern, auf dem drei ihrer Kinder schlummerte«. Und sie Else, sollte dann sür immer an di« Eng« derHrimath gefesselt sein. Sie sollte sein« Arbeit, seine fleißige Arbeit lhilen — auS der A> menhanSprinzeffi» sollte eine Frau eines Landarztes werden.
War dar di« Erfüllung ihres Traume« von der Welt, von dem Leben? O ihr Märchen, ihr schönen Märchen der Kindheit, weShalb könnt ihr nicht zur Wabrheit werden? WeShalb pflanzt ihr in deS Kindes Herz die Sehnsucht nach Glück, nach Glanz und Rrichthum? WeShalb überstrahlt euer Glanz da« Leben mit solch rosig schönem Licht? Weshalb haltet ihr nicht, waS ihr dem Kinde versprochen? Wo bleibt der Märchenprinz? Der König«- sohn, der die Armenhaurprinzesfiu erlöst und zu sich emporhebt auf den goldglänzenden KSnigS- thron? Weshalb ist die Welt so groß, so weit, so schön — und daS Leben so klein, so eng, so dunkel?