FuldaerMZeitung
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verantwortlich: Für die Redaktion Jos. Baum, für Inserate 3. parzeller in Fulda.
mit Zlnterhalümgs -Aeikage „ILuflrirte Sonntags-Zeitung" peiersgaffe Nr. 2 (Larmonie).
Jll 212. e JuL-a, Montag, den 16. September 1901. 28. Jahrgang.
G Der Kaiser in Danzig.
Am Samstag Vormittag ist Kaiser Wilhelm unter dem Donner der Geschütze und dem lauten Jubel der Bevölkerung in die alte Stadt Danzig, die Hauptstadt der Provinz Westpreußen, eingezogen. Oberbürgermeister Delbrück begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache und bot ibm einen Ehrentrunk. Der Kaiser nahm den Pokal und erwiderte auf die Ansprache des Oberbürgermeisters in folgender Rede:
Mein lieber Herr Oberbürgermeister! Ich komme soeben von der hochbedeutsamen Begegnung mit meinem Freunde, dem Kaiser von Rußland, welche zu unser beider vollsten Zufriedenheit verlaufen ist, und durch welche wiederum die Ueberzeugung unerschütterlich befestigt wird, daß für lange Zeiten der europäische Frieden für die Völker erhalten bleiben wird. Dieses Faktum macht auch Mir das Her, leichter, wenn Ich in die Mauern dieser alten schönen Handelsstadt einziehe. Als ich das erste Mal Danzig besuchte, konnte ich Mir auS dem damaligen Zustande der Stadt schon die Aufgabe vorzeichnen, welche darin bestand, die Stadt wieder zum Tmporblühen zu bringen und zum Vor- -wärtsschreiten, die schönste Aufgabe, die einem Landesvater und Regenten blühen kann. Ich hegte keinen Zweifel, nachdem im Rathhause Mir die Absichten der Stadt im Wort und Bild mitgetheilt worden waren, daß bei dem alten Hansageist, der in unseren Kaufleuten fitzt, bei dem Entschluß der Danziger, sich emporzuraffen, die Aufgabe, wenn auch nicht leicht, so doch ausführbar sein wütdr. Frei von dem bannenden Nebel partei- Pvlitischer Rücksichten, die lange die Stadt Danzig in ihrem Schaden bedrückt und niedergehalten haben, statt sich um ihre Interessen zu kümmern, sehe Ich die Stadt jetzt vor mir aufblühen unter der sicheren Hand seines klugen, weitblickenden Stadthauptes; wie die -Entwickelung der Stadt mächtig, emporstrebt, daS zeigt -sich in den gefallenen Wällen. Mit staunender Bewunderung hat Mein Blick die neuen Stadttheile übersehen und mit Freude bemerkt, daß Sie an dem Stile Ihrer Väter festhälten, und daß Sie das schöne, eigenthümliche Gepräge und Bild, das einem jeden eingegraben bleibt, der einmal Danzig gesehen hat, festzuhalten und zu entwickeln bestrebt sind. Sie sehen an Mir noch die Zeichen der Trauer, aber eines Meiner letzten Gespräche, welches Ich im vergangenen Sommer mit Meiner schon damals schwer leidenden Mutter gehabt habe, das war über die Entwickelung der Stadt Danzig, weil Ihre Majestät wußte, daß Ihr Regiment nunmehr auch hier eine Heimstätte sinden würde. Und die yochseltge Kaiserin sprach damals den Wunsch auS, sie hoffe, daß die Danziger ihre Vergangenheit nicht vergessen möchten und vor allem ihren schönen Stil, daS Erbtheil ihrer Väter, wahren und fortentwickeln möchten. Ihnen aber, meine Herren, spreche Ich Meinen herzlichsten, tiefgefühltesten Dank aus für den schönen Empfang, für den herrlichen Schmuck Ihrer Stadt und die freudige Stimmung Ihrer Bürgerschaft. Ich freue mich, daß es nach manchen Schwierigkeiten gelungen ist, den Wünschen der Stadt gu entsprechen und ihr vorwärts zu helfen. Der Herr
Bit KrmuhmMZkssw.
Roman von O. Elster.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
Das Mitleid erfaßte einige Frauen, als sie das kleine, weinende Mädchen und den kranken, alten Mann erblickten. Sie ermunterten die Männer, zuzugreifen, sie selbst nahmen sich Elses an, suchten sie zu trösten, streichelten ihr die heißen Wangen, und so ging der Zug zu dem nahen Landstädtchen, auf dessen Gaffen fast die ganze Einwohnerschaft zusammenlief, um die seltsamen Fremden anzugaffen.
Der Gemeindediener kam hinzu und setzte feine wichtigste Miene auf. Das war doch einmal ein Fall, wo er seine Autorität zeigen konnte.
„Der Herr Bürgermeister is jetzt «ich zu sprechen," sagte er würdevoll. „Er i« auf der Kegelbahn im „Weißen Roß". Der Herr Rektor rind der Herr Kantor sind auch da. Wir dürfen die Herren nich stören."
„Ja, aber wohin denn mit dem kranken Menschen und dem unglücklichen Wurm?"
„Wenn vielleicht einer von Euch sie aufnehmen will —"
„Nee, fällt un» nich ein. Ein' wildfremden Menschen aus Amerika — ich danke scheenstens." I „Na, dann bleibt uns nicht» weiter übrig, als sie nach dem Gemeindehause zu bringen."
„Ja, nach dem Armenhause! Vorwärts!"
„Aber 'n Doktor müssen wir holen, sonst stirbt uns der Mensch noch unter den Händen."
Oberbürgermeister wird dies selbst am besten wissen, daß wir zusammen manchen harten Strauß haben fechten müssen, zumal der Finauzirung wegen. Und nicht zum Geringsten rechne Ich es Mir zum Ruhme, wenn Ich sagen darf, daß Ich Ihre Brücke durchgebracht habe. Sie können sich versichert halten, daß nach wie vor Mein Interesse für die Hebung und Fortentwickelung Ihr er Stadt dasselbe bleibt,und Sie werden Micy lange genug kennen, um zu wissen: „Wenn Ich Mir etwas vorg e n ommen h ab e, führe Ich es auch durch. (Bravorufe.) Sie können sich denken, daß alle Phasen Ihrer Entwickelung von Mir mit landesväterlichem Interesse, Meiner Huld und Meinem Schutz begleitet werden. So trinke Ich denn diesen Becher mit deutschem Wein auf das Wohl und die Entwickelung der Stadt Danzig! (Donnernde Hochrufe.)
ir Kolumbien und Venezuela.
Kolumbien wollte gern die frtedlicheVer- Mittelung der Vereinigt en Staaten annehmen; aber sein Gegner Venezuela hat siese Vermittelung durchaus abgelehnt. Man hat daraus oen sehr wabrscheinlichrn Schluß zu ziehen, daß Präsident Castro von Venezuela den Krieg verhältnißmäßig recht gut vorbereitet hatte, Kolumbien aber nicht. Dieser Schluß gewinnt um so mehr an Wahrjchemlichkeit, als man Venezuela sehr schnell seine Streitkräfte zu Lande und zu Wasser mobil machen steht, was bei Kolumbien nicht der Fall ist.
Die Flotte von Venezuela ist schon seit mehreren Tagen an der kolumbischen Küste in voller Thättgkeit mit dec Beschießung der Hafenstadt Riohacha. Nach unseren Begriffen ist eS keine allzu gefährliche Kriegsflotte, über die Venezuela verfügt; sie besteht im ganzen nur aus zwei Torpedokanonenbooten, die die Republik den Spaniern abgekauft hat, und außerdem aus fünf kriegsmäßig ausgerüsteten Zolldampfern. Eines der Kanonenboote hat 96, das andere 60 Mann Besatzung. Im Bunde mit Bene- zuela steh-n de Republiken Nicaragua und Ecuador mit einigen anderen Schiffen, die noch weniger gefährlich sind. Aber diesen vereinten Streitkräften zur See hat Kolumbien nur entgegen zu setzen ein sechs Jahre altes Kanonen, boot mit Hinterradbetrieb, einen Trans port- dampfer und drei Segelschiffe, so daß Kolumbien mit seiner Marine den Gegnern gegenüber außerordentlich im Hintertreffen bleibt. Es fragt sich nur noch, ob die Fahrzeuge von Ecuador und Nicaragua wirklich gegen Kolumbien mobil machen können. Ecuador kann seine Küste nicht gut vollkommen entblößen, und in Nicaragua haben die Vereinigten Staaten ein sehr gewichtiges Wort zu sprechen. Es könnte sein, daß von Washington her den kriegerischen Gelüsten der Venezulaner ein kräftiges Halt entgegengerufen würde! Und schließlich köirnen Fahrzeuge, die an der Ostküste liegen, nicht nach der Westküste gelangen, ohne das ganze Festland von Südamerika zu umschiffen, und umgekehrt. •
DaS Heer von Venezuela ift im Jahre 1897 ganz neu orpanisirt worden. Es besteht aus 9 Bataillonen Infanterie, 1 Bataillon Artillerie, 1 Schwadron Kavallerie und 2 Kompagnieen
Eine mitleidige Frau erbot sich, den Herrn Doktor zu benachrichtigen, während der Zug sich nach dem Armenhause in Bewegung setzte.
Die Insassen des Armenhauses, eine zerlumpte Korbflechterfamilie und ein invalider Zvaioar- beiter, erhoben anfangs ein gewaltiges Geschrei, als sie die fremden „Vagabunden" aufnehmen sollten.
Aber Frau Dorette Pinkepank, die alte Waschfrau, welche das Szepter in sehr energischer Weise im Armenhause schwang, rief scheltend: „Nun sieh 'mal einer die noblen Herrschaften an! Der Herr Korbflechter und der Herr Waldarbeiter schenieren sich, den armen, kranken Menschen aufzunehmen? Na, ja,, die Herrschaften sind ja auch ganz was besonderes und in ihre „SalönerS" paßt solch ein armer Mensch nicht hinein. Tragt'n nur in meine Stube, Herr Polizeidiener; ich werde mich des lütten Dinges und des Kranken annehmen. Ach, du lieber Gott, das Herz dreht sich einem ja im Leibe rum bei dem Anblick."
Man legte den Kranken auf das armselige Lager der braven Waschftau nieder. Klein Else drückte sich schüchtern und weinend ift einen Winkel des Stübchens, während Frau Dorette Pinkepank die neugierige Menge auS dem Zimmer und dem Hause trieb.
„Holt den Doktor herbei und halt keine Maulaffen mehr feil!" rief sie erbost und ballte drohend die knochige Faust. Dann schob sie als letzten den Polizeidiener Ritterbusch zur Thür hinaus und schloß diese mit einem energischen Ruck.
Marine - Infanterie. Jedes Bataillon hat sechs Kompagnieen — so sieht das Heer im Friedenszustande aus. Es hat eine geradezu verblüffende Menge von Offizieren: 28 kornman- dirlnde Generale, 1439 Generale, 1462 Obersten, 2302 Majore, 3230 Hauptleute ufro. usw., im ganzen 11733 Offiziere nach der Rangliste von Venezuela vom Jahre 1900. Das ganze Friedens- Heer aber zählt nur 5000 Mann und einige wenige darüber. Wie Venezuela mobtl macht, haben uns die Drahtmelduugen der letzten Tage berichtet: alle „Männer" von 14 Jahren an müssen zu den Waffen. An solchen scheint aber kein Mangel zu sein. Nach den vorlieaenden Berichten verfügt Venezuela über mehr als 35 000 Mausergewehre und 9000 Remington - Gewehre. Immerhin kann daraus »ach unseren Begriffen kein gefährliches Heer werden; an Subordination fehlt es bei allen Mannschaften in Südamerika stets außerordentlich. Aber das Schlimme für Kolumbien ist, daß es bei ihm mit der Kriegsmacht, ebenso wie der Marine, noch schlechter als bei Venezuela bestellt ist. Und Venezuela kann sich infolge seiner beffern Kriegsbereitschaft ganz nach Belieben einrichten.
Die Kriegsoperationen der V-nezolaner haben, wie gesagt, bei der Hafenstadt Rwhacha, an der Mündung des Fluffes Calacola, also an der Nordostecke von Kolumbien begonnen. Die Schiffe von Venezuela haben sich auf die Strecke von Riohacha bis zu dem südlicher gelegenen La Hacha vertheilt. An beiden Stellen sind venezolanische Streitkräfte gelandet worden; in Riohacha stellte sich Präsident Castro selbst an die Spitze des zahlreichsten Kommandos. Ein dritter Heerhaufen ist von Venezuela auf dem Landwege von Maracaibo her in Kolumbien einmarschirt, und zu diesen Streitkräften werden dann im Innern von Kolumbien die kolumbischen Rebellen stoßen. Heber die Zahl dieser letzteren fehlt noch jegliche Angabe.
Die Südamerikaner gehen bei allen kriegerischen Verwickelungen mit äußerster Rohheit gegen alles Prioateigenthum vor, der Ausländer genau so wie der Einheimischen. Die Mächte werden also kräftigsten Nachdruck anwenden müffen, um ihre in Venezuela ansässigen Staatsangehörigen vor Vergewaltigung und Ausraubung nach Möglichkeit zu schützen. Schon jetzt wird berichtet, daß unter vielen Anderen auch Deutsche ihrer gesummten Ersparniffe betäubt worden sind durch die Vertreter der Regierung von Venezuela und wahrscheinlich auch von Kolumbien.
Derrtfches Keich»
Berlin, 14. September.
ft, Der Armdesrattz wird mit dem Be- ginne des Monats Oktober seine regelmäßigen Sitzungen wieder aufnehmen. Die Berathungen des Zolltarif - Entwurfes im Plenum des Bundesraths werden schwerlich vor dem Ende desselben Monats beatmen. Es ist also noch keineswggs sicher, daß die Vorlage dem Reichstage sofort nach seinem Zufammentreten zugehen werde.
X Hege« i»e»A«archi*m«». Die Schweiz will die Einberufung einer neuen internationalen
Eine Weile noch lachte nutz lärmte die Menge draußen, bann zerstreute sie sich. Still und einsam lag daS Armenhaus von Benneckenstein da, umschattet von den düstern Föhren und Kiefern, die das halb zerfallene Haus umgaben.
Die Föhren und Kiefern rauschten, sausten und knarrten in dem erwachenden Nachtwind, und der Kranke fuhr empor und lauschte in die Ferne, ein Lächeln der Andacht, der Aufmerksamkeit auf dem fieberheißen Antlitz. Glaubte er in seinen Fieberträumen das Brausen des Weltmeeres zu vernehmen, das ihn in die weite Welt getragen? Glaubte er daS Donnern und Tosen der Schlacht zu hören, in die er sich mit Jugendungestüm gestürzt? Vernahm er das Rauschen der Pratrie, das dumpfe Sausen des Urwaldes, das Pfeifen deS Sturmes auf den schneebedeckten Spitzen der Anden? Oder lauschte er dem Rauschen und Sausen der Föhren und Kiefern, wie trauten Wiegenliedern aus längst verschwundener Kindheft, wie lieblichen Weisen der Heimath, die ihn wieder ausgenommen hatte in ihren Schooß, die die weichen Arme um seinen kranke» Leib, um seine kranke Seele schlang?
Ein glückliches Lächeln irrte über das Gesicht des Kranken und mit einem Seufzer der Befriedigung sank er zurück auf das ärmliche, harte Lager der mitleidigen Waschfrau Dorette Pinkepank im halbzerfallenen Armenhause seiner Heimath.
2.
Im Armenhause, an der Stätte der Noth, der Sorge, des Elendes, der zertrümmerten Hoffnungen, des vernichteten LebenS! „Laffet
Berathung über Maßregeln gegen den AnarchiS mns betreiben. Aber die schweizerische Regierung will dabei, wie berichtet wird, den Vortritt den Vereinigten Staaten von Nordamerika überlasse», wahrscheinlich also wird, wenn daran nichts geändert wird, wieder nichts aus der Sache werden. Jetzt ist endlich auch Johann Most verhaftet worden, der Herausgeber des Anarchistenblattes ,Die Freiheit', in dem er seit Jahren mit einer Frechheft sondergleichen Mord und Brand gegen Monarchen und alle Staatsoberhäupter predigt. Nach einer Meldung der diplomatisch-offiziösm Wiener,Poltt. Korresp.' würde auch Frankreich bereit fei», an einer internationalen Berathung über die Bekämpfung des Anarchismus theilzunehmen.
x Die Hervätzrnreg vo» Zreichstags- diäte« hat in Herrn von Miquel eine» Befürworter verloren. In einem Berichte über eine Unterredung mit ihm zwei Tage vor feinem Tode, der sich in dem nattonalliberalen .Franks. Journal' findet, wird gesagt, Miquel habe die Gewährung von Tagegeldern an die Mitglieder des Reichstages als besonders wichtig bezeichnet im Interesse einer stärkeren Vertretung des Mittelstandes im Reichstage. Den Bismarck- scheu Gedanken, durch Diätenlosigkeit einer übermäßigen Stärkung des radikalen Elementes im Reichstage vorzubeugen, bezeichnete Miquel als gegenwärtig nicht mehr berechtigt. Man weiß ja im Gegentheil, daß gerade die Sozialdemokratie ihren Reichstagsmitgliedern schon längst von Partei wegen Tagegelder für den Reichstag zahlt. Aber auf der anderen Seite wollte Miquel als „Kompensation" für die Diätenzahlung ein „perennirendes Wahlgesetz" einaesührt sehen. Was et darunter verstanden wissen wollte, geht auS dem Zeitungsberichte nicht klar hervor. Die Vermuthung, daß Johannes von Miquel gern wieder als Abgeordneter in den Reicbstag eingezogen sein würde, hat rasch Bestätigung gefunden: eS waren, wie man jetzt erfahren hat, bereits Verhandlungen eingeleitet für feine Aufstellung im Hildesheimer Wahlkreise.
+ Industrie und Laudwirthschast. Am letzten Freitag hat in Düsseldorf die nordwestliche Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller eine Vet- fammluug abgehalten, in der fie beschlossen hat: 1) Festbalten an der Interessengemeinschaft zwischen Landwirthschast und Industrie — 2) Verwerfung der Mindestsätze für Getreidezölle — 3) Festhalten am autonomen Einheitstarif. Leidet sagen uns die Herren nicht gleichzeitig, wie sie ihren ersten und ihren dritte» Punkt mit dem zweiten in Einklang bringen wollen. Die Punkte sind nach einem Vorträge deS neugewählten Abgeordneten Dt. Beumer angenommen worden; will dieser sich ein wenig lustig machen übet die Landwirthschafl? Wie kann man die Interessen der Landwirthschast wahrnehmen wollen, wenn man ihre allerwichtigsten Forderungen verwirft?
4- Grier, 14. Sept. Die Kanalisation der Mosel ist nunmehr seitens der Regierung im Prinzip beschloffen. Seit dem 1. August ist hier ein besonderes Bureau errichtet, an deffen Spitze Regierungsbaumeister von Landsberg steht und das die Ausgabe hat, das alte Tchönbrod'sche Projekt den sersnderten Verhältnissen entsprechend
alle Hoffnung hinter euch, die ihr hier eintretet l“ sollte man mit dem göttlichen Dichter übet die Pforte dieses Hauses der Lebensinvaliden setzen, dieses Nothhasens der Schiffbrüchigen im Meere deS Lebens, dieses Asyls für die Armen und Elenden am Geist und Körper.
Laffet alle Hoffnung hinter euch — und doch, auch in diesem Winkel der Erde, in diesem letzten Asyl blüht und grünt das Blümlein der Hoffnung, der Freude, des keimenden Glückes! Auch in diesen finsteren, feuchten Abgrund des Elendes blickt die Sonne mit freundlichem Strahl und erquickt die atmen, gequälten, zertretenen Menschenhetzen!
In da« Armenhaus von Benneckenstein schien mit der kleine», golslockigen Else die Sonne eingezogen zu fein. Vom erste» Augenblicke an wat sie der Liebling der Frau Dorette Pinkepank, die ihre hageren, sehnigen Waschfrauenatme schützend um die kleine zierliche Gestatt des Kindes schlang und mit den verarbeiteten, harte» Waschfrauenhänden die zarten Wangen Klein- Elses so liebreich, so sanft, so ttöstend streichelte, daß Tlse meinte, wieder bei ihrem Mütterchen zu fein, das die grausamen Indianer des wilden Westens gemordet.
Frau Dorette Pinkepank schützte das Kind gegen alle Wett, vor allem gegen die bösen Buben des alten Korbflechters Pannkuchen und die Neckereien der zwölfjährigen Enkelin deS in- validen Waldarbeiters Brendicke. Frau Dorette Pinkepank hatte sich im Laufe der Iahte einen heillosen Respekt bei den Einwohnern des Armen- Hauses verschafft; wenn ihre redegewandte Zunge