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mit Ztnterhaltungs Beilage „Zlluffrirte Sonntags-Zeitung"

M 211.Jutta, Samstag, den 14. September 1901. 28. Jahrgang.

Wochen-Wunö schau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 14. September.

Tage prächtigen Glanzes und mächtiger kriege­rischer Schauspiele sind vorübergerauscht. Der Kaiser von Rußland weilte als Gast des deutschen Kaisers innerhalb der deutschen Reichs­grenzen. Die Kriegsflotte hat ihm gezeigt, was sie kann. Die alte Stadt Danzig hat ihr Möglichstes aufgeboten, um den Zarenempfang so prächtig und so freundlich wie möglich zu gestalten. Der Be­herrscher aller Reußen hat sicherlich den Eindruck aus Danzig mitgenommen, daß die Deutschen ihn gern als Freund kommen sehen und daß es in hervorragendem Maße im Interesse Rußlands selbst liegt, Deutschland zum Freunde zu haben. Die russischen Zeitungen, in denen man die Anschauungen der zarlschen Regierung wiedergegeben sieht, begleiteten die Reise ihres Mo­narchen in den entsprechenden Mollakkorden: „Während der Regierungszeit Kaisers Wilhelm des Zweiten — so führt eines dieser Blätter aus — ist eine bestän­dige Festigung der guten nachbarlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland erfolgt. Die beiden großenBündnisse, der Dreibundund der Zweibund, sichern das politische Gleichgewicht Europas. Aber auch die Handelsinteressen Deutschlands und Rußlands stehen in keinem Gegensätze zu einander, sondern ergänzen sich gegenseitig; die Danziger Zusammenkunft ist ein neuer starker Anlaß zu einer weitern Festigung der ftiedlichen, guten, nachbarlichen Beziehungen zwischen Deutschlaich und Rußland." Soweit die Petersburger Zeitungsstimme, über die wir gern dankend quittiren. Eine solche Deutung der Danziger Kaiserzusammen­kunft können wir uns gern gefallen lassen, wenn sie auch manchen Leuten in Frankreich nicht gefallen mag. Dort gibt es noch immer Leute, die von einem Zerfalle des Dreibundes und von einem Anschlüsse Italiens an den Zweibund träumen; aber von Rom aus wird sehr nachdrücklich abgewinkt. Das leitende Regierungsblatt in Rom, die ,Tribuna', hat in diesen Tagen erst wieder sehr bestimmt erklärt, daß an einen Abfall Italiens vom Dreibunde ganz und gar nicht 'zu denken sei.

Auch der jugendliche chinesische Sühneprinz, Prinz Tschun Tsaifong, hat während der Kaisertage aus besondere Einladung des Kaisers hin, in Danzig geweilt und den glänzenden militärischen Schauspielen beihewohnt. Die Parade des 17. Armeekorps wird ihm schwerlich wieder aus dem Ge- dächtniß schwinden; und wenn er dann daheim be­richten kann, daß Deutschland noch 22 solcher Armee­korps unter Waffen hat, so wird das in China ohne Zweifel einen sehr heilsamen Eindruck ausüoen. In Danzig hat Prinz Tschun dem Kaiser auch die kost­baren Geschenke überreicht, die sein Bruder Kwangsü für den deutschen Monarchen gesandt hat, ebenso kostbare wie auch schöne Erzeugnisse des chinesischen Gewerbefleißes. Nachträglich ist das zur Gewißheit geworden, was man vorher bereits vermuthete: die Unterbrechung der Reise des Prinzen Tschun in Basel war eine unfreiwillige und von Berlin aus veranlaßt. Ein Befehl der Reichsregierung verbot der chinesischen Sühnegesandtschaft so lange das Ueberschreiten der deutschen Grenze, bis die Vereinbarung über die An­sprache des Prinzen an den Kaiser befriedigen würde. Daß dem Prinzen nichts Unbilliges zugemuthet wurde, ist bekannt. Er ist im Gegentheil sehr glimpf­lich davongekommen, und seinem Gefolge hat man den Kotau und jegliche Demüthigung vollkommen er­lassen.

Am 9. September hat Großherzog Fried­rich von Baden seinen 75. Geburtstag gefeiert. Noch im Laufe diese Jahres wird er auch die Jubelfeier seiner fünfzigjährigen Regierung begehen als einer der wenigen regierenden deutschen Fürsten, die als solche die Gründung des neuen deutschen Reiches mitgemacht haben. Seine Verdienste um diese Letztere werden stets und zu allen Zeiten unvergessen bleiben.

Ein Mann, dem man solche Verdienste, den an- deren Verhältnissen entsprechend, in demselben Maße zuerkennen muß, hat in der Nacht vom 7. zum 8. September das Zeitliche gesegnet. Sonntag Morgen fand man den ehemaligen Finanzminister I ohannes von Miquel mit gefalteten Händen entseelt in seinem Bette. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Die vollkommen friedlichen Züge des Entschlafenen deuten auf ein ruhiges und sanftes Ende, ohne schmerzvollen Todeskampf. Seine Ge­sundheit war zuletzt gar nicht mehr gut gewesen, so daß die Aerzte seine Familie vertraulich auf ein nicht allzu fernes Lebensende Miquels aufmerksam gemacht hatten. Die Verdienste, die Johannes von Miquel als preußischer Finanzminister sich erworben hat, werden von Freund und Gegner in gleicher Weise anerkannt. Es würde dem politischen Gegner schlecht anstehen, diese Verdienste eben wegen der Gegnerschaft verkleinern zu wollen; und deswegen kann auch der Gegner es aussprechen, das Miquel als preußischer Finanzminister einen beffern Abschied verdient hätte, als er in der That gehabt hat. Seine Beisetzung hat am Mittwoch stattgefunden unter glänzender Betheili­gung zahlreicher Frankfurter Körperschaften und Ver­eine. Die Regierung war durch den Finanzminister Frhrn. von Rheinbaben vertreten. Von Königsberg aus sandte der Kaiser ein sehr herzliches Beileids­telegramm an den Landrath von Miquel, den ältesten Sohn des verstorbenen Staatsmannes.

Nur noch kurze Zeit trennt uns von dem Wiederbeginne der parlamentarischen Arbeiten. Der bayerische Landtag wird den Reigen eröffnen; er ist zum 27. September einberufen worden.

Mit Anerkennung ist eine Maßregel der Regie­rung an der Universität in Straßburg zu verzeichnen: Es ist dort ein zweiter Lehr­stuhl für Geschichte errichtet und für denselben ist ein Katholik in Aussicht genommen worden, D r. Spahn, ein Sohn des bekannten Centrums­abgeordneten. Die Kulturkämpfer finden das „bedenk­lich". Aber das ist ja gerade die allergrößte Aner­kennung dieser Maßregel.

Endlich, endlich, nach Monate langem Zaudern und Zögern hat sich die sächsische Regierung ent­schlossen, die Gendarmen von dem Portale der Schloßkapelle in Wechselburg wegzunehmen und zu gestatten, daß auch noch andere Katholiken, als Diejenigen, die im Schlosse selbst wohnen, dort dem lieben Gott die Ehre geben. Das Kultus­ministerium hat endlich erlaubt, daß der Gottesdienst dort als öffentlicher angesehen werden dürfe. Daß das Ministerium bald ein ganzes Jahr gebraucht hat, um zu dieser Erlaubniß sich aufzuschwingen, ist ja leider allgemein bekannt.

Ein weiterer Katholikentag hat in O l m ü tz stattgefunden. Die Liberalen und All­deutschen hatten eine Protestversammlung veranstaltet. Aber alle Bemühungen, Unfrieden zu säen und öffent­liche Störungen hervorzurufen, sind ohne Erfolg ge­blieben. Der mährische Katholikentag hat genau so, wie vor ihm der böhmische, am Samstag und Sonn­tag einen glänzenden Verlauf genommen. Von allge­meinem Interesse ist eine in Olmütz gefaßte Ent­schließung über den Schulunterricht. Danach sollen für katholische Schüler nur katholische Lehrer ange­stellt werden, die in katholischen Lehranstalten ausge­bildet wurden und bei deren Anstellung der Einfluß der Kirche gewahrt bleiben muß. Außerdem werden katholische Mittelschulen gefordert, und es wird ver­langt, daß auch an landwirthschaftlichen Schulen, an Forst-, Handels- und Fortbildungsschulen Religions­unterricht ertheilt werde. Außerdem wurde auch wiederum die Gründung einer katholischen Universität in Salzburg empfohlen.

Die galizischen Landtagswahlen haben den Konservativen einen großen Sieg gebracht: Von den 74 Mandaten hatten sie bisher 38 inne, und jetzt haben sie deren 50 gewonnen. Ohne weitere Auseinandersetzungen wird es aber wohl nicht abgehen. Manche dieser Mandate sind nur mit drei oder vier Stimmen Mehrhei' errungen und werden von denGegnern sicherlich trngefoitrsn werden.

In Ungarn ist am letzten Montag der Reichsrath mit einer Thronrede geschlossen worden, die Kaiser Franz Joseph im Thron; aale der Ofener Hofburg verlesen hat. Die Thronrede weist auf die gute Gestaltung der Finanzverhältntsse und aus das vortreffliche Verhältniß zu allen Mächten hin, außerdem aber auch darauf, daß der neue Reichstag mehrere wichtige Aufgaben zu lösen haben wird, die dieser Reichstag nicht gelöst hat. Daß der neue Reichstag fast genau ebenso zusammengesetzt sein werde, wie dieser soeben geschlossene, ist sicher. In Ungarn „macht" eben die Regierung die meisten Wahlen, obwohl das natürlich jedesmal abgeleugnet wird. Eine bekannte Gestalt des ungarischen Parla­mentes wird in dem neuen Reichstage nicht mehr anwesend sein: Herr Gabriel Ugron, das Haupt der Unabhängigkeitspartei. Man weiß ja, daß Herr Ugron kürzlich von der französischen Regie­rung zwei Millionen Franken geschenkt haben wollte „für deutschfeindliche Zwecke". Die Pariser Negierung ist Herrn Ugron aber nicht auf den Leim gegangen, und nun wird bekannt, daß ihm gerade diese Summe fehlte, um seine herabgekommenen Vermögens­verhältnisse in Ordnung zu bringen. Jetzt hat Herr Ugron die Verhängung des Konkurs es über sein Ver­mögen nachgesucht!

Der Streit um das San Girolameo Hospiz in Rom wird ganz augenscheinlich der italienischen Regierung noch manche Kopfschmerzen verursachen: Der österreichische Botschafter hat Widerspruch gegen die Verwaltung des Hospizes durch einen Staatskommiffar erhoben und die Wiedereinsetzung des kroatischen Rektors Pazman verlangt. Mit der Borschiebung der Gerichte hat Ministerpräsident Zanardelli also kein Glück gehabt. Wie man in Italien sonst mit Geistlichen umgeht, die sich bewußt bleiben, daß ihr Oberhaupt der Papst ist, lehrt wieder einmal folgendes Beispiel: Bei einer Katholikenversammlung in Tarent haben die Bischöfe von Livorno und von Maro die Wiedereinsetzung des Papstes in seine weltliche Macht verlangt, also nichts Anderes verlangt, als was die deutsche Katholikenversammlung alljährlich beschließt. Daraufhin soll nun die Temporaliensperre über diese beiden Bischöfe verhängt werden!

Die Mordthat eines anarchistischen Schurken mit dem Namen Le onCzolgoszhat dasLeben desPräsidenten Mac Kinley in ernste Gefahr gebracht. Herr Mac Kinley befand sich in der Musikhalle der pan­amerikanischen Ausstellung in Buffalo und schüttelte dort, nach einem besonderen amerikanischen Brauche, die Hände aller derer, die bei ihm zu diesem Zwecke vorübergingen. Diese Gelegenheit benützte der Mordbube, um aus allernächster Nähe zwei Revolver- schüffe auf den Präsidenten abzufeuern. Die eine Kugel ist am Brustbein abgeprallt, aber die andere Kugel hat den Magen durchbohrt und das Leben des Präsidenten schwer bedroht. Es ist wenig Hoffnung, daß Herr Mac Kinley die Krise überwinden werde. Czolgosz ist ein Anarchist, und den amerikanischen Behörden ist der Vorwurf nicht zu ersparen, daß sie den Anarchisten nicht genug auf die Finger gesehen haben. Hoffentlich wird wenigstens jetzt nachgeholt,

was bisher darin versäumt worden ist. Jetzt haben sich die Anarchisten in mehreren Orten der Vereinigten Staaten erfrecht, den gelungenen Anschlag gegen Mac Kinley durch Festgelage zu feiern.

Das Peking er Friedensprotokoll istnun endlich in aller Form unterzeichnet worden. Werden nun die Chinesen den Frieden auch halten zu allen Zeiten? Wir wollen es abwarten!

Frühere Attentate.

Wenn man die Attenta te auf fürstliche Personen und Staatsmänner während der letzten 50 Jahre verfolgt, wird man finden, daß die Zahl der Attentate im Verhältniß nicht größer geworden ist. Von 1848 bis 1878 zählte mar. 28 solcher Attentate, allein die wenigsten derselben hatten den von den Atten­tätern gewünschten Erfolg. Auf Napo- leon III. ist wiederholt geschossen worden, doch starb er im Bette. Auf Friedrich Wilhelm IV, wurde 1851 zweimal ge­schaffen, aber auch er kam unverletzt davon; ebenso entging Viktor Emanuel 1853 dem Anschläge eines Attentäters, dagegen wurde König Ferdinand von Neapel 1856 von einem Soldaten erschossen. Die Königin Isabella von Spanien wurde 1856 von Fuentes angegriffen und auf den König von Griechenland schoß ein Student im Jahre 1862. Der Präsident Abraham Lincoln wurde am 15. April 1865 ermordet. Am 6. August 1875 erlag der Präsident von Ecua­dor Garcta Moreno durch einen politischen Meuchelmörder. Alfons XII. von Spanien erlebte 1878 ein Attentat.

Seit 1878 sind die Attentate mit tödtlichem Ausgange für die Opfer etwas zahlreicher ge­worden als in der 40 jährige» Periode vorher. Ermordet wurden: Alexander II. von Rußland am 1./13 März 1881, nachdem vor­her fünf vergebliche Attentate gegen ihn verübt worden waren (4 /16. April 1866 von Kora Kosow in P t-sburg, 6. Juni 1867 von Berezowski in Paris, 2 /14. April 1874 von Alexander Soll j w in Petersburg, 18. November 11. Dezember 1879 von Hartmann bei Moskau durch Sprengu. i einer Mine unter der Eisen­bahn und 5./18. Februar 1880 im Winter­palaste) — der Präsident der Vereinigten Staate» Garfield am 2. Juli 1881 durch Guiteau, Lord F. Cavendish und T. H. Barke am 6. Mai 1882 im Phönix-Park zu Dublin durch die irischen „Unbesieglichen"' der Präsident der Französischen Republik Sa di Carnot am 24. Juni 1894 durch Caserio, der bulgarische Premierminister S t a m b u l o w am 15. Juli 1895, der Schah von Per­sien Nassredin durch den Moüah Resa am 1. Mai 1896, der spanische Premierminister CanovaS del Castillo durch Golli am 8. August 1897, der Präsident von Uruguay, Jviarte Borda durch einen Offizier am 25. August 1897, die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich am 10. September 1898 in Genf durch Luccheni und König Humbert von Italien am 29. Juli 1900 in Monza durch BreSci, nachdem auf ibn zwei vergebliche Atten­tate verübt worden (17. November 1878 in Rom durch Acciarito und am 22. April 1897 in Neapel durch Passanti).

Attentatsoersuche wurden in der ange­gebenen Zeit gemacht gegen Kaiser Franz Josef von Sofklage 1882 (1853 von Ltbenyi), die Königin Victoria von England durch Roderick Maclean (2. März 1882) in Windsor, nachdem schon früher vier Mal Attentate versucht worden waren (10. Juni 1840 durch Edward in Oxford, 30. Mai 1842 durch John Frar cis, 3. Juli durch Bean und 19. Mai 1849 durch William Hamilton), Milan von Serbien durch Markovitsch (23. Okt. 1882), Alexan- der III. (März und Mai 1887). Jules Ferry durch Aubertin (10. Dez. 1887), den Emir von Afghanistan Abdurrhama» (26. Dez. 1888), den Kaiser von Brasilien Pedro II. durch Volti (15. Juli 1889), Crtspi durch Paolo Lega (16. Juni 1894), Felix Faure durch Fraryots 1896 und 1897, Röntg Georg von Griechenland und seine Tochter Marie (26. Februar 1898) durch KarditziS und den Prin­zen von Wales in Brüffel durch Sipido (4. April 1900).

Römische Briefe.

XXVIX.

O Rom, 9. September 1901.

In die Angelegenheit deS kroatischen Kolle­giums von St. Girolamo will noch immer keine rechte Klarheit kommen. Die UnterhiMdlungen zwischen der hiesigen Regierung und dem öster­reichisch-ungarischen Botschafter dauern fort, außer­dem schwebt ein Prozeß, welchen der Rektor des

Kollegiums gegen die dalmatinischen Eindringlinge angestrengt hat, vor der hiesigen Präfektur, und auch der Staatsrath soll sich mit einem Proteste beschäftigen, welchen genannter Rektor gegen die Ernennung des König!. Kommissars erhoben hat. Es ist also wohl das Beste, abzuwarten.

In den Tage« vom 2. bis 6. d. M. hat der bereits angekündigte Katholiken-Kongreß in Taranto stattgefunden. Er war von einer hervorragenden Bedeutung, weil der heil. Vater an den Kongreß - Präsiienten ein Schreiben ge­richtet hatte, in welchem er in einer sehr ernsten und nachdrücklichen Weise zur Einigkeit und ge­nauen Befolgung seiner in seinen beiden sozial­politischen Rundschreiben niedergelegten Vorschrif­ten mahnt. Das päpstliche Breve enthält aber auch einen hochbedeutsamen Paffus, welcher den leidigen Zwiespalt betrifft, welcher in den Reihen der katholischen Vorkämpfer in Italien eingeriffen war und immer größere Dimensionen anzunehmen drohte. Leo XIII. befiehlt nämlich, daß die „Jungen von frischer Kraft und starkem Muth" (womit die junge vorwärtsstrebende Partei der Christlich- Sozialen gemeint ist) von den „Alten" zur ge­meinsamen Arbeit herangezozen werden sollten, namentlich aber, wo es sich um eine sozial-ökono­mische Thätigkeit handele. Es ist also nunmehr zu hoffen, daß «ach den neuen eindringlichen Mah­nungen des Papstes endlich die Zänkereien in der eigenen Partei aufhören werden, denn in keinem Momente wäre dies wichtiger als gerade jetzt, wo der Sozialismus überall in Italien das Haupt erhebt und wo der Staat vielleicht keinen befferen Bundesgenoffen zur Aufrechterhaltung einigermaßen geordneter Zustände finden kann, als die christ­lich-soziale Bewegung, welche im Norden Italiens bereits glänzende Proben ihres Könnens abgelegt und unendlich viel zur Beruhigung der Gemüther der arbeitenden Bevölkerung beigetragen hat. Uebrigens scheint es auf dem Taranter Kongresse sehr lebhaft zugegangen zu sein, denn die heutigen liberalen Organe verkünden, daß das Ministerium gegen den Bischof von Livorno einschreiten wolle, und zwar wegen einiger Ausdrücke gelegentlich seiner R.de über die „römische Frage". Der Kongreß war — nebenbei gesagt — von 2 Rat* dinäle» und 32 Bischöfen, sowie von tausenden von Mitgliedern besucht.

Der Kardinalvikar erließ ein Rundschreiben an die itaf. Bischöfe, worin er sich gegen die in Rom studirenden und allein, in Familien oder Prioathäu- sern wohnenden jungen Kleriker wendet und die An­ordnung trifft, daß künftighin kein Kleriker, welcher sich nicht einem Kollegium oder einer der hier bestehenden religiösen Familien anschließe, mehr zum Studium an den päpstlichen Universi­täten und Unterrichtsanstalten, noch zu den Priester­weihen zugelaffm werden solle.

JnRacconigi, dem Sommrrsthe deS Königs, wohin derselbe mit der Königin vorgestern von den Gemsjagden in Vallierizurückgekehrt ist, wurde gestern eine vom bekannten Bildhauer Canonico modellirte Büste Humbert I. feierlich enthüllt. Wie es nunmehr heißt, wird König ViktorEmanuel der Landung unserer Chinakrieger in Neapel bei­wohnen, welche in etwa 8 Tagen erfolgen soll.

Auf der Artilleriebatteris „Strega" versagte gestern eine Kanone, welche indeß kurz darauf von selbst loSging und 7 Artilleristen tödtete und 10 verwundete. Der Kriegsminister hat eine strenge Untersuchung eingelettet.

Anläßlich des gestrigen Titelfestes fanden in unserer Nationalkirche der Anima vorgestern feier­liche Vespern und gestern nach einer von Dr. Ehses gelesenen hl. Messe ein vom P. Esser, von den Dominikanern, Sekretär der Jndexkongrega- tion celebrirtes Hochamt statt, zu welchen die Scuola Gregoriana die Gesänge ausführte.

Die kleine Republik San Marino feierte in diesen Tagen das sechzehnhunderijährige Jubi­läum ihres Bestehens. Der Kardinal Svampa, Erzbischof von Bologno, zu deffrn Diözese die Republik gehört, celebrirte in der Hauptkirche deS Ländchens ein feierliches Hochamt, welchem die beiden alle 6 Monate wechselnden „regieren­den Hauptleute", der Senat, die Behörden und eine sehr große Zahl von „Auslänoern", d. h. in diesem Falle Italiener, beiwohnten. Der be­rühmte Schauspieler Ncvelli rezitirte eine seiner Glanznummern und Professor Conti hielt einen Vortrag über die uralte Geschichte und Über die Bedeutung von San Marino.

In ganz Italien finden in diesen Tage« die großen Manöver statt. Das Hauptinteresse richtet sich auf diejenigen bei Beneoent, welche im großen Maßstabe abgehalten werden.

Die erste größere Pilgerschaft dieses Jahres, abgesehen von der „verspäteten" Jubi­läumspilgerfahrt der Engländer vom Januar, sendet uns Frankreich. Lvon Harmel kommt mit seinen Ardeiterpilgern nach Rom, um von hier aus über Assisi, Loreto und Padua in Ae Heimath zurückzukehren. Im November soll ein Konsi­storium stattfinden.