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M 211.
JuLöa, Samstag, dm 14. September 1901.
28. Jahrgang.
• Der polnische Geheimbunds- Prozeß
in Thorn gegen sechzig Gymnasiasten und Studenten ist, wie schon gemeldet, am Donnerstag zu Ende geführt worden. Nur 15 Angeklagte sind freigesprochen worden; zrhn von ihnen Haden einen Verweis erhalten. Die übrigen 35 jungen Leute sind sammtlich zu Grfängnißstrafen verurtheilt worden. Es haben a!s Strafen erhalten je zwei einen Tag, neunzehn j; eine Woche, zwei je zwei, sieben je drei, drei je sechs Wochen, ein Angeklagter zwei und ein anderer nicht weniger als drei Monate Gefängniß! Es fehlt noch die Begründung des Urtheils, so daß es zunächst unmöglich ist, umfaffende Kritik an demselben zu üben. Aber das sei schon heute gesagt, daß das Urtheil eine unangenehme Aehn- lichkeit hat mit virschiedenen Maßregeln des gewaltthätigen Ruffenthums gegen das gehaßte Deutschthum in den russischen Ostsee- Provinzen, über die ehedem in allen deutschen Zeitungen ohne Unterschied der Partei nur eine einzige und vollkommen übereinstimmende Entrüstung herrschte.
Großes Interesse bieten die Aussagen des Gymnasialdirektors Dr. Preuß dar, der unter vielen Anderen als Zeuge vernommen wurde. Elstens ist aus seinen Aussagen zu entnehmen, daß der Ostmarkenverein ihn zuerst aufgeputscht hat. Der Ostmmkenverein hat es für seine Pflicht gehalten, den Direktor darauf aufmerksam zu machen, daß er in einer polnischen Zeitung deswegen angegriffen werde, weil er den polnischen Gymnasiasten nicht erlaube, unter einander polnisch zu reden. Wie kommt der Ostmarkenverein dazu, sich in dieser Weise als eine Art Nebep.regierung aufzuspielen? Die Daseinsberechtigung eines deutschnationalen Verbandes in den Provinzen mit polnischer Bevölkerung soll nicht bestritten werden. Aber eine solche auf- hetzerische Thätigkeit sollte der Ostmarkenverein lieber nicht entfalten.
Zweitens vernimmt man mit einiger Verwunderung, daß die polnischen Schüler nicht polnisch mit einander sprechen sollen. So weit ist man beispielsweise in Riga nicht gegangen. Dort ist die deutsche Unterrichtssprache in die russische umgewandelt worden; aber noch niemals hat man etwas davon vernommen, daß die Schüler deutscher Abstammung nicht in ihrer Muttersprache sich mit einander unterhalten dürften. Zn diesem einen Punkte werden also die harten Maßregeln der Russischmacher in den russischen Ostseeprovinzen an Härte übertroffen durch Maßregeln an deutschen Gymnasien gegen polnische Schüler. Daß diese Letzteren ganz unbedingt die Pflicht haben, als Schüler einer deutschen Anstalt die deutsche Sprache ebenso zu pflegen, wie die deutschen Schüler derselben Anstalt, steht fest. Aber man begreift nicht, warum sie außerdem nicht polnisch unter einander reden sollen. Solche Härten müssen ja unbedingt Erbitterung erzeugen
Roman von O. Elster.
------(Nachdruck verboten.)
1.
Da lag sie wieder vor ihm, überfluthet vom Abendsonnengold des sinkenden Herbsttages, die Heimath, der er vor fast dreißig Jahren entflohen war, al« ein trotziger, wilder Jüngling, und in die er jetzt zurückkehrte als ein kranker, alter, gebrochener Mann.
Was hatte er gesehen, was erlebt in der weiten, großen Welt? Und wie traulich, wie unverändert lag die Heimath feiner Jugend da, zwischen den gelben Feldern, den saftigen Wiesen eingebettet, überragt und geschützt von den himmelanragenden Bergen, überschattet von den rauschen- den Wäldern, überwölbt von dem lichtblauen Himmel, an dem die langgestreckten Wölkchen da- htnzogen, wie die schneeigen Wsll nkämme über das blaue Meer.
lieber das Meer, das Weltmeer war er gezogen, über das wogende Grasmerr der Prairien war er gewandert, im dichten, düsteren Urwald des amerikanischen Westens hatte er gehaust, reißende Ströme überbrückt, in den Felsenthälern und auf den schneebedeckten Gipfeln der Anden sein Zelt aufgeschlagen, in den brudermörderischen Schlachten des großen Bürgerkrieges zwischen dem amerikanischen Süden und Norden mitgefochten, an der Grenze der Civilisation sich seine Hütte gebaut, im Kampfe liegend mit der wilden Natur, mit
in den jungen Herzen, und sie werden nicht entschuldigt dadurch, daß der Direktor Preuß sagt, er verstehe nicht Polnisch, und deswegen dürfe auch keiner seiner Schüler polnisch sprechen! Ebenso eigenthümlich berührt die Aussage des Direktors, daß solche Schüler vom Gymnasium entlassen worden wären, von denen man in Erfahrung gebracht haben würde, daß sie sich, in einer Verbindung zusammenthäten, um lediglich polnische Geschichte und polnische Literatur zu treiben, ohne dabei politische Hintergedanken zu haben.
Nach den vorliegenden Berichten über die Aussagen der Angeklagten und der Zeugen hat die Schüleroeibindung, oder haben die verschiedenen Schülerverbindungen, um die es sich hier handelt, solche politische Zwecke nicht im Auge gehabt; und anderweit sind Beweise dafür nicht erbracht worden, so viel aus eben diesen Zeitungsberichten zu ersehen ist. Deswegen überrascht das gefällte Urtheil. Und deswegen besonders muß das Weitere abgewartet werden, bevor man eine bestimmte Stellung zu dem Ausgange dieses Prozesses nehmen kann. Daß die Lehrer der verurtheilten Gymnasiasten über diesen Ausgang Freude und Genugthuung empfinden könnten, erscheint vollkommen unmöglich.
Deutsches Kerch»
Berlin, 13. September.
X Die Kerkiner ILärgermeisterfrage ist in der Versammlung der Stadtverordneten am letzten Donnerstag so entschieden worden, wie man es im voraus wußte: der Stadtrath Kauffmann ist von neuem zum Bürgermeister gewählt worden, und zwar mit 109 von 124 abgegebenen Stimmen: Außerdem wurden 15 unbeschriebene Zettel abgegeben, und 17 der in Berlin anwesenden Stadtverordneten sind der Wahl ferngeblieben. Reden sind nicht mehr bei der Wahl gehalten worden. Sogar der stets gesprächige Herr Singer hat es unterläffen, noch Weiteres über das leidige Thema zu sagen. Vermuthlich wird mau ihm nahe gelegt haben, das wenigstens diesmal zu unterläffen. Auch der Oberbürgermeister Kirschner hat es vorgezogen, der Wahlhandlung fern zu bleiben. Als diese vorüber war, erklärte der Stadtverorduetenoor- steher Dr. LangerhanS: „Herr Stadttath Kavff- mann ist auf die Dauer von zwölf Jahren mit einem Gehalte von 18,000 Mark jährlich ge- wählt" — worauf laute Bravorufe aus der Versammlung heraus ertönten. Natürlich hat es gute Wege mit der „Wahl auf zwölf Jahre". Die Bestätigung ist unter den obwaltenden Ver- bältniffen und nach den gröblichen Reden des Obergenoffrn Singer vollkommen unmöglich, und die Berliner Stadtverordneten werden demnächst Veranlassung haben, zur Wahl eines andern Bürgermeisters zu schreiten, oder aber — in einen offenen Konflikt mit der Krone und mit der Regierung zu gerathen. Verschiedene der Herren im Berliner „Rothen Hause" werden sich die Sache inzwischen wohl aber anders überlegen und lieber einen Mann zum Büraermrister wählen, der Aussicht auf Bestätigung hat. Als Deutung der zuerst erfolgten Ablehnung, den Herrn Kauffmann zu bestätigen, wäre roch eine
den blut- und beutegierigen Rothhäuten — und jetzt — jetzt lag er am Straßenrande feiner Heimath, ein müder Mann, ein Invalide des Lebens, hinabblickend mit finsterem, fieberheißem Auge auf da« an den Bergen emporkletternde Städtchen, auf das Kirchlein inmitten der Häuser und Hütten, auf die im Fruchtschmuck des Herbstes prangenden Gärten, auf die Wiesen und Felder, auf die Wälder und Berge, auf den unendlichen stillen, trauten Frieden feiner Heimath, seiner Jugend.
Aechzend stützte der Mann sein Haupt in die schwielige Faust, tief in sich zusammensinkend. Er wollte nichts mehr sehen von diesem Frieden, dieser stillen Schönheit. Der Anblick schmerzte sein gebrochenes Herz. Er war nicht heimgekommen, um sich dieses Friedens, dieser Schönheit zu erfreuen, sondern weil er keinen Platz auf Erden hatte, wo er sein Haupt ruhig zum Sterben niederlegen konnte, nachdem er sein einziger Kind der Obhut seiner Heimath, seiner Verwandten anvertraut haben würde.
Sein Kind, seine blondlockige, blauäugige Else sollte nicht untergehen in der großen Welt da draußen. Sie sollte leben in dem stillen Frieden der Hermath, sie sollte das heiße Wünschen, da« fieberhafte Streben, die Unruhe de« HrrzenS vergessen in dem stillen Frieden der Heimath. Sie sollte nicht werden wie er, ein ruheloser Wanderer vir ®r£?n/ e*n heimathloser Abenteuerer auf dieser Welt, ein Fremder, ein Einsamer unter den Millionen und Abermillionen von Menschen. Sie sollte eine Heimath haben, sie sollte den Frieden, die Liebe, die Ruhe der Heimath genießen.
„Else, komm her!" rief er plötzlich mit rauher
andere Lesart möglich: H-rr Rauffmann hatte bei der ersten Wahl nur eine sehr geringe Mehrheit, Seine Wahl erfolgte damals mit 67 gegen 59 Stimmen. Diesmal ist die Mehrheit erheblich größer, und wenn nur die geringe Mehrheit bet der ersten Wahl den Ausschlag gegeben hätte, bann hätte nunmehr die Bestätigung erfolgen können, wenn die Herren nicht vorher selbst die ganze Angelegenheit in das Licht einer Streitfrage im Gegensätze zur Krone gebracht hätten. Damit war dem Fasse der Boden zugeschlagen, und man mag über das Voraufgegangene denken, wie man will, Eines ist jetzt klar, daß der Regierung und der Krone die Möglichkeit einer nachträglichen Bestätigung Kauffmann's vollkommen unmöglich gemacht worden ist, wenn sie nicht schon vorher unmöglich war.
h Das Koko»r«k-Am1, genauer gesagt die Koloniatabtheilung des Auswärtigen Amtes, strebt nach einem eignen Heim. Dem Reichstage ging eins entsprechende Vorlage bereits im letzten Wintzr zu, fand indeffen keine Annahme. Jetzt wird berichtet, daß dem Reichstage nach seinem erneuten Zusammentreten eine weitere Vorlage in diesem Sinne zugehen werde. Es handelt sich um den Ankauf eines Hauses, das der Pcinzessin Luise von Hohenzollern gehört (Wilhelm- Straße 62). Der größere Thül diese« Hauses ist bereits für die Kolonialabrheilung gemiethet.
X Nester die Keschichrsprofeflnrey in ttraKSürg schreibt die konservative ,Kreuz- eitung' unter anderem Folgendes: „In der Presse beschäftigt man sich neuerdings lebhaft und ausführlich mit der Art, in welcher der erledigte Lehrstuhl für Geschichte an der Universität Straßburg besetzt worden ist. Neben dem evangelischen Staatsarchioar Dr. Meinecke ist nämlich gleichzeitia der bisherige katholische außerordentliche Profeffor Dr. Spahn als ordentlicher Profeffor berufen worden . . , Man knüpft an diese Maßregel die Befürchtung, daß auf diese Weise der konfessionelle Dualismus auch in die Wissenschaft ein geführt, daß auf den Hochschulen die „katholische Geschichte" neben der „evangelischen" als besondere Wiffenschast gelehrt und dieser Unterschied allmählich auch auf andere Wissenschaften . . ausgedehnt werde. Anderseits nimmt man auch Anstoß an der Berufung des Dr. Spahn, weil dieser erst 26 Jahre alt ist und sich erst vor drei Jahren an der Berliner Universität als Privatdozent niebergetaffen hat. Was den letzteren Punkt betrifft, so muß bk Berufung eines so jungen Gelehrten in bie Stelle eines orbentlichen Profeffors allerdings auffallen . . . Aber wir sehen wirklich nicht ein, weshalb die Berufung eines katholischen Profeffors der Geschichte neben einem evangelischen einen Grund zur Beunruhigung barbieten soll. Gewiß solle« bie Lehrer unserer Hochschulen nur ber Wahrheit bienen. Aber wir müssen boch mit der Verschiedenheit der Beurtbeilung geschichtlicher That- sachen durch die Angehörigen der beiden christlichen Bekenntniffe rechnen . . ." Bravo!
+ Kkektrtfcher Aisenvahnstetriest. Man erinnert sich noch aus den verschiedenen Blätter- Meldungen, daß es auffallend lange dauerte, bis ber elektrische Probezug ber Wannsee Vorortbahn bei Berlin endlich in den Betrieb dieser
Stimme einem etwa zehnjährigen Mädchen zu, da« in der Wiese am Wege Blumen pflückte.
Und das kleine zierliche Ding, dessen sonnenverbranntes Gesichtchen goldblonde Locken in wilder Ungebundenheit umflatterten, sprang herbei und warf einen großen Strauß Feldblumen, in den Schooß de« alten Manne».
„Sieh, welch herrliche Blumen Vater!" rief sie lachend. .Fast so schön wie bei uns draußen auf der Prairie — aber Väterchen, was ist Dir? Du hast geweint?"
Das Kind schmiegte sich an den alten Mann und liebkoste seine eingefallenen Wangen.
„Ich habe geweint," stieß der alte Mann hervor, „weil wir uns bald trennen müssen —"
„Trennen?! Ich sollte von Dir gehen, Vater? Niemals —"
„Und doch wirst Du es müssen, meine kleine Else. Sieh dort da« Städtchen — es ist meine Heimath, von der ich Dir oft erzählt habe; meine Heimath, die ich niemals wiederzusehen glaubte, die ich niemals wiedergesehen hätte, wenn nicht mein Leben, mein Glück in Scherben gebrochen vor meinen Füßen läge — doch da« verstehst Du nicht. Kurz, ich brachte Dich hierher, weil hier die einzigen Verwandten yon mir leben — dort in dem großen Bauerngehöft, etwas abseits von dem Städtchen. Eine Schwester von mir lebt dort, zu ihr will ich Dich bringen — Du bist dort gut aufgehoben — während ich — weiter wandern kann — um einen Winkel zu suchen, wo ich sterbe —"
Die Augen des alten Mannes blickten finster unter den grauen, buschigen Braunen hervor und
Bahnstrecke eingestellt war. Jetzt erscheint eine halbamtliche Notiz als Erwiderung auf abfällige Bemerkungen über die augenscheinliche Abneigung der Staatsbahnen gegen weitere Versuche mit der Elektrizität, daß nach den Versuchen auf der genannten Wannseebahn dieser Betrieb sich theurer stelle, a?s der Betrieb mit der Dampflokomotive. D:e Leistungen der Elektrizität stehen dagegen hinter denjenigen dieser letzteren nicht zurück. Somit sind einstweilen die Zukunftsträume von einer elektrischen Schnellbahn- Verbindung zwischen Berlin und Hamburg und ähnlichen Plänen wohl zu Wasser geworden. Jntereffant ist die weitere Mittheilung, daß vor längerer Zeit die preußische Staatsbahnverwaltung sich bereit erklärt habe, geeigneten Unternehmern eine paffende Bahnstrecke zum elektrischen Betriebe auf eigene Rechnung zu Überlassen, daß aber von diesem Anerbieten kein Gebrauch gemacht worden sei. Daß damit Über die Einführung des elektrischen Betriebes noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, versteht sich von selbst.
* Eine Krimrerimg ans der Gründerzeit Anfangs der 70er Jahre dürfte anläßlich des Todes des Herrn v. Miquel, sowie angesichts des jetzigen wirthschafilichen Nothstandes, ber mit den damaligen Nothständen in Folge des berüchtigten Gründungsschwindels viele Aehnlichkeit hat, besonders inlereffire«. I» tuiem längeren Artikel über die Glanzperiode deutschen Raubritterthums, den vor einigen Jahre« der ,Deutsche Hausschatz' brachte, findet sich u. A. folgende Ausführung :
„Die Berliner Diskontobank wurde 1870 mit 40'/, Millionen Mark gegründet und verdiente 40'/« pCt. d.h. 10'/, Millionen Mark! Ein früherer Obeibürger- meifter und jetzt hochgestellter Beamter (Herr Finanz- Minister von Miquel) erhielt als «eschäftstheühaber mit zwei anderen Kollegen innerhalb 3 Jahren 1,600,060 Mark. Die Berwaltungsräthe im erste« Jahre je 28,089 Mark Tantieme. 1874 ging daS Geschäft etwaS schlechter; auch da wurde noch mit einem Grundkapital von 60 Millionen 12 Mill onen Reingewinn gemacht. 10 Mitglieder der Direktion und des AusfichtSrathes, darunter auch der jetzt geadelte Finanzminister v. Miquel, theilten sich in 1,200,000 Mark Tantiemen. Mex das war nur ejn kleiner Theil der Beute des klugen Herrn von Miquel, denn et wat damals fihr vielseitig. Er war nämlich noch Direktor der PioowzialdiSkontogesellschaft, dann Aufsichtsrath bei der Preußischen Centralbodenkreditbank, bei der Dortmunder Unirn, bet der rumänischen Eisenbahngesellschaft, bei dem Bochumer Bergwerst usw. Welcher Schwindel getrieben wurdr, »eigen folgende Beispi-lr: Rothschild, Blfichröder, Hansemann, Jaloo Landau usw. gründeten die „Deutsche Reichs-Kontinental-Eisenbahn-Gefellschast" mit einem Grundkapital von 30 Millionen Mark. Die 40proz. Jnterimsscheine wurden zu 165—195 Mark verkauft. Nach dem Wiener Krache standen sie nur auf 66. Also an jenem Scheine 100—130 Maik Verlust. Die Macher hatten damals sicher alle Scheine unter's Volk und ihr Schäfchen ins Trockene gebracht. Die Dortmunder Union, von Herrn Miquel usw. gegründet, schlug ihre Papiere zu 330 Mark los; dieselben wurden dann bis aufs Doppelte hinaufgetrreben und im Jahre 1874 waren sie werthlos! Die Königs- und Laurahütte wurde zu einem Werthe von 1800 000 Mark taxirt, dann drei Jahre später für 4'/, Millionen Mark an ein Konsortium verkauft. Um l* 1/, Millionen wurde das Hüttenwerk erweitert. Und trotzdem wurde auf demselben eine Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 27 Millionen gegründet. Dieselbe war natürlich dem Untergange geweiht, weil sie keine Rente abwerfen konnte — aber trotzdem hatten die Gründer den Profit, denn sie hatten die Millionen in der Tasche und daS Volk dafür die werthlosen Aktienpapiere. In den
ruhten fast mit drohendem Ausdruck auf dem Gehöft, das in behäbigem Reichthum inmitten der Gärten und Felder dalag.
Seine Hände ballten sich zur Faust, feine L'ppen preßten sich unter dem struppigen Bart krampfhaft zusammen und in seinem hageren Gesicht zuckte es unheimlich.
Klein Else lachte fröhlich auf. „Wie komisch Du bist, Väterchen!" rief sie. „Wie sollte ich dazu kommen. Dich zu verlassen? Ich bleibe bei Dir und wenn Dich bie Leute da unten nicht auch aufnehmen wollen, bann wandere ich weiter mit Dir, wohin Du willst. Die Welt ist so groß — und schön — irgendwo wird es ein Plätzchen geben, wo wir uns nieberlaffen können —"
„Irgendwo!" murmelte ber Mann mit ingrimmigem Lächeln. „Nirgendwo, sage ich Dir, Else. Du bist ein kluges, kleines Mädchen, Du wirst mich verstehen — ich besitze nichts mehr, bas letzte (Selb hat unsere Reise hierher ver- schlungen — ich bin ein armer, kranker Kerl, ber zu nichts mehr taugt auf ber Welt. Seit Deine Mutter tobt ist, habe ich zu nichts mehr getaugt — ich bin ein verlorener Mensch — verstehst Du, was ich meine?"
Elfe erschrak. Sie verstand bie Worte des Vaters nur zu gut, sie hatte den Werth des Geldes nur zu früh in ihrem Leben kennen ge« lernt, Noch und Sorge, Armuth und Elend, Kummer und — Laster — den ganzen Fluch der Armuth, den ganzen Fluch eines vernichteten Lebens.
„Ich bleibe dennoch bei Dir," antwortete sie