uldnerMIeitmtg
l Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn-und Feiertage. Bierteljährl.
Hezuzsprei» ,hne Bringerlohn «nd Bestellgeld in Fulda und auswärts 1M.50 Pf.
Inserat»; Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg.,Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
ptt«ntw«rtlich: Für die Redaktion Jos. Lau«, für Inserate I. parzeller in Fulda.
mit Zlnterhaltungs -Beilage „Muflrirte Sonntags-Zeitung"
Druck und Verla« der Fuldaer Rctiendruckerot peterogage Nr. 2 Cftarmonit).
J»210.
• Maßregeln gegen den Anarchismus.
Nach den Meldungen auS Amerika scheint ein Zweifel darüber nicht mehr zulässig zu sein, daß der Schurke Leon Czolgosz die Schüsse auf den Präsidenten Mac Kinley im Auftrage einer förmlichen Verschwörung abge- stuert hat, an der viele Leute betheiligt sein sollen. DaS war die Ansicht der politischen Polizei von Anfang an. Daß die Anarchisten in verschiedenen Orten der Bereinigten Staaten von Amerika Festgelage feierten aus Freude über das Gelingen der Mordbüberei und zu Ehre» des Mörders, ist bekannt; und daß das nach unseren Begriffen der Gipfelpunkt aller Verbrecherfrechheit ist, wird Niemand in Abrede stellen wollen.
Ehedem waren manche Leute der Ansicht, die Anarchisten müßten wie halb verrückte Leute angesehen und behandelt werden: Man sollte sie doch getrost reden und schreiben kaffen, was sie wollten; es würde nichts Böses dabei herauskommen. Namentlich in den Vereinigten Staaten von Amerika haben »och immer viele Leute dieser glückseligen Anschauung gehuldigt; man dachte wohl, gerade in der nordamerikanischen Staatenunion werde nichts vorkommen, und um die Ereignisse im alten Europa brauche man sich nicht zu kümmern. Oder man suchte den inner» Zusammenhang zwischen den anarchistischen Umtrieben und den Attentaten gegen Staatsoberhäupter zu leugnen. Jetzt sieht man hoffentlich den traurigen Irr- tbum ein, in dem man sich befand. Gerade an Czolgosz kann man so recht deutlich sich davon überzeu gen.
Czolgosz hat nach seinen Erzählungen von Jugend auf sozialistische Bücher gelesen und mit Sozialdemokraten verkehrt. Eine tiefe Verbitterung hat sich seiner bemächtigt, weil er nicht das Glück hatte, wie viele andere Menschen; gegen diese Glücklichen ist er vom äußersten Neide erfüllt gewesen. Dann hat er anarchistische Vorträge gehörr. Besonders ist er von Vorlesungen der bekannten Anarchistin Emma Goldman, die er in Clcveland hörte, aufgeregt worden, in denen auSgesührt wurde, daß alle Herrscher vernichtet werden müßten. In ähnlichen Ausführungen ergehen sich ja auch die anarchistischen Schriften. Als Stilproben mögen die folgenden Ausführungen aus dem von Johann Most herausgegebenen Blatte ,Die Freiheit' dienen:
„Wenn bei der Jahrhundertwende die ober- „sten Personifikationen der Autorität nichts mehr „weiter vorstellen, als eine Rotte von unheil- „baren Narren, Seuchlingen und Nullen, so „braucht uns kein Zweifel darüber zu plagen, „daß man dieser Häufchen Unglück in die Kloake „der Geschichte fegt, ehe die Menschheit beson- „ders weit in's 20. Jahrhundert marschirt." Dagegen verherrlicht Most den Mörder des Königs Humbert, Bresci, als
„in goldenen Lettern im Verzeichniffe der Wohl- „thäter derMenschheit immerdar glänzend . . ."
Mit einer kleinen Schaar von Männern nach dem Muster des Bresci „würde dem gegenwär- tigen Gksellschafts - Zustande rasch ein Ende zu machen fein.“ Man müsse es „ernstlich bedauern, daß solche Attentate noch so selten ausgeführt würden".
Am ersten April.
Original-Roman von Ida John-Arnstadt.
22 ------ (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Die Zimmerthür wurde zwar wett zurückgeschlagen, aber Helene überschritt die Schwelle nicht; brennende Schamröthe stieg in ihr Gestcht- chen; hier hatte er gewohnt, ihr Juan, ihr heimlich Geliebter, und wenn er auch fort war für immer, sie konnte es nicht über sich gewinne», den ihr Scheu einflößenden Raum zu betreten; zögernd zurücktretend bat sie: „Frau Doktor, würden Sie wohl die große Güte haben, mir das Packetchen herauszurrichen?*
Frau Doktor, welche genau und nicht anders wußte, als daß es sich um einen Aprilscherz unter Verwandten handele und daß die junge Dame eintreten müsse, lächelte gar eigen: „Ach, mein verehrtes Fräulein, das thue ich sehr ungern. Ich war soeben am Küchenherd beschäftigt und könnte daher unmöglich dafür einstehen, nicht einige Rußflecken an den Händen zu tragen und das saubere Einschlagpapier des Packeis zu ver- derben . . . Der Herr Baron hat mir nämlich so viel vorgeredet von Vorsicht und Jnacht- nehmen, daß ich froh bin, das kleine Heiligthum nicht selbst anrühren zu müssen . . Tie wollen nicht hineingehen? . . . Da müßt' ich mich erst an der Wasserleitung . . .*
„O nein", unterbrach hier Helene, „so viel
Iutöa, Freitag, den 13. September 1901.
Wenn die Anarchisten in dieser Weise Hetzen und nachher die entsprechenden Handlungen folgen, dann kann man unmöglich noch den Zu- fammenhang zwischen dem gesprochenen und geschriebenen Worte und der That leugnen wolle». Dieser Zusammenhang ist im Tegentheil ganz offenkundig und bewiesen. Außerdem hat nach de» übereinstimmende» Drahtmeldungen aus Buffalo der Attentäter Czolgosz unmittelbar darauf hingewiesen, daß er durch solche Ausführungen dazu veranlaßt worden sei, „etwas Heroisches zu thun", namentlich durch die Vorträge der vorher genannten Anarchistin Emma Goldman. Nichtsdestoweniger hat nicht nur die Polizei in den Vereinigten Staaten von Amerika unthätig diesem wüstem Treiben zugesehen. Auch in anderen Staaten, vorzugsweise in Italien, haben sich so manche Behörden solche unbegreifliche Nachlässigkeiten zu Schulden kommen laffen. In Pisa ist es vorgekommen, daß Anarchistenbanden öffentlich in den Straßen „Es lebe BreSci“ riefen und einen Gesang herunterbrüllten, dessen Strophen mit dem Kehrreim schlossen: „Ermorden wir jenen Hund von einem König" — ohne daß die Behörde dagegen einschritt. Es bedurfte erst mehrfachen Beschwerden, bis der Präfekt von Pisa seines Amtes entsetzt wurde. Unter solchen Umständen braucht man sich nicht wundern darüber, wen» die anarchistischen Verbrechen kein Ende nehmen.
Das darf aber so nicht weiter gehen. Die gesammte Kulturwelt hat ein Interesse daran, daß die Staaten gemeinsam gegen diese Verbrechernester vorgehen und sie aushebe». Denn eine Verbrecherschule in Amerika ober Italien bedroht gleichmäßig alle Länder der Erde. Was von den internationalen Konferenzen zur Bekämpfung des Anarchismus bisher beschlossen wurde, ist im Zusammenhänge niemals öffentlich bekannt geworden. Aber daß die getroffenen Verabredungen ohne Wirkung geblieben sind, sieht man ja an den Thatsachen. Die Staaten müffen also unbedingt auf neue und wirksamere Mittel sinnen zum Schutze gegen die scheußlichen Mordpläne und Verwüstungsgelüste kcr Anarchisten. Starke Mittel der äußerem Gewali brauchen hier durchaus nicht gescheut z i werden. Aus Erfahrung weiß man, daß sie hä fig helfen. Gegen die Königin Viktoria vcn Engla o wurden in den ersten Jahren ihrer Regierung mehrfach Mordanfälle begangen. Da beschloß das Parlament durch ein besonderes Gesetz, Auspeitschung anzuwenden gegen die Verüber solcher Attentate, und von diesem Augenblicke an hörten die Verschwörungen und Attentate auf!
Die Zahl der Anarchisten in den Vereinigten Staaten von Amerika wird auf 100 000 geschätzt. Wie viele Morde sollen von ihnen noch verübt werden, bevor man ihnen nachdrücklich zu Leibe geht?
Deutsches Deich»
Berlin, 12. September.
+ Ab«. Dr. Aingevs, der Senior nicht nur der Crntrumspartei, sondern des ganzen Deutschen Reichstages, hat erklärt, daß er fein Mandat zum Reichstage niederlegen müffe. Der verehrte Abgeordnete möge, das wünschen wir ihm von Herzen, in der Ruhe nach seiner langen
Mühe möcht' ich Ihnen nicht machen . . Also ich kann das Packet leicht finden?"
„Jawohl, jawohl; ganz leicht; sehe» Sie? Hier auf dem Sophatische liegt es; treten Sie nur ein!"
Helene trat ein, doch mit dem Aufschrei: „Frau von Bernani, Verzeihung!" wich fie ent- setzt zurück: aber die so angstvoll Angerufene erhob sich und sagte scheinbar auf das Höchste überrascht: „Fräulein, Sie? Was haben Sie in der Wohnung unseres Neffen zu suchen?"
Helene stand mit tiefgesenktem Kopfe, keines Wortes mächtig, da, ein Bild der tiefsten Reue; Wen» ihre Dame ihr nicht glaubte, daß sie heute — jetzt — das erste Mal hergekommen sei! Furchtbarer Gedanke!
Die Portierenfalten bewegten sich leise und Frau Doktor Lampertus ging, lustig in sich hineinlachend, i» ihre Küche zurück; allerdings nicht, ohne das eine Ohr lauschend an die Thürspalte zu drücke»; es war doch zu reizend, die kleine UeberraschungSszene ein wenig mit zu erleben, zumal sie von ihrem Miether und dessen vornehmer Tante aus das Liebenswürdigste einge- weiht war; ja, der erste April! Auch sür die alternde Frau hatte der Tag seine lieben Erinnerungen voller Ulk.
„O gnädige Frau, wie elend und arm stehe ich jetzt vor Ihnen!" hörte fie die junge Dame sagen und Frau von Bernani antwortete: „Elend? Wie so? Vor zwei Stunden waren Sie nur ein wenig angegriffen und wollten einen Spaziergang machen?"
Arbeitszeit »och recht lange feines Lebensabends in körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische flch erfreuen. Die reichen Verdienste, die er sich erworben hat, werden von Freund und Gegner in gleicher Weise anerkannt.
X Zvarnm Minister von Miquel ans dem Amte schied — ist ein Thema, daS gegenwärtig . von verschiedenen Zeitungen erörtert wird. Nach einer Mittheilung der ,Berl. Pol. Nachrichten' soll man nicht annehmen, daß Herr von Miquel höher hinauf gewollt habe und deswegen unwirsch geworden sei, weil ihm dies nicht gelang. Nach dem Rücktritte des Staatssekretärs von Bötticher sei allerdings die Berufung Miquels in eine noch einflußreichere Stellung, als die eines Vizrprästdenten des preußischen StaatLministeriums, in Frage gekommen ; aber die verneinende Entscheidung sei auf Miquel selbst zurückzuführen, der der Stellung als Vizepräsident des Staatsministeriums und preußischer Finanzminister den Vorzug gegeben habe. Die ,Post' seiner hatte gesagt, Herr von Miquel habe es nicht ertragen können, daß Graf Bütow nicht nur preußischer Mimster- präsident habe heißen, sondern daß er es im Unterschiede zu seinem Vorgänger auch habe wirklich sein wolle». Dazu bemerkt die.Deutsche Tageszeitung', daß diese Gründe mit bestimmend gewesen sein können, aber wahrscheinlich nicht den Ausschlag gegeben haben. Sowohl Graf von Bülow, als auch Herr von Miquel seien geraume Zeit davon überzeugt gewesen, daß ihr Zusammenwirken nicht nur möglich, sondern sogar geboten sei. „Wir glauben auch nicht — schreibt das genannte Blatt — daß Herr von Miquel jemals daran gedacht hat, Reichskanzler zu werden. Er hat ost gesagt, daß zu dem Amte des Reichskanzlers diplomatische Schulung und Kenntniffe der auswärtigen Politik gehören, die ihm nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung ständen. Anders freilich steht es mit der Frage, ob et nicht daran gedacht habe, preußischer Minist,Präsident zu werden .... Er war bloß der U-berzeugung, daß die Stellung des Reichskarz'-rs mit der des Ministerpräsidenten persönlich vereint werden müsse, und weil er dieser Urbe z ugung war, glauben wir nicht, daß er die S llung eines Ministerpräsidenten begehrt habe. Herr von Miquel hat sich, wie wir wissen, nicht nur bis zur Verabschiedung des Fürsten Hohenlohe, sondern bis in das Frühjahr hinein in seinem Amte wohl gefühlt. So weit die .Deutsche Tageszeitung'. Die Worte, die Herr von Miquel bei seinem Abschiede von den Beamten des Finanzministeriums sprach, und die Art, wie er sie sprach, waren nach der Versicherung aller Ohrenzeugen so, daß der Hörer die Ueberzeugung gewinne» mußte, der abgehende Minister wolle zum Ausdruck bringen, daß er nicht freiwillig gehe, sondern zum Abschiede genöthigt worden sei.
* Graf Kremens von Westphalen zu Laer im Kreise Meschede ist auf Grund erblichen Rechts als legitimirter Besitzer der Gräflich Westphalenischen Familienfibeikommiffes durch Allerhöchsten Erlaß vom 6. August d. I. in daS Herrenhaus berufen worden. Dieses Recht ruhte seit 1867. Der damalige Inhaber, Graf Klemens von Westphalen, hatte in Folge der politischen Ereignisse des Jahres 1886 durch
„Gewiß . . Hierher."
„Sie wußten, daß unser Neffe abgereist sei.
„Ja freilich. Wie hätte ich es sonst gewagt, dies Haus zu betreten!"
„Wollten Sie die Wohnung miethen? Vielleicht für Ihre Krau Mutter?“
„Nein, nein . . . Meine Mutter! . . . Ach, die kommt nun nie mehr zu mir . . . Ich war blind und thöricht! Erst in dieser Minute bin ich int Vollbewußtsein meiner Schwäche.“
„Sie sprechen in Räthseln. Sagen Sie mir die Wahrheit, mein Kind, weshalb sind Sie hier?“
Einen Augenblick noch zögerte Helene; dann verriegelte fie die Zimmerthür, eilte zu Frau von Bernani, welche sich inzwischen auf die Ottomane niedergelassen hatte, und sank — ihren Kopf auf deren Knie neigend — reuig vor ihr hin: „Ich will Ihnen alles gestehen, alles; nur verzeih n Sie mir!“
„Stehen Sie auf und kommen Sie an mein Herz, Kleine! . . . Ist es denn so schlimm, was Sie mir zu beichten haben?"
Helene hatte sich erhoben: „Ja, sehr!" stammelte sie hocherröthend, mit tiefgesenkten Lider», und bildschön in diesem Momente heißer Seelenangst.
Der schwerathmende Lauscher nebenan sah es durch die Spalte der Plüschbehänge hindurch und wäre so gern hinübergeeilt, sein Kleinod an fein wildfchlagendes Herz zu reißen, doch feine Zeit war noch nicht gekommen; roch mußte er warten, bis die grausame Tante ihn rief. Diese zog Helene zu sich herab, wie ein willenloses.
28. Jahrgang.
—— .......... ,| 11 ——M|
eine darauf bezügliche Erklärung vom 28. Juli 1866 Veranlassung gegeben, daß er der Mitgliedschaft für verlustig erklärt wurde. Nachdem der Vorgenannte am 4. Oktober 1885 verstorben war, ist sein Sohn, der Fideikommiss- Nachfolger Graf Friedrich, in das Herrenhaus nicht eingetreten. Erst nach dem im vorigen Jahre eingetretenen Ableben des Letzteren hat mit der jetzt erfolgte» Berufung dessen Sohnes das Ruhen dieses Rechts aufgelöst.
* Im Monat Juli d.Js. sind auf benlfche« Kife«0»h«e» — ausschließlich der bayerischen — 14 Entgleisungen auf freier Bahn (darunter 6 bei Personenzügen) 12 Entgleisungen in Stationen (davon 5 bei Personenzügen) 2 Zusammenstöße auf freier Bahn (davon 1 bei Personenzügen), 14 Zusammenstöße in Stationen (davon 2 bei Personenzügen vorgekommen. Dabei wurden 2 Reisende und 2 Bahnbedienstete getödtet, 14 Reisende und 11 Bahn- bedienstete verletzt.
h. Besprechungen üver den neuen Zolltarif mit verschiedenen Sachverständigen solle», wie bekannt, demnächst im preußischen Handelsministerium stattfinden. Nach einer halbamtlichen Meldung werden dieselben am 20. dS. Ms. beginnen und mehrere Tage dauern. Es handelt sich nach derselben halbamtlichen Mittheilung um „die Nachprüfung einzelner Theile des Entwurfes, über die eine völlige Klärung für die in Betracht kommenden preußischen Regierungsstellen noch nicht herbeigeführt ist".
* Der vor einigen Tagen von uns besprochene HeHeimvrmdprozeß gegen 60 ehemalige und jetzige polnische Gymnasiasten in Thorn hat — soweit sich aus den ausführlichen Zeitungsberichten ersehen läßt — nichts ergeben, als was unter den Begriff eines Streiches unreifer Knaben fällt. Die jungen Leute waren zweifellos von der polnischen Bewegung beeinflußt, aber daß fie „Hochverrathspläne" geschmiedet haben, steht in keiner Weise fest. Sie haben eine Gymnastasten-Verbindung begründet, die einfach ein dummer Streich war, und daß sie sich dafür mit dem Schleier des Geheimnisses umgaben, ist eine Erscheinung, welche bei alle» solchen mit Recht von der Schulbehörde scharf bekämpften und mit schweren Schulstrafen zu ahnenden Vereinigungen wiederkehrt. — Nach Beendigung der Zeugenvernehmung hat der Staatsanwalt gegen 14 Angeklagte Freisprechung, gegen die übrigen aber Gefängnißstrafen von 14 Tagen bis zu 4 Monaten beantragt. — In dem Urtheil, welches gestern verkündigt wurde, sind 15 Angeklagte freigesprochen, 10 erhielte» einen Verweis, 12 wurden zu je einem Tag, 9 zu je einer Woche, 2 zu je zwei Wochen, 7 zu drei Wochen, 3 zu je sechs Wochen, Markwitz zu 3 und Orsluzok zu 2 Monaten Gefängniß verur- theilt.
AKslarrd»
+ Baris, 12. Sept. Es zeigen sich immer mehr Blüthen, die der französisch-türkische Zwischenfall treibt. So verlautet gerüchtweise, der Minister des Arußern, Delcassv, werde demnächst ein Gelbbuch über die strittigen Fragen herausgeben. — Der Chef der hüsigrn türkischen Geheimpolizei, Feridun Bey, welcher aus
reuiges Kind, und lehnte den schönen Mäbchen- kopf an ihre Schulter, mit ihrer weichen, feinen Hand Helenes brennende Augen bedeckend, und sagte gütig: „So, meine arme Kleine, nun beichten Sie mir und denken Sie, ich sei Ihre Mutter."
Zuerst schluchzte das tieferschütterte Mädchen laut auf, dann aber erzählte sie alles, was ihr das Herz bedrückte, alles, was fie erlebt und erlitte» hatte bis zu dieser Minute, mit lauter, vernehmlicher Stimme. Und als sie zu Ende war mit ihrem Bekenntniß, fragte Frau von Bernani scheinbar erstaunt: „So haben Sie unS hintergangen und betrübt, meinen Gemahl und mich? Und haben uns den heißgeliebten Neffe« auf- und davongetrieben?"
„Ach, gnädige Frau, wie konnte ich denn anders? Ich bin ja selbst so unsäglich unglücklich geworden durch des Herrn Barons Abreise."
„Sie auch?" ... Da haben Sie ihn wohl sehr lieb?"
„lieber alles!"
„O, Sie kleine Thörin! Wenn er das doch wüßte! Nun ist es zu spät. Er ist . . ."
„Hier!" jubelte eine glücklich jauchzende Männerstimme. .„Helene, meine Helene!"
Und „Boris!“ erklang eS von ihren Lippen.
„Ich konnte nicht warten, bis Du mich riefst, Tantchen; die Seligkeit war zu groß", versicherte der stattliche Mann freudestrahlend, ,unb nun vorwärts! . . Aber erst muß ich Dich meiner gütigen Hauswirthin, Frau Doktor LampertuS, als meine kleine Braut vorstellen!"