KuldaerMZeitung
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■■»‘SJÄ.’Si?* mit Mlerhattungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!'
M 209
JuLöa, Donnerstag, den 12. September 1901
28. Jahrgang.
damit natürlich ein unberechtigtes
Ver- der man und Was
sie dadurch zu befähigen, an der Hebung der wirthschaftlichen Lage und gesellschaftlichen Stel- lung der einzelnen Berufsstände in gemeinnütziger Gesinnung erfolgreich mitzuarbeiten. Bei Verfolgung dieser Aufgabe begegnete der Volksverein
X Die preußische Kanakvortage be- schäftigt neuerdings sehr lebhaft die Phantasie der demokratischen .Frankfurter Zeitung' in sehr eigenthümlicher Weise. Aus einer länger« Ausführung des genannten Blattes sei hier Folgen- des hervorgehoben:
„Wie man uns aus gut beglaubigter Quelle „mitthrilt, ist die Instanz, die von jeher dar „größte Jntereffe am Zustandekommen des „Mittellandkanals genommen hat, fester als „je entschloffen, das Werk wirklich durchzu- „führen. Es ist von dort her bei einer kürz« „lichen Gelegenheit mit aller Bestimmtheit er« „klärt worden, der Kanal müsse int näch« „sten Winter durchgehen . . . ."
Man kann nicht recht einsehen, wie gerade das demokratische Frankfurter Blatt dazu kommen sollte, das Sprachrohr jener hohen Stelle zu sein, deren Meinung sie angeblich wiedergibt. Die Meldung an sich ist deswegen mehr als zweifel
weiteren Vorgehen nur forderte er ihn auf zu vermeiden, daß die katholischen Kirchen irgendwie geschloffen werden müßten, weil dies sehr böses Blut machen würde."
2 An der Konferenz wegen des Aörf-nae- setzes, die am 18. September in Berlin tagen wird, nehmen der ,Nat. Ztg.' zufolge 26 Herren theil, darunter die Abgeordneten Müller.Fulda, Dr. Spahn, Graf Arnim, Graf Kanitz, Graf Schwerin und Geh. Oberregierungsratb Gamp. Die übrigen Theilnehmer sind theils Bankdirektoren, Kommerzienräthe oder Inhaber großer Geschäfte, theils Kommissare der verschiedenen Reichsämter und Staatsministerien.
Während des letzten Geschäftsjahres sind in den Werkstätten der genannten Jenenser Firma auch mehrfach Ueberstunden gearbeitet worden. Da hat man indessen die auffällige Erfahrung gemacht, daß die t ä g l i ch e Arbeitsleistung der I Arbeiter durch Ueberstunden nur während der ersten Tage vergrößert wurde. Bei einer ge- wohnheitsmäßigen Fortsetzung von Ueberstunden- arbeit ging die Arbeitsleistung alsbald auf das Arbeitsmaß während eines Arbeitstages ohne Ueberstunden zurück.
.Die Arbeiter der Zcißschen Firma stehen sich also bei dem Achtstundentage vortrefflich, und dasselbe trifft auf die Unternehmer selbsi zu. Während des ersten Jahres, in dessen Verlaufe bei Zeiß nur acht Stunden gearbeitet wurde, hat die Firma an Gas, Heizung und elektrischer Kraft 16000 bis 17 000 Mark erspart im Vergleiche zu dem Verbrauche vorher während der neunstündigen Arbeitszeit. Die Versuche in Jena sind also geradezu glänzend ausgefallen als ein Leistungs- zeugniß für den achtstündigen Arbeitstag; darüber kann mau nicht im Zweifel sein.
Es fragt sich nur, ob derselbe Versuch überall mit demselben Erfolge gemacht werden würde. In Jena bei Zeiß handelt es sich um Akkordarbeit und um jedenfalls sehr intelligente Arbeiter, die genau wissen, was sie wollen, und die vollauf im Stande sind, die Verhältnisse genau und richtig zu beurtheilen, auf die es ankommt. Und dann ist die Jenaer Erfahrung erst ein Jahr alt. Soll der Beweis für Jena allein vollkommen zugkräftig fein, dann muß er sich über mehrere Jahre erstrecken. Und damit ist dann noch immer wenig bewiesen für Unternehmungen, die ihre Arbeiter im Tagelohn beschäftigen und Arbeiter haben, die weniger intelligent als gerade die alten optischen Arbeiter bei Zeiß in Jena fit.b. Nichtsdestoweniger verdienen die Mittheilungen des Professor Abbe die aufmerksamste Beachtung. *
x Der Justizminister und der Minister des Innern haben angeordnet, daß die vormals jüdischen Richter und Regierungsräthe das ihres Ileöertrttt» zum Luther«
wenn er den achtstündigen Arbeitstag erhalten, nachher aber seine Industrie dermaßen dadurch geschädigt werden würde, daß sein Einkommen an Arbeitslohn fichverringern müßte? Alsdann würde der Arbeiter keinen Nutzen, sondern Schaden von der neuen Maßregel haben, die er ohne Ueberlegung gefordert hatte.
Man braucht kein Wort weiter darüber zu verlieren, daß die allgemeine und unvermittelte Einführung des Achtstundentages in unserer Industrie ein vollkommen unmögliches Ding ist. Denn darüber sind bereits Bände geschrieben und gesprochen worden. Nichtsdestoweniger^ ist es von großem Jntereffe, die einzelnen Fälle zu verfolgen, in denen man s^cht"h^t &et R^lung der Arbeitszeit ver-
Zu den interessantesten Versuchen dieser Art gehört die achtstündige Regelung der Arbeitszeit in der sehr bekannten optischen Werkstätte der Firma Karl Zeiß in Jena, deren Betriebsleiter Profeffor Abbe ebenda ist. Ueber die Erfahrungen, die die Firma mit dem Achtstundentage gemacht hat, hielt unlängst Prof. Abbe bei dem 12. deutschen Mechanikertage in Dresden einen Vortrag, der von großem und allgemeinem In- tereffe ist. Danach hat die Firma Zeiß von der Einführung des Achtstundentages keinen Nachtheil, sondern nicht unerheblichen eigenen Vottheil: und dieser Vortheil besteht nicht etwa nur in der Einbildung oder in unkontrollirbaren Schätzungen, sondern ist jeden Augenblick handgreiflich nachzuweisen. Die Drehbänke, Fräsmaschinen, Schleif, und Polirmaschtnen der Firma Zeiß werden nämlich durch den elektrischen Strom betrieben, und der Verbrauch an elektrischem Strom m jeder Lohnwoche ist zu ermitteln durch stünd- l'ch wiederholte Ablesungen am Schaltbrett. Früher hatte die Firma Zeiß einen neunstündigen Arbeitstag. Am 1. April 1900 ist sie vom neunstündigen zum I achtstündigen Arbeitstage übergegangen. In Folge besten verminderte sich die Zahl der Akkordstunden im Geschäftsjahre vorher bei 233 Arbeitern von 559169 auf 509 559 in dem Jahre vom 1. April 1900 bis zum letzten März dieses Jahres. Die Lohnsumme aber verminderte sich nicht, wie die Arbeiter erwartet hatten, sondern stieg von 345,899 Mark im Vorjahre auf 366,484 Mark im letzten Geschäftsjahre, Der Stundenverdienst erhöhte sich von 61,9 auf 71,9 Pfennige, d, h. er stieg in dem Verhältnisse von 100: 116,2. Der Eifer in der Arbeit hatte also nicht unerheblich zuzenommen; aber nicht nur das allein, sondern die Summe der geleisteten Arbeit bei einem Arbeitstage von acht Stunden war in dem letzten Berichtsjahre größer, als in dem Jahre vorher, obwohl währ-nd dieses letztem
Km ersten Kprik.
Original-Roman von JdaJohn.Arnstadt.
21 ------ (Nachdruck verboten.)
»Ein unvernünftiges Wort ist in Deinem Zustande bester, als gar keins," lachte Karl Neideck und trank sein Glas au8; „ich dachte schon. Du kämest überhaupt nicht wieder zur Besinnung . . . Nein, so herumzutoben! . . . . Siehst Du nun ein, daß wir recht haben, Deine Verwandten und Dein Karl?"
„Was wißt Ihr! Elend bin ich, elend, und Ihr hättet das einsehen und mich abreisen lasten wüsten! Ich thue es auch noch, und wenn Ihr mich anbindet!"
„Und Dein Helenchen?"
Di • • • • Sie kommt nicht, sag' ich
Da ertönte draußen die Korridorklingel und Boris, der kraftvolle Mann, zuckte zusammen wie ein erschrockener Knabe.
Jetzt, . . . o, jetzt öffnete die Hauswirthin. Ob sie nahte, die Heißersehnte, Erflehte?
Nein, das war nicht ihr leichter Schritt. Ohne erst anzuklopfen, trat eine Andere ein, feine Tante, Frau von Bernani, und Freund Neideck erhob sich, um der Verabredung gemäß feinen Wärter- und Wächterposten bei dem ungestümen Liebhaber an die gnäbfge Frau abzu- tteten und daheim in der Hechtengaffe einen langen Schlaff zu thun; mit einem stillen, aber desto fühlbarerem Händedruck verabschiedete er I
Wenn man im Jntereffe der industriellen Arbeiter einen Arbeitstag von acht Stunden verlangt, ohne gleichzeitig danach zu fragen, wie es nach der Erfüllung des langens mit der Leistungsfähigkeit Industrie bestellt sein würde, so stellt
unverständiges Verlangen auf.
würde es auch dem industriellen Arbeiter nützen,
« A-beitsz-it und Arbeitsleistung. I Ä‘ Ä“
elektrischer Kraft. Bei der neunstündigen Arbeitszeit betrug der Gesammtoerbrauch an elektrischer Kraft durch die Maschinen 49,2 Kilowatt für die Stunde, bei der achtstündigen Arbeitszeit 52 Kilowatt.
Deulsches KeLch«
Berlin, 11. September.
X lieber die WäUgk-tt des Aokksver. eins für das Katholisch-Denlfchland, dessen segensreiches Wirken auf der Katholiken-Versarnrn- tung zu Osnabrück ans dem Munde der be« rufensten Führer des katholischen Volkes so rückhaltslose Anerkennung gefunden hat, spricht sich der Jahresbericht desselben im Allgemeinen folgendermaßen aus: Der Volksverein verfolgte mit wachsendem Erfolge zunächst die Aufgabe, die katholischen Männer zum Bekennt- nissr und zur Bethätigung der sozialen Grundsätze des katholischen Glaubens im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben anzueifern und zu stärken, und gleichzeitig die falschen Lehren der Sozialdemokratie zurückzuweisen. Hand in Hand damit ging das Bestreben, die katholischen Mitglieder der einzelnen Stände sozialpolitisch zu schulen und sich von Boris und ließ sich von dessen schöner Tante bis an die Treppe geleiten unter allerlei flüsterndem Gespräch, dessen Unverständlichkeit den lauschenden Freund im Zimmer noch mehr aufregte.
Als feine Tante ein trat, blickte er sich gar nicht nach ihr um, sondern stand, die Arme Über die Brust verschränkt und durch das Fenster feinem Freunde Karl nachblickend, wie eine Bild- i sänke, btS Frau von Bernani thn anrief: „Boris, ich bin wieder hier!"
Mit einem jähen Ruck wandte er sich um [ und starrte sie an: „Ja, ja; ich sehe es; ... aber ich hatte recht? Sie hat mich aufgegeben? Mein Brief war nutzlos?"
„Das müffen wir ruhig ab warten, lieber Junge. Vergiß doch, bitte, nicht, daß das Fräulein Dich längst abgereist und über der Grenze wähnt; Du hast es ihr ja geschrieben!"
„Ach so; freilich! . . . Was hast Du denn? Du athmest ja so schwer. Ist etwas geschehen?"
Frau von Bernani lachte. „Ah, Du siehst Gespenster! Vor allem sage mir erst einmal guten Tag. Boris, Du hast mich nichts weniger als freundlich begrüßt. Du undankbarer, schlechter Mensch Du! Erst quälst Du uns durch Deinen Eigensinn und Trotz bis aus'S Blut, und nun ich bei diesem Wetter mein behagliches Heim verlasse und — um rechtzeitig da zu fein — mit einem Fiaker erster Klaffe heraussahre und die Treppe heraufrase, hast Du weder Gruß noch Stuhl, noch ein Wort des Mitleides für mich!" „Ah, verzeih' mir, Tantchen! . . . Bitte, setz' Dich; hier auf die Ottomane und rechne es
„Aber Tantchen, bedenke doch, daß wir beide nichts von einander wußten in Sachen der Seele; | ich konnte doch nicht ahnen, daß die hochge« | bildete, edle, geistreiche Haffard Euer Fräulein war und ihr erging es ebenfo mit mir."
»Ach ja, richtig; Du hast daS uns ja schon des langen und breiten auseinandergesetzt beut’ Nacht; 's ist wahr."
„Ich haßte Helene Lippbold . . ."
„Um sie nun um so heißer zu lieben . . . Ha, ha, ha! närrische Welt!"
„Wenn sie nur kommt!"
»Sie wird ihre eigenhändig verabsaßten Briefe nicht eine Stunde länger, als nöthig, in fremdem Besitz oder gar zu uns ins Haus bringen kaffen . . . Freilich kommt sie .... Wozu hätte sie sich denn eine Stunde Urlaub ausgebeten in der Mittagszeit?! Gleich nach Els, nach der letzten Unterrichtsstunde wird sie weggegangen fein und kann jede Minute erscheinen . . . Wenn sie freilich wüßte, daß Du noch in Wien, in Deiner Wohnung bist, und ich!"
„O, wenn sie das wüßte, meine keusche Lilie! ... Sie wird furchtbar erschrecken, Tante . . . Vielleicht ändern wir doch unteren Plan?"
»Ich dächte nicht und wüßte auch gar nicht, wie . . . Du wolltest doch herausfinden, ob sie Dich liebt, trotz ihrer Abweisung?"
»3 b freilich; das vor allem möchte ich wiffen."
„Nun also! Das Fräulein beherrscht sich derart, und vergibt sich so wenig, daß ihr nur
noch vielfach in allen Klaffen der katholischen Bevölkerung der hergebrachten Gleichgiltigkeit gegenüber der Beschäftigung mit Fragen des öffentlichen und besonders des sozialen Lebens. Gleichwohl taffen die Berichte der Geschäftsführer des Volksvereins erfreuliche Fortschritte erkennen. Die Zahl der Vertrauensmänner, welche die soziale Kleinarbeit leisten, wurde vermehrt; auf regelmäßigen Zusammenkünften wurden von ihnen die Mittel und Wege, wie die Organisation auSzu- bauen und die Vereinsthätigkeit gemäß den örtlichen Verhältniffen zu entfalten fei, berathen. Größere Bezirks - Versammlungen, sowie kleinere , vuz, Orts - Versammlungen wurden mit Geschick und | ^^um oVe^^r @taaSe n a d1t rK i A gutem Erfolge in großer Zahl und meistens regel- zeigen müffen. ©aSfelbe ailt aurh^ür^fiM' Wo°rA be- W beVgetret?n sinb f°uebertritte jüdi°
schäften und Einrichtungen zur Folge. Auf die * DieAorsichtsmakreaeln »ur Verüütuna Verbreitung der zahlreichen sozialpolitischen Flug- der Einschlevvuna anftedenLT J 8 blätter des Volksvereins ist man in fast allen Be- h « j t e n durch dk aus Ö ü a s i en . zirken, sei es regelmäßig, sei es bei besonderen Trupvmsind wietoon Inn
Anlässen, bedacht. Dieselben finden ebenso wie einzeln» aufben2? di- belehrenden sozialen Artikel der Vereins-Zeit- Ammen« TvvbA^und schrift und besonders die allwöchentlich veröffent- wotbe” @§ iftua der
lichten sozialen Artikel der ,Sozial-Korrespondenz- ^hluß der Truppen wäbrend derÄ ih»r bei der katholischen Bevölkerung gegen früher ein Beobachtung in Bremerbaven und LL. S »1«^ geftdgerte« 3ntereffe S?e ®!ntralfteHe TX -
des Volksverems wird in Folge dessen von den Der Grund für diese Maür-a-l ist Geschäftsführern und Vertrauensmännern wie von I darin zu suchen daß wie durch Vro^Ko» den Mitgliedern täglich in den verschiedenartigsten festgeftellt worden ift bie Rub re» lu-mi praktisch-sozialen Fragen um Rath und Auskunft, den Döbertaer Barackenlagern bur*
Statute« und vorbildlichen Plnnenlür soziale Ver- [ kgnntlich waren, bevor Truppen des GardekorpS S«öm£ 1?Än»e". .De Wirksamkeit des von einer Ruhrepidemie im Döberitzer Lagerbe«
. denn auch in den katholischen I fallen wurden, die ersten Chinakontingente nach XogcSbldtfettt, Tüt? DOtt^Qnbwcttctn, ©öbctifc lut Sluflöflittfl hpr Brunne nofAnFFF
JMtat« und -l.d-üL, auf gadHougtefien und „X* woKal6^£i«ek^£m™>,il2 aSbf°net,a,Inl 0nS 6i)ina MlckkchnudM Truppen' wegen i^Ämenben 2ßtatar»u»naten der unter ihnen herrschenden ansteckenden Krank« ift "«och nrcht ^n« Heiken zunächst auf der Lüneburger Haide in bet
geführt ist, die Thoren sich öffnen, damit er über Gegend von Wunstadt in Baracken untergebracht das gefammte Deutschland sich erstrecke und in werden. 8 w
vollem Umfange feine Aufgabe erfülle, nämlich eine Gesammt - Organisation der deutschen Katholiken zur Vertheidigung der christlichen Gesellschafts-Ordnung zu sein.
* Wiqnel nteb die Katholiken. Die ,Schief. Volksztg.' rühmt, daß Miquel soviel Objektivität und Vorurtheilslofigkeit den Katholiken gegenüber beseffen habe, wie man sonst bei einem Nationalliberalen nicht leicht finden werde. — Die ,Freis. Ztg/ bemerkt dazu mit Recht: Auf der Höhe des Kulturkampfes hat sich Miquel nur wenig von den übrigen Nationalliberalen unterschieden. „Ich war zufällig einmal", so erzählt Abg. Richter, „Theilnehmer an einer Unterredung, die in den siebziger Jahren der damalige Abg. Miquel im Saal der Budgetkommission mit dem Geheimrath Lucanus führte, der damals noch im Kultusministerium unter Falk hauptsächlich die kirchenpolitischen Fragen bearbeitete. Miquel bestärkte Lucanus in dem meinem Seelemustande zu, daß ich so nachlässig bin. Wenn Du wüßtest, rote mir zu Muthe ist!"
„Na, hör' mal, das kann ich mir ungefähr denken. Du heißblüthiger, erzverliebter Mensch Du! Sei nur froh, daß Du solch' einen Freund, wie den Baumeister und solch' kluge Verwandten hast, die alles gut einfädelten und Dich von der größten Thorheit Deines Lebens abhie'ten . . . Ohne unseren nächtlichen Besuch wärest Du jetzt auf und davon und zwei unglückliche Seelen mehr irrten durch die schöne Gotteswelt."
„Zwei?"
„Nun ja; Du und sie."
„Ob sie? ... Was gab denn das Fräu lein eigentlich an und wie erfuhr sie von meiner Abreise? Wohl erst heut' Morgen durch meinen Brief? Sie konnte ja noch gar nicht aus der Oper zurück sein, als Ihr meine Telrphonnach- richt schon hattet."
„Ganz recht! Das Fcäulrin kam ungefähr eine halbe Stunde darauf zu uns in daS Wohnzimmer, aber der Tölpel, der Friedrich, hatte ihr schon im Hausflur erzählt, daß Du abreifen wolltest; deshalb tarnen wir um den Anblick des ersten Eindruckes; nur recht blaß und seltsam war sie und zog sich auch gleich zurück, wie ich Dir in dieser Nacht schon erzählte . . . Nein, nein; ich kann es noch gar nicht fassen! Du und Helene Lipphold! Hättest Du mir's nicht selbst erzählt, ich würde es nie für möglich halten, daß die Scheinheilige hinter unserem Rücken mit Dir korrespondttt bat ... I Was man doch erleben kann!" i