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KuldaerMZeitung

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mit Nnlerhattungs Beilage „ILustrirte Sonntags-Zeitung"

Druck und Verlag der Fuldaer Rctiendruckeret petcrsgaffe Nr. 2 fBarmonie).

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Jutöcr, Mittwoch, den 11. September 1901.

28. Jahrgang.

nicht mehr zur Touristik, das ist Akrobatik, das ist Selbstmord; viel Leid und Kummer wird dadurch in glückliche Familien getragen, und die Touristik als solche diskreditirt. Verurtheilen Sie, verdammen Sie dieses planlose, dieses zwecklose Klettern, wodurch der Touristik nichts genützt wird. Haben Sie den Muth und verwahren Sie sich dagegen, und von tausend Elternlippen werden Sie gesegnet werden, viel Leid, viel Kummer wird den Elternherzen erspart werden." Diese Ausführungen wurde« fast von der ganzen Versammlung mit lebhafter Zustimmung ausgenommen.

* Betrügereien mittels drahtloser Telegraphie. Es gibt thatsächlich keinen neuen Fortschritt der Wissenschaft und Technik, der nicht auch in kürzester Zeit zu Betrügereien nutzbar gemacht würde. Das Neueste auf diesem Gebiete ist die drahtlose Tele­graphie. Am vergangenen Montag waren, wie ein Londoner Blatt meldet, die dortigen Buchmacher zu- sammengekommcn, um über den Schutz gegen eine der scharfsinnigsten Betrügereien der neueren Zeit zu be- rathen. Viele Buchmacher haben die Gewohnheit, Wetten bis zu dem Augenblick anzunehmen, in dem der Ausfall des Rennens angekündigt wird, zwischen diesem Augenblick und der thatsächlichen Beendigung liegt ein ziemlicher Zeitraum. Neuerdings ist eine Anzahl der größten Buchmacher in der City durch eine Gesellschaft von Wettern, die in großen Preisen verdächtiges Glück hatten, so schwer getroffen worden, daß sie genaue Nachforschungen anstellten. Diese waren auch nicht vergebens, sondern bewiesen zweifel­los, daß Marconis System der drahtlosen Telegraphie von ihnen benutzt worden war. Mit einem guten Fernrohr wurden von einer Erhebung in der Nähe der Rennbahn die Nummern der gewinnenden Pferde erspäht und diese mit Hilfe der drahtlosen Telegraphie im Handumdrehen weiter gemeldet. Der gewöhnliche Telegraph wurde um viele Minuten geschlagen, und die gewitzten Erfinder machten reichen Gewinn. Man fand den Betrug in sehr einfacher Weise heraus, in­dem man die Botschaft auf dem Wege mit einem Marconi-Empfänger auffing. Der Betrug würde vielleicht Monate lang unentdeckt geblieben sein, wenn die Betrüger weniger habgierig gewesen wären.

* Ei» Millionärsohn als Wegelagerer. Man sollte es nicht für möglich halten, und doch ist es Thatsache, daß am Hellen lichten Tage der Sohn eines Millionärs, ein gebildeter, schwer reicher Mann, der Frau und Kinder hat, einen Bankboten niederschlug und schwer verwundete, um ihn zu berauben. Die Person, um die es sich handelt, ist, wie man aus New-Jork mitthcilt, Louis Hays, ein Sohn des Millionärs Simon Hays. Der Ueberfall trug sich im Gebäude der „Twelfth Ward Bank" zu. Einj65 Jahre alter Kassenbote der Bronx Borugh Bank war nach

sämmtlicher Wohnungen aus. Unter solchen sozial unzuträglichen Verhältnissen lebten in Köln der 14., in München der 5., in Breslau mehr als der 3. Theil der Gesammtbevölkeruug. I» Breslau haben insbesondere 500 Wohnungen mit nur einem Raum sechs und mehr Bewohner, und von München ist außerdem das Kuriosum zu verzeichnen, daß sich 1897 über 400 allein­stehende Männer fanden, welche Schlafgängerinnen beherbergten. Das Schlafgängersystem ist über­haupt das größte Uebel des Wohnungselendes, welches in gesundheitlicher und sittlicher Beziehung in Frage kommt, und doch weisen in Leipzig 30 pCt., in Berlin 23 pCt., in München 31 pCt.» in Breslau 20,7 pCt. aller Wohnungen familien­fremde Elemente als Zimmermiether oder Schlaf­gänger auf. Auch das Zusammenleben mehrerer Haushaltungen in einer Wohnung, welches 1890 in Leipzig in 1241, in Königsberg in 1897, in Altona in 1791 Fällen konstatirt ist, vermehrt die Gesundheits- und Sittengrfahr in der schreck­lichsten Weise.

Wer nun den beliebten Einwand machen möchte, daß die hier geschilderten Verhältnisse für seinen Wohnort nicht zutreffend seien, dem muß allerdings das Geständviß gemacht werden, daß die Wohnungsverhältniffe in den Millionen- und anderen Großstädten am ungünstigsten liegen und deshalb nicht in allen Punkten als typisch gelten können. Aber auf der andern Seite muß jeder zugeben, daß nicht nur die meisten größern Städte, sondern auch die mittelgroßen Stadtge- meinden und diejenigen Landgemeinden, die ihr Anwachsen der Industrie und der unmittelbaren Nähe von Großstädten verdanken, dieselbe Ent­wicklungsrichtung zeigen. Das Zusammenströmen immer größerer Beoölkerungsmaffen vom Lande nach den Städten und den Industriecentren, die hierdurch verstärkte Nachfrage nach Wohnungen und die infolge dessen eintretende Steigerung der Boden-, Häuser- und Miethpreise haben fast aller­orts eine Wohnungsnoth heroorgerufen, welche die größten gesundheitlichen und sittlichen Ge­fahren im Gefolge haben muß. Man braucht nur zu suchen, um sie zu finden, und wer trotz­dem glauben sollte, daß in seinem Wohnorte die Wohnungsverhältniffe m bester Ordnung seien, der begleite einmal einen Armenarzt, eine Kranken- schw ester oder eine Hebamme in die Wohnungen der ar men Leute, oder einen beschäftigten Kassen­arzt in die Wohnungen unserer Fabrikarbeiter, und er wird dort mehr erfahren, als ihm lieb ist.

Aom Musikdirektor Professor Winand Wik in Mdeshelm

begeht heute in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburts­tag; aus diesem Anlasse wurden ihm von nah und fern die herzlichsten Glückwünsche von seinen Freunden und ehemaligen Schülern, deren er eine ganze Reihe befitzr, verehrungsvollst zugesandl. Keine zweite Person, — das dürfen wir ruhig behaupten, — gibt es in ganz Hildesheim, die sich wie Professor Nick solch allgemeiner Belehrung und solchen Ansehens bet Jedermann erfreut, nicht nur bei den Katholiken, sondern auch bei den. Protestanten, und deshalb ist auch die Theilnahme an diesem Feste allgemein. In der ganzen Provinz Han­nover und weit darüber hinaus nennt man den Namen Nick mit Stolz; das hat der edle Meister bewirkt durch 'ein rastloses und unermüdliches Streben im Dienste der edlen Kunst und durch das sich stets gleichbleibende liebe­volle und freundliche Wesen gegen Jedermann, der mit ihm in Berührung kam. Nicht nur mit guten Rath- chlägen stano er denen, die ihn darum angingen, bei, nein, Professor Nick wußte auch stets da mit der Lhat helfend einzugreisen, wo er sah, daß einem aufstrebenden Talent geholfen werden mußte. Mit großer Befriedi­gung kann Professor Nick heute auf sein bisheriges Leben zurückblicken; unbekümmert um des Lebens Mühen und Plagen ging er stets seinen Weg, den Idealen der Kunst nach.

Am 11. September 1831 wurde er in der alten ehemaligen Bischofsstadt Fritzlar geboren als Sohn des dortigen Lehrers Nick. Die Eltern ließen dem ge­weckten Knaben eine tüchtige Erziehung angedeihen und pflanzten in sein Herz jenen frommen Sinn, der ihn auch heute noch auszeichnet. Das musikalische Talent des Baters schien sich auf den Sohn vererbt zu haben, der die musikalischen Neigungen des kleinen Winand mit

und aus eigener Kraft die höchste Stufe der Kunst er­reicht. So kann er am heutigen Tage mit Befriedigung und Stolz auf feine bisherige Lebensbahn zurückblicken. Möge es ihm denn vergönnt sein, so geehrt und geliebt von Allen, die je mit ihm in Berührung kamen, noch weitere lange Jahre in der ihm beschiedrnen seltenen Rüstigkeit und Thatkraft weiter zu wirken, sich zur Ehre, seinen Anhängern zur Freude und der edlen Kunst der Musik zum Nutzen. Das fei der Wunsch, den wir ihm heute mit so viele» Anderen auS vollem Herzen dar­bringen. Th. W.

Die gesundheitliche und sittliche Bedeutung der Wohnungssrage.

(Nach einem Bortrage des Herrn Dr. med. Blum» Oberarzt am Mariahilf-Krankenhause in M.Gladbach.)

II.

Seit dem Erscheinen der „horrible London“ überschriebenen Artikel der »Daily News' und den Enthüllungen der ,Pall Mall Gazette', die Anfangs der achtziger Jahre einen allgemeinen Schrei des Entsetzens und des Unwillens der gesammten civilisirten Welt erregten, sowie seit der Veröffentlichung der umfassenden Enquöle des Vereins für Sozialpolitik im Jahre 1886, die nicht minder traurige Zustände in den meisten deutschen Großstädten ausdeckte, ist die Literatur über Wohnungsnoth und Wohnungsreform zu einer kaum noch zu bewältigenden Fülle ange­schwollen. Müller und Cacheux habe« 1889 bereits gegen 400 Nummern Broschüren, Aufsätze, Zeitungsartikel, Vereinsverhandlungen angeführt; bis jetzt ist ihre Zahl jedenfalls mehr als ver­doppelt. Alle Einzeldarstellungen bilden mehr oder weniger reichhaltiges und wrrthvolles Mate- rial für den Beweis der Größe des Nothstandes, wenn man nicht absichtlich dem großen Umfange und dem überall stetigen Anwachsen der Wohnungs­noth sein Auge verschließen will.

Außer den bereits erwähnten Schriften des Vereins für Sozialpolitik betreffend „Die Woh­nungsnoth der ärmeren Klaffen in deutschen Groß­städten und Rathschläge zu deren Abhilfe" geben einige der neueren Schriften eine packende Schil­derung des Wohnungselendes. „Wie wohnen die Arbeiter in Düsseldorf", herausgegeben im Auftrage des Düffeldorfer Spar- und Bauoer­eins, „Das Wohnungselend und feine Abhilfe" von Lieber-Bielefeld, „Ueber Wohnungsnoth und Wohnungsjammer" von Dr. Hans Kurella, „Wohnungsnoth der ärmeren Klaffen in den Großstästen" von E. Wiß, „Die Wohnungen der Minderbemittelten in München" von Dr. K. Singer, „Wohnungsverhältniffe in österreichischen Städten, insbesondere in Wien" von Professor Dr. v. Philipooich und Dr. P. Schwarz können zum Studium nicht dringend genug empfohlen werden.

Einige Beispiele mögen einen allgemeinen lieber« blick geben. In London hat tie königl. Kommission zur Untersuchung der Wohnungsverhältniffe der arbeiten­den Klaffen als Norm festgestellt, daß in den von den Arbeiterklassen bewohnten Stadttheilen fast regelmäßig eine ganze Familie mit unerwachsenen und erwachsenen Kindern zusammen nur einen Wohnraum zum Aufent­halte, Essen und Schlafen inne haben und durchschnitt­lich sechs Räume auf fünf Familien fallen. In keinem der Zimmer fand sich mehr als ein Bett. Die Gesammt- zahl der Familien, welche in London einen Raum inne haben, wird auf ca. 630000 angegeben. Wenn man ganz gering die Kopfzahl einer Familie zu vier an­nimmt, birgt also die Millionenstadt London von vier

Studium des Sohnes große pekuniäre Opfer, aber sie waren auch nicht vergeblich. Als Winand Nick nach einjährigem Studium Kassel verließ, da konnte er scheiden mit dem glänzendsten Zeugniffe seines Meisters Spohr, der sich für ihn auch um eine Frei­stelle in Leipzig bewarb; leider konnte man dort in der Zeit über keine verfügen, und da der Mutter keine anderen Hilfsquellen zur Verfügung standen, so blieb dem fleißigen Knaben nichts anderes übrig, als mit schwerem Herzen der Musik Valet zu sagen. Er wählte den Beruf des Lehrers und trat in dos Seminar zu Fulda ein, benutzte ober jede freie Zeit zur weiteren Ausbildung in der Musik, der er immer treu blieb. Ja, nach Absolvirung des Seminars fühlte er erst recht klar und deutlich, daß er nur in der Musik seinen wahren Beruf finden könne. Zunächst blieb er in Fulda und überließ sich mit wahrem Heißhunger dem Studium der Musik, um dann zur weiteren Ausbildung nach Leipzig und Dresden zu gehen. Gar schwer ist es ihm geworden, das Studium durchzusetzen, aber die Liebe zur Kunst, vereint mit rastlosem Streben und strenger Energie halfen ihm in allen Lebenslagen, und sie zeitigten auch das erfreuliche Resultat für ihn, daß er im Jahre 1856 als Musik­direktor an das Gymnasium Josephinum nach Hildes­heim berufen wurde. Unter 6 Bewerbern war er als der am meisten begabte erkannt und angestellt worden. Zu Michaelis desselben Jahres siedelte er nach Hildes­heim über.

Vermischte».

* Gegen den Klettersport. Bei der General­versammlung des deutschen und österreichischen Alpen­vereins in Meran hielt der Präsident des österreichischen Touristenklubs, Dr. Klotzberg, eine Rede gegen den lebensgefährlichen Klettersport und sagte unter An­derem: „Ziel- und planlose Metterpartten, welche der Touristik gar nichts nützen, werden in letzter Zeit ausgeführt und enden mit tödtlichem Ausgange, wie dieses im Wiener Ausflugsgebiete sich leider fast all­wöchentlich ereignet; dieses Kletterunwesen gehört

Millionen Einwohnern eine zweite Millionenstadt von 2400000 Einwohnern in sich, die in wahrhaft menschen­unwürdigen Wohnungen leben. In Paris, der zweitgrößten Weltstadl Europas, liegen die Verhält­nisse nicht anders. Aus einer Mittheilung der Armen- verwaltung von Paris entnehmen wir, daß die Woh. nungen von 39603 Haushaltungen, welchen sie Unter­stützung angedeihen ließ, in sanitärer Beziehung voll­ständig ungenügend waren. Von den 39603 Woh­nungen mit einer Einwohnerzahl von 101 719 bedürfti­gen Menschen entbehrten 6 pCt. jeglicher Heizvvrrich- tung, zu 3 pCI. konnten Licht und Luft nur durch den Treppenflur und Korridor gelangen. Sollte man es ferner überhaupt für möglich halten, daß es in Frankreich noch 219270 Häuser ohne Fenster gibt, so daß Luft und Licht nur durch die Thür en zu den un­seligen Bewohnern dieser Höhlen Eintritt erhalten. In Berlin lebten 1890 76,8 von 1000 oder zusammen 117 702 Menschen in Kellerwohnungen, 651629 in dunklen Hinterwohnungen. Bon 1000 Menschen wohn­ten 54 in einer Wohnung, die aus einem nicht heiz­baren Zimmer besteht, d. h. 3376 Wohnungen mit 8324 Bewohnern hatten kein heizbares Zimmer, 441,8 von 1000 bewohnen ein heizbares Zimmer mit einem Nebengelaß, oder anders ausgedrückt, in 183,291 Woh­nungen mit nur einem heizbaren Zimmer wohnten 676475 Bewohner, über 20000 dieser Berliner Woh­nungen beherbergten Haushaltungen mit sechs und mehr Personen.

Uebrigens nicht bloß in bitt Millionenstädten finden wir solches Wohnungselend. Die veran­stalteten Enquöte» bringen oollgiltige Belege da­für, daß in den meisten deutschen Großstädten nicht minder traurige Verhältnisse zu finden find. Ueber die Hälfte aller Wohnungen in Halle, Lübeck, Breslau, Magdeburg, Königsberg, Görlitz und fast die Hälfte aller Wohnungen in Altona, tannover und Dresden hatten nur ein heizbares immer. Die Wohnungen ferner mit nur einem heizbaren Zimmer ohne Zubehör, also überhaupt nur aus einer Stube bestehend, in der sich Mann und Weib, Kinder und nicht selten auch noch Schlafgänger bei Tag und Nacht aufhalte», machten in Köln ca. den achten, in München ca. de» sechsten Theil, in Breslau sogar zwei Fünftel

Freude beobachtete und in die richtigen Bahnen lenkte. Und der Schüler machte schnelle Fortschritte! Als sechsjähriger Knabe konnte er nicht nur Klavier und Geige spielen, sondern beherrschte auch die Orgel, die sein Vater beim Gottesdienste in der Kirche zu spielen hatte. Als sein Bater 3 Jahre später erkrankte, da konnte der neunjährige Knabe seines Vaters Stelle ver­treten. Die alten Fritzlarer sahen gern dabei an, mit welcher Geschwindigkeit der Kleine ays dem Pedal um- herlaufen konnte, denn die Orgelbank war viel zu hoch für ihn. Nachdem dann der Vater gestorben war, wurde zwar ein neuer Kantor angestellt, aber der neun­jährige kleine Nick hatte die Orgel tagaus tagein weiter zu spielen und dafür bekam er dann die Hälfte der Ein­nahme deS Kantors. ES war gewiß ein stolzeS und er­hebendes Bewußtsein für den Knaben, der seiner Mutter, die mit großen Sorgen zu kämpfen hatte, mit feiner Kraft auf diese Weise half und ihr LooS erleichterte.

BiS zu« 15. Lebensjahre verblieb Winand Nick in dieser Stellung, stets bemüht, seine musikalischen Fähigkeiten zu vervollkommnen, daneben aber vernach­lässigte er auch die Wissenschaften nicht, denen er auf der lateinischen Schule in Fritzlar oblag. Jetzt kam der erste Wendepunkt in Nick'S Leden» er verließ das Elternhaus und wandte sich nach Kassel und genoß hier den Unterricht von Ludwig Spohr» dem „ernsten und redlichen Meister feiner Kunst". Zwar erforderte das

der erstgenannten Bank gekommen, um Baargeld zu deponiren. Als er sich in der Vorhalle befand, trat ihm aus einer etwas dunklen Ecke an der Treppe ein elegant gekleideter junger Mann entgegen, der etwas in der Hand hatte, das sich später als eine schwere, in Zeitungspapier gewickelte Feile herausstellte. Diese in die Höhe hebend, raunte der junge Mann dem. alten Mellert mit heiserer Stimme die Worte zu: „Geben Sie das Geld her, Sie alter —" Im selben Augenblick sauste die Feile auf des alten Mannes Schädel nieder. Mellert taumelte, aber der Schlag war nicht wuchtig genug gewesen, um dem Bankboten die Besinnung zu rauben. Der alte Mann hielt krampfhaft sein Geldsäckchen fest, das ihm der andere zu entreißen suchte. Schließlich zerriß der Beutel, und die Goldstücke rollten mit vielem Geräusch die Treppe hinab. Dadurch wurden die Bankbeamten aufmerksam gemacht, daß irgend etwas auf der Treppe nicht in Ordnung war. Sie sprangen auf und schlossen die Hauptthür; dann warf sich der Hausmeister der Bank auf Louis Hays und hielt ihn so lange fest, bis Hilfe kam. Durch den im Gebäude angebrachten Diebes­alarm wurde die Polizei von dem Vorgefallenen in Kenntniß gesetzt; drei Polizisten eilten im Geschwind­schritt nach bet Bank und nahmen den mittlerweile völlig unschädlich gemachten Räuber in Empfang. Für Hays' wahnwitzige That, die natürlich das größte Aufsehen erregt, findet kein Mensch eine Erklärung. Simon Hays behauptet, daß sein Sohn seit einigen Jahren dem gewohnheitsmäßigen Morphiumgenuß er­geben sei und die That in einem Anfall von Geistes­gestörtheit begangen haben müsse.

* Was ein Hausknecht verdient. Gelegentlich eines Civilrechtsstreites zwischen einem Hausknecht und einem Hotelier in München wurde die überraschende Thatsache festgestellt, daß der erste Hausknecht nicht nur keinen Lohn bezog, sondern noch pro Monat an den Hotelier 180 Mark abzuliefern, die weiteren fünf Unterhausknechte mit Gehältern von 60 bis 80 Mark pro Monat zu bezahlen und die Straßenreinigung be­sorgen zu lassen hatte. Was muß dieser Mann wohl an Trinkgeldern einnehmen?

* Umschrieben. Hausfrau: „Warum sind Sie von Ihrer vorigen Stelle entlassen?" — Köchin: „Ich hatte eine Tasse zerbrochen." — Hausftau: „Das ist doch kein Entlassungsgrund." — Köchin: „Die Tasse war der Madame auf den Kopf gefallen."

* Ein andermal. „Warum hast Du mich nicht zu Deiner Verlobung eingeladen?" — „Na, laß 's gut fein — bei der nächsten hol' ich's nach!"

* Schwer ausführbar. „Denken Sie sich: Der Jürgen hat sich als Kapitän fünfmal aus Schiffbrüchen gerettet!" — „Ich fände es ehrenvoller, wenn er jedesmal mit den Passagieren untergegangen wäre!"

* Günstige Gelegenheit. Dame: „Ich hab' mich heute auf eine frisch gestrichene Bank gesetzt und mein Mann hat mir ein neues Kleid kaufen müssen!" — Freundin: „Wo ist die Bank?"

* Grob. Aeltliche junge Dame: „Aber das muß doch sehr langweilig sein, so lange zu warten, bis einer anbeißt!" — Angler: „Naja, Sie sollten'- doch wissen l"

Abermals ein Wendepunkt im Leben Nick'S! Jetzt begann für ihn eine Thätigkeit in dreifacher Beziehung: alS Gesanglehrer am Gymnasium Josephinum, als Direktor des Domchores und als Leiter des Oratorien« Vereines. In jeder Stellung leistete er Hervorragendes. Bis Ostern 1898, also 42 Jahre hindurch, wirkte er als Gesanglehrer am Josephinum; seinem Unterricht lag eine vorzügliche Methode zu Grunde und er erzielte mit feinen Schülern Leistungen, wie sie so leicht von keinem anderen Gymnasium übertroffen werden. Unter­stützt wurde er auch durch die jeweiligen Direktoren, so durch Direktor Müller, der — selber ein begeisterter Sänger — mit Nick eine feste Freundschaft knüpfte, die sich auch auf Müllers Nachfolger, Professor Adolf Kirchhoff und Direktor Beelte, übertrug. Seine Er­fahrungen im Schulgesang machte er weiteren Kreisen zugänglich durch Herausgabe eines trefflichen Lieder­buches, das bereits mehrfache Auflagen erlebte.

Schwieriger gestaltete sich für ihn die zweite Auf­gabe, die Pflege der Kirchenmusik; da gab es aller­dings für ihn mit dem frommgläubigen Gemüthe so recht erst innere Befriedigung, wenngleich fein Wunsch, die Kirchenmusik in Hildesheim zu idealster Höhe zu ge­stalten, durch die dortigen Verhältnisse sich nicht realifiren ließ. Er hatte viel zu kämpfen mit der Be­setzung des Domchores; die einzelnen Sänger und Sängerinnen tarnen aus Liebe zur Sache, und so blieb die Zahl eine beschränkte. Aber Nick verlor den Muth nicht und so hat er den Domchor bis auf den heutigen Tag durch alle Klippen kühn hindurchgesteuert. Groß ist die Zahl der Kompositionen Nick'S von Meffen, Litaneien usw.

Das größte Verdienst hat sich Professor Nick jedoch erworben als Leiter des Oratorien-Vereins in Hildes­heim, dessen Akten wohl den deutlichsten Beweis dasür liefern, welche Entwickelung die musikalischen Verhält­nisse Hildesheims unter feinem Einfluß genommen haben. Seine Musik stand schon damals wie auch heute über dem Bekenntnisse der verschiedenen Kon­fessionen und so übte er mit feiner Persönlichkeit einen gewissen moralischen Zwang aus auf die Hildesheimer, dem sie sich nicht entziehen konnten. Es gelang ihm, die beiden bestehenden Vereine, den katholischen und evangelischen, zu einem zu verschmelzen. Heute steht der Oratorienverein in Hildesheim auf einer Höhe, die von jedem Kerner geachtet und bewundert wird. Bei den einzelnen Aufführungen wird die Pflege der alten Klassiker nicht vernachlässigt, aber auch Meister der Gegenwart (Tinnel, Bruch, Grimm :c.) finden Berück­sichtigung. Besonders hervorgehoben sei an dieser Stelle, daß Professor Nick sich durch die Jnstrumentirung der Oratorien unseres Fuldaer Komponisten des hochw. Herrn Domkapitular Heinrich Fid. Müller ein hohes Verdienst erworben hat.

Fürwahr! Professor Nick hat viel gethan für das musikalische Leben in Hildesheim und es ist jedesmal icher, daß Aufführungen unter feiner Leitung nicht nur nit Spannung erwartet und herbeigesehnt werden, andern auch stets von den besten Erfolgen sind. Er ist in ernster Musik groß geworden und diese bildete auch später für ihn die Richtschnur bei den Konzerten, durch die er das Publikum geradezu erzogen hat. Sein Unterricht, der jeder übertünchten Oberflächlichkeit ab­hold ist, wird von allen Kunstjüngern sehr gesucht und von allen Sachverständigen geschätzt und anerkannt Als Kirchenkomponist und geistvoller Kontrapunktist hat Professor Nick in der musikalischen Welt einen guten Namen. Sein Wirken wurde von der Staatsregierung durch die am 2. Februar 1895 erfolgte Verleihung des Professoren titels anerkannt und seine hervor­ragende Tüchtigkeit auf kirchenmusikalischen Gebiete durch Verleihung des päpstlichen Gregorius- ordenS ausgezeichnet.

Mit eisernem Fleiße hat Proseffor Nick von Jugend auf das ihm von Gott verliehene Talent ausgebildet