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mit Anterhattungs -Aeikage „Illultrirte Sonntags-Zeitung" “Jä“
M 208.
JuLö«; Mittwoch, den 11. September 1901.
28. JahrgMg.
T Polen-Prozeffe.
Vor der Strafkammer des Landgerichtes in Thorn hat ein Prozeß gegen 60 polnische Studenten und Gymnasiasten begonnen, die der Geheimbündelet angeklagt sind.
Gymnasiasten sollen keine geheimen Verbindungen haben; das wiffen wir ja ganz genau. Denn solche Verbindungen werden in den allermeisten Fällen gegründet, um im Geheimen verbotene Trinkgelage zu veranstalten und allerhand Unfug außerdem zu treiben, was auf den Geist, auf die Moral und auf die ganze Entwickelung der Schüler nichts weniger als günstig einwirken kann. Aber wenn einmal eine solche Schüler- Verbindung entdeckt wird, dann gibt es kräftige Schulstrafen, vielleicht auch die Entfernung beS einen oder des andern Schülers von seiner Schulanstalt, und sonst weiter nichts. An die Anstrengung eines Geheimbund-Prozesses hat sicherlich in solchen Fällen noch Niemand gedacht. Wer es dennoch gethan hätte, würde vermuthlich für geistig nicht ganz gesund angesehen werden.
Die Gymnasiasten in Thorn haben nun ihren Schülerverein nicht zu dem schlechten Zwecke gegründet, um geheime Saufgelage zu feiern. Im Gegentheil — wer dem Trünke sich ergab, wurde aus dem Vereine ausgeschlossen. Die jungen Leute haben sich eifrig mit dem Studium von polnischer Geschichte und Litteratur beschäftigt. Sie haben sich allerhand Bücher zu diesem Zwecke angeschafft, und das kann man sicherlich keinem polnischen Gymnasiasten als Straf- that anrechnen, wenn er für sich, entweder für sich allein oder gemeinsam mit jungen Kameraden, neben dem Schulunterrichte in dieser Weise sich beschäftigt. Wenn deutsche Schüler an einem polnischen Gymnasium dasselbe thun würden, würde alsdann Jemand etwas daran auszusetzen haben? Auf keinen Fall! Wir würden das als einen sehr lobenswerthen Eifer bezeichnen, in deutscher Geschichte und Literatur nebenher die Lücken auszufüllen, die der Unterricht an dem polnischen Gymnasium nicht ausfüllt.
Die jungen Leute in Thorn haben freilich eine eigenartige Form gewählt zur Durchführung ihrer Absichten. Sie sind in einer Schlucht zusammengekommen, haben Wachen ausgestellt, um bei ihren Zusammenkünften nicht überrascht zu werden; ja sie haben den neu aufgenommrnen Mitgliedern so etwas wie Eidschwur abgenommen, niemals etwas von der Verbindung zu verrathen. Ist denn das ein Verbrechen? Wer ist nicht einmal jung gewesen und hat nicht den Hang zum Romantischen verspürt, der in aller jungen Menschen Herzen sein Wesen treibt? — und wer erinnert sich nicht auch gern und m'ck lebhaftem Vergnügen an die Aeußerungen jenes romantischen Hanges? Die Herren Richter, die da in Thorn über die 60 Jünglinge urtheilen sollen, kennen alle diesen Jugendhang aus eigener Erfahrung; wollte Gott, unsere jungen Burschen in den Gym-
Am ersten April.
Original-Roman von Ida John-Arnstadt.
20 ------ (Nachdruck verboten.)
Und er, Herr von Bernani, setzte hinzu: „Aber warum unser Neffe eigentlich so plötzlich abreist und wohin, das konnten wir doch nicht erfahren. Vielleicht eine Laune oder . . . eine unglückliche Liebe?"
„So waren Sie mit Herrn von Rettingshofen auf dem Bahnhöfe?" fragte Helene, an allen Gliedern bebend und nur, um etwas zu sagen.
Herr von Bernani lachte sie seltsam an. „Wie sagen Sie? Auf dem Bahnhofe? O nein; so weit find wir nicht vorgedrungen; nur in seiner Wohnung, in der Ringstraße, bei Frau Doktor Lam- pertus waren wir und trafen ihn schon zur Abreise gerüstet und in alten Briefen kramend." —
„Ja; doch sehr alt schienen mir die engbe- fchriebenen Bogen nicht zu fein*, lachte Madame; „ein ansehnlicher Stoß jedoch und jedenfalls lauter interessante Mittheilungen von Damenhand. . . O, diese Männer! . . . Nun fliegen jene duftigen Blättchen gewiß schon, zu Asche verbrannt, als unbestimmbare Theilchen im Weltall umher . . . Fräulein, Sie schneiden ja die Brodscheiben viel zu dick! Wie für Bauernkinder! Was machen Sie denn?"
Helene entschuldigte sich: „Ach, wie ungeschickt! Unsre Messer sind recht stumpf und müssen wirklich einmal wieder geschliffen werden." Dann strich sie Honig auf Weißbrodschetben für Nefly
nasien begingen niemals anders Streiche als den, gemeinsam sich mit Geschichte und Literatur zu beschäftigen. Wenn an einem deutschen Gymnasium mehrere französische Schüler sind und diese treiben dasselbe mit französischer Geschichte und Literatur, wer wird etwas dagegen einzuwenden haben? Niemand! Und darum ist es auf jeden Fall ungerecht, polnischen Gymnasiasten aus so unschuldigem Treiben einen Vorwurf zu machen, der sie sogar auf die An- klagebank treibt. Das ist nicht nur gar nicht vornehm, sondern auch ungerecht; und wenn die jungen Leute nichts Anderes gethan haben, dann müffen sie alle ohne Ausnahme fr ei gesprochen werden.
Gerade so, wie die Angeklagten aus dem sogenannten Gostyner Polenkrawall-Prozeß vor der Strafkammer in Lissa. In Gostyn war eine Versammlung gewesen, und dort sollten die Angeklagten dieses Prozesses verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gswaltthätigkriten ausgereizt haben. Nach den Berichten einiger deutscher ultranationaler Blätter sollte es ganz gräßlich zugegangen sein dort, so daß ausländische Zeitungen bereits über Polenaufstände in Preußen zu schreiben begannen .... Und was ist nun bei dem Prozesse herausgekommen? Nichts! Die Angeklagten find ohne Ausnahme freigesprochen worden, und die Behörden, die den Prozeß anhängig machten, stehen durchaus nicht mit Ruhm bedeckt da. Deutlicher gesagt: sie find blamiri!
Wo eine nationalpolnische Agitation wirkliche Uebergriffe sich erlaubt, da soll die Staatsbehörde gewiß und zwar kräftig ein» greifen. Aber mit solchen Kleinlichkeiten sollte die Behörde sich nicht in dieser Weise einlaffen. Sie nützt dadurch der deutschen Sache nichts, sondern macht sich selbst lächerlich und verschärft ohne jegliche Noth die nationalen Gegensätze noch mehr als bisher. Das ist ein Verfahren, das zugleich unklug ist und in seiner Kleinlichkeit geradezu prinlich wirkt. Soll denn das Ausland Gelegenheit bekommen, über eine Polenavgft der großen preußischen Staatsregirrung sich lustig zu machen?
Drntfches Keich.
Berlin, 10. September.
+ Die Aleich» Ii«a«ze« bilden fortdauernd einen Gegenstand wenig erfreulicher Betrachtungen bei den Osfiztösen. Gerade jetzt werden die Vorarbeiten für die Etats-Voranschläge gemacht, so daß die Veranlassung zu diesen verschiedenartigen Aeußerungen sehr nahe liegt. Nach der Verficht- rung der.Berl.Polit.Nachr/ nehmen die Centralstellen sehr bedeutende Herabsetzungen an den Ausgabe - Beträgen vor, wie sie von den einzelnen Aemtern angemeldet worden sind. „Bei der Prüfung der Anmeldungen der einzelnen Refforts soll gemäß der mit den Finanzministern der g'ößeren Bundesstaaten getroffenen Mrede nach den Regeln strengster Sparsamkeit verfahren werden," so wird versichert. Das sollte doch aber jedes Jahr geschehen, nicht nur diesmal; dann würde dem Reichstage viele überflüssige Arbeit gespart werden, und es würde auch beffer um die Reichs- Finanzen stehen. Daß an neue Reichssteuern oder
und dachte dabei, daß es wirklich ihre Briefe gewesen sein könnten, welche Frau von Bernani in ihres Neffen Hand gesehen und ob sie wohl ein Stündchen freie Zeit zum Abholen derselben erlangen würde, denn auf keinen Fall mochte sie Frau Doktor Lampertus, Juan's Hauswirthin, hierher bemühen; auf keinen Fall; schon Bernani's wegen nicht; sie wurde jetzt schon flammend roth bei dem Gedanken an die Möglichkeit, die Dame hier im Hause empfangen zu müffen.
Herr von Bernani fixirte sie scharf und fragte: „Fräulein Lipphold, sind Sie nicht ganz wohl? Seit gestern erscheinen Sie uns ganz nervös und wechseln merkwürdig oft die Farve; wollen Sie nicht einmal den Hausarzt fragen?"
„O, danke sehr; nein."
„Fehlt Ihnen wirklich nichts?"
Helene hätte aufschreien mögen: ,,Alles fehlt mir; mein Lebenslicht und mein Halt!" Doch sie schüttelte nur wehmüthig lächelnd den Kopf. „Nein, nein; ich bin vollkommen frisch; aber. . wenn Sie mir erlauben, gehe ich nach den Stunden ein wenig in's Freie."
„Himmel! Bei diesem Wetter!" rief Frau von Bernani mit hörbar erkünsteltem Tone und einem vielsagenden Blicke nach ihrem Gemahl hinüber, „ich bitte Sie! Wenn Sie sich erkälten! Die Kinder dürfen auf keinen Fall mitgehen .
„O ja, doch!-" entschied Franz Joseph, „worum sollen wir nicht hinaus bei einem kleinen Schnee- und Regenschauer und dem bischen Wind? Wir sind doch keine Baby's mehr und schon abgehärtet. Wozu haben wir denn unsere waffer- dichten Regenmäntel und Schirme und Galloschen?"
an eine sogen. Reichs-Finanzreform nicht gedacht wird, ist von anderen Regierungs-Organen so bestimmt versichert worden, daß man das wohl glauben muß. Auch in Preußen ist es mit den Finanzen weit weniger gut als bisher bestellt: Trotz möglichster Einschränkung des Ausgabe-Bedarfs im Reiche ist nach der Versicherung der,Berl. Polit. Nachr/ mit einem durch Ueberweisungen nicht gedeckten Bedarf an Matrikular - Umlagen von 50—60 Millionen Mark zu rechnen, während in dem Etat des laufenden Jahres nur ein solcher Bedarf von einer halben Million Mark vorgesehen war.
* Ueber die Anstellung verabschiedeter Hfstziere bei den preußischen Staatseisenbahnen ist folgendes verfügt worden: Nach den bisherigen Bestimmungen soll bei der Staatseisenbahnverwaltung von dem den Militäranwärtern vorbehaltenen Antheil an den Stellen für Betriebssekretäre und Stationsassistenten des Abfertigungsdienstes, sowie an den Stellen für Materialienverwalter zweiter Klaffe jede fünfzehnte Stelle vorzugsweise mit verabschiedeten Offizieren, denen die Aussicht auf Anstellung im Civildienst verliehen ist, besetzt werden, sofern ordnungsmäßig ausgebildete und geprüfte Anwärter aus dem Offizier- stande vorhanden sind. Mit Rücksicht auf die Bereinigung der Anwärterlisten für die Stationsassistentenstellen des Bahnhofs- und Abfertigungsdienstes wird diese Bestimmung auch auf den Bahnhofsdienst ausgedehnt, sodaß sie fortan auf jede fünfzehnte Stationsassistentenstelle beider Dienstzweige ohne weitere Trennung anzuwenden ist. Die Stellen der StationSasststenten für den Telegraphendienst und der Stationsverwalter werden von der Anordnung nicht berührt.
h Krem HnrnSirmex Mordprozeß. Der Rechtsanwalt Horn, einer der Vertheidiger des Sergeanten Hickel und des Dragoners Marten, veröffentlicht eine« Aufruf zur Geld- sammluug für die beteiligten Personen, nämlich den Sergeanten Hickel, den Wachtmeister Bupperf u , den Vizewachtmeister Schneider und der. Unter- ffizier Domning, weil die Militärverwaltung ' -cht weiter mit ihnen kapituliren will und diese L ute dadurch geschädigt werden. Sie verlieren vaourch nicht nur die Anwartschaft auf die Dienstprämie von 1000 Mark, sondern auch da- Recht auf Ztvilversorgung. Die Härte, die diesem Verfahren innewohnt, ist unleugbar. Aber das von dem Rechtsanwalt Horn eingeschlagene Verfahren der öffentlichen Agitation ist nicht zu billigen, weil sie die Manneszucht im Heere gefährdet. Die Zeitungen werden gut daran thun, der Aufforderung des Rechtsanwaltes Horn zum freiwilligen Nachdrucke des Aufrufes nicht zu folgen, obwohl man nicht billigen kann, daß Zeugenaussagen vor einem Kriegsgerichte von der vorgesetzten Behörde in dieser Weise gemaßregelt werden. Zwei der Leute dienen bereits im elften Jahre, nämlich Buppersch und Schneider.
h. WaareuHiMS-Ilntrruehnmuge«. Das Neueste und Großartigste auf dem Gebiete der Auswüchse bei dem Betriebe der Waarenbazare ist die Eiöffnung einer Singspielhalle durch ein solches Waarenhaus in Dortmund. Zu welcher Waarenklasse wird denn nun diese Singspielhalle gerechnet? Man ersteht daraus
Und auch Nefly bat rührend sanft: „Süße Eltern, nicht wahr, wir dürfen mit?"
Doch alles Bitten half diesmal zur Verwunderung der Kinder nichts; der Hausherr gebot in strengem Tone: „Ihr bleibt zu Haus, damit basta!" worauf sich fein Söhnlein kühn und frei zu bemerken erlaubte: „Heute so, morgen so: entweder man wird bei Wind und Wetter hinausgeschickt oder in Watte verpackt hinter den Ofen komman- dirt . . . Aprilslaunen!"
Diese naseweise Rede bekam dem Knaben aber schlecht. „Hinaus, du Range!" befahl der ernstlich erzürnte Vater und schob den liebenswürdigen Sprößling nicht eben blumenzart bis vor die Wohnzimmerthür und Frau von Bernani sagte zu Helene: „Gehen Sie nur, — liebes Fräulein; zu Tisch sind Sie ja doch wohl wieder da?"
„O gewiß", antwortete Helene, innerlich auf- athmend; dann begannen die Unterrichtsstunden drüben im Schulzimmer, freilich nicht ohne ein ernstes Vor- und Mahnwort aus der Erzieherin Munde an Franz Joseph, den rebellischen Sohn.
„Aurel, wir haben unsere Rolle brillant gespielt; sie hat keinen Schimmer von unserer Wissenschaft", sagte Frau von Bernani indeß im Wohnzimmer zu ihrem Eheherrn, der listig und lustig in seinen Blondbart hineinlachte: „Famoser Witz! . . Diesmal, Julietta, bist Du mir über gewesen an Schlauheit und Verstau», und ich bin ganz zufrieden, daß ich Dir gefolgt habe und mitgefahren bin zu dem Jungen. „Es war doch einzig, wie wir die Handschuh- und Taschentuchbombe an fein Fenster hinaufgeworfen haben!"
von Neuem, daß das preußische Waarenhaus- steuer-Gesetz unzulänglich ist, wie es alle solche Gesetze auf dieser beschränkten Grundlage sein werden; und daß auch die Gewerbefreiheit zu einer Schrankenlosigkeit geworden ist, deren Erscheinungen häufig sehr zu Zweifeln an ihrer Vortresflichkeit reizen.
X Die durchgehende Arbeitszeit macht Fortschritte bei uns in Deutschland. Die Buchdrucker streben nach der Einführung derselben, wo es nur irgend angängig ist, und mthrfach haben neuerdings auch Unternehmer mit gutem Erfolge Versuche damit gemacht. So wird von einer württembergischen Pianofortesabrik berichtet, daß sie neuerdings ihre Arbeitszeit vo.n 71/2 Uhr Morgens bis 5 Uhr Nachmittags gelegt und um 12 Uhr eine halbstündige Mittagspause eingelegt hat, während deren die Arbeiter die Fabrik nicht verlaffen dürfen. In den heißen Sommertagen haben die Arbeitsleistungen nach der Mittagspause ganz erheblich nachgelassen; da merkte man, daß den Arbeitern die gewohnte längere Ruhe fehlte. Aber während der kältern Jahreszeit ist diese Schlaffheit weniger bemerkbar gewesen. Die Fabrik will die durchgehende Arbeitszeit für den bevorstehenden Winter beibehalten, womit sie nicht nur den Wünschen der Arbeiter entgegenkommt, sondern auch sich selbst Vortheile verschafft. Es braucht nicht so viel bei künstlicher Beleuchtung gearbeitet zu werden, sodaß daraus Ersparnisse erzielt werden. Außerdem wird das beste Arbeitslicht während den Mittagsstunden von 11 bis 3 Uhr erheblich besser als vorher ausgenützt.
* Wird das chehakt de« Bolstssch«!- k-yrer« während des Militärdienstes weitergezahlt? Zum Militärdieuste der Volksschullehrer besteht in beteiligten Kreisen Ungewißheit darüber, ob die Lehrer, welche bereits „einstweilig" angestellt sind und erst jetzt zur Ableistung ihrer Militärpflicht herangezogen werben, Anspruch anfFortgewährung ihres Sehaltes beziehungsweise eines Tyeiles davon haben. Eine allgemeine Verordnung hierüber ist nicht ergangen; im Gegentheil hat das Ministerium gelegentlich einer bezüglichen An- frage ausdrücklich erklärt, daß es hierzu keine bestimmte Vorschrift geben, sondern den königlichen Regierungen zu der ersorderlichen Regelung nach Möglichkeit freie Hand lassen wolle. Aus der Antwort des Ministeriums geht aber unzweifelhaft hervor, daß der Wunsch besteht, die unvermeidlichen Schwierigkeiten der Uedergangs- zrit möchten bet Erledigung derartiger Fälle gemildert werben. In einem bereits vorliegenden Falle wirb mit Zustimmung bet Regierung die Schulstelle dem schon einstweilig angestellten Lrhret während seines Militärjahres offen gehalten. Es ist für ihn ein Vertreter bestellt, der indeß nicht Anspruch auf das ganze Gehalt hat, sondern nur die üblichen Vertretungsgelber erhält; ber überschießenbe Theil verbleibt dem beim Militär befinblichen Lehrer. In einem anderen Falle, wo sich bei dem herrschenden Lehrermangel eine Kraft zur Vertretung nicht bi schaffen ließ, haben die Kollegen des im Militärdienst befindlichen Lehrers dessen Unterrichts stunden übernommen; sie beanspruchen dafür eine geringere, als die gesetzmäßige Entschädigung, so baß bem Inhaber der
„Großartig! Und wie gut Du trafst!"
„Und wie er herunterschrie: „Wer da?" und dann erkannte, daß wir es waren, mitten in der Nacht!"
„Das Allersehenswertheste war doch des jungen Baumeister Neideck's Gesicht, als Boris uns oben beichtete. Du hast das vielleicht gar nicht so bemerkt, Aurel, denn Du hattest nur Ohren, zu hören, aber keine Augen . . . Du standest da mit gesenktem Kopfe und krummem Rücken und ließest Dir erzählen und schüttelst immer Dein weises Haupt vor Verwunderung."
„Na, da soll Einer nicht „baff" sein, wenn zwei so feindliche Elemente wie Boris und unser famoses Fräulein, längst und innerlich verbunden mit Amor's Ketten, sich vor Haß vergiften möchten, weil sie keine Ahnung haben von ihrer beiderseitigen innigen Liebe zu einander!"
„Ja; es ist zum Tobtlachen . . . Wenn eS nur gut ausgeht! Boris ist seiner Sache bei Fräulein doch gar nicht gewiß; im Gegentheil . . ."
„Keine Sorge, Julietta! Die kriegen sich heute noch!"
„Na, na! . . . Wenn der junge Neidkck nicht so entschieden darauf gedrungen hätte, baß unser halber N-ffe Dir und mir reinen Wein einschenke, Boris wäre wirklich und wahrhaftig abgebampft auf Nimmer wieder kehr und fammt seiner Helene kreuzunglücklich geworden. Meinst Du nicht auch, Männe?"
„Ja, ja; schon möglich! Darum eben war es gut, baß wir htnkamen."
„Glaubst Du, baß bas Fräulein ihn liebt?"