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mit Zlnterhaltungs -Beilage „Jü'ustrirte Sonntags-Zeitung" peterszaffe llr. 2 (Harmonie).
M 207.
G Zum Besuche des Zaren.
Diese Woche wird der Zar der Gast deS deutschen Kaisers sein. Am Mittwoch wird er von Kopenhagen her in den Danziger Gewässern an Bord seiner Jacht eintreffen, schon auf hoher See vom Kaiser empfangen. Sein Aufenthalt soll noch dem vorliegenden Programm jedenfalls bis zum Freitag dauern.
Die Zeiten sind längst vorbei, in denen die Gestaltung der deutschen Politik in einem Verhältnisse der Abhängigkeit zu der Politik des gewaltigen Rvffenreiches stand. Das Deutsche Reich steht äußerlich nicht so gewaltig wie Rußland da, aber an Macht ist es ihm ebenbürtig, und den Russen liegt mindestens ebenso viel an der deutschen Freundschaft, wie uns Deutschen an der Aufrechterhaltung des guten Verhältnisses zu Rußland. Nichtsdestoweniger ist es uns sehr erwünscht, daß die Mißstimmung wieder beseitigt ist, die unter dem Vorgänger des gegenwärtigen Zaren zeitweise zwischen Berlin und Petersburg herrschte; und wenn der Kaiser den Beherrscher aller Reußen als Gast empfängt, empfinden dabei alle Deutschen ein angenehmes Gefühl der politischen Beruhigung.
Gerade jetzt ist dieses Gefühl doppelt angenehm. Die Gegner der herrschenden deutschen Zollpolitik haben sich Monate lang die allergrößte Mühe geaeben, uns einzureden, daß wir auf dem besten Wege zur handelspolitischen Verfeindung mit Rußland seien. Eine ganze Lügen- fabrik war entstanden, aus der die ungeheuerlichsten Falschmeldungen hervorgingen über deutschfeindliche Maßregeln der russischen Regierung; aber eine dieser Meldungen nach der anderen wurde durch amtliche Kundgebungen aus P-tersburg widerrufen und aus der Welt geschaffl, und es ist auch nicht das Geringste davon übrig geblieben, aus dem man einen irgendwie berechtigten Schluß ziehen könnte auf das Bestehen von Verstimmungen zwischen Berlin und Petersburg.
Verdächtiger in diesem Sinne war eine Zeit lang die Gestaltung der Dinge in Ostasien. Man argwöhnte, daß die Einsetzung des Generalfeld- marschalls Grafen Waldersee als Oberbefehlshaber der vereinigten Truppen in Pttschili bei dem Zaren einen unangenehmen Eindruck her, vorgerufen habe, oder doch wenigstens die Art mnd Weise dieser Einsetzung. Daß der Reklame- tamtam, mit dem der Feldmarschall durch die schier unglaubliche Geschmacklosigkeit gewisser Berichterstatter aus Deutschland hinausbegleitet wurde, nirgends sehr angenehm berühren konnte, stand ja auch fest. Aber wenn thatsächlich auch der Zar diese unangenehme Berührung an sich empfunden hat, so ist sie im Laufe der darauf solgenden Zeit wieder vollkommen verwischt worden. Daß es so ist, beweist die Auszeichnung des Grafen Waldersee mit dem höchsten russischen Orden alsbald nach seiner Rückkehr aus China, beweist ferner die Thatsache, daß der russische Kaiser wiederholt Kundgebungen der Befriedigung über den Verlauf der chinesischen Dinge nach Berlin gelangen ließ. Es war also nichts mit dem Ucheil verkündenden Eulen- gcschrei!
Am ersten April.
Original-Roman von Ida John-Arnstadt.
19 ------ (Nachdruck verboten.)
Helene blickte betroffen auf: ,/So hat die Herrschaft Herrn von Rettingshofen zur Bahn geleitet?"
„Jedenfalls, gnä' Fräulein; ich war nicht auf; der Friedrich hat mir'« nur erzählt . . . Aber es muß doch kein trauriger Abschied gewesen sein, denn die Gnädige soll immerfort gelacht und unfern Herrn gefragt haben: „Was sagst Du nur dazu? Nein, dieser Boris!" Und er, der Herr, hat abgewinkt, als wenn sich'S um ein Staats- geheimniß handelte. Aber gewiß ist der Herr Reffe Minister geworden oder sonst ein großes Thier in Petersburg oder Kamerun! Die Gaben hat er ja dazu . . . Jetzt will ich aber nicht länger schwätzen, sondern Ihr Frühstück holen und das Feuer schüren, daß alles praffelt und wettert, damit Sie warm werden."
Helene stand kopfschüttelnd und wußte nicht, was sie denken sollte: er war fort und Frau von Bernani, die ihn doch wie einen Bruder liebte, konnte lachen!
Unglaublich.
Ach, und wenn die strengurtheilende Frau eine Ahnung bekäme von ihrem Briefwechsel!
Plötzlich und unwillkürlich öffneten sich Helenes Augen groß und weit; ihr Herz drohte still zu stehen: wenn der schwer von ihr Gekränkte sie verrathen und Frau von Bernani über sie, die Thörin, gelacht hätte!
IrrLöa, Dienstag, den 10. September 1901..
In Frankreich hat man sich bemüht, den Besuch des Zaren bei dem deutschen Kaiser vor der Reise des Zarenpaares nach Frankreich als eine flüchtige äußere Form der Monarchenhöflichkrit darzustellen, nur zu dem Zwecke, damit in Berlin keine Eifersucht auf Frankreich entstehe. Man ist sogar noch weiter gegangen, indem man das nahe bevorstehende Ende des Dreibundes und den wahrscheinlichen Anschluß des Königreichs Italien an den russisch-sranzöfischen Zweibund als eine weitere Folge des Zarenbesuches in Frankreich der Welt vorzugaukeln suchte. Ernsthafte Leute haben fich durch diese Phantastereien zwar nicht einen Augenblick lang beirren lassen. Dessenungeachtet ist gerade in diesen Tagen die sehr bestimmt abgegebene Versicherung des leitenden römischen Regierungsblattes nicht unwillkommen gewesen, daß an ein Abschwenken der italienischen Politik von den Bahnen des Dreibundes durchaus und in keiner Weise zu denken sei; denn damit sind jene Wahnvorstellungen auch sür die ängstlichsten Zweifler b°seitigt worden. Und da es sich nicht nur um flüchtige Begrüßung des deutschen und russischen Kaisers von Schiff zu Schiff auf offener See handelt, sondern um einen mehrräaigen Besuch des Zaren, wobei die beiden Monarchen von ihren leitenden Staatsmännern begleitet fein werden, ist auch jene erste französische Auffassung widerlegt, die den Zarenbesuch in Deutschland als eine politisch bedeutungslose, äußerliche Form der noth- wendigsten Höfl chkeit kennzeichnen wollte.
Kaiser Nikolaus mag nach Danzig getrost auch der französischen Republik seinen Besuch abstatten — wir Deutschen werden darum nicht eifersüchtig! In beiden Veranstaltungen erblicken wir mit B-friedigung erneute Anzeichen sür die friedliche Gestaltung der europäischen Politik, und in diesem Sinne heißt auch das deutsche Volk den Zaren doppelt gern willkommen innerhalb der Grenzen des deutschen Reiches!
Deutsches Deich-
Berlin, den 9. September.
ti. Der Kaiser hat an den Präsidenten Mac Kinley folgende Depesche gesandt: „In tiefe Trauer versetzt durch die Nachricht von dem ruchlosen Attentat auf Ihr Leben, spreche Ich Ihnen Mein und des ganzen deutschen Volkes Mitgesühl mit Ihnen und mit dem Kummer aus, von dem das Land betroffen worden ist. Möge Gott Ihnen sichere und schnelle Genesung schenken." Auch an die Gemahlin des Präsidenten sandte der Kaiser in seinem und der Kaiserin Namen ein Beileidstelegramm.
* Dem verstorbenen Staalsmittister Dr. »Ott Miquel widmet der .Reichs- und Staatsanzeiger' in seinem nichtamtlichen Thrile folgenden Nachruf:
Mit ihm ist ein Leben zur Rüste gegangen,' das, wie wenige, der Größe des Vaterlandes gewidmet war. Bom Beginn seines politischen Lebens an, in hannöverscher Zeit, als einer der führenden Männer des Nationalvereins, hat Johannes v. Miquel für des deutschen Vaterlandes Einigung unter preußischer Führung geworben und gekämpft. Und als das Reich wiedererstanden war, hat er an seinem inneren Ausbau, an der grundlegenden Gesetzgebung des Reichs thätigsten Antheil genommen. Kaum einer der wichtigen gesetz-
Doch nein; das konnte nicht sein; so unedel war ihr angebeteter Juan nicht! Aber um ihre Ruhe war eS nun vollends geschehen; hastig, ohne alles Behagen trank sie ihre« Kaffee aus und wußte kaum, daß sie es that; obgleich das Feuer im Kaminofen hellauflodernd brannte, fror und zitierte sie doch so sehr, daß sie kaum ihre Frisur ordnen oder eine Schleife binden konnte.
Endlich war ihr Anzug beendet und Helene war im Begriff hinunterzugehen, als Trincheu von Neuem anklopfte: „Gnä' Fräul'n, ich bitt' gar schön: einen Brief bring' ich; vom Postboten.
„Gewiß aus Berlin von Mutt-rchen!" rief das junge Mädchen erfreut und eilte, Trinchen das Schreiben abzunehmen.
Wie aber wurde ihr um das Herz, als sie es in der Hand hielt und betrachtete!
Es war nicht rofenfarben wie die anderen postlagernd erhaltenen; auch stand nicht „Ch. Haffard Nr. 100" auf der Adresse, sondern ihr wirklicher Name „Fräulein Helene Lipphold", aber sie wußte doch, daß der Brief von ihm kam; diese Handschrift hatte nur einer.
Was mochte er ihr noch zu schreiben haben?
Sie waren ja für immer von einander geschieden und sie hatte ihm alle Korrespondenz verboten gestern Abend; nun doch dieser Brief?
Zuerst konnte sie sich gar nicht dazu entschließen, ihn zu öffnen; doch die Zeit verstrich; sie mußte hinunter, der Köchin Verschiedenes herauszugeben, die Haushaltungsbücher zu ordnen und beiden Kind-rn Unterricht zu ertheilen; es war der erste April, ein Tag, an welchen allerlei kleine Scherze in Szene gesetzt wurden und sie
geberischen Akte Ijener Zeit, der nicht seine auf daS Große gerichtete, von lebendigstem, nationalen Gefühl getragene Mitwirkung aufweise. So hat er fich dauernd einen Platz gefichert unter denen, die auf des deutschen Volkes Dankbarkeit Anspruch haben. Nach mehrjähriger erfolgreicher Thätigkeit an der Spitze großer kommunaler Gemeinwesen durch das Vertrauen seines königlichen Herrn zur Leitung des preußischen Finanzministeriums berufen, hat er an dieser Stelle in nahezu elfjähriger rastloser Thätigkeit fich ein unvergängliches und unbestrittenes Verdienst um die Festigung und Entwickelung der Finanzen Preußens erworben. Mit großem Wurfe in einer den Anforderungen der Wissenschaft wie den Bedürfnissen der Praxis gleichmäßig entsprechenden Weise hat er das System der direkten Steuern von Grund aus reformirt und damit der staatlichen Finanz- «ebahrung für alle Zeiten den festen Rückhalt gegeben. Eine Fülle weiterer Maßnahmen — unter denen wir nur das Gesetz über die Staatsschuldentilgung und den Staatshaushalt nennen wollen hat die weiteren Etappen gebildet aut dem Wege der Sicherung ur.b Konsolidirung des staa-lichen Finanzwesens. Diese Maßnahmen gewährten zugleich die Möglichkeit, auf allen Gebieten staailichen Lebens Mittel in einem gegen früher wesentlich erhöhten Maßstabe zur Verfügung zu stellen und so die Kulturaufgaben des Staats nachhaltig zu fördern. Bis wenige Monate vor s-inem Hinscheiden seines Amtes wallend, mit nie nachlassender Hingebung und nie ermüdender Arbeitskraft, ruht er nun aus nach einem reich gesegneten Leben. An seiner Bahre trauern die mit ihm wirken durften, und ihm Liebe und Verehrung treu im Herzen bewahren werden für alle Zeiten.
X Der Notschalter Jürss Ktttl-Röttrg itt Wie« ist seit einiger Z-tt der Zielpunkt verschiedener Angriffe, die in der Berliner .Vosstschen Zig.' systematisch gegen ihn mit der Behauptung gerichtet werden, baß der Botschafter nur den kleineren Thetl des Jahres auf seinem Posten in Wien zubriuge. Nun hat in Erwiderung darauf die Wiener »Neue Freie Presse' eine Kundgebung gebracht, die wie eine Vertheidigung des Fürsten aussieht oder anssehen soll, aber recht verdächtig klingt. Es sind darin dunkel gehaltene Ausfüh- rungen des Inhaltes aufgetischt, daß eine in hoher Berliner Stellung befilidliche Perfönlichkeitjene Ausfälle in der,Voss.Ztg.' veranlasse. . .Immer derselbe Herr, der bereits die Hand beim Sturze Bismarck's im Spiele hatte — der „Stert mit den Hyänenaugen", wie ihn der Altreichskanzler nennte — es ist derselbe, der beim Falle Capri- v,'s witgewirkt hat, es ist eidlich derjenige, der bei offenen Angriffen in der Preffe das big lerne Mittel dcs Duells wählt, um sich etwaiger Widersacher zu entledigen ..." So erweitert ein Berliner Sensationsblatt, das allerdings gewissen Hofkreisen nahe steht, die Darlegungen deS Wiener Blattes. Außerdem soll danach Fürst Eulenburg s.lbst der Verfasser des Artikels in der »Neuen Fr. Pr/ sein. Fürst Eulenburg stellt indessen in einem Telegramme an den Staatssekretär Freiherrn v. Richthofen fest, daß er durch diesen Artikel „höchst unangenehm berührt sei", und daß er sich das „perfide Eintreten sogen. Freunde verbitte". Gott bewahre uns oor einer erneuten Auslage der alten Hofkamarilla!
h Keine nette« Aeichsstetter«. Jetzt wird auch noch in der oberofftjiöfen ,Norddeutschen Allgem. Zeitung" ein Geschütz abgefeuert gegen die Gerüchte von neuen Reichssteuer-Vorlage«. Die Kundgebung lautet:
„In jüngster Zeit ist in bet Preffe mehrfach das Gerücht verbreitet worden, daß an den neuen Zolltarif sich eine Reichs-Flnanz- reform anknüpfen und daß regierungsseitig dabei an Erhöhung bestehender wie an
ihren Gehalt ausgezahlt bekam, von welchem sie noch vor Tisch einen Theil an ihre Mutter zu senden pflegte. Dies alles hätte sie nicht gekonnt mit der Ungewißheit im Herzen. Also „mit Gott" dachte sie, öffnete den Umschlag und las, was da geschrieben stand auf dem weißen, geduldigen Papiere, wie ein Gruß aus weiten Fernen:
«Mein ewig und schmerzlich geliebtes Mädchen!
Weil Du es willst, füge ich mich Deinem grausamen Ausspruche und gehe für immer auS dieser Stadt, denn ich könnte nicht in Deiner Nahe leben, ohne Dir mit jedem Blicke und mit jedem Ausspruche zu sagen: ich liebe Dich! Lache ihn nur aus, den Thoren, der es so schnell gelernt hat, da heiß zu lieben, wo er haßte; ja, wirklich haßte, weil er Dich nicht kannte in Deiner Hoheit und Seelenschöne, nicht wußte, daß Du Einzige, Unübertreffliche eS warst, an die er seine Seele verloren durch die Briefe, von welchen er sich nun trennen soll.
Bevor ich sehend wurde heute Abend im Theater, wähnte ich mich gefeit gegen die irdische Flamme, der wir alle opfern; ich wollte mein Ideal wohl verkörpert kennen lernen, aber nicht begehren; ich wollte es sehen und bann wünsch- los in die Oede und Einsamkeit meines Lebens zurückflüchten, denn öd' und einsam ist es überall, wo Du nicht bist, im dichtesten Menschengedränge, bei Freunden und Verwandten. Jetzt kann ich nicht neben Dir leben ohne das Verlangen, Dich mein zu nennen. Wie wollte ich Dich auf den Händen tragen als mein holdes, schönes, geliebtes Weib! Alles, waS ich habe.
28. Jahrgang.
Einführung neuer Reichssteuern gedach werde. Wie wir au« zuverlässiger Quelle erfahren, entbehren diese Gerüchte jeder thatsäch- lichen Grundlage."
Hoffentlich reden die Offiziösen nach zwei Jahren noch in derselben Tonart wie heute!
* Gegen die Bildung einer Aotottiatar«ee hat fick wie daS »Berliner Tageblatt' „aus einer Quelle, die sehr gut unterrichtet ist" gehört haben will, das Kriegsministerium entschieden ausgesprochen. Im Werke ist demnach also doch etwas, nur ist wohl noch keine Entscheidung getroffen.
* Die reichsgesetzliche Iiegekttng der AittderarSeit im AausgeweröeSetrieö, die fich bekanntlich in der Vorbereitung befindet, soll, so wird berichtet, insbesondere auch die Beschäftigung schulpflichtiger Kinder durch ihre Eltern ins Auge faffen. Hier soll hauptsächlich verhindert werden, daß in Großstädten Kinder im schulpflichtigen Alter Morgens vor dem Beginn des Schulunterrichts zum Austragen von Zeitungen und Backwerk verwendet werden. Das ist eine heikle Materie, deren Regelung größte Vorsicht erfordert, soll nicht das gesetzliche Eingreifen, statt zur Wohl- that, zur unerträglichen Härte werden. Gewiß ist es zu beklagen, wenn man sehen muß, wie Kinder von 8, 9 Jahren an und älter Morgens schon von 5 Uhr an aus der Ruhe, die ihnen so «othwendig wäre» gerissen werden und bann burch die Straßen eilen, um Zeitungen und Backwerk in den Häusern abzuliefern. Aber die unerbittliche Macht der Verhältnisse nöthigt nur zu oft dazu. Speziell mit dem Austragen der Zeitungen beschäftigt sich in Berlin — und in anderen Städten wird es ähnlich fein — eine erhebliche Zahl Wittwen mit Kindern, die dabei natürlich auch letztere mit heranziehen und auf diese Weise sich reblich ernähren. Würde ihnen die Verwendung der Kinder dabei untersagt, so könnten sie bas nicht mehr. Will man ihnen bie Unterstützung durch die Kinder nicht mehr gewähren, bann muß man ihnen zuvor ausreichenden Unterhalt verschaffen. Aber es ist zubem noch sehr bie Frage, was ben Kindern am nachtheiligsten ist: ein längerer Aufenthalt in Mohnräumen mit einer Lust, bie das Athmen erschwert, oder bie Bewegung in frischer, freier Atmosphäre, — vorausgesetzt, baß bie Kinder Abends zeitig schlafen gehen. Ein schab- lonenhaftes Reglementiren vom grünen Tisch airs könnte gerade auf dies m Gebiete großes Unheil anrichten.
• Danzig, 9. Sept. Wie von zuständiger Stelle versichert wird, kommt der Zar keineswegs in die Stadt Danzig ober auf die kaiserliche Werst. Alles wird sich vielmehr auf der See abspielen. Der Ehrendienst für den Zaren muß schon von 7 Uhr früh am Mittwoch bei Heia sich bereit halten. Kaiser Wilhelm fährt dem Zaren auf der Hohenzollern entgegen. Es findet eine Parade der Flotte vor dem Zaren und Abends 8 Uhr ein Diner statt, zu dem besondere Einladungen ergehen. Die Abreise deS Zaren ist nach den bisherigen Bestimmungen für Freitag zu erwarten,
* Aöttigsverg, 9. Sept. Die Kaiser- tage in Königsberg sind zu Ende. Der hätte ich Dir zu Füßen gelegt und Dich lebens- lang hoch und werth gehalten.
Es hat nicht sollen fein. Du verurtheilst mich zum Zweifel an allem, was hoch und schön und heilig ist, denn nun ich Dich untreu weiß gegen Dich selbst, indem Du ben aufgibst, dessen Seele Dein eigen war, nimmst Du Dir die Krone und mir ben Glauben.
Ich kann es noch viht fassen, doch ich füge mich. Wenn biefe Zeilen in Deine Hände gelangen, bin ich längst Über beS Reiches Grenze, einer bunllen, freubenarmen Zukunft ungewiß entgegentaumelnd, ja taumelnd, denn Halt und Weg sind mir unklar und gleichgültig.
Dein Bild aber wird ben Einfamen umschweben unb ihm Stern unb Führer fein, auf baß er nicht zu tief falle.
Auch Deinen letzten Wunsch, meine Königin, erfülle ich blutenben Herzens: ich gebe Dir Deine Briefe zurück, so schwer es mir wirb, mich von ihnen zu trennen; wohlverpackt und versiegelt übergebe ich dieselben meiner $au8« roirtbin, welche sie Dir morgen Nachmittag persönlich Überbringen wird, wenn Du nicht vor- ziehen solltest, sie heute selbst bei ihr abzuholen.
Lebe wohl.
Aus ein Wiedersehen hofft bis zu seinem letzten Athemzuge und über das Grad hinaus
Dein
Juan. (Boris von Rettingshoseu.)" „Fräulein, ausmachen!" riefen draußen bie zur Treppe herausstürme nden Kinder, doch Helene war nicht im Stande, ju antworten oder sich zu rühren; wie ein Steinbild saß sie ba;