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mit Nnteryaüungs -Beilage „Jllulirirte Sonntags-Zeitung" PetersgaKe Nr. 2 lLarmoniel.

M 206.

Jutöa, Montag, den 9. September 1901.

28. Jahrgang.

[] Johannes von Miquel f.

Gestern Vormittag erhielten wir folgende 'Depesche, die wir sofort durch Aushang den Bewohnern der Stadt zur Kenntniß brachten.

Irankfnrt a. M., 8. S-pt. Der frühere Staats- und Finanzminister Dr. Johannes von Miquel wurde heute Morgen kurz nach 8 Uhr tobt in seinem Bette ausgefunden. Eine Schlaganfall hat während der Nacht feinem Leben ein Ziel gesetzt.

Nur wenige Monate hat also der am 5. Mai. d. IS. aus dem Staatsdienste entlassene Minister sich des Ruhestandes erfreut. Johannes v. M'qrel war geboren am 21. Februar 1829 zu Neuenhaus in Hannover und ließ sich An­fangs der 50er Jahre in Göttingen als Rechts­anwalt nieder, wo er durch seine gerichtliche und politische Thätigkeit bald großes Aufsehen erregte. 1864 wurde er in die zweite hanno­versche Kammer und 1865 von der Stadt Osnabrück zum Bürgermeister gewählt, wo er 1869 den Titel Oberbürgermeister erhielt. 1870 übernahm er die Stelle eines Direktors der Diskontogesillschaft in Berlin, 1876 kehrte er als Oberbürgermeister nach Osnabrück zurück und wurde 1880 Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. Im Jani '1890 wurde er zum preußi­schen Finanzminister ernannt, welches Amt er bis Anfangs Mai 1901 verwaltete, wo er wider Willen sein EntlaffungSgesuch einreichen .mußte.

Im Jahre 1867 war Miquel auch von der Stadt Osnabrück in das preußische Abgeordneten­haus gewählt worden, dem er bis 1882 ange­hörte, wo er auf Präsentation der Stadt Frank­furt in das Herrenhaus berufen wurde. Dem Norddeutschen und dem Deutschen Reichstage ge­hörte er von 1867—1877 an, wo er zu den Führern der Nationalliberalen gehörte. Im Jahre 1.887 "nahm er wieder ein Reichstagrmandat an, das mit seiner Ernennung zum Minister erlosch.

Die politische Thätigkeit dieses hervorragenden Mannes, die für die Dinge in Preußen und in Deutschland von großem und nicht immer segens­reichem Einfluffe gewesen ist, zu würdigen, werden wir in den nächsten Tagen Veranlassung und Ge­legenheit haben.

lieber Miquels letzte Stunde schreibt ein Mit­arbeiter der .Franks. Zeitung': „Man war im Hause MiquelS nicht gänzlich unvorbereitet auf eine

Am ersten April.

Original-Roman von Ida John-Arnstadt.

18 ------ (Nachdruck verboten.)

Länger konnte es Helene nicht aushalten, die Anfreiwrllige Lauscherin zu spielen; sie trat her­vor und „Fräulein l „O, Fräulein, endlich kommen Sie!" tönte es um sie herum. Frau von Bernani ließ den Arm ihres Gemahles los und trat besorgt zu Helene, nahm deren schlaff herabsinkende Rechte in ihre Hand und fragte: „Ist Ihnen etwas ge­schehen, mein Kind? Sie kommen so spät und sehen recht angegriffen aus." Und Herr von Bernani blickte sie erstaunt und fragend an und die Kinder stürmten zu ihr her: „Gelten'», Sie wundern sich, daß wir noch auf sind? Wir durften warten und wir haben Lotto gespielt mit Kreuzern und Bonbons . . Und denken Sie nur, Fräulein, Onkel Boris reift diese Nacht noch fort, ganz weit in die Welt!"

„Ja, ich hörte es eben von Friedrich."

„Die Plaudertasche!" „Das Spitalweib!" tiefen die Kinder empört: sie hätten so gern ge­sehen, welch' kolossalen Eindruck die Neuigkeit auf das Fräulein machen würde, und nun wußte sie es schon und fuhr nicht einmal zusammen; dabei thaten sie ihr Möglichstes, die Situation zu einer recht lärmvoll dramatischen zu gestalten und tobten derart, daß beide Damen sich die Ohren zuhielten und Papa Bernani sich genithigt sah, seine zwei hoffnungsvollen Sprößlinge auf kürzestem Wege in die Betten zu schicken.

schlimme Wendung int Befinden des Hausherrn. Das zunehmende Alter hatte wohl nicht vermocht, die schier unzerstörbare Geisteskraft Miquels zu schwächen^ aber sein körperlicher Zustand war längst nicht mehr der beste. Namentlich feit dem Eintritt in den Ruhe­stand verfiel seine Physische Energie sichtlich. Schon während des sommerlichen Kuraufenthaltes in Sangen- schwalbach, von wo Miquel Ende August hierher zurückkehrte, hatten die Aerzte den Angehörigen er­klären müssen, daß auf eine lange Lebensvauer des Patienten nicht mehr zu rechnen sei. Immerhin fühlte sich Miquel in diesen letzten Tagen verhältniß- mäßig wohl. Er empfing Besuche, las viel und ver­folgte mit regstem Interesse die politischen Vorgänge und unternahm Nachmittags seine regelmäßigen Spa­ziergänge, anscheinend ohne irgendwelche Beschwerden. So auch am Samstag. Er war zwar von jenem Ausgaüg etwas ermüdet heimgekehrt, nahm aber sein Mahl mit gutem Appetit und plauderte aufgeräumt bei einer Cigarre mit seinen Hausgenossen. Den Abend verbrachte er in seinem Lesezimmer. Sein Diener nahm um halb ein Uhr wahr, daß sein Herr noch wachte. Dann aber begab fickt Miquel zu Bett, und der Diener zog sich zurück. Am Sonntag Morgen um 7 Uhr wollte Fräulein Miquel, die Nichte des Ex-Ministers, die schon seit zwanzig Jahren seinem Hauswesen Vorsicht, ihm den ärztlich verord­neten Frühtrunk reichen. Sie fand ihren Oheim nicht mehr am Leben. Er lag tobt im Bett, auf der Seite, mit gefalteten Händen, ohne eine Spur von Unfrieden oder Kampf in seinen Zügen. Einem leichten Unwohlsein, wie es oft der Vorbote des Herzschlagflusses ist, war offenbar ein sanftes Hin­scheiden gefolgt. Nach ärztlicher Annahme ist der Tod zwischen 3 und 4 Uhr in der Nacht eingetreten."

• Der Mordanfall gegen den Präsidenten Mac Kinley.

Präsident Mac Kinley ist nicht der Mann, für den wir Deutschen uns sonderlich begeistern könnten. Er ist der hervorragendste Vertreter der Ausdehnungspolitik der nordamerikauischen Staatenunion, des Panamerikanismus, der am liebsten den ganzen amerikanischen Kontinent unter die Botmäßigkeit der Vereinigten Staaten bringen möchte; unter ihm wurde der ungerechte und widerwärtige Krieg gegen Spanien vom Zaune gebrochen; er hat eine Richtung der Handelspolitik eingeführt, die unseren deutschen Interessen so ungünstig wie mög­lich ist — kurz und gut, Präsident Mac Kinley ist bei uns in Deutschland nichts weniger als volksthümlich. Er ist auch kein Mann von hervorragendem politischem Genie. Aber er ist ein Mann von eisenfestem Charakter und von unbeugsamer und über die Maßen aus­dauernder Energie, und diesen Eigenschaften ver­dankt er namentlich seine wiederholte Wabl zum Präsidenten der großen amerikanischen Staaten­union. Diesen Eigenschaften und dem streng und makellos rechtlichen Charakter zollt nun auch der Deutsche gern Hochachtung in umfangreichem Maße, und die Hochachtung geht in die auf­richtigste Theilnahme über, wenn man die näheren Umstände vernimmt, unter denen der Präsident der amerikanischen BereinSstaaten das Opfer des mörderischen Ueberfalles wurde.

Der Präsident übte in der Musikhalle der panamerikanischen Ausstellung in Buffalo eine seiner Pflichten auS: er schüttelte die Hände der Bürger. Jeder amerikanische Bürger hat das Recht, dem Präsidenten die Hand zu schütteln,

und aus diesem Rechte ist in den Vereinigten Staaten eine regelrechte Händeschüttelcour ge­worden. So stand Herr Mac Kinley am Freitag in der genannten Mustkhalle und drückte mit jedesmal wiederholterVerbeugung und mit jedes- mal wiederholtem freundlichem Lächeln die rechte Hand jedes Vorübergehenden. Die Halle war von Geheimpolizisten umgeben und in der Halle waren Geheimpolizisten vertheilt — aber auch der erfahrenste Geheimpolizist kennt nicht olle Anarchisten und alle Menschen, die solcher Schurkenstreiche fähig sind; und so kam auch der Mörder dicht an den Präsidenten heran, ein elegant gekleideter junger Mann, die Schußwaffe unter dem Taschentuche verborgen, das er tn der linken Hand hielt, mit der Rechten nach der rechten Hand des Präsidenten greifend, um sie zu drücken und dabei gleichzeitig durch das Taschentuch hindurch die mörderischen Schüffe abzugeben. Unter solchen Umständen konnte et sein Z el ja gar nicht fehlen. Aber man kann sich eine gemeinere und schurkischere Ausführung einer Mordthat nicht denken, als diese war; und diese ganz; Ausführung mit ihrer abgefeim­ten Schurkerer läßt den Gedanken erst gar nicht auskommen, daß es ein Wahnsinniger sei, der die scheußliche That vollführte. Den allerersten Drahtmeldungen, die von einem Irrsinnigen als dem Vollbringer dieser verruchten Thal berichte­ten, sind auch sehr bald dre Richtigstellun­gen gefolgt, daß man es mit einem jugendlichen Anarchisten polnischer Abkunst zu thun habe, der angeblich Niemann heißen sollte, in der That aber den Namen Leon Czolgosz führt. Nur mit großer Mühe konnte der Mörder vor dem Schicksale bewahrt werden, unter den Fäusten der Umstehenden in Stücke gerissen zu werden.

Welche genaueren Enthüllungen die angestellten Untersuchungen ergeben werden, muß man in Geduld abwarten. Aber schon heute drängt sich mit unwiderstehlicher Gewalt von neuem der Ge­danke auf, daß die Welt unbedingt besser als bisher geschützt werden muß vor diesem witden Mordgestndel, das sich als Anar­chisten der Thal bezeichnet. Die Kaiserin Elisabeth, der König von Italien, der Präsident der Unionstaaten — daS ist die gräßliche Reihe der Opfer in kurzer F<ist. Wer wird jetzt an die Reihe kommen? Der blutig-rohen Gewaltthat muß die Kulturwelt zunächst mit Gewaltmitteln begegnen und sie ausrotten, wo und wie es ihr nur immer möglich ist. Dem Anarchismus muß schärfer als bisher auf den Leib gerückt werden. Aber niemals darf man dabei vergessen, daß sür die Dauer die anarchistische Seuche nur von innen heraus geheilt werden kann; und diese Heilung- kann mit Sicherheit und nachhaltig nur bewirkt werden durch die Rückkehr aller Völker zum starken Christenthum. Der Anarchismus ist eine Ausgchurt des modernen Heidenthums, das zersetzend auf alles Bestehende einwirkt. Wenn man dieses Unheil der Neuzeit beseitigen könnte, bann würbe man auch gleich­zeitig alle Erscheinungen beseitigt haben, die es veranlaßt.

Ueber den Zustand des Präsidenten Mac Kinley liegen die nachsolgenden Drahtmel düngen vor:

Buffalo, 7. Sept. Die erste Kugel traf das Brustbein und verursachte nur eine leichte Fleisch­wunde; die zweite Kugel schlug in beide Magen-

„Wenn Sie erlauben, ziehe ich mich auf mein Zimmer zurück," bat Helene, bevor sie ihre Schütz­linge hi.iausbrachte „ich möchte noch einige Briefe schreiben; gehen die Herrschaften noch aus?"

„O^netn; kein Gedanke daran," proteftirte Frau von Bernani, „wir sind durchaus nicht mehr in der Stimmung dazu . . . 'S ist wirk­lich unrecht von unserem Neffen, so sans fa$on abzureiseu und sich nur durch daS Tele­phon zu verabschieden zu einer so weiten Reise, jetzt, wo er sein Examen machen wollte . . . Ader . . . Sie sehen ernstlich blaß aus. Gehen Sie hinauf, Kindchen und schlafen Sie aus!"

Als Helene ihr entlegenes Stübchen erreicht hatte, schlug sie, wie sie war, lang auf den teppichbelegten Fußboden hin, barg ihr Gesicht in den Händen und weinte bitterlich. Sie hatte mit hartem Wort und kalter Gesinnung gegen sich selbst gewüthet, als sie ihn fortgeschickt hatte von ihrem Herzen, ihn, den sie liebte, lieben mußte bis in alle Ewigkeit, und nun rächte sich ihre atme Seele und schrie auf und zuckte vor Qual. Dann lachte sie wieder Über diese Niederlage vor sich selbst und über ihr rärrisches Herz, welches ihr den Riesenbetrug gespielt hatte, den Menschen Boris von Rettings- hosen so innig mit dem Uebermenschen Juan zu verschmelzen, daß hinfort eine objektive Trennung dieser zwei doch so verschiedenen Be­griffe gar nicht möglich war. Sie erhob sich u,.d entnahm dem Geheimfache ihres Schreibtisches I all' die von Juan empfangenen Briefe, einen

nach dem anderen, und wie sich die tobten Buchstaben belebten durch den edlen Hauch feines Geistes, so verklärte sich all' diese poetisch niedergeschriebene Gedankenfülle uud plötzlich er­kannte Helene, daß sie blind gewesen war bis­her, daß Boris selbst in und mit feinem Sar- kasmus, seinen Schwächen und der regellosen Genialität seines Wesens ein hochedler Mann und ihres Lebens Sonne sei, daß sie ihn lieben mußte bis an das Ende seiner Tage.

Seltsam, daß ihr diese Erleuchtung nicht früher gekommen war! Wo hatte sie nur ihre Augen gehabt? Schon an der Schrift, an Jüans Schrift, hätte sie Boris erkennen müffen; sie hatte ja oft genug Gelegenheit gehabt im Haufe seiner Verwandten, die eigenartigen Züge in kurzen BilletS rc. zu sehen; darum also waren sie ihr in Inans Briefen so bekannt vorgekommen; nicht aus einem dunklen Vor­leben, auS der lebendigen Gegenwart stammte die Erinnerung daran; aber sie hatte das in ihrer thörichten Verblendung nicht gewußt.

„BoriS, ich liebe Dich! hauchte sie heiß er- röthend vor sich hin und schüttelte gleich darauf so energisch den Kops, als wolle sie die Ueber- last von Weh und Sehnsucht damit von ihrer Seele werfen; ach, er war ihr verloren für immer! Nicht einmal seine Briefe durste sie behalten nach allem was sie heute im Theater zu ihm gesagt, wenn sie für jetzt auch noch keine Ahnung davon hatte, wohin dieselben zu adreffiren seien; über kurz oder lang erfuhr sie doch seinen Aufenthalt, — durch Bernani's —

wände ein und sitzt wahrscheinlich im Magen. Kurz vor 6 Uhr stellte ein Arzt Mac Kinlcy's fest, daß die Athmung leicht sei und der Puls gut gebe. Um sechs Uhr wurde der Präsident chloroformirt. Kurz vor 7 Uhr sprachen sich die Aerzte dahin aus, daß, wenn die Wunden auch ernst seien, sie doch nicht nothwendig tödtlich seien. Eine Kugel wurde im Unterleibe nicht gefunden, doch wurde die Wunde zugenäht. Der Prä­sident erholte sich dann von den Folgen der Chloro- formirung.

Die Aerzte sind der Ansicht, daß die zweite Kugel im Muskelfleische des Rückens steckt und daß das Rückgrat unverletzt ist. Die größte Gefahr ist gegenwüitig, daß Blutvergiftung eintritt, da, alS die Magenwände durchlöchert wurden, der Magen­inhalt theilweise in die Unterleibshöhle trat und viele Bakterien, die immer im Magen vorhanden sind, mit­führte. Erst am Montag ist festzustellen, ob von dieser Seite Gefahr droht. Mac Kinley's ganzer Körper scheint durch die Schüsse nicht so schwer erschüttert, alS man glaubte. Die gegenwärtige Kühle ist günstig für ihn.

New-Jork, 7. Sept. Das heute Nachmittag 4 Uhr ausgegebene Bulletin lautet günstig, da der Puls in drei Stunden von 146 auf 136 siel. — Mac Kinley hat nach der Operation zwar die Augen geöffnet, doch keinen Laut von sich gegeben, in­dessen lautet das letzte Bulletin der Aerzte dahin, daß et seine Kräfte gut konservire. Man befürchtet neuerdings eine Verletzung des Rückgrats durch die noch nicht ge­fundene Kugel.

New-Jork, 7. Sept. Das ,N. J. Journal' theilt mit: Der Sohn Hannas erhielt eine Depesche von seinem Vater, die besagt, Mc Kinley könne nicht genesen. — Wie der Ztg.' gekabelt wird, schlief Mc. Kinlky am späten Nachmittage, worauf ungünstigere Sympto me hervortraten.

Buffalo, 8. Septbr. Leon Czolgosz gab bei seiner Vernehmung an, daß er die Politik der ameri­kanischen Regierung nicht billige und es deshalb für seine Pflicht gehalten habe, Mac Kinley zu tödten. Die in die Magengegend gedrungene Kugel ist biS zur Stunde noch nicht gefunden. Czolgosz versichert, er sei nicht wabnstnnig. Er rühmt sich seiner That und sagt, durch Lesen anarchistischer Schriften sei er zu der Ueberzeugung gekommen, die Regierung der Union fei durch und durch schlecht und der beste Weg zu einer Aenderung sei, den Präsidenten zu tödten. Bisher hat die Polizei sein Vorleben nicht festgestellt. Die Anar­chisten in Patterson kennen ihn nicht. Die Nachricht hat zwar große Sensation im Lande erregt, aber eS herrscht keine große Aufregung, da man allgemein hofft, daß der Präsident am Leben erhalten bleiben werde. Czolgosz leugnet, irgend welche Mitschuldige zu haben. Die Kugel hat die Hinter- und Borderwand des Magens durchbohrt, ober keine anderen Organe verletzt. Heute früh um 6 Uhr ist folgendes ärztliche Gutachten über das Befinden Mac Kinleys veröffent­licht worden: Der Präsident verbrachte die Nacht gut. Temperatur 102 Grad Fahrenheit (39 Grad CelstuS), Pul-schlag 110, Athmung 24.

Weiter liegen noch folgenbe Meldungen vor:

New -Jork, 7. Sept. Frau Mc Kinley konnte heute Nachmittag den Präsidenten besuchen; später brach sie zusammen.

In C h i c a g o wurde eine Haussuchung veranstaltet, weil in dem Koffer des Attentäters ein Cirkular ge­funden wurde, das von dem Herausgeber der »Brand­fackel' zur Vertheilung auf der Straße hergestellt war und einen agitatorischen Charakter trug.

Buffalo, 7. Sept. Der Mörder Czolgosz hat nervöse Anfälle, wenn man ihn anredet, und gibt auf die an ihn gerichteten Fragen ausweichende Antworten. Die Polizei brachte bis jetzt wenig über die LebenSgeschichte des Mörders tn Erfahrung. Er ist verheirathel und hat sieben Brüder und zwei Schwestern, die sich in Cieveland aufhalten. Die Familie soll erst vor 14 Tagen in Cleveland ange­kommen sein. Die Stiefmutter des Attentäters erklärt, ihr Sohn sei stets als theilweise geistesgestört angesehen worden und habe häufig seiner Bewunderung über die Thaten, die sein Bruder, der Soldat auf den Philippinen ist, vollbringe, Ausdruck verliehen und nur bedauert, daß er zu schwach zum Militär fei. UebrigenS sei der Attentäter stets als ein großer Feigling bekannt gewesen, dem man nie eine solche That zugetraut hätte. Der Attentäter kann, wenn der Präsident durch -

und bann mußte sie die ihr so werch ge­wordenen Briefe abfenben, — unwiberruflich.

Betrübt ordnete sie die beim Lesen umher« gestreuten rofenfarbenen und nach Rosen duften« den Schriftstücke nach dem Datum, schlang ein rofafetbene» Bind um das Päckchen und wollte eS bann wteber einschließen; ja . . . nachher; vorläufig träumte sie noch ein wenig von seinen Augen und seinem Wesen, dachte an seine voll­tönende Stimme und den interessanten Accent, mit welchem er, der Ausländer, bas überaus gut und fein erlernte Deutsch aussprach unb an alles, was er ihr gesagt, heute im Theater unb früher, Gutes und Schlimmes, und wie er sie zuletzt angesehen, so innigzärtlich unb so zornig, unb bann — sank ihr Kops auf den Tisch, just auf daS Briespacket — sie küßte eS — unb lächelte, unter Thränen, — immer schattenhafter — unb bann — schlief sie ein, noch im weißen Rieibe, mit bet welkenden Rose im Gürtel.

Unb braußen schneite es, sacht, aber unaus- hö.lich, die lange Winternacht hindurch.

Ein beklemmendes Angstgefühl weckte endlich die junge Schläferin; sie erhob sich erschrocken; sie hatte wahrhaftig geschlafen, fest und tief; da« elektrische Licht brannte noch, aber eS war eisig kalt im Zimmer und o wie elend sie sich fühlte! Aus dem gegevüberhängenden Spiegel erschien ihr Abbild, blaß und verstört, baS Haar wirr; ihr frostdurchschauerter Körper noch in der GesellfchastSrobe. Warum hatte sie sich nicht ausgekleivet unb nicht zu Bett gelegt?