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M 205. Jutos, Samstag, den 7. September 1901. 28. Jahrgang.
WocHen-Wunö fcßau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 7. September.
Die Katholikenversammlung in Osnabrück ist auch von der nicht katholischen Presse, soweit sie zu einem schlichten Urtheile über katholische Dinge überhaupt sich herbeiläßt, als eine ganz hervorragende Kundgebung anerkannt worden. Darin haben sich konservative und liberale Zeitungen vei einigt und ebenso, wie ehedem auch, in dem Zugeständnisse, daß von Angriffen gegen andere Bekenntnisse nicht die Rede gewesen ist. Einige wenige Blätter, die ohne die Kulturpauke nun einmal nicht leben können, haben die herrliche Rede des Abg. Gröber als einen Zankapfel mißbrauchen wollen. Aber die katholische Presse selbst ist der Mühe überhoben gewesen, auf diese thörichten und leider auch gehässigen Anfeindungen zu antworten; denn das haben für sie andere Organe besorgt, die nicht dem katholischen Lager angehören. Namentlich konservative Blätter, so vor allen die .Konservative Korrespondenz', die .Kreuzzeitung', die ,Deutsche Tageszeitung des Bundes der Landwirthe' und andere mehr haben ihren Beifall geäußert und ihre Bundesgenoffenschaft in Aussicht gestellt für den neuen Kulturkampf wider den religiösen Umsturz. Und so muß es auch sein: alle, die wahrhaft zum Christenthume sich bekennen, müssen sich zu diesem Kampfe vereinigen, müssen hierbei vergessen, was trennt, und müssen ins Auge fassen, was sie eint. Die Sozialdemokratie hat auch bereits ganz klar erfaßt, worauf es hierbei ankommt; das sozialdemokratische Berliner Centralorgan meint, dieser letzte Katholikentag habe „fast ausschließlich unter dem Zeichen der Gegnerschaft und des Kampfes gegen die Sozialdemokratie gestanden" und' schreibt dann wörtlich:
„Gewiß, es ist ein wahrhafter Kulturkampf, der hier gekämpft wird. Das Centrum unternimmt es, durch Mißbrauch der Religion (!), durch .Frömmelei und Muckerei die Massen in Geistesnacht und Unterwürfigkeit zu bannen. Die So- ,-zialdemokratie entfesselt die menschliche Vernunft M freiem, schöpferischem Wirken, zum Aufbau einer Welt der Menschlichkeit und der Kultur . . . ."
Für diese Art von Menschlichkeit und Kultur bedankt sich der Christ Ihm gilt nur sein Kampf ohne Unterlaß und Ermattung, bis er den Sieg erfochten haben wird, der nicht ausbleiben wird. Die christliche Weltanschauung muß am Ende siegen über den gottesfeindlichen Umsturz.
Von den Entschließungen, die gefaßt worden siad, stehen obenan die beiden, die sich mit der Landwirthschaft auf der einen und mit den Arbeitern auf der andern Seite beschäftigen. Eine „wesentliche Erhöhung der bestehenden Zölle für landwirthschaftliche Erzeugnisse bei der bevorstehenden Neuregelung der Zollgesetzgebung" bezeichnet die eine Entschließung als Nothwendigkeit. Die andere kennzeichnet von neuem in sehr treffender und klarer Weise das, was für die katholischen Arbeitervereine nothwendig ist: gründliche Unterrichtung ihrer Mitglieder über die Wahrheiten der heiligen Religion — Förderung der allgemeinen geistigen und fachlichen Bildung — Veranstaltung sozialer Borträge und Unterrichtskurse. Außerdem wurde ein Beschluß angenommen zu Gunsten der Ab- gabe von Bauplätzen im Interesse der Heimgründung für ländliche Arbeiter. Auf Osnabrück wird nun im nächsten Jahre Mannheim folgen — möge dann schon die Zeit gekommen sein, um über die ersten Erfolge des neuen Kulturkampfes Günstiges zu berichten.
Das lustige Trauerspiel oder, wenn man lieber will, traurige Lustspiel von dem chinesischen Sühneprinzen, Sr. kaiserlichen Hoheit Tschun, ist nun endlich ausgespielt. In China hatte man es dem prinzlichen Jüngling verschwiegen, daß er drei Mal vor dem deutschen Kaiser sich verbeugen, seine ganze Begleilschaft aber gar den Kotau vor dem deutschen Monarchen ausführen solle, nämlich zur Erde sich niederwerfen und dann sich noch neun Mal verbeugen Unterwegs hatte er in der Vorahnung der Feste geschwelgt, die man für ihn veranstalten würde; und nun in Genua, wo man ihm die Wahrheit sagte, diese Enttäuschung! Es ist schon unter gewöhnlichen Umständen gar nicht leicht, neun tiefe Hofverbeugungen hinter einander zu machen; dessen erinnert sich Mancher vielleicht aus der Zeit feiner Tanzstunde. Aber wenn man nun aüch durch jede dieser Verbeugungen andeuten soll, daß man sich eigentlich gar nicht werth fühlt, geboren zu sein, so mag das freilich ein arg trauriges Gefühl sein. Eine ganze Woche haben die Chinesen im alten Drei- könige-Gasthose in Basel geschmachtet; da endlich am letzten Montag kam ihnen die Erlösung: Der Kaiser hat dem Prinzen Tschun versprochen, ihn die bewußten drei Verbeugungen ganz allein und ohne Zeugen ausführen zu laffen. Bis zum Donnerstag ist er in der herrlichen Orangerie bei Potsdam Gast des Kaisers gewesen, um nachher in sein Privatquartier überzufiedeln und Studien bei den rothen deutschen Teufeln zu machen.
Die Begegnung zwischen dem Kaiser und dem Zaren ist nach neueren Bestimmungen auf Mittwoch den 11. September angesetzt worden. Wo sie stattfinden wird, wird noch geheim gehalten. Daß der
i Kaiser vom Reichskanzer, der Zar von seinem Minister des Aeußern, dem Grafen Lambsdorff, begleitet sein wird, ist bereits bekannt. In Frankreich wird das Zarenpaar am 18. September lanbffl; Präsident Loubet wird dasselbe bereits auf hoher See vor Dünkirchen einholen. Die Truppenschau bei Reims soll am 30. September stattfinden; ob das Zarenpaar dann auch noch Paris besuchen wird steht noch nicht fest. Interessant ist eine Aeußerung des halbamtlichen .Wiener Fremdenblattes' zu der Danziger Kaiserzusammenkunft. „Wir erblicken — so schrieb dieser Tage das genannte Organ des Wiener Auswärtigen Amtes — in der Danz'ger Kaiserzusammenkunft ein Ereigniß, welches geeignet ist, den Völkern Europas das kostbare Ziel des Friedens weiter zu erhalten, und begrüßen mit Freuden dieses Zeichen der ungestörten guten Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland. Vielleicht wird nun die Harmonie in der Politik, welche zwischen diesen beiden Reichen waltet, einen Einklang in den wirthschastlichen Fragen Herstellen; vielleicht wird die Kaiserzusammenkunft in Danzig nicht nur den politischen, sondern auch für den wirthschastlichen Frieden Nutzen bringen." Im Wiener Auswärtigen Amt betrachtet man also die Lage, wie sie durch den neuen Zolltarifentwurf geschaffen ist, mit durchaus günstigen Augen. An die Möglichkeit von Zollkriegen denkt Niemand im Ernste.
Die guten Beziehungen zwischen Frankreich und der Türkei sind noch nicht wieder hergestellt. Es wurde zwar berichtet, ein unter dem Vorsitze des Sultans selbst abgehaltener türkischer Ministerrath habe Nachgcben auf der ganzen Linie empfohlen; aber Frankreich scheint ganz bestimmte Forderungen zu stellen, über die eine Einigkeit noch nicht erzielt ist. Einige Andeutungen in Pariser Zeitungen lassen darauf schließen, daß die französische Regierung mit der Behandlung der türkischen Fragen bis zu der Zeit nach dein Besuche des Zaren warten will. Die Türkei bat um die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen ersucht. Aber eine Antwort ist auf dies Ersuchen noch nicht erfolgt. Die Nachricht, daß der Sultan die fremden Postämter in Konstantinopel nicht mehr dulden wolle, war augenscheinlich nicht richtig. Der «Sultan muß sie eben sich gefallen lassen und wird das inzwischen wohl auch eingesehen haben.
Mit sehr aufmerksamen Augen folgt man in Wien den übrigen Ereignissen auf der Balkanhalbiasel. Man munkelt allerhand von Zusammenziehungen russischer Truppen an der rumänischen Grenze und wundert sich über die häufige Erscheinung (starker russischer Geschwader vor der Donaumündung. Ein Regierungsblatt in Budapest machte dazu die Bemerkung: „Offenbar soll den Rumänen vor Augen gestellt werden, daß die russische Seemacht nicht nur das Schwarze Meer, sondern auch die Untere Donau beherrscht." Was für Absichten die Russen mit diesem militärischen Kundgebungen verbinden, entzieht sich natürlich der öffentlichen Kenntniß. Graf Lambsdorff, der russische Minister des Auswärtigen, wird demnächst nach dem Zarenbesuche in Frankreich, auch Wien besuchen und vermuthlich auch von Kaiser Franz Joseph empfangen werden. Möglicherweise sollen die Truppen an der Grenze Rumäniens und die Panzerschiffe an der Donaumündung nur den Hintergrund bilden, von dem sich alsdann die Persönlichkeit des russischen Ministers kräftiger und wirkungsvoller abheben soll.
In einer Reihe der österreichischen Kronländer müssen in diesem Herbste Neuwa hlen zu den Landtagen stattfinden, namentlich auch in Böhmen, wo ein neues Wahlgesetz mit Abschaffung der Wahlmänner und Einführung direkter Wahlen Geltung erlangt hat. Die deutschen Liberalen sind dabei, wie immer, uneinig. Die Fortschrittler und die Alldeutschen wandeln ihre eignen, besonderen Bahnen und beweisen dadurch aufs neue, daß die Interessen des Deutschthums nichts weniger als gut bei ihnen aufgehoben sind. Dte Tschechen werden ihren Vortheil davon haben.
Oesterreich ist mittelbar an einem römischen Skandal betheiligt. Das Hospiz des heiligen Hieronymus in Rom nebst Kirche war durch eine vatikanische Anordnung den Kroaten überwiesen worden. Aber die italienische Dalmatiner erhoben Protest dagegen unter Anrufung der römischen Regierung und nahmen unvermuthet eines schönen Tages das Hospiz mit Gewalt ein. Die Regierung hat nach einem Ministerrathe einen königlichen Kommissar eingesetzt, der bis zur gerichtlichen Entscheidung des Besitzstreites das Hospiz verwalten soll. Die österreichische Botschaft hat sich warm der Kroaten angenommen, sodaß die italienische Regierung in einer peinlichen Lage sich befindet.
Der Burenkrteg geht seinen schleppenden Gang weiter. Lord Kitchener sender nach wie vor seine Sammeltelegramme nach London, in denen er aufzählt, wie viel Buren getödtet und gefangen genommen, und wie viel Viehheerden von den Briten eingcheimst werden. Danach müßten nun eigentlich burische Krieger gar nicht mehr vorhanden sein. Aber wunderlicherweise nimmt thatsächlich deren Zahl gar nicht ab, und wo Buren und Briten zusammen- gerathen, ziehen die Letzteren in der Mehrzahl der Fälle den Kürzern. Die Wahrheit über die Lage der Dinge in Südafrika bekommt man augenscheinlich gar nicht zu erfahren. Trostlos lesen sich die Berichte über die Sterblichkeit in den Burenlagern: Allein im Monat Juli sind mehr als 1000 Personen gestorben — trostlos!
Der kritische 15. September, den Lord Kitchener als den äußersten Termin für die Uebergabe der kämpfenden Buren bezeichnet hat, ist sehr nahe gerückt, Erfolg der Drohungen aber nicht zu merken. Nachgerade ist die Verhöhnung des Völkerrechtes den Engländern zu einem natürlichen Zustande geworoen; weil die Burenrepubliken formell als nicht mehr bestehend angesehen werden, stellen sich die Engländer so, als wenn sie nicht mehr Krieg führten als Staat gegen Staat, sondern als Obrigkeit gegen Aufrührer. Diese unwillkürliche Auffassung bat Lord Kitchener schon zu dem für die englische „Humanität" so bezeichnenden Unrecht gebracht, das Privsteigen tb um aller noch kämpfenden Buren auf die Korst krtionsli le zu setzm. Die schon lange geübte barbarische Proxys der völligen Verödung des Landes durch Vernichtung des Privateigen- thums mag zu solcher Vrrtrruig der Rechtsoor- stcllungen mttgew'.rkt haben, aber diese Verirrung ist darum nickt weniger schulöbar.
Wenn England glaubt, die Kosten der Verpflegung der Gefangenen liqaidirea zu mfiffen, so ist das keine private, sondern eine ftaatsfinan- zielle Angelegenheit, die zwischen E-glano und den Burenstaatrn zu regeln ist Dadurch aber, daß England die Burenstaaten als nicht mehr existirend ansteht, diese Staatswesen als sein eigen betrachtet, hat es sich bereits bis zur äußer- sten Grenze des Möglichen sorweg für alles enLchä ügt, was es unternehmen zu müssen glaubte, um dieses Ziel, die Aneignung, zu erreichen. Den einzelnen Privatmann als solchen für den Krieg haftbar zu machen, der nicht deffen, sondern des ganzen Staatswesens Angelegenheit ist, darf England als eine der größten Errungenschaften seiner „Humanität" in feine Geschichtsbücher eintragen. Wenn das Staatseigenthum der beiden Burenstaaten nicht ausreicht, die Kosten des Krieges zu decken, so hätte eben Enxland sich das zweifelhafte Geschäft eher überlegen und die Burenstaaten in Ruhe laffen sollen.
U brigens ist es auch eine ganz zweifelhafte Hoffnung, durch die grausame völlige Auspsoe- rung der Buren aus die Kssten der Verpflegung der Gesm genen zu kommen. D!e Farmen der Buren sind meist zerstört, verlaffen und verfallen, das Feld verwildert, Viehstand, Frucht und Baut sortgeschleppt und vernichtet — es ist also thatsächlich nicht mehr viel zu holen. Das hindert aber den weisen, humanen und gerechten,Standard' nicht, für den Fall, daß der 15. September ohne Uebergabe der Buren verstrichen sei, schärfere Maßregeln anzuregen. Das Blatt meint mit der ganzen Entschlossenheit eines Rechtsoerächters, es würde ein äußerster Beweis von Schwäche von seilen der englischen Regierung sein, wenn st- sich durch ein Geschrei über Unmenschlichkeit einfchüchtern ließe. Nichts könne korrekter sein, als daß das Eigenthum nicht bloß der im Feld stehenden Männer, sondern des ganzen Burenoolkes für die Auslagen zum Unterhalt des in den Lager« befindlichen Theils der Bevölkerung verantwortlich gemacht wrrde. Ebenso billig würde es fein, das Land in Beschlag zu nehmen, wo immer Züge aus dem Geleise geworfen und B.drckungsmannschaften oder Reisende getödtet oder verwundet würden. Ein Zustand der Dinge, in welchem England 13/so der Bevölkerung Unterhalt gebe und die Wiederberuhigung des Landes durch den Rest unmöglich gemacht werde, widerspreche dem gesunden Menschenverstand.
In der Thal, es ist ein Verbrechen, wenn man so klein ist, wie die Burenstaaten, sein Vaterland gegen einen so großen Räuber wie England zu vertheidigen, und der gesunde Menschenverstand muß Jedem sagen, daß Niemand eh Recht hat, W.derstand zu testen, wenn der, dem es nach seinem Eigenthum gelüstet, stärker ist, als der zu Unrecht Angegriffene; man ist nur ein tapferer Patriot, wenn man auf Seite des Mächtigen den Kleinen vergewaltigt, ein gemeiner Unruhestifter aber, wenn man gegen Unrecht und Gewaltthat des Mächtigeren unrntmuthigt vorzugehen wagt.
Den Vorschlägen des .Standard' schließt stch in gewiffrm Sinne auch dte früher freisinnigere ,Pall Mall Gazette' an. Dieses Blatt greift die Uebersälle von Eisenbahnzügen durch die Buren heraus und verlangt gegenüber der Häufigkeit solcher Art Kriegs führung besondere Mittel. Es wird nun angeregt, die Briten sollten mit den Buren verfahren, wie die Deutschen mit den Franzosen im Jahre 1870 unter ähnlichen Verhältnissen verfahren hätten. Da die Buren ein kleines Volk seien, sei man sentimental genug, ihnen die größte Rücksicht zu gewähren. Die Deutschen seien nicht derart veranlagt gewesen. Sie hätten die einfache Vorsichtsmaßregel angewandt, die angesehenste Person der Umgegend auf der Lokomotive des ZugeS, auf den ein Angriff befürchtet wurde.
fahren zu laff.n. In solcher Praxis liege nichts das mitdemKnegSbraucheurwerernbarsei; wahrscheinlich würde sie in Südafrika ausgezeichnete Ergebnisse haben.
Wenn die ,PaL Mall Gazette' die Geschichte des deutsch-französischen Krieges wirklich kennte, würde sie nicht von „ähnlichen Vrrhältniffen" sprechen. Ganz richtig nennt das Blatt die An- gr ffe auf die Z ü -e mit ihren Lasten von Militär- Proviant und Munition ehe Art der Kriegführung; die Angriffe auf die Züge in Frankreich 1870 aber, gegen die stch die Deutschen durch persönliche Bürgen schützten, waren keine Kriegs- sührung, sondern golttn als Verbrechen, da die Thäter keine Regularen, sondern Persönlichkeiten waren, die als Nichtreguläre, we-m sie mit Waffen betroffen wurden, sofort dem Kriegsrecht verfielen.
Mit den Jtngoes, denen die Buren nicht schnell genug vernichtet werden, koste es waS es wolle, stößt die ,Pall Mall Gazette' in dasselbe Horn: Man behandele die Baren viel zu milde! Selbst jetzt seien die Baren noch nicht ganz sicher, ob es England wirklich ernst sei. Sie lachten über die englischen Proklamationen und wüßten, daß England für ihre Frauen und Kinder sorge, und da sie ein Ziel verfolgten, mache ihnen ein wenig Unbequemlichkeit nichts aus. Alle am besten informirten Augenzeugen des Krieges seien sich darüber einig, daß die von den Briten zur Linderung der Kriegs- schrecken angewandten Mittel den Widerstand der Buren belebt hätten. Der Feldzug Lord Roberts sei mit einer Milde geführt worden, die sich jetzt als fast thöricht erwiesen habe. Dre Waffenstreckung eines Buren anzunehmen und ihm auf fein Wort die Rückkehr auf seine Farm zu gestatten, sei möglicherweise wunderschön gewesen, habe aber den Feldzug zweifellos verlängert. Wenn jeder Mann, der nach der Besetzung von Bloemfontein die Waffen niederlegte, aus dem Lande verbannt oder wenigstens an die Küste gesandt worden wäre, so würde der Widerstand der Buren längst gebrochen sein. Es sei notorisch, daß Pretoria und Johannesburg selbst jetzt noch nicht genügend überwacht würden, während wenig Zweifel darüber bestehe, daß die Zufluchtslager von Spionen wimmelten, die. sich unschwer mit ihren Freunden in Set* bmdung setzen könnten. Mindestens könnten Bar n, die sich ergeben oder freiwillig in die Lager begeben hätten, aus der Nähe ihres eigenen Wohnortes entfernt werden. Je weniger Buren in den beunruhigten Kolonieen seien, desto besser, und es sei sicherer, von Freunden als von einem anscheinend unterworfenen, in Wirklichkeit sich nur verstellenden Feinde umgeben zu sein.
Soweit mag das alles immerhin noch hin- g hen, da die Erwägungen dcs englischen Blattes von einem nicht ganz unvernünftigen Interessen« standpunkt ausgehen, sofern die kampffähigen Buren in Betracht kommen; dann aber verfällt die ,Pall Mall Gazette' ganz in den Ts« des schon gekennzeichneten .Standard', indem sie verlangt, daß nach dem 15. September das Eigenthum eines jeden Buren, der noch im Felde stehe, konfiszirt und als Sicherheit für den Unterhalt seiner Familie gehalten werden solle. Es sei jedoch unsicher, ob die Mehrzahl der noch kämpfenden Buren überhaupt noch Land besitze, das konfiszirt werden könne. Die Buren sollten inSgesammt für ihren eigenen Unterhalt verantwortlich gemacht werden. Solange nicht irgend welche drastischen Mittel ergriffen würden, welche dem Buren in seiner Tasche und an seiner Person fühlbar würden und ihn überzeugten, daß er durch Fortsetzung des Krieges nur verlieren könne, solange werde man nicht zu Ende kommen.
Also macht jeden einzelnen Bur für den Krieg verantwortlich, ntbmt ihm alles, was er hat, und werft den Bettler dann schließlich zum Lande hinaus, damit alle Welt sehe, wie gründlich ihr euch auf das Prestige Englands und seine Ehre versteht! (Köln. Volksztg.)
O Schutz dem Bauhandwerker!
lieber ein Jahrzehnt schon erstreben die Bau- Handwerker In Deutschland einen gesetzlichen Schutz gegenüber dem durch das Hypothekenrecht geförderten sogenannten Bauschwindel, durch denen ihnen alljährlich Millionen Mark verloren gehen. Nach einer Schätzung des in dieser Materie wohl bewanderten Berliner Jaloufie- fabrikanten H. Freese büßten in den Jahren 1891—1893 die Berliner Bauhandwerker bei 731 Grundstücken, die zur Zwangsversteigerung kamen, 75 Mill. Mark ein.
Nach einer Berechnung der Berliner Tapetenhändler beliefen sich die Verluste dieser einzigen Branche innerhalb der letzten 10 Jahre auf eine Million Mark, so daß der Verlust aller bei den Bauten in Betracht kommenden Geschäftszweige