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JWewrt« XJuj e TU i mit Anlerhaltungs Meikage „Mustrirte Sonnlags-Zeitung"

Jti 204.

Jutöcr, Freitag, den 6. September 1901.

• Tagegelder im Reichstage.

Bevor der Bundesrath seine Sommerferien begann, hatte er den Antrag des Reichstages, den Mitgliedern desselben Tagegelder zu ge­währen, dem zuständigen Ausschüsse zur Vorbe- rathung überwiesen. Daß der Antrag innerhalb Oer Regierung manche Freunde hatte, ist bekannt genug. Der Versuch einiger Zeitungen, die Sache so darzustellen, als habe der Antrag ganz und gar keine Aussicht aus Verwirklichung, war nichts weiter als Spiegelfechterei. Die Thatsachen redeten eine viel zu deutliche Sprache für die Bewilligung von Tagegeldern, als daß diese Sprache hätte ganz ohne Eindruck bleiben sollen. Die liberalen und sozialdemokratischen Gegner eines ausreichenden Zollschutzes für die Erzeugnisse der heimischen Arbeit haben noch niemals ein Geheimniß daraus gemacht, daß sie denselben mit allen nur möglichen Mitteln be­kämpfen werde«, auch mit erneuter Obstruktion im Reichstage; sogar die nationalltberale .National-Zeitung' schwelgte schon in freudigem Entzücken über die Unzahl einzelner Paragraphen des neuen Zolltarifgesetzes und in der Vor­stellung, daß zu jedem einzelnen dieser ungefähr tausend Paragraphen Abänderungsanträge ein­gebracht werden könnten, so daß die ganze Be- rathung des Gesetzes nicht unschwer länger als ein Jahr sich hinziehen kaffen würde. Solchen Ankündigungen gegenüber sollte man nun doppelt darauf bedacht sei», auf jede nur mögliche Weise den zahlreichen Besuch des Reichstages zu fördern und zu unterstützen; und daß dazu die Bewilligung von Tagegeldern gehört, ver­steht sich von selbst. Ja einem gut besetzten Hause würde die Obstruktion der Linker, nicht viel ausrichten könne«. Denn wenn das Haus ausreichend stark besucht ist, können in jedem Augenblicke Anträge auf Schluß der Debatte «ingebracht und angenommen werden.

Thatsächlich wird nun jetzt der .Deutschen Tageszeitung' berichtet, neuerdings habe sich in manchen RegterungSkreisen ein gewisser Umschwung der Meinungen vollzogen zu Gunsten der Be- willigung. Nur soll keine Aussicht darauf vor­handen sein, daß der Antrag in der Form deS ReichstagSbeschluffeS die Billigung deS Bundes- ratheS finden werde; eS soll vielmehr nicht un­wahrscheinlich sein, daß der BundeSrath aus dem Anträge einen Gesetzentwurf mache, der unter gewissen Beschränkungen den Reichstagsabgeordneten die gewünschten Tage­gelder zugestehen soll. Nun, man würde eS sich beispielsweise gefallen laffen könne», wenn den­jenigen Abgeordneten, die in Berlin wohne«, keine Tagegelder gezahlt würden; und ebenso brauchen Doppelmandate im Reichstage und im preußischen Landtage nickt doppelt mit der Zahlung von Tagegeldern berücksichtigt zu werden. Was man sonst noch an Beschränkungen im Auge haben könnte, entzieht sich gegenwärtig der Beurtheilung vollkommen. Aber mau kann nicht recht einsehe», wie die Reichsregierung es mache« sollte, im Reichstage erst einen besonder« Gesetzentwurs ein- zubringen und die Bewilligung von Tagegeldern ^reitS der Berathung des Zolltarifentwurfes zu Gute kommen zu laffen. Deswegen würde es ein erheblich kürzeres und vi l wirksameres Ver-

Am ersten April.

Original-Roman von Iba John-Arnstabt.

16 ------ (Nachdruck verboten.)

*§=uanl4 A^en", dachte sie und laut sagte sie, ihm die Kapotte abnehmend und über ihr Haar legend, „ich danke. Bemühen Sie sich nicht um mich, Herr Baron; unsere Wege gehen weit au«- emander."

„So wollen Sie Ihren Juan in die Ver­bannung schicken und unserem, mich beseligenden Briefwechsel ein Ende machen?"

„Entschieden; wenigstens letzteres."

„Auch wenn ich flehentlich, . . . kniefällig «Ute: zerreißen Sie den Zauberschleier, den Sie um mich gewoben, nicht?"

„Auch dann .. Ich bin ja das böse Prinzip und das Märchen ist au«; nur daß die Entwicke­lung umgekehrt ist: sonst wird Aschenbrödel zur Prinzessin erhoben; hier ist e» die Entthronte, au« allen Himmeln Gefallene."

m*’"® Königin, so schwer find Sie ent­täuscht ? •

-Gan, ebenso wie Sie, mein Herr. Sie er­warteten ..."

„Einen Engel ,u finden und ich fand ihn, Thor!"^ch fetner ni$* würdig. Ich blinder ., §ie hob abwehrend die Hand: „Für Sie bin »ch die Erzieherin Helene Lipphold, die Pflicht­vergessene, Vergnügungssüchtige; und bie Blind­heit ist auf meiner Sette: wie konnte ich um eine« Wahner Willen meinen Standpunkt als

fahren sein, ganz einfach dem Beschlüsse des Reichstages beizutrete«.

Unter den Bunoesregierungen ist es wohl nur die sächsische, von der man mit Gewißheit sagen kann, daß fie eine grundsätzliche Gegnerin der Tagegelder im Reichstage sei. Die süd­deutschen Regierungen haben, so viel man weiß, noch niemals ernstlichen Widerspruch dagegen er­hoben. Wenn daher die preußischen Stimmen im Bundesrathe für die Bewilligung der Tage­gelder abgegeben würden, dann würde damit die Frage im Sinne der Bewilligung ohne Zweifel entschieden sein.

Deutsche« Keichs

Berlin, den 5. September.

h Nriuz Usch«« Usaifoug hat nun auch noch einen Besuch des Kaisers im Orangerie- schloffe erhalten und ist nachher im Neuen Palais vom Kaiser und von der Kaiserin empfangen worden. Ec kann sich also wahrlich nicht über schlechte Behandlung beklagen. So gut wie ihm wird es nicht jedem Sühnegesandten gehen.

* Z«m Mordprozeß Krosigk wird der .Rerchshauptstädtischen Korresp.' auS Gum­binnen geschrieben, daß daS Urtheil vom 20. August den Angeklagten bezüglich ihren Bertheidigern noch immer nicht zuge­stellt worden und „noch gar nicht abzu­sehen" sei, wann dteZustrllung erfolgen werde. Dies Verfahren dürfte geeignet sei«, in den weitesten Kreisen Aufsehen und Befremden her­vorzurufen. § 381 in Verbindung mit § 398 der Militär-Slrafgerichtsordnung schreiben dies­bezüglich vor, daß daS Urtheil dem Ange­klagten, der Berufung oder Revision einle-t, „sofort" zugestellt werden muß; „ist der Angeklagte verhaftet, so ist daS Urtheil auch de« Vertheidtger zuzustellen." Und um diese schleunige Zustellung ,u ermöglichen, be­stimmt § 336 desselben Gesetzes, daß das Urtheil mit den Gründen binner. drei Tagen nach der Verkündung „zu den Akten gebracht" und von den Richtern, we' e bei der Entscheidung mitgewirkt haben, u terzeichnet werden soll. Wie früher schon . u geführt, muß die Revision binnen einer Woche «ach Verkündung des Urtheils ««gelegt und ge­rechtfertigt werden (§ 398 1. c.). Da inzwischen schon über zwei volle Wochen seit der UrtheilSverkündun- verflossen find, so kann man sich ungefähr vorstellen, in welcher üblen Lage die Vertheidigrr sich befinden, welche dir Revision begründen mußten, ohne die Urtheils- auSfertigung in Hände» zu haben! Eiuer Meldung des ,W T. B.' zu Folge wurde der Dragoner Marten aus Gumbinnen am Donnerstag Nachmittag in das Militärgefäng- niß ia Danzig eingeliefert, um zunächst seine einjährige Gefängnißstrafe wegen Fahnenflucht zu verbüßen.

+ Il«1erg«mg eiwe» deutscher» Kreuzers. Nicht weit von der Nordspitze der Insel Rügen ist, wie schon gestern in der,Fuld. Ztg.' kurz 'ge­meldet wurde, der kleine Kreuzer „Wacht" nach einem Zusammenstöße mit dem Panzer „Sachsen" gesunken. Die „Wacht" erhielt durch das An- gewissenhafte Gouvernante aufgeben! Sie hatten recht, so recht! Doch ich hoffe, es ist noch nicht zu spät, den Fehler gut zu machen: In einer Viertelstunde kann ich wieder auf meinem Posten sein, und Herr und Frau von Bernani besuchen dann noch den Kavalieroerein . . . Aber . . .wie ist denn das, Herr von Retting«hofen? Sie selbst wollten ja auch dort sein?"

„Ganz recht: wenigstens sagte ich da» meiner Tante, um fie und ihren Gemahl vom Besuche de« Theaters abzuhalten, wo ich meine Angebetete doch unbeobachtet sehen und sprechen wollte. Ge­troffen hätten mich meine Verwandten zuerst nicht im Verein; später, nach der Oper wollte ich hin­gehen al« et» hochbeglückter Mann . . . Ach, Sie wollen, ich soll elend werde« und klein! . . . Geben Sie mir doch ein TrosteSwort; seien Sie gnädig!"

Er hielt ihr seine Rechte hin, doch sie wandte sich ab: ,Lch ändere meine Entschließungen nicht, wie man ei» Gewand wechselt. Ihre Briefe, Herr Baron, waren mir sehr werth geworden, fast zu sehr, und ich freute mich a»f den heutigen Abend, wie ein Kind auf Weihnachten; ja — ich sage e« Ihnen offen — seit gestern, da ich Juan« letzten Brief erhielt, war ich wie im Traum. Hätte ich freilich ahnen können . ."

„Lassen Sie mich den Satz vollenden"^ unter­brach fie der aufgeregte, junge Mann, „also hätte ich freilich ahnen können, daß der edle Brief­schreiber Juan sich al» dieser ganz gewöhnliche, mir verhaßte Mensch Rettingshofen entpuppen würde, so wäre ich nicht gekommen. — Nicht wahr, so wollten Sie doch sagen?"

rammen eine schwere Beschädigung vorn an Steuer­bord und konnte nur noch eine halbe Stunde nach dem Zusammenstöße schwimmend erhalten werden. Während dieser halben Stunde wurde die gesammte, aus 145 Mann bestehende Besatzung durch Torpedo­boote und andere Marineboote gerettet und nach dem Spezialschiffe „Pelikan" gebracht, das mit der ganzen Besatzung nach Kiel abdampfte. Nach übereinstimmenden Meldungen trägt di« Schuld an dem Unfälle der Umstand, daß der Steuer- Apparat der „Wacht" nicht in der erforderlichen Weise funktionirte. Die „Wacht" liegt in einer Waffertiese von 40 Meter auf dem Grunde. — Nach den letzten Meldungen über den Unglücks- fall kam der kleine Kreuzer beim Manöoeriren dem Panzer „Sachsen" unmittelbar vor den Bug und wurde also von diesem mit voller Wucht mitschiffs gerammt. Daß dar einen furchtbaren Stoß gab, kann man sich ohne Weiteres denken. Es heißt, daS Dampfender sei unbrauchbar ge­worden, so daß man mit dem Handruder steuern mußte und i« Folge dessen das Schiff nicht hin­reichend in der Gewalt hatte. Der Kreuzer stammt aus dem Jahre 1888.

k Neber das KokouiakHeer ein Gutachten abzugeben, sollte angeblich die bayerische Regierung von der Reichsregierung aufgefordert worden sein. Die halbamtliche .Korresp. Hofmann' in München bezeichnet diese Meldung als falsch. Eine solche Aufforderung ist nicht an die bayerische Regierung ergangen. Man ersieht daraus von Neuem, mit welcher Vorsicht alle Meldungen Über den angeb­lichen Plan der Errichtung eines Kolonialheere« aufzunehmen sind.

h Ire Ilevisio« des zSörseusesetze» scheint selbst dem Herrn Handelsminister Möller nicht ganz geheuer in der Form vorzukommen, wie sie der Börsenausschuß im letzten Monat Juni empfohlen hat. Nach einer Meldung der amt­lichen .Berliner Korrespondenz' empfindet vielmehr der Herr Handelsminister „das Bedürfniß, die von dem Börsenausschuffe . . . gefaßten Beschlüsse mit preußischen Sachverständigen persönlich zu be­sprechen, bevor er in der Sache Stellung nimmt. Er hat daher einige hervorragende Kenner des Börsenwesen« und Börsenrechtes auf den 18. be. zu einer Bespi- ckung eingelaben, bie hoffentlich bie ebenso schwierige als dringliche Angelegenheit weiter klären wi.d". So die .Berliner Korre­spondenz'. Wir können weder finden, daß die An­gelegenheit schwierig, noch daß fie dringlich sei, denn nur die Spekulantenkretse empfinden den Wunsch nach einer Aenderung der gegenwärtigen Zustände. Zur Beurtheilung der vom preußischen Handelsminister einberufenen Berathung müßte man wissen, wer einberufen worden ist.

X Die Merimer ZLürgermeisierwahl. Eine augenscheinlich von amtlicher Seite veran­laßte Kundgebung in de« .Berliner Politischen Nachrichten' führt aus, daß durch die Versagung der Bestätigung einer kommunalen Wahl kein Recht der Selbstverwaltung verletzt werde, die Staatsbehörde damit sich vielmehr durchaus aus dem Boden des Gesetzes bewege und innerhalb der Befugnisse, die ihr durch das Gesetz bei- gelegt seien. Das ist ohne Zweifel richtig. Denn man würde ja gar nicht von einem Be­stätigungsrechte der Regierung sprechen können, wenn diese nicht auch befugt wäre, in be«

Sie nickte und halle wieder ihr Schelmen­gesicht mit dem hübsche« Lächeln aber diesmal spielte ein noch nicht dagewesener, leiser Schmerzens- zug hinein und fie flüsterte: „Wenn Sie der edle Charakter sind, als welchen ich Sie aus den Juan- briefeu kenne, so laffen Sie mich jetzt unbeirrt meine Straße ziehen . . Ich danke Ihnen für oll' die schöne« genußreichen Stunden, die Ihre Korrespondenz mir Einsamen bereitet hat . , " Hier brach Helene'S Stimme ein wenig; aber fie nahm sich zusammen: „Ich vergesse Ihre Briefe nicht;" diese letzte» Worte krängen sogar hart und herb; kaum fühlbar für den armen Juan legte fie ihre Fingerfpitzen in feine, ihr borge» botene, heftig zitternde Rechte und bat: „Nicht wahr, Sie geben mir meine thörichten Schreibe­reien zurück, wie ich die Ihren, so werth fie mir find? Und bitte, auf demselben Wege wie bis­her; also postlagernd; denn ich möchte nicht, daß man im Bernani'schen Hause von meiner, . . von dieser Verirrung meinerseits erführe . . Morgen gegen Mlltag kann ich die Briefe doch wohl abholen?"

Er lachte ein grausiges Lachen, so daß die Leute ringsum sich erstaunt «ach ihm umsahe», und antwortete: „Niemals werde ich mich von Ihren Briefen trennen! Kein Mensch auf Erden ist so thöricht, seine edelste« Schätze hinzugeben; er müßte denn ein Narr sein, reif für das Irren­haus . . und so weit, Fräulein Helene, bin ich bis heute noch nicht."

Unbewußt wich fie ein wenig zurück und wechselte die Farbe, denn ihr Partner redete die Sprache brr Leidenschaft und die erschreckt und

28. Jahrgang.

Fällen, wo ihr das geeignet erscheint, die Bet stätigung zu versagen. Auch das ist eine »ich unrichtige Folgerung, daß eine Stadtoertretung gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoße, wenn sie einen nicht bestätigten Mann von neuem wählt. Denn fie bekundet damit, daß sie daS gesetzlich eingeführte Bestätigungsrecht der Regierung nicht anerkennen wolle. Sollten bie Berliner Stadtverordneten von neuem Herrn Kauffmann zum zweiten Bürgermeister wählen, dann würde der Regierung ja gar nichts anderes übrig bleiben, als die Bestätigung von neuem zu versagen. Sie würde sich lächerlich machen, wenn sie jetzt einen Mann bestätigen wollte, dem sie vor ganz kurzer Zeit die Bestätigung verfügte. Es fragt sich nur, was geschehen soll, wenn die Stadtverordneten dennoch Herrn Kaufmann von neuem wählen. Nach der Versicherung der .Reichshauptstädtischen Korrespondenz' würde sich die Regierung nicht weiter um die Sache kümmern, jedenfalls keinen staatlichen Kommissar mit der Verwaltung der Stelle beauftragen. Die Stelle würde eben unbesetzt bleiben so lange, bis es den Berliner Stadtverordneten gefallen würde, einen Mann zum Bürgermeister zu wählen, der auf die Bestätigung durch die Re­gierung rechnen könnte. Nach erneuter Ver­sicherung der nationalliberalen.National-Zeitung' ist Herr Kauffmann deswegen nicht als Bürger­meister bestätigt worden, weil er der Mann der Sozialdemokratie war, nicht wegen seiner früheren Verabschiedung als Reserveoffizier.

X Sozialdemokratische Spiegelsech, tereie«. Die Komödie, die die Sozial­demokratie mit den angeblich „neutralen“ Gewerkschaften aufführt, schien fast ihr Ende erreicht zu haben. Auch bei den Sozialdemo­kraten gibt es ehrliche Leute, die ganz offen zu­geben, fie wollten diese Gewerkschaften eben nicht neutral haben, sondern forsch sozialdemo­kratisch. Aber die eigentlichen Macher beiden sogenannten „neutralen", in Wahrheit vollkommen fozialdemokratischen Gewerkschaften können fich noch immer nicht entschließen, das Komödienspiel gänzlich und endgiltig auszugeben. Das Ham­burger »Korrespondenzblatt ver Generalkommission der Gewerkschaften' will unter der „Neutralität" die „Fernhaltung der Gewerksckaften von spezifischer Parteipolitik und den Verzicht der Verpflichtung ihrer Mitglieder auf ein gewisses Parteiprogramm" verstanden wiffen. So im Vordersätze. Im Nachsatze liest man es aber ganz anders. Da wird es als „die Pflicht des Arbeiters bezeichnet, sich einer poli­tischen Partei avzuschließrn, die für dm Verwirklichung der von den Gewerkschaften aus­gestellte» Forderungen eintritt . . . ." — und «eiter: „In Deutschland kommt eine andere, als die sozialdemokratische Partei als zuverlässige Vertreterin gewerkschaft­licher Forderungen gar nicht in Be­tracht." Und das soll nun der „Verzicht auf ein bestimmtes Parteiprogramm" fein? Ein blutigerer Hohn auf alle Folgerichtigkeit der Ge­danken ist nicht denkbar! Thatsache ist es und bleibt es eben, daß alle Mitglieder der soge­nannten „neutralen" Gewerkschasten stramme Sozialdemokraten fein müssen, wenn sie sich der schofelsten Behandlung durch ihre lieben Mit- bewegt ein edles Frauengemüth immer, mag sie auch finnbethörend klingen oder edel wie Musik.

„Gute Nacht, Herr Baro»!" grüßte sie leise und zögernd, doch er schüttelte den schönen Kops: „Ich weiche nicht; nein, ich begleite Sie!"

„Keinen Schritt, wenn Sie mich nicht auf das schwerste beleidigen wollen! Ich gehe meinen Weg allein!"

„Allein? Warum durchaus allein? Fürchten Sie sich vor mir, Ihrem besten Freunde?"

„Mein Freund find Sie doch nicht mehr, nun, da Sie mich kennen?"

„Doch! Heute und immer, selbst wenn Sie fottfabren, mich zu hassen . . Darf ich mit Ihnen gehen?"

„Ich danke; nein.“

„Warum nicht? Den Grund muß ich wiffen! Glauben Sie nicht mehr an Ihren getreuen Inan, um deffentwillen Sie doch hierhergekomrnen find? Seien Sie gut! Laffen Sie sich führen; nur bis vor das Haus meiner Verwandten . ."

„Nein, mein Herr; ich will es nicht!"

„Ah! Das sagten Sie mir schon einmal; damals, als Sie mich aus dem Schulzimmer ver­wiesen, wie einen unfolgsamen Buben. Erinnern Sie fich noch? Damals sand ich das anmaßend und lächerlich von Ihnen; heute, da ich Sie kenne in der ganzen Hoheit und Reine Ihrer Seele, zittere ich vor diesem AuSspruche, denn er macht mich krank und mm. . Helene, liebe Helene, seien Sie barmherzig und . ."

Helene hob die Hand wie zur Abwehr: „Halten Sie ein! Und nennen Sie mich nicht beim Vornamen. Sie wiffen doch, daß Sie die