)iei
Krscheim täglich, m- Ausnahme der Soun- und Feiertage. Vierteljährl.
Hezugrpreis ohneBringerlohn itnb Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 M.50 Ps.
tnb gr.
lg.
hin -kn,
Zuserat»! W einspaltige P etit« zeile oder beten Raum1SPfg„Re- klamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
für 2«l«»ate I. Parzelle» mif Züüerijattungs -Deikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"
Drott xnb vertag der Fuldaer Xcttetttomiewl peteregajse llr. 2 (Darmoutet.
«8,
r92f
an
Ml- be- rüden un» den >m- gne 3 eit Pf. L57
M 200.
Jutöa, Montag, den 2. September 1901.
28. Jahrgang.
für Eier und Obst zahlt das Deutsche Reich
Wickelung, dann erhält man ein ebenso über-
Sin anderer wichtiger Punkt, der auch ganz besonders bei dem kürzlich in München abgehaltenen landwirthschastlichen Genossenschaftstage hervorgehoben wurde, ist die bess^e Verwerthung landwirthschaftlicher Nebenerzeugnisse durch die Verkaufsgenossenschaften, also beispielsweise die Verwerthung von Eiern-und von Obst. Gerade
laschendes Ergebniß: die landwirthschastlichen Genossenschaften find cs, die durch ihre Ver-1 mehrung diese über die Maßen kräftige und erfreuliche Entwickelung des Genossenschaftswesens bedingen. Die neu hinzugekommenen Genossenschaften sind nämlich fast ausschließlich land-1 wirthschaftliche. Diese landwirthschastlichen Ge-1 nossenschasten machten im Jahre 1894 bereits den stattlichen Bruchtheil von 64 v. H. aller Genossenschaften aus; dieser Bruchtheil ist in- dessen in den Folgejabren roch ganz erheblich gestiegen, nämlich aus 75 v.. H. im Jahre 1897 und 80 v. H. im Jahre 1900! Und am! stärksten ist die Zunahme gerade im letzten Jahre gewesen, namentlich bei den Molkereigenofien- schaften und bet den ländlichen Bezugsgenossen- schaften: in der Zeit vom 1. Juli 1900 bis zum 30. Juni 1901 sind innerhalb des deutschen Reiches nicht weniger als 1048 neue Genossen-1 schäften errichtet, und zwar fast alle landwirth- schastlicher Art.
Nun sage doch noch Einer, die deutsche Land- wirthschaft lege die Hände in den Schooß, ver- nachlästge alle Selbsthilfe und warte auf die gebratenen Vögel, die ihr durch die Staatshilfe in den Mund fliegen sollten! Dieser ziffermäßige Nachweis über die Entwickelung der landwirth- schaftlichen Genossenschaften ist ein unwiderleg- kicher Beweis des Gegentheils. Das gewerbliche Ge- noffrnschaftswesen, das den Anfang des Genoffen- schaftswesens in Deutschland überhaupt machte, ist von dem landwirthschastlichen GenoffenschastS- wesen in ungeahnter Weise überflügelt worden!
Der Hauptsache nach kann man unterscheiden zwischen Genossenschaften, die fich zusammenthun, um fertige landwirthschaftliche Erzeugnisse zu verkaufen, Verkaufsgenoffenschaften; ferner solchen, die landwirthschaftliche Erzeugnisse erst Herstellen, also beispielsweise Molkereizenofsenschasten; endlich solchen, die nothwendige Kohlen und dergleichen, um sie den Landwirthen wohlfeiler liefern zu können, als der einzelne Landwirth sie einkaufen würde. DaS weiß ja jeder, der nur einmal ganz oberflächlich einen Blick auf dieses Genossenschaftswesen geworfen hat.
Weniger allgemein bekannt dürften einige andere Dinge sein, die mit der Entwickelung der landwirthschastlichen Genoffenschaften im Zusammenhangs stehen; und dazu gehören in erster Reihe außerordentlich heilsame Einwirkungen der Getreide- und Viehverkaufsgenoffenschaften auf den ganzen Handel mit Vieh und Getreide überhaupt. Seit diese Genoffenschaften bestehen, sind die alten und sattsam bekannten Uebelstände im Vieh- und Getreidehandel in sehr angenehm fühlbarer Weise gebfffett worden.
zelner Landwirth mit mittlerem oder kleinerem Besitze, der weitab von großen Städten haust, kann seine Aepfel nicht in vortheilhaster Weise in der Großstadt absetzen. Er muß sich die schlechten Preise gefallen taffen, die ihm der Zwischenhändler zahlt, so daß der Obstbau dadurch kaum nennenswerthe Erträge für ihn ab- wirft. Anders würde es aber sein, wenn in seinem Bezirke eine Genossenschaft befände, die das Obst der Gegend sammeln, sichten und alsdann auf den großstädtischen Markt bringen würde. Der Verkäufer würde sich dabei bester stehen, der Obstbau ertragreich werden, so daß er sich lohnen würde, und auch für die städtischen Verbraucher würde diese Art des Güteraus- I tausches vortheilhaster sein. Hoffentlich erweisen sich die ländlichen Verkaufsgenossenschaften recht bald auch auf diesem Gebiete als fruchtbringend.
Fehler haben alle menschlichen Einrichtungen;
I und so ist auch das ländliche Genoffenschaftswesen nicht frei davon. Ein solcher Fehler ist beim Genossenschaftstage in München mit Recht gerügt worden: die ländlichen Einkaussgenoffen- schaften fällten niemals ihre eigentliche Aufgabe vergeffen und sich hüten davor, dem Kaufmann
I in der Landstadt Konkurrenz zu machen, alle i mögliche Kaufmannswaaren zu beziehen und wo- I möglich auch an Leute abzusetzm, die nicht einmal Mitglieder der Genoffenschaft sind. Falsch im eignen Interesse und das Gegentbeil von nobel würde es sein, wenn ländliche Einkaufsgenossenschaften durch ihre Wirksamkeit dem kleinen Kaufmann in der Stadt den schweren Kampf ums Dasein noch schwerer machen wollten.
Deutsches Keich.
Berlin, den 31. August.
ri Ale Aaiservegegnrrug ist nach wie vor Gegenstand von grundsätzlichen Meldungen. Daß sie stattfinden wird, ist amtlich festgestellt. Aber man läßt die Orffentlichkeit noch im Un« gewissen über Tag und Ort der Zusammenkunft. Man sagt noch nicht, ob der Zar am 10. oder 11. September eintreffen, und auch nicht, wo die Zusammenkunft stattfinden werde, ob auf der Höhe von Heia oder auf der Rhede von Danzig. Die von einigen Blättern gebrachte Meldung, Kaiser Wilhelm werde den Zaren nach dem dänischen Schlosse FredenSbor; begleiten und dort an der Zusammenkunft ml dem britischen König theilnehmen, wird von
Am ersten April.
Original-Roman von Ida John-Arnstadt.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
„Ach! Ist er wirklich Ernst? Du Glückkicher! Ich gratulire!"
„Bst! Keine Voreiligkeiten! 'S ist ein stattlicher Berg von Schwierigkeiten zu überwinden, bis wir so weit find .. Aber jetzt sag' mir bloß, vor was Du Dich so entsetzt hast beim Hineinschauen in die Loge? Ich denke. Du erwartest einen Engel in Mädchengestalt auf Nr. 39 zu finden, und nun diese Szene!? Bist Du so enttäuscht?"
„Ja; furchtbar; weil ein Teufel mir den Streich gespielt hat, mir die unausstehlichste Person, die ich kenne, in den Weg zu führen."
„Ah, die niedliche, schlanke Brünette in Weiß, die sich so erschrocken nach uns umdrehte und plötzlich so blaß wurde?"
„Ja; die größte Schlange, die es gibt; Ber- nani's Erzieherin!"
„Aber ein entzückendes Geschöpf; prachtvolle Figur, schöne Augen."
„Man sieht, wie man sich ändern kann; Früher stand ich auch auf Deinem Standpunkte, die Dinge nach dem Scheine zu beurteilen; jetzt ist das anders."
„Ja, Du bist ein sonderbarer Schwärmer geworden; das sagen noch mehr Leute außer mir; doch willst Du mich nicht aufklären? Oder willst Du auch mich, Deinen besten Freund, im Dunkeln kaffen?"
fit Landwirthschaftliche Genossenschaften.
Bor einiger Zeit berichteten wir über die Mntwtckelunq des Genossenschaftswesens im Deutschen Reiche überhaupt. Die Zahl der ein-
man nach ijen Gründen dieser eigenartigen Ent- I Verkauf dieser Dinge noch eifriger als jetzt Wickelung, dann erhält man ein ebenso Über-1 ^^ben und besser organisirt würden. Große Summen deutschen Geldes würden auf diese Weise dem Inlands erhalten und der deutschen Land- wirthschaft zugeführt werden können. Ein ein
getragenen Genoffenschaften hat sich, vom Jahre 1894 bis zum Jahre 1900 von rund 9400 auf, ■, , ...
rund 17400 vermehrt - eine überraschend starke größere Summen an das Ausland, als Entwickelung des Genoffenschaftswesens! Forscht I Ehrg fein _ würde, wenn die Erzeugipig und
daß diese Frauenbewegung lächerlich und widerwärtig zu gleicher Zeit ist, widerspricht doch wieder einmal vollkommen den sozialdemokratischen Lehre von ehedem. Der Herr Obergenoffe Auer hatte, wie bekannt, zuerst auf dem Stuttgarter Parteitags die Streitaxt gegen die Weiber von dem Schlage der Zetkin und Luxemburg ausgegraben, und der Beifall, der ihm damals zu Theil wurde, bewies schon, daß er die überwiegende Mehrheit auf seiner Seite hatte. Diesmal, bei dem bevorstehenden sozialdemokratischen Parteitage in Lübeck, soll von jeglicher Fcauen- versammlung abgesehen werden. Der Antrag, auch diesmal roieber eine „Frauenkonferenz" zu veranstalten, ist vollkommen unbeachtet geblieben, und vorläufig ist noch nicht einmal etwas von weiblichen Vertretern zu spüren, die für Lübeck auserkoren seien. In Berlin wenigstens ist bisher noch kein Vertreter des ewig Weiblichen erwählt worden; ob die Agitation, die zur nachträglichen Erreichung dieses Zieles entfacht worden ist, von Erfolg fein wird, bleibt abzuwarten. Mancher wird diese Aenderung wiederum gern als ein Anzeichen für die begonnene sogen. „Mauserung" der Sozialdemokratie betrachten wollen. Wie weit die Sozialdemokratie von einer solchen Aenderung entfernt ist, bewies in diesen Tagen erst neben unendlich vielen anderen Merkmalen die Bewaffnung der belgischen „Genossen" mit Revolvern durch die Leitung der Partei zum befferen Nachdrucke in der Be-
aufgerüttelt worden fein. Aber aus der bartncdtjgen Weigerung des Prinzen, die vor, men »u erfüllen, geht h-rvor, wel<
geschriebenen Forchen großen Werth die Chinesen auf derartige Förmlichkeiten legen;
roegung gegen die belgische Regierung wegen des allgemeinen Stimmrechtes. Ein passendes Seitenstück dazu wurde ganz neuerdings in der Schweiz geliefert. In Genf erscheint daS So- zialistenblatt „Temple de Gensve" (Genfer Volk). Dieses edle Blatt fordert ganz offen und frech die Soldaten auf: „bei jedem kleinsten Mißbrauche der Gewalt schaffe der Soldat sich selbst Gerechtigkeit; er helfe sich selbst! . . . WaS vermag der Säbel, geführt von der Hand eines durch Orgien und luftige Mähler fiebernden Mannes gegen eure Gewehre, die ihr handhabt mit dem starken Arm des Arbeiters . . .!' Diese Sätze brauchen keine Erläuterung weiter. Sie preisen nichts mehr und nichts weniger als den offenen, bewaffneten Aufruhr im Heere. Und das soll „Mauserung" fein?
* Die Kegrüiidrmg einer Kohlerrdepol- geseiklchatt in Port Said steht nach der »Franks. Zig.' unter Führung der Hamburg- Amerika-Linie bevor. Es handelt sich, wie es scheint, um eine Genoffenschaft,» welche die deutschen Rhedereien bilden wollen, um sich unabhängig vom englischen Zwischenhandel zu machen. Das Kohlendepot soll nur Kohlen. an solche deutschen Rhederelen liefern, die Mitglieder der Genofferschaft sind. Auch für andere wichtige ausländische Kohlenhäfen wollen die Hamburger und Bremer Rhedereien deutsche Depot-Gesellschaften demnächst ins Leben rufen.
* HumSirmen, 31. Aug. Die Nachricht, der zum Tode verurtheilte Marten sei auf Anordnung des Gerichtsherrn, tommanbirenben Generals Grafen Finck von Finckenstein, nach Danzig gebracht worden, wird als irrig erklärt. Marten wird vielmehr bis zur Entscheisung des Reichsmilitärgerichtshofes in Berlin in Gum- athem und -Treiben all des Menschenlebens und -Gewühles erfüllt! Und hoch darüber der ernste, schweigende, sternbesäete Nachthimmel, monderhellt, mit der stillen, geheimnißvollen Sprache des Welt- räthsels.
Baron von Rettingshofen warf einen Blick hinauf und preßte des Freundes Arm. Noch nie hatte er sich so unglücklich gefühlt, als in dieser Stunde, und er war doch ein vielerfahrener, vielgetäuschter Mann von dreißig Jahren! Manchen Strauß mit dem Leben hatte er schon durchkämpst und war nicht immer siegreich daraus hervorgegangen; im Gegenthcil; und endlich, mit allem Fleiß und aller Uebung hatte er alles Ideale von sich abgestreift und war geworden, was die Gesellschaft aus ihm gemacht hatte, ein Mann „von Bildung und Weltgewandtheit", bis sie ihn geweckt hatte, die unbekannte, geistreiche, Hochherzige Briefschreiberin CH. Haffard . . Wie hatte sie es verstanden, ihm bas verlorene, freiwillig aufgegebene Paradies wieder auffuchen und neu erobern zu helfen! Wie konnte sie bethören und berücken! Wenn er nur ihrer Naturschilderungen gedachte! Sie hatte auch den nächtlichen Winterzauber gemalt, unvergleichlich, in der edlen Sprache ihres Stiles! . .
Er seufzte tief auf, und der neben ihm schreitende Freund ließ ihn verständnißvoll gewähren, bis der Baron selbst das Schweigen brach.
„Du, Karl, hast Du schon einmal mit einer geistreichen Frau korrespondirt?"
Der Gefragte lachte auf: „Ja; ich denke... Das weißt Du doch am besten."
„Ich meine ernsthaft und auf länger ?" „Ernsthaft? Ja . . . Aber auf länget
amtlicher Stelle als unwahr bezeichnet. Das I Zarenpaar ist am letzten Freitag von Peters- i bürg nach Kopenhagen, ober vielmehr nach ' Schloß Fredensborg abgereist.
X Nochmals Staat und Kurie. Erst nachträglich ist das Rundschreiben des Kardinal- staatssekretärs Rampolla an die Domkapitel in seinem ganzen Wortlaute allgemein bekannt geworden. Die genaue Bekanntschaft damit bestätigt die in der,Fuld. Ztg.' gleich im Anfänge ausgesprochene Vermuthung, daß dem Rundschreiben nämlich durchaus kein kriegerischer Geist gegen di- Staatsregierungen innewohnt, sondern n Zug des Friedens und des Entgegenkommens, der sehr angenehm berührt Das geht aus olgendem Absätze hervor, der in dem ersten, auf dem Drahtwege verbreiteten AuSzuge aus )em Rundschreiben übergangen worden war:
JeneS negative Einoreisen, das einem nicht- katholischen Landesherrn ober eher solchen Regierung zugkstanden wurde, hat keinen andern Zweck, als die Wahl von Personen zu verhindern, die der weltlichen Gewalt minder genehm sind. Den Domkap'teln liegt somit ob, nur Männer in Vorschlag zu bringen, die bereits vor der Wahl außer den zur Lehre, Vertheidigung und friedlichen Leitung der Kirche erforderlichen Eigenschaften den Ruf genießen, daß sie klug, ruhig und loyal find, so daß sie der Regierung Mcht unangenehm sein können.
Das Rundschreiben war nicht nur an b?e preußischen Domkapitel gerichtet, sondern an alle deutschen Domkapitel mit Ausnahme derjenigen in Bayern und in Elsaß-Lotbringen. In Elsoß- Lothrivgen wählen die Domkapitel die Bischö'e gar nicht. Das Schreiben ftammt vom 20. I uli 1900.
h. Der chinesische SSsineprivz scheint von feinen eigenen Landsleuten hinter das Licht gesühr worden zu fein. Nach übereinstimmenden Meldungen sollen nämlich die äußeren Formen deS Empfanges beim deutschen Kaiser bereits in Peking unter Zustimmung deS chinesischen Kaisers vereinbart worden fein, Prinz Tlchun soll aber erst in Genua Kenntmß davon erlangt haben. Aus diese Weise würde sich auch eine Aeußerung des Prinzen leicht erklären laffen, in der er sagte, er wolle gar nicht in Potsdam mit rauschenden Festen empfangen und bewirthet werden, denn er sei sich wohl bewußt, daß er eine Sühnebotschaft auszurichten habe, und außerdem wolle er feinen Aufenthalt in Deutschland zu ernstem Studium verwenden. Der arme Prinz mag durch die unliebsamen Eröffnungen in Genua recht unsanft aus seinen Träumen von Glück, Fröhlichkeit und Ehrungen
und gerade deswegen muß Deutschland erst recht auf der Erfüllung derselben bestehen. Angeblich wird am Montag die Entscheidung erwartet.
X Die Sozialdemokratie ist ihrer sogen. Frauenbewegung augenscheinlich schon herzlich überdrüssig. ~ Allen nicht sozialdemokratischen Gemüthern erscheint dies nichts weniger als verwunderlich; aber die thatsächliche Erkenntniß,
„Alte Geschichte; darum so intereffant für uns!"
„Jawohl; bis wir das Räthsel ihres Daseins gelöst haben. Alles Falschheit, Berechnung, Läge! Daß ich bas erfahren mußte! Auch von ihr ver- rathen, die so hoch stand, unerreichbar! . . Pfui! Welch ein Ekel faßt mich an! . . Komm', laß uns gehen!"
«Ja, liebster Boris, erst muß ich hinauf zu meiner Flamme . . Gehst Du mit?"
„Ich kann Dich ja auf der Treppe erwarten; werde einstweilen die Komödiontengesichter betrachten, die hier gemalt und gemeiselt zur Schau ausgestellt sind. Keine jener gefeierten Künstlerinnen der Bühne kommt an Verstellung der Dame Haffard gleich. Sie übertrumpft sie alle!.. Nur schade, daß ich der Narr bin, mit dem sie ihre Rolle spielt. Dauert's lange, Karl, Dein Stelldichein? Oder kommst Du bald wieder?"
„Ohne Dich geh' ich keinen Schritt, mag mein Liebchen warten! Ehe die Oper zu Ende ist, sind wir doch im Klaren!"
„Ja; gewiß . . Also hinaus! Wir können ja ein wenig draußen promeniren; still fitzen könnt' ich ohnehin nicht . . Meinen Pelz, Garderobiere, und die Mütze! Nummero 108!" . . Eine klingende Münze flog auf den Tisch.
Binnen wenigen Minuten und mit H'lfe seines Freundes gut eingehüllt, schritt der Baron Arm in Arm mit dem jugendlichen Baurath die Marmortreppen des Opernhauses hinab in das Freie.
Wien im Schnee, weich' entzückender Anblick! All' die herrlichen Bauten, Denkmäler, Plätze und Anpflanzungen in dem weißen Schmucke, von unzähligen Lichtflammen bestrahlt und vom Riefen-
„ Weißt Du, Karl, wenn ich mein Geheimnb nicht so sorgfältig vor jedem Menschenauge und Ohre gehütet hätte, selbst vor Dir, bann könnte ich denken, die junge Intrigantin da drin hätte mir heuie einen Streich spielen wollen, denn ich weiß, sie haßt mich . . Ober . . wart' mal! . . Ja, ja; bas ist möglich: vielleicht hat sie eine Fremibin, bie sich ihr anvertraut unb sie als Stellvertreterin hierher geschickt hat, um vorher aus« zukunbschasien, wie derjenige, welcher; ... wie Juan aussieht."
Die letzten Worte schien Baron Rettingshofen zu sich selbst zu sprechen, wenigstens blickte er nie geistesabwesend neben feinem Freunde vorbei In die Garderoben hinein, sodaß dieser feine Hand erfaßte und ängstlich bat: „Boris, nimm Dich doch zusammen! Du sprichst in Räthseln und ich glaube, wir gehen jetzt zum nächsten Mediziner; Professor B. wohnt ganz in der Nähe... Komm, Kleiner; gib mir Deinen Arm! Ist Dir schwindelig?"
„Nein-; gar nicht! Wie kommst Du darauf? Sehe ich so aus?"
„Ich dachte nur . . /Du scheinst ein wenig irre zu reden."
„Baurath, ich sehe, ich muß Dir alles beichten, alles, denn meine Weisheit ist arg in bas Wanken gekommen ... Wo können wir uns wohl aus- sprechen?"
„Bleiben wir boch hier!"
„Hier? Keine Minute! Ich muß hinaus, in Nacht unb Winterluft, sonst muß ich ersticken unb zubem, wenn bas Publikum nach bem Aktschluß herausbrängl! Menschen sehen, Damen! Um keinen Preis! Jebe Frauengestalt ist eine Sphinx!"