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mit Zlnlerhattungs-Anlage „Issuflrirte Sonntags-Zeitung"

M 198.

Julüa, Freitag, den 30. August 1901.

28. JahrgMg.

48. SmmlMsWUlmz dttKOMk« vnltlchilisds ii Ogmbriiik.

IV.

C.P.C. Osnabrück, 28. August.

Dritte öffentliche Keneknlverfnmmlnns.

Die dritte öffentliche Generalversammlung wird kurz nach 5 Uhr durch den 2. Vizepräsi­denten Konsul Nölting-Hamburg mit dem katholischen Gruß eröffnet. Der Sitzungssaal, sowie die Galerien sind wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Oüerpfarrer Brammer-Aachen spricht über die Fürsorge für die aus der Schule entlaffene Jugend. Redner bemerkt, daß er sich auf dre Fürsorge für die männliche Jugend be­schränken wolle. Die Erziehung sei eine der schwierigsten Aufgaben; sie müsse in der frühesten Leit beim Kinde einsetzen, damit der Wille des Kindes gebrochen werde. Soll das Kind Uner­laubtes meiden, müffe Erlaubtes ihm zuweilen untersagt werden. Früh müffe das Kind beten lernen und wenn es herangewachsen, eifrig zu den Sakramenten angehalten werden. Denn nur auf christlicher Grundlage reife das Kind znm brauch­baren Menschen heran. In der Schule muß dem Kinde die Verwerflichkeit der Sünde geschildert und die Nothwendigkeit des Kampfes gegen die Leidenschaften klar gemacht werden. Besonders wichtig ist die Erziehung der Kinder von Ar­beitern, die meist schon mit dem 14. Jahre ins Leben hineingeworfen werden und oft ohne Auf­sicht bleiben. Was in den Wochentagen ver­dorben wird, kann der eine Sonntag, der der Familie verbleibt, nicht gut machen. Achtet da­rauf, ihr Eltern, daß ihr von Euren Kindern in den Werkstätten jene Elemente fern haltet, welche darauf hinausgehen, unschuldige Kinder zu verderben. Bedauerlich ist, daß die jugend­lichen Arbeiter — wie fast sämmtiiche Geistliche klagen — die Kirchs so wenig besuchen, und daß sich das Bestreben tn der Jugend geltend macht, früh unabhängig zu sein. Ein Verderbniß sei auch die Vergnügungssucht. Gewiß sei dem Ar­beiter ein Vergnügen zu gönnen, aber schwer ver- urtheilt müffe es werden, wenn die Eitern mit den Kindern, die Säuglinge nicht ausgeschloffev, von einer Kneipe in die andere zögen, und wenn Sonntags Abends junge Burschen sinnlos be­trunken zu sehen sind. Der Alkoholgenuß hat in er­schreckendem Maße zugenommen; selbst Kindern in geringem Alter wird Alkohol gereicht! Von de« bösesten Folgen sind die Wohnungsverhält- niffe, da bei beschränkten Räumen die Eltern froh sind, wenn die Kinder sich draußen aufhalten. Dir Kinder ober werden auf diese Weise zum Umhn treiben veranlaßt und aus ihnen rekrutirev sich später die Diebe. Wenn die Familie die Erziehung vernachlässigt, muß der Staat ein» greisen, und deshalb ist das Fürsorgcaesetz zu begrüßen, an dessen Zustandekommen das Centcum hervorragend mttgearbeitet hat. (Beifall.) Der Falk'sche Schulerlaß muß aufgehoben werden; durch Jugendvereinigungen mit Arbeitsnachweis beuge ma« dem Verderben vor; sckon mancher sei durch diese Vereinigungen vor dem Untergänge bewahrt worden. Redner apprllirt sodann an

Am ersten April.

Original-Roman von Ida John-Arnstadt.

10 ------- (Nachdruck verboten.)

Eben wollte sie hinausschlüpsen, ihren Kaffee hereinzunehmen und sich dann schleunigst für die Kirchs anzukleiden, al« „eins, zwei, drei", zier­liche Füßchen die Treppe herauf hüpften und Nesty, schon fix und fertig angezogen, vor ihr stand; schnell erfaßte sie mit ihren kleinen Händen da« Tablet mit Fräuleins Frühstück, ganz heim­lich eine thaufrische, eben vom Gärtner geholte Rose neben die Taffe legend und es nun mit einem tiefen Knixe darreichend: „Mama und Papa lassen Ihnen guten Morgen wünschen, Fräulein Langschläferin, und schicken Ihnen diese Rose; die möchten Sie heul' Abend im Gürtel tragen . . . o, Sie dürfen mir das Tablet nicht abnehmen; ich trage es schon sicher hinein . . . So . . . Nun setzen Sie sich und trinken Sie rasch . . . Ich schaue Ihnen zu . . . Darf ich?"

Dabei halte sich Nesty auf die Tischplatte ge­schwungen und examinirte weiter: „Sie tragen doch heut' Abend weiß?"

„Gewiß, Liebling; aber ich bitte Dich, mich für zehn Minuten allein zu lassen; ich bin noch unfrtsirt; ich werde ganz schnell fertig sein und dann hinunterkommen, zu danken und dann mit Euch den Gottesdienst zu besuchen."

Nesty lachte wie ein Kobold. „So? Ich soll wieder gehen? Das thu' ich aber nichts ganz gewiß nicht; erst will ich Sie frühstücken sehen."

„Ich nehme nur schnell eine Tasse Kaffee."

seine Konfratres, an die Damen und an alle, die berufen sind, an der Erziehung der Jugeno mit» zuwirken, mit allen Kräften dahin zu streben, daß die Jugend vor Gefahren bewahrt bleibe. (Lebhafter Beifall )

Zweiter Redner ist Herr Pfarrer Trauert aus Quakenbrück, er spricht über Kaplan Geling und die Mäßigkeitsbestrebungen in unserer Zeit. Redner gibt zunächst einen Ueberblick über das Leben SelingS, der erst Spinnradmacher, dann Soldat in französischen Diensten war und endlich Geistlicher wurde. Im weiteren hebt <r die Ver­dienste SelingS um Osnabrück hervor. Sein Hauptverdienst liege in der Förderung der Msßig- keitsbestrebungen. Die damalige weite Verbrei­tung des Aikoholgenuffes habe ihn zur Gründung eines Mäßigkeitsoereins in Osnabrück veranlaßt, der in einem Jahre auf 2000 Mitglieder ange­wachsen sei. Auch im Münsterland, im Olde«- burgischen ur d im Hildesheimischen habe er den Kampf gegen den Alkoholgenuß geführt. Auf einem Wagen habe er 7 große Ma^e bilder mit sich geführt, die den Fortgang der Verderbung des Magens durch den Alkohol dargestelll hätten. Hauptsächlich habe er sich der Jugend zugewandt, und 82000 Menschen hätten in seine Hand das Gelöbniß der Mäßigkeit abgelegt. Redner weist im weiteren daraus hin, naß die Jesuiten sich auf dem Gebiet der Mäßiqkeitsbestrebungen große Verdienste erworben hätten und betont, daß auch aus diesem Grunde die Jesuiten von den Katho­liken zurückgefordert würden. (Beifall.) Im weiteren bespricht et die katholische Bewegung gegen den Alkohol und schließt mit der Bitte, Selbst­überwindung zu üben und den Groschen, den ein Jeder leicht am Bier sparen könne, dazu zu ver­wenden, Trinker zu retten. (Lebhafter Beifall )

Präsident Justizrath T r i m b o r n macht darauf aufmttksam, daß Herr Grauert, der August heißt, heute Namenstag habe, und gratulirt diesem sowohl wie allen im Saale, die „B-rjust" heißen (Stürmische Heiterkeit), zu ihrem Namensfeste.

Darauf erhält Abg. G r ö b e r das Wort. Der­selbe spricht über baS Thema: „Die einige, hei­lige, katholische Kirche und die kircheufeindlichen Bestrebungen in unserer Zeit." Das Merkmal der wahren Kirche ist, daß sie einig, heilig, katho­lisch und apostolisch ist. Apostolisch ist nur die römische Kirche, denn sie allein kann den ununter­brochenen Zusammenhang zwischen Petrus und Leo XIII. historisch Nachweisen. Auch besitzt die katholische Kirche allein die Einheit, denn diese ist nur mit einer einheitlichen Organisation gegebrn. Eine Religion, die sich auf das Prinzip der freien Forschung stellt, kann unmöglich dir Einheit des Glaubens bewahren. Wollte man an die Lehrer der heutigen Theologen in den anderen Kirchen den Maßstab der Lehren anlegen, die bei ihrer Gründung verkündet worden sind, dann gäbe cs in keiner dieser Kirchen «och einen orthodoxen Theologen. (Beifall.) Ferner muß die wahre Kirche allgemein, d. h. katholisch, sein, denn Christus hat seine Kirche für alle Menschen gegründet; und sie muß eine allgemeine Kirche fein, weil sie nur in voller Unabhängigkeit von jeder Staatsgewalt bestehen kann. Nationale Schlagbäume kann man nicht errichten — oder hat Christus die Leitung seiner Kirche dem Regierungs-Präsidenten von

„Und ein Brödchen, und einen Happen Schinken und zwei Eier und . . ."

„O, Kind, wie schlimm Du bist! Bitte, geh' jetzt! Ja? Willst Du?"

„Nein, liebes Fräulein, lassen Sie mich doch da. Wozu haben Sie denn Ihren hübschen Bett­schirm? Wissen Sie noch, wie oft Sie ihn um den Divan gestellt und mich hinein gehoben haben in das dadurch entstandene Stübchen? Bitte, thun Sie es jetzt wieder. Da sehe ich nichts von Ihrem Anziehen und bin doch bei Ihnen."

„Meinetwegen, Du arger Quälgeist", lachte das junge Mädchen, hob Nesty vom Tisch auf das kleine, türkisch überzogene Sopha und schob den zweitheiligen Bettschirm über Eck' davor. „Nun schau ein wenig durch da« Fenster oder zähle dte Rosen auf dem Divanmuster; in zehn Minuten bist Du erlöst."

„O, ich will gar nicht erlöst sein; es ist sehr hübsch bei Ihnen und wir können uns etwa« er­zählen . . . Wissen Sie schon, daß Onkel Boris für heute Abend zu uns eingelabtn ist?"

„Gewiß, mein Herzchen, . . ich . . weiß es."

Während Helens das sagte, tauchte sie ihr Ge­sichtchen zwei, dreimal in die bi« zum Rand mit eiskaltem Wasser gtfüllte Waschschüssel, daß die Tropfen nur so um sie her sprühten und Nesty sich hinter ihrem Schirm kugelte vor Lachen.

„Nein, wie Sie pusten!" jubelte sie, „das müßte Onkel Boris hören! Zu hübsch klingt es . . Der hält Sie nämlich für langweilig . . Glauben Sie das?"

„O ja, das glaub' ich schon, mein Kind; viel­leicht bin ich er auch . . ihm gegenüber."

Palästina übertragen? (Heiterkeit.) Eine Kirche, die unbedingt dem Befehle des Staates unter­worfen ist, hört auf zu existiren. Die Kirche muß heilig sein, ihre Lehren und Einrichtungen müssen zu Gott führen. Redner kommt im Zusammen- hange hiermst auf die Verunglimpfungen Alfons von Liguori zu sprechen. Alle, die diesen Mann gekannt hätten, wären von seiner Heiligkeit voll und ganz überzeugt gewesen; nur ein halb oder ganz "verrückter Mensch dieser Tage habe es ge- wagt, das Andenken des Heiligen zu besudeln. (Pfui!) Den Namen dieses Mannes will ich nicht in das Protokoll der General-Versammlung bringen. (Beif.) Das traurigste sei, daß so viele Protestanten und auch Katholiken diese Lüge geglaubt hätten. Redner kommt dann auf die Beichte zu sprechen und bemerkt, daß selbst Voltaire ausgesprochen habe, die Beichte sei der mächtigste Zügel gegen das Laster. Mit der Beichte hänge das Cölibat zusammen; ein Mann, der verbeirathrt sei, könne das Beichtgeheimniß nicht wahren. Man dürfe angesichts des Cölibats nicht sagen, doß dis kathol. Kirche die Ehe herabsetze; für die kathol. Kirche sei die Ehe ein Sakrament und unauflösbar, und sie habe lieber ein Königreich geopfert, als doß sie die Unlöslichkeit der Ehe aufgehoben habe. Das kathol. Volk schätzt seine Geistlichen und sei stolz darauf, daß selbst ein Königssohn den ein­fachen Priesterrock angezogen habe. Der heutige Kampf ist zu suchen zwischen Atheismus und Gottesglauben und da sollten alle Christen zu­sammenhalten, um gemeinsam den Atheismus zu bekämpfen. Wir scheinen aber noch weit davon ab zu sein; denn der Evangelische Bund hat eine Evangelisationsgesellschaft begründet, die den Katholiken das Evangelium bringen soll. Dies kennen wir aber schon feit 1900 Jahren! (Stürmischer Beifall ) Die Los von Rom-Be­wegung ist politischer Natur und heißt richtig übersetzt: Hin nach Berlin! Redner verweist darauf, daß diese Los von Rom-Bewegung durch Deutsche evangelische Geistliche unterstützt würde. An die Katholiken richtet er die Mahnung, ja ihre Pflicht als Katholiken zu ersüllsn, damit die Gegner über das wahre Wesen des Katholizismus unterrichtet würden, so lange dies nicht geschehe, müffe man in vielen Fällen dem Gegner gegen­über Nachsicht üben. Da man einen Kampf gegen 2 Fronten habe, gegen den Umsturz und die­jenigen, die uns in den Rücken fielen, müßten alle Katholiken zusammensteheu — dann fei der Sieg unser! (Stürmischer Beifall.) Nach einer Schlußansprache des Hochw. Bischofs v. Euch- Kopenhagen schloß die Versammlung gegen 8’/* Uhr.

C.P.C. Osnabrück, 29. Aug.

Merts geMosses« Kerreralversanrrnkurrg.

bürg i. B. hat zu Gunsten von Ma«nheim ver­zichtet. Ferner wird angerommen ein Antrag betreffend Abgabe von Bauplätzen behufs Seß- haftmachung ländlicher Arbeiter; betreffend eine wesentliche Erhöhung des Zollschutzes sür die Landwirlhschaft; betreffend die Bildung katho­lischer Jugendvereine als Mittel gegen die Ver­wilderung der aus der Schule entlassenen Jugend; ein Antrag, der das System der ländlichen Krankenbesucherinnen empfiehlt, sowie Anträge, die die Veranstaltung von Volks» bilbungsabenden und die Errichtung von öffent­lichen Bibliotheken und Lesehallen, die nach christlichen Grundsätzen geleitet werden, und andererseits die Mitwirkung der katholischen Arbeitervereine bei einer allseitigen Ausbildung der katholischen Arbeiter empfahlen. — Damit ist die Tagesordnung erledigt; die Sitzung wird um 91/* Uhr mit dem katholischen Gruße geschloffen.

Merle öffentttche cherrerak Versammlung.

Dieselbe wurde unter starkem Andrange des Publikums durch den Präsidenten Justizrath Trim» born mit dem katholischen Gruße eröffnet. Als Ehrengast wohnte der Versammlung der Regie­rungs-Präsident o. G «scher bet. Der kathol. kaufmänn. Verein in Mannheim sagt in einem Telegramme tausendfachen Dank für den Beschluß, den nächsten Katholikentag in Mannheim abzu­halten. Prof. Müller-Straßburg spricht über die neueste Philosophie und die christliche Welt­anschauung. Als unsere Aufgabe bezeichnet er die Erstrebung des Sieges des christlichen Rechtes, der christlichen Gesellschafts-Ordnung Nachdem eS dem Gegner nicht gelungen fei, unsere Reihen zu durchbrecken, suche er dem katho­lischen Volke die Quellen zu verstopfen, auS denen eS seinen Muth, seine Ausdauer und seinen Glauben schöpfe. Dte Katholiken wollten sich au8 der modernen Zeit nicht ausschalten laffen und nicht der modernen Zeit gelte der Kampf, sondern dem Atheismus. Der Abfall vom Christenthum ergreife immer weitere Kreise, namentlich auch unter denjenigen, die sich die geistigen Führer deS Volkes zu nennen pflectrn. Die Vertreter der modernen Wiffenschast pflegten zu sagen, sie hätten nicht mir niedergeriffen, sondern auch aufgebaut, irib-m sie den Meschen vom Uebernatürlichen los­gelöst und zur Natur zurückgeführt hätten. Diese Epigonen vergeffen aber, daß die Begründer der modernen Naturwissenschaften sämmtlich gläubige Menschen waren. Von den luftigen Hypothesen sängt man indessen schon an, zurückzukommen. So erklärte einer der gefeiertsten Gelehrten, dessen Name eng mit dem Kulturkämpfe verknüpft ist, auf dem Anthropologen-Kongreffe, daß man beute nicht mehr im Stande fei, das große Räthsel zu

Der fünfte und letzte Tag der diesjährigen Generalversammlung bet Katholiken wurde einge- leiket durch heilige Messen, die nach derJntention des Bonifaliusverems in allen Kirchen zele- brirt wurden. Die vierte geschloffeneGeneralver- sammlung wurde kurz nach 8l/a Uhr durch de« 1. Vizepräsidenten Freiherr von Thüne- seldt eröffnet. Zunächst wird ein Antrag an­genommen, wonach die nächste Katholikenvrr- fammlung in Mannheim stattfindet, Frei-

evtwirren und daß man sich mit den nüchternen Thatsachen des Wissens begnügen müsse. Im Weiteren behandelt Redner dieN'.etzsche'sckePyilo» sophie und den Sozialismus. Jene wolle, daß nur wenige genössen, während die großen Massen des Volkes als eine Heerde zu betrachten seien, die zu dienen habe. Dagegen wolle der Sozialis­mus, daß alle genössen. Nur das Christenthum könne die heutigen Gegensätze iöfes. (Beifall.) PräsidentJustizrathTrimborn dankt dcmRed»

„Haben Sie ihn nicht lieb; nicht so ein ganz klein wenig?"

„Nicht sehr."

„Sagen Sie die Wahrheit, Fräulein; Sie find herb auf ihn!"

„Herb? . . Et ist mir gleichgiltig . . So; nun noch da« Haar; bann bin ich fertig."

„Also gleichgiltig? . . Ist ba« etwas Böse«?"

„O nein."

„Aber auch nichts Schöne«, nicht wahr? . . Fräulein, ich glaube, Onkel Boris ist nicht gut! er hat nämlich gestern zu Mama gesagt, Sie wären. .“

„Nun?"

„Soll ich es Ihnen sagen?"

„Wenn Du e« barfst . . . Geheimnisse soll man nicht verrathen."

„Das weiß ich wohl; aber es ist doch gar kein Geheirnniß, benn Onkel sagte e« nicht heim­lich, sonbern ganz laut, daß ich es hören mußte.. Ich spielte nämlich gerabe mit meiner Puppe in Mamas Zimmer . . Wollen Sie es wissen?"

„Lieber nicht."

„Lieber doch! . . Sie waren . . . Euer Fräulein ist eine unausstehliche Person und perfib bazu . . Hören Sie? Perfib! . . Was heißt das?"

„Das ist freilich etwas sehr Schlimme« : falsch, treulos, heimtückisch."

Nesty stieß mittelst einer heftigen Bewegung ben Schirm zurück unb sprang mit ausgebreiteten Aerrnchen auf Helene zu: „Nein, falsch unb treulos unb wie bas anbere schreckliche Wort heißt, finb Sie nicht, mein lieber gutes Fräulein, unb es ist sehr schlecht von Onkel Boris, so etwas zu sagen; aber warten Sie: Friedrich hat ihm heute

in ber Frühe einen Brief von Mama hinausge- tragen, eine Einladung für heute Abend, unb da­rauf hat er sagen lassen, die Antwort brächte er in der Mittagsstunde selbst; gewiß will er mit uns speisen unb ba werb' ich ihm sagen, was er für Einer ist, baß er ein ganz böser Onkel sei!"

„Nein, Nesty, bas wirst Du nicht thun!" sagte Helene bestimmt.

„O, bitte, bitte, ja, erlauben Sie es mir!"

„Thu' es nicht!"

„Warum nicht!"

„Weil ich es nicht wünsche. . . Versprichst Du mir, keinem Menschen etwas davon zu er­zählen?" '

„Auch meinem Brnder nicht?"

„Auch Franz Joseph nicht."

„Aber doch Mama!"

„Mama weiß e« ja schon, wie Du sagst . " „Ja, unb sie hat auch mit einem ganz bösen Gesicht geflüstert: „Aber Boris!" unb noch etwa«, was ich nicht verstaub . . Sinb Sie schon fertig?'*

„Nur noch das Pelzbarett unb die Hanbschuhe." „Das ist schnell gegangen mit Ihrem Anzuge; aber es war auch nölhig: hören Sie ? Die Kirchen­glocken tauten schon unb jetzt ruft auch Franz Joseph." *

„Ja, kleiner Strick, komm' rasch; e« ist ein weiter Weg bis zur Kirche."

«„Und nach ber Kirche fahren wir In die Konditorei; Sie wissen schon, wo die Kücheln immer so fein schmecken unb bas Obere nach Vanille riecht ... unb bann gehen wir durch ben Stabtpcnk nach Hause! . . . Nun? Sie ant­worten ja nicht! . . . Wirb es so?"