Einzelbild herunterladen
 

Jnftraft:

MN Unterhattungs-Anlage „IssuArirte Sonntags-Zntimg

w

« 196

JuLöK; Mittwoch, den 28. August 1901.

28. Jahrgang

Dni ent Verlag der Snldae, lrttmins<wi peterrgaL« tJ». 2 fBarmenk).

zelle 25 Pfg.; bei Wiederbolungen wirdentiprechend Rabatt gewährt

0-»antw.: Lkr die Redaktion i. v. Larl Schafte», lür Inserate 3. Parzelle» in Anita.

□ Kommission zur Begutachtung neuer Heilmittel.

Bei den Anpreisungen neuer Heilmittel ver­fehlen ihre Erfinder und Hersteller nie, ärzliche Zeugniffe über Güte und Präparate in möglichst reicher Anzahl, am besten mit wohlklingenden Namen versehen, in die Welt hinauszuposaunen, um im Kreise der Abnehmer den Anschein zu er­wecken, als sei gerade ihr Fabrikat das außer­ordentlichste und unerreichbarste. Daß diese Zeug­niffe aus gelegentlichen brieflichen Aeußerungen, aus medizinischen Zeitschriften, ohne jede Autori­sation, oder öfter auch auf ganz absonderliche Weise erworben sind und nur in seltenen Fällen einen wirklich wiffenschaftlichen Werth haben, ist nicht bekannt. Auch das nicht, daß Reklamegesell­schaften, denen nicht« ferner liegt, als das Wohl­ergehen der Menschheit, sich mit der Verbreitung der neuen Heilmittel befassen, nur in der Absicht, ihren Geldbeutel gehörig zu spicken. E« muß doch einleuchten, daß, hat ein Mittel in 2—3 Fällen, oder in mehreren anderen genützt, es nun nicht für alle Krankheiten gut zu sein braucht, wie man dem Pubükum durch auffällige Plakate u. A. gern

Das Datentschloß.

Humoristische Noveletle von Richard Anhäuser.

Mit einer tragikomischen Geberde warf Doktor Schmitz die Thüre seines Sprechzimmers ins Schloß.

„Nein, das kann so nicht mehr weiter gehen!" raisonnirte er vor sich hin. — „Vter volle Wochen sitze ich nun hier im Trocknen und warte der Dinge, die da kommen solle«, jedoch, man scheint mich hier vollstäudtg zu ignortren und ich denke", setzte er mit einem malttiösen Lächeln um die Lippen hinzu, „ein eben der Universität ent- sprungener Jünger Aeskulaps ist doch schließlich auch kein Krösus!"

Bis hierher war Doktor Schmitz in seinem Raisonnement gekommen, als es plötzlich an die Thüre klopfte und auf sein energisches „Herein!" seine Wirthschafterin ins Zimmer trat.

An dem freudigen Aufleuchten ihrer kleinen wasserblauen Aeuglem, die fast zwischen drn roth- glänzenden Fettbacken verschwanden, merkte er, daß st« ihm etwas „Gutes" mitzutheilen habe und indem ste einen Kn ix vor ihm machte, der elegant sein sollte, der aber ihrer unbeholfenen Lilbesrundung zu Folge eher zum Lachen reizte, sagte: „Herr Rentier Huber hat soeben hergeschickl und läßt den Herrn Doktor bitten, sich gefälligst sofort nach seiner Wohnung, Göchestraße 32, erste Etage, bemühen zu wollen." ,

Einen Augenblick starrte Doktor Schmitz die Ucberbringerin dieser srohen Botschaft sprachlos an, während diese geschäftig fortfuhr: „O, ich habe es geahnt, Herr Doktor, daß uns heute noch etwas Gutes passtren würde, denn schon den ganze« Morgen juckte es mich in der linken Hand!"

Doktor Schmitz hatte eben noch Zeit zu be­merke«, daß die braoe Alte bereits recht familiär geworden, «15 er auch schon mit einem Satze, der selbst einem gewissen Thierchen — Ehre gemacht haben würde, in seinem Schlafkabine! verschwand, um für seinen ersten Patienten Toilette zu machen.....

Mit klopfendem Herzen stieg er Görhestraße 32 die Stufen zur ersten Etage hinan; ein unbe­stimmtes Dunkel umfing ihn; nur mit Mühe konnte er den Knopf der elektrischen Klingel finden. Er schellte: ein«, zwei-, dreimal; doch sonderbar. Niemand erschien, um ihm zu öffnen.

Da bemerkte er, daß die Thüre nur leicht angelehnt war, und rasch entschloffen trat er ein, wobei er diese achtlos hinter sich ins Schloß drückte.

Er klopfte am ersten besten Zimmer: keine Antwort; am zweite», dritten: dasselbe Resultat. — Nicht? regte sich; eine unheimliche Stille um­gab ihn; er öffnete die Zimmer eins nach dem anderen: kein lebendes Wesen, kein Patient ließ sich sehen. Er ruft; — ohne Erfolg.

Ein beängstigendes Gefühl überkam ihn. — Wie, wenn er in ein falsches Haus geraden? Wenn feine Wirthschafterin sich vielleicht gar in der Straße geirrt? — Göthestraße — Hm I Er hatte zwar vor ihren Literaturkenntniffen aller«

• „Arveitergroschen."

Der Bericht der sogenannten „neutralen", das heißt also der sozialdemokratisch gerichteten Gewerkschaften für das Jahr 1900 gibt lesens- werthe Aufschlüsse üoer dir Summen, die diesen Gewerkschaften aus den Beiträgen ihrer Mit- glieder zufließen. Während des letzten Jahr- zehuts von 1891 bis 1900 ist in diesen sozial- demokratisch organisirten Gewerkschaften durch die Beiträge der Mitglieder die Riesensumme von beinahe 411/» Millionen Mark aufgebracht worden! Verausgabt wurden davon 85s/< Millionen. Daß davon ein sehr starker Bruch- theil ausgegeben wird für die Verwaltung der Gewerkschaften und für Agitationen, die nicht den persönlichen Jntereffen der Gewerkschaftler, sondern den Jntereffen der sozialdemokratischen Partei zu Gute komme», ist bekannt genug. Es sind dafür schon so viele Beispiele angeführt worden, daß- neue Beispiele dieser Art zum Beweise der Thatsache nicht mehr nöchig sind. Wie hoch die Abgabe für die Gewerkschaften sich gestalten kann, ersieht man aus den Beiträgen der Buchdrucker. Der durchschnittliche Jahres- beitrag, der bei den Buchdruckern auf jedes einzelne Mitglied entfällt, beträgt etwa 56 Mk. Dabei sind aber Eintrittsgeld und besondere Beiträge nicht mitgezählt, sooaß die Beiträge im Ganzen sicherlich die Jahreshöye von 76 Mark erreichen. Neben den Buchdruckern sind am stärksten belastet die Glaser, Bildhauer, Gast- wirthszehilfen und andere mehr. Natürlich gibt es auch Gewerkschaften, die weniger aufbringen; aber es fehlt auch nicht an fortgesetzten und sehr eindringlichen Ermahnungen der Leitung der sozialdemokratischen Gewerkschaften, doch mehr als bisher au Beiträgen zu leisten.

Im übrigen muß man anerkennen, daß dies­mal der gewerkschaftliche Jahresbericht die Heuchelei, als handele es sich in Wirklichkeit um „neutrale“ Arbeiteroerbände, nicht mitmacht. Der Bericht bekennt vielmehr Farbe, indem er diese Art der Gewerkschaften in Gegensatz stellt zu den übrigen gewerkschaftlichen Orgauisationene die als einfältige Träumer «och immer an ein, Harmonie zwischen Kapital und Arbeit glauben und an einen gütlichen Ausgleich ohne Kampf zwischen den Unternehmern und den Arbeitern. Die „neutralen", also diese sozialdemokratischen Gewerkschaften wollen von einem „beschaulichen Dahinvegetiren" nichts wiffen; sie wolle« den Kampf, weil sie an einen friedlichen Aus- gleid) zwischen Ar bett und Kapital nicht glauben — auch wieder eise recht artige Belehrung für Diejenigen, die nicht genug zu erzählen wissen von der angeblichen „Mauserung" der Sozial­demokratie zu einer radikalen Bürgerpartei.

Leider hat die Zahl der Mitglieder der sozialdemokratischen Gewerkschaften in diesem einem Jahre 1900 von 580473 auf 680427 zugenommen — ein Zuwachs von fast 100000 Mitgliedern in einem Jahre!

Erscheint rägtich, «.Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Vierteljahr!.

-e,u,»Prei, ohneVringerlohn »nd Bestellgeld in Fulda und «us- »ür!S IM.bOPf.

weißmachen möchte. Zur Prüfung von Heilmitteln bedarf es der verschiedensten Faktoren, vor allem einer genügenden Objektivität von feiten des Prüfenden. Nur die exakteste Krankengeschichte, geführt von genau beobachtenden Aerzten, am besten in Krankenhäusern oder in Kliniken mit ge­nauester Kontrolle der Patienten, können die Be­obachtungsfehler ausschließen, die sich zahlreich ein­zustellen pflegen, werden wohlgekannte und wohi- erprobte Vorsichtsmaßregeln nicht gewahrt. Das physiologische und ^pharmakologische Experiment, der Stoffwechseloersuch und anderes mehr, sind ge­eignet, Fehlerquellen zu vermeiden, damit nicht leichtfertig Heilmittel hinausgesandt werden, die in der Thai weit davon entfernt sind, solche zu fein. Auch der Preis hätte im Einklang zum etwaigen Erfolg zu stehen, so bei den vielen jetzt modernen Nährpräparaten, die im Vergleich zu ihrem in der Thai vorhandenen Nährwerth viel zu kost­spielig sind. Aus diesen Andeutungen heraus mag die Bewegung verstanden werden, die sich unter den Aerzten angebahnt hat, und aus der heraus die auf der letzten Natmforfcherverfammlung in Aachen empfohlene Kommission zur Begutachtung neuer Heilmittel ins Leben gerufen werden soll. Mit gewissen Einschränkungen erklärte sich der am 29. Mai bis 1. Juni d. I. in Breslau tagende Verein deutscher Chemiker mit den Zielen der Kommission einverstanden. Zur Zeit besteht die Absicht, eine amtliche Zentrale mit dem obenge­nannten Zwecke im Anschluß an da« kaiserliche Gesundheitsamt ins Leben zu rufen, die sich hoffentlich verwirklichen wird. Nur so ist es mög­lich, dem Uebereifer in der Erfindung neuer Heil­mittel durch Aerzie und Chemiker zu steuern, der dazu geführt hat, daß 1899/1900 allein 126 neue Heilmittel auf den Markt kamen, darunter sehr viele alte Bekannte in neuem Gewände.

einspaltige Sßetit zeile oder deren Raum I5Pfa.,Ne- flamen die Petid

haud Respekt, aber Göthe und Schiller waren nun einmal Klassiker — die sie mit Vorliebe mit einander verwechselte.

Mit einem Satze war er an der Vorplatz- thüre. Sie war verschloffen '. . . er rüttelte: — vergebens.

Indem er sich auf die Fußspitzen stellte, suchte er über die unteren bemalten Fenster hinwegzu­sehen, und da — da erblickten feine nun an das Halbdunkel gewöhnten Augen ein zierliches Por- zellanschild, auf dem in fetten Settern gedruckt stand: Frau Geheimrath Berger.

„Unglücksrabe!" stöhnte nun Doktor Schmitz, »da habe« wir nun die Bescheerung!" und wie toll rüttelte er an der verschlossenen Thüre; er beugte sich nieder, um das Schloß zu unter­suchen: „D. R. Patent Nr....." stand da

und — im nächsten Moment wünschte er sämmt- liche Patent-Schlösser, sammt seinen blinden E-.fer — dahin, wo der Pfeffer wächst.

Wie sich nun aus dieser fatalen Lage befreien ? — Gewalt nützte hier nichts, das sah er wohl ein, denn Thür und Schloß waren ein reines Meisterstück von Festigkeit und berechtigten ihn zu dem äußerst logischen Schluffe, daß die Frau Ge- heimräthi» höchst ängstlicher Natur sein müffe, da sie sich solcher Vorsichtsmaßregeln bediene.

Aber hier mußte etwas geschehen; er mußte fort, hinaus zu seinem Patienten. Sollte er um Hilfe rufen oder ruhig abwarten, bis man kommt und dann nach berühmten Mustern fragen: „Sie verzeihen, wo ist hier bitte der nächste Weg zur Hauptstraße . . . ?"

Jedoch, konnte man ihn nicht für einen Dieb halten? Diese Möglichkeit kam ihm mit erschrecken­der Deutlichkeit in den Sinn.

Da — Tritte erklangen auf der Treppe — »Gott sei Dank, man kommt!" noch ist nichts ver­loren, noch kann er feinen Patienten besuchen.

Rasch reckte er sich empor, um seine Anwesen­heit anzuzeigen, aber — prost Mahlzeit, Doktorchen! Glückliche, lachende Menschenkinder eilten da die Treppe zur zweiten Etage hinauf, und er — er mußte hier in seinem Gefängnisse schmachten, fein erster Patient, fein Rentner geht ihm flöten . . . es ist zum Rafendwerden!

Einige Minuten blieb Alles still, während sich Doktor Schmitz die verzweifelte Mühe gab, das Patentfchloß zu öffnen. Da ertönten wieder Tritte, abermals reckte er sich in die Höhe und zeigte fein vor Aufregung stark geröthetes Gesicht einer draußen stehenden reizenden junge« Dame. Doch diese hatte nichts Etltgeres zu thun, als mit einem leisen Aufschrei wieder die Treppe hinunter zu flattern.

„Um aller Heilige» willen, mein Fräulein, öffnen Sie!" brüllte Doktor Schmitz mit der ganzen elementaren Kraft seiner Lungenmuskel» — er wird nicht gehört.

Inzwischen wurde es wieder lebendig draußen.

„Ganz gewiß, Mama," hörte er eine melo­dische Mädchenstimme sagen, „ich habe ihn deut- lich gesehen, er hat ein ganz rothes, wildes Gesicht!"

„Der mit dem rochen, wilden Gesicht bin ich," machte sich Doktor Schmitz klar — „und so etwas muß ich von solch' ritzenden Lippen hören!"

„Aber Kind, das ist ja entsetzlich!" antwor­tete tnöeffen die mit „Mama" Angeredete. „Da hat gewiß Marie, die unordentliche Person, wieder einmal die Thür ausgelassen, doch zum Glück war das Patentfchloß nicht abgestellt, da fing sich der Dieb in feiner eigenen Falle!"

„Na, da haben wir das Theater!" lamentlrte der Gefangene. — „Also für einen ganz gewöhn­lichen Dieb hält man mich!" und indem er sich ernporschnellte und wie beschwörend beide Hände in die Lutt warf, rief er: „Meine Damen, ich bin kein Dieb, ich bin . . ."

Weiter kam er nicht; Resultat: Erneuter Auf­schrei aus zwei weiblichen Kehlen; zwei Dame« flattern die Treppe hinunter.

Unten stießen die Flüchtlinge auf Maria, das Dienstmädchen, die uns bereits als „unordentliche Person" charakterisirt ist. Diese wurde mit der Ordre betraut, sofort einen Schutzmann zu holen.

Mittlerweile befragte Dr. Schmitz seinen Taschenspiegel, ob er denn ein so rothes, wildes Gesicht habe und wie ein Dieb aussehe. — Aller­dings starrte ihm da ein Bild entgegen, das ge­rade nicht seine volle Zufriederchert fand. Die Haare hingen ihm wild um den Kopf; das Ge­sicht war vor Aufregung gerölhet; der Anzug in Unordnung, so, mußte er sich unwillkürlich gestehen, sah er schon eher aus wie ein Räuber.

Kaum, daß er mit der Instandsetzung seines äußeren Menschen fertig war, da näherte man sich schon wieder seinem Gefängniß, und „im Namen des Gesetzes öffnen Sie!" schrie im nächsten Augenblick eine furchtbare Stimme . .

„Ich kann nicht!4 kam es etwas kläglich zurück.

„Larifari!" ist die Antwort, „gebrauchen Sie hier keine Ausreden; Widerstand ist nutzlos!"

„Aber für was halten Sie mich denn eigent­lich?" ruft Dr. Schmitz nun im höchsten Grade

Häuflein freiheitliebender Männer in de» Grau­bündner Bergen sich gegen den mächtigen Kaiser Maximilian vertheidigt hat, so müssen auch die Katholiken sich gegen den wider sie erheben­den Ansturm erheben. Wenn die Fahne unseren Händen entsinke, so seien Ersatzmänner da, die sie aufheben und siegreich weiter trügen. Mutig voran, meine Jungen, der Feind ist bereit« im Weichen, da« neue Jahrhundert gehört nicht ihm, sondern uns, und muß uns gehören. Heute weicht der Feind noch, aber nach 100 Jahren nicht mehr! (Stürmischer Beifall.) Die Versammlung schloß 12 Zf Uhr mit einem Hoch auf Kaiser und Papst.

+ Versammlung des Volksvereins in Osnabrück.

Der Volksverein tagte in zwei Parallel- S tzunge». In der Hauptversammlung begrüßt der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Brandts, die Erschienenen. Er gedenkt zunächst Windlhorst's und bemerkt, hervorragenden Geister» falle ein größerer Antheil zu bei der Aufgabe, meusch- liches Wissen und Könne» zu vermehre». Aber alle haben Antheil an der Lösung dieser Auf­gabe; bei der Gründung des Volks oereinS hat Windthorst im Auge gehabt, das VerstSndniß hierfür zu erwecken. Nach Windthorst sollen wir Her für wahren Fortschritt eiutrete» und um die Palme ringen i» Handel, Industrie, Technik, Wissenschaft, Kunst. Windthorst war opser- millig, selbstlos, dem Wohle Aller dienend; seine Person setzte er ein, das Loos seiner Mit­menschen zu verbessern. Windthorst war ein konservativer Christ und Mann des Fortschrittes zugleich. Die Katholiken will man verächtlich und lächerlich machen, und von der Mitarbeit an Kulturaufgaben wegdrängen. Dem müffen mir hier scharf in Nothwehr entgegentreten. Wir sehen int Christenthum die stärkste Kulturmacht, und als Katholiken sehen wir sie im Katholizis­mus. (Beifall.) Unsere religiöse» Anschauungen lassen wir nicht herabwürdigen. Wenn be­hauptet wird, Katholizismus und hohe Kultur- i ufe feien unvereinbar, fo weisen wir diesen An- : riff fest und würdig zurück. Wir wollen nicht intolerant und gleichgültig bleibe» bei Jnszenirung fines neuen Kulturkampfes. In That und Wort •)»d) die Fahne des ChristenthumS, in Familie, m öffentlichen Leben, beim Handwerker, Kauf­mann, Gelehrten: Treue der Fahne desChristen- thums! (Beifall)

Der nächster Redner, Abg. Gröber, wider­legt die alberne Behauptung, moderne Menschen seien Protestanten, und weist dies an Beispielen «ach. Die Arbeit an der Fortbildung der Mensch- heit sei eine gemeinsame. Die soziale Frage und alle politischen Fragen beruhten im Grunde auf der Religion; neue Probleme können nur an der Hand der Religion gelöst werden, wie auch der Protestant Professor Roscher zugegeben habe. (Abg. Porsch übernimmt wegen der Parallel­sitzung das Präsidium.) Auch im modernen Leben muß der Grundsatz der Nationalökonomie des Vaterunsers und des Katechismus zur Gel­tung gebracht werden. (Lebh. Beifall.)

Sodann spricht Abg. Dr. Bachem. Erfreut über den zahlreichen Besuch, sucht Redner die Aufgabe des Volksoereins in der Bekämpfung von Irrlehren und der Umsturzbewegung, die nur durch den christlichen Geist verhindert werden könne. Redner verweist auf die Lei­stungen des Centrums in der sozialen Frage und bemerkt, wäre der Volksverein im Wahl­kreise Duisburg so organisirt gewesen, wie er fein müßte, dann wäre das Wahlresultat wohl ei» anderes geworden. Die Bedeutung des Centrums bekunde der fozialdemokratische „Weck- ruf , der schreibt: „Centrum besiegt, alles be- sibgt! Das heißt: Centrum ist Stütze vo« Thron und Altar; ist das Centrum vernichtet, so ist die ganze Gesellschaftsordnung vernichtet. Darum müffe das Centrum auch in bomben­sicheren Wahlkreffen auf der Hut fein; wenn Gegner nut veränderter Taktik angreife*, werden wir unsere Bajonette nach der Seite wenden, von der die Angriffe kommen. Redner weist schließlich die Angriffe gegen die Jesuiteu und die Moral - Theologie zurück. Herr Bischof Voß gibt seiner Freude Ausdruck, daß derVolks- terein in Osnabrück so festen Fuß gefaßt habe und ertheilt der Versammlung den Segen. Herr Borsitzenoer Brandts bringt ein Hoch auf den Herrn Bischof aus. Hierauf wurde der Jahres­bericht durch Herrn General-Sekretär Pieper erstattet. Der Volksverein zählt 181,744 Mit­glieder, darunter in Rheinland 61,464, Hefsen- Nafsau 7199, Schlesien 10,647 und Württem­berg 20,819 Mitglieder. Auch der Kassenbericht wird debattelos dechargirt. jHierauf wird der Vorstand durch Akklamation wiedergewählt. Abg. Dr. Lieber (stürmisch begrüßt) dringt darauf, für die Ausdehnung des Volksoereins zu sorgen, da derselbe der Verein aller Vereine fei. Ei» Katholik, welcher nicht dem Volksverein angehört, erfüllt seine Pflicht nicht. Die Katholiken müßten sich in Permanenz er« klären, sonst blieben die Beschlüsse des Volktver- ein« nichts als bedruckte« Papier. Redner ver­weist dann auf die soziale Fürsorge de« heiligen Vater«, und fordert auf, dem hl. Vater Treue und Gehorsam zu geloben. Wie einst ein kleines