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mit Zlnterhattungs -Meitage „Issufirirte Sonn1«gs-Zeitung"

Druck und Per lag der Luldaer Lcttendruckeret petersgage llr. 2 (Harmonie).

M 195.

Jutöa, Dienstag, den 27. August 1901.

28. Jahrgang.

48. SkilkkMlsmmlms dkkKitholiKk« Rchchlmds ;n Osmdriick.

. I.

0. P. C. Osnabrück, 26. August.

Negrüß««gstag.

Am Sonntage fanden die Vorfeierlichkeiten zum diesjährigen Katholikentage statt. Um 2 Uhr fand im Dome eine Festandacht der Ar­beiter« und Grsellenvereine statt, die sodann in großem Festzuge zum Festlokale sich begaben. Nach einer Begrüßungsanrede seitens des Herrn Seminaroberlehrers Pröbsting, des Präses des Arbeitervereins Osnabrück, hielt Herr Rechtsan- walt Dr. Bilter-OLnabrück einen Vortrag über das Thema: „Mann und Arbeit im Lichte des Christenlhums/' Er ermahnte die Arbeiter und Gesellen, ihren Glauben auch im öffentlichen Leben ohne Scheu zu bekennen und führte im Einzelnen die Pflichten des katholischen Mannes und Arbeiters aus. Seine Auseinandersetzungen wurden mit großem Beifall ausgenommen. Der Reichs- und Landtagsabgeordnete Dasbach be­sprach sodann die Arbeiterencyklika des heiligen Vaters. Nach dieser ist die Arbeiterfrage zu lösen durch den Einfluß der Kirche und der Re­ligion, durch die Gesetzgebung und durch Ein­richtungen, die von den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern zu schaffen sind. Die Kirche hat ihre Schuldigkeit gethan; sie mahnt die Arbeiter, treu und fleißig zu sein, unter keiner Bedingung den Arbeitgeber weder in Person, noch in seinem Vermögen zu schädigen, sie warnt vor Gewalt- ryättgkeiten gegen andere Arbeiter, sie warnt vor den verführerischen Lehren der Sozialdemo­kratie. Den Arbeitgeber fordert oie Kirche auf, im Arbeiter die menschliche Würde zu achten, ihm die Ausübung seiner religiösen Bedürfnisse nicht zu verschränken, die Arbeitszeit so zu ge­stalten, wie es die Gesundheit der Arbeiter fordert, und schließlich gerechten Lohn zu zahlen. Wenn von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern diese Mahnungen befolgt werden, dann wird die soziale Frage gelöst sein. Der Heilige Vater richtet dann an die Gesetzgebung die Aufforde­rung, Maßnahmen zu treffen, die zur Besserung der Verhältnisse der Arbeiter dienen: Schutz der Familie, der Religion und Beschränkung der Arbeitszeit rc. Schließlich zeigt der Hl. Vater als dritten Weg zur Lösung der sozialen Frage die Organisation — er empfiehlt die Gründung der katholischen Arbeitervereine. Im.Anschluffe hieran verbreitete sich der Redner über die Ver­dienste, die sich das Centrum um den Arbeiter­stand erworben hat.

Der Hochw. Herr Bischof von Osna­brück Voß nahm darauf das Wort, um alle Erschienenen, insbesondere auch die Gesellen- und Arbeitervereine aus den benachbarten Diözesen und die auS noch weiterer Ferne zu begrüßen. Knieend empfing hierauf die Ver­sammlung den bischöflichen Segen. Mit einem Hoch auf Kaiser und Papst schloß der Vor­sitzende nach 7 Uhr die Versammlung.

Lange vor 8 Uhr hatten die wetten Hallen des Vereinshauses eine ungezählte Schaar von Menschen gefüllt. Auch die an den Stzungs-

Am ersten April.

Original-Roman von Ida John-Arnstadt.

7 ------ (Nachdruck verboten.)

Er hatte sich aufrichtig gefreut, als er ge­heißen, Helene Lipphold solle und wolle fort aus dem Bernani'schen Hause, und nun diese Wendung! Abscheulich! Der fernere Aufenthalt hier war ihm nun förmlich verleidet; mochten Sie ihren Sekt doch allein austrircken!

Und sie tYtohti ihn, seelenvergnügt; auch Helene, ohne bWt nur einmal des trotzigen, ihr so verhaßten Flüchtlings zu gedenke» oder ihn gar zu vermiffrn; sie war im Gegentheile freudig überrascht, ihn beim Eintreten in das Eßzimmer nicht mehr anwesend zu finden; nun konnte sie sich ruhig der Freude htngeben, ein Zustand, welcher in des stets salyrisch höhnenden Barons Nähe nicht möglich war.

Wie Helene übrigens gedacht hatte, so ge­schah eS: es wurde wirklich 11 Uhr Abends, bevor sie sich in ihr Zimmerchrn zurückziehen und den am Mittag vom Postamt abgeholten Brief noch einmal in aller Stille gründlich vor­nehmen und beantworten konnte, und mehr als einmal mußte sie allerlei Lexika auffchlagen, sich durch den Wörterschatz des unbekannten poetischen Briefschreibers hindur.chzuarbeiten, doch endlich stand es fertig da, sogar in deutscher Sprache gereimt, das kleine Opus.

Helene mußte lachen: sie, die außer der Versschmiederet bei Tisch „die Leber ist vom Hecht k." niemals einen Reim erfunden, wurde

saal anstoßenden Terraffen waren überfüllt. Unter den Ehrengästen, welche aus der erhöhten Tribüne Platz genommen hatten, bemerkten wir von bekannten Persönlichkeiten: Abg. Gersten­berger, Erbdroste Graf Bischering, Abg. Dr. Freiherr v. Hrereman, Abg. Trimborn, Abg. Aichbtchler, Abg. Dr. Bachem, Freiherr von Frankenstein, Monsignore Baumgarten - Rom, Gras Galen, Dr. Ruegenberg, Professor Haupt­mann, Freiherr v. Wendt, Abg. Herold, Justiz­rath Custodis-Köln, Abg. Dr. Porsch, Abg. Gröber, Abg. Dr. Spahn, Herrn v. Blücher, Kaufmann Franz Brandts, Generalsekretär Dr. Pieper, Prälat Hülskamp.

Nachdem der Sängerbund das Lied „Grüß Gott" vorgetrazen, ergriff der Vorsitzende des Lokalkomitees, Amtsrichter Dr. Engel en das Wort zur Begrüßung. Dieselbe klang in den Worten aus: Jetzt' stehen wir treu und fest zusammen unter dem heiligen Vater und ge- schaart um unsere Bischöfe und unseren Klerus, gewillt, unser' Rechte zu vertheidigen, wenn es sein muß, und unsere Interessen gemeinsam wahrzunehmen. Diesem Ziele dient unsere Generalversammlung, und es ist der Wunsch des Lokalkomitees, daß die Einigkeit, der Friede und der Erfolg ernster Arbeit und daneben auch eine wohl zurückhaltende, aber auch gute, fröhliche Geselligkeit dem Werke nicht fehle. In diesem Sinne gilt Ihnen der Gruß des Lokal­komitees. (Lebhafter Beifall).

geschlossen.

(Montag.)

Von lebhaftem Beifall begrüßt, nahm dann der Bürgermeister Dr. Rißmüller das Wort:

Hochansehv.liche Versammlung! AlS Vertreter der Stabt habe ich die Ehre, Sie zu begrüßen und Sie in den Mauern der alten, ehrwürdigen Stadt Osnabrück willkommen zu heißen. Aus allen Gauen Deutschlands sind Sie nach hier gekommen zur Berathung ernster, wichtiger Fragen. In der Einladung JhreS Lokal- komiteeS ist gesagt, daß Osnabrück in den denkwürdigsten aller Friedensschlüsse vor der ganzen Welt gekenn­zeichnet sei als Stadt des Friedens. Mögen des­halb auch die Beschlüsse, die Sie hier sassen werden, durchdrungen sein vom Geists des Friedens, wögen Ihre Verhandlungen dazu beitragen, die Gottssurcht und di? Liebe zu Kaiser und Reich zu festig >n und zu verbreiten. Daneben aber, meine hochvereh" a Herren, wünsche ich Ihnen, daß Sir hier außer er> ftet Arbeit auch Erholung und Freude finden und, nenn Sie wieder von uns scheiden, unserer Stadt ein t rundliches Andenken bew ahren. In diesem Sinne he tz; ich Sie nochmals in Osnabrück willkommen.

Den freundlichen Willkommengruß der städtischen Behörden nahm die Versammlung mit allseitigem Beifall auf. Es gelangten dann die Begrüßungskundgebungen zur Verlesung, die vielfach mit lebhaftem Applaus ausgenommen wurden. Dies gilt besonders von Telegrammen aus Nordböhmen, sowie von zahlreichen Reichs­tagsabgeordneten, u. a. vom Grafen Ballestrem. Nach weiterem Austausch von Begrüßungsan­sprachen wurde um 11 Uhr die Begrüßungsfeier

Der zweite Tag mit dem eigentlichen Beginn der Versammlungen wurde eingeleitet durch ein feierliches Pontifikalamt im Dom zur Anrufung des heiligen Geistes. Dasselbe wurde zelebtirt durch den Hochwürdigste» Herrn Bischof Dr. Voß-Osnabrück. Nach dem Pontifikalamt fand der Feflzug noch dem Vereinshause statt.

Der Zug gewährte mit seinen zahlreichen Fahnen ein prächtiges Farbenbild. Zuerst kamen die Gesellen- und Arbeitervereine, dann das Lokal­komitee und hierauf die Studenten-Korporationen in Wichs. Als der Zug in der Frsthalle ankam, hatte dort bereits eine große Menschenzahl Platz genommen. Auf der Tribüne, bemerkten wir u. A. Geistlichen Rath Werth mann, Prälat Hülskamp, .Freiherr v. Thüne- seldt, Erbdroste Graf Vischering, Freiherr v Korff, Baron v. Hobe-Gelting, Baron Blücher-Mecklenburg, sowie die Abge­ordneten von Grand-Ry, Kirsch, Dr. Porsch, Trimborn, Dr. Bachem, v. Hagen, Herold, Gerstenberger, Braun, Dr. Opfergelt, Wattendorf, Dr. Freiherr v. Heereman, Dasbach, Aichbtchler, Gröber, Wittemann und Lohmann.

I. Geschlossene Uersammermg.

Die erste geschloffene Versammlung wird um i/sll Uhr durch den Vorsitzenden des Lokal- komitees, Amtsrichter Enge len, mit dem katho­lischen Gruße eröffnet. Der Vorsitzende theilt mit, daß vom heiligen Vater folgendes Be- grüßungstelezramm eingegangen ist: „Dem heme begonnenen Kongreß der Katholiken Deutschlands spricht Se. Heiligkeit die innigsten Glückwünsche aus, indem er aus den Ergebnissen der srüheren Versammlungen die großen Erfolge der gegenwärtigen voraus­ahnt. Auf daß Gottes Beistand nicht fehle und Eure Verhandlungen glücklich verlaufen, übersendk't er den Apostolischen Segen aus der ganzen Fülle seines väterlichen Herzens. RampoLa." Nachdem das Telegramm unter stürmischem Beifall verlesen, brachte Amtsrichter Engelen ein Hoch auf Papst und Kaiser auS, in das die Versammlung dreimal begeistert einstimmte. Sodann theilte Herr Amtsrichter Engelenmit, daß zum Präsiden: n vorgeschlagen sei Justizrath Trimborn-Kotu. Die Versammlung bricht in stürmischen Beifall aus; im Garten werden im selben Auge- blicke Böllerschüsse abgegeben. Justizrath Trtmborn nimmt die Wahl dankend an. Ec sührt r humorvoller Weise aus, daß er des!Präfidiu."is nicht würdig sei, und er müffe das Osnabrücker Lokalkomitee des Leicht­sinns anklagen, daß eS ihn zum Präsidenten vorschlug. (Große Heiterkeit.) Er müffe dies sagen, obwohl er eben mit landesherrlichen Böllerschüffen empfangen worden sei. Er bitte um die Unterstützung und Nachsicht aller Be­theiligten: waS ihm an Kräften fehle, wolle er durch Begeisterung ersetzen. Wenn man ihn gewählt habe, so habe man wohl damit die guten Beziehungen zum Ausdruck bringen wollen, die zwischen dem Rheinland und dem Sauer­lande bezw. O-nabrück beständen. Sodann wird zum 1. Vizepräsidenten gewählt Freiherr von Thünefeldt-Augsburg, zum 2. Vizepräsiden­ten Konsul Nölting-Hamburg. BeideHerren nehmen die Wahl an. Als Vorsitzende der Ausschüsse werden gewählt Graf Praschma (für Missionen usw.). Abg. Herold (fürsoziale Fragen und christliche Charitas) unr Prälat Hülskamp (für Wissenschaft, Schule und

angeregt von der poetischen Art dieser Zeilen, selbst zur Dichterin; sie hatte ihre Uebersetzung auf die noch leere Rückseite des rosrnsarbenen Ociginalbriefes fein abgeschriebev, nachdem zahl­lose Vrrsuchsblätter in das Feuer gewandert waren, und stand nun mitten im Zimmer, die Verse mit Pathos deklamirend:

„Wie Sonnenschein auf Wintertagen, hat mich gegrüßt Dein Zeitungsfragen:

Ich suche, was ich hier zu Land, bis jetzt bei keiner Schönen fand.

Ein Herz, bereit, sich mitzutheilen, geschlag'ne Wunden mild zu heilen,

Und unerreichbar hoch und fern, zu leuchten mir als Wunderstern. •

Kein irdisch Band soll uns verbinden; bei Dir will ich Erlösung staden,

So Du nach Edlem Sehnsucht spürst, mich in das Land der Träume führst,

Weitab von Erdenhast und Treiben. Auch will ich nie Dein Schuldner bleiben.

Dir schließ' ich auf mein tiefstes Herz; Dir spend' ich Trost bei Sorg' und Schmerz;

Ich weiß für alle Lebensfragen die Antwort... Willst Du mit mir wagen?

Dann, Unbekannte jeder Zeit, sei meine Muße Dir geweiht.

Doch falls —nachschwachen Weibes Sitte — Voll Trug und Falsch Du wandelst: bitte, Verschone mich! Für Flatterfinn geb' ich die edle Znt nicht hin.

Juan."

Wie sich Helene an dem eigenen Vortrage, an dem Hochstnn der fremden Verse begeisterte! Ganz bestrikt davon zog sie das Briefblatt

an ihre Lippen und küßte es; dabei erröthend umherspähend, ob die im Zimmer hängenden Bilder — Vater und Mutter — auch wirklich nickt in's Wanken kamen bei diesem heimlichen Kuffe ihres verzauberten Kindes! Ohne noch etwas anderes denken oder wollen zu können, völlig in Bann geschlagen, ergriff sie Papier und Schreibzeug, kniete an der ersten besten Tischccke nieder und schrieb alles von der Seele herunter, was im Augenblick darüber hinzog, ein Quod­libet der verschiedenartigsten Empfindungen und Anschauungen, Forderungen und Versprechungen geistigen Inhaltes und schließlich die Bitte, doch so zu schreiben, wie man es im gewöhnlichen Leben zu thu» pflegt, da man doch noch etwas haben möchte, ein Erkennungszeichen persönlichen Charakters

„Der Poststempel Ihres Schreibens, mein Herr, ist Wien," so schloß Hrlene's Brief, „oft genug werden wir im Gewühl an einander vor­übergehen, vielleicht manchmal Auge in Auge uns gegenüberstehen und doch nichts von einander wissen; so geben Sie wenigstens durch den Gruß Ihrer Handschrift ein sichtbares Zeichen

Ihrer anonymen Korrespondentin

Ch. Hassard."

Dann faltete und adrrssirtr sie das Schreiben und verschloß eS bis zum nächsten Morgen, wo sie es, seit so viel Tagen nach der ersten ruhigen Nacht, kurz vor Mittag gelegentlich eines Spa­zierganges mit den Kindern, weiter beförderte.

Von nun an lebte sie ein Doppelleben, reich an heimlich stillem Glück und Genuß, denn jeder Sonnabend brachte ihr von ihrem immer geist­reicher und herzlicher schreibenden Juan einen

Unterricht, Presse und christliche Kunst). — So­dann beschloß die Versammlung die Absendung der nachfolgenden Telegramme:

„An den Heiligen Vater.

Bon Osnabrück aus, wo vor 11 Jahrhunderten bei erste Kaiser des Deutschen Reiches ben Bischofsstuhl errichtete, erbittet bie Generalversammlung ber Katho­liken Deutschlands den Apostolischen Segen als Unter­pfand seiner väterlichen Liebe, als Ermunterung, in den Stürmen des neuen Jahrhunderts fest zu stehen zu Christus, seiner heiligen Kirche und ihrem Oberhaupt auf Erben."

„An des Kaisers Majestät.

Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät spricht die in der alten Sachsenstadt Osnabrück tagende Ver­sammlung der Katholiken Deutschlands ihre ehrerbietigste und innigste Theilnahme an dem Hinscheiden der Kaiserlichen Mutter Ew Majestät aus. Sie verbindet damit in altgewohnter Weise den Ausdruck ehrfurchts­vollster Huldigung und das Gelöbniß deutscher Treue."

Hierauf werden Anträge erledigt. Zunächst wird der Antrag berathen betr. die Lage des Heiligen Stuhls. Der'Antrag erhebt nach wie vor Einspruch gegen die heutige Lage des Heil. Vaters. Abg. Dr. Bachem sührt zur Begrün­dung des Antrages auS, daß dis Lage des Hei­ligen Vaters eine unerträgliche sei; daher sei es Pflicht der deutschen Katholiken, auch jetzt wieder die Stimme dahin zu erheben, daß dem Heiligen Vater eine würdige Stellung gegeben werde. (Beifall.) Das Papstthum habe eine Be­deutung über die katholische Welt hinaus, denn es sei ein Friedenselement für die christlichen Völker der ganzen Welt. Wenn man zur Friedenskonferenz im Haag den Heiligen Vater nicht hinzugezogen habe, so habe sich ja leider auch gezeigt, daß in der Praxis die Arbeiten dieser"Konferenz noch weit davon entfernt seien, den Frieden zu verbürgen. Das zeige der Buren­krieg. Wenn man den Weltfrieden wolle, so müffe man sein Augenmerk auf den Heiligen Vater richten. (Lrbh. Beifall.) Auf Vorschlag des Präsidenten Trimborn wird gleichzeitig der Antrag berathen, der den Katholiken dringend die Beisteuer zum Peterspfennig empfiehlt. Nach­dem Abg. Dr. Bachem auch diesen Antrag be- sürwortet, werden beide Resolutionen ange­nommen. — Der Präsident theilt mit, daß eine Reihe von Begrüßungsschreiben eingegangen s?i; so vom Fürstbischof Kopp, den Erzbischöfen von Köln, München, Gnesen < Posen, Freiburg, den Bischöfen von Münster, Paderborn, Hildes­heim, Trier, Basel, Regensburg, Ermeland, Straßburg, Eichstätt, St. Gallen, Passau, Lim­burg, Würzburg, Speyer, Augsburg. St. Pölten u. A. — Namens des Centralkomitees dankte Erbdroste Vischering den Osnabrücker Be­hörden und der Bürgerschaft für die Vorberei­tungen zum Katholikentage; ferner theilte er mit, daß der Bremer Katholikentag keinen Ueberschuß ergeben habe und daß in etwa zwei Jahren die Geschichte der Geueralversammlungen abgeschlossen sein würde. Präsident Trimborn dankte dem Centralkomitee für sein ersprießliches Wirken und theilt mit, daß in der öffentlichen Versamm­lung heute Nachmittag sprechen werden Justiz- rath Porsch über Ludwig Windthorst, Msgr. Baumgarten über katholische Missionen, Dr. Bachem über di? Anforderungen der mo­deren Zeit auf praktischem Gebiete an die Ka-

Brief, welchen sie stets persönlich abholte und dazu die unglaublichsten Gelegenheiten ersann; schon die Aufschrift verursachte ihr Herzklopfen, wie viel mehr der Inhalt voll köstlicher, humor­voller Frische!

Und die Schrift?

Sir hätte einen Eid ablegen mögen, diese etwas unregelmäßig auf das Papier geworfenen genialen Züge schon pesehen zu haben.

Gab es doch ein Vorleben, in welchem man sich schon einmal gekannt und verstanden hatte?

Ihr unbekannter Korrespondent behauptete und begründete eS mit so geistreichen überzeu­genden Argumenten, daß sie nicht mehr daran zweifelte, in einer idealen Welt schob einmal mit ihm geistig verbunden gewesen zu sein.

Dieses Hochgefühl wirkte aber keineswegs lähmend auf die Heiterkeit ihrer gesunden Lebrns- anschauungen; im Gegentheil, nie war sie so ver- gnügt und zufrieden gewesen wie jetzt; zumal Brrnani's ihr mit aller nur erdenklichen Liebens­würdigkeit begegneten und auch die Kinder sich durch Gehorsam, Fleiß und Eifer auszeichneten; selbst der unausstehliche Baron von Rettingshofen kreuzte ihren Weg nicht mehr allzuoft: theilS hielten ihn seine Studien, thrilS kleine Reisen fern und kam er ja, so wußte er es so einzu­richten, daß sie mit den Kindern Unterricht oder einen Spaziergang vor hatte, sie merkte es deut­lich, er ging ihr gekränkt auS dem Wege und sie war ihm dankbar dafür. Sie schrieb eS ihrem fernen, einsamen Mütterchen in jedem Briese, daß sie jetzt vollkommen glücklich sei, freilich den Grund dieses Herzensglückes verschwieg sie vor­sichtiger Weise, warum? DaS konnte sie sich