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M 193.

< Die Festtage in Osnabrück.

Es war ein guter Tag, an dem beschlossen wurde, die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in diesem Jahre in der alten Stadt Osnabrück abzuhalten. Diese Versammlungen können ihren Zwecken nur dann ganz entsprechen, wenn sie nicht nur in großen Städten und in sehr dicht bevölkerten Industrie-Bezirken abgehal­ten werden; und es war darum mit großer Freude zu begrüßen, daß die Vorschläge, welche vor einigen Jahren im entgegengesetzten Sinne gemacht wur­den, nicht in die That umgesetzt worden sind. Volkstbümlich durch und durch soll deutsches katho­lisches Wesen sein. Volksthümlich im ganzen Sinne des Wortes können die, e Versammlungen nur dann bleiben, wenn sie nicht ausschließlich in die (roßen Städte und die ganz dicht bevölkerten Bezirke sich zurückziehen. Gerade der deutsche Bauer mtt seinem aufrichtigen Herzen, mit seinem überzeugungstreuen Gemüthe ist eines der festesten Bollwerke für die Aufrechterhaltung wahrhaft christlicher Anschauun­gen im deutschen Volke; uno deswegen dürfen dem Landmanne diese großartigen Versammlungen nie­mals als etwas Fremdartiges aus Nimmerwieder­sehen in die großen Städte und in die eng be­völkerten Industrie-Bezirke entrückt werden.

Die Katholikenoersammlungen sollen alle um­schließen, die sich als Katholiken fühlen: die Bürger und die Bauern, die Fürsten und die Arbeiter, die Männer am Weichselstrom und an den Ufern des Rheins und der Donau. Darum müffen sie wandern, unaufhörlich wandern aus einem Theile des Reiches in den anderen, aus einer Umgebung in die andere, von dort, wo der Märker das Eisen reckt, in die lachenden nxd grünen Gefilde, wo der Bauer mit seinem Gespanne das Land vorbereitet zum Hervor» bringen des Köstlichsten, das es gibt, des täg­lichen Brotts — aus der Großstadt in Um­gebungen kleineren Maßstabes, von den Stätten, an denen Künste und Wissenschaften gepflegt werden, wiederum dorthin, wo die Menschen hart und eilfertig sich abmühen in dem Dienste praktischer Werklhätigkeit. Das ist die Samm- lungspolitik der deutschen Katholikentage. Sollen diese ihren Beruf ganz erfüllen, so dürfen sie niemals abweichen von den Pfaden dieser ihrer besonderen Sammlung.

Nickt einzelne politische Richtungen sollen durch dre Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands gepflegt werden. Diese Versamm­lungen sollen im Gegentheil diejenigen Katho­liken, die auf verschiedenartigen Wegen der Politik wandeln, daran erinnern, daß es Etwas gibt, in dem sie Alle Eins sein sollen, und bis­her ist gerade auch diese Aufgabe von den Katholikenversammlangen stets und ohne Aus­nahme glänzend erfüllt worden. Im Vpraus kann man dessen fiter und überzeugt sein, daß die Veranstaltung in der schönen alten Bischofs­stadt Osnabrück in diesem Sinne ihren vielen Vorgängerinnen nicht nachstehen wird. Der

Am ersten April.

Original-Roman von Ida John-Arnstadt.

D --(Nachdruck verboten.)

Ohne nur einmal aufzublicken, schritt sie der nächsten Haltestelle zu, bestieg wie träumend den Wagen und fuhr unter den qualvollsten Vor- flellungen, ihr Briefpocket vor all den Mit- fahrenden ängstlich verbergend, ihrem Bezirke, dem Hause zu, dem sie — diente, ja, mit allen Kräften und Sinnen diente; es ließ sich kein anderes Wort dafür finden, denn für ihr Dort- seiu und ihr Wirken wurde sie bezahlt.

Wie lange noch?

Bis das heißersehnte Glück erschien und sie hinwegholte?

O nein. Dies letztere war nicht denkbar und auch nicht nöthig; wenn sich nur eine Seele fand, die ihr jenes abstrakte Verständniß ent­gegenbrachte, das sie so schwer vermißte, jene Geheiwsprache von Seele zu Seele, welche man bei der zärtlichsten Mutter, der intimsten Freun­din nicht finden kann, das gemeinsame Schwär­men in Regionen, dahin Poet und Künstler und der Philosoph nur dringt, prosaisch angelegtem Gemüthe unzugänglich und unbegreiflich!

Wer bot ihr Kahn und Flagge, sie hinüber­zurudern in das Reich von Licht, Duft und Tönen, umwoben von Glanz und Sehnsucht, der Insel der Seligen?

Unter den achtzehn Bliefschreibern mußte doch Einer sein, der sie verstand!

Nun konnte sie es plötzlich kaum erwarten, Lie geheimnißoollen Umschläge zu öffnen.

IuLöa, Samstag, den 24. August 1901.

28. Jahrgang.

Kulturkampf, so hört man sagen, ist vorbei. Der eine Kulturkampf freilich; aber in einer Zeit, wo katholische Parlamentarier im Jntereffe der noch vielfach int Deutschen Reiche unter­drückten oder stiefmütterlich behandelten katho­lischen Kirche im Reichstage einen Toleranzantrag einbringen und von allen Seiten her die Anerkennung einernten, daß dieser Antrag zeit­gemäß und ohne Weiteres in vielen Stücken int Interesse der allgemeinen Gerechtigkeit zu billigen sei, kann man unmöglich sagen, daß aller Kulturkampf von der deutschen Erde ver­schwunden fei. Und so lange das nicht der Fall ist, behält die Veranstaltung dieser allge­meinen deutschen Katholikentage eine doppelte Berechtigung. Nicht nur die Sammlung aller Katholcken ist nochwendig; noch wendig ist gleich­zeitig die Abwehr gegen Härten und Ungerech­tigkeiten, unter denen katholisches Wesen und Katholiken theilweise noch immer in einzelnen deutschen Gauen zu leiden haben.

Die Abwehr, ober nicht der Angriff! Mit peinlichster Sorgfalt halten sich alle Redner aller Kaiholikenversammlungen fern von jeglichem An­griffe, fern von jeglicher Beleidigung oder Herausforderung gegen die Landsleute, die an­deren Bikenntnisses sind. Die Kacholikenver- sawmlungen wollen wohl alle deutsche Katholiken in sich sammeln und in ihrem katholischen Be­wußtsein festigen, aber sie wollen die deutschen Katholiken nicht gleichzeitig trennen von ihren protestantischen Mitbürgern. Wohl meinte mancher in früherer Zett, daß auch das in das Programm der katholischen Generalversammlungen gehöre, und häufig find die Versammlungen in diesem Sinne verdächtigt worden. Aber die deutschen Katholiken tagen nicht hinter ver­schlossenen Thüren. Der Eintritt in ihre Ver- samwlungen steht jedermann frei, und wenn ein Vertreter des Evangelischen Bundes herein» kommen und hören will, oder aber rin Sozial­demokrat, so stebt kein Pförtner an der Thüre, der ihnen den Eintritt verwehre. Und da hat man sich denn allgemach überzeugt davon, daß die früheren Verdächtigungen der Intoleranz vollkommen ohne Grund waren. Die Versamm­lungen der Katholiken erfreuen sich der Achtung und Beachtung aller redlichen Leute; und so möge denn auch die Versammlung in Osnabrück dazu beitrage«, der Wahrheit eine Gasse zu bahnen und das katholische Bewußtsein zu stärken ohne verletzenden Gegensatz gegen andere christ­liche Bekenntnisse im Deutschen Reiche.

Möge die Saat, die in Osnabrück gesät wird, reiche Früchte tragen bei allen deutschen Katholiken und im ganzen Deutschen Reiche!

Deutsches Keich.

Berlin, den 23. August

* Die Kais-rzrtfamme«Ki»«ft anf der MHrde von Darrziq. Der Reise des russischen Kaisers nach Frankreich wird also doch eine Zusammenkunft des Zaren mit dem deutschen Kaiser vorausgehen. Das Wolff'sche Tele- graphen-Bureau meldet: „Wie wir hören, wird der Kaiser von Rußland der Einladung des

So schnell als möglich eilte sie nach dem Verlaffen der Straßenbahn das Stück Weges bis zu der Bernanischm Wohnung dahin.

AlS sie gegen halb zwei Uhr das Haus be­trat, tarnen ihr Herr und Frau von Bernani in Besuchstoilette entgegen, um nun noch zur Gra­tulation bei der greifen Geburtstag feiernden und Familien-E» blaute vorzufahren.

Das hatte Helene nicht vermuthet, und als die Herrschaften so plötzlich und selbsterstaunt vor ihr standen, vergaß sie das Briefpocket in ihrem Arm; es entfiel ihr und sämmtliche acht­zehn Umschläge leuchteten in verrälherischer Weise wie ebensoviel Anklageschriften auf dem bunt- steinernen Mosaikfußboden des HauleS.

Herr von Bernani bückte sich sofort, sie auf- zulesen, doch mit einem wahren BerzweiflungS- blicf bat Helene: „Bitte, lassen Sie die Briefel Wenn Sie mch nicht zu tief demüthigen wollen, beachten Sie sie nicht . . . Bitte herzlich, lassen Sie sich nicht stören, ich nrhrnefie nachherschonauf."

Herr und Frau sahen sich fragend an, und Frau von Bernani lachte: „Heirathsanträge? .. Haven Sie ein Ehegesuch in die Zeitung ein» rücken lassen?"

»Aber gnädige Frau! Was trauen Sie mir zu!"

„Nun, dann find es andere Offerten! Es behagt Ihnen nicht mehr bei uns und Sie haben sich um eine andere Stellung bemüht?"

„Nein, bei Gott nicht!" fuhr das junge Mädchen entsetzt auf, „nichts derartiges. O, was denken Sie von mir!"

„Nun, wenn Sie sich so benehmen, und all diese Zuschriften!"

Kaisers und Königs zu den Danziger Flotten« manövern Folge leisten und hat durch eigenhändiges Schreiben dies dem Kaiser mitgetheilt."

X Nri«z Gschu«, der „Sühneprinz", wird am nächsten Montag in Potsdam eintreffen, um int Namen seines Bruders, des Kaisers von China, den deutschen Kaiser um Verzeihung zu bitten für die Ermordung des deutschen Gesandten, Freiherrn von Retteier, in Peking. Prinz Tschun ist ein noch jugendlicher Sproß aus d-m Hanse der Mandschn; irgendwelche besondere Charakter­eigenschaften sind von ihm nicht bekannt geworden. Für uns ist er zunächst der Bittende, der Mann, der im Namen des chinesischen Reiches Verzeihung vom deutschen Kaiser erbitten soll, und deswegen sollte in der Art seines Empfanges das Festliche nicht übertrieben werden. Ais Prinz Tschun aus China ab reifte, sind ihm nach den damals ein­gelaufenen Berichten von den europäischen und namentlich von den deutschen Truppen Ehrungen bereitet worden, die das Ziel des Zweckmäßigen entschieden überschritten. Würde bei seinem Em­pfange in Potsdam in derselben Weise verfahren werden, so würden die Chinesen vermut hlich nicht diejenige Empfindung bauen haben, die sie empfangen sollen, nämlich das heilsame Ge­fühl der fanften Demüthigung. Nach der Auf­fassung der Chinesen hätte das Haupt desjenigen Prinzen fallen müssen, der die Hauptschuld an der Ermordung des Freiherrn von Retteier trug, nämlich des Prinzen Tuan. Daß dieser unbe« helliot davonkam, war bereits ein Triumph für die Chinefen; weitere Triumphe dieser Art sind im Interesse des deutschen Ansehens in China ganz und gar nicht wünschenswerth. Bon be­sonderer Bedeutung ist der Besuch des Prinzen Tschun insofern, als er der erste chinesische Prinz ist, der das Land der „rothhaarigen Teufel" be­tritt. Hoffentlich ist er bereits fähig, durch eignen Augenschein von der Wahrheit sich zu überzeugen, daß die Barbaren nicht wir, diese „rothhaarigen Teufel", sondern vielmehr die Chinesen find. Jn diesem Sinne könnte Prinz Tschun, wenn seine in Berlin heimisch gewordenen Landsleute ihn richtig führen, sehr vieles Gute und Nütz­liche lernen und dann auch in China einen sehr guten und nützlichen Einfluß ausüben.

st Die Z»samme«setzv«g des Mirlh- schafliiche« Ausschusses ist mehrfach in den Blättern bemängelt worden, als wäre sie ein­seitig ausgesucht gewesen im Interesse der Ver­tretung der Hochschutzzöllnerei. Auch die .Ger­mania' hatte kürzlich einige ähnliche Bemer­kungen gemacht, erhält daraufhin aber „von be­freundeter und wohl unterrichteter Seite" eine Zuschrift, in der unter Anderem das Nach­folgende gesagt wird: „Sowohl aus eigener Wahrnehmung... wie auch aus dem Munde zahlreicher Industrieller . . . kann ich nur be­zeugen, daß die Verhandlungen und die Ver­nehmungen der Sachverständigen stets durchaus unparteiisch und objektiv geführt worden sind, und daß insbesondere keinerlei Anreiz zum Vor­bringen unbilliger-Zollwünsche gegeben, vielmehr vom Vorsitzenden wiederholt darauf hingewiesen wurde, daß es e-forderlich sei, die Zollwünsche auf das unbedingt nothwendige Maß zu be­schränken ... Ich habe aus den Verhand-

„Allerdings ein kleines Geheimniß; aber . . mein Benehmen? Ist es anstößig?"

„Im höchsten Grade! ... Und wo haben Sie die Kinder?"

„Bei Fräulein Ariadne, gnädige Frau."

„Allein? Warum sind Sie nicht bei ihnen, Fräulein? ... Sie wissen, wir lieben das nicht, wenn sie ohne Aussicht sind . . . Nicht wahr, Aurel?"

Herr von Bernani sandte seiner Ge- mahtin einen strafenden Blick hinüber und Fräulein stammelte tief beschämt: „Ich bitte herzlich um Entschuldigung. Baron von Rettingshofen begegnete uns auf der Elisabeth- brücke und nahm die Kinder mit sich zu Fräu­lein Aridne; mich v rrabschiedete er . . ."

„Ah bah; verabschiedete Sie?" murrte Herr von Bernani, „hören Sie mal, Fräulein, das ist doch wohl kaum denkbar; für so un­ritterlich kann ich meinen Neffen unmöglich halten."

Helene blickte seitwärts und zuckte die Achfeln und Madame sagte ein wenig spöttisch! „Warum ließen Sie sich das bieten ? Sie stnd doch sonst eine kleine, energische Person! Und wissen Sie auch genau, daß Boris die Kinder gleich in die Kärntnerstraße zu Fräulein Ariadne und nicht irgend einen andern Weg geführt oder hat? Etwa doch nach Schönbrunn hinaus in die Museen? Es würde bann viel zu spät werd-n für die Gratulation; Sie wissen, die alte Dame geht um drei Uhr schon schlafen."

Helene blickte erschrocken auf: „Gewiß; ich weiß es und Baron von Rettingshofen weiß es auch: wollten sich die Herrschaften nicht treffen? Herr Boris sagte doch so?"

lungen den Eindruck gewonnen, daß in bee Auswahl bet einzelnen Mitglieder die gewiß nicht leichte Frage einer gleichmäßig gerechten Zuziehung von Vertretern der Landwicthfchaft, des Handels und der Industrie in glücklicher Weise gelöst worden ist. Uebrigens ist^daS Mitglied der Centrumspartei, Graf von Balle­strem, von Anfang an Mitglied des Wirthschaft« lichen Ausschusses gewesen. Gegenwärtig ge­hört ihm auch Graf Spee an Stelle des ver­storbenen Grafen Los Wissen an."

x Möglichst geringe Mekastnvg de» Aleichrtage» mit Gesetzentwürfen stellt für den nächsten Tagungsabschnitt ein Organ in Aussicht, das häufig zu halbamtlichen Kundgebungen be­nützt wird. Ja der That ist es auch nöthig, daß nach diesem Rezepte verfahren werde. Noch unerledigt sind die SeemannS-Ordnuna, die Ge­setze über dir Besteuerung der Süßstoffe und des Schaumweines; unvermeidlich sind die umständ­lichen Berathunaen des Reichsbaushaltes und der Zollgesetze. Wenn die Sitzungsperiode nicht wieder einmal in geradezu ungebührlicher Weise in die Länge sich dehnen soll, ist die allergrößte Sparsamkeit in dem Einbringen neuer Entwürfe dringendst nöthig. Wenn außerdem nur die noch- wendige Vorlage über die Branntweinsteuer kommen würde, fo würde der alsdann vordandene Stoff vollkommen ausreichen, um eine Tagung von herkömmlicher Dauer auszufüllen. Mit Be­dauern wird man sich darein finden müffen, auf die nothwendige Novelle zur Krankenversicherung noch ein weiteres Jahr zu warten; aber es wird eben nichts Anderes übrig bleiben. Merkwürdiger­weise wird auch die Vorbereitung einer Novelle zum Börsengesetze als etwas Selbstverständliches in der gekennzeichneten Kundgebung behandelt. Ist also die Macht der Börsenspekulanten wirk» lich so groß geworden, daß die Regierung ihr nicht widerstehen kann? Sich damit beim Reichs»- tage den unvermeidlichen Korb zu holen, braucht die Regierung sich wahrhaftig nicht zu beeilen. DaS hat nicht nur ein Jahr, sondern noch meh­rere Jahre Zeit!

+ Die Zeiten, ander« sich! Württemberg war bis vor wenigen Jahrzehnten ein in sich abgeschloffenes, sich selbst genügendes Wirthschafts- gebiet. Es hatte für seine landwirthschastlichen Produkt'', namentlich für das Getreide . . . ver­schiedene, beinahe isolirte Märkte und Markt­mittelpunkte. Die Gestaltung der Kornpreise z. B. war davon abhängig, wie die 52 Frucht» schranneu bk fahren und von den Müllern und Bäckern der Umgebung besucht wurden. Heute hat der württemdergische Getreidehandel nur noch einen beherrschenden Mittelpunkt und der liegt außerhalb des Landes, nämlich in Mannheim oder genauer in Chicago . . ." Diese halb weh- müthige Rückschau ist zu finden in der Denk­schrift der Stuttgarter Handelskammer über Deutschlands Gsenbabmen. Sie enthält eine leider nur zu richtige Kennzeichnung der herrschen­den Zustände und kennzeichnet gleichzeitig, wenn auch wohl unbewußt, eine böse Gefahr der Gegenwart: nämlich die Abhängigkeit vom Auslande in der Versorgung des Volkes mit den allernothwendigsten Nabrungs mit teln. Eine solche Abhängig-

„Ha, ha, ha. Sie sind naiv, Kleine! Ich meine, gerade Sie müßten unfern Neffen von einer andern, als der wahrhaftigen Seite kennen."

„Nun, trotz allem: Einer Unwahrheit hat sich der Herr mir gegenüber noch nicht schuldig gemacht. . ."

„O nein, so wie Sie das aufzufaffrn be­lieben, mein' ich es auch nicht; aber er kennt nur seinen eigenen Willen und hält immer das für recht, was ihm so erscheint."

„Ei, Julietta", meinte Herr von Bernani zu feiner Gemahlin, „rege Dich doch nicht über Dinge auf, die vorläufig gar nicht anzunehmen find; wir fahren ja doch eben selbst zur Groß- taute und werden uns Kerzeugen, daß Du wieder einmal Schatten stehst, wo keine sind." Dann überreichte er H.ler.e die inzwischen doch aufgesammelten Briese: „Hier Fräulein find Ihre . . . Offerten! nicht wahr? . . . Acht­zehn Stück! Möchte wenigstens eine befriedigende dabei sein!"

Helene errüihrte heiß: „Es handelt sich nur um einen Scher»," sagte sie kleinlaut und mit einem innigen Flehen in der Stimme, doch Frau von Bernani unterbrach sie spitzig: „Be­ruhigen Sie sich nur! Wir haben durchaus nicht die Absicht, uns in Ihre zarten Angelegen­heiten zu mischen oder gar Ihre Briefgeheimniffe ergründen zu wollen, deren Natur ich übrigens zu kennen glaube; . . . man lernt nicht aus in der Welt und macht Erfahrungen, von denen man sich nichts träumen läßt so im vertrau- lichen Verkehr . . . Nun, auf Wiedersehen bei Tisch!" rief sie beim Hinaustreten auf die