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mit Nnlerhalümgs-Meikage „Illusirirte Sonntags-Zeitung" "Sä—““
M 191. Juköa, Donnerstag, den 22. August 1901. 28. Jahrgang.
2U Slavische Träume.
Ein ganz neues Thema in der polnischen Preffe ist daS von dem Verhältnisse zwischen den Ruffen und den Polen ; oder, genauer ausgedrückt, die Art und Weise ist neu, in der dieses Thema von der polnischen Preffe behandelt wird. Es überwiegt zwar noch immer die alte und nur zu erklärliche Abneigung der Polen gegen die Ruffen; aber gleichzeitig lassen verschiedene Anzeichen darauf schließen, daß der Panslavis- muS in neuester Zett auch unter den Polen Anhänger zu gewinnen sucht und den Rubel nicht scheut, um seine Pläne zu sördern. ES find sogar schon bestimmte polnische Blätter genannt worden, die angeblich an der Betreibung solcher Pläne betheiligt sein sollen, ohne daß bisher ein Widerspruch gegen solche Annahmen erhoben worden märe.
Ein Mitarbeiter der panslavistischen Zeitung ,Nowoje Wremja' in Petersburg hat stch „Deutsch- Polen" zum Gegenstände seiner neuesten Studien erwählt und behauptet frischweg, er sei gerade als Panslavist in der Provinz Posen mit offenen Armen empfangen worden. 'Namentlich erzählt er von einem Herrn Jaz- kowskt, den er einen als einen Organisator der Bauernvereine in Deut sch.Polen bezeichnet, der ganz begeistert von dem Gedanken gesprochen haben soll, Rußland möge doch alle kleinen slavischen Stämme, Bulgaren, ^Serben, Polen und Tschechen, unter seinen Schuh nehmen und unter russischer Oberherrschaft eine Art panslavischen Bundesstaates bilden. Der Herr soll sogar gesagt haben, er glaube an die Möglichkeit eines solchen groß- lavischen Bundes so bestimmt und fest, wie zwei Mal zwei vier sei. Auch die Deutschen hätten stch ja im Deutschen Reiche zusammen- gefunden, und „ganz ebenso" werde es mit den Slaven kommen. . . .
Mit mildem Lächeln liest man diese Tollheiten. Das milde Lächeln verwandelt stch sogar in ein heiteres Lachen, wenn man sich in diesem gegebenen Augenblicke in der Slavenwelt ^umsteht und eine Probe auf das Exempel macht. Daß die verschiedenen Slavenstämme bei slavischen Kongreffen der deutschen Sprache stch bedienen müffen, um sich allgemein mit einander verständigen zu können, ist eine längst bekannte Thatsache. Aber gerade auch diejenigen Slaven- stämme, die in ihrer Sprache am nächsten mitein, ander verwandt sind, die Polen und die Tschechen, laffen durchaus keine Neigung erkennen zu gegenseitigem Zusammenschlüsse. In Oesterreich. Schlesien sind sie gerade jetzt kräftig einander in die Haare grrathen. Die Polen behaupten, es würden ihnen durch tschechische Umtriebe viele Stammesangehörige abspenstig gemacht und zum Tschechenthume „bekehrt"; und umgekehrt be- schweren sich die Tschechen mit wilder Hefttgkeit gegen die polnischen Umtriebe, die angeblich unter den Tschechen angezettelt werden, um Tschechen polnisch zu machen .... ein herrliches Bild slavischen Gemrtnbewußtseins und slavischer Völkereintracht I
Nun sollten erst einmal diejenigen Polen, die jetzt in Deutschland und in Oesterreich.Ungarn
Am ersten April.
Okisinal-Roman von Ida John>»rnstadt.
'S ------ (Nachdruck verboten.)
Unter irgend einer Chiffre schrieb und empfing man die intereffanten Briefe, ohne sich gegenseitig zu kennen; man konnte seine Gedanken aus- -tauschen, Studien machen, sich unsagbar genußreiche Stunden geistigen Verkehrs schaffen und der Reiz der lebenslang unenthüllten Geheimnisses gegenseitiger Bekanntschaft wehte wie ein duftiger, undurchdringlicher Schleier über dem Unternehmen; niemals brauchte man die angenommene Maske fallen zu laffen; mithin war alles ein harmloser Zeitvertreib, so ungefährlich al» möglich, und man erlebte doch etwas.
Wie unter dem Einfluffe eine« berauschenden Trankes klingelte sie nach Trinchen, die für ihre Unruhe viel zu langsam erschien, sie abzulösen, und eilte wie gejagt die Treppen hinan in ihr Stübchen, welche» sie hastig hinter sich abriegelte.
Behaglich warm und hell war e« hier; ein seiner Duft von Reseda, Rosen und Bittermandelgeruch empfing fie; die Theetaffe stand noch unberührt neben ihrer Briefmappe, doch dies alle» gewahrte sie nicht. Ohne Zögern schritt Helene zu ihrem Schreibtische, nahm einen monogrammlosen Bogen heraus und entwarf folgendes Inserat : „Gebildete Dame wünscht versuchsweise geistvollen Briefwechsel in französischer Sprache mit einem Herrn aus Gelehrtenkreisen unter Chiffre Ch. Haffard, Nr. 100 hauptpostlagernd Wien. Bis zum 15. Januar Antwort erbeten."
leben, „unter dem russischen Slaatsprinzip stehen", wie es ein „Mitglied der polnischen Intelligenz in Posen" zu demselben Mitarbeiter des vorher genannten Prterourger Blattes als fernen Wunsch bezeichnet hat. Ein Versuch in diesem Sinne würde nicht unschwer zu machen sein durch eine Auswanderung nach Rußland. 93er. muthlich würde dann die Schwärmerei für das Zarenreich und für eine Vereinigung aller Slaven unter russischer Schutzherrschaft ungemein schnell abgekühlt sein. Es ist auch gar nicht möglich, daß bei den Polen in der Provin Poisn die Erinnerung an die Schreckensherrschaf eines Gmko und Genoffen in Russisch-Polen bereits verblaßt sein sollte; man hat vielmehr anzunehmen, daß der federeifrige russische Pansla- vtst, der die „polnischen Intelligenzen" in Posen ausgesucht hat, in seiner .Nowoje Wremja' der Welt einen Ungeheuern Bären aufzubinden versucht hat. Sehr richtig bemerkte in diesen Togen ein radikales Polenblatt, der ,@oni(c', Rußland würde die Polen gar nicht eher in feinen Mutterschooß aufnehmen, als bis es ihnen die polnische Seele entrissen haben werde; und andere polnische Blätter verwahren sich nicht minder nachdrücklich gegen dos Anspinnen russischer Ränke unter den Polen in Deutschland und in Oesterreich.
Was aber sollen die Polen fein, wenn sie weder Preußen, noch Oesterreicher, noch Ruffen sein wollen? Ai ein neues Polenreich denken sie nicht und können sie nicht denken; denn dieses Reich könnte doch nur gegründet werden im gleichzeitigen Kampfe gegen die drei Kaiserstaaten. Nur zu solchen Gedankentollheiten kann sich auch das allerphantasiereichste Menschenhirn nicht versteigen, es müßte denn gerade daS Hirn eines vollendeten Narren fein. Die Polen werden darum am allerbesten abschueiden, wenn sie sich mit den bestehenden Verhältniffen so gut einzurichten suchen, wie es eben möglich ist, nicht aber in kindischem Uebermuthe diejenigen vor den Kop stoßen, die es gut mit ihnen meinen und ihnen ihre Sprache und ihre Eigenart zu erhalten suchen wollen. Sonst könnte noch einmal der Tag kommen, an dem die Polen das russische Staats- Prinzip auch in Deutschland kennen lernen, und mit diesem Tage eine zu späte Reue über begangene Thorheiten!
Deutsches Keich«
Berlin, den 21. August.
X Da* Knmöinusr Godesurtheil. Die Verurtheilung des Dragoner - Unteroffiziers Marten durch das Oberküegsgericht in Gumbinnen zum Tode hat überall großes Aufsehen erregt, um so mehr, als es ja in seiner Strenge weit über den Antrag des Staatsanwaltes hinausgeht. Der Staatsanwalt erhob die Anklage nur wegen Todtschlages, stellte stch also auf den Standpunkt, daß Marten durch den Rittmeister von Krosigk gereizt worden sei und die That in dem Zustande der dadurch hervorgerufenen Erregung begangen habe. Das Urtheil des Ober- kriegSgerichtes erkennt solche Miloerungsgründe nicht an, sondern betrachtet die That als Meuteret und Mord, und eine solche That kann
Und damit fie da» vielversprechende Vorhaben nicht etwa gereue, beschloß sie, ihr wichtige» Schriftstück noch heute, sofort in den nächsten Briefkasten zu befördern. Eilend» nahm sie ihren Abendmantel um, schlang sich einen rothseidenen Shwal um Kopf und Schulter und ging.
Auf der hellbeleuchteten Haupttreppe begegnete ihr — jetzt nicht mehr al» Armenier, sondern im schwarzen Gesellschaftsanzuge, eine Rose im Knopfloch seines Fracke», den Chapeau claque unter dem Arme — Baron Boris von Rettinghofen. Sie erschrak und erbleichte bis in die Lippen, doch er that, als kenne er sie nicht; er grüßte nicht, sondern streifte sie mit einem seiner höhnischsten Blicke, als wolle er sagen, „ich weiß, was Du vorhast".
Schaudernd stand sie einen Moment lang still und überlegte.
Sollte sie umkehren?
Nein! Entdeckung war ja nicht möglich, denn tiemal« würde sie sich dazu verstehen, den Schleier der Pseudonymität zu lüften. Also mnthig weiter!
Wenige Tage darauf stand da« Inserat wirk- lich im Anzeigeiheile der vielgelesenen Zeitung, und nun begann für Helene jenes Hangen und Bangen der Hoffnung und Ungewißheit, welches außergewöhnliche Unternehmungen immer begleitet: ie wurde blaß und zerstreut ober lief mit roth- ! Menden Wangen und fiebernden Pulsen im Hause umher, ohne recht zu wiffen, was fie wollte; )ie Unarten der Kinder, jeder harmlose Blick ihrer Herrin, namentlich aber des Barons impertinent ächelndes Schweigen bei jedem seiner Besuche, >enen fie nicht immer entgehen konnte, brachten ie in namenlose Aufregung.
nach dem Gesetze nur durch den Tod des Thäters gesühnt werden. Aber gerade wegen dieser grundsätzlichen Stellungnahme des Oberkciegs- gerichtes muß man wünschen, daß der von Marten angemeldeten Revision stattgegeben und die Sache nun noch einmal vor dem Reichsmilitärgericht verhandelt werden möge. Man muß freilich annehmen, daß Marten mit vorauf- gegangener reiflicher Ueberlegung gehandelt hat, vorausgesetzt nämlich, daß er wirklich die entsetzliche That beging; denn wegen eines Rüffels in der Reitbahn und in Folge des Genusses einiger Gläser Schnaps pflegen deutsche Unteroffiziere ihre Rittmeister auch Bann nicht zu erschießen, wenn diese Letzteren fortgesetzt mit übermäßiger und launischer Strenge uns Härte die Mannszucht im Herrs mißbrauchen. Und eiserne Mannkzucht muß unbedingt im Heere aufrecht erhalten werden. Aber man tarn sich des unheimlichen Gefühles nicht entschlagen, "daß die Beweisführung gegen Marten auf nicht hinlänglich fester Grundlage stehe. Es handelt sich dabei um außerordentlich spitze Zeitberechnungen, von deren Beweiskraft ougenscheinlich auch der Staatsanwalt nicht so recht durchdrungen war, so daß er zu dem Anshilfsm ttel der Aenderung der Anklage griff und die Anklage zum Schluffe nicht wegen überlegten Mordes, sondern wegen Todtschlages erhob. Man sollte meinen, die Gumbinner Richter müßten selbst den Wunsch hegen, daß die Revision zugestanden werde. Sollte die Revision abgelehnt werden, bann würde das jüngste Urtheil rechtsgiltig werden und Marten dem Tode verfallen sein. Natür- lich soll damit nicht im Entferntesten die lieber« zeugungstreue der Gumbinner Richter und ihre Gewiffenhastigkeit angezweifelt werden. Aber verschredene Richter gelangen mitunter auch zu verschiedenen Ueberzeugungen!
+ Hffiziös? In den.Berliner Politischen Nachrichten' findet sich eine Darlegung, die der Erwähnung werth ist. Diese Zeitungskorrespondenz bringt, wie bekannt, häufig Kundgebungen von amtlicher Seite; und in ihrer letzten Nummer einen Hinweis darauf, daß ein innerlicher Zusammenhang zwischen dem Reichskanzler und dem Zolltarifentwurf ganz selbstverständlich sei. Die Freihändler und die Händlerpreffe haben bekanntlich ein ganz besonderes Vergnügen dabei, immer und immer wieder zu behaupten, daß der bekannt geworbene Entwurf eigentlich keine abgeschloffene Bunbesrathsvorlage, fonbern nur ein ganz unverbindlicher Vorschlag sei, der umfaßen werbe, fobalb nur Jemanb ernstlich daran rütteln werbe, unb zu versichern, baß höchst wahrscheinlich ber Kanzler ganz vergnügt fein werde, wenn bet Bunbesrath die vorgeschlagenen Zollsätze kräftigst herunterrevibiren wollte. Daß das Unsinn unb eine Unmöglichkeit ist, würbe bereit« mehrfach in biesem Blatte nachgewiesen. Jetzt erscheinen nun besagte ,Berl. Polit. Nachr.' auf bem Plane unb kennzeichnen »die ergangenen Tarisvorschläge als „den Niederschlag ber von den Vertretungen bes deutschen Volke« unb ber Bevölkerung ber größeren Bunbesstaaten kundgegebenen Auffassungen und der Erklärungen, die von den verantwortlichen Vertretern sowohl ber Reichsregierung als ber Regierungen ber Bunbesstaaten ben Volksvertretungen
Sah man ihr benn an, daß sie zu allen Stunden darüber nachdachte, ob wohl Einer Lust verspüren würbe, seine Zeit bem Briefwechsel mit ihr zu opfern?
Wenn sie wenigstens gewußt hätte, was ihr Gegner, ber Baron, im Schilde führte, wie man zu sagen pflegt! Sein beharrliche« Schweigen verdeckte doch nur einen Racheplan! Vergeblich sagten ihr die Kinder sowohl al« Herr unb Frau von Barnani, jedes auf feine Art, er denkt nicht daran, Ihnen Ihre Handlungsweise am Kostümfest- abend nachzutragen; fie glaubte ihn beffer zu kennen und fürchtete fich vor ihm, den fie doch von Grund ihres Herzens aus haßte und verachtete. War fie denn nervös geworben, fie, die luftige Helene?
Wie eine Ewigkeit erschienen ihr die" paar Tage bis zum 15. Januar, dem festgesetzten Termin deS BriefabholenS; endlich war er da, einer jener stechend kalte» Wintertage mit Ostturm und Schneefall, wie fie alljährlich um >iefe Zeit über die Erde ziehen. Nach betr Sektionen, etwa gegen zwölf, sollte sie mit den Kindern einen Gratulationsbesuch in der Stadt machen und bei dieser Gelegenheit wollte fie auf >as Hauptpostamt gehen und die etwa einge- aufenen Zuschriften abholen.
Wie ihr daS Herz klopfte vor Aufregung!
„Fräulein, Sie träumen ja!" lachte Nestyneben hr.
Ach so; eS war ja SamStag Vormittag zehn Ihr, also englische Stunde, und sie war nicht Helene Lippholb, die an stch selbst denke» durste; ie war ja das „Fräulein", gut bezahlt, gut behandelt und dafür nett Leib nnd Seele für die Ander», für ihre» Berus auf der Welt.
gegenüber abgegeben worben sinb". Vom Reichs kanzler Grafen Bülow wirb gesagt, dieser hak> insbesonbere gesicherten unb ausreichende" Zollschutz für bie beutsche Landwirth- schäft in Aussicht gestellt, unb es fei völlig un° erfinblich, wie Jemand annehmen könnte, bav er bie Verantwortung für einen Zolltarifentwurf übernehmen würbe, in bem diese Zusicherung nicht ihre volle Erfüllung fände usw. Nach ber übereinstimmenden Ansicht aller landwirthschastlichenKörperschasten »Übertretungen fehlt btefe Erfüllung in ben veröffentlichten Zollvorschlägen, und gerade in biesen Tagen ist ba» wieberholt und sehr deutlich ausgesprochen worben; man könnte also den Sinn ber Darlegung fich so denken, als solle sie eine beruhigenbe Antwort fein auf bie abfällige Kritik, bie von ben landwirthschaftlichen Körperschaften unb von mehreren Centrumsabgeordneten an ben Zollvorschlägen geübt würbe, umsomehr, al« gleichzeitig ber Gedanke eine« Zwiespaltes in ber Zollfrage zwischen Regierung unb Reichstagsmehrhett al» unsinnig bezeichnet wirb. Einstweilen fei auch bisse Kundgebung „zu dem Uebrigen" gelegt, bis einige Klarheit darüber bestehen wird, wie die Regierung zu den abweichenden Forderungen ber Lanbwirthe sich wirklich zu verhalten gedenkt.
* Der Saaleuflaud in Preuße» stellte sich um die Mitte August d. I. unter Vergleich zu dem in Klammern bdgefügten Stand vom 15. v. M., und ferner vom 15. August 1900, wobei die Zahlen Nr. 2 gut, Nr. 3 mittel, Nr. 4 gering bedeuten, folgendermaßen: Winterweizen 15. August er. 3,7 (15. Juli er. 3,7; 15. August v. I. 2,6), Sommerweizen 3,0 (2,9; 2,6), Winterroggen 3.1 (3,1; 3.1), Sommerroggen 3,2 (3,1; 3,1), Gerste 2,8 (2,8; 2,6), Hafer 3,0 (3,0; 2,5), Kartoffeln 2,7 (2,7; 2,4), Klee 3,7 (3,8; 3,4), Luzerne 3,5 (3,6; 2,9), Wiesenheu 3,6 (3,4; 3,0).
V. Zlrösr die Stellung der gewerki- schafllich orgauiftrteu Arbeiterschaft zur Aetzrkiugsfrage im Handwerk und Fabrikbetriebe spricht sich in recht offener und zutreffender Weise der Gewerbeaufsichtsbeamte für den HI. württembergische» Bezirk in seinem Berichte für 1900 au«. Erstere hat der Lehr- lmgssraqe von jeher ihr lebhaftes Jntereffe entgegengebracht und solches auch auf verschiedene Weise betätigt. „Die Mitglieder der vereinigten Gewerkschaften und der Gewerkvereine sind verpflichtet, wo immer sie mit Lehrlingen fiT Berührung kommen, auf deren Ausbildung sowohl persönlich, als auch durch Einwirkung auf den Meister hinzuarbeiten. Insbesondere sind dieselben gehalten, auf Abstellung bestehender Schäden, wie LehrlingSzÜchterei, übermäßige Arbeitszeit, Versagung des Besuchs der gewerblichen Fortbildungsschule, rohe Behandlung durch Meister unb Mitarbeiter hinzuwirken." Durch die LehrlingSzÜchterei wurde im dortige« Bezirk namentlich in kleineren ländlichen Druckereien der Buchdruckerstand geschädigt. „Zahlreiche stellenlose Gehilfen, dir nichts gelernt haben und in ordentlichen Buchdruckereien keine Anstellung finden, bevölkern die Landstraße» auf Kosten ihrer arbeitenden Kollegen." — Der oben gekennzeichnete Standpunkt wird unseres Erachte«»
„Denken Sie schon wieder an den dösen, bösen Onkel Boris?" fuhr die kleine Tyrannin fort und Franz Joseph blickte belustigt von seiner Grammatik auf.
Statt zu antworten, «ahm „Fräulein" Nefiy's Heft, machte mit dem Blaustift einen dicken Strich an den Rand und sagte: „DaL Subjekt steht vor dem Prädikat!"
„Und Onkel Boris steht vor der Schul- zimmerthüre, ich hör' ihn; wolle« Sie nicht aufmachen? Oder darf ich? —"
„Warum überhaupt riegeln Sie jetzt immer zu, Fräulein?" tadelte Franz Joseph und sprang auf, die THÜre zu öffnen, doch Helene kam ihm zuvor: „Du bleibst bei Demen Büchern fitzen," sagte fie streng, „und j'tzt weiter ! Also: waS heißt to feel ?"
„Fühlen!" riefen beide Kinder und Franz Joseph fragte: „Zorn fühlen für Onkel Boris, heißt das auch to feel oder sagt man da . . ."
Lautes Klopfen unterbrach deS Knaben Un» gezogenheit, die Kinder schlugen jubelnd ihre Bücher zu und das Fräulein erhob fich. „Wer klopft hier?" fragte fie mit bebender Stimme.
„Baron RettinaShofen wünscht dem gnädigen Fräulein seine Aufwartung zu machen," schallte es hämisch durch die THÜre zurück.
„In einer halben Stunde werde ich im Salon sein; jetzt habe ich Unterricht und bedauere. Sie, Herr Baron, nicht annehmen za können."
„Ich muß aber doch b tten, mir gütigst so- ort Einlaß zu gewähren; diesmal komme ich tämlich auf Befehl meines Onkels ... Ich labe Ihnen etwas zu sagen, resp. mich feine» Auftrages zu entledigen."