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mit Nnterßaltungs-Anlage „MuKrirte Sonntags-Zeitung"
Druck und Verlag der Suldaer Actleudruckeret peterrzaffe Nr. L (Harmonie).
M 190.
28. Jahrgang.
Iuköa, Mittwoch, den 21. August 1901.
wenn
arme Liebe
und Beamtentöchter, — nur für sie, die Helene Lipphold, schien die allmächtige nicht auf der Welt zu sein.
Seltsam.
Zu schreiben, zu stopfen und auszubesier», sich für dir Lektionen vorzubereiten, bis sie todtmüde hinsank und sofort in einen gesunden, feste« Schlaf verfiel. UeberdieS an Festen, wie heute, wo die Aristokratie des Geistes und des Geldes und der hohe Adel zu gemeinsamen Genießen versammelt war, da blieb ihr das Dorado der Freude vrrschlosien; da war sie die arme, vergrsiene Erzieherin mehr denn je. Zuerst war es ihr auch ganz recht gewesen, aber nun, wo die hinreißenden Walzertakte so verführerisch herübertönten, that ihr daS junge Herz weh.
Drei Jahre lang war sie hier in Wien bet Bernants, aber etwas „Rechtes" hatte sie biS jetzt noch nicht erlebt und das ärgerte sie un« sagbar.
Gar zu gern hätte sie doch auch einmal eine kleine, freudige Abwechselung gehabt, wie andere Mädchen ihres Alters; in jedem Roman auf der Bühne und draußen im wirklichen Leben verliebten und verlobten sich die Leute so entzückend.
Jedes halbwegs erwachsene „Wiener Madel" li»ß sich des Sonntags von seinem Schatz in de« Prater oder zum Tanze führen, und die Damm vom höchsten Adel hatten so gut ihr« Verehrer und Bräutigams wie die Bürger-, Künstler
thal in der. Kirchlichen Wochenschrift' einem Organe der posiliv-protestanttschen Richtung, einen höchst »eachtenswerthen Vorschlag gemacht. Dieser Vor« chlag besteht darin, es möge durch ein Gesetz die Möglichkeit geschaffen werden, ix angem-ffenem Um« äuge zur Beseitigung solcher Nothstände die Internehmer derjenigen industriellen Betriebe leraxzuziehen, durch die der kirchliche Nothstand lerootgerufen wird. Graf Hohenthal beschäftigt ich zunächst nur mit den Bedürfniffen der evangelischen Kirche. Er betont aber ausdrück- ich, daß die konfessionelle P a r i t ä t vollkommen gewahrt werden, also auch die katholische kirche im vollen Umfange berücksichtigt werden müsse. Es ist nicht zu bezweifeln, daß der Vorschlag gut ist und bei der Mehrheit des preußi- chex Abgeordnetenhauses ebenso wie bei der Mehrheit des Herrenhauses Anerkennung und Billigung finden würde. Die Liberalen und alle anderen Kirchenfeinde würden ebenso sicher Widerspruch gegen eine solche Bestimmung erheben; aber das würde nur ein neuer Beweis dafür sein, daß sie gut wirken würde.
+ Die Annahme polnischer Arveiter aus dem Auslände hat kürzlich das Berliner Kammergericht beschäftigt. Die Breslauer Regierung hatte eine Verordnung erlaßen, in der bestimmt war, daß zur Annahme polnischer Ausländer als Arbeiter der Arbeitgeber einer be- sondern Genehmigung bedarf. In der Verordnung sind auch nähere Bestimmungen über die Art der Anmeldung enthalten. Das Berliner Kammergericht hat diese Verordnung für ungiltig erklärt, da nach dem Erkenntniffe dieses Gerichtshofes der Breslauer Regierungspräsident mit seiner Verordnung seine Befugniß zum Erlaffe von Polizeiverordnungen überschritten habe. Daß der Staatsregierung dar Recht zustsht, die Bedingungen für die Zulassung solcher Arbeiter zu bestimmen, wird dadurch nicht berührt. Hier handelt es sich nur um die Ausführung dieser staatlichen Be-
£ Einfuhrzölle, Handelsverträge und Ausland.
Mit überraschender Schnelligkeit sind gewiffe Politiker und Zeitungen zu dem Urtheil gelangt, daß genügender Zollschutz für die Landwirth- schaft und Abschluß neuer Handelsverträge zwei einander feindliche Begriffe seien. Man stellt diese Behauptung aus, ohne auch nur abzuwarten, was denn eigentlich das Ausland dazu zu sagen hat; und doch kommt es gerade hier ganz allein daraus an, wie die zuständigen In- tereffenkreise im Auslande die Einführung erhöhter deutscher Zölle für landwirthschaftliche Erzeugnisse beurteilen. Diese zuständigen Jn- tereffenlreife können nur die Landwirthe derjenigen Länder sein, auf deren Meinung wir wirklich Rücksicht zu nehmen haben, so z. B. der landwirthschastlichen Berufskreise in Oesterreich- Ungarn, in Italien und in der Schweiz. Wenn die Landwirthe solcher Länder nichts gegen die Erhöhung der deutschen landwirthschastlichen Schutzzölle einzuwenden haben, dann verliert ja die Besorgniß, daß die Einführung solcher Zölle den Abschluß neuer Handelsverträge gefährden könnten, jegliche Bedeutung. Die Regierung von Oesterreich beispielsweise kann niemals Widerspruch gegen eine Erhöhung der deutschen Einfuhrzölle erheben, weil eine solche Erhöhung den Getreide- und Viehhändlern in Budapest, Wien oder Krackau unangenehm sein würde. Sie muß ihre Haltung einrichten nach der Stellung, die die Landwirthschast in Oesterreich und in Ungarn dazu einnimmt, um deren Erzeugnisse es sich handelt; und wenn diese Landwirthschast nichts dagegen einzuwenden hat, daß die deutschen landwirthschastlichen Zölle verstärkt werden, dann kann und wird auch die Regierung von Oesterreich-Ungarn zufrieden fein damit.
Thatsacke ist nun, daß die Landwirth- fchaft in Oesterreich und in Ungarn gar nicht daran denkt, in das Jammergeschrei der deutschen Händlerpresse einzu stimm en. Sie urteilt im Gegenteil sehr ruhig und nichts weniger als feindlich über die beabsichtigte Erhöhung der landwirthfchaft- lichen Zölle in Deutschland. Unter dem Vorsitze des Ehrenpräsidenten Fürsten Auersperg hat eine Sitzung des ständigen Ausschusses der österreichischen Centralstelle zur Wahrung der land- und forst- wirth schaftlichen Interessen beim Ab- schluffe von Handelsverträgen stattgefunden, und dabei ist einstimmig eine Entschließung angenommen worden, in der unter Anderem gesagt ist:
Der Ständige Ausschuß kann um so weniger gegen das Prinzip, welches in dem deutschen Zolltarif-Entwürfe zum Ausdrücke kommt, protestiren, als ihm durch die Erstellung des deutschen Zolltarif-Entwurfes die ersten Bausteine gelegt zu sein scheinen, um eine Vereinigung der mitteleuropäischen Erzeugung gegen den Wett- bewerb der überseeischen Länder, vor allem der Vereinigten Staaten von Amerika zu ermöglichen und durch Erstellung gleich hoher Zollsätze seitens der übrigen mitteleuropäischen
Deutfches Ateich«
• Berlin, den 20. August
X Seife des Reifer* «ach Nordamerika? Ja den Vereinigten Staaten von Ame-
Ob es an ihr lag?
Sie war doch nicht gerade häßlich, auch die ein wenig aufstrebende Sturnpfnase nicht an die Rediceische VenuS erinnerte und
Am ersten April.
Original-Roman von Ida John-Arnstadt.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
Der leidenschaftliche Mensch verschwand wie er gekommen war, und Nesty schluchzte zum Herzbrechen, ihr weißeS Schürzchen vor beide Augen gedrückt; nur der Knabe schaute trotzig darein und schweigend; endlich gab er sich einen Ruck und reichte der weinenden Schwester die Hand hinüber: „Hör auf zu heulen wie ein Baby", sagte er, „wenn man sein Unglück selbst verschuldet har, wie Du, bann trägt mans auch . . . Sieb' mich an; ich schweige und denke mit mein Theil; wärst Du mitgegangen, so wären wir jetzt mit an der Tafel und gefeierte Leute; allein konnte und wollte ich nicht mit hinüber . . . Schlaf wohl, Nesty!*
„Gute Nacht!" jammerte die Kleine; dann wandte sich der Tiefgekränkte an die Erzieherin :
„Ihnen Fräulein, wünsche ich h'ute nicht „Gute Nacht": Sie haben un8 zu sehr geärgert."
Helene Lippholdt lächelte gar eigen, „ich werdS verschmerzen, mein Junge . . .“
„Ich bin nicht Ihr Junge I“
„Gleichviel; ich darf Dir aber doch gute Ruh wünschen? . . . Wie? Du hältst Dir beide Ohren zu und ziehst mir ein Gesicht? . . . Du hörst es aber doch wohl, wenn ich Dir von Herzen danke für Deinen Gehorsam . . .“
„Gehorsam? O nein! Ich blieb nur da,
stimmungen.
ft AeSämpfmeg des Anarchismus. Nach Zeitungs-Meldungen aus Bern ist nunmehr in bestimmter Form einer der Beschlüsse bekannt geworden, welche die internationale Konferenz zur Bekämpfung des Anarchismus im Jahre 1898 in Rom gefaßt hat. Danach ist zwischen den beteiligten Regierungen die Vereinbarung getroffen worden, daß ausgewiesene Anarchisten stets dem Heimaths-Staate zugeführt werden fallen. Daß die Sache so gehandhabt wird, weiß man ja bereits. Namentlich alle die vielen italienischen Anarchisten, welche ans der Schweiz ausgewiesen werde«, werden seitdem ohne Ausnahme nach Italien ausgeliefert.
V. Kirre der veda«erkichste« Iokge- erfchei»u«ge« der Iavriüaröeit ver- heiraitzeler Ira«e« ist, wie die Erhebungen der GewerbeauffichtSbeamten vorn Jahre 1899 ergeben haben, die große Zahl von Säuglings- ertrantungen, sowie die bedeutende Kindersterblichkeit in denjenigen Familien, wo die Mutter durch die Fabrikthätigkeit verhindert ist, sich der Pflege und der Ernährung der Kleinen zu widmen. Von 300 lebende« Kindern, deren Mütter als Arbeiterinnen in der Cigarrenfabrikattox thätig waren, kamen z. B.
weil ich ohne Nesty nicht hinüber wallte. Da- mit basta!"
Die Thür flog schmetternd in das Schloß; der unartige Knabe war hinausgegangen und Nesty hörte auf zu schluchzen, indem sie beioe Aermchen um den Hals bei jungen Mädchens legte und stammelte:
„Fräulein, Franz Joseph ist ein Bengel, aber er meint es nicht bös; verzeihen Sie ihm und — bitte, bitte ziehen Sie mich aus; ick will gleich etnschlafen; aber nicht wahr. Sie bleiben an meinem Bettchex sitzen, bis ich gar xichtS mehr weiß und schon träume?"
„Gewiß mein liebes Kind . . . Komm!"
Nesty besaß, so jung sie auch war, bereits — wie Franz Joseph — ihr eigenes, neben dem Schlafzimmer der Eltern gelegenes Schlafstübchen, ganz in blau und weiß gehalten und von einer blauen Lagerstatt gegenüber stand ein blauer Divan, auf welchem Trinchen, die Jungfer, so lauge wachen mußte, bis die gnädige Frau erschien und die Thür nach Nestys Gemach öffnete, denn Fräulein LippholdtS Berufsthätig- alS Erzieherin erstreckte sich nicht auch auf die Nachtstunden; sobald die Kinder zu Bett gebracht wäre« und Frau von Bernani nicht gerade etwas vorgelesen oder ein Lied begleitet haben wollte, durfte sich die Vielgeplagte in ihr schlicht, aber gemüthlich eingerichtetes Stübchen zurückziehen und tyun, waS sie wollte: stricken, lesen, schreiben, träumen.
Heute hatte sie sich eine Taffe Thee mit hinaufgenommen und einen Brief zu schreiben an- gefangen, an ihr einsames Mütterchen, welches als ProfefforSwittwe von ihrer schmalen Pension
rika gibt man sich große Mühe, den Kaiser dazu u bewegen, daß er einen Besuch der für 1903 geplanten Weltausstellung in St. LouiS ufage. Man hatte sich ehedem schon bemüht, den Kaiser bei der Weltausstellung in Chicago begrüßen zu können; nun macht man sich anscheinend desto mehr Hoffnung auf einen Besuch n et. Louis. Der Geschäftsführer eines deutschen Blattes in St. Louis, der .Westlichen Post', hat sich an das Auswärtige Amt mit der vertraulichen Anfrage gewandt, ob wohl Aussicht auf einen Kaiserbesuch vorhanden fei; und die Antwort oll — natürlich durchaus nicht im amtlichen Stile! — gelautet haben, dir Möglichkeit fei nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser die lieber» lieferung einmal bei Seite setzen und die Weltausstellung besuchen könnte. Möglicherweise erfolgt nunmehr eine offizielle Einladung durch den Präsidenten Mac Kmley Eine solche wird bereits von der deutschen New-Yorker .Staats« zeitung' empfohlen und gleichzeitig wird der Rath extbeilt, die Gouverneure aller Union?» floaten möchten sich der Einladung anschließen; außerdem sollten die Redakteure aller 942 deutschen Zeitungen der Vereinigten Staaten mit einer Einladung an den Kaiser sich wenden, und ebenfalls die Bürgermeister der Großstädte. In St. Louis ist der deutfche Einfluß stark, wenn auch nicht ganz so sehr wie in Chicago. Natürlich kann man heute nicht entfernt verrnuthen, wie die Sache verlaufen wird. Daß ein Besuch des Kaisers in St. Louis das Verhältniß beider Länder zu einander in günstigem Sinne beeinflussen und namentlich auch die Stellung des Deutschthums in den Vereinigten Staaten stärken würde, steht wohl außer allem Zweifel.
h, Der Schzffaug eines Kokouraltzeeres stehen auch viele Kreise der konservativen Partei ziemlich kühl gegenüber — so stellt die ,Kreuz Zeitung' fest. Es wird diese kühle Stimmung sehr zutreffend damit begründet, daß das Reich bereits durch eine Reihe anderer Pläne finanziell sehr iu Anspruch genommen werde. Daß das Centrum noch kühler als kühl über den Plan denkt, ist sattsam bekannt. Daran hat sich auch in der neuesten Zeit sicherlich nichts ge
ändert.
* Die pr vßische Lsrrdesir««sr i« Elsaß Lothringen soll zum Gegenstand einer Interpellation im Reichstage gemacht werden. Da die Rechtsgiltigkeit dieser Maßregel in Elsaß-Lothringen bezweifelt wird, haben sich, wie der den Reichstagsabgeordneten Hauß und Delsor nahestehende ,Elsäff. VolkSb.' berichtet, mehrere Mitglieder der Elfässergruppe des Reichs- tage? entschlossen, den Reichskanzler wegen der zu Unrecht verfügten Landestrauer zu ixterpelliren.
+ Asm Ilotlenverei«. Der Fürst zu Wied hat daS Präsidium des Deutschen FlottenoeremS niedergelegt und ist gleich- zeittg suS dem GesammtoorstandedeS Vereins auS- gefchieden. Auch ix diesem Staate Dänemark scheint Manches faul zu sein!
4- Kirchliche Zkot-KSud- werden gewöhnlich heroorgerufe« in solchen Bezirken, in denen ein plötzliches Anwachsen der Industrie stattfindet. Um diesen Nothständen einigermaßen zu begegne», hat in diesen Tagen Gras Hohen» und der Fabrikation von Federblumen in Berlin lebte, von Niemand gekannt, nichts begehrend al« das Glück ihres einzigen, mühsam zur Lehrerin erzogenen Töchterchen» Helene. Der Brief an die Mutter schien aber heute nicht mehr fertig werden zu sollen, den« Nesty schlief sobald nicht ein; immer und immer wieder fing sie mtt ihrem lieben Fräulein zu reden an und al« sie endlich eingeschlafen war, nach Mitternacht, hatte das junge Mädchen alle Lust zum Schreiben verloren; es war ihr plötzlich so trüb zu Sinne geworden und die düstere Stimmung hätte sich dem Bliefe mitgetheilt; ganz gewiß; — Mütterchen mußte warten.
Dafür lehnte sie den Kops rückwärts an die Sobelinwand, starrte in dir ruhig brennende Lichtflamme der blauen Ampel und träumte sich in einen Zustand hinein, welcher dem urgesund denkenden und fühlenden Mädchen sonst so fern lag wie einer Sennerin daS Gruseln, nämlich in eine Art von Weltsehnsucht und Glückoer- langen.
Was war denn ihr Leben?
Täglich dasselbe: Sich in einem Pflichten- kreise von größtem Umfange rastlos bewegen wie eine Maschine; zwei ungewöhnlich verzogene, begabte, dafür aber um so unartigere Kinder erziehen, der Dame des Hauses Gesellschaft leisten, die Dienstboten überwachen. Besuche annehmen und bedienen Helsen, meist ihr völlig unsympathische, fremde Menschen ! Immer für Andere thatbereit; nur an sich durste sie nicht denken darüber.
Und Abends? .
E:, da gab e? so viel anderes zu thun:
Staaten das Projekt einer mitteleuropäischen Schutzkonvention gegen die Konkurrenz der , überseeischen Länder endlich der Verwirklichung zuzuführen . . . Unsere Regierung wird durch die neuen zollpolitischen Maßnahmen Deutschlands nun ebenfalls gezwungen fein, sich dox denselben zoll- und handelspolitische« Prinzipien leiten zu lassen, welche in dem neuen deutschen Zolltarif zum Ausdrucke kommen.
So urteilt ohne Ausnahme die Landwirth- fchaft in Oesterreich. In Ungarn ist e» nicht anders. Graf Alexander Karolyi, der Präsident des „Ungarischen Landwirth- schaftlichen Verbandes" und Mitglied der liberalen ungarischen Regierungspartei, hat in einem offenen Schreiben an seine Wähler die Forderungen zufarnmengefaßt, die die ungarische Landwirthschast in ihrem Interesse erstreben muß. Da ist aber nicht ein einziges Wort des Widerspruchs gegen die Erhöhung der deutschen «grarzölle zu lesen. Ganz entsprechend der Stellung, die die österreichischen Landwirthe einnehmen, fordert Graf Karolyi nur den ent« sprechenden Zollschutz auch für die Landwirthschast in Ungarn, sogar, wenn die Lage es erfordern sollte, Einfuhrverbote gegen fremdes Vieh und Fleisch. Man ersieht daraus, daß aus der angemeffenen Erhöhung der deutschen Agrarzölle nicht die allergeringste Gefahr entstehen würde für den Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit Oesterreich -Ungarn. Die. Landwirthe in Oesterreich und Ungarn stillen sich im Grundsätze mit der deutschen Landwirthschast auf einen und denselbenStandpunkt.
Ganz genau so liegen die Dinge in der Schweiz. Dort hat in diesen letzten Tagen der schweizerische Bauernsekretär D r. L a u r ix einem Vortrage unter allgemeiner Zustimmung der versammelten Landwirthe der Meinung Ausdruck gegeben, daß es für die Bauern der Schweiz nur ein Vortheil sein werde, we»n der viel umstrittene Entwurf eines muen deutschen Zolltarifs mit seinen schutzzölaerischen Grundsätzen Gesetz werde. Und was ‘ >e Landwirthschast der Schweiz sonst brau» , spricht gleichzeitig Dr. Schnee beli au?, b?- Direktor der Landwirthschastlichen Hochschule in Zürich: das ist nämlich ein entsprechend hoher Zoll schütz für die landwirthschastlichen Erzeug- Nisse der Schweiz.
Die ganze Agitation der deutschen Freihändler, als würde der Abschluß neuer Handelsverträge durch eine Erhöhung der landwirth- schaftlichen Zölle iw Gefahr gebracht, beruht also auf vollkommen unwahrer Grundlage. Oder will man etwa dem Verlangen dieser tandelskreise nachgeben, daß die deutsche andwirthschaft blute zu Gunsten der Händler mit Vieh und Getreide ix Budapest, Wien, Breslau oder Berlin?