A«sLa«d»
• ^sris, 11. Aug. Wie dem,Figaro’ aus Rom gemeldet wird, dauert der Todeskampf Crispi» schon über 48 Stunden. Crispi wird von heftigen Schmerzen geplagt. Morphiumeinspritzungen können die Schmerzen nicht mehr lindern. Drei Aerzte sind ständig am Krankenbett. Man erwartet stündlich die Meldung von seinem Ableben. Cnspt wügert sich fortgesetzt einen Geistlichen zu empfangen und erklärte, er werde sich schon mit seinem Gotte persönlich abfinden.
* Amsterdam, 10. August. Eine Gesellschaft zur Ausbeutung der reichen Kohlenlager auf den Insel« Java und Borneo, mit einem Actien-Kapital von 630000 Francs, ist in der Bildung begriffen und wird sich noch in diesem Monate mit der Ausbeutung der Gruben beschäftigen.
Und es klinget herauf, wie Stimmenaewirr,
Wie flüchtiger Hufichlag und Waffengellirr!“---
Ja, es war ein Klirren, was da aus der Tiefe klang, aber nicht von Waffen, sonder« von den Ketten dreier Zweiräder. Schon vor Tages- graue« weckte uns, wie KorfiriuS eS gewünscht, der Löwenwirth, und kurze Z-it darauf verließen wir Primelstein. Wir wollten die Städtchen „Sprudelschloß", „Maarstadt", und „Mander« Holz" «och zusammen besuchen; dann sollten KorfiriuS, Bater und Soh«, fich in „Schwarzenbrunn" von mir trennen und ich allein über „Kyllfeste" nach Lenzheim zurück fahren. Dar ergab für mich eine Strecke von rund hundert Kilometer. Jndeffe« machte ich m'ch mit frischem Mathe auf oen Weg, denn von Müdigkeit und rheumatische»" Schmerzen fühlte ich nichts mehr.
Zunächst mußten wir eine lange Strecke bergan steigen und demgemäß neben den Räder« her- gehen. Die Atmosphäre war frisch; zur Rechten hatte« wir Buchen- und Eichenwald, der noch in tiefer Ruhe da lag.
Allmählich wich die Dämmerung dem er- wachenden Tage. Die letzten bleichen Sterne er- loschen einer nach dem ander«. Da begann ein dunkler, wolkenartiges Purpur vor u«S den Sst- lichen Horizont zu überziehen; war'S des AthernS Hauch, der den Gluthlippen der holde« Tagesherrscherin entströmte?---
Hellere, feuerfarbene Tinten überflutheten bald daS ganze Firmament; van« waren im Nu die Kämme der vorgelagerten Bergkette mit Hellem Goldrand umsäumt. Jetzt gleitet an einem blitzartig emporfchteßenden Strahle der Morgenstern
rschcmt täglich, .. i. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
Krrugspreis ohneBringerlohn Sund Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 M.50 Pf.
Inserate: Die einspaltige Petir- zcile oder deren Raum1öPfg.,Re- klanren die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
28. Jahrgang.
Iutöa, Montag, den 12. August 1901
M 183.
verautr. -tlich: Siir die Redaktion 3oi. Saum, für Innerste 0i. parzellcr in Sulda.
Damit war 43/t Uhr die Feier beendet. Der König und die Königin von England legten ein Kreuz aus weißen Blumen cm Sarge der Kaiserin nieder und verrichteten knieend rin Gebet. Ehe der Kaiser die Kirche verließ, betete er ebenfalls noch einmal am Sarge der Mutter.
* 10. August. Von der Bei
setzung der Kaiserin Friedrich in Pots- dam wird das große Publikum so gut wie nichts zu sehen bekomme». Nur an der Wildparkstation wird nach Ankunft des Zages für die kurz? Zeit, wo der Trauerzug dir Viktoriastraße überschreitet, um in den Park von Sanssouci eivzubiegen, der Leichenwagen und das Trauer- gefolge zu erblicke« sein. SobalP der Trauerzug den Park betreten hat, ist er für das große Publikum nicht mehr sichtbar. Za den Trauerfeierlichkeiten erhalten nur wenige Vertreter non Korporationen, von Städten usw. Zutritt. Der Zug wird einen wesentlich militärischen Charakter tragen; selbst bis Kriegervereine werden nicht zug-lassen, doch ist anzunehmen, dH der Verein ehemaliger Leibhusaren Nr. 2 aus Berlin die Erlaubniß erhält, in corpore im Trauerzuge zu marschiren. Die Kaiserin hat dem gedachten Verein zu ihren Lebzeiten wiederholt Beweise der Freundschaft gegeben und ihm u. a. eine eigenhändig gestickte Standarte mit dem deutschen und englischen Wappen zum Geschenk gemacht. Am Tage der Beisetzung werden in Potsdam die Bureaus der Behörden und die Läden zwischen 10—12 Uhr Mittags geschlossen sein. Zur selben Zeit sollen Trauerfeiern in den Schulen statt finden.
* Münster i. M.. 10. August. Gestern Nachmittag traf, von Norderney kommend, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Freiherr von Richthofen hier ein und nahm beim Oberpräsidenten Freiherrn v. d. Recke Wchnung. Alsbald nach Ankunst begab sich Freiherr von Richthofen zu den Baroninnen Ketteier und sprach denselben insbesondere das Beileid des Reichskanzlers und das Bedauern des Grafen Bülow aus, in Folge des Ablebens der Kaiserin Friedrich der Trauerfeier nicht beiwohnen zu können. Sodann stattete der Staatssekretär dem komman» direnden General Freiherr« v. Bisfing und dem Bischof Dingelstad Besuche ab.
Deutsches Deich»
Berlin, den 10. August
+Z'ersoneArvtHser tu Klsaß Lotyrisgett. x Der,Reichsanz/ veröffentlicht in seinem amtlichen < Thesis die Entlassung des Wirkt. GH. Rathes v. Putt kam er aus dem Amte cin^Staats- ■ sekretärs in Elsaß-Lothrinzen und die Mrleihung des Rothen Adlerordens erster Klasse an denselben, sowie die Ernennung des Oberpräsidenten v. Köller zum Staatssekretär. Nach einer Mittheilung der halbamtlichen ,Südd. Reichs-Korresp/ wird der neue Staatssekretär schon in den nächsten Tagen sein Amt antreten. Die „Gerüchte über eine Statthalter - Krise und einen System« wechsel" bezeichnet derselbe Osfiziosus als „völlig unbegründet". Es wird allen Freunden einer ge- deihltchrn Entwickelung der Dinge in Elaß-Lothrin- gen nur angenehm unb erfreulich sein, wenn diese Kennzeichnung jetzt zutrifft. Vorher muß doch wohl nicht Alles geklappt haben.
h. Schriftstelk-r Ar. KamVurgsr bezeichnet in einem Briefe an die,Berliner National-zeiturig’ die Auffassung als falsch, daß er einer ihm drohenden Verhaftung wegen Verhökerung des Zolltarifes durch die Flucht nach dem Auslande sich entzogen habe. Dr. Hamburger erklärt, daß er den Dezernenten in der Untersuchungssache wegen des unberechtigten Verkaufes eines Exemplars des Zolllarifentw rrfes von seiner Absicht unterrichtet habe, das Seebad Mariakerke-Bains bei Ostende aufzusuchen, und daß derselbe Dezernent ihm erwidert habe, der Reise stehe nichts im Wege.
* Der Ueverschntz der Iketchspost- nnd HelegrapHe»verwatt««s für das Rechnungsjahr 1900 weist gegen den Etatsansatz ein Minder von 25,434,000 M. auf. Dieser Mmderüberschuß ist nach der postoffiziösen,Ver- kehrszeitung' hauptsächlich verursacht durch die erst nach der Feststellung des Etats beschlossenen Umformungen des Betriebes und Verbilligung der Gebührensätze. Während trotz erheblich stärkeren Verkehrs die Einnahmen nur 1,333,000 Mark höher waren als der Voranschlag, stellten sich die Mehrausgaben auf insgesammt 26,767,000 Mark. An besonderen Mehraufwendungen sind zu nennen: 7,400,000 Mark Entschädigung an die Inhaber und Bediensteten der früheren Pcivalbriefbesörderungsanstalten, 6,000,0g0 Mark für Herstellung neuer und Vermehrung bestehender Fernsprecheinrichtungen, 1,100,000 Mark für Mehrbeschaffung von Apparaten, Batterien und für größere Bauthätigkeit im Fernsprechwesen, 3,256,000 M. für größeren Personalbedarf in Folge Eingehens der Privatanstalten, 1,800,000 M^x für Amtsbedürfnisse usw., 3 400,000 Mark für Wiederherstellung der durch Schneefall namentlich in Rheinland und Westfalen in großem Umfange- beschädigten Telegraphen- und Fernsprechleitungen usw.
+ Aevdervnge« im Personen Derüehr. Alle Sommer-Karten, Anschluß-Rück- e fahr-Karten und festen Rundreise-Kar- ten sollen innerhalb der preußischen Staatsbah- nen vom 1. Oktober ab aufgehoben werden. Außerdem sollen alle diejenigen Sonntags- Karten fortfallen, die innerhalb eines Jahres nicht in einer Anzahl von mindestens 300 Stück -verkauft werden. Ferner werden die Ferien-Sonder-
mit Zürterhaltungs -Anlage ,§Mustrirte Sonntags-Zeitung!' petersgaffe Nr. e CBarmonk).
züge von Berlin nach dem Harz und nach der Ostsee und andere Sonderzüge mit besonders ermäßigten Fahrpreisen nicht mehr gefahren werden; dagegen sollen^die Fericn-Sonderzüae nach Süddeutschland rc öest-hen bleiben. Zur Vereinfachung des Bahndienstes wird die Ausführung dieser Verordnung ohne Zweifel beitragen, und besondere Nachtheils werden dem reisenden Publikum auch schwerlich daraus erwachsen. Nennenswerther Widerspruch wird also kaum dagegen laut werden. Natürlich bleiben die zusammenstellbaren Fahrschein - Hefte, Monats- und sonstigen Zeitkarten, Schüler-Karten, Arbeiter-Karten rc. von der Verordnung vollkommen unb-rührt. Die.Deutsche Tagesztg.' bemerkt dazu: „Es dürfte kein starker Einnahme-Ausfall zu erwarten sein, wenn man dieRückfabr-Karten auch abschaffte und dafür die Prelle der einfachen Fahrkarten auf die Hälfte der Rückfahr-Karten festsetzle. Wir glauben uns nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß man bei der Verlängerung der Geltungsdauer der Rückfahr-Karten vieses Ziel und dies^ Entwickelung schon im Auge gehabt habe."
X Iaöriii oder Ksndrvsrk? Behr zeitgemäß ist eine Eingabe von 22 Handwerkskammern an die gesetzgebenden Körperschaften, tn der um eine gesetzliche Lösung der Frage gebeten wird, welche Betriebe als fabrikmäßig und welche als handwerksmäßig arzusrhen seien. Die Auslegung dieser Begriffe durch die Behörden wird, wie bekannt, nicht nach einheitlichen Gesichtspunkten vorgenommen. Deswegen schlagen die Handwerkskammern vor, dem Paragraph 100 f der Gewerbeordnung die nachfolgende Fassung zu geben:
Als fabrikmäßig in diesem Sinne gilt ein Betrieb, wenn und so weit er durch Theilarbeit erzeugte Massenartikel auf Vorrath für den Handel herstellt. Als handwerksmäßig dagegen gilt ein Betrieb, wenn und insoweit er hauptsächlich handwerksmäßig ausgebildete Arbeitskräfte (Gesellen, Gehilfen) erfordert und auf Bestellung Arbeiten und Maaren herstellt. Der Umfang des Betriebes ist nicht entscheidend. Die Bestimmungen deS § 154 der Gewerbeordnung bleiben unberührt. Bei Streitigkeiten über den Begriff Fabrik oder Handwerk sind die Handwerkskammern gutachtlich zu hören.
Ohne Zweifel ist das Bestrebe« zeitgemäß und lobenswerth, dis Begriffs Fabrik und Handwerk beffer und schärfer als bisher gegen einander abzugrenzen, und dies namentlich nach dem Wesen der Betriebe zu thun, nicht nach ihrem Umfange. Aber wenn nun ein Betrieb Massenwaaren und auch Arbeiten auf Bestellung macht, was bann? Auch die in der Eingabe vorgeschlagene Gesetzesbestimmung dürfte zu einer vollkommen klaren Abgrenzung noch nicht die ausreichende Handhabe bieten. Eine parlamen - tarische Aussprache darüber wird aber nur vor- theiihaft sein.
X KronSerg, 11. August. Die lieber- führung der Leiche der Kaiserin Friedrich vom Schloß Friedrichshof nach der hiesigen evangelischen Kirche erfolgte gestern Abend halb 10 Uhr unter dem Geläute aller Glocken von Cronberg und Schönberg. Von drei mal zwölf Unteroffizieren wurde der mit einer Purpurdeck.' und einer Hermelindecke bedeckte Sarg getragen. Eine doppelte Reihe Fackeln begrenzte bett Zug.
Dicht hinter dem Sarge folgte ernsten Antlitzes Kaiser Wilhelm in Generalsunifcrm. Hinter dem Kaiser schritte« die übrigen Mitglieder der kaiserlichen Familie und die hier anwesenden Gäste des Kaisers. Unter denselben bemerkte man den Großherzog von Hessen und den Reichskanzler Graf Bülow. Nachdem der Sarg in der Kirche angelangt war, wurde er vor dem Altäre niedergestellt und Hosprediger Dry ander trat vor und sprach einige Bibelverse. Hierauf trat der Kaiser an den Sarg und legte einen Kranz auf denselben nieder, kniete und verrichtete ein Gebet. Dann verließ der Kaiser mit den Prinzen die Kirche und begab sich nach Schloß Homburg zurück. Um 103/t Uhr war die Feier in der Kirche beendet. — Anläßlich der Einsegnungs - Feier der Leiche der Kaiserin Friedrich hatte sich in Cronberg ein reges Leben entwickelt. Das Städtchen war von Fremden überfüllt. Der Bahnhof und die Zufahrt zum Schloß Friedrichshof waren durch Mannschaften des 81. und 166. Infanterieregiments besetzt. Auf dem Platze vor der Kirche war eine Schwadron der 13. Husaren postirt, während 3 Kompagnien des 80. Infanterieregiments um die Kirche Aufstellung genommen hatten. Die Trauerfeier war auf 4 Uhr angesetzt. Der Eintritt in Die Kirche war nur mit Ansagen versehenen Personen gestatt. Auf dem Platz vor dem Altäre rund um den Sarg der Kaiserin herum war für die Mitglieder des Kaiserhauses reservirt. Links vor dem Sarge hatten der Kaiser tn der Uniform der Leibhusaren, der König von England in der Uniform der Gardedragoner, die Kaiserin und die Königin von England Platz genommen. Rechts vom Sarge befanden sich der Großherzog von Hessen, der Großherzog von Baden, der Herzog von Connaugth und deren Gemahlinnen. Hinter dem Sarge standen der Herzog von Cambridge, Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe, Prinz Friedrich Karl von Hessen, der Kronprinz von Griechenland, der deutsche Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz Abalbert und Prinz Oskar. Bor betn Kaiser standen die vier Töchter b-r Kaiserin Friedrich sowie die Prinzeffin Heinrich. Weiter nahmen an der Feier theil Hausminister von Wedell, Prinz Albert von Schleswig-Hslstein, Herzog Günther und der englische Botschafter. Emgeleitet wurde die Feier durch ein Orgelspiel, worauf der Berliner Domchor einen Choral fang. Sodann folgte ein Gebet und Schriftverlesung seitens des Hospredigers Dryander. Beim Gebet und der Schriftverlesung nahmen der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich die Ehrenwache beim Sarge der Kaiserin, welche bisher von zwei Offizieren des 80 und zwei Offizieren des 166. Infanterieregiments ausgeübt wurde. Nach der Schriftoerlesung sprach Dr. Dryander wieder et« Gebet unb nahm die Einsegnung vor, wobei die außenstehende« Truppe« präsentirte« unb dumpfer Trommelwirbel erscholl. Der Kaiser hörte stehend die ganze Andacht an unb nur bei bem Vater Unser kniete er nieber. Darauf sang bet Berliner Domchor wieder einen Choral, an dem sich ein Choral bet Gemeinde anschloß. Alsdann er theilte Dr. Dry ander den Segen, worauf von neuem Trommelwirbel und das Geläute der Glocke« erlang. Nach dem Segen sang der Domchor nochmals einen Choral.
Weine erste Aadlour.
Humoreske von Gaspard Genetiv.
7 ------ (Nachdruck verboten.)
Der Studiosus erhielt mittlerweile zu Hause von Mama Aufklärung und begriff auch gleich den Zusammenhang.
„Ich weiß Übrigens, wo Papa zu finde« sein wirdsprachs unb suchte das in der Nähe befindliche Stammlokal bei C. auf, wo Rabbi regelmäßig AbendS zwischen sechs und acht Uhr zu finden war. Einstweilen sah sich inbeffen ber junge Mann allein in dem traulichen Stübchen, bestellte eine Halbe unb studirte die Zeitung. Da geht die ThÜre auf und herein tritt Robbt:
„Guten Abend!"
„’n Abend!" antwortet der Studiosus und bleibt, entgegen seiner Absicht, starr vor Staunen fitzen, da er den gleichgiltige« Blick steht, mit welchem sein lieber Papa ihn streift. Doch dieser setzt sich wenigstens an denselben Tisch, dem jungen Herr« gegenüber.
„Kellner, eine Halbe!"
Der Refiner bringt, wie bestellt.
„Profit, mein Herr!"
„Prosit!" — Drei Minute« Pause! — Der Studio liest, Robbi betrachtet ihn nachdenklich; bann zieht er sein Notizbuch mit ven Namen “feiner Schüler au8 der linken, inner« Brusttasche — „meine Schüler liegen mir alle beständig am Herzen," war feine stehende Redensart — sucht, vergleicht, schüttelt den Kopf, brummt, hüstelt —
Alles vergebens. Endlich wagt er’s, fein zellungSleseudes Gegenüber anzureden: „Entschuldigen Sie, junger Mann, ich meine, wir kennen uns?"
„Ich meine auch!"
Darauf mit tadelloser Verbeugung:
„Mein Name ist Robbi!"
„Der meinige auch, Papa!"
„Ei, Du Schlingel!!!"
„Und in den Armen liegen sich Beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude."
„War das derselbe, der die Reisgeschichte geliefert hat?" erkundigte sich KonfiriuS se«. nach einer Welle.
„Nein, das war der „Bursch."
„Davon weiß ich ja auch nichts," gestcknd Schwarz.
„Nun den«, der „Bursch" docirte bekanntlich Deutsch und Geschichte. Wir lasen „Wilhelm Tell". Ein Schüler las in der ersten Scene das Lied des Alpenjägers:
„Es donnern die Höhen, eS zittert der Steg, Nicht grauet dem Schützen auf schwindlichem Weg; Er schreitet verwegen auf Feldern von Eis, Da pranget kein Frühling, da grünet kein ReiS."
Da unterbricht ber „Bursch" ben Vorleser mit der inhaltschweren Bemerkung:
„Na sehen Sie, hier hat Schiller offenbar geschlafen, ja!" — wie soll beim „der Reis" in den Gletschern ober Überhaupt in ben Alpen grünen? Der Reis wächst doch nur in den Tropen, ja! — Na, Qaandoque bonos dormitat Homorus, warum nicht auch Schiller? ja! — lesen Sie weiter!"
„Unglaublich!" rief KorfiriuS, „können denn
die Leute ihre Gedanke« rein gar nicht bei einander behalten?"
„O der gute „Bursch" hat noch viel mehr auf dem Gewiffen," bemerkte Schwarz. „In der Geschichte that er mitunter wunderbare Aussprüche; von Maria Stuart z. B. erzählte er: „Sie wurde enthauptet unb starb so eines friedlichen Todes."
„Wenn Karl V„" so behauptete er steif und fest, „nicht in daS Kloster nach St. Just gegangen märe, so lebte er heute noch."
„Eines Tages kam er uns gar folgendermaßen: „Das letzte Mal haben wir noch begonnen mit Cäfars Ermordung; damit wollen wir heute fortfahren, und ich denke, wir bringen fie auch zu Ende."
Noch manches ernste und heitere Stücklein aus alter und neuer Zell wurde diesen Abend an unserer kleinen Tafelrunde erzählt. Die Stunden gingen im Fluge dahin, unb als wir uns enblich nach herzlichem Lebewohl trennten, war es eine Stunde vor Mitternacht.
So suchten wir denn jeglicher sein Lager auf; Schwarz mit dem Vorsätze, fich vor aller „Originalität" noch möglichst lange zu hüten, wir mll der Absicht, am nächsten Morgen sehr früh die Heimfahrt anzutreten.
Gute Nacht!
IV.
Die Heimkehr.
.Roch harrt im heimlichen Dämmerlicht
Die Welt dem Morgen entgegen;
Roch erwachte die Erde vom Schlummer nicht.
Da begann fich's im Thale zu regen.