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3. P«»zell«» ix Salto. mit Anterhattungs -Anlage „Illukrirte Sonntags-Zeitung"

M 181.

Lüge und Wahrheit.

Die Gegner eines geeigneten Zollschutzes für die Erzeugnisse der heimischen Arbeit fühlen nur zu deutlich die Schwäche ihrer Stellung und ihrer Beweisführungen und greifen deswegen zu den unlauter« Mitteln der Entstellung, der Verhetzung, i* Drohung mit Gewalt und der unzweifelhaften Unwahrheit.

Die ausländischen Preffestimmen über den vorgeschlagenen neuen Zolltarif werden in un» geheuerlicher Weise entstellt. Man sucht einzelne Aeußerungen heraus, die wie Drohungen gegen Deutschland klingen, und in recht merkwürdiger Weise hilft das halbamtliche Berliner Tele- graphenbureau eifrig bei diesem unedlen Be­ginnen. Das Bureau hat versucht, sich gegen Lie entsprechenden Vorhaltungen zu rechtfertigen, aber es ist bei dem Versuche geblieben, eine wirkliche Rechtfertigung ist ihm nicht geglückt. Denn wenn es auch in einer Berliner Zeitung sagte, vom Auslande her gingen ihm Presst- stimmen auch von halbamtlicher Seite zu, nrcht nach eigener Auswahl, so ist damit doch noch lange nicht gesagt, daß das Berliner Draht- bureau die Verpflichtung hatte, auch alles das unbesehen aufzunehmen, was ihm vom Aus­lände her zugesandt wird. Zu welchem Zwecke hat denn sonst das Berliner Bureau eine Redaktion? Es ist unbedingt nöthig, daß dieser Redaktion von der Reichsleitung ein wenig genauer auf die Finger gesehen werde.

i Wie man im Auslunde das gegenwärtige Preffetreiben dieser Art in Deutschland in Wahrheit beurtheilt, möge man ersehen aus einer Aeußerung des Petersburger .Grashdanin' des Fürsten Meschtschersky, der von allen russischen Zeitungen die wirkliche Stimmung in den leiten­den russischen Zeitungen om getreuesten wieder- Mgeben pflegt. Der ,Grashdanin' schreibt:

„Wir müffen uns freuen, daß ein er­bitterter wtrthschaftlicher Bürger­krieg in Deutschland zwischen den Agrariern und ihren Gegnern beginnt, der uns be­deutende Dienste leisten wird. In jedem Falle wird dem Triumph der Agrarier ein erbitterter Parteikampf in ganz Deutsch­land vorausgehen, und der stolze Hahn wird vor uns stehen mit einer bedeutenden Einbuße an Federn."

Das genannte Blatt steht mit seiner An­schauung nicht allein da. Ihm pflichtet voll­kommen der Petersburger .Herold' bei, indem er -sich in folgender Weise äußert:

„Fürst Meschtschersky hat die ganz richtige Empfindung, daß die deutsche Presse sich durch eine Disziplinlosigkeit auszeichnet, die die Lage der deutschen Regierung sehr er­schweren muß. Die meisten anderen Länder . . . würden in solchen Fragen dem Aus­lande gegenüber viel geschlossener auftreten."

Warum verbreitet denn das halbamtliche Berliner Drahtbureau nicht auch solche ZeitungS- stimmen des Auslandes?

Maa arbeitet ab^r auch mit unmittelbaren Unwahrheiten. So hat dasselbe Wolff'sche Telegraphenbureau schleunigst eine Meldung der freisinnigen .Königsberger Hartung'scheu Zeitung' verbreitet, wonach die russische Regierung

Weine erste Madtour.

Humoreske von Gaspard Genetiv.

D ------ (Nachdruck verboten.)

Weiter, weiter: „eins — zwei! —--

eins — zwei I" — Fast eine halbe Stunde waren wir, oder bester gesagt ich, weiter gefahren, denn von den beiden Andern sah und hörte ich nichts mehr, — da begegnete mir ein Ochsenwagen. Ich wollte zur Sette ausweichen — drei Meter Raum war noch vorhanden — da rannte ich in der Dunkelheit an einen Steinhaufen und lag in der nächsten Sekunde wieder einmal neben meinem Rade im Straßengraben. Ach, es lag sich so mollig! wie gern wäre ich liegen geblieben bis zum nächsten Morgen! Aber nach fünf seligen Minuten erinnerte ich mich glücklicher Weise an meine Reputation; mit aller mir noch zu Gebote stehenden Energie erhob ich mich und ging, nein, schwankte mit meinem Rade weiter. Aufsitzen und radeln — das konnte ich nicht mehr — ich ging — ach, es war ein harter Gang — ich werde ihn nie vergessen.

Endlich sah ich vor mir eine Menge Lichter erglänzen: „ach!", dachte ich, „Primelstein!" Vom Kirchthurm schlug's die elfte Stunde. Da kam Valentin mir entgegen; sein Gewissen hatte sich doch geregt, als ich so lange nicht kam, und als er mich erblickte, sagte er — und ich hörte es dem Tone an, daß es ihm au» tiefstem Herzen kam:

„Gott fei Dank! wir glaubten. Sie seien ernstlich verunglückt!"

Jrrköa, Freitag, dm 9. August 1901.

28. Jahrgang.

„als Erwiderung auf die deutschen Argrarzölle die russische Grenze für Preu ßeng än ger sperren werde". Das war doch sicherlich keine Meldung, die das Berliner Drahtbureau von anderen Offiziösen erhielt und deswegen auf­nehmen zu müssen glaubte; und noch dazu hat sich diese Meldung sehr bald als unmittel­bare Unwahrheit entpuppt. Ein Berliner Blatt hat sich bei der Berliner russischen Bot­schaft danach erkundigt und den Bescheid er­halten, daß man von derartigen Anordnungen und Absichten nichts wisse; man bestritt aus­drücklich die Möglichkeit, daß solche Befehle er­gangen sein könnten, und thatsächlich würde damit ja nichts Anderes erreicht werden als Nachthetle für eine große Zahl russischer Unterthanen, die nur auf diese Weise sich aus- reichendes Verdienst verschaffen können. Ge­nau so unwahr war die andere, ebenfalls sofort von demselben Drahtbureau weiter ver­breitete Meldung, daß der russische Finanz­minister feine Bevollmächtigten in Deutsch­land angewiesen habe, die Vorarbeiten für einen neuen Handelsvertrag einzu­stellen. Ebenso unbegründet ist die von der freisinnigen ,Weser-Zeitung in Bremen in die Welt gesetzte Behauptung, daß man sich in britischen Regierungskreisen mit den Vorbereitungen auf schärfste Vergeltungs­maßregeln beschäftige gegen die Schädigungen des englischen Ausfuhrhandels durch die vor­geschlagenen deutschen Zollsätze. Kein Wort davon ist wahr!

Die Wahrheit lautet anders und gelangt beispielsweise zu klarem Ausdrucke in einer Kundgebung des Wiener Klubs der Industriellen, in dem die angesehenste österreichische In­dustrie vereinigt ist.

„Aufrichtig gestanden — so steht dort zu lesen — uns hat dieser. Entwurf nicht überrascht. Die Thatsachen und die Logik mußten das Deutsche Reich mit Sicherheit zu diesem Schritte, zu diesem Entwürfe führen... Wer heute meint, daß der vorliegende Ent­wurf ein Vorstoß der Junker sei, wer diesen Entwurf für eine chinesische Mauer hält, dem ist nicht zu helfen, und dem muß jedes Ver- ständniß für die materiellen Interessen des Volkes abgesprochen werden . . . Abgesehen von dem gewiß berechtigten Schutzbedürfnisse der Agrarier ist das handelspolitische Ber- hältniß zu den Vereinigten Staaten allein Grund genug, um mit solchen Zollerhöhungen vorzugehen. . ."

So lautet die Wahrheit, die auch im Aus­lande anerkannt wird. Wer diese Wahrheit entstellt oder fälscht, vergeht sich in schwerer, in unverantwortlicher Weise gegen das fleißige deutsche Volk und seine Arbeit; denn er geht darauf aus, dieses fleißige Volk der Früchte seiner Arbeit in hinterlistiger Weise zu berauben!

Deutsches Keich.

Berlin, den & August

* Herr v. Miquel hat aus Langenschwalbach, wo er sich zur Kur aufhält, bezüglich eines von ihm geplanten Besuchs in Osnabrück geschrieben:

„Ist das Primelstein?" fragte ich.

„Noch nicht; noch eine Viertelstunde weiter;

das hier ist Nie der-Primelstein!"

Seufzend und stillschweigend schleppte ich mich neben meinem Rade weiter; endlich, endlich: „Hier ist Primelstein", sagte Valentin, der nicht mehr von mir gegangen war; „und hier ist das Hotel „Zum Löwen". Ziehen Sie Ihren Rock an, denn es ist noch Gesellschaft da; Papa sitzt schon drin."

Ich wollte dieser Aufforderung gemäß meinen Rock von der Lenkstange nehmen — aber--

er war fort!

„Ja, wo ist er denn?" fragte Valentin.

„Ich weiß es nicht — 's ist mir aber auch ganz gleichgiltig."

„Und Ihre Reputation?"

„Ist mir ebenfalls gleichgiltig."

Doch ihm, dem Kunstfahrer, war'» nicht gleich­giltig ; er sprang auf'» Rad und sauste zurück, den Rock zu suchen und meine Reputation zu retten. Guter, lieber Junge!

Ich aber trat, wie ich da war, in die Gast­stube; lautes Halloh empfing mich; Korfirius hatte der Gesellschaft bereit» unsere Abenteuer berichtet.

„Wo ist denn Ihr Rock?" rief er mir zu.

„Ich weiß es nicht, Valentin ist zurück, um ihn zu suchen", sagte ich matt. Dann sank ich auf einen Sessel. Ach hätte ich da» nur nicht ge- than! warum ließ ich mir nicht gleich mein Zimmer anweisen und legte mich zu Bett?!

Valentin kam nach kurzer Zett und brachte richtig meinen Rock wieder. „Er lag vor Nieder- Primelstein auf einem Steinhaufen", berichtete er.

„Meine durch Uebermaß an Arbeit sehr ge­schwächte Gesundheit hat sich bis jetzt noch wenig gebessert. Spuren des Alter» kommen dazu, sodaß ich noch nicht mit Sicherheit sagen kann, ob mein Arzt die so sehr gewünschte Reise erlaubt. Wenn e» aber irgend geht, so komme ich gewiß, um mein altes Osnabrück einmal wieder zu sehen. Vor Ende dieses Monats wird es aber wohl nicht sein."j

+ Kein neues Kokomakhee»! Die Be­hauptung der liberalen Münchener Reuest Nach­richten', In den Kreisen der Reichsleitung be­schäftige man sich von Neuem ernsthaft mit dem Gedanken der Errichtung eines besonderen Kolonial­heeres, ist an dieser Stelle sofort als recht zweifel­haft bezeichnet worden. Jetzt wird in einer Zeitungsdarlegung, die man wohl auf amtliche Urheberschaft zuriickführen kann, folgendes darüber ausgeführt: „Vor ungefähr fünfviertel Jahren . . . kam die Bildung einer Kolonialarmee in Frage . . . Diese Truppe bildete nicht nur einen Gegenstand der Erörterungen in den Zeitungen, sondern wurde auch an amtlichen Stellen be- fprochen. Damals war gar keine Zeit vorhanden, auf diese Frage näher einzugehen, und seitdem hat Niemand wieder daran gedacht. Selbst wenn der Plan der Errichtung einer Kolonial­armee greifbare Form annehmen follte, so hat die Sache doch keine Eile, denn die Besatzung wird in China gewiß einige Jahre bleiben müssen. Außerdem wird von allen Seiten ein Rückgang in den Reichseinnahmen angekündigt, und daher wird die Reichsregierung nicht leicht auf einen solchen weitgreifenden und kostspieligen Plan ein­gehen." So weit die Darlegung, von der man nur wünschen kann, daß sie die Anschauungen der maßgebenden Stelle richtig wiedergeben möge.

+ Neralhuuge« Üöer de» AoMarif in Gemeinschaft mit Sachverständigen werden demnächst von der sächsischen und auch von der preußischen Regierung vorgenommen werden. Bei dieser Letzter« ist es der neue Handelsminister Möller, der nach einer halb­amtlichen Mittheilung das BedÜrfniß fühlt, über einzelne Punkte noch weitere Auf­klärung zu erhalten von einzelnen Ver- tretetn des Handels und der Industrie. Die Berathungen sollen in der zweiten Hälfte des Monats September vorgenommen werden. Vor­her wurde von den Berliner Offiziösen immer versichert, nach den eingehenden Berathungen im wirthschaftlichm Ausschüsse erachte man erneute Auseinanversetzungen mit Vertretern der einzelnen Interessentenkreise nicht mehr für nothwendig. In Sachsen sollen Konserenzen mit industriellen und mit laudwirthschaftlichen Berufsvertretern stattfinden, aber auch erst nach einiger Zeit, da Staatsminister von Metz sch sich gegenwärtig im Urlaub befindet. Für den 16. ds. Mts. hat der Vorsitzende des Deutschen Land- wirthschaftsratheszu „dringender Berathung über den Entwurf des Zolltarifgesetzes" den LandwirthSschaftsrath nach Beilin berufen.

h Die nette Iuvalidettverfichernng stellt bedeutend stärkere Ansprüche an die Reichskasse, als die Ausführung des Gesetzes in der alten Form. Bei der Bemessung des entsprechenden Etatpostens war darauf bereits Rücksicht genommen worden. Aber der Etatsansatz von 29 Millionen

„Ja", gestand ich, „da bin ich noch einmal gefallen."

Wie aus weiter Ferne hörte ich dann die Stimmen der späten Skat- und Trinkbrüder; um Mitternacht gingen sie endlich. Wir sollten unsere Zimmer aufsuchen; ich will mich erheben — o weh! — wie wird mir? Sind die Scharnire meiner Gelenke eingerostet? hat ein boshafter Ko­bold mich an die Tischbeine angeschmiedet? ich kann ja nicht aufstehen; wie schwer, wie steif ist mein Gebein! welche Schmerzen, welche Qualen durchdringen Mark und Knochen!

Wie ein Kind, bas die ersten Gehversuche macht, so halte ich mich krampfhaft an Tischen, Stühlen und Wänden fest; so quäle ich mich zur Treppe. Aber hinauf kommen, ohne Hilfe — un­möglich! Mit einer Hand fasse ich das Treppen­geländer, — an der andern packt und zieht mich Valentin, und hinten drückt und schiebt Korfirius senior und deklamirt dazu mit Pathos:

„Ziehet, ziehet, hebt!

Er bewegt sich, schwebt!"

Der Wirth leuchtete und seine Frau kicherte.

So ziehen, heben, drücken, schiebm sie mich hinauf, so gelange ich in mein Zimmer. Hier neue Qualen; wir soll ich mich meiner Schuhe, meiner Kleider entledigen? ich kann mich ja nicht bücken! nicht auf einem Fuße stehen! Doch end­lich, unter vielem Seufzen, Stöhnen, Zimmern ist'» gethan.

Aber wie in das himmelhohe Bett gelangen? ein Räthsel ist'» und wird's mir immer bleiben, wie ich'» zu Wege brachte. Thatsächlich lagen meine zerschlagenen Glieder nach einer halben

ist durch die wirklichen Anforderungen noch über­troffen worden. Diese betrugen für das Rech­nungsjahr 1900 sogar 30,765,500 Mark, über­stiegen also den reichlich bemessenen Etatsansatz noch um eine reichliche Million.

+ Industrie und Laudrvirthschaft. Der Verein der Industriellen des Regierungs- Bezirkes Köln hat sich in seiner letzten Versamm­lung mit den Zollvorschlägen der Reichsleitung beschäftigt und eine Entschließung angenommen, in der u. A. gesagt wird: „Der Entwurf des Zolltarifes bringt manche Ueberraschungen und Enttäuschungen, entspricht im Großen und Ganzen aber den Erwartungen, die man an die Zolltarif- Reform geknüpft hat; obwohl der Verein die Viehzölle hoch findet, ist er der Ansicht, daß die Industrie die landwirthschaftlichen Zölle nicht be­kämpfen wird, weil sie das Streben nach der Er­haltung einer lebensfähigen Landwirthschaft für berechtigt und in ihrem eigenen Interesse liegend findet." — Sehr richtig! Und waS hier das Interesse der Unternehmer ist, fällt voll­kommen mit dem Interesse der Arbeiter zusammen. Von der Erhöhung der Getrridezölle sprechen die Industriellen am Rhein gar nicht erst, augen­scheinlich deswegen, weil sie dieselbe als das an» {elfen, was sie ist, nämlich unumgänglich und selbstverständlich.

X Lehre »nd Wirklichkeit Sei der Sozi­aldemokratie. Aller Personenkultus ist zu unterlassen, so lehren die Sozialdemokraten. Aber er gerade betreiben ihn in einer Weise, wie sie schwerlich bei anderen Leuten ober Par­teien wieder vorkommt. Die letzten Jahre haben eine reichliche Anzahl von Beispielen da­für geliefert; ein neues liefert jetzt wiederum Herr Bebel in einem Aufsatze „Zum Gedächtniß Wilhelm Liebknecht's." Am 7. August vorigen Jahres starb nämlich Herr Wilhelm Liebknecht, wie mancher sich nach erinnern mag. Herr Bebel schreibt: „Der 7. August ist ein Trauer­tag für die deutsche und die internationale Sozialdemokratie, denn heute vor einem Jahre trug der Telegraph die Schreckensnachricht durch die Welt: Liebknecht ist gestorben . . . Lieb­knecht starb als der Letzt« von den vier Großen, die die Partei ins Leben riefen und ihr den Namen gaben . . . Liebknecht, Du Unentwegter! Dich g-Üßen die Millionen, die in Deinem Geiste roeuetfämpfen und vollenden werden, was Dn begonnen hast . . ." Man sieht, auch die Sozialdemokratie schätzt die A u t o r i t fi t einzelner Parteigrößen außerordentlich, und das ist an und für sich ganz hübsch von ihr. Aber es widerspricht wieder einmal ihrer Lehre und beweist von Neuem, daß diese Lehre unhaltbar ist. Aus einigen gleich­zeitigen Mittheilungen des Berliner sozialdemo­kratischen Centralorgans ist zu entnehmen, daß Liebknecht's schriftstellerische Lebensaufgabe, eine Geschichte der französischen Revolution zu schreiben, unerfüllt bleiben wird. Er haben sich zwar ganze Ballen von Vorarbeiten gefunden; aber es ist „zweifelhaft, ob sich aus den vorhandenen Mate­rialien noch Werthvolles für die Oeffentlichkeit heraushvlen läßt". In Wahrheit wird sich wohl die Sache ein wenig anders verhalten: man mag gefunden haben, daß trotz aller Mohrenwäsche die französische Revolution das auch in sozialdemo­kratischer Darstellungsweise bleiben würde, was sie Stunde auf dem weichen Pfühl; nebenan aber lachten laut und riefen einstimmig Äoificiu» Vater und Sohn!

„Hört ihr'» wimmern?"

O, ihr Barbaren! ihr Kannibalen! — laut wollte ich's rufen — kaum vermochte ich's zu flüstern. Doch was machte es; ich lag.

Jetzt, treuer Freund des armen, gequälten Menschenherzens, süßer Schlummer, komm und schließe meine Augen! komm Morpheus, holder Traumgott, nimm mich in Deine Arme und lasse mich glücklich sein!

Ach, auch dieser Trost blieb mir versagt; wie hätte ich auch schlafen können? Meine Schenkel und Kniee schienen bald in einen Schraubstock ge­preßt zu sein; dann hatte ich ein Gefühl, als dienten sie zum Ambos eine» Hammerwerkes! Dann gab’s ein Zucken und Reißen, al» wollte es mich aus allen Fugen zerren, und dann wieder schien'S, als sollte mir das Mark mit glühendem Pfropfenzieher herausgebohrt werden.

„So knirscht e» in des Zügel» Band

Und steigt, und Blitze sprühen aus den beseelten Blicken."

Ja, ich knirschte — aber vor Schmerzen mit den Zähnen — und von „Blitzen" und „Sprühen", von „Blick" und „Seele" — keine Spur!

Endlich- wollte der barmherzige Schlaf mir Vergessen bringen; doch da ward Morpheus um so grausamer.

Ec fpiegelte mir ein Rad vor so hoch! — so hoch! — ich saß auf dem Sattel und fuchte die Pedale, aber meine Füße reichten bei Weitem nicht daran. Da kamen zwei menschenartige Wesen von riesiger Gestalt mit glühenden Zange»