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Jutöa, Donnerstag, den 8. August 1901.

28. Jahrgang.

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mit Anterhaltungs Meikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" •* JMmoofr Uw. 1 (MfiMoU).

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G Die Krise in Eltzß-Lothringen.

Die gestern von uns wiedergegebene halb­amtliche Mittheilung, daß Herr von Putt- tarnet, Staatssekretär für Elsaß-Lothringen, von seinem Amte zurücktritt und durch Herrn von Köller ersetzt wird, der bisher Ober- Präsident von Schleswig-Holstein war, bat 9tie« munden mehr überrascht. Man wußte ja längst, daß dieser Personenwechsel in Vorbereitung sei, und daß alle Vorstellungen dagegen fruchtlos geblieben waren; die verschiedenen Ausführungen in den Regierungsblättern bekundeten das in ganz unzweifelhafter Weise.

Die Elsaß-Lothringer müffen sich also zu­nächst bei der vollendeten Thatsache beruhigen. Thatsache ist, daß Herrn von Köller in.Schles- wig-Holstein von einem großen Theile der Be­völkerung ebenfalls nicht mit allzu liebens­würdigen Blicken entgegengesehen wurde, daß es ihm aber sowohl durch seine Amtsführung, als auch durch die Liebenswürdigkeit seines persön­lichen Auftretens gelungen ist, die Abneigung gegen ihn zu überwinden und theilweise sogar in Beliebtheit und Anerkennung für ihn zu ver­wandeln. Die Massenausweifungen von Dänen müffen dabei allerdings als ein besonderes Kapitel für sich behandelt werden; und gerade diese Maßrkgeln sind es, die in Elsaß-Lothringen ungünstig beurtheilt werden. Thatsache ist es jedenfalls, daß Herr von Köller bei seinem Einzuge in das neue Amt als Staatssekretär für Elsaß-Lothringen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, und daß es nicht leicht für ihn sein wird, dos allgemeine Vertrauen in biefem seinem neuen Amte zu gewinnen. Diese That­sache muß Jrdemann als vorhanden anerkennen, ob er nun als politischer Freund oder als politischer Gegner des Herrn von Köller sich fühlt; und deswegen ist und bleibt eS ein Experiment, gerade Herrn von Köller auf diesen schwierigen und überaus verantwortungsreichen Posten nach Straßburg zu»entsenden, und zwar ein gewagtes Experiment; und die Frage, ob gerade Elsaß-Lothringen ein geeignetes Feld für solche Experimente sei, kann man doch auch nur mit einem klaren Nein beantworten.

Es kommt noch etwas Anderes hinzu: der Fürst von Hohenlohe-Langenburg wird augenscheinlich in allernächster Zeit die Statt­halterschaft von Elsaß-Lothringen niederlegen. Der .Elsässer' hat zuerst auf die bevorstehende Wahrscheinlichkeit hingewiesen; und nach den vorliegenden Meldungen in anderen Blättern handelt es sich nicht nur um eine Wahrscheinlich­keit, sondern um eine Gewißheit. Anders steht es mit dem Gerüchte, daß der Feldmarschall Graf Waldersee der Nachfolger des Fürsten in Straßburg werden solle. Der Graf würde zwar eine hervorragend geeignete Persönlichkeit für das hohe Amt sein; aber taufend Gründe sprechen gegen die Annahme, daß er jetzt unver­sehens aus seiner militärischen Stellung heraus- gerisstn werden sollte.

Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe, der Gatte der zweitaltesten Schwester des Kaisers, wird ganz neuerdings als Anwärter für den Statthalterposten in Straßburg genannt. Der Prinz und seine Gattin fühlen jedenfalls große

Weine erste Madlour.

Humoreske von Gaspard Genetiv.

A ------ (Nachdruck verboten.)

Kurz und gut, ich ließ mich überzeugen, meinen schönen, neuen, schwarzen Gehrock zusammen zu rollen und an der Lenkstange zu befestigen. Dann ging's weiter. Doch kaum waren wir eine halbe Stunde unterwegs, da folgte eine zweite Auflage des Gewitters; in Strömen fiel neuerdings der Megen und wir waren noch eine bedeutende Strecke vom nächsten Dorfe entfernt, in welchem, wie ich glaubte, mich glücklicher Weise Niemand tonnte.

An einer starken Steigung kurz vor dem Orte mußte ich abspringen. Valentin eilte schnell die kleine Anhöhe hinauf; doch plötzlich führte er eine sonderbare Bewegung aus und war im Nu vom Rade.

„Was ist geschehen?" rief sein Vater ihm zu.

Valentin bückte sich, und hob seine Kette von der Erde auf: „Zerrissen!" rief er zurück.

So rückten wir denn in das Dörfchen ein, der Eine mit zerriffener Kette, und alle Drei gründlich durchnäßt; und so suchten wir im aller­ersten Hause — da es immer noch regnete — eine Unterkunst.

Wir fanden eine zahlreiche Familie um das Herdfeuer der rauchgeschwärzten Küche versammelt.

„Gibt es hier eine Schmiede?" lautete Walentins Frage.

„O ja, vier Häuser weiter."

Neigung dazu, in eine regierende Stellung zu gelangen, und daß der Prinz den Posten an­nehmen würde, wenn ein entsprechendes An­erbieten erfolgen sollte, ist kaum zu bezwei,eln. Der Prinz verlor die Regentschaft von Lippe- Detmold, und aus dem Gerüchte, daß er die Regentschaft von Braunschweig übernehmen solle, wird niemals Wahrheit werden. Man darf wohl auch annehmen, daß mächtige Einflüffe für ihn Ihätig seien, um seinen und seiner Gattin Lieblings wünsch z u erfüllen. Sollte der Prinz aber wirklich für den Statthalterposten in Aus­sicht genommen sein, dann würde vermuthlich das Ansehen des Staatssekretärs im Ver­gleiche zu dem des Statthalters nicht unerheb­lich wachsen. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß nach einer Straßburger Drahtmeldung des Pa­riser ,Temps' der Rücktritt des Fürsten Hohen­lohe-Langenburg „eine durchaus sichere Sache" sein soll. Der Fürst weilt gegenwärtig im Ur­laub auf seinem Schlöffe Langenburg und soll nach dieser Meldung gar nicht mehr nach Straß­burg zurückkehren. Die bestimmte Aufklärung darüber wird schwerlich lange auf sich warten taffen. Jedenfalls wirkt das geheimnißoolle Dunkel nicht angenehm, das die Gründe, aus denen die Straßburger Krise hrroorgegangen ist, noch immer mit einem undurchdringlichen Schleier umgibt. Man täuscht sich wohl kaum in der Beurtheilung der Stimmung in der Bevölkerung von Elsaß-Lothringen, wenn man annimmt, daß die angebliche Anwartschaft des Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe den Wechsel in den höchsten Straßburger Aemtern der Bevölkerung nicht angenchmer machen wird.

Die »Straßburger Post' bemüht sich übrigens, die Gerüchte von einem Rücktritte des Fürsten Hohenlohe als unbegründet zu bezeichnen. Danach soll der Fürst „gar nicht den Wunsch hegen, aus dem Statthalterposten zu scheiden; er fei noch viel zu rüstig, um an Ruhe zu denken. Und für den Kaiser werde ja sicherlich auch kein Grund bestehen, den Fürsten durch einen Andern zu ersetzen . . ." Man kann sich aber kaum vorstellen, daß alle jene Gerüchte und Nachrichten ohne jegliche Veranlassung entstanden sein sollten!

Derrtfches Keich-

Berlin, den 7. August.

h. Die feierliche Beisetzung der Kaiserin Ariedrich an der Seite ihres Gemahls in der Friedenskirche in Potsdam soll am 13. August stattfindrn. Vorher wird eine öffentliche Leichen­feier in Cronberg abgehalten werden. Die eigentliche intime Trauerfeier wird in Potsdam vor der Beisetzung abgehalteu werden, und zwar in der Jaspisgallerie des Neuen Palais — alles genau nach den Wünschen der verewigten Kaiserin.

X Kaiserin Ariedrich und Iieich»- kauzler Aürst Aismarek. In weiten Kreisen der deutschen Bevölkerung ist man von jeher zu der Annahme geneigt gewesen, daß zwischen der Kaiserin Friedrich und dem ersten Reichskanzler ein sehr wenig gutes Verhälrniß bestanden und daß Fürst Bismarck häufig ernsthafte Konflikte

„Schön, ich werde dann meine Kette dort repariren," wandte sich Valentin an uns.

Nach seinem Weggänge — wir hatten mittler­weile auf einer Bank hinter dem Tische Platz genommen — erklärte mir Korfirius, das könne sein Valentin selbst machen. Er führte auch stets einige Kettenglieder in der Satteltasche mit sich, um bei einem derartigen Unfall gleich den Schaden wieder repariren zu können.

Jndeffen ging der Hausvater, ein kräftiger Bauer in den vierziger Jahren, ziemlich miß­trauisch ab und zu — wir schienen ihm eine wenig Vertrauen erweckende Gesellschaft zu fein.

Auf Korfirius' muntere Frage nach einer trinkbaren FlÜsfigkeit, brummte der Mann etwa- von „kein Wirthshaus".

„Na, Wein muß es ja gerade nicht sein, Sie haben doch wohl eine Taffe Milch," sprach etwas laut mein lieber Freund.

„Ich weiß nicht, wie Ihr Euch überhaupt so ungebeten hier herein drängen könnt; wir sind ordentliche Leute und wollen mit solch' her­gelaufenem Volk nichts zu schaffen haben!" fuhr da der Bauer los und näherte sich in bedenk­licher Weise des Hauses Besenstiel.

„Aber Michel," begütigte ihn seine beffere Hälfte, „sei doch nicht gleich so grob! — hier, Ihr Leute," wandte sie sich dann zu uns, „hier hat Jeder eine Taffe Milch; die geben wir Euch ganz gern."

KorfiriuS dankte in etwas gemäßigterem Tone und sprach nach einer Weile zu mir:

„Herr Genetiv, wollen Sie mal nach dem Wetter sehen!"

mit der nunmehr verewigten hohen Frau aus­zumachen gehabt habe, namentlich in der Zeit der neunundneunzig Tage der Regierung des Kaisers Friedrich. Fürst Bismarck selbst hat diese Annahme mehr als einmal als falsch be­zeichnet. In demselben Sinne schreiben jetzt die .Hamburger Nachrichten':

„Mit Ausnahme dieses einen Falles (nämlich geplante Heirath ihrer Tochter Viktoria mit dem Fürsten Alexander von Bulgurien) dürfte die ver­ewigte Kaiserin während der 99 Tage der Re­gierung ihres Gemahls kaum jemals mit dem damaligen Leiter der deutschen Politik, dem Fürsten BiSmarck, in ernstlichen Konflikt gerathen sein. Wir erinnern uns, daß der entschlafene große Kanzler wiederholt im Gespräche der Mei­nung entgegengetreten ist, die Kaiserin Friedrich habe ihm das Leben schwer gemacht und ihm große Schwierigkeiten bereitet . . ."

Die nahen Beziehungen sind bekannt, in denen das genannte Hamburger Blatt zu dem „Einsiedler im Sachsevwclde" stand. An der Richtigkeit dieser seiner Darstellung ist ganz und gar nicht zu zweifeln.

* Die KeimüeHr des Grafe« Waldersee, die mit glänzenden müilälischen Veranstaltungen und rauschenden Festlichkeiten begangen werden sollte, vollzieht sich unter dem Eindruck des Todesfalles im Kaiserhause so ziemlrch ohne Sang und Klang. Am Montag um 1/a6 Uhr Abends traf die „Gera" in Cuxhaven ein. Während der Einfahrt fand an Boro ein letzter Gottesdienst statt. Nach desfrn Beendigung richtete der Feld-

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marschall einige Abschiedsworte an die 300 Rekonvaleszenten, die heute ausgeladen werden und nach Bremerhaven ins Marinelazareth gehen. Er sprach allen Mannschaften seine Anerkennung für ihre treffliche Führung aus, wünschte den Kranken baldige Genesung, verkündete Allen die Verleihung der China-Medaille und schloß mit einem Hurrah auf den Kaiser. Am Quai sam­melten sich viele Menschen, die Hurrah riefen, sobald der Feldmarschall sich zeigte. — Heute fuhr die „Gera" mit ausschließlich nur dem Ober­kommando an Bord elbaufwärts nach Bruns­hausen, wohin die Gräfin Waldersee auf dem Dampfer „Willkommen" zur Begrüßung ihres Gemahls sich eingesunden hatte. Die Haupt- empfangSfeier za Ehren Waldersee's findet heute'in Hamburg statt. Der Kaiser hat den Korpskommandanten des 11. Armee-

Da meinte Michel, mit einem Schritte aus der Besenrcke, und indem er mich einer etwas genaueren Okularinspektion unterwarf:

„Wa-? Herr Genetiv? Seid Ihr vielleicht verwandt mit dem Herrn Genetiv aus Lenz­heim?"

„Ja, gewiß — ich — ich bin — bin--

sein — — — sein — Bruder," stotterte ich ganz verwirrt.

„So so; Ihr habt auch große Aehnlichkeit mit ihm! na, trinkt nur,“ meinte er bann ziem­lich freundlich, „auf eine Taffe Milch kommt es uns nicht an; wir sind gegen ordentliche Leute gar nicht uneben."

Während dieser Worte ging ich zur Haus- thüre, um nach dem Wetter zu sehen; hinter mir hörte ich ein kurzes Geflüster und als ich zurück- kehrte mit der Nachricht, es höre auf zu regnen und Valentin komme eben mit seinem Rade, da sagte das alte Großmütterchen, welches bis dahin stillschweigend auf einem Schemel gehockt und uns sinnend betrachtet hatte, zu mir:

„Ich meine, Ihr seid der Herr Genetiv von Lenzhetrn selber; gelt, ich habe Recht?"

„Ja, wenn Ihr mich denn doch einmal er­kannt habt, gewiß, ich bin es selbst."

Allgemeines, erstauntes Mundaufsperren, An- starren, Kopfschütteln--und dann platzte

Michel aber los:

„Ei, Donnerwetter noch e mol, hm, hm, hm ___Marie, gib den Herrn schnell noch ein paar Liter Milch!"

„Danke, danke," lachte mein Korfirius; ich aber drängte zum schleunigen Aufbruch.

korpS, General v. Wittich, mit feiner Vertretung betraut. Derselbe trifft im Lause des heutigen Tages in Hamburg ein. In seiner Begleitung befindet stch Generalmajor v. Linfingen. Ferner treffen heute ein Kriegsminister General der In­fanterie v. Goßler, der kommandirende General des 7. Armeekorps, Generalleutnant Freiherr v. Mssing ous Münster, Graf Zeppelin und Frhr. v. Falcke-chausen aus Stuttgart, Graf Waldersee, ein Verwandter des Feldmarschalls, aus Hannover, und die Schwester der Gräfin Waldersee, Baronin v. Wächter. — Der,Hamb. Korresp.' meldet: Auf Anordnung des Senats sollen die zum Kommando des Grafen Walder­see gehörigen Unteroffiziere und Mannschaften, sowie die Stabswache am 8. August, Nachmittags 3 Uhr, im Konzertgarten bewirthet werden. Dort wird auch den mit der „Gera" heimkom« wenden Kriegern ein Mittagsmahl gereicht. Die mit den Truppentransportdampfern „Arcadia" und „Rhein" heimkehrenden Offiziere und Mann­schaften «erden bei der Durchfahrt durch Ham­burg int Auftrage des Senats auf dem Bahn­hofe bewirthet werden.

+ Areiherr v. Wilmorvski, der Nach­folger des Herrn v. Köller in dem Oberpräsidium von Schleswig-Holstein, war jetzt zuletzt, wie be­kannt, Leiter der Reichskanzlei. Als Rath im landwirthschaftlichen Ministerium war er vielfach beschäftigt beim Bau des Kaiser Wilhelm-Kanals, und bei dieser Gelegenheit hat er Bekanntschaft mit Schleswig-Holstein gemacht. Zum Leiter der Reichskanzlei erwählte ihn Reichskanzler Fürst Hohenlohe.

* Heber die SkervlichLettsoerHSktnisse des höhere« Lehre» stau drs theilte die halb­amtliche Berliner Korrespondenz vor einigen Tagen etwas von den Ergebnissen der amtlich an- gestellten Untersuchungen mit. Danach stehen die .Oberlehrer und Direktoren „erheblich besser als die männliche Bevölkerung" im Allge­meinen. Das heißt offene Thüren einrennen. Der einzig zulässige Vergleich muß sich beziehen auf die entsprechenden Verhältnisse der anderen höheren Beamten. Run aber sagt der Offi- ziosus, daß „Zahlen von ähnlicher Genauigkeit für andere Berufsstände fehlen"; dem hieraus sich er­gebenden Mangel an Beweiskraft der ermittelten Zahlen für die Oberlehrer sucht dieselbe Quelle mit her billigen Redensart zu begegnen, daß die bezüglich der Philologen ermittelten Verhältniß- zahleu „so überraschend günstig" seien, daß man schon jetzt hinlänglich urtheilen könne. Das muß bewiesen und nicht bloß behauptet werden. Im Uebrigeu ist eS sehr befremdend, wie die .Köln. Volksztg/ mit Recht hervorhebt, daß die schon vorhandenen Anfänge amtlicher Untersuchungen über die Dienstverhältnisse der Richter gänzlich ignorirt werden. 1898 hat Geheimrath Lexis, Professor der Nationalökonomie in Göttingen, Er­hebungen des Justiz- und des Unterrichtsministe­riums veröffentlicht, wonach am 1. Januar 1897 unter den Richtern erster Instanz dem Prozent­sätze nach mehr denn fünfmal soviel Männer vor­handen waren, die noch mit 65 Jahren die Bürde des Amtes tragen konnten, als unter den Ober­lehrern, und wonach die 1895 und 1896 durch Tod oder Pensionirung aus dem Amte geschiedenen Oberlehrer fast sieben Jahre früher der Last ihres

Ein kurzer Absehied, und dann ging's zu­nächst zwischen deS Dorfes Pfützen hindurch zu Fuß weiter.

Vor dem Dorfe angelangt, gab mir Korfirius den Rath, die nächste, drei Kilometer lange Strecke zu gehen; denn bis zu dem Städtchen Bien weiter, wohin wir bann kommen sollten, gab es ein ziemlich starkes Gefälle; dort zu radeln, sei für einen Anfänger gefährlich. Sie beide wollten langsam voran fahren und im ersten Wirthshause auf mich warten. Der Vor­schlag wollte mir n'cht recht einleuchten, be­sonders in puncto „gefährlich“; doch ich fügte mich.

„Kennt Sie dort J.mand?“ fragte Korfirius noch zurück.

„Nur der Ortspfarrer," rief ich ihm «ach. Dann waren Beide an der nächsten Straßen­biegung verschwunden.

Langsam ging ich meines Pfades dahin und gab der mittlerweile wieder kräftig brennenden Sonne Gelegenheit, mein Aeußeres zu trocknen. Allmählich wurde mir indessen die Sache lang­weilig.

„Wozu kann ich denn radeln? soll das denn wirklich so gefährlich sein? ich denke, es muß doch hier gerade herrlich hinabgehen!" so monologtfirte ich vor mich hin. Dann durch­drang mich der teutonische Muth, einige hopp, hopp! — und — „ah! das geht ja wirklich prächtig! wo ist denn da Gefahr?"

„Doch mit des Geschickes Mächten" rc.

Lustig ging's abwärts; schon sehe ich daS liebliche Bienweiler vor mir, schon bin ich aw